Noch 15 Monate bis zum ESAF 2022 Pratteln: Die Pandemie ist kein Bremser, weder organisatorisch noch emotional

Text: feldwaldwiesenblogger

In ziemlich genau 15 Monaten steht das nächste Eidgenössische Schwing- und Älplerfest auf dem Programm: Das ESAF 2022 in Pratteln. Die Organisatoren sind schon seit geraumer Zeit fleissig an der Arbeit. 

Vor 21 Monaten letztes Kranzfest

Aus heutiger Sicht liegt dieser Anlass noch meilenweit entfernt. Aber: Das letzte ESAF 2019 in Zug liegt auch schon wieder 21 Monate zurück. Und seit diesem «Eidgenössischen» fand corona-bedingt kein einziges Kranzfest mehr statt! Aus diesem Blickwinkel betrachtet wirken 15 Monate als relativ kurze Zeit, zumal man überhaupt keine Ahnung hat, wie sich die Pandemie bis dahin entwickelt. In jüngster Zeit durften aber alle Hoffnung schöpfen, dass die Rückkehr zum «Normalzustand» noch in diesem Jahr erreicht werden könnte. Dennoch stellen sich deswegen rund um die Vorbereitungen des ESAF 2022 einige Fragen. 

Gespräch mit ESAF-Geschäftsführer Matthias Hubeli

Im Gespräch mit dem ESAF-Geschäftsführer Matthias Hubeli wollte ich erfahren, ob die Corona-Pandemie die Vorbereitungen beeinflussen. Weiter aber auch, ob ein zweiter Anlass mit eidgenössischem Charakter nächstes Jahr in den Kalender passen würde und ob das Fest in Pratteln im Vergleich zu Zug kleiner wird. Ich wollte aber auch in Erfahrung bringen, ob in der Region bereits eine Aufbruchstimmung zu spüren ist.

Matthias trat am 1. April 2018 seine Stelle als Geschäftsführer an. Der 44-jährige wohnt in Therwil BL, ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Matthias arbeitete vor seinem ESAF-Engagement bei der Polizei Basel-Landschaft und war 2017 OK-Präsident vom Nordwestschweizer Schwingfest in Therwil. Der Familienvater betonte beim Gespräch, dass er bereits ein Leben lang schwinginteressiert sei.

ESAF 2022-Geschäftsführer Matthias Hubeli sagt: «Wir denken, dass der Grossanlass so durchgeführt werden kann, wie wir ihn planen, und wie man es von einem ESAF gewohnt ist.»

Bild: srf.ch

Wie sieht der Stand der Arbeiten aus? Was steht im Moment an?

«Wir bewegen uns in verschiedenen Phasen. Derzeit sind wir in der Detailplanungs-Phase, dazu gehören die Planung der Bauten, der Sicherheit und des Verkehrs. Nun geht’s in die Phase, in welcher wir die behördlichen Bewilligungen einholen, wie beispielsweise die Baubewilligung. Weiter erfolgen die Detailarbeiten für die Gastronomie und deren Umsetzung. Da sind wir bereits daran, Verträge abzuschliessen.»

Wie viele Personen arbeiten derzeit vollamtlich für diesen Grossanlass?

«Zurzeit bin ich der einzige, welcher in einem 100 Prozent-Pensum für das ESAF arbeitet. Es wurden zudem einige Mandate abgeschlossen, bei welchen gewisse Personen in einem entsprechenden Stundenkontingent angestellt sind. Der Zuständige für den Bereich Sponsoring ist beispielsweise derzeit voll ausgelastet. Administrativ werde ich von ESV-Geschäftsführer Rolf Gasser unterstützt. Tendenziell wird es im kommenden Frühjahr im Bereich Administration Unterstützung geben. Dies wird klassische Büroarbeit sein.»

Beeinflusst die Corona-Pandemie die Vorbereitungsarbeiten?

«Nein, überhaupt nicht. Die Pandemie ist kein Bremser, weder organisatorisch noch emotional. Es bestehen auch keine Probleme von Seiten des Sponsorings. Zudem haben wir die finanzielle Zusicherung der Gaben praktisch vollständig beisammen. Die Corona-Pandemie beeinflusst unsere Vorbereitung also in keinster Weise.»

Wann würde gar eine Verschiebung des ESAF’s ins Auge gefasst? Gibt es deswegen einen entsprechenden Zeithorizont?

«Wir haben festgelegt, dass wir im Sommer mit dem ESV zusammen die Situation beurteilen. Wir vom OK schauen jedoch positiv in die Zukunft. Wir denken, dass der Grossanlass so durchgeführt werden kann, wie wir ihn planen, und wie man es von einem ESAF gewohnt ist.»

Gibt es Planspiele, die wegen Corona gar eine kleinere Arena ins Auge fassen?

«Nein, für uns war es bisher kein Thema, eine abgespeckte Version des «Eidgenössischen» zu prüfen.»

Mit einem schön gestalteten Festplakat wird auf das in 15 Monaten stattfindende ESAF 2022 Pratteln hingewiesen

Bild: esaf2022.ch

Würde aus eurer Sicht nächstes Jahr noch ein zweiter Anlass mit eidgenössischem Charakter in den Schwingfestkalender passen?

«Das wäre für uns überhaupt kein Problem. Wir sind offen dafür, finden es aber äusserst schade, dass das Eidgenössische Jubiläumsschwingfest in diesem Jahr nicht stattfindet. Wir können mitfühlen, wie das sich emotional anfühlt. Da steckt viel Arbeit dahinter, und dann wird eine Durchführung schwierig bis unmöglich.»

Ist wegen dem ESAF in eurer Gegend bereits eine Aufbruchstimmung zu spüren?

«Wir stellen fest, dass das Interesse nun klar steigt. Wegen der Corona-Pandemie konnten wir zuletzt keine Anlässe besuchen und mit der Bevölkerung sprechen. Wir wissen aber, dass sich die Schwinger-Szene extrem freut. Es ist eine grosse Vorfreude vorhanden.»

Wird euer Fest im Vergleich zu Zug kleiner werden? Wie viele Festbesucher erwartet ihr in der Arena und draussen in der Festmeile?

«Wir wissen, dass die Arena kleiner und 50’900 Zuschauer fassen wird. Diesen Bereich können wir direkt beeinflussen. Den Aussenbereich hingegen kann man nicht steuern. Wir planen daher mit so vielen Leuten wie in Zug. Wir wollen niemandem verbieten vorbeizukommen, sind am 26. August 2022 parat und heissen alle herzlich willkommen!»

Wird das Budget von Pratteln in einem ähnlichen Rahmen wie demjenigen vom ESAF Zug (etwas über 36 Millionen Franken) sein?

«Wir befinden uns beim Budgetprozess in der vierten Runde, und sind im selben Rahmen unterwegs wie die Zuger.»

Die Corona-Pandemie hat keinen Einfluss auf eure Motivation?

«Wenn man ein Fest, welches nur alle 45 Jahre in unserer Region stattfindet, organisieren darf, dann erfüllt einem das mit Stolz. Jeder, vom OK-Präsidenten bis zum einfachen Helfer, freut sich ungemein auf diesen Anlass. Es braucht daher keine zusätzliche Motivation. Die Pandemie tangiert uns momentan nicht, und wir machen das Beste aus der Situation.»

feldwaldwiesenblogger

Erinnerungen an den ehemaligen Innerschweizer Spitzenschwinger Leo Betschart

Text: feldwaldwiesenblogger

Leo Betschart ist am 17. April an einem Krebsleiden gestorben. Der 65-Jährige war vor neun Jahren mit seiner Frau Edith nach Kanada ausgewandert, und arbeitete in Halifax auf einer Hirschfarm. Der Zuger mit Muotathaler Wurzeln war ein vorbildlicher, fairer und brillanter Spitzenschwinger. Leo weist ein phänomenales Palmarès auf, und war in den 1980er-Jahren der Leader der Innerschweizer. Der gelernte Käser und spätere Futtermittelberater begann seine schwingerische Laufbahn im Schwingklub Küssnacht. Nach dem Wohnortswechsel nach Sins trat Leo dem Schwingklub Cham-Ennetsee bei. Um weitere Details aus seiner Lebensgeschichte zu erfahren, empfehle ich die Lektüre des Nekrologes auf der ISV-Homepage.

Edwin Betschart erinnert sich im Gespräch an seinen Bruder

Der Schreibende ging auf die Suche nach Erinnerungen, und fand diese im Gespräch mit Edwin Betschart, dem 15 Jahre jüngeren Bruder von Leo. Edwin war ebenfalls Schwinger, zwar nicht ganz so erfolgreich wie sein grosser Bruder, die Ausbeute von 22 Kränzen kann sich aber absolut sehen lassen. Der 51-jährige wohnt in Dietwil AG, ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Edwin arbeitet als Krantechniker und war bis Februar 2020 Technischer Leiter der Zuger Schwinger.

«Er war unglaublich ehrgeizig und extrem kräftig. Leo zeichnete eine grosse Leidenschaft zum Sport aus», sagt Edwin Betschart über seinen Bruder

Bild: luzernerzeitung.ch

Was für ein Mensch war Leo?

«Leo war ein geradliniger und loyaler Mensch. Er schwamm bildlich betrachtet gegen den Strom, und nicht mit ihm. Mein Bruder hatte die Ja-Sager und Mitläufer nicht gerne. Leo war bodenständig, offen für Neues und setzte sich keine Schranken. Darum war er beispielweise ausgewandert.»

Welche Kindheitserinnerungen hast du an deinen älteren Bruder Leo?

«Er war für mich zugleich grosser Bruder und grosser Schwinger. Ich wuchs zusammen mit fünf Geschwistern auf, wir waren vier Buben und zwei Mädchen. Leo zog früh von zuhause aus und heiratete früh. Als Achtjähriger durfte ich an seiner Hochzeit in einem Sennenmutz vorauslaufen. Als ich 13 Jahre alt war, begleitete ich 1983 meine Mutter ans ESAF nach Langenthal. Leo belegte nach dem ersten Tag Platz zwei, und wir machten uns Hoffnungen auf eine Schlussgangteilnahme. Das war für mich ein grosses Erlebnis, und ich war beeindruckt von Leo’s Leistung. Er war für mich ein grosses Vorbild, sowohl menschlich wie auch als Schwinger.»

Wann begann dein Bruder zu schwingen?

«Leo war nie Jungschwinger, er begann erst als 16-Jähriger zu schwingen, damals beim Schwingklub Küssnacht. Anfangs der 1970iger-Jahre zogen wir von Küssnacht nach Sins, unser Vater konnte dort einen Bauernhof kaufen. Mein Bruder war in Sins erst beim Seilziehclub, ehe ISV-Ehrenmitglied Alfred Hegglin dafür sorgte, dass Leo dem Schwingklub Cham-Ennetsee beitrat.»

Wann oder wo ging der Stern von Leo so richtig auf?

«Den ersten Kranz gewann er 1976 als 21-Jähriger am Zuger Kantonalen in Hünenberg. Es ging danach alles sehr schnell, und zwei Jahre später stand er bereits im Schlussgang eines Innerschweizerischen. Zu dieser Zeit gewann Leo bereits die ersten Kranzfeste. Der Übergang vom Kranzgewinner bis zum Innerschweizer Spitzenschwinger ging zügig voran.»

Was zeichnete Leo als Spitzenschwinger aus?

«Er war unglaublich ehrgeizig und extrem kräftig. Leo zeichnete eine grosse Leidenschaft zum Sport aus. Wir haben auch zusammen trainiert. Er gab mir mit auf den Weg, dass man nie aufgeben soll und dranbleiben muss. Und: Dass man mehr machen muss als die anderen, wenn man stärker sein will.»

Leo Betschart (links) bei einem seiner grössten Erfolge, dem Unspunnen-Sieg 1981 in Interlaken

Bild: srf.ch

Welche Erinnerungen hast du an seine Erfolge?

«Ich erinnere mich noch gut an seinen ersten ISAF-Sieg 1980 in Bürglen UR, an welchem er einen prächtigen Stier gewann. Diesen hat er anschliessend mit nach Hause genommen. Dieser Erfolg mitsamt dem Muni hat mich sehr beeindruckt.»

Welches war in den Augen von Leo sein grösster Erfolg?

«Das ist eine gute Frage. Ich denke, für Leo war der Unspunnen-Sieg 1981 einer seiner grössten Erfolge. 1987 bezwang er am Brünig-Schwinget beim Anschwingen den zweifachen Schwingerkönig Ernst Schläpfer. Diesen Sieg stufte Leo auch als einen grossen Erfolg ein.»

Die Muotathaler Wurzeln von Leo und dir?

«Diese sind uns wichtig und stets präsent. Wir gingen etliche Male gemeinsam ins Muotathal um beispielsweise zu bräteln. Weiter begleiteten wir unseren Vater öfters an den Ort, wo er geboren wurde. Einmal wanderten wir zusammen mit unserem Vater auf die Alp Träsmeren, welche im weitläufigen Muotatal liegt. Ihm ging es dabei auch darum, ob wir den grossen Steinbrocken, welcher oberhalb der Alphütte liegt, aufheben können. Leo und ich konnten ihn ein Stück weit aufheben. Dass wir das schafften, war unserem Vater sehr wichtig. Denn Kraft war der Mittelpunkt im Leben unseres Vaters, und er lebte uns diese vor.»

Erinnerungen an die Zeit, als Leo für den Schwingklub Cham-Ennetsee aktiv war?

«Eindrücklich war Leo’s Einstellung beim Konditionstraining. Als alle platt waren, legte er noch eine Schippe drauf. Er gab uns mit, dass man auch dann noch weitermacht, wenn es fast nicht mehr geht. Oder beim Fitnesstraining im Vitaparcours: Wir liefen eine Treppe zehnmal rauf und runter, und dachten, dass nun genug sei. Leo forderte von uns, nochmals hinauf zu rennen. Er war ein zäher und ausdauernder Sportler. Manchmal haben wir 10 oder 15 Minuten lang am Stück wettkampfmässig geschwungen, bis wir nicht mehr konnten. Gute und reissfeste Trainings-T-Shirts gab es damals noch nicht. Also haben wir oben ohne trainiert. Nach diesen Trainings waren wir dementsprechend verschwitzt und voll Sägemehl. Unsere Körper haben gedampft und über der Schwinghalle hing ein Nebel aus Dampf.»

Welche spezielle Geschichte passt hervorragend zu Leo?

«Zehn Alpinisten stehen vor einem steilen Berg und ergründen zusammen, ob eine Route hinaufführt. Neun von ihnen meinen, dass ein Aufstieg unmöglich sei, und ein Versuch gar nicht in Frage komme. Nur einer erklärt, dass er es versuchen möchte. Dieser eine war Leo: Er hat dieses Neue entdecken, trotz Unwägbarkeiten, gelebt. Er hat beispielsweise nicht nur davon gesprochen, auszuwandern. Leo hat sein grosser Wunsch auch in die Tat umgesetzt, und wanderte mit seiner Frau Edith nach Kanada aus. Ich freue mich für ihn, dass er das erleben durfte.» 

feldwaldwiesenblogger

Wildwuchs in der Schwingfestplanung – Ein OK-Präsident nimmt Stellung

Text: feldwaldwiesenblogger

Der Eidgenössische Schwingerverband (ESV) organisiert rings um die Corona-Pandemie alles Mögliche. Mit den stufenweisen Öffnungsschritten dürfen inzwischen alle Schwinger wieder trainieren. Dazu wurde ein entsprechendes Schutzkonzept herausgegeben. Bereits letzten Herbst erlies der ESV die Devise «Schwingfeste 2021 zu 100 Prozent JA» und erstellte dazu ein Rahmenschutzkonzept. Schwingfeste sind zwar erst für die Jungschwinger und die Jungaktiven mit Jahrgang 2001 und jünger erlaubt. So wie es derzeit aussieht, könnten Wettkämpfe für die Aktiven ab Mitte/Ende Juni auch wieder möglich sein.

Othmar Reichmuth, OK-Präsident vom ISAF 2021, nimmt Stellung zum Wildwuchs in der Schwingfestplanung

Bild: isaf2021.ch

Welche Rolle spielt der ESV in der Schwingfestplanung?

Nach den jüngsten Lockerungen des Bundesrates nimmt die Schwingerei nun Fahrt auf. Und mit ihr auch die Schwingfestplanung. Dabei konnte man in den letzten Tagen und Wochen feststellen, dass etliche Kranzfeste in den Sommer und Herbst geschoben werden. Man darf behaupten: Das wird ein heisser Schwingsommer- und herbst. Aber diese Verschiebungs-Orgie zeigt nun auch seine negativen Seiten: Sie präsentiert sich nämlich als Wildwuchs. Das ist jedenfalls die Meinung von Othmar Reichmuth, OK-Präsident vom diesjährigen Innerschweizerischen Schwing- und Älplerfest (ISAF) in Ibach SZ. Die Innerschweizer Schwinger haben vor wenigen Tagen ihren Fahrplan für Juni/Juli bekanntgegeben. In diesen beiden Monaten sollen nämlich vier Kranzfeste in kurzer Abfolge auf ein und demselben Platz ausgetragen werden. So auch das ISAF am 4. Juli. Reichmuth nahm heute in einem Interview im «Bote der Urschweiz» Stellung zu diesem Fest. Dabei kamen die Verschiebungen auch zur Sprache: «Es droht die grosse Verschiebungswelle vieler grosser Kranzfeste in den Herbst. Welche Rolle spielt der Eidgenössische Schwingerverband in der Koordination? Ist dort eine Strategie zu erkennen?» Reichmuth entgegnete darauf: «Ich weiss nicht, welche Rolle der Eidgenössische Schwingerverband in dieser Frage spielt, weil ich ihn schlicht nicht wahrnehme, was ich persönlich sehr bedaure.»

Statt einer normalen Festhierarchie herrscht nun Wildwuchs

Der Schreibende wollte es genauer wissen, und bat Reichmuth um eine Präzisierung betreffs der Rolle des ESV bei dieser Verschiebungswelle. Der OK-Präsident vom diesjährigen ISAF gab zu Protokoll: «Beim ESV vermisse ich im höchsten Grad, dass er keine gesamtschweizerische Festplanung macht – in normalen Jahren ist er genau da sonst sehr einflussreich! Konkret: Es war ja schon früh klar, dass die Ende April und im Mai stattfindenden Kantonalfeste nicht durchgeführt werden können. So haben wir vorgeschlagen, dass über alle Teilverbände gesehen die Kantonalfeste zum Beispiel im Juni, die Teilverbandsfeste im Juli, die Bergfeste im August und die beiden Eidgenössischen Anlässe im September stattfinden sollten. So hätte sich trotz verkürzter Saison eine normale Festhierarchie ergeben. Man hätte so auch Qualifikationskriterien für die Teilverbands- und die Eidgenössischen Feste geschaffen. Stattdessen herrscht nun Wildwuchs – einzelne picken sich jetzt noch mögliche Daten heraus. Beim Schutzkonzept hat der ESV etwas gemacht, aber ehrlich gesagt ist das auf einer Flughöhe, welche uns als Organisator nichts brachte. Bezüglich Fernsehrechte hat der ESV alle Teilverbands- und Bergfeste für sich beansprucht und der SRF verkauft. In diesem besonderen Jahr versuchen wir seit letztem Oktober trotz Vorrecht von SRF ein Sonderrecht für Streaming-Angebote zu erhalten. Es hat bis Ende April gedauert, bis diese Frage endlich geklärt war. Führungsarbeit und sich gemeinsam Helfen in schwierigen Zeiten stelle ich mir anders vor.»

feldwaldwiesenblogger

Dass wieder ALLE schwingen dürfen, hat die Gemüter innerhalb der Schwingerwelt ziemlich beruhigt. Wie geht es nun weiter?

Text: feldwaldwiesenblogger

Am Donnerstag letzter Woche überraschte der Eidgenössische Schwingerverband (ESV) mit einer frohen Botschaft: Es dürfen wieder ALLE schwingen! In Zusammenarbeit mit der Technischen Kommission (TK) und dem Aktivenrat hat der Zentralvorstand (ZV) nämlich folgendes beschlossen: Die Öffnungsschritte vom 1. März (Training im Sägemehl und Wettkämpfe der U20-Schwinger) und 17. März (120 in Zusammenarbeit mit Swiss Olympic definierte Schwinger der Leistungssportgruppe) behalten weiterhin ihre Gültigkeit. Die restlichen Ü20-Schwinger dürfen das Training unter strengen Schutzmassnahmen auch wieder aufnehmen. In der Tat eine gute Neuigkeit und ein weiterer Schritt zurück in die Normalität.

Training unter Schutzmassnahmen

Für die Ü20-Schwinger gilt nun: Die wichtigste Schutzmassnahme ist die permanente Maskenpflicht beim Training, auch beim Schwingen. Weiter dürfen maximal 15 Schwinger inklusive Trainingsleiter an einer Trainingslektion teilnehmen, und diese Lektionen dürfen nur im Freien abgehalten werden. Pro trainierendes Schwingerpaar soll eine Sägemehlfläche von 20 Quadratmetern zur Verfügung stehen. Der Sägemehlring soll zudem eine Mindesthöhe von 15 gewalzten Zentimetern aufweisen. Schwinger der Gruppen U20 und des Leistungssports können an den Trainings ebenfalls teilnehmen, haben sich dann aber an diese strengeren Regeln zu halten. Der ESV empfiehlt zudem, mit dem Schulschwingen, dem sogenannten Techniktraining zu beginnen. Weiter sollen sich die Schwinger einmal wöchentlich einem Corona-Selbsttest unterziehen. Soweit die Spielregeln für diesen eminent wichtigen Öffnungsschritt.

Stefan Strebel als Motor hinter den Öffnungsschritten

Diese stufenweisen Öffnungsschritte darf man als Erfolg werten. Der bisher letzte Öffnungsschritt mit dem Verdikt «Es dürfen wieder ALLE schwingen» lässt innerhalb der Schwingerwelt nach den jüngsten Turbulenzen sicher etwas Ruhe einkehren. Denn das sollte inzwischen allen klar sein, dass der ESV nicht einfach tun und machen kann, was ihm beliebt. Auch dieser grosse Sportverband muss sich an die Vorgaben des Bundes halten. Darum sind die einzelnen Öffnungsschritte so wichtig, mit dem einzigen Ziel, in absehbarer Zeit wieder Schwingsport geniessen zu können, wie wir ihn kennen. Dazu braucht es jetzt einfach ein wenig Geduld. Der grosse Motor hinter den einzelnen Öffnungsschritten ist Stefan Strebel, der TK-Chef vom ESV. Beharrlich ging er seinen Weg und setzte sein Ziel, dass alle wieder schwingen können, in die Tat um. Im Gespräch mit Stefan wollte ich erfahren, ob sich die erhitzten Gemüter nun tatsächlich etwas beruhigt haben, wie die Ü20-Schwinger diese gute Nachricht aufnahmen und wie die Erfahrungen in der ersten Trainingswoche aussahen. Weiter erzählte Stefan von den Reaktionen auf die bisherigen Öffnungsschritte und wann mit Schwingfesten der Aktiven zu rechnen ist. 

Seit diesem Montag sind Schwingtrainings auf Aussenschwingplätzen möglich, wie hier in Amriswil TG

Bild: Schwingerverband Oberthurgau (Facebook)

Haben sich nach dem letzten Öffnungsschritt die erhitzten Gemüter innerhalb der Schwingerwelt etwas beruhigt?

«Diese Frage kann ich klar mit ja beantworten. Ich habe viele positive Nachrichten erhalten. Einerseits von Seiten der Sozialen Medien und den herkömmlichen Medien, andererseits bekam ich auch Briefe. Die meisten haben nun verstanden, um was es bei diesen Öffnungsschritten geht.» 

Steckt hinter dem Öffnungsschritt «Schwingen auch für die Ü20-Schwinger» ein grosses Ringen mit BASPO/Swiss Olympic?

«Ja, dahinter stecken tatsächlich ein grosses Ringen und viele Telefonate mit den entsprechenden Stellen. Damit alle schwingen können, wurde der Kompromiss mit der Maskenpflicht beim Training ausgehandelt. Wir vom ESV haben dabei quasi die Vorreiterrolle für die Kampfsportarten übernommen. Die nächsten Öffnungsschritte werden direkt vom Bundesrat kommen. Swiss Olympic wird dann nur noch eine beratende Rolle einnehmen und Informationen übermitteln.»

Wie nahmen die Ü20-Schwinger die frohe Botschaft samt den strengen Schutzmassnahmen auf?

«Die Ü20-Schwinger haben das sehr positiv aufgenommen. Einige von ihnen haben zum Teil seit eineinhalb Jahren nicht mehr geschwungen. Es stimmt für sie, dass sie mit Schulschwingen beginnen können. Es ging ihnen auch darum, sich wieder mal zu treffen und austauschen zu können. Viele Schwingklubs haben bereits Aussenplätze errichtet, auch das ist ein positiver Aspekt.»

Gibt es von Seiten der Schwingklubs viele Fragen zur Umsetzung der entsprechenden Vorgaben?

«Nein, ich erhielt keine einzige Frage. Das von uns erarbeitete Schutzkonzept beschreibt meines Erachtens die Wiederaufnahme des schwingtechnischen Trainingsbetriebes sehr gut. Das Konzept enthält vier Eckpunkte: Die Teilnahme von 15 Schwingern inklusive eines Technischen Leiters, Trainings nur draussen und mit Maske, das empfohlene Praktizieren des Schulschwingens und das wöchentliche Testen.»

Wie waren die ersten Erfahrungen bei den Trainings dieser Woche mit den entsprechenden Schutzmassnahmen?

«Ich bekam etliche positive Feedbacks. Die Ü20-Schwinger sind froh um das Techniktraining und das Schulschwingen mit Maske ist machbar. Die Schwinger müssen sich nun einfach ein wenig gedulden, denn der nächste Öffnungsschritt mit frei schwingen ohne Maske wird folgen.»

Stefan Strebel ist der Motor hinter den Öffnungsschritten

Bild: esv.ch

Du darfst diese schrittweisen Öffnungen, welche nun seit dem 1. März erfolgen, auch als deine Erfolge verbuchen. Welche Schritte erwartest du als nächstes?

«Am 12. Mai erwarte ich den nächsten Bundesrats-Entscheid, welcher für Ende Mai weitere Öffnungsschritte vorsehen sollte. Ich rechne damit, dass ab anfangs Juni die Schwingtrainings ohne Maske erfolgen können. Meiner Einschätzung nach können ab anfangs Juli Schwingfeste mit 3’000 Personen stattfinden. Zu diesen 3’000 Personen zählen die Schwinger, Funktionäre, Hilfspersonal und die Zuschauer. Diese Einschätzung ziehe ich aus meinem engen Kontakt mit Swiss Olympic.»

Das eine definierte Anzahl von 120 Schwingern nun der Leistungssportgruppe angehören war eine besonders umstrittene Geschichte, sowohl innerhalb des Zentralvorstands als auch in der grossen Schwingerfamilie. Wie beurteilst du dieses zähe Ringen rückblickend?

«Die stufenweisen Öffnungsschritte waren rückblickend der richtige Weg, auch wenn dieser viel Gegendruck verursachte. Ich würde es wieder genau gleich machen. Ich habe mich dabei ständig hinterfragt, und habe viel Verständnis für andere Meinungen aufgebracht. Denn: Wenn ich nicht so nahe am ganzen wäre, hätte ich wohl auch für ein «Entweder alle oder keiner» plädiert.»

Erhieltest du deswegen auch böse Reaktionen und Kommentare?

«Ich konnte wegen der Corona-Pandemie bisher noch an keinem Schwingfest die Einteilung leiten. Ich rechne damit, dass es dann schon ein paar böse Reaktionen geben könnte. Es war schon heftig Ende Februar/anfangs März mit dem vielen Druck. In dieser Zeit war die Situation ziemlich angespannt, und etliche haben fast schwarzgesehen. Wenn die ESV-Abgeordnetenversammlung in dieser Zeit physisch stattgefunden hätte, hätte ich wohl einige Kommentare über mich ergehen lassen müssen. Im Verlauf vom März und April hat sich die Situation nun sichtlich entspannt.»

Gestern wurde bekannt, dass in Ibach SZ in den Monaten Juni/Juli gleich vier Kranzfeste stattfinden sollen. Die ersten beiden Feste sind für den 20. respektive 26. Juni geplant. Das bedingt aber, dass der Bundesrat weitere Lockerungen auf Ende Mai bekannt gibt. Darum die Frage: Braucht’s die sogenannte Vier-Wochen-Regel vor dem ersten Schwingfest gar nicht mehr, jetzt wo alle Schwinger mindestens Techniktraining machen können?

«Diese vier Wochen sind nicht in Stein gemeisselt. Wenn es auf Ende Mai tatsächlich den nächsten Öffnungsschritt gibt, werde ich mich innerhalb des Zentralvorstandes, der Technischen Kommission und beim Aktivenrat dafür stark machen, dass ab Mitte/Ende Juni Wettkämpfe möglich sind. Bedingung ist, dass ab anfangs Juni die Maske weggelassen werden kann und Wettkämpfe für die Aktiven auch tatsächlich möglich sind. Übrigens: Ich habe mich gestern über die gute Nachricht aus der Innerschweiz sehr gefreut. Vier Kranzfeste auf einem Platz für die Monate Juni/Juli zu planen zeugt von grossem Innovationsgeist und liess mich jubeln. Wir sind auf einem guten Weg, auch wenn es halt manchmal harzt.»

Ein Blick in die Zukunft: Ob das Eidgenössische Jubiläumsschwingfest am 5. September zur Austragung kommen wird, entscheidet sich nächste Woche. Im Raum steht eine Verschiebung ins 2022. Der Kilchberger Schwinget vom 25. September besitzt jedoch gute Chancen auf eine Durchführung. Wird der Zutritt für möglicherweise 10’000 Zuschauer nur mit einem Covid-Zertifikat des Bundes möglich sein?

«Meines Erachtens ja. Ich glaube, dass 10’000 Zuschauer teilnehmen können, halt gemäss den Vorgaben des Bundes. Eine Ausnahme wird es für den Schwingerverband nicht geben.»

feldwaldwiesenblogger

Romain Collaud, das grosse Talent der Südwestschweizer Schwinger

Text: feldwaldwiesenblogger

Romain Collaud war einer der drei gefeierten ENST-Sieger von 2018 in Landquart. Er holte sich mit fünf Siegen und einer Niederlage den begehrten Kategoriensieg beim Jahrgang 2002. Im Schlussgang bodigte der Freiburger den Luzerner Roman Wandeler. Die Südwestschweizer haben sich diesen Erfolg redlich verdient, bedeutet dieser doch die Ernte einer fruchtbaren Nachwuchsarbeit in der Romandie. 

Bereits zwei Kantonalkränze auf dem Konto

Romain wurde am 9. Januar 19-jährig und wohnt in Vallon FR. Die Freiburger Gemeinde befindet sich im Distrikt Broye, sieben Kilometer nördlich von Payerne. Der junge Sennenschwinger absolviert in Payerne eine Lehre als Landmaschinenmechaniker, und steht kurz vor der Lehrabschlussprüfung. Nebst der Ausbildung und dem Schwingsport hilft Romain auf dem elterlichen Bauernhof mit, ist 300 Meter-Schütze und spielt gerne mit seinem jüngeren Bruder Bastien Fussball. Der 188 Zentimeter grosse und 107 Kilogramm schwere Athlet hat zwei im Jahr 2019 gewonnene Kantonalkränze auf seinem Konto, und gehört dem Schwingklub Estavayer-le-Lac an. Bei diesem trifft das grosse Südwestschweizer Talent unter anderen auf den erfahrenen Kranzschwinger Vincent Roch. Als Aktiver darf Romain den Sieg am Regionalschwingfest La Berra (2019), die Teilnahme am ESAF 2019 in Zug und die Schlussgangteilnahme am Hallenschwinget Lausanne anfangs 2020 als Achtungserfolge verbuchen.

Beeindruckender Leistungsausweis als Jungschwinger

Als Jungschwinger gewann Romain 147 Zweige (Rekord im Südwestschweizer Verband) und holte sich zwischen 70 und 80 Festsiege. Darunter zählen sieben Siege an Südwestschweizer Teilverbandsfesten und der eingangs erwähnte Sieg am ENST 2018. Ein solch beeindruckender Leistungsausweis hat in der Romandie noch nicht mancher Jungschwinger erreicht. Nebst seinem Talent zeichnet Romain seine Zielstrebigkeit und seine mentale Stärke aus. Christian Schmutz, der Technische Leiter der Südwestschweizer Schwinger, sagt: «Romain ist ein aufgestellter und anständiger Bursche. Er gibt stets Vollgas, geht auf Tutti und hat zudem keine Angst vor den gestandenen Kranzschwingern.» Der angehende Landmaschinenmechaniker konnte beim Übertritt zu den Aktiven sofort mit den Kranzschwingern mithalten, und schwang bereits 2018 um den ersten Kranz. Die ersten beiden Kranzgewinne 2019 waren denn auch keine Überraschung in der Romandie. Schmutz meint rückblickend: «Die Teilnahme als Nichtkranzer am ENST 2018 in Landquart war in dem Sinne ein positiver Aspekt. Der Fokus lag so weniger auf Romain, welcher dadurch am ENST unbeschwerter schwingen konnte.»

Durch einen regionalen Anlass zum Schwingsport gefunden

In Romain’s Familie hat niemand geschwungen. Der Jungspund fand durch einen Anlass in der Region Estavayer zum Schwingsport, an welchem verschiedene Sportarten vorgestellt wurden. Romain absolvierte ein Probetraining, und bald darauf war er Mitglied vom Schwingklub Estavayer-le-Lac. Seither ist er ein begeisterter und erfolgreicher Schwinger. Romain’s Freundin Lena Etter war beim nachfolgenden Gespräch auch dabei, und fungierte als sprachgewandte Übersetzerin. Herzlichen Dank, Lena!

Romain Collaud ist seit dem 7. Juli 2019 (Walliser Kantonalschwingfest in Martigny) Kranzschwinger

Bild: Romain Collaud

Wie fühlt sich das an, wieder im Sägemehl stehen zu dürfen?

«Es ist ein gutes Gefühl, und die Vorfreude auf das erste Sägemehl-Training war gross. Das Schwingen fühlte sich nach der längeren Pause zu Beginn schon sehr speziell an. Vor dem Trainingsstart im Sägemehl habe ich an meiner Ausdauer gearbeitet.»

Wann wird dein erster Schwingfest-Einsatz dieses Jahr sein?

«Am 2. Mai organisiert unser Schwingklub Estavayer-le-Lac in Vallon FR ein Schwingfest für den Nachwuchs und für die Jungaktiven mit Jahrgang 2001 und jünger. Das wird mein erster Schwingfest-Einsatz in diesem Jahr.»

Wie sehen die Startmöglichkeiten an Schwingfesten für euch Jungaktiven in der Südwestschweiz aus?

«In Oron-la Ville VD soll am 9. Mai ein weiteres Schwingfest stattfinden, es ist jedenfalls noch nicht abgesagt. Dort werde ich sicher teilnehmen. Weitere Einsatzmöglichkeiten an Schwingfesten in der nahen Zukunft weiss ich derzeit keine.»

Wie sieht dein Trainingsalltag nach den Lockerungen aus?

«Ich absolviere wöchentlich zwei Schwingtrainings und drei Einheiten Kraft und Kondition. Da ich mich momentan auf die Lehrabschlussprüfung vorbereite, trainiere ich nebst dem Schwingen nur einmal Kraft und Kondition. Das Pensum wird hinterher wieder gesteigert.»

Hast du derzeit viele Trainingspartner im Kurzholz?

«Vom 1. März bis vor kurzem trainierte ich in unserem Schwingkeller mit den U20-Schwingern. An diesen Trainings nahmen jeweils etwa fünf Schwinger teil, alle mit Jahrgang 2001 bis 2005. Nun trainiere ich in der vom Eidgenössischen Schwingerverband definierten Leistungssportgruppe. Zu meiner Vierergruppe gehören Steven Moser, Michel Dousse, Simon Grossenbacher und ich. Unsere Trainings finden zweimal wöchentlich im Schwingkeller von Cottens und Umgebung statt.»

Romain Collaud (oben) gewann als Jungschwinger 147 Zweige

Bild: Romain Collaud

Auf welche gleichaltrigen Talente triffst du bei den Schwingfesten in der Romandie? 

«Das sind Sandro Baliman, Hans Fankhauser und Simon Grossenbacher. Sie besitzen alle je einen Kranz. Wir vier sind zudem gut befreundet. Grossenbacher ist vom gleichen Schwingklub wie ich, Balimann und Fankhauser sind vom Schwingklub Kerzers.»

Auf was legst du den Fokus beim wieder gestarteten Schwingtraining? 

«Zu Beginn legten wir den Fokus auf die Kondition, damit wir uns alle etwa auf dem gleichen Stand befanden. Jetzt feilen wir an der Schwingtechnik, um wieder auf Topniveau zu gelangen.»

Welches sind deine bevorzugten Schwünge?

«Zu meinen bevorzugten Schwüngen zähle ich den Kurz, den Brienzer vorwärts und den Kopfgriff.»

Wie hast du in der Zeit trainiert, in welcher das Schwingen nicht erlaubt war?

«Wir errichteten neben unserem Haus einen Schwingplatz, auf welchem mein drei Jahre jüngerer Bruder Bastien und ich miteinander schwangen. Zudem trainierte ich beim Joggen und Velofahren meine Kondition.»

Wie gehst du persönlich mit der Corona-Pandemie um?

«In meinem Alter gehöre ich zwar nicht zur Risikogruppe. Aus Solidarität halte ich mich aber an die Schutzmassnahmen und nehme Rücksicht auf meine Mitmenschen. Ich mache das Beste aus der Situation und nehme jeden Tag wie er kommt.»

feldwaldwiesenblogger

Lars Hugelshofer, ein grosses Nordostschweizer Talent, ist hervorragend in die Saison gestartet

Text: feldwaldwiesenblogger

Die Schwingfest-Saison der Jungaktiven, also für die Aktiven mit Jahrgang 2001 und jünger, ist noch jung. Sie dürfen seit dem 1. März wieder trainieren und an Wettkämpfen teilnehmen. Auf dem Nordostschweizer Teilverbandsgebiet fanden seit Ostermontag bereits zwei Schwingfeste für die Jungaktiven statt. 

Zwei Schwinger stechen hervor

Dabei stechen zwei Schwinger hervor: Werner Schlegel und Lars Hugelshofer. Werner Schlegel gewann sowohl das Schaffhauser Frühlingsschwingfest als auch das Thurgauer Frühjahrsschwingfest in Langrickenbach: Beide Male mit sechs gewonnenen Gängen, und beide Male hiess sein Gegner im Schlussgang Lars Hugelshofer. Den 18-jährigen Toggenburger Schlegel porträtierte der Schreibende bereits im Januar 2019 im Beitrag «Werner Schlegel – Eine grosse Nachwuchshoffnung der Nordostschweizer». Heute widme ich mich Schlegels Kontrahenten Lars Hugelshofer. Dieser war bei den zwei angesprochenen Schwingfesten hinter dem Toggenburger der zweitbeste Schwinger. Die Ausbeute für den Thurgauer kann sich sehen lassen: Acht gewonnene Gänge, zwei Gestellte und die beiden Niederlagen gegen Schlegel.

Eines der grössten Nordostschweizer Talente

Fragt man bei der Technischen Leitung der Nordostschweizer nach den grössten Talenten nebst Werner Schlegel, fällt alsbald der Name von Lars. Der angehende Landwirt wird am 19. Juli 20-jährig und wohnt in Schönholzerswilen, einer Gemeinde im Bezirk Weinfelden des Kantons Thurgau. Lars befindet sich zurzeit in Ausbildung zum Landwirt (drittes Lehrjahr) auf dem Lehrbetrieb von Felix Würth in Hagenwil bei Amriswil. Der Thurgauer widmet sich in der Freizeit nebst dem Schwingsport dem Skifahren, Nationalturnen und ist als Jungzüchter von Brown Swiss-Vieh tätig. Der 190 Zentimeter grosse und 97 Kilogramm schwere Turnerschwinger gehört dem Schwingklub am Ottenberg an. Bei diesem trifft das aufstrebende Jungtalent auf so namhafte Trainingspartner wie Samuel Giger, Stefan Burkhalter oder Domenic Schneider. Als Aktiver darf Lars zwei im Jahr 2019 gewonnene Kantonalkränze und die Teilnahme am ESAF 2019 in Zug als Erfolge verbuchen. Und: Der junge Schwinger legte bei den Aktiven einen guten Start hin, und konnte von Anfang an mit den Kranzschwingern mithalten.

Leistungsausweis als Jungschwinger

Als Jungschwinger gewann Lars etwa 50 Zweige im Schwingen sowie um die 15 im Nationalturnen, und holte sich etwa 25 bis 30 Festsiege. Als Höhepunkte bezeichnet er die vier Siege am Nordostschweizer Teilverbandsfest: Viermal gestartet, viermal gewonnen. Am ENST 2019 in Landquart gewann Lars den begehrten Doppelzweig. In der Sparte Nationalturnen holte sich der Jungzüchter den Schweizermeister-Titel in einer Junioren-Kategorie. 

Durch einen Kollegen zum Schwingsport gefunden

Lars fand durch einen Kollegen zum Schwingsport, in seiner Familie hat niemand geschwungen. Den Jungspund hat es vom ersten Training an gepackt, und so blieb er dem Nationalsport treu. Ein Vorbild benennt der Thurgauer keines, vielmehr schaut er von vielen Schwingern Dinge ab. Kurz, Fussstich und Gammen sind seine bevorzugten Schwünge.

Lars Hugelshofer hat bereits zwei Kränze auf seinem Konto

Bild: Lars Hugelshofer

Die beiden ersten Schwingfeste liefen gut für dich. Was sagst du rückblickend zu diesen?

«Ich bin sehr zufrieden mit den Ergebnissen. Ein Ernstkampf nach so langer Zeit zu bestreiten war nicht einfach, und zudem ein spezielles Gefühl. Nach einem längeren Unterbruch ist es schwierig, gleich von Null auf Hundert zu gelangen. Mit den beiden Schlussgangteilnahmen bin ich sehr zufrieden, und ich bin auf einem guten Weg.»

Beim nächsten Zusammentreffen mit Werner Schlegel bodigst du ihn. Wie könnte das gehen?

«Das ist das Ziel. Wie das gehen könnte? Mit angreifen und dem Versuch meine Schwünge sauber durchzuziehen, könnte es klappen.»

Haben dir die fünf Wochen Vorbereitungszeit bis zum ersten Schwingfest in Schaffhausen gereicht?

«Optimal war es sicher nicht. Dazu hätte es mindestens doppelt so viel Zeit gebraucht. Es ist nun gut gekommen, und anhand der beiden guten Ergebnissen hat die Vorbereitungszeit scheinbar gereicht.»

Welches werden deine nächsten Schwingfest-Einsätze sein?

«Das weiss ich derzeit noch nicht. Mögliche Schwingfeste in den nächsten drei bis vier Wochen sind alle abgesagt worden.»

Wie fühlt sich das an, wieder im Sägemehl stehen zu dürfen?

«Ein sehr schönes Gefühl. Es fühlt sich an wie eine Rückkehr in ein bisschen Normalität. Ich darf dabei tun was ich am liebsten mache, und kann so auch wieder meine Schwingerkameraden treffen.»

Lars Hugelshofer, hier bei einem siegreichen Wurf, sagt: «Ich trainiere nun in einer Vierergruppe mit Samuel Giger, Domenic und Mario Schneider.

Bild: Lars Hugelshofer

Wie sieht dein Trainingsalltag nach den Lockerungen aus?

«Derzeit absolviere ich wöchentlich zwei Schwingtrainings und trainiere zusätzlich zwei bis dreimal Kraft und Kondition. Letzteres mit YouTube-Videos von vorgezeigten Workout-Trainings.»

Hast du derzeit viele Trainingspartner im Kurzholz?

«Seit dem 1. März habe ich mit den Ü20-Schwingern in einer Gruppe von etwa 15 Thurgauer Schwingern in der Schwinghalle von unserem Schwingklub in Weinfelden trainiert. Nun hat es eine Änderung gegeben. Ich wurde bei den 26 Spitzenschwingern, welcher der Nordostschweizer Schwingerverband selektionieren kann, eingeteilt. Ich trainiere nun in einer Vierergruppe mit Samuel Giger, Domenic und Mario Schneider. Vorerst handelt es sich um zwei Trainings pro Woche, mit Aussicht auf Erhöhung auf drei bis vier Schwingtrainings.»

Auf was legst du den Fokus beim wieder gestarteten Schwingtraining? 

«Es geht darum, das Gefühl und die Leichtigkeit fürs Schwingen wieder zurückzubekommen. Weiter möchte ich die Routine wiedererlangen und bei jeder Situation einen entsprechenden Schwung ansetzen können. In erster Linie will ich wieder voll schwingen können, und nach und nach an der Technik feilen. Dabei wird die sauberere Ausführung der Schwünge und die Kraft dahinter trainiert.»

Wie hast du in der Zeit trainiert, in welcher das Schwingen nicht erlaubt war?

«Wie bereits erwähnt habe ich Kraft und Kondition anhand von YouTube-Videos trainiert. Je nach Temperatur ging ich zudem draussen joggen und Velofahren.»

Wie gehst du persönlich mit der Corona-Pandemie um?

«Es ist für alle eine schwierige Zeit, und für die Betroffenen ist es noch schwieriger. Gut ist, dass sich unsere Verbandsoberen für Lockerungen im Schwingsport einsetzen. Ich finde, es wäre nun an der Zeit, dass nebst den Spitzenschwingern auch die Mittelschwinger wieder trainieren dürften. Ansonsten ist nebst dem Schwingen nicht viel los. In den Ausgang kann man nicht, und man trifft so fast niemanden mehr. Da ich wieder schwingen darf, habe ich wieder Kontakt mit meinen Schwingerkollegen, welche ich vorher wöchentlich drei- bis viermal getroffen habe.»

feldwaldwiesenblogger

Samuel Giger und seine Nordostschweizer Kollegen nehmen nun auch das Sägemehl-Training auf

Text: feldwaldwiesenblogger

Am vergangenen Dienstag veröffentlichte der Eidgenössische Schwingerverband (ESV) unter dem Titel «Ausführungen des ZV ESV zur schrittweisen Öffnung im Schwingen» eine längere Mitteilung. In dieser erläutert der ESV seine bisher getroffenen Entscheide im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Zugleich möchten die Verbandsoberen damit eine breitere Akzeptanz erlangen. Bekanntlich führte einer der Entscheide, nämlich 120 Spitzenschwinger im Sägemehl trainieren zu lassen, teilweise zu harscher Kritik.

Samuel Giger bekam viel Lob für seinen Trainingsverzicht, nimmt ab Mitte April nun aber auch sein Sägemehl-Training auf

Bild: pinterest.ch

Verzicht aus Solidarität

In vier von fünf Teilverbänden haben die selektionierten Athleten mittlerweile ihr Schwingtraining aufgenommen. Aber: Bis auf drei Schwinger haben sich die Nordostschweizer Spitzenschwinger mit ihren Mittelschwingern solidarisiert und verzichten bis Mitte April aufs Sägemehl-Training. Samuel Giger nahm in einem «Sportpanorama»-Beitrag von «SRF Sport» Stellung und begründete seinen Verzicht einerseits wegen der angesprochenen Solidarität. Andererseits erwähnte der Thurgauer eine Umfrage, welche der Nordostschweizer Teilverband anfangs März vorgenommen hatte. Darin kommt zum Ausdruck, dass fast 72 Prozent aller Schwinger sich zu einem «Entweder alle oder keine» bekennen.

Die Nordostschweizer lenken ein, und unterstützen die Bestrebungen für eine weitere Öffnung

Eine weitere Passage in der ESV-Mitteilung liess aufhorchen: Nach einer intensiven Diskussion anlässlich einer ZV-Sitzung erklärt sich der Nordostschweizer Schwingerverband (NOSV) bereit, bis am 13. April die restlichen Ü20-Schwinger an Stefan Strebel, dem Technischen Leiter vom ESV, zu melden. Und: Der NOSV unterstützt damit die Bestrebungen des ESV mit Swiss Olympic/BASPO für eine weitere Öffnung. Die Nordostschweizer lenken demzufolge nun ein. Wir erinnern uns: Der NOSV publizierte am 20. März eine Mitteilung mit dem Titel «Starkes Zeichen der NOSV-Eidgenossen an ihre Trainingskollegen». Darin bekräftigten die Technische Kommission und die Eidgenössischen Kranzschwinger die Solidarität zu ihren Mittelschwingern. Es wurde damals beschlossen, den Trainingsverzicht bis Mitte April aufrecht zu halten. 

Den Öffnungsschritt zähneknirschend unterstützt

Gemäss einem Beitrag der Aargauer Zeitung von gestern Donnerstag («Die neue Gewinnzahl im Schwingen lautet 168 – die stufenweise Öffnung soll weiter gehen») unterstützen die Nordostschweizer den Öffnungsschritt nun zähneknirschend. Denn: Dieser ist Bedingung für nächste Verhandlungen zwischen Stefan Strebel und Swiss Olympic/BASPO. Strebel’s Ziel ist, dass bei einem weiteren Öffnungsschritt weitere 48 Schwinger ihr Training aufnehmen dürfen. Dann stünden nämlich alle Schwinger, welche an einem Eidgenössischen, an einem Teilverbands- oder an einem Bergfest einen Kranz gewannen, wieder im Sägemehl. Der Technische Leiter vom ESV möchte zudem, dass auf Aussenplätzen bis zu 15 Athleten schwingen dürfen. 

Samuel Giger und Co. steigen nun auch ins Sägemehl

Die Aargauer Zeitung schreibt weiter im erwähnten Beitrag: «Spannend wird sein, ob sich Spitzenschwinger wie Samuel Giger, der sich öffentlich gegen die Öffnung wehrte, aufstellen lassen.» Diese Frage kann mit Ja beantwortet werden. Auf Nachfrage bestätigte Samuel Giger, dass er und seine 22 Kollegen ab Mitte April nun auch ins Sägemehl steigen werden.

Schwingfeste für die besten 120 Schwinger?

Der Zuger Pirmin Reichmuth forderte kürzlich im «Blick», dass für die besten 120 Schwinger nicht nur Trainings erlaubt sein sollen, sondern auch Schwingfeste organisiert werden. Ein Konzept von Stefan Strebel für solche Wettkämpfe besteht zwar seit einiger Zeit. Dieses fand im Zentralvorstand jedoch bisher keinen Anklang. Der TK-Chef dazu in der Aargauer Zeitung: «Und ich gehe nicht davon aus, dass sich daran zeitnah etwas ändern wird. Darum sollten wir nun weitere Öffnungen im Trainingsbetrieb vorantreiben.»

Rolf Lussi, der Präsident der Nordostschweizer Schwinger, sagt: «Wir wollen das System für die weiteren Öffnungsschritte nicht blockieren»

Bild: esv.ch

Der Präsident der Nordostschweizer gibt Auskunft

Dem Vernehmen nach haben beim ZV-Beschluss der Nordostschweizer und der Innerschweizer Vertreter gegen das Verdikt der stufenweisen Öffnung für die 120 Spitzenschwinger gestimmt. Anders als die Nordostschweizer bekannten sich hinterher die Innerschweizer zum Mehrheitsbeschluss und deren Spitzenschwinger verzichteten nicht aufs Training. Rolf Lussi, der Präsident der Nordostschweizer Schwinger, beschreibt nachfolgend den Sinneswandel und erklärt diesen der ziemlich aufgebrachten Schwinger-Basis. Weiter gibt er Auskunft darüber, welche Reaktionen ihre Solidarität innerhalb der Schwingerwelt ausgelöst haben und wie die Nordostschweizer Pirmin Reichmuth’s Forderung sehen.

Die Nordostschweizer unterstützen nun die Bestrebungen für eine weitere Öffnung. Wie kam es zum Sinneswandel?

«Wir haben darüber im ZV intensiv diskutiert. Weitere Öffnungsschritte hängen davon ab, ob das Kontingent mit den 120 Schwingern ausgeschöpft wird oder nicht. Wir wollen dieses System nicht blockieren. Und: Wir hätten per Mitte April sowieso entschieden, wie es weitergehen soll. Zudem wollen wir unsere Schwinger nicht weiter warten lassen. Wir sind aber nach wie vor der Meinung, dass dies einer Ungleichbehandlung gleichkommt und einen Trainingsvorsprung gegenüber denen, welche nicht schwingen dürfen, bedeutet.»

War der Plan von Anfang an, nur bis Mitte April aufs Training zu verzichten? Oder brauchte es für den Sinneswandel die erwähnte Diskussion innerhalb des ZV?

«Wie bereits erwähnt, wollen wir das System für die weiteren Öffnungsschritte nicht blockieren. Aber: Wir haben in unserer Mitteilung vom 20. März kommuniziert, dass wir so oder so Mitte April das weitere Vorgehen entschieden hätten. Das war von vorneherein der Plan. Denn: Aufgrund der Rückmeldungen auf die Umfrage bei unserer Basis war für uns klar, wie wir vorzugehen hatten. Wir haben schlicht basisdemokratisch gehandelt und in der Technischen Kommission und im Vorstand des NOSV die Umfrageergebnisse ernst genommen. Den Sinneswandel vollziehen wir nun im Wissen, dass die Mehrheit auf der Strecke bleibt.»

Es rumort an der Schwinger-Basis. Sehr viele Schwingerfreunde fanden das solidarische Verhalten der Nordostschweizer vorbildlich, und es löste viele Emotionen aus. Wie sahen die Rückmeldungen aus? Und: Was überwog, die positiven oder die negativen Reaktionen?

«Ich bekam unzählige Rückmeldungen. Die Reaktionen hinsichtlich der Solidarität waren zu 100 Prozent positiv.»

Nun lenken die Nordostschweizer auch ein. Wie erklärst du das der aufgebrachten Schwinger-Basis?

«Das Ziel ist, dass alle schwingen können. Es nutzt niemandem etwas, wenn wir jetzt weitere Öffnungsschritte blockieren. Damit das geschehen kann, schöpfen wir nun unser Kontingent auch aus. Wichtig ist für mich zudem, dass Schwingfeste erst dann stattfinden werden, wenn alle Schwinger mindestens einen Monat trainieren konnten.»

Hat die Solidarität der Nordostschweizer die Schwingerschweiz auf die Probe gestellt? Bestand wegen diesem Sonderweg nicht die Gefahr einer Spaltung innerhalb der Schwingerwelt?

«Nein, wir haben es als unsere Pflicht gesehen, auf die Solidarität hinzuweisen. Unser Ziel ist es, alle gleich zu behandeln. Ich finde eher, dass wir jetzt eine Spaltung haben.»

Pirmin Reichmuth fordert Schwingfeste für die 120 Spitzenschwinger. Wie sehen die Nordostschweizer diese Forderung?

«Zum jetzigen Zeitpunkt ist dies undenkbar. Solange die Saison noch so jung ist, kann man nicht über diesen Punkt diskutierten

feldwaldwiesenblogger

Vorschau mit dem Schwyzer Talent Severin Steiner auf den kleinen Frühjahrsschwinget Ibach

Text: feldwaldwiesenblogger

An Ostermontag wird die Freiluftsaison der Schwinger eröffnet. In Ibach SZ steigt ein kleiner Frühjahrsschwinget. Die Organisatoren rund um den Schwingerverband am Mythen schreiben auf ihrer Homepage: «Der Anlass wird nach den Vorgaben des BAG und unter Einhaltung eines strengen Schutzkonzepts durchgeführt, um alle Anwesenden zu schützen. Daher werden wir auf und neben dem Gelände keine Zuschauer empfangen dürfen.» Am Start sind maximal 100 Schwinger, startberechtigt sind junge Aktive mit den Jahrgängen 2001 bis 2005. Erwartet werden Schwinger aus dem Innerschweizer Verbandsgebiet sowie von den befreundeten Schwingklubs Worblental und Gruyère. Zudem wird parallel dazu ein Klubschwinget für die Jungschwinger des Mythenverbandes (Jahrgänge 2006 bis 2013) durchgeführt.

Severin Steiner ist einer der Topfavoriten

Zu den Topfavoriten auf den Tagessieg darf man vier Schwinger zählen. Einerseits zwei Kranzschwinger, nämlich den Zuger Noe van Messel und den Berner Adrian Walther vom Schwingklub Worblental. Andererseits wird der Sieg auch über den Schwyzer Severin Steiner und den Luzerner Roman Wandeler führen. Beides zwar noch Nichtkranzer, aber dennoch ebenso grosse Talente wie die beiden Erstgenannten. Mit Severin Steiner, einem der Topfavoriten auf den Tagessieg, blicken wir heute auf den kleinen Frühjahrsschwinget in Ibach voraus. Der Schwyzer erzählt uns aber auch aus seinem Trainingsalltag. Weiter berichtet er von seinen Gedanken zur leider immer noch vorherrschenden Corona-Pandemie.

Starker dritter Rang am 1. Tessiner Rangschwinget

Severin wird am 18. Mai 20-jährig und wohnt in Ibach. Der 178 Zentimeter grosse und 90 Kilogramm schwere Sennenschwinger hat, wie bereits erwähnt, noch keine Kränze auf seinem Konto. Als Aktiver darf man ihm 2019 die Achtungserfolge am 1. Tessiner Rangschwinget in Vezia (3. Rang) und am Herbstschwingertag in Unteriberg (4. Rang) zugutehalten. Ebenfalls 2019 fehlten Severin am Urner und Schwyzer Kantonalen jeweils das berühmte «Vierteli» zum ersten Kranzgewinn. 

Beeindruckender Leistungsausweis als Jungschwinger

Als Jungschwinger gewann der junge Schwyzer 59 Zweige und holte sich 20 Festsiege. Darunter stehen vier Siege an Innerschweizerischen und vier Siege an Schwyzer Kantonalen Nachwuchsschwingertagen zu Buche. Am ENST 2019 in Landquart gewann der Ibächler den begehrten Doppelzweig. Ein solch beeindruckender Leistungsausweis als Jungschwinger gelang in der Innerschweiz zuletzt nur Talenten wie Joel Wicki oder seinem Trainingskameraden Michael Gwerder. Nebst dem Talent zeichnen Severin Ehrgeiz, Wille, Geduld und die mentale Einstellung aus. So ist der erste Kranzgewinn eine Frage der Zeit.

Durch eine Tante zum Schwingsport gefunden

Severin absolviert derzeit eine Lehre als Zimmermann bei einem Zimmerei-Betrieb in Ibach. Der Zimmermann-Lehrling im vierten Lehrjahr gehört dem Schwyzer Kantonalen Schwingerverband an und schwingt für den Schwingerverband am Mythen. Der «Mythenverbändler» entstammt aus keiner Schwinger-Dynastie, weder Vater noch Grossvater haben jemals geschwungen. Zum Schwingsport fand er durch seine Tante Astrid Steiner, welche den Knirps damals auf den Schnuppertag des Schwingerverbandes am Mythen aufmerksam machte. Severin gefiel das Schwingen auf Anhieb, welches für ihn inzwischen zu seiner grossen Leidenschaft geworden ist.

Severin Steiner steigt am Ostermontag als einer der Topfavoriten auf den Tagessieg in den Ring, und sagt: «Das wird ein hartes Schwingfest werden!»

Bild: Severin Steiner

An Ostermontag steht mit dem kleinen Frühjahrsschwinget Ibach ein erster Ernstkampf auf dem Programm. Was rechnest du dir dabei aus?

«Das wird ein hartes Schwingfest werden! Man hat seine Gegner über ein Jahr nicht mehr gesehen und mit ihnen geschwungen. Dementsprechend schwer sind die Chancen einzuschätzen. Das Ziel ist eine vordere Rangierung. Wenn alles zusammenstimmt, liegt der Tagessieg drin. Aber: Es warten harte und unangenehme Gegner auf mich.»

Haben dir die fünf Wochen Vorbereitungszeit bis zum ersten Schwingfest gereicht?

«Ja, das haben sie. Wir haben von Anfang an das Training mit Schulschwingen und frei schwingen kombiniert. Das Schwingtraining erfolgte unter der Leitung von Edi Kündig und Aktivschwingern aus unserem Schwingklub. Bei den ersten Trainings habe ich noch an der Kondition gearbeitet. Inzwischen feile ich an meiner Technik.»

Welches werden deine nächsten Schwingfest-Einsätze sein?

«Das kann ich momentan nicht sagen. Ich rechne aber damit, dass in nächster Zeit weitere kleine Schwingfeste organisiert werden.»

Wie fühlt sich das an, wieder im Sägemehl stehen zu dürfen?

«Es ist einfach schön! Am Anfang war es recht stressig, gleich von Null auf Hundert wieder zu schwingen. Ich habe hinterher meinen Körper schon gespürt. Inzwischen hat man sich an die Kräfte und die Schläge gewöhnt und das Schwingtraining ist wieder alltäglich geworden.»

Wie sieht dein Trainingsalltag nach den Lockerungen aus?

«Ich absolviere zweimal wöchentlich ein Schwingtraining bei unserem Schwingklub. Am Dienstags-Training kommen jeweils zusätzliche Schwinger von Schwyzer Klubs zu uns ins Training. Das Tourenski-Fahren ist so quasi mein momentanes Konditionstraining.»

30. Juni 2019 in Sachseln: Severin Steiner hat soeben zum vierten Mal an einem Innerschweizer Jungschwingertag den Tagessieg geholt

Bild: luzernerzeitung.ch

Hast du derzeit viele Trainingspartner im Kurzholz?

«Ja, es sind immer zwischen 10 und 20 Schwinger im Training. Es sind jeweils die gleichen Trainingspartner, was die Sache ausgeglichen macht. Was auffällt: Vom Jahrgang 2001 hat es auf dem ganzen Kantonsgebiet relativ wenig Schwinger. Und: Bis jetzt fanden noch keine Trainings mit Gleichaltrigen ausserhalb des Schwyzer Kantonsgebietes statt. Wann solche Trainings angesetzt werden, entzieht sich meiner Kenntnis.»

Auf was legst du den Fokus beim wieder gestarteten Schwingtraining? 

«Es ging darum, richtig ins Schwingen reinzukommen, und die verschiedenen Schwünge regelmässig und konsequent zu ziehen. Ich habe in den letzten fünf Wochen vor allem meine bestehenden Schwünge repetiert, aber kaum neue ausprobiert. Meine bevorzugten Schwünge sind vom Stand aus der Übersprung und am Boden das Päckli.»

Wie hast du in der Zeit trainiert, in welcher das Schwingen nicht erlaubt war?

«Eine Zeitlang habe ich relativ wenig trainiert. Später begann ich, meine Kondition mit Velofahren zu trainieren. Aber: Da ich immer arbeiten konnte, bekomme ich bei meiner täglichen Arbeit als Zimmermann eine bestimmte Grundfitness.»

Wie gehst du persönlich mit der Corona-Pandemie um?

«Man muss damit leben. Viele der Massnahmen sind übertrieben und man findet schon Wege, um trotzdem einiges machen zu können. Ich schenke dem Ganzen nicht mehr so grosse Beachtung wie zu Beginn der Pandemie.»

Für euch Junge ist das sicher eine besonders schwierige Zeit. Wie tauscht ihr euch momentan aus?

«Man trifft sich zwischendurch immer mal wieder. Im Winter gingen wir öfters zusammen Skifahren. Etwa einmal pro Woche machen wir ab, und treffen uns bei einem Kollegen zuhause. Und in der Berufsschule rede ich mit dem einen oder anderen Kollegen länger als sonst.»

feldwaldwiesenblogger

Das Nordwestschweizer Talent Adrian Odermatt erzählt aus seinem Corona-Alltag

Text: feldwaldwiesenblogger

Adrian Odermatt ist derzeit eines der grössten Nachwuchstalente der Nordwestschweizer Schwinger. Er gehört zu der Gruppe «Schwinger mit Jahrgang 2001 und jünger», welche seit dem 1. März wieder schwingen und an Wettkämpfen teilnehmen dürfen. Aber: Der junge Sennenschwinger kann momentan nicht im Sägemehl trainieren – mehr dazu später.

Adrian wurde am 24. Januar 20-jährig und wohnt in Liesberg BL. Der 192 Zentimeter grosse und 100 Kilogramm schwere Athlet hat drei Kantonalkränze auf seinem Konto. Er gehört dem Basellandschaftlichen Kantonal-Schwingerverband an und schwingt für den Schwingklub Binningen. Als Achtungserfolge stehen die Teilnahme am ESAF 2019 in Zug und die Schlussgangteilnahme am Steinegg-Schwinget in Himmelried (2019) zu Buche. Als Jungschwinger gewann Adrian 56 Zweige und holte sich um die 40 Festsiege. Am ENST 2018 in Landquart sicherte er sich den begehrten Doppelzweig.

Der Name Odermatt deutet es an: Die Wurzeln der Familie liegen in der Innerschweiz, genauer gesagt im Kanton Nidwalden. Adrian’s Vater Armin kommt aus Ennetmoos und zog vor 25 Jahren nach Liesberg ins Baselbiet. Dort bewirtschaftet er zusammen mit seiner Familie einen Landwirtschaftsbetrieb. Armin Odermatt versuchte sich in jungen Jahren ebenfalls als Schwinger. Er musste wegen einem Unfall aber die Schwinghosen bereits als Jungschwinger an den Nagel hängen. Ruedi Odermatt, ein Cousin von Armin, war ein erfolgreicher Schwinger und gehört zur Gilde der Eidgenossen.

Adrian schloss eine Lehre als Forstwart ab, und arbeitet nun in einem Gartenbau-Betrieb in Büsserach SO. Momentan absolviert der dreifache Kranzschwinger die Rekrutenschule in Isone TI. Der Rekrut berichtet uns heute aus seinem Corona-Alltag.

Adrian Odermatt ist mittlerweile dreifacher Kranzschwinger
Bild: Adrian Odermatt (Facebook)

Wie sieht dein Trainingsalltag derzeit aus?

«Ich bin seit Januar in der Rekrutenschule und habe darum keine Zeit und Möglichkeit für spezifisches Schwingtraining. Zum RS-Alltag gehört ein allgemeines Sporttraining. Wir trainieren dabei viel Kondition und die Rumpfkraft.»

Wann hast du das letzte Mal im Sägemehl trainiert? Welches war dein letztes Schwingfest?

«Seit letztem Herbst habe ich kein Schwingtraining mehr absolviert. Der letzte Ernstkampf datiert auf den 8. Februar 2020 beim Hallenschwinget Kirchberg. Ich belegte in der Endabrechnung Rang 5c und bekam es im vierten Gang mit dem späteren Sieger Matthias Aeschbacher zu tun.»

Wann startest du mit dem Schwingtraining? 

«So wie es aussieht Ende Juni, wenn die Rekrutenschule vorbei ist. Derzeit habe ich alle drei Wochen Urlaub. An den Wochenenden darf ich Corona-bedingt zuhause nicht schwingen. Sollten Schwingfeste anstehen, müsste man mit der RS-Leitung eine Lösung finden. Ansonsten ist für mich das Schwingtraining bis Ende Juni leider nicht möglich.»

Reichen dir vier Wochen Vorlaufzeit bis zum ersten Schwingfest?

«Das ist eine gute Frage und zugleich schwierig zu beantworten. Optimal ist das nicht, es muss aber wohl reichen. Ich werde mich beobachten, wie es im Training läuft. Um nichts zu riskieren, würde ich eher ein Schwingfest auslassen. Eine Schwingfestplanung für 2021 ist nicht möglich und habe ich demzufolge nicht gemacht.»

Wie sehen die Startmöglichkeiten an Schwingfesten für euch jungen Aktiven momentan aus?

«So wie ich mitbekommen habe, organisiert unser Kantonalverband ein Schwingfest für die Aktiven mit Jahrgang 2001 und jünger. Von weiteren Schwingfesten weiss ich noch nichts.»

Adrian Odermatt sagt: «Das ist eine unschöne Sache und es war nicht der Plan, dass ein Käfer unseren Sport lahmlegt.»
Bild: Lukas Gerster (Facebook)

Wie hast du in der Zeit trainiert, in welcher das Schwingen nicht erlaubt war?

«Zuhause richtete ich mir einen Kraftraum ein, und zusammen mit einem Trainingskamerad habe ich Kraft, Schnellkraft und Kondition trainiert. Das waren zwischen drei und sechs Trainingseinheiten pro Woche. Ich habe in dieser Zeit mehr Ausdauer trainiert als sonst, und habe im Krafttraining andere Sachen ausprobiert. Als draussen Trainings mit 15 Personen erlaubt waren, ging ich mit meinen Klubkollegen regelmässig in den Vitaparcours.»

Wie trainierst du für gewöhnlich in Normalzeiten?

«Die Schwinger vom Schwingklub Binningen und Oberwil trainieren zusammen im Sägemehl, um so eine grössere Gruppe bilden zu können. Freitags findet jeweils das Kantonaltraining statt und innerhalb des Teilverbandes sind je nach Phase der Saison ein bis zwei Trainingszusammenzüge monatlich geplant. Das Krafttraining ist individuell organisiert. Wir absolvieren es aber meist in Zweiergruppen, um uns gegenseitig pushen zu können.»

Wie gehst du persönlich mit der Corona-Pandemie um?

«Das ist eine unschöne Sache und es war nicht der Plan, dass ein Käfer unseren Sport lahmlegt. Aber: Es geht allen gleich, und es gilt, das Beste aus der Situation zu machen. Interessant zu beobachten war, wie sich ein Jahr ohne Schwingfeste anfühlt. Es wurde mir bewusst, wie sehr das Schwingen fehlt. Und: Es fühlte sich komisch an.»

Für euch Junge ist das sicher eine besonders schwierige Zeit. Wie tauscht ihr euch momentan aus?

«Man telefoniert ab und zu miteinander. Wenn es erlaubt ist, trainiert man zusammen. Der Kontakt untereinander fehlt einem schon. Denn: Im normalen Trainingsalltag sieht man seine Schwingkollegen mehr als seine Familie. Vieles ist nicht möglich, und das ist schade.»

Was vermisst du derzeit am meisten?

«Das Schwingen als solches, den Kampf Mann gegen Mann und die Kameradschaft, welche zurzeit nicht gelebt werden kann. Die Kameradschaft ist eine der wichtigsten Eigenschaften in unserem Schwingklub, auf welche wir viel Wert legen.»

feldwaldwiesenblogger

«Ds Füür brännt im Glarnerland» – Gespräch mit Jakob Kamm, dem OK-Präsident vom ESAF 2025

Text: feldwaldwiesenblogger

«Ds Füür brännt im Glarnerland», erst recht seit dem 6. März, als der Zuschlag fürs Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) für die Glarner erfolgte. Die 93 Prozent Ja-Stimmen der ESV-Delegierten gleichen einer Sensation. Einmal mehr setzte sich «David gegen Goliath» durch, wie Appenzell anno 2017 bei der Vergabe für das ESV-Jubiläumsschwingfest zum 125. Geburtstag. Die «Kleinen» scheinen bei den Abgeordneten einen mächtigen Stein im Brett zu haben. Man gönnt es dem sympathischen und kleinen Bergkanton Glarus von Herzen, welcher doch ansonsten ziemlich unter dem Radar der Wahrnehmung läuft.

Während der entscheidenden Kandidatur-Phase hielten sich die Glarner Organisatoren mit der Öffentlichkeitsarbeit zurück und konzentrierten sich mit einem kleinen Personenkreis voll und ganz auf die entsprechenden Dossiers. Die Strategie war goldrichtig und die Delegierten sind überzeugt, dass die Schwingerfreunde im Glarnerland inmitten der herrlichen Bergwelt ein stimmungsvolles und bestens organisiertes ESAF vorfinden werden.

Der Schreibende aus dem Nachbarkanton freut sich ebenfalls mit den Glarnern. Im Gespräch mit Jakob Kamm, dem Organisationkomitee-Präsident, möchte ich in Erfahrung bringen wie die Gefühlslage im Glarnerland ist, wann die eigentlichen Arbeiten beginnen und was für Dimensionen das ESAF einnehmen soll. Weiter wie die gut 300’000 erwartenden Besucher auf den Festplatz im Glarnerland gelangen sollen, und wo diese übernachten können.


«Ds Füür brännt im Glarnerland»
Bild: gl.ch

Jakob, beschreibe doch bitte die momentane Gefühlslage im Glarnerland!
«Wir haben uns sehr gefreut! Für diejenigen, welche intensiv in die Kandidatur involviert waren, ist es eine Genugtuung. Es ist aber auch eine Demut spürbar, für das was jetzt kommt. Denn es geht nun um die Umsetzung. Die Menschen im Glarnerland und in den umliegenden Regionen haben einfach eine wahnsinnige Freude. Es gilt zu erwähnen, dass wir das ohne überregionale Unterstützung nicht hingekriegt hätten.»

Wie erklärst du dir das sensationelle JA für eure Kandidatur?
«Das ist eine schwierige Frage, denn wir waren völlig perplex. Erklären kann man das nicht, keiner von uns hat nur im Traum daran gedacht. Erklären müssten das eigentlich die stimmberechtigten Delegierten. Wir haben bei unserer Kandidatur wahrscheinlich vieles richtig gemacht. Wir waren überzeugt, dass ‘weniger kann mehr sein’, verbunden mit den Schwingerwerten und grosser Demut gegenüber diesem Projekt, der richtige Weg zum Erfolg ist. Aber: Unsere Gedanken waren auch beim OK von St. Gallen, und wie es ihnen mit diesem Ergebnis geht.»

Wann starten die eigentlichen Arbeiten fürs ESAF?
«Die haben am Montag, 8. März um sieben Uhr gestartet. Im Moment gibt es drei Hauptaufgaben zu bewältigen. Der Trägerverein, wo alle Schwinger zusammengefasst sind, wird am 27. März gegründet. Weiter sind wir daran, den OK-Verein zu gründen. Und: Operativ geht es darum, die Strukturen zu verfeinern. Eine kleine Gruppe definiert nun, wie es weitergeht. Es werden Aufgaben verteilt und die einzelnen Ämter vergeben. Mit der operativen Führung mitsamt einem Geschäftsführer legen wir vermutlich Ende 2021 / Anfang 2022 los. Die Statuten sind vorhanden und wir können nun beginnen. Es liegt viel Arbeit vor uns.»

Wie viele Zuschauer soll die Arena dereinst fassen? Mit wie vielen Personen rechnet ihr für die drei ESAF-Tage?
«Wir gehen heute davon aus, dass die Arena 56’500 Zuschauer fassen soll. Für uns war klar, dass sie nicht grösser sein soll als in Zug. Die Grösse der Arena hängt vom Spannungsfeld Budget und einer optimalen Verkehrsbewältigung ab. Was wiederum mit dem Sponsoring zusammenhängt.
Wir erwarten um 300’000 ESAF-Besucher. Grundsätzlich liegt unser Festplatz mitten in der wunderschönen Glarner Bergwelt. Aufgrund dieser ‘Naturgrenzen’ gehen wir heute davon aus, dass neben der Arena (also am Fest selber) eher weniger Besucher begrüsst werden können als dies in Zug der Fall war.»

Was dabei sehr interessiert: Wie sollen die gut 300’000 Besucher auf den Festplatz in Mollis gelangen?
«Es gibt ein 70-seitiges Verkehrsdossier, welches wir nach dem Landsgemeinde-Beschluss 2017 erarbeitet haben. Dieses gibt Auskunft über Camping, Wohnmobile, SBB, Shuttle-Betrieb, Busse, Motorräder, Velos und Fussgänger. Der ESV stellte uns bei der Bewerbung die Frage, ob jeder der ein Ticket hat, am Samstagmorgen um 07.30 Uhr rechtzeitig auf seinem Platz sitzen kann. Dies haben wir im erwähnten Dossier mit Ja beantwortet. Das Dossier ist auch kritisch, und es ist eine gute Ausgangslage für die Organisation der Verkehrssituation, damit wir 2025 eine Toplösung – angepasst auf unsere Verhältnisse – bieten können. Dabei sind wir auf die Hilfe der umliegenden Regionen angewiesen. Wir sind derzeit am Erarbeiten von verschiedenen Planmodellen, auch mit unterschiedlichen Zuschauerzahlen.
Zudem: Wir haben beispielsweise festgestellt, dass es ein grosses Bedürfnis der Zuschauer ist, dass sie mit Bussen direkt ans ESAF-Gelände fahren können. Wir haben uns weiter überlegt, ob es möglich ist, dass am Donnerstag bereits möglichst viele Wohnmobile vor Ort sein könnten. Damit diese den Verkehr am Wochenende nicht belasten. Diese werden zusammen mit dem Zeltplatz vis-à-vis der Arena ihren Platz finden. Wir haben Modelle entwickelt, wo das alles funktionieren kann.
Dabei ist mir wichtig, dass wir das Rad nicht neu erfinden. Wir unterhalten beste Beziehungen mit den Leuten vom ESAF in Burgdorf, welches von der Lage absolut vergleichbar ist mit Mollis. Wir verstehen uns auch gut mit den Verantwortlichen von Estavayer, welches hinsichtlich Verkehrskonzept sehr ähnlich ist wie unseres. Auch mit den Zugern haben wir einen sehr guten Kontakt. Es laufen persönliche Gespräche mit den angesprochenen OK’s, und wir können dabei auf grosse Hilfe zählen. Natürlich müssen wir gewisse spezifische Punkte fürs Glarnerland ‘neu erfinden’. Im grossen Stil geht das aber nicht, da uns die Zeit fehlt. Denn: Ab September sind es noch genau vier Jahre. Das ist eine kurze Zeit.»


OK-Präsident Jakob Kamm reckt die Faust, er hat soeben den Zuschlag telefonisch erfahren
Bild: Jakob Heer

Wo findet man für diese grosse Anzahl Besucher genügend Schlafmöglichkeiten?
«Das ist für mich eine relativ einfache Frage. Ich gehe seit 1998 mit zehn Kollegen an jedes ESAF. Ich habe dabei festgestellt, dass ein Schwingerfreund immer irgendwo eine Übernachtungsmöglichkeit findet. Von der Hotellerie her planen wir die benachbarten Regionen mit ein. Vom Pflichtenheft vorgeschrieben sind zirka 1’000 Betten für die Bedürfnisse des ESV und des OK’s, welche wir bereits reserviert haben. Wir haben dabei sehr positiv zur Kenntnis genommen, dass wir die in der näheren Umgebung organisieren konnten. Beim Sportzentrum Kerenzerberg bei Filzbach stehen uns fast 400 Betten für die Schwinger, deren Betreuer und für den Zentralvorstand zur Verfügung. Weiter werden sich die verschiedenen Tourismusverbände in der Umgebung zusammenschliessen und für Übernachtungsmöglichkeiten sorgen.
Wir sind wie jedes bisher durchgeführte ESAF aufgestellt. Darum bin ich überzeugt, dass die Unterkunftsmöglichkeiten nicht das heisseste Dossier sein wird. Ein Vorteil ist unsere zentrale Lage, etliche werden zuhause übernachten und am nächsten Tag wiederkommen. Man muss in Betracht ziehen, dass die Agglomeration Zürich in 35 Minuten und diejenige von Chur in 40 Minuten erreichbar ist.»

Das Budget des ESAF in Zug lag bei über 36 Millionen Franken. Wird das bei euch in ähnlichen Dimensionen sein?
«Ja, das wird so sein. Unser Budget wird um die 35 Millionen Franken zu stehen kommen. Für mich ist wichtig, dass wir vorgängig keine falschen Signale aussenden. Der eine oder Franken werden wir in die Infrastruktur investieren müssen, wie das andere Austragungsorte auch schon gemacht haben.»

Soll die Festmeile ähnlich gross werden wie in Zug?
«Ja, das wird sie. Diesbezüglich haben wir mit dem OK von Zug zusammengearbeitet. Wir schickten einem Ingenieurbüro in Zug den Plan unseres Festgeländes, und die platzierten es ins Festgelände vom ESAF Glarnerland+. Das Resultat war: Unser Festgelände ist gross genug. Unsere Tribüne wird genau dort zu stehen kommen, wie wir es geplant haben. Das Drumherum muss aber im Detail noch festgelegt werden.»

Mit den 40’590 Einwohnern vom Kanton Glarus (Stand Dezember 2019) würde man nicht mal die ESAF-Arena füllen. Um diesen Grossanlass stemmen zu können, habt ihr euch Unterstützung von ausserhalb bereits an Bord geholt. Auf welche ausserkantonale Unterstützung dürft ihr konkret zählen?
«Das Sarganserland, das Walensee- und Linthgebiet sowie die March-Höfe sind mit an Bord. Die meisten sind seit acht Jahren dabei, March-Höfe seit zwei Jahren. Es ist ein Novum, dass mit March-Höfe ein Schwingklub mitmacht, welcher ausserhalb des organisierenden Teilverbandes beheimatet ist. Wenn wir den Märchlern bei einem möglichen ESAF 2034 helfen können, ist das schlicht genial. Eine klassische Win-win-Situation.»

Stichwort Nachhaltigkeit: Nimmt man sich diesbezüglich das ESAF 2019 in Zug als Vorbild? Oder beschreitet man einen eigenen Weg?
«Es gibt eine ökologische und eine ökonomische Nachhaltigkeit. Die ökologische Nachhaltigkeit muss eine Selbstverständlichkeit sein. Wir verfolgen wie die Zuger ein CO2-neutrales Fest. Wir haben dazu schon vor vier Jahren bei der Hochschule Wädenswil unter der Leitung von Professor Jürg Rohrer eine Nachhaltigkeitsstudie in Auftrag gegeben. Es ist für uns wichtig, eine grüne Meinung miteinzubeziehen und auch an Bord zu holen. Das OK ist verantwortlich für diese Form der Nachhaltigkeit.
Mit dem ‘ESAF-Füür’ im Glarnerland haben wir ein riesiges Tor in unserer Region geöffnet. Der Tourismus und das Gewerbe sollen sich nun zusammenschliessen, über die ökonomische Nachhaltigkeit nachdenken und mit entsprechenden Konzepten über das ESAF hinaus ein Mehrwert schaffen. Das ist aber nicht die Aufgabe des OK’s.
Unser grösstes Ziel ist, dass die Schwingfest-Besucher mit dem Gefühl eines tollen Festes mitsamt einer imposanten Kulisse heimkehren können und dabei auf einen problemlosen Verkehr treffen. Und die Besucher hinterher sagen: Ich komme wieder zurück. Alle im OK müssen dieses Ziel über alles andere stellen. Selbstverständlich sind die schwingerischen Belange ebenso wichtig.»

feldwaldwiesenblogger