Der Urner Kantonale Schwingerverband feiert sein 100-jähriges Bestehen

Text und Fotos: Elias Bricker

Es waren nicht Sennen, die das Schwingen in Uri anfänglich geprägt haben, sondern zugezogene Eisenbahnangestellte. Das zeigt die Festschrift zum 100-Jahr-Jubiläum des Urner Kantonalen Schwingerverbands.

Am kommenden Samstag feiert der Urner Kantonale Schwingerverband (UKSV) offiziell sein 100-jähriges Bestehen. An den Jubiläumsfeierlichkeiten in Schattdorf werden rund 230 geladene Gäste teilnehmen – Schwinger, Funktionäre, Ehrenmitglieder, Veteranen, Delegierte und Ehrengäste.

Neben einem Gedenkgottesdienst mit dem Jodelklub Bärgblüemli in der Pfarrkirche um 15 Uhr, dem anschliessenden Festumzug zur Aula Gräwimatt und den Ehrungen von verdienten Mitgliedern anlässlich des Festaktes, gibt es einen speziellen Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten: Der Kantonale Schwingerverband präsentiert eine 120 Seiten dicke Festschrift, welche angereichert mit vielen Bildern die Geschichte der Urner Schwinger Revue passieren lässt.


Die Schwingfeste wurden immer grösser, wie ein Foto vom „Kantonalen“ von 1938 in Schattdorf zeigt

Beim ersten Kantonalen kämpften 22 Schwinger um Kränze
Das Schwingen ist eine jahrhundertealte Tradition – vermutlich auch im Kanton Uri. Dennoch waren es nicht Urner Sennen, welche die Sportart vor hundert Jahren entscheidend geprägt hatten, wie man vielleicht annehmen könnte. Ende des 19. Jahrhunderts organisierten insbesondere Unterschächner Wirte sowie der Altdorfer Quartierverein Lehnstaat regelmässig so genannte Älplerfeste. Schwingen wurde aber auch populär, weil gerade die ersten Turnvereine im Kanton sich vor allem dem Nationalturnen verschrieben hatten – so etwa jene von Altdorf, Erstfeld oder Flüelen.

Einen regelrechten Innovationsschub erlebte das Schwingen im Kanton aber dank der Gotthardbahn. Viele auswärtige Schwinger aus dem Mittelland fanden bei der Eisenbahn eine Arbeitsstelle. Diese waren schliesslich auch die Initianten, neben einigen anderen Urnern, welche 1917 die Gründung des Urner Kantonalen Schwingerverbands vorantrieben. Und es ist daher kein Zufall, dass gerade Schwinger aus Erstfeld und Göschenen in den Anfangsjahren die grössten Erfolge feierten.

Inzwischen ist viel passiert. Nahmen am ersten Kantonalen Schwingfest 1919 in Göschenen gerade einmal 22 Schwinger teil, waren es am «Kantonalen» im vergangenen Mai mehr als 200 Athleten. Dazu kamen rund 3000 Zuschauer. «Nicht nur die Schwingfeste wurden immer grösser, sondern auch das ganze Drum und Dran», sagt UKSV-Präsident René Schuler aus Seedorf (Schwingklub Altdorf). «Schwingen ist heute so populär wie noch nie. Ich bin überzeugt, dass die friedliche Stimmung und die gelebten Traditionen an einem Schwingfest die Erfolgsfaktoren unserer Sportart sind.»


Der Sennenschwinger Ady Zurfluh aus Attinghausen ist mit 85 Kränzen und 16 Kranzfestsiegen bis heute der erfolgreichste Urner Schwinger

Die erfolgreichsten Jahre liegen weit zurück
Die Nachwuchsförderung nimmt beim Schwingerverband einen immer grösseren Stellenwert ein. Deshalb wurde ihr in der Festschrift ein eigenes Kapitel gewidmet. «Die Jungschwinger wurden in den vergangenen Jahrzehnten immer jünger», weiss Schuler. Bis in die Siebzigerjahre hätten sie mindestens sechzehn Jahre alt sein müssen. «Heute trainieren aber bereits zum Teil Sechsjährige in der Halle», so der Präsident.

Doch so erfolgreich die Sportart heute ist, ein Blick in die Festschrift zeigt auch: Die Urner feiern längst nicht mehr so viele Erfolge wie noch vor Jahrzehnten. In den Sechziger- und Siebzigerjahren holten sie insgesamt regelmässig mehr als sechzig Kränze pro Jahr. Und alleine Ady Zurfluh aus Attinghausen gewann in seiner Karriere deren 85. Zum Vergleich: In der vergangenen Saison gewannen die Urner 26 Kränze – auch dank den aktuellen Urner Aushängeschildern Andi Imhof und Stefan Arnold. «Damit sind wir zufrieden und auf dem richtigen Weg», sagt Schuler.

«Das hat man so noch nie gesehen»
Die Kranzerfolgsstatistiken machen wie in jeder Schwinger-Festschrift einen grossen Teil des neuen UKSV-Buches aus. «Doch eine solche Erfolgsstatistik hat man in einem Schwingerbuch noch nie gesehen», sagt Robi Indergand, Präsident der Jubiläumskommission. Denn es sind nicht nur einfach in einer Liste chronologisch alle Kranzerfolge und Festsiege der Urner Schwinger aufgeführt. Stattdessen würden die Erfolge grafisch dargestellt – und zwar sortiert nach Jahr, Klub und Schwinger. «So ist ein wunderbares Nachschlagewerk entstanden», so Indergand.

Zudem werden in der Festschrift sämtliche noch lebende «Eidgenossen» und Kranzfestsieger in einem Porträt vorgestellt – von Hans Schaffner, der Ende der Vierzigerjahre seine ersten grossen Erfolge feierte, bis hin zum heutigen Spitzenschwinger Andi Imhof. «Diese Festschrift ist eine sehr gelungene Sache», freut sich auch René Schuler.

Die Festschrift kostet 25 Franken. Diese wird ab kommender Woche bei Imholz Sport in Bürglen, am Ticketcorner der Urner Zeitung in Altdorf sowie im Kiosk vom früheren Spitzenschwinger Adelbert Gisler am Fleschsee erhältlich sein. Zudem verkaufen auch die Schwingklubs die Festschrift, oder man kann man sie unter www.uksv.ch bestellen.


Die Jubiläumskommission, von links: Robi Indergand, Bruno Aschwanden, Stefan Bissig, Peter Arnold, Sepp Schilter, Elias Bricker und Sepp Arnold.

Jubiläumskommission leistete zwei Jahre Arbeit
Für die 100-Jahr-Feierlichkeiten bestellte der Urner Kantonale Schwingerverband (UKSV) extra eine Jubiläumskommission. Diese hat in den vergangenen zwei Jahren die Festschrift verfasst und zusammen mit dem Schwingklub Schattdorf den Jubiläumsanlass vom kommenden Samstag vorbereitet.
In der Jubiläumskommission sind alle sechs Urner Schwingklubs sowie der Kantonalverband durch eine Person vertreten. Präsident der Kommission ist Robi Indergand (Schwingklub Erstfeld). Er kümmerte sich zusammen mit Sepp Schilter (Vizepräsident UKSV) und Bruno Aschwanden (SK Schattdorf) für die Organisation des Festanlasses. Für die Erstellung der Festschrift waren Peter Arnold (SK Altdorf), Sepp Arnold (SK Bürglen), Stefan Bissig (SK Altdorf) sowie Elias Bricker (SK Flüelen) verantwortlich.

feldwaldwiesenblogger

Wie geht es den Muotathaler Schwingern Ralf Schelbert und Dario Gwerder?

Text: feldwaldwiesenblogger

Kürzlich führte ich mit den jungen Muotathaler Schwingern Ralf Schelbert (22-jährig) und Dario Gwerder (wird im Dezember 20-jährig) ein Gespräch. Zur Erinnerung: Ralf fiel wegen einer Verletzung die ganze Saison aus, Dario musste nach dem Luzerner Kantonalen die Saison abbrechen. Ich wollte von beiden wissen, wie es ihnen geht und wie sie 2017 mit ihrer Verletzungsgeschichte erlebt haben. Weiter unterbreitete ich den beiden Jungtalenten den Vorschlag, sie auf dem Weg zurück mit weiteren Blogbeiträgen zu begleiten. Beide bejahten das Unterfangen. Heute folgt in dem Sinn also der Startschuss.


Ralf Schelbert konnte 2017 kein Schwingfest bestreiten
Foto: feldwaldwiesenblogger

Kurzer Rückblick auf die Verletzungsgeschichte
Ralf: Meine Verletzungsgeschichte ist etwas kompliziert. Zwei oder drei Trainings vor dem Hallenschwinget Sarnen (12. März) begann ich im linken Knie ein Ziehen zu spüren. Beim Turntraining unserer Aktivriege konnte ich wegen den Schmerzen einige Übungen gar nicht mehr mitmachen. Darauf ging ich zum Arzt und es folgte ein MRI-Untersuch. Ich hatte mir ja vor gut zwei Jahren das Innenband jenes Knies gerissen. Bei der Operation wurde damals das Ganze am Knochen angeankert. Man vermutete nun, dass ein Anker zu nah beim Gelenk ist, und deswegen Schmerzen verursachte. Es kam zu einer Operation. Bei dieser wurde der Knochen angebohrt, und der störende Anker entfernt. Während der Operation stellten die Ärzte dann fest, dass ich einen Knorpelriss beim Kniegelenk habe. Wie mir erklärt wurde, kann man bei einem Knorpelriss nicht viel machen, ausser diesen zu glätten. Ich habe versucht, die Heilung mit Eigenblut-Spritzen anzuregen, damit der Riss gut zusammenwächst. Die Heilung hat auch darum lange gedauert, weil der Knochen angebohrt war und er nahe beim Gelenk ist. Der Knochen musste wieder vollständig zusammenwachsen. Deshalb konnte ich gar nie in die Saison einsteigen. Denn es wäre ein zu grosses Risiko gewesen, dass etwas absplittern könnte. Es sollte nun aber wieder alles gut sein.

Dario: Meine Verletzungsgeschichte begann beim Luzerner Kantonalen. Beim fünften Gang lief ich mit meinem Gegner zum Platzrand. Ich liess los, und dachte der Kampf sei vorbei. In diesem Moment packte er mich am Knie und wollte mich hochheben. Dabei drehte ich mich aus und hörte einen Knacks im Knie. Ich kümmerte mich aber nicht weiter darum. Denn gut zwei Wochen später hätte ich sowieso wegen der bevorstehenden Lehrabschlussprüfung (LAP) mein Training unterbrochen. Ich wollte dann nach den Prüfungen weiterschauen. Das Knie war nach dem Luzerner Kantonalen geschwollen. Vor der LAP ging ich sogar noch heuen und ich konnte mich soweit ohne Probleme bewegen. Der Schwarzsee-Schwinget stand etwas später auf dem Programm, und ich dachte mir, dass es bis dahin wieder gehen sollte. Ich bat trotzdem meinen Arzt um einen Untersuch. Dieser ordnete ein MRI an, bei welchem festgestellt wurde, dass das vordere Kreuzband gerissen ist. Ich entschied mich für eine Operation, welche am 30. Juni erfolgte.

Wie verlief der Heilungsprozess? Sind die Verletzungen vollständig ausgeheilt?
Ralf: Zuerst hatte ich das Gefühl, dass die Heilung etwas schleppend verläuft, da ich noch länger etwas spürte. Ich fuhr dann viel Velo, damit es mir durch die Bewegungen das Knie durchspült. Als ich wieder mehr Sport trieb, ging einen Ruck durch meinen Körper und es ging immer besser. Ich bin inzwischen wieder voll im Training und trainiere derzeit viermal pro Woche. Ich spüre mein operiertes Knie zwar schon ein wenig. Aber: Es ist gut, wenn man etwas spürt. Das Gegenteil wäre wohl nicht so gut. Mittlerweile ist alles gut verheilt und ich bin zufrieden, wie es verlief. Denn es läuft immer besser.
Nach der Operation Ende März durfte ich während sechs Wochen mein linkes Knie überhaupt nicht belasten. Anschliessend begann ich mit der Physiotherapie. Dort wurde mir einiges gezeigt und ich durfte langsam wieder mit dem Velofahren beginnen. Bei der Physio habe ich zudem viel gelernt. Vor gut einem Monat stieg ich wieder ins normale Kraft- und Konditionstraining ein. In der Zeit, wo ich nicht trainieren konnte, habe ich einiges an Muskelmasse verloren. Darum ist jetzt ein richtiger Aufbau sehr wichtig, damit ums Knie wieder genügend Muskeln gebildet werden. Wenn die Basis wieder vorhanden ist, beginne ich mit dem Schwingtraining. Dies wird im Dezember der Fall sein.

Dario: Nach der Operation verspürte ich keine grossen Schmerzen. Die Krücken als Gehhilfe benötigte ich nur während drei Wochen und die Muskelmasse verkleinerte sich darum auch nicht gross. Ich machte dann bis Ende August eine Trainingspause, machte aber bis viermal pro Woche Physiotherapie. Jetzt trainiere ich wieder leicht. Ich fahre vor allem Velo und mache Krafttraining. Ich kann aber noch nicht alle Übungen mitmachen, da ich das Knie noch spüre. Das ist aber sicher ein gutes Zeichen. Mit dem Schwingtraining kann ich voraussichtlich im kommenden Februar oder März beginnen. Es wurde mir gesagt, dass man sechs Monate nach der Operation allenfalls mit Schulschwingen ein bisschen starten kann. In der Regel sollte man aber acht bis neun Monate mit dem Schwingtraining warten. Der Heilungsprozess verlief bis anhin sehr gut.


Dario Gwerder gewann 2017 immerhin zwei Kränze, bevor er verletzungsbedingt ausfiel
Foto: feldwaldwiesenblogger

Wie habt ihr das mental verarbeitet, dass ihr in letzter Zeit bei Schwingfesten nur zuschauen durftet? Was gab euch besonders Mut und Zuversicht?
Ralf: Am meisten hat es mich anfangs Saison beschäftigt, auch dass ich nicht ans Schwyzer Kantonale konnte. Ich wäre parat gewesen. Mit der Zeit habe ich es aber akzeptiert und konnte damit gut umgehen.
Ich habe in diesem Jahr sehr viel dazu gelernt, und hatte gute Leute zur Seite. Ich lernte einiges über den Körper und wie man richtig aufbaut. Ich mache das Krafttraining nun anders als vorher. Diese Erkenntnisse haben mir Mut gegeben, damit es gut weitergeht. Daran konnte ich mich festhalten.

Dario: Im Gegensatz zu Ralf durfte ich 2017 immerhin ein paar Schwingfeste bestreiten und konnte zwei Kränze gewinnen. Für mich war es so gesehen sicher weniger schlimm. Trotzdem hat mir die Verletzung zu denken gegeben. Und das Innerschweizerische musste ich vom Spitalbett aus im TV verfolgen, das war schon hart. Als dann die Physiotherapie losging, begann ich je länger je weniger an die Verletzung, dafür umso mehr an die nächste Saison zu denken. Auch ich konnte von der Physio profitieren und habe seither viel gelernt. So zum Beispiel wie man richtig aufbaut. Überdies habe ich meinen Körper vorher gar nicht gross gekannt. Ich lernte zudem, welche Positionen man beim Training einnimmt.

Für was fandet ihr während eurer Zwangspause Zeit, was sonst während einer normalen Schwingsaison zu kurz gekommen wäre?
Ralf: Ich hatte mehr Zeit für meine Freundin und meine Kollegen. Es ging auch dann und wann mal in den Ausgang, was man vor einem Schwingfest nicht machen würde. Weiter fuhr ich viel Velo. Und in den Vordergrund trat auch meine Arbeit. Ich habe in dieser Zeit mit der Vorarbeiterschule begonnen. Dies erfordert, dass ich in meiner Freizeit lernen muss. Schwingfeste schauen wurde in dieser Zeit auch zu einem Hobby.

Dario: Auch ich hatte mehr Zeit für meine Freundin. Und es blieb auch Zeit für die Planung unseres neuen Stalles zuhause. Dies brachte mich auf andere Gedanken. Weiter lernte man die Schwingfeste von einer anderen Seite kennen.

Wie lange habt ihr wegen den Verletzungen eigentlich an euren Arbeitsplätzen gefehlt? Was macht ihr derzeit beruflich?
Ralf: Ich fehlte zwei Monate an meinem Arbeitsplatz. Ich arbeite als Zimmermann und absolviere wie erwähnt seit dem Juni eine Weiterbildung als Vorarbeiter.

Dario: Ich schloss im vergangenen Juni meine Lehre als Netzelektriker ab. Seit der Operation am 30. Juni fiel ich unfallbedingt aus. Ab dem 16. Oktober darf ich wieder zu 50 Prozent arbeiten. Ich arbeite dann zuhause auf dem elterlichen Bauernbetrieb und helfe beim Bau des neuen Stalles.


Ralf schwang in Estavayer gar mit dem späteren Schwingerkönig Matthias Glarner
Foto: Rolf Eicher

Ich nehme an, ihr habt eure Kameraden vom Schwingklub Muotathal während der 2017er-Saison trotzdem bei Schwingfesten unterstützt. Wie sieht die Saisonbilanz eures Klubs aus?
Ralf: Dario gewann in der ersten Saisonhälfte zwei Kränze. Es traten dann andere Schwinger in den Vordergrund. Einer ist Carlo Gwerder, welcher sich Kränze beim Schwyzer und Urner Kantonalen sowie auf der Rigi erkämpfte. Dies ermöglichte ihm die erstmalige Teilnahme beim Unspunnen-Schwinget. Wir hatten leider einige Verletzte zu beklagen. Nebst mir und Dario erwischte es auch unseren Cousin Andre Bürgler.

Dario: Zeitweise fiel auch Guido Gwerder verletzungsbedingt aus. Die Situation mit den verletzten Schwingern schlug ein wenig auf die Moral unserer Kollegen.

Ralf: Deswegen war auch keine Konstanz vorhanden, auch bei den Trainings nicht. Denn wenn zwei oder drei fehlen die ziehen, fehlt es den anderen auch ein wenig an der Motivation. So ist man halt nicht bei den Leuten und kann höchstens mal einen Exploit landen. Trotzdem: Zwei oder drei unserer Kollegen haben sich diese Saison gemacht und machten einen Schritt nach vorne. Ich bin gespannt wie es ist, wenn wieder alle im Training sind.

Dario: Nebst Carlos Erfolgen konnten wir den Brünigkranz von Guido und den Innerschweizer Kranz von Stefan Heinzer feiern. Trotz allem waren das doch schöne Erfolge!

Ralf: Diese Highlights haben auch mich überrascht. Erwähnen darf man auch Stefan’s Auftritt beim Schwyzer Kantonalen, welcher zur Mittagspause mit drei gewonnen Gängen an der Spitze lag. Leider fiel er noch unglücklich aus dem Kranz. Über alles betrachtet dürfen wir aber sicher zufrieden sein.

Wie sieht euer Training momentan aus?
Ralf: Ich bin wie erwähnt wieder voll im Training. Das sind wöchentlich zweimal Krafttraining in unserem Schwingkeller und zwei Ausdauereinheiten auf dem Velo. Jetzt ist Grundlagentraining angesagt. Das, was mal war, kommt nun relativ schnell wieder. Anfangs Dezember beginnt beim Schwingklub Muotathal wieder das Schwingtraining, bei welchem ich auch wieder einsteigen werde.

Dario: Wie bereits erklärt, trainiere ich noch nicht mit voller Intensität. Wöchentlich trainiere ich wie Ralf auch viermal. Ich mache jene Übungen, welche gehen und bei einigen muss ich mich noch zurückhalten und auf mein Knie achten. Die Ausdauereinheiten absolviere ich zuhause auf einem Hometrainer. Dies als Vorsichtsmassnahme, um allenfalls Stürze beim Velofahren zu vermeiden. Ins Schwingtraining steige ich voraussichtlich im kommenden Februar oder März.


Dario durfte 2016 als Neukranzer gleich einen Lebendpreis in Empfang nehmen
Foto: Dario Gwerder

Wie sieht der Trainingsplan im Winter aus?
Ralf: Auf dem Programm stehen zwei Schwingtrainings, sowie Kraft- und Ausdauereinheiten. Wir trainieren nach einem Plan und die Grundlagen werden jetzt erarbeitet. Jetzt gilt es, diesbezüglich Vollgas zu geben. Während dem Winter trainiere ich etwa fünf- bis sechsmal pro Woche. Dabei kann man natürlich nicht bei jedem Training 100 Prozent geben. Dazu gehört beispielsweise auch eine lockere Ausfahrt mit dem Velo. Da ich zu 100 Prozent arbeite, muss ich alles irgendwie unter einen Hut bringen.
Im Dezember beginnen wir erst mit dem Schulschwingen. Wir halten es so, dass wir beim Mittwoch-Training das Schulschwingen praktizieren und am Freitag bereits ein wenig wettkampfmässig schwingen.

Dario: Beim Schulschwingen zeigen wir uns gegenseitig Schwünge. Das heisst, jeder Schwinger führt in jedem Training einen Schwung vor.

Ralf: Wenn einer einen Schwung gut beherrscht, zeigt er ihn den anderen. Seit diesem Jahr besitzt unser Klub eine Kamera, welche uns beim Training filmt. So können wir uns überprüfen und hinterher besprechen, was gut ist oder was es zu verbessern gibt. Es gilt auch, die Schwünge, welche man schon hunderte Male gemacht hat, weiterhin zu üben. Damit diese bei einem Schwingfest ohne Probleme abrufbar sind. Für einen neuen Schwung braucht es etwa zwei bis drei Jahre, bis man ihn richtig beherrscht. Ich bin froh, wenn ich drei oder vier Schwünge gut beherrsche und diese auch bei Wettkämpfen anzuwenden weiss.

Dario: Während den kommenden ein bis zwei Monaten muss ich trainingsmässig noch etwas vor- und nachgeben. Danach möchte ich genauso intensiv Kraft und Ausdauer trainieren, wie es Ralf jetzt schon handhabt. Ich denke, dass ich etwa fünfmal pro Woche trainieren werde. Und ab Februar oder März möchte ich auch wieder ins Schwingtraining steigen. Das wird dann sicher happig für mich werden.

Auf was legt ihr beim Wintertraining besonderen Wert?
Dario: Dass die einzelnen Übungen fürs Krafttraining korrekt ausgeführt werden. Ich habe dabei sehr viel aus der Physiotherapie mitgenommen.

Ralf: Die grundlegendste Änderung wird bei mir, wie auch bei Dario, das Training im physischen Bereich sein. Das ist doch ziemlich anders als bisher. Das Schwingtraining wird in etwa gleichbleiben und unser TK-Chef hat seine Linie. Denn die letzten Jahre bin ich dabei immer einen Schritt nach vorne gekommen. Ich denke, ich werde physisch noch bereiter sein als in anderen Jahren. Das Ziel ist auch, gut darauf zu achten, was man macht.

Dario: Da wir nun gezielter vorgehen, machen wir dabei sicher weniger unkontrollierte Dinge.

Ralf: Das mentale Training ist sicher ein Thema bei mir. Ich habe letztes Jahr wieder einen Anlauf gekommen. Dann kam leider die Operation und der Unterbruch dazwischen. Momentan mache ich diesbezüglich eigentlich nichts. Das wird sich wohl vor der Wettkampfzeit wieder ändern.

Dario: Ich denke, wenn ich das Schwingtraining aufnehme, schaue ich darauf, wie es mir geht. Denn zu diesem Zeitpunkt geht es bald schon Richtung Saisonstart. Ich möchte dann die Verletzung gewissermassen aus meinem Kopf gelöscht haben. Es wird sich zeigen, wie gut ich das ausblenden kann.

Ralf: Wegen der Verletzung mache ich mir eigentlich keine Sorgen. Denn wenn man einen guten Aufbau macht, denkt man eigentlich gar nicht mehr daran. Wenn es nach ein paar Schwingtrainings wieder zu laufen beginnt, kommt sicher auch das Selbstvertrauen zurück.

Habt ihr euch eigentlich schon Ziele für die 2018er-Saison gesteckt? Wie würden die aussehen?
Ralf: Sportliche Ziele habe ich mir noch nicht gesteckt. Ich möchte im Training Schritt um Schritt vorwärtskommen. Meine grössten Ziele sind dabei, noch weiter nach vorne zu rücken, auch im physischen Bereich. Dass ich die Schwünge, welche ich im letzten Winter anzutrainieren begann, im kommenden Frühling beherrsche. Und dass ich diese Schwünge auch in einem Wettkampf anwende, nicht bloss im Training.

Dario: Mein grösstes Ziel ist, dass ich nächstes Jahr mein Comeback geben und dabei beschwerdefrei schwingen kann. Ich weiss sowieso noch nicht, ob ich bereits anfangs Saison Schwingfeste bestreiten kann. Vermutlich kann ich bei den Frühjahrsschwinget noch nicht antreten.

feldwaldwiesenblogger

Saison-Bilanz der Innerschweizer Schwinger – ISV-Experte Daniel von Euw gibt Auskunft

Text und Foto: feldwaldwiesenblogger

Zurzeit ziehe ich Bilanz über die mit vielen Highlights und Überraschungen gespickte 2017er-Saison. Nach den Experteneinschätzungen für die Nordwest- und die Südwestschweiz folgt heute diejenige für den Innerschweizerischen Schwingerverband.

Daniel von Euw konnte ich vor der nun zu Ende gegangenen Saison als Experte für die Innerschweizer Schwinger gewinnen. Der vierfache Eidgenosse war von 1981 bis 2002 selber ein erfolgreicher Spitzenschwinger und kennt als Kommentator auf Radio Central die Schwing-Szene natürlich bestens.

Am 13. März gab Daniel seine Einschätzung zur diesjährigen Saison ab. Dabei erwähnte der Geschäftsführer der Oberallmeindkorporation (OAK) Schwyz unter anderem Spitzenschwinger und Talente wie Christian Schuler, Mike Müllestein, Ralf Schelbert oder Dario Gwerder, auf welche er setzte. Sie verletzten sich leider allesamt und konnten die Saison nicht beenden. Ralf fehlte verletzungsbedingt gar die ganze Saison. Daniel bringt weiter unten die diesjährige Verletztenmisere der Innerschweizer mit einer Aussage auf den Punkt: „Die Verletzungshexe hat extrem gewirkt – es hat einem fast das Herz gebrochen.“
Dennoch durften die Innerschweizer trotz allem auch Glanzlichter feiern. So bezeichnet der ISV-Experte den Auftritt von Joel Wicki beim Unspunnen-Schwinget schlicht und einfach als Extraklasse.

Ich bedanke mich bei Daniel von Euw, welcher mir meine Fragen schriftlich beantwortete.


Daniel von Euw, ISV-Experte

Kurz zusammengefasst: Wie verlief aus deiner Sicht die Saison für die Innerschweizer?
Daniel von Euw: Trotz den vielen Verletzten haben die Innerschweizer Schwinger sehr gute Leistungen gezeigt. Die Kantonalen in der Innerschweiz sind sehr ausgeglichen verlaufen. Schön war, dass neben den erwarteten Siegschwingern wie Christian Schuler, Andi Ulrich, Sven Schurtenberger und Joel Wicki mit Marcel Bieri, René Suppiger und Bruno Nötzli auch drei neue Kranzfestsieger gefeiert werden konnten. Aber auch die Eidgenossen Philipp Laimbacher, Benji von Ah, Reto Nötzli, Erich Fankhauser, Mike Müllestein, Philipp Gloggner, Andy Imhof und Marcel Mathis liessen teilweise ihr Können aufblitzen.

Welches waren die Highlights für den Innerschweizerischen Schwingerverband?
Von Euw: Das erste Highlight für den Innerschweizerischen Schwingerverband ist für mich eindeutig der neue Verteiler bei den Kantonalen im ISV-Verbandsgebiet. Die Besetzung dieser Feste wird dadurch ausgeglichener. Die Favoriten werden über alles gesehen mehr gefordert. Für die guten Nichtkranzer gibt es zudem mehr Startmöglichkeiten und ihre Chance, den ersten Kranz zu gewinnen, steigt.
Das zweite Highlight war ganz klar Joel Wicki. Wie er sich im Verlauf der Saison gesteigert und was er beim Unspunnen nach seiner auf der Rigi zugezogenen Verletzung gezeigt hat, war Extraklasse!

Welche Schwinger sorgten besonders für Furore?
Von Euw: Joel Wicki war über die ganze Saison gesehen klar der beste Innerschweizer Schwinger. Sein Auftritt am ersten Bergkranzfest auf dem Stoos war überragend. Seine Leistung beim Unspunnen-Schwinget hätte mindestens mit der Schlussgangqualifikation gegen Christian Stucki belohnt werden sollen. Das wäre das i-Tüpfelchen für dieses Fest gewesen.
Sven Schurtenberger machte ebenfalls einen grossen Schritt vorwärts und muss keinen Gegner fürchten. Christian Stucki hat sich beim Innerschweizerischen und beim Unspunnen an Sven die Zähne ausgebissen. Besonders gefreut haben mich auch die angriffsfreudigen Auftritte von Marcel Bieri.

Welche Schwinger haben überrascht?
Von Euw: Zuerst hat mich überrascht, wie stark Joel Wicki von seiner Verletzung vom letztjährigen Schwägalp-Schwinget zurückgekommen ist. Dass er auf der Rigi Daniel Bösch, mit dem er sich die Verletzung zugezogen hatte, souverän zum Sieg kurzte, zeugt von Joel’s grossem Selbstvertrauen und seiner Klasse. Schwingfeste leben von Überraschungen! So war der Sieg von Marcel Mathis am Innerschweizerischen mit sechs gewonnenen Gängen eine riesige Überraschung, nachdem Marcel an den Kranzfesten zuvor zum Teil sehr unglücklich geschwungen hatte.
Im Weiteren waren natürlich die Siege von Mike Müllestein (am Schwarzsee) und von Reto Nötzli (am Unspunnen) jeweils über Schwingerkönig Matthias Sempach absolute Höhepunkte. Es hat noch einige Schwinger gegeben, welche einen Schritt vorwärts gemacht haben – so zum Beispiel der Urner Stefan Arnold, der sich nicht weniger als sechsmal vor die Ehrendamen begeben durfte.

Welcher Innerschweizer Schwinger war für dich der Schwinger des Jahres, welcher der Aufsteiger der Saison? Warum?
Von Euw: Joel Wicki ist nach seiner letztjährigen Verletzung körperlich noch stärker und technisch vielseitiger zurückgekehrt. Deshalb ist er für mich klar der Innerschweizer Schwinger des Jahres.
Marcel Bieri ist für mich der Aufsteiger der Saison. Er ist mit seinen Leistungen zur Spitze aufgerückt und hat sogar noch Potenzial nach oben!

Was lief in deinen Augen besonders gut für die Innerschweizer?
Von Euw: Die Innerschweizer Schwinger haben sich trotz den vielen Ausfällen nicht entmutigen lassen und haben versucht, das Beste aus der Situation herauszuholen. Wie schon erwähnt, wird sich der neue Kranzfestverteiler positiv auf die Leistungen der Schwinger auswirken. Die Spitzenschwinger werden mehr gefordert. Zudem gibt es mehr Neukranzer, welche dann hoffentlich motiviert weiter trainieren, um noch bessere Leistungen zu zeigen.

Was lief weniger gut?
Von Euw: Die Verletzungshexe hat extrem gewirkt – es hat einem fast das Herz gebrochen, wie ein Spitzenschwinger nach dem anderen die Segel streichen musste.

Wie verlief der Saisonhöhepunkt, der Unspunnen-Schwinget für den Innerschweizerischen Teilverband?
Von Euw: Aufgrund der vielen Abwesenden durften wir Innerschweizer die Erwartungen nicht allzu hochschrauben. Umso schöner war es, dass Joel Wicki einen sensationellen Tag eingelöst und mit fünf Siegen und einem Gestellten gegen Schwingerkönig Kilian Wenger (extrem nahe am Sieg) verdient den zweiten Schlussrang belegt hat. Joel’s Leistung hätte mindestens die Schlussgangqualifikation verdient. Das wäre spannend geworden…
Auch die Leistungen von Marco Fankhauser, Reto Nötzli, Benji von Ah und Sven Schurtenberger waren sehr gut. Leider war beim einen oder anderen Schwinger nach einem ausgezeichneten Gang wieder ein Ausrutscher drin. Das war schade. Erwähnenswert war auch die Leistung von Andreas Höfliger, der im sechsten Gang mit Ruedi Roschi um einen absoluten Spitzenplatz geschwungen, diesen aber leider verloren hat.

Welche Auswirkungen hatte die Verletzungshexe für den Innerschweizerischen Teilverband?
Von Euw: Christian Schuler, Philipp Laimbacher, Mike Müllestein, Bruno Nötzli, Pirmin Reichmuth und Philipp Gloggner hätten in Bestform sehr viel ausrichten können. Aber eben, wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wär…

Zum Schluss ein Blick über den Teilverband hinaus: Welcher Schwinger hat dich nebst dem Unspunnen-Sieger Christian Stucki diese Saison am meisten beeindruckt? Warum?
Von Euw: Ganz klar Samuel Giger! Er hat schon eine unglaubliche Frühform ins Sägemehl gelegt und am selben Rangschwinget im Bernbiet (Ballenberg-Schwinget) mit Kilian Wenger und Matthias Glarner gleich zwei Könige souverän auf den Rücken gelegt.
Mit dem gewonnenen Schlussgang gegen Armon Orlik holte er zudem zum ersten Mal den Sieg am Nordostschweizerischen Teilverbandsfest. Eindrücklich war natürlich auch sein Auftritt auf dem Brünig, als er Christian Stucki souverän mit Kurz ins Sägemehl gebettet hat. Seine verletzungsbedingte Absage für den Unspunnen-Schwinget war natürlich extrem schade.

feldwaldwiesenblogger

Politiker und ihr anderes Ich

Text und Fotos: feldwaldwiesenblogger

„Politker und ihr anderes Ich“ ist das neue Buch von Christina und Christian Boss. Viele Schwingerfreunde erinnern sich sicher noch an zwei von ihnen verfasste Bücher: „Christian Stucki und seine Herausforderer am 16. Kilchberger Schwinget“ sowie an „Goldenes Eichenlaub“. Ich las beide Bücher mit viel Genuss und veröffentlichte am 7. August 2015 den Blogbeitrag Der Weg zum 100. Schwingerkranz-Gewinn“ – Nachgefragt bei Christina und Christian Boss.


Die Autoren Christina und Christian Boss
Foto: Christina und Christian Boss

Mir gefiel bei diesen beiden „Schwinger-Büchern“ insbesondere der Schreibstil von Christina und Christian, welcher mir dann und wann ein Schmunzeln entlockte. Zudem entdeckten sie von den einzelnen Schwingern lebendige Geschichten, welche man so noch nie gehört hatte. Die beiden bringen das jeweils sehr feinfühlig aufs Papier und gekonnt in Buchform. Zudem verstehen es die beiden Autoren, die Texte mit passenden Bildern und Illustrationen zu unterlegen.

Im Reinhardt Verlag sind nebst dem „Goldenen Eichenlaub“ noch „Schiedsrichter sind auch nur Menschen“ sowie „Der steile Weg ins Rampenlicht“ erhältlich. Der neuste Wurf heisst wie eingangs erwähnt „Politker und ihr anderes Ich“. Christina und Christian waren so freundlich, mir ein Exemplar von diesem Buch zuzustellen. Das Buch ist erst seit kurzem bei mir zuhause, und ich habe es noch nicht gelesen.


Bestell-Talon

Auf einem Bestell-Talon wird man auf den Inhalt des Buches „gluschtig“ gemacht. Des Weiteren erkennt man auf einen Blick, von welchen Politikern das Autoren-Paar persönliche Geschichten entlockte und ausgrub. Ich für meinen Teil entschied mich dazu, Dich, liebe Leserin oder lieber Leser, auf eine Erkundungstour durch das Buch mitzunehmen.


Adrian Amstutz

Da treffen wir zu Beginn auf einen schon ziemlich älteren Haudegen der SVP, Adrian Amstutz. Der Berner mit Jahrgang 1953 ist Nationalrat und SVP-Bundeshausfraktionschef. Der stets auf den Punkt kommende Hardliner ist es auch privat. Man erfährt, dass Amstutz mehrfacher Schweizermeister im Zielspringen ist. Toni Brunner gibt über seinen Parteikollegen persönliche Noten preis: „Adrian ist voller Lebensfreude und Zuversicht“ oder: „Adrian geht. Nein er rennt. Vom Typ her unbekümmert statt detailversessen.“


Isidor Baumann

Isidor Baumann, Urner Ständerat mit Geburtsdatum 23. September 1955. Er sagt von sich: „Auf der Göscheneralp zwischen 2000 und 3000 Meter über Meer fühle ich mich am wohlsten.“ Mit schönen Bildern wird die Geschichte eines Berglers erzählt, welcher im urnerischen Wassen geboren wurde und dort immer noch lebt. Baumann erlernte einst den Beruf eines Vermessungszeichners und Vermessungstechniker. Heute hat der 62-Jährige Vollblutpolitiker mehrere Mandate inne.


Pirmin Bischof

Und wieder ein Ständerat: Der Solothurner Pirmin Bischof. Die Speaker-Legende Dagobert Cahannes erläutert die Charaktereigenschaften des im Sternzeichen „Fisch“ geborenen Bischof. Man erfährt weiter, dass der CVP-Politiker im Alter von zwei Jahren einen Schädelbruch erlitt. Oder, dass er sich auf die Fahne schrieb, seinen Kanton Solothurn so zu repräsentieren, dass er in der übrigen Schweiz nicht mehr vergessen wird. Bischof ist 58-jährig und Inhaber einer Anwaltskanzlei. Ihm wurden auch schon Bundesrats-Ambitionen nachgesagt.


Jonas Fricker

Jonas Fricker, Jahrgang 1977, war mir bis vor gut zwei Wochen kein Begriff. Der Nationalrat der Grünen, welcher in Baden AG wohnt, machte mit einer der grössten rhetorischen Entgleisungen in der jüngeren Schweizer Parlamentsgeschichte von sich reden. Kurz darauf trat Fricker als Nationalrat zurück.
Im Buch von Christina und Christian Boss kann man entnehmen, dass der Familienvater ein versierter Taktiker und Schnelldenker ist. Oder dass sich Fricker durch seine offene Art auch sehr beliebt gemacht hat. Scheinbar hat ihm aber eine Eigenschaft seines Sternzeichens „Widder“, nämlich das eines manchmal stürmischen Politkers, nun einen Streich gespielt.


Petra Gössi

Die im schwyzerischen Küssnacht lebende Petra Gössi, ihres Zeichens FDP-Parteipräsidentin, wird inzwischen in der ganzen Schweiz als sympathische Politikerin wahrgenommen. Erst recht seit ihrem gelungenen Auftritt beim „Dunnschtig-Jass“ in Muotathal SZ. Im Buch ist die Rede von „der Taucherin mit dem Mut zum Risiko“. In der Tat scheint sie ziemlich unerschrocken zu sein, absolvierte sie doch im Vorfeld der besagten Jass-Sendung einen Tandem-Fallschirmsprung. Die nächste FDP-Bundesrätin?


Karin Keller-Sutter

Auf den obigen Bildern wird sie wahrscheinlich nur von ganz wenigen erkannt: Die St. Galler Ständerätin Karin Keller-Sutter. Der Frau mit Jahrgang 1963 werden ebenfalls beste Chancen für eine Wahl in den Bundesrat eingeräumt. Keller-Sutter’s Lebensmotto heisst „Carpe diem“ (Geniesse den Tag). Man erfährt, dass sie im Sternzeichen Steinbock geboren wurde, und sie eine echte Hardlinerin ist. Die Stadtpräsidentin von Wil SG, Susanne Hartmann, meint denn auch über ihre Kollegin: „Für sie trifft das Wort zielorientiert bestens zu.“


Martin Landolt

Martin Landolt sei ein ziemlich umstrittener Politiker, schrieb jedenfalls schon mehrfach die „Weltwoche“. In der Tat hat es der Glarner Nationalrat und seine BDP alles andere als einfach. Sind sie doch gewissermassen die Lieblingsfeinde der SVP und deren Hausblatt. Im Buch erfährt man, dass Landolt’s Traum einst vom Papst-Amt handelte, oder dass er die Abgeschiedenheit und ein einfaches Leben sucht. Der Näfelser gibt als Tätigkeit „Politiker, Strategie- und Kommunikationsberater“ an. Weiter ist Landolt ein passionierter Jäger und spielt im FC Nationalrat mit.


Christian Levrat

Und noch ein umstrittener Politiker, dazu ein erfolgreicher: Ständerat Christian Levrat. Der Freiburger mit Jahrgang 1970 ist zudem SP-Parteipräsident.
Ich rechne es den beiden Autoren hoch an, dass sie die Politiker querbeet auswählten. So erfährt man auch von unbequemen Politikern wie Levrat einiges, was man so noch nie gehört oder gelesen hat. Der Ständerat war angeblich schon auf 5010 Meter über den Anden, und nicht kalkulierbare Risiken sind nicht sein Ding. Oder: Als Levrat in Bulle FR das Gymnasium besuchte, war er Mitglied einer Theatergruppe. In dieser war damals auch Géraldine Savary. Beide sind heute die Freiburger Vertreter im Ständerat.


Filippo Lombardi

Filippo Lombardi, wortwörtlich ein Schwergewicht in der Schweizer Politik, bekleidet nebst dem Ständerats-Amt auch den Präsidenten Job beim krisengeschüttelten Tessiner Eishockey-Verein Ambri-Piotta. Nach den persönlichen Angaben erfährt man, dass der Tessiner „der starke Mann zwischen den Fronten“ ist. Nach der Ausbildung zum Journalisten absolvierte Lombardi ein Studium in Recht und Volkswirtschaft. Man weiss aus den Medien, dass der in Bellinzona geborene CVP-Politiker auch schon über die Stränge schlug. Und zum Schluss meint er zu seinen Energiequellen: „Der Schlaf kommt immer zu kurz.“ Dafür tankt er seine Energie in der schönen Bergwelt oder auf dem Luganersee.


Albert Rösti

Über den 50-jährige Nationalrat Albert Rösti kann man lesen, dass in seiner Brust zwei Herzen schlagen. Im Privaten soll er offen für die Probleme der Mitmenschen sein. Auf dem harten Politparkett ist er aber weniger warmherzig. Kein Wunder, der Berner ist SVP-Parteipräsident. In meinen Augen aber nicht von Blocher’s Gnaden, sondern mit einem eigenen Weg. Als Bergbauernsohn war Rösti viel in der Bergwelt unterwegs. Zu seinen Hobbys zählt der Familienvater auch das Schlagzeug und Trompete spielen, was im Moment aber zu kurz käme. Man erfährt weiter, dass der Frutiger ein eigenes Kleinunternehmen führt und Dölf Ogi früher sein „Dorfidol“ war.

Meine Reise ist hier zu Ende. Denjenigen, welche mit mir bis zum Schluss ausharrten, empfehle ich den Kauf dieses wirklich lesenswerten Buches!

feldwaldwiesenblogger

„Ich bin mir eigentlich sicher, dass ich im Frühling wieder wettkampfmässig im Sägemehl stehen werde“ – Interview mit Schwingerkönig Matthias Glarner

Text: feldwaldwiesenblogger / Fotos: matthiasglarner.ch

Die diesjährige Schwingsaison ist zwar seit gut einer Woche vorbei, abgesehen von zwei Hallenschwingfesten im Dezember. Das hindert mich aber keineswegs daran, lebendige Geschichten rund um unseren Nationalsport zu schreiben. Die allermeisten Schwinger machen derzeit eine wohlverdiente Pause, bevor sie im November ins Wintertraining steigen.
Aber, wie sagt man doch so schön: Nach der Saison ist vor der Saison. Jetzt gilt es, Bilanz zu ziehen. Oder bei Schwingern nachzufragen, wie es ihnen geht. Wo sie stehen und wie ihre Vorbereitungen auf die 2018er-Saison laufen.

Mit etwas Stolz darf ich heute ein Interview mit dem amtierenden Schwingerkönig Matthias Glarner online stellen. Wir erinnern uns nur zu gut: Viel ist in letzter Zeit rund um „Mätthel“ passiert. 2016 wurde der Berner Oberländer verdient Schwingerkönig. Auf ihn prasselten viele Termine herein. 2017 lief es auf den Schwingplätzen nicht unbedingt so, wie es sich Matthias vorstellte. Und dann kam dieser schicksalshafte Unfall: Der Schwingerkönig stürzte von einer Gondel und hatte Glück im Unglück. Die Verletzungen waren glücklicherweise nicht lebensgefährlich. Dennoch: Die Saison war für den athletischen Meiringer vorbei. Statt Training stand Reha auf dem Programm. Mittlerweile ist es etwas ruhiger um Matthias geworden.

Bereits im Sommer fragte ich Matthias an, ob er mir irgendwann ein Interview gewähren würde. Denn: Seit meinem Schwingprojekt mit fünf Schwingern im Jahr 2014 kenne ich ihn persönlich. Er war damals der Berner Vertreter und gewährte mir regelmässig Einblick in seinen Trainingsalltag und die laufende Saison.
Der Personalbetreuer bei den Bergbahnen Meiringen Hasliberg erklärte, dass er im Herbst mehr Zeit hätte und ich ihm dann meine Fragen schicken dürfe. Gesagt – getan. Wie es die Art eines Schwingers ist, halten diese stets ihr Wort. So landeten die schriftlichen Antworten von „Mätthel“ vor zwei Tagen in meinem elektronischen Briefkasten.


Matthias Glarner als frischgebackener Schwingerkönig mit dem Siegermuni von Estavayer

Wie geht es dir derzeit? Verläuft der Heilungsprozess planmässig?
Matthias Glarner: Es geht mir gut und der Heilungsprozess verläuft sehr positiv. Es liegt aber noch viel Arbeit vor mir.

Wie sieht es trainingsmässig aus: Was kannst du machen, was noch nicht? Wann trainierst du wieder im Schwingkeller?
Glarner: Momentan befinde ich mich in Magglingen im WK und absolviere so meine Reha. Täglich stehen Physiotherapie und Trainings auf dem Programm. Es sind sehr intensive Tage, welche mich aber vorwärts bringen. Im Schwingkeller bin ich bei positivem Heilungsverlauf frühestens im November.

Was meinst du, bist du bereits im kommenden Frühling wieder bereit, Schwingfeste zu bestreiten?
Glarner: Ich bin mir eigentlich sicher, dass ich im Frühling wieder wettkampfmässig im Sägemehl stehen werde.

Wenn ich mich recht entsinne, sah man von dir auf die 2016er-Saison hin vermehrt neue Schwünge wie den Kreuzgriff oder den Übersprung. Verrätst du mir, ob du im kommenden Winter auch an neuen Schwüngen arbeiten wirst?
Glarner: An den Schwüngen arbeitet man eigentlich das ganze Jahr hindurch und im Winter speziell intensiv. Betreffend neuen Schwüngen werde ich schauen müssen wie sich das Training im Sägemehl anfühlt, und deshalb Schritt für Schritt machen.

Ein Blick auf die Resultate vor deiner Verletzung zeigen, dass du als neuer Schwingerkönig einen schweren Stand hattest. Wieso lief es harziger als in anderen Jahren?
Glarner: Mich selber haben die Resultate nicht beunruhigt. Es ist in der Tat eine völlig neue Situation, an welche ich mich noch anpassen muss. Zudem war der Formaufbau auf die zweite Saisonhälfte geplant gewesen.


Matthias Glarner nach dem Gewinn des 100. Kranzes

Als Schwingerkönig triffst du noch mehr auf extrem defensiv eingestellte Gegner. Wirst du im Wintertraining gezielt daraufhin trainieren?
Glarner: Die defensive Schwingweise meiner Gegner hat zugenommen und das erfordert definitiv Anpassungen. Diesen Umstand habe ich nicht so extrem erwartet. Und ja, daran werde ich arbeiten müssen. Ich bin aber überzeugt, dass ich in Zug als noch besserer Schwinger antreten werde.

Wie verkraftet man eigentlich so einen grossen Rummel als Schwingerkönig?
Glarner: Mit meinen bald 32 Lebensjahren fallen einem gewisse Entscheidungen einfacher und Nein zu sagen ist nicht mehr so schwierig wie vielleicht vor zehn Jahren. Zudem weiss ich ziemlich genau, was ich will und was nicht. Es ist aber so, dass der ganze Rummel um den König nebst den überwiegend positiven Erfahrungen sehr viel Energie kostet. Wenn man sich dies aber bewusst ist, fällt es einem leichter, damit klar zu kommen.

Du warst beim Unspunnen-Schwinget zum Zuschauen gezwungen. Wie hast du den Saisonhöhepunkt emotional erlebt?
Glarner: Es war definitiv alles andere als einfach. Vor allem, weil der Unspunnen-Schwinget ein absoluter Höhepunkt in einer Schwingerlaufbahn darstellt. Ich nehme diese neue Erfahrung aber mit auf meinen Weg und hoffe, dass ich beim nächsten Eidgenössischen Anlass selber wieder topfit im Sägemehl stehen kann.

Man darf sicher behaupten, dass einige Berner Topcracks wie du, Matthias Sempach oder Christian Stucki im Karriere-Herbst angelangt sind. Welche jungen Berner Schwinger haben das Zeug dazu, euch einst abzulösen?
Glarner: Das ist definitiv so. Die Breite, welche wir Berner die letzten zehn Jahre hatten und bis Zug sicher noch haben werden, ist eindrücklich. Es wird vor allem darauf ankommen, wer nach Zug noch weiter schwingt und ob es einige Rücktritte geben wird. Nachfolger gibt es diverse. Ich denke da vor allem an einen Remo Käser oder an einen Kilian von Weissenfluh.

Zum Schluss: Welcher Schwinger hat dich 2017 nebst dem Unspunnen-Sieger Christian Stucki am meisten beeindruckt? Warum?
Glarner: Sehr beeindruckt haben mich die Leistungen von Curdin Orlik und Joel Wicki am Unspunnen-Schwinget. Diese beiden haben den Höhepunkt geprägt. Weiter ist vor allem sehr spannend zu beobachten, wie die ganz junge Generation von Schwingern nachstösst und technisch sehr vielseitig schwingt. Dieser Umstand verspricht einiges für die Zukunft des Schwingsports.

Mätthel, herzlichen Dank für deine Zeit und die interessanten Antworten! Ich wünsche dir auf deinem Weg zurück alles Gute, viel Kraft und Ausdauer. Wir sehen uns 2018 auf den Schwingplätzen!

feldwaldwiesenblogger

Hinterthaler Chilbi mit DJ Satzy und dem beliebten Bullriding

Text und Foto: feldwaldwiesenblogger


DJ Satzy und Cassey Doreen werden am Chilbi-Samstag so richtig einheizen

MUOTATHAL: Zum 49. Mal findet vom 13. bis 15. Oktober die Hinterthaler Chilbi statt.
„Statt is Näscht, gömmer a d’Hinterthaler Chilbi!“: Ländlerzelt, Altä Tällä, grosses Festzelt, Schwinger-Bar, TC Pragel-Bar, Qüöllfrisch-Bar, Restaurant Schlüssel, Restaurant Bödeli, Bastards Place und Grill. Lüpfige Unterhaltung, rockige Klänge und feine Chilbi-Spezialitäten sorgen für viel Gemütlichkeit. Am Freitag ist um 17.00 Uhr im Altä Tällä Chilbi-Eröffnung. Möglich ist eine Tischreservation für Firmen und Gruppen. Dafür gibt’s für 5 Franken Bier und „Arbeiterwürst“.
Als Highlight werden am Samstagabend DJ Satzy und Cassey Doreen gehandelt. Weitere DJ’s, Ländlerkapellen und Rockbands werden die Stimmung weit über den Siedepunkt bringen. Als spezieller Gaumenschmaus wird von Freitag bis Sonntag „Hafächabis“ im Ländlerzelt angeboten. Der Chilbi-Verein organisiert zudem grosse Mengen „Zuckerwattä“. Gerüchten zufolge wird die im Vorfeld für viel Aufsehen sorgende Chilbi-Hymne live präsentiert.

Kuhl Kids führen wieder das grosse Festzelt
Das grosse Festzelt auf dem „Sunnäplatz“ wird zum zweiten Mal von den „Kuhl Kids“, einer Muotathaler Jungmänner-Gäng, geführt. Ebenfalls zum zweiten Mal öffnet die Qüöllfrisch-Bar bei „ds Bätschäts-Huus“ ihre Türen. In der Schwingerbar trifft man nebst Schwingern auf originelle DJ‘s.
Am Sonntag wird um 10.15 Uhr beim Chappeli eine Jodlermesse mit dem Jodlerklub Muotathal gefeiert. Bei schlechtem Wetter wird die Messe im grossen Festzelt abgehalten. Anschliessend wird im Festzelt zu Ländlermusik und Jodelgesang das Mittagessen serviert. Diverse Unterhaltungsmöglichkeiten der etwas anderen Art wie Bullriding oder ein Clown (um 14 Uhr), sowie weitere lustige Attraktionen runden den Sonntag ab. Im Bastards Place erfolgt am Sonntagabend der Ausklang der Chilbi.
Die attraktive Hinterthaler Chilbi ist für Jung und Alt ein Besuch wert!

feldwaldwiesenblogger

Saison-Bilanz der Südwestschweizer Schwinger – SWSV-Experte Michael Nydegger gibt Auskunft

Text und Foto: feldwaldwiesenblogger

Michael Nydegger, zurzeit einziger aktiver Südwestschweizer Eidgenosse und sechsfacher Kranzfestsieger, bestritt diese Saison keine Ernstkämpfe. Nichtsdestotrotz konnte ich ihn vor dieser Saison als Experte für die Südwestschweizer Schwinger gewinnen. Am 7. März gab er hier seine Einschätzung zur bevorstehenden Saison ab. Michael sprach dabei von vier oder fünf Schwingern, welche ein Riesenpotenzial haben.
Wie wir Schwingerfreunde während den letzten Monaten feststellen durften, konnten die Südwestschweizer diese Saison doch den einen oder anderen Kranzerfolg ausserhalb ihres Teilverbandes feiern. Zudem drücken vielversprechende Talente nach, welche doch einige Akzente setzten konnten. Alles in allem sind das positive Signale, welche die Südwestschweizer Schwingergemeinde positiv stimmen dürfen.

Mein Dank geht an Michael Nydegger, welcher mir seine Sicht der Dinge am Telefon übermittelte.


Michael Nydegger, SWSV-Experte

Kurz zusammengefasst: Wie verlief aus deiner Sicht die Saison für die Südwestschweizer?
Michael Nydegger: Im Vergleich zu 2016 und 2015 verlief diese Saison im Grossen und Ganzen gut. Es geht wieder aufwärts! Wir haben Newcomer wie Lario Kramer und Johann Borcard, welche sich gut entwickeln. Der Schwingsport ist im Prinzip ein träges System und man kann nicht gleich Schwingerkönige erwarten. Es entwickelt sich aber etwas Positives und eine Aufwärtstendenz ist deutlich erkennbar.

Welches waren die Highlights für den Südwestschweizerischen Teilverband?
Nydegger: Riesengrosse Highlights gab es nicht. Dafür gab es in meinen Augen einige Überraschungen. Eine solche war der Kranzfestsieg von Michel Dousse, welcher zusammen mit Curdin Orlik das Walliser Kantonale gewann. Michel hatte in der Vergangenheit mit Verletzungen zu kämpfen und konnte nun seinen Aufbau bestätigen. Er ist technisch ein sehr versierter Schwinger.
Weiter zeigte Steven Moser mit dem Schwarzsee- und dem Berner Kantonal-Kranz, dass auch Südwestschweizer Schwinger wieder mithalten können. Dies bestätigten unsere beiden Schwinger, welche beim Nordostschweizerischen Teilverbandsfest in Davos den Kranz gewannen. Unsere Schwinger zeigten 2017 ausserhalb unseres Teilverbandes gute Leistungen und schwangen um Kränze mit.
Zu erwähnen gilt auch Johan Borcard’s Entwicklung während der Saison. Beim Unspunnen-Schwinget bezwang er gar zwei Eidgenossen!

Welche Schwinger sorgten besonders für Furore?
Nydegger: Mir hat Lario Kramer sehr gut gefallen. Lario schwingt angriffig und selbstsicher. Weiter erwähne ich Fredy Riedo, ein junger Schwinger aus unserem Klub. Er holte dieses Jahr den ersten Kranz beim Freiburger Kantonalen. Fredy hat zwar spät mit dem Schwingsport begonnen. Er bringt aber ein gewisses Talent mit, schwingt locker und lernt die Schwünge relativ einfach. Wenn er dranbleibt, kann er in nächster Zeit für Furore sorgen. Weiter Florian Minder, welcher diese Saison zwei Kränze gewann. Er trainiert sehr viel und sein Aufwand trägt langsam Früchte. Das sind junge Schwinger, welche langsam nachstossen.

Welche Schwinger haben überrascht?
Nydegger: Überrascht hat mich der bereits erwähnte Johann Borcard. Vom Unspunnen-Schwinget konnte er ein gutes Notenblatt und einen guten Rang nach Hause nehmen.
Lario Kramer hat auf der Schwägalp überrascht, obwohl er den Kranz verpasst hat. Sein Auftritt hat mich überzeugt. Es zeigt mir, dass Siegeswillen vorhanden ist. Diese Schwinger agieren kämpferisch, das ist enorm wichtig im Schwingsport.

Welcher Südwestschweizer Schwinger war für dich der Schwinger des Jahres, welcher der Aufsteiger der Saison? Warum?
Nydegger: Es ist schwierig, einen einzelnen Schwinger zu benennen. Diese Saison lief gut. Die Südwestschweizer müssen aber als Team auftreten, müssen einander pushen und zusammen gut trainieren. Deshalb möchte ich hier keinen besonders hervorheben. So jemand kristallisiert sich dann schon heraus. Wie einst unsere Grössen Yerly, Pellet, Zbinden oder Schläfli. Wenn du mir diese Frage in zwei Jahren stellst, kann ich dir wahrscheinlich mehr sagen.
Der Aufsteiger der Saison ist für mich Lario Kramer. Er besitzt ein vielseitiges technisches Repertoire. Technische Mängel gilt es beim Training noch auszumerzen.

Was lief in deinen Augen besonders gut für die Südwestschweizer?
Nydegger: Besonders erwähnenswert ist, dass man bei auswärtigen Schwingfesten Kränze machte. Oder dass wir beim gut besetzten Schwarzseeschwinget auch einen Kranzgewinn feiern durften.
Der neue Technische Leiter Christian Schmutz hat in seinem ersten Jahr gute Arbeit geleistet. In einer Saison, welche nach dem Eidgenössischen ohne Kranz doch schwierig war. Christian hat einen starken Charakter und kennt die Schwinger gut. Er studiert sie regelmässig an Schwingfesten. Zudem vermag sich der TK-Chef gut in einem Einteilungsbüro zu behaupten.

Was lief weniger gut?
Nydegger: Wir hatten einige Verletzte zu beklagen. Darunter Benjamin Gapany oder Rolf Kropf, welcher während der Saison verletzungsbedingt aufgeben musste. Rolf hatte im letzten Winter gut trainiert. Mir gefällt seine Schwingweise, seine Hakenschwünge und seine Defensive. Ich habe es bedauert, dass Rolf seine Saison nicht beenden konnte.
Gapany und Kropf befinden sich nun im Aufbau. Benjamin steht wieder im Sägemehl und Rolf wird Ende Jahr wieder in den Schwingkeller gehen. Die beiden sind eine Verstärkung für das SWSV-Team, was natürlich sehr wichtig ist.

Wie verlief der Saisonhöhepunkt, der Unspunnen-Schwinget, für die Südwestschweizer?
Nydegger: Wie bereits erwähnt: Johann Borcard war der Mann des Tages aus Südwestschweizer Sicht. Schade war, dass Steven Moser keinen guten Tag einzog. Der Druck war vermutlich gross und Steven erreichte nicht das, was er sich vorstellte. Er sollte sich in meinen Augen technisch noch verbessern. Physisch kann er mit Topleuten aus anderen Teilverbänden mithalten, technisch nicht ganz. Man durfte von den Südwestschweizern nicht erwarten, dass sie einen Schlussgangteilnehmer stellen. Sie konnten die Saison aber gut abschliessen und dürfen nun die neue Saison zuversichtlich in Angriff nehmen.
Es ist eine alte Weisheit, dass man die Kränze im Winter gewinnt. Indem man gut trainiert und sich vorbereitet. Wichtig ist zudem, dass man die gesteckten Ziele in der neuen Saison umsetzen kann.

Welche Auswirkungen hatte die Verletzungshexe für den Südwestschweizerischen Teilverband?
Nydegger: Gapany und Kropf waren zwei gewichtige Ausfälle. Die beiden fehlten natürlich dem Südwestschweizer Team. Von der Verletzunghexe waren auch noch andere Schwinger betroffen.

Ein Blick über den Teilverband hinaus: Welcher Schwinger hat dich nebst dem Unspunnen-Sieger Christian Stucki diese Saison am meisten beeindruckt? Warum?
Nydegger: Für mich ganz klar Joel Wicki! Nicht unbedingt nur wegen den guten Resultaten. Sondern wegen seinem starken Auftritt beim Unspunnen-Schwinget. Und dies nach einer Fussverletzung, welche er sich anfangs Juli auf der Rigi zuzog. Ich weiss aus eigener Erfahrung, was es für eine Rückkehr nach einer Verletzung braucht. So ein starkes Comeback ist nicht selbstverständlich. Er ist zwar noch jung, aber seine Regenerationszeit wird sich mit zunehmendem Alter auch verändern. Ich hoffe, dass er zusammen mit seinem Umfeld seine Gesundheit im Auge behält. Dass er nachhaltig denkt und dass er mit seinem Talent noch lange schwingen kann.

Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Schwingst du 2018 wieder?
Nydegger: Voraussichtlich nicht. Ich denke, ich werde in nächster Zeit meinen Rücktritt bekannt gegeben.

feldwaldwiesenblogger