Saison-Zwischenbilanz der Berner: Die breite Spitze macht sie am ESAF in Pratteln unberechenbar

Text: Schwinger-Blog

Der Berner Kantonale Schwingerverband (BKSV) hat nach ihrem Teilverbandsfest in Thun ihre Schwinger fürs ESAF von Ende August in Pratteln selektioniert: 59 Schwinger und 5 Ersatzschwinger. Überraschungen gab es keine. Es befinden sich Spitzenschwinger wie Schwingerkönig Christian Stucki, Michael Ledermann oder Michael Wiget darunter, welche derzeit noch rekonvaleszent sind. Ob sie dann am «Eidgenössischen» dabei sein können, wird sich zeigen. Nichtsdestotrotz: Die Berner bestechen durch ihre breite Spitze und ihre Tiefe im Kader. Ihre Stärke ist die Ausgewogenheit im Team, eine gesunde Mischung aus Routiniers und jungen hungrigen Akteuren. Gerade vor Wochenfrist liess sich das einmal mehr am Bernisch-Kantonalen Schwingfest beobachten. Da in dieser Saison bisher kein Schwinger hervorstach, wie beispielsweise Samuel Giger bei den Nordostschweizern, sind sie unberechenbar. Dieser Umstand könnte am ESAF ein grosser Vorteil sein. Sticht ein Trumpf nicht, folgt sogleich der andere. So geschehen auf dem Stoos. Bis zum Saisonhöhepunkt dauert es allerdings noch einen Moment, Zeit für eine Saison-Zwischenbilanz. Der Schwinger-Blog unterhielt sich zu diesem Zweck mit Roland Gehrig, dem Technischen Leiter der Berner. Gehrig wurde, wie schon vor einer Woche sein Innerschweizer Kollege Thedy Waser, zu fünf Stichworten befragt. 

Roland Gehrig ist der Technische Leiter der Berner Schwinger

Bild: Barbara Loosli

Saison-Zwischenbilanz

Was für eine Saison-Zwischenbilanz ziehst du insgesamt vom Berner Team?

«Ich ziehe eine sehr positive Bilanz, welche zudem ausgeglichen ausfällt. Wir durften verschiedene Festsieger feiern und die Verteilung der Favoritenrolle ist auf mehreren Schultern verteilt. Ich finde es positiv, dass keiner heraussticht. Das ist sicher ein Vorteil, und wir stehen so weniger unter Druck.»

Was fiel dir besonders positiv auf?

«Die jungen Athleten rund um Adrian Walther und Michael Ledermann. Sie sind den Erwartungen gerecht geworden. Es ist auch eine Bestätigung dafür, dass sie nochmals einen Schritt gemacht haben, um an die Spitze zu gelangen. Erfreulich ist für mich auch die Entwicklung von weiteren Jungen wie Matthieu Burger oder Lars Zaugg.»

Was stach dir besonders negativ ins Auge?

«Eigentlich nichts Spezielles. Die Verletzungen sind immer besonders hart. Mir persönlich tut es vor allem für Lukas Renfer leid. Die neuerliche Verletzung ist ein bitterer Rückschlag für ihn, und nach 2019 verpasst er erneut ein ESAF. Was mir nicht behagt, ist die Berichterstattung von gewissen Medienleuten betreffs der Kampfrichter und deren Leistungen. Für diese ist es sowieso schwierig genug, und wir sind nur schon froh, genügend gute Kampfrichter zu finden. Umstrittene Entscheide gehören einfach zum Schwingsport. Nick Alpiger hat es am Nordostschweizer Schwingfest richtig gesagt: Im Verlaufe einer Karriere gleicht sich das Ganze aus.»

Was sagst du zu den Leistungen deiner Schützlinge an den Gauverbandsfesten?

«Ich bin im Grossen und Ganzen zufrieden. Wie bereits erwähnt gab es verschiedene Festsieger. Unsere Stärke ist die Ausgeglichenheit. Das hätte eventuell anders ausgesehen, wenn ein fitter Christian Stucki dabei gewesen wäre. Mit dem Ausgang beim Seeländischen Schwingfest (fünf Festsieger) bin ich nicht ganz zufrieden. In meinen Augen wurde im vierten und fünften Gang nicht konsequent genug eingeteilt.»

Wie fällt deine Bilanz für die bisherigen Bergkranzfeste aus?

«Sehr positiv. Wir haben unsere Ziele erreicht und bei beiden bisherigen Bergkranzfesten auf dem Stoos und am Schwarzsee jeweils den Sieger gestellt und am meisten Kränze gewonnen. Ein weiteres Ziel ist es, an diesem Wochenende auch den Weissenstein-Schwinget zu gewinnen.»

Wie beurteilst du die Leistung deines Teams am Bernisch-Kantonalen Schwingfest in Thun?

«Die Leistung war gut, die Mannschaft trat geschlossen auf und es gab viele Entscheidungen. So konnten von Anfang bis Ende gute Paarungen eingeteilt werden. Es gab die eine oder andere Überraschung, die es braucht, damit es spannend bleibt. In meinen Augen war das ein top Fest, mitsamt einer super Infrastruktur in der Stockhorn-Arena.» 

Das Team der Berner, im Bild der Einmarsch beim ESAF 2019 in Zug, wird in Pratteln 59 Schwinger umfassen

Bild: Michael Wiget

Selektionierung fürs ESAF

Nach welchen Selektionskriterien hast du dein Team zusammengestellt?

«In erster Linie wird anhand einer Punkteliste, welche wir während der Saison führen, selektioniert. In zweiter Linie holen wir solche Schwinger ins Team, welche uns etwas bringen und die auch etwas reissen können.»

Unter den definitiv selektionierten Schwingern befinden sich auch Spitzenschwinger wie Christian Stucki, Michael Ledermann, Michael Wiget, Christian Gerber, Thomas Inniger und Dominik Roth. Sie sind derzeit noch rekonvaleszent. Werden diese Akteure rechtzeitig fit?

«Ich hoffe natürlich, dass sie rechtzeitig fit werden. Ich bin in ständigem Kontakt mit ihnen. Um eine Startberechtigung zu erhalten, müssen diese Schwinger bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Eine Ausnahmeregelung geniesst Christian Stucki als amtierender Schwingerkönig. Er darf in Selbstverantwortung entscheiden, ob es fürs ESAF reicht oder nicht.»

Wegen der breiten Spitze ist in dieser Saison bisher noch kein Schwinger hervorgestochen. Das macht die Berner in Pratteln unberechenbar. Würdest du diese Aussage unterschreiben?

«Ja, das würde ich unterschreiben. Wir sind tatsächlich breit aufgestellt und wenn die erwähnten rekonvaleszenten Schwinger zurückkehren, sieht das für uns noch besser aus. Diese Unberechenbarkeit ist sicher auch eine Stärke von uns.»

Adrian Walther, Sieger am Bernisch-Kantonalen Schwingfest in Thun, ist einer der Berner Trümpfe fürs ESAF

Bild: Berner Zeitung

Die Verletzungssituation und die Situation bei den Nachwuchsleuten

Auch in dieser Saison hatten die Berner bisher viel Verletzungspech zu beklagen. Wie beurteilst du die aktuelle Verletzungssituation?

«Aktuell ist Michael Ledermann’s Verletzung beim Bernisch-Kantonalen, die anderen Verletzten sind schon länger am Auskurieren. Zu hoffen ist, dass auf dem Weissenstein und auf dem Brünig keine neuen Verletzten hinzukommen. Wir hoffen einfach, dass diejenigen, die noch fraglich sind, in guter Verfassung zurückkehren und in Pratteln starten können.»

Mit Michael Moser und David Scheuner sind zwei junge Schwinger mit Jahrgang 2005 im Aufgebot fürs ESAF. Ein Indiz für sehr gute Nachwuchsarbeit. Bist du zufrieden mit dem eingeschlagenen Weg, dem Nachwuchskonzept und den Nachwuchsleuten? Wo gäbe es in deinen Augen noch Verbesserungspotential?

«Wir haben mit Moser und Scheuner zwei sehr junge Schwinger selektioniert. Die beiden haben die Kriterien mit Bravour erfüllt. Unser Nachwuchskonzept basiert auf dem Novizen-Kader. Meines Erachtens ist das eine sehr gute Sache, mit guter Betreuung und Trainings. Verbesserungspotential ist immer vorhanden. Besser dürfte zum Beispiel sein, dass die jungen Athleten noch regelmässiger an diesen Trainings teilnehmen würden. Mit unserem eingeschlagenen Weg werden die Nachwuchsathleten im Novizen-Kader und darüber hinaus gut betreut.»

Die letzten vier Königstitel gingen an die Berner: Kilian Wenger (links) war der erste der Serie, Christian Stucki der vierte

Bild: Christian Pfander (Berner Zeitung)

ESAF in Pratteln

Welche Ziele definierst du als Technische Leiter für das ESAF in Pratteln?

«Unser Ziel ist es, den Königstitel zu verteidigen. Ohne überheblich zu klingen, dürfen wir das nach vier Berner Königen in Serie sicher so benennen. Ein weiteres Ziel sind möglichst viele Kränze und auch Neueidgenossen. Der Fokus liegt nicht nur auf dem Königstitel. Unser Bestreben ist es auch, ein gutes Mannschaftsresultat zu erschwingen.»

Welchen deiner Schwinger traust du den Königstitel zu?

Roland Gehrig schmunzelt und lacht. «Das sage ich nicht. Wir haben eine breite Spitze. Und: Ich möchte nicht näher auf diese Frage eingehen.»

Wie schwörst du dein Team aufs «Eidgenössische» ein?

«Die Selektion haben wir nun hinter uns. Beim gestrigen ersten Kaderzusammenzug haben wir die Mission gestartet. Den Fokus legen wir auf die Team-Bildung und die Stärkung unseres Kaders. Das Bernisch-Kantonale Schwingfest war der letzte Ernstkampf, wo wir unter uns geschwungen haben. An den folgenden Kranzfesten und dann in Pratteln treten wir als Team an. Wir reisen zudem gemeinsam nach Pratteln und besuchen das Gelände des ESAF.»

Wie sieht die Vorbereitung der Berner bis zum ESAF aus?

«Die Vorbereitung beinhaltet unter anderem ein dreitägiges Trainingslager auf der Kleinen Scheidegg, inklusive Medientermin. Dort oben treffen wir auf den schönsten Schwingplatz der Welt. Während des Trainingslagers werden die Seeländer Schwinger abreisen und am Bözingenberg-Schwinget starten. Das ist wichtig für den Seeländischen Schwingerverband, welcher nicht über besonders viele Regionalschwingfeste verfügt. Für Christian Stucki ist dieser Schwinget eine gute Vorbereitung. Die Seeländer Schwinger reisen anschliessend wieder zur Kleinen Scheidegg hoch. Weiter stehen gezielte Einzeltrainings auf dem Programm. Wir legen viel Wert auf den Teamgeist und getreu nach unserem Motto «zämä simer starch» packen wir die Vorbereitung an und freuen uns auf das «Eidgenössische».

Saison-Zwischenbilanz der Innerschweizer: Es verlief nicht alles rosig, aber ein Aufwärtstrend ist deutlich erkennbar

Text: Schwinger-Blog

Der Innerschweizer Schwingerverband (ISV) hat bereits 82 von 85 Schwingern fürs «Eidgenössische» in Pratteln fix selektioniert. Viel früher als sonst, und viel früher als die anderen Teilverbände. Aber eigentlich logisch: Denn bis auf den Brünig-Schwinget sowie das Bernisch-Kantonale und das Nordwestschweizer Schwingfest stehen für die Innerschweizer Schwinger keine Kranzfeste bis zum ESAF in Pratteln mehr an. Zeit also, eine objektive Zwischenbilanz zu ziehen. Denn: Eine subjektive haben wohl schon etliche Schwingerfreunde gezogen. Man muss kein grosser Sachverständiger sein, um festzustellen, dass nicht alles rosig verlief. Dennoch: Ein deutlicher Aufwärtstrend ist erkennbar. Statt den Stab über dem ISV-Team zu brechen und voreilige Schlüsse zu ziehen, sprach der Schwinger-Blog mit Thedy Waser. Der Technische Leiter der Innerschweizer nahm zu fünf Stichworten eingehend Stellung.  

Thedy Waser ist der Technische Leiter der Innerschweizer Schwinger

Bild: esv.ch

Saison-Zwischenbilanz

Was für eine Saison-Zwischenbilanz ziehst du insgesamt vom ISV-Team?

Thedy Waser: «Ich ziehe eine gute Saison-Zwischenbilanz und ich bin zufrieden mit dem bisherigen Verlauf. Namhafte Schwinger kamen von Verletzungen zurück und bereichern nun wieder unser Team. Bei den Kantonalfesten kam bis aufs «Urner» der Sieger aus unseren Reihen. Bei den Bergfesten lief es uns, abgesehen vom Stoos-Schwinget, gut.»

Was fiel dir besonders positiv auf?

Waser: «Wir haben viele talentierte Nachwuchsleute wie beispielsweise Marc Lustenberger. Sie drücken nach und haben etliche gute Wettkämpfe gezeigt. Das hat mir sehr gefallen, und das ist für die Zukunft sehr wichtig.»

Was stach dir besonders negativ ins Auge?

Waser: «Von den Schwingern kann ich nichts Negatives berichten. Was mir ins Auge stach sind gewisse Medien mitsamt ihrer Berichterstattung. Sie kennen den Hintergrund einfach zu wenig und berichten dadurch auch zu wenig sachlich. Wenn ein Schwinger seine Leistung nicht bringt, spricht man gleich von einer grossen Krise. Alle, die eine Ahnung von Sport haben, wissen, dass solche Situationen einfach dazu gehören.»

Zuletzt liess sich ein deutlicher Aufwärtstrend bei den Innerschweizern erkennen. Würdest du diese Aussage unterschreiben?

Waser: «Ja, das hat man wirklich gesehen. Auch dank den Schwingern, welche zu Beginn noch verletzt waren oder denen die Praxis noch ein wenig fehlte. Sie kehren nun wieder sukzessive auf die Erfolgsstrasse zurück.»

Was sagst du zu den Leistungen deiner Schützlinge an den Kantonalschwingfesten?

Waser: «Es wurde gut geschwungen. Die bereits erwähnten Jungen drücken nach. Sie haben trotz der Corona-Pandemie ihre Arbeit gemacht. Aber auch die Arrivierten zeigten, dass sie ihre Hausaufgaben gemacht haben.»

Wie fällt deine Bilanz für die bisherigen Bergkranzfeste aus?

Waser: «Auf dem Stoos sind wir mit einer arg dezimierten Mannschaft angetreten, diverse Kräfte fehlten verletzungsbedingt. Trotzdem hatten wir einen Schwinger im Schlussgang. So gesehen haben wir das Optimum herausgeholt. Beim Schwarzsee holten wir vier Kränze und die Jungen wussten zu gefallen. Auf der Rigi holten wir den Festsieg und wieder vier Kränze. Leider mussten Reto Nötzli und Mike Müllestein das Fest aufgeben. Ich denke, wir haben das beste aus der Situation gemacht.»

Wie beurteilst du die Leistung des ISV-Teams am ISAF?

Waser: «Am ISAF haben die Innerschweizer einen starken Wettkampf gezeigt. Wir erlebten etliche Überraschungen wie beispielsweise den Sieg von Nano Durrer gegen Benjamin Gapany, oder den Triumph von Urs Riebli über Michael Bless. Das sind eindrückliche Momente und sie zeigen uns, dass in Zukunft mit den Nachwuchskräften zu rechnen ist.»

82 von 85 Innerschweizer Schwingern wurden bereits definitiv fürs ESAF in Pratteln selektioniert

Bild: schlussgang.ch

Frühe Selektionierung fürs ESAF

Verfolgt man mit der frühen Selektionierung einen bestimmten Grund?

Waser: «Ja. Unter den 82 fix Selektionierten sind solche Schwinger darunter, welche noch nicht ganz fit sind. Ihnen wird so bewusst Druck genommen. Die 15 provisorisch selektionierten Schwinger stehen da schon mehr unter Druck. Sie haben noch die Möglichkeit, sich für eine definitive Selektion aufzudrängen. Für uns stehen noch verschiedene Entscheidungen um das Festsetzen der letzten Startplätze an.»

Unter den 82 selektionierten Schwingern sind 33 Luzerner, 16 Schwyzer, 14 Ob-/Nidwaldner, 11 Zuger und 8 Urner. Nebst der zahlenmässigen Überlegenheit der Luzerner sind sie auch derjenige Kantonalverband, welcher am besten unterwegs ist. Die Schwyzer haben nach fetten Jahren ganz offensichtlich eine Baisse. Wie beurteilst du die Situation der Kantonalverbände? 

Waser: «Die Schwyzer verzeichneten nach dem ESAF in Zug gewichtige Rücktritte, dann kam die Corona-Pandemie und die schwere Verletzung von Michael Gwerder. Die Zuger mussten lange auf Pirmin Reichmuth verzichten und nun fehlt ihnen wegen Krankheit Noe van Messel. Bei den Urnern sorgt neuerdings Lukas Bissig für viel Freude. Lange Zeit waren die Schwyzer die Leader in der Innerschweiz, zur Abwechslung sind es nun die Luzerner. Potential ist überall vorhanden, und diese Schwinger werden in den nächsten Jahren zeigen, dass auch sie zur Spitze gehören.»

Der Urner Lukas Bissig machte in dieser Saison bisher viel Freude und gewann fünf Kränze

Bild: Luzerner Zeitung

Die Verletzungssituation und die Situation bei den Nachwuchsleuten

Auch in dieser Saison hatten die Innerschweizer bisher viel Verletzungspech. Wie beurteilst du die aktuelle Verletzungssituation?

Waser: «Momentan sieht es nicht so schlimm aus wie auch schon. Die Rückkehr von Pirmin Reichmuth ist sehr erfreulich. Die derzeitigen Verletzten laborieren meist an leichten Blessuren, welche keine längere Pause nach sich ziehen. Bei Reto Nötzli ist es eine Muskelverspannung, keine grosse Sache. Christian Schuler wird vermutlich auf dem Brünig wieder dabei sein. Mike Müllestein sollte bis zum Nordwestschweizer Schwingfest wieder fit sein. Matthias Herger ist wieder im Schwingtraining, er plant einen Start am Sörenberg-Schwinget. Die Rückkehr von Michael Gwerder ist noch offen. Er praktiziert zwar schon seit einiger Zeit das Schulschwingen. Michael wird am ESAF aber nur antreten, wenn er für eine Topleistung bereit ist.»

Mit Marc Lustenberger, Lukas Bissig, Ueli Rohrer und Jonas Burch ernten junge Athleten die Früchte der Nachwuchsarbeit. Bist du zufrieden mit dem eingeschlagenen Weg, dem Nachwuchskonzept und den Nachwuchsleuten? Wo gäbe es in deinen Augen noch Verbesserungspotential?

Waser: «Das grösste Verbesserungspotential liegt darin, dass die Jungen zusammen trainieren und harte Trainings absolvieren. Der ISV bietet entsprechende Trainings für den Nachwuchs und die Aktiven an. Es wurden zudem Trainingsgruppen innerhalb des Verbandsgebietes gebildet. Gut ist, wenn die Schwinger diese Trainings regelmässig besuchen. Denn nur so werden sie stärker. Ich bin ansonsten mit dem eingeschlagenen Weg hinsichtlich des Nachwuchses zufrieden. Wir sahen dies letztes Jahr bei der erfolgreichen Teilnahme am ENST.»

Joel Wicki (links) und Pirmin Reichmuth sind rechtzeitig zum ESAF hin wieder bereit für grosse Taten

Bild: Luzerner Zeitung

ESAF in Pratteln

Welche Ziele definierst du als Technische Leiter für das ESAF in Pratteln?

Waser: «Ein Ziel sind neue Eidgenossen, ein weiteres Ziel ist, dass jeder Kantonalverband Kränze holt. Und schliesslich ist es unser Ziel, um den Königstitel zu schwingen.»

Mit Joel Wicki und glücklicherweise wieder mit Pirmin Reichmuth verfügt das ISV-Team über zwei Team-Leader, welche nach schwierigen Zeiten wieder bereit sind für grosse Taten. Die Erleichterung im Team muss gross sein. Traust du beiden den Königstitel zu?

Waser: «Ja, ich traue beiden den Titel zu. Beide haben das Potential und sie haben bereits in Zug bewiesen, dass sie um die Krönigskrone schwingen können. Aber: Schlussendlich braucht es das ganze Team, um den Titel holen zu können.»

Wie schwörst du dein Team aufs «Eidgenössische» ein?

Waser: «Das findet innerhalb des Betreuerteams statt. Unsere Schwinger sind ansonsten eingeschworen genug. Wir bieten ihnen Hand bei der Vorbereitung und geben ihnen die Unterstützung, welche sie benötigen

Wie sieht die Vorbereitung der Innerschweizer bis zum ESAF aus?

Waser: «Bis zum ESAF finden alle zwei Wochen Trainingszusammenzüge statt, der letzte ist am 18. August. Am 4. August steht ein Termin mit den Medien auf dem Programm und am 13. August besuche ich mit meinem Team den Festplatz in Pratteln. Ich bin zuversichtlich, und ich traue meinen Akteuren auch etwas zu.»

In Thun steigt am kommenden Sonntag das mit Spannung erwartete Bernisch Kantonale Schwingfest

Text: Toni Haldemann (Medien und Kommunikation) und Schwinger-Blog

Am kommenden Sonntag, 17. Juli findet in Thun in der Stockhornarena das diesjährige Bernisch Kantonale Schwingfest statt. Die drei Trägervereine Turnverein Reutigen, Turnverein Sigriswil und Schwingklub Thun und Umgebung freuen sich, den Grossanlass durchzuführen. Die multifunktionale Arena bietet eine sehr gute Infrastruktur und optimale Rahmenbedingungen für ein Teilverbandsfest. Wo sonst Fussball gespielt wird oder Konzerte über die Bühne gehen, erküren die Berner ihren diesjährigen Teilverbandssieger. Ihre Spitzenleute rund um Schwingerkönig Kilian Wenger und Kilchberger Sieger Fabian Staudenmann werden von acht hochkarätigen Gästen gefordert.

Titelverteidiger Kilian Wenger ist nach einer Verletzungspause bereits wieder in einer beneidenswerten Form

Bild: Berner Zeitung

Gekämpft wird um «Alan vom Stockhorn»

150 Schwinger werden sich im Sägemehl messen und um den Siegermuni «Alan vom Stockhorn», sowie die begehrten Eichenlaubkränze kämpfen. Ausserdem ist es für einige Athleten die letzte Gelegenheit, sich für das Eidgenössische Schwingfest 2022 in Pratteln zu qualifizieren. Diese Ausgangslage sorgt für grosse Spannung. Für die Schwingerfreunde ein Muss dabei zu sein, wenn es in Thun heisst: «Manne i d’Hose»!

Nur noch wenige Tickets erhältlich

Aktuell sind für das Kräftemessen am Sonntag nur noch wenige Tickets erhältlich. Es wird aber auch am Sonntagmorgen an der Tageskasse noch Tickets geben, welche bewusst für Schwingerfreunde ohne Internet und für Kurzentschlossene zurückbehalten wurden. Wer kein Ticket in der Arena besitzt, kann das Wettkampfgeschehen auf einer Grossleinwand im Aussenbereich gratis mitverfolgen. Für Speis und Trank ist auch rund um die Arena gesorgt.

Acht hochkarätige Gäste

Um 8.00 Uhr beginnt der Wettkampf mit dem Anschwingen. Acht hochkarätige Gäste aus den anderen vier Teilverbänden werden versuchen, den gastgebenden Bernern den Sieg streitig zu machen. Aber: Alles andere als ein Sieg der Gastgeber wäre eine Riesenüberraschung. Sind die Berner doch momentan der am stärksten einzustufende Teilverband. Ihre Leader sind der Schwingerkönig Kilian Wenger und Kilchberger Sieger Fabian Staudenmann. Trotzdem: Samir Leuppi und Roger Rychen (NOSV), Erich Fankhauser und Ueli Rohrer (ISV), Adrian Odermatt und Patrick Räbmatter (NWSV) sowie Romain Collaud und Mickael Matthey (SWSV) werden versuchen ihre Haut so teuer wie möglich zu verkaufen. Der Schlussgang ist für 17.00 Uhr geplant, etwa eine Stunde später werden die Kranzgewinner im Festzelt bei der Rangverkündigung gekrönt. 

Reichhaltiges Rahmenprogramm

Bereits am Freitag öffnen um 17.00 Uhr der Gabentempel und die Festwirtschaft ihre Tore, die Schwingerbar wird um 19.00 Uhr in Betrieb genommen. Am Samstag startet der Festbetrieb um 10.00 Uhr mit der Eröffnung des Gabentempels, und in der Arena wird ein Schnupperschwingen angeboten Das Abendprogramm ist analog dem Programm vom Freitag – der Eintritt ist für beide Abende kostenlos. Das Organisationskomitee freut sich auf zahlreiche Zuschauer und drei unvergessliche Tage in Thun, dem Tor zum Berner Oberland.

Aargauer Kantonalschwingfest in Beinwil/Freiamt: Das OK erwartet über 5000 Zuschauer

Text: Wolfgang Rytz (Medienchef) / Bearbeitung: Schwinger-Blog

Auf dem Areal «Chäbere» nördlich von Beinwil/Freiamt entsteht ein imposanter Festplatz für das 115. Aargauer Kantonalschwingfest, welches am nächsten Wochenende auf dem Programm steht. Im Zentrum steht die Schwingerarena für über 5000 Zuschauer. Mit sechs «Eidgenossen» im 120-köpfigen Teilnehmerfeld ist die Besetzung erstklassig. Gespannt erwarten die Schwingerfreunde das Comeback des Zugers Pirmin Reichmuth.

Auf dem Kulturland «Chäbere» nördlich von Beinwil/Freiamt erwartet eine prächtige Arena über 5000 Zuschauer zum 115. Aargauer Kantonalschwingfest

Bild: zVg

Die Bauchefs Pirmin Bucher und Rolf Schärer haben seit Beginn des Aufbaus zwei Wochen vor Festbeginn alles im Griff respektive unter Kontrolle. Nach weniger als einer Woche waren die vier Haupttribünen erstellt. Tribünenbauer Felder hatte dazu über 200 Tonnen Material angeliefert. Fast nochmals so viel Material wird um die Arena für Festzelte und weitere Einrichtungen auf dem elf Hektaren grossen Festareal verbaut. In der Schwingerarena werden in dieser Woche für die vier Ringe über 100 Kubikmeter Sägemehl angeliefert. Täglich treiben rund 50 Helfer unter der Leitung des Duos Bucher/Schärer die Arbeiten voran, damit am Donnerstagabend alles gerüstet sein wird für ein imposantes Aargauer Kantonalschwingfest, das sich über drei Tage hinzieht.

Sportliches Highlight

Das Aargauer «Kantonale» ist mit sechs eidgenössischen Kranzschwingern in diesem Jahr eines der bestbesetzten Kantonalfeste. Pirmin Reichmuth, der Gast des Schwingklubs Cham-Ennetsee, fordert bei seinem Comeback nach langer Verletzungspause die fünf «bösen» Aargauer Nick Alpiger, Patrick Räbmatter, David Schmid sowie die beiden Freiämter Andreas Döbeli und Joel Strebel heraus. Gespannt warten die vielen Freiämter Schwingerfreunde aber auch auf das Abschneiden von Lukas Döbeli, der in diesem Frühling nach einer Schulteroperation vor einem Jahr mit zwei Kranzgewinnen erfolgreich ins Sägemehl zurückgekehrt ist. Auf den Sieger wartet der Brown-Swiss-Stier «Kümu II».

Das Comeback von Pirmin Reichmuth wird gespannt erwartet

Bild: pirminreichmuth.ch

Drei Tage Feststimmung

Nebst dem grossen Hosenlupf am Sonntag – letzte Tickets sind an der Tageskasse erhältlich – steht am Samstag ab 9 Uhr der Nachwuchs im Einsatz. 180 Jungschwinger im Alter von 8 bis 15 Jahren werden sich ebenfalls in der Schwingerarena messen. Um diese beiden sportlichen Anlässe herum findet auf dem Festplatz Chäbere in Beinwil/Freiamt ein dreitägiges rauschendes Fest statt.

Festbeginn mit einem Feierabendbier ist am Freitag, 8. Juli um 17 Uhr. Das Schwingerzelt mit integriertem Gabentempel nimmt seinen Betrieb um 19 Uhr auf. Im grossen Festzelt lanciert DJ Mario ab 20.30 Uhr den Unterhaltungsabend mit der Partyband «VolXRoX» als Höhepunkt. Im Turnerzelt ist ab 20 Uhr mit den «Örgeli-Chnächte» Volksmusik aus dem Seetal angesagt.

Nach dem Jungschwingertag am Samstag folgt um 16 Uhr im Apérogarten die Jubiläumsfeier des Turnvereins Beinwil/Freiamt «90 + 2 Jahre». Um 17 Uhr findet in der Arena die Siegerehrung für den Schwingernachwuchs statt. Im Turnerzelt sorgen die Trachtengruppen Mühlau und Merenschwand zusammen mit dem Duo Betschart/»D’Freiämter» für volkstümliche Unterhaltung.

Anschwingen ist am Sonntag um 8 Uhr

Am Sonntagmorgen gehts schon um 6 Uhr mit dem «Schwingerzmorge» auf dem Festareal los. Ab 6.45 Uhr ist der Zutritt in die Arena möglich. Der Einmarsch der Schwinger und Funktionäre lässt die Stimmung der Schwingerfreunde schon um 7.30 Uhr ansteigen, ehe der Wettkampf um 8 Uhr beginnt. Der Festakt am Nachmittag um 15 Uhr leitet über zum Kampf um die Kränze und die beiden Lebendpreise «Kümu II» und Holsteinrind «Sunshine». Schon jetzt laufen hitzige Diskussionen, welche zwei Spitzenschwinger sich um 16.45 Uhr im Sägemehl im Schlussgang gegenüberstehen werden. Das Freiamt und die Schwingerfreunde fiebern einem «bäumigen Fäscht» mit attraktivem Schwingsport entgegen.

Florian Gnägi ist dreifacher Saisonsieger und gewann unter anderem am Schwarzsee, für ihn ein spezieller Ort. Er sagt: «Ich gewann dort meinen ersten Bergkranz und nun mein erstes Bergkranzfest.»

Text: Schwinger-Blog

Florian Gnägi holte sich in dieser Saison bereits drei Kranzfestsiege. Der 33-jährige scheint in der Form seines Lebens zu sein und gewann nebst dem Seeländischen Schwingfest (Co-Sieger) auch den Bergschwinget Schwarzsee und letztes Wochenende das Bern-Jurassische Schwingfest. Zudem stehen beim dreifachen Saisonsieger bereits fünf Saisonkränze zu Buche. Eine hervorragende Zwischenbilanz, welche dem sympathischen Athleten den vierten Zwischenrang in der SCHLUSSGANG-Wertung einbringt.

Ein überglücklicher Schwarzsee-Sieger

Bild: Barbara Loosli

12 Kranzfestsiege und 106 Kränze auf dem Konto

Florian wurde am 31. Oktober 1988 geboren, ist verheiratet und wohnt in Aarberg. Er ist 188 Zentimeter gross und 125 Kilogramm schwer, was Idealmasse für den Schwingsport bedeuten. Florian ist gelernter Kaufmann und arbeitet beim Kompetenzzentrum Sport der Armee als Sachbearbeiter Finanzen. Nebst der Arbeit und dem Schwingsport sitzt der Seeländer im Vorstand des Turnvereins und spielt im Winter mit einem Plausch-Verein Eishockey. Zudem sieht er sich gerne Spiele vom EHC Biel an.

Florian ist Mitglied vom Schwingklub Biel und hat 12 Kranzfestsiege und 20 Regionalfestsiege auf seinem Konto. Weiter gehören zu seinem stolzen Palmarès 106 Kränze: 62 Gau-/Kantonalkränze, 24 Bergkränze, 18 Teilverbandskränze und 2 Eidgenössische Kränze. Der Turnerschwinger gewann seinen ersten Kranz am 14. Mai 2005 beim Oberaargauischen Schwingfest in Burgdorf. Nebst 9 Gauverbands-/Kantonalfest- und 2 Teilverbandsfestsiegen darf sich der versierte Athlet seit dem diesjährigen Bergschwinget Schwarzsee auch Bergfestsieger nennen.

Zweitbester Berner

Die hervorragende Klassierung in der SCHLUSSGANG-Wertung verdiente sich Florian mit drei Kranzfestsiegen und fünf Kränzen. Dies ist wohlverstanden erst eine Zwischenbilanz, welche ihn als zweitbesten Berner taxiert. Dass der Schwarzsee-Sieger ein regelmässiger Kranzsammler ist, beweist seine Zugehörigkeit zum «Hunderter-Klub». Anders als in anderen Jahren wirkt Florian aber noch fitter und abgeklärter. Die präzis angesetzten Schwünge sitzen und das Selbstvertrauen in sein Können ist vorhanden. Durchaus möglich, dass der Aarberger beim ESAF in Pratteln das berühmte Zünglein an der Waage spielen könnte.

Die jüngsten Erfolge, die «VAR»-Diskussion und das ESAF in Pratteln

Beim Gespräch mit Florian blickt der Schwinger-Blog auf seine jüngsten Erfolge zurück. Angesprochen werden dabei auch seine Fitness und die Vorbereitung. Es werden aber auch Themen angeschnitten wie die vom «Blick» losgetretene «VAR»-Diskussion, und welche Schwerpunkte ihn derzeit als Vorsitzenden des Aktivenrates beschäftigen. Selbstverständlich ist auch der bevorstehende Saisonhöhepunkt, das ESAF in Pratteln, ein Thema. Liebäugelt Florian gar mit dem Königstitel? Lesen Sie selbst!

Florian bodigte beim Bergschwinget Schwarzsee im ersten Gang den Zuger Marcel Bieri mit einem Plattwurf

Bild: Barbara Loosli

Herzliche Gratulation zu den drei Kranzfestsiegen und den fünf Kränzen. Erlebst du gerade deinen zweiten Frühling?

«Danke vielmals! Ich hatte einen sehr guten Winter. Ende letzter Saison konnte ich ohne Problem in die Winterpause und gut ins Training einsteigen. Das Wintertraining durfte ich ohne gesundheitliche Probleme absolvieren. Man darf vielleicht schon von einem zweiten Frühling sprechen. Dennoch: Es steckt viel Arbeit dahinter.»

Beim vierten Bergkranzfest-Schlussgang hat es beim Bergschwinget Schwarzsee zum ersten Sieg gereicht. Wie war die Gefühlslage hinterher?

«Ich habe mich sehr gefreut! Ich erwischte einen guten Tag und bezwang Gegner, welche ich vorher noch nie besiegt habe. Der Schwarzsee ist für mich ein spezieller Ort: Ich gewann dort meinen allerersten Bergkranz und nun mein allererstes Bergkranzfest.»

In der SCHLUSSGANG-Wertung liegst du auf Rang vier und bist der zweitbeste Berner. In dieser Saison scheint für dich fast nichts unmöglich zu sein?

«Im Sport ist bekanntlich vieles möglich. Ich lege aber nicht so viel Wert auf diese Liste. Es läuft mir gut, ich bin gesund und ich habe Freude an meinen Leistungen und Resultaten.»

Du wirkst noch fitter und abgeklärter als in vergangenen Jahren. Hast du in deiner Vorbereitung etwas verändert? 

«Nein, verändert habe ich nichts, auch der Trainer ist immer noch der gleiche. Letztes Jahr habe ich schon ähnlich geschwungen. 2021 musste ich anfangs Juni mein Knie operieren lassen. Hinterher ging es einen Moment, bis ich wieder richtig fit war. Anfangs September war ich rechtzeitig auf den Bergschwinget Schwarzsee hin in Topform. Kurze Zeit später lief es mir beim Kilchberger Schwinget ebenfalls sehr gut. In dieser Saison lief es mir schon von Anfang an sehr gut. Dass ich abgeklärter bin, ist dem Alter und der dazugehörigen Routine geschuldet

Beim Bern-Jurassischen Schwingfest vor Wochenfrist war die Entscheidung im Schlussgang umstritten. Der «Blick» hat nach dem Bergschwinget Schwarzsee eine «VAR»-Diskussion gerade wegen solchen Situationen losgetreten. Wie stehst du zu diesem Ansinnen?

«Ich persönlich halte nicht wirklich viel davon. Nick Alpiger hat es während dem NOS im Interview mit SRF treffend formuliert: Manchmal hast du Glück und manchmal trifft dich das Pech. Ich bin der Meinung, dass sich das im Verlaufe der Karriere gerecht ausgleicht. Nehmen wir das Beispiel Bern-Jurassisches Schwingfest: Der Verband ist nur schon froh, dass das Fest jedes Jahr ausgetragen werden kann. Wenn dann an so einem Schwingfest mit fünf Schwingplätzen noch ein «VAR» installiert werden sollte, mit je drei Kameras pro Platz und entsprechendem Personal vor Ort: Wer bezahlt das? Zudem: Mit unserem technischen Regulativ ist es schwierig, abschliessend sagen zu können, ob diese oder jene Situation nun Resultat ist oder nicht. In meinen Augen bringt der «VAR» im Schwingsport nicht viel. Und: Man sieht selbst beim Fussball, dass es trotz «VAR» immer noch strittige Entscheidungen gibt.»

Du bist seit 2019 der Vorsitzende des Aktivenrates und warst bei der Corona-Pandemie stark gefordert. Welche Schwerpunkte stehen momentan auf der Traktandenliste?

«Wir hoffen im Moment, dass Corona nicht mehr zum Thema wird. Ich stehe mit Stefan Strebel, dem Technischen Leiter vom ESV, im Austausch. Mit dem Aktivenrat tauschen wir uns regelmässig in einem Whatsapp-Chat aus. Wir greifen beispielsweise auf, was in den Medien gefordert wird. Da für mich an diesem Wochenende kein Schwingfest auf dem Programm steht, werde ich den «VAR» in die Runde werfen. Zudem diskutieren wir die Einteilungs-Zusammensetzung an Bergfesten. Das sind aber längerfristige Themen, die jetzt nicht eine Entscheidung erfordern.»

Der Berner Seeländer ist seit 2019 der Vorsitzende des Aktivenrates

Bild: esv.ch

Welche weiteren Saisonhöhepunkte stehen für dich vor dem ESAF noch auf dem Programm?

«Nun habe ich an zwei Wochenenden frei. Dann folgt das Bernisch-Kantonale Schwingfest, das Freiburger Kantonale und der Brünigschwinget. Auf dem Programm stehen bis zum ESAF also noch drei Kranzfeste. Am 13. August starte ich zudem am Bözingenberg-Schwinget, welches am Trainingswochenende mit den Berner Schwingern stattfindet.»

Wie sieht deine aktuelle Trainingswoche aus?

«Während der laufenden Saison steht am Montag ein Schwingtraining auf dem Programm. Am Dienstag eine lockere Ausdauer-Einheit, am Mittwochmorgen früh ein Krafttraining und am Abend ist Schwingen angesagt. Am Donnerstag ist Ruhetag. Vor einem Schwingfest-Wochenende absolviere ich freitags und samstags ein Warm-up. Bei einem schwingfestfreien Wochenende sind für Freitag und Samstag zwei harte Trainingseinheiten geplant.»

Absolvierst du auch ein Mental-Training?

«Nein, kein spezifisches. Ich stimme mich jeweils auf die Wettkämpfe ein und lege mir vor den Gängen einen klaren Plan zurecht. Diese Vorbereitung, welche ich ohne externe Hilfe absolviere, gehört zum Bereich Visualisierung.»

Wirst du dein Arbeitspensum hinsichtlich ESAF reduzieren, und dein Training noch intensivieren?

«Nein, ich werde arbeiten wie bisher. Vor dem ESAF werde ich am Freitag freinehmen. Zusätzlich stehen Trainings mit dem Berner Team auf dem Programm. Wichtig für mich ist aber gute Erholung, Regeneration und genügend Schlaf. Das ist in meinen Augen fast wichtiger als das Training noch zusätzlich zu forcieren. Denn: In den letzten Wochen vor dem ESAF kann man nicht das wettmachen, was man im Winter verpasst hat.»

Das starke Berner Team darf sich in Pratteln berechtigte Hoffnungen auf die Königskrone und die meisten Kränze machen. Wie ist die momentane Stimmung im Team?

«Auf dem Stoos und am Schwarzsee hat man aufgrund der Resultate gesehen, dass die Stimmung gut ist. Das Ziel unseres Teams ist, wieder den Schwingerkönig-Titel ins Bernbiet zu holen und erneut am meisten Kränze zu gewinnen.»

Liebäugelst du mit deiner derzeitigen Form gar mit dem Königstitel?

Florian grinst. «Nein, überhaupt nicht. Mein Ziel ist der Kranz.»

Samir Leuppi strebt am Sonntag in Balterswil seinen achten NOS-Kranz an. Er sagt: «Am Ende des Tages will ich sagen können, dass es ein super Wettkampf war und ich alles gegeben habe. Was dabei herausspringt ist Zugabe.»

Text: Schwinger-Blog

Samir Leuppi gehört mit seinem Palmarès und seiner offensiven Schwingweise zur Spitze in der Nordostschweiz. In dieser Saison gewann er bereits drei Kränze. Beim St. Galler Kantonalschwingfest stand der bärenstarke Athlet gar im Schlussgang und wurde hervorragender Zweiter. Die Vorbereitung auf die neue Saison wurde allerdings durch gesundheitliche Probleme beeinträchtigt. Nun ist Samir wieder einigermassen fit und so richtig im Wettkampf-Modus angelangt. An diesem Sonntag steht für ihn mit dem Nordostschweizer Schwingfest in Balterswil TG ein erster Saisonhöhepunkt auf dem Programm. Beim Anschwingen wird er auf den Appenzeller Michael Bless treffen.

Samir konnte bisher drei Kranzfestsiege feiern

Bild: schlussgang.ch

2017, 2019 und 2021 jeweils 7 Kränze gewonnen

Samir’s Geburtsdatum ist der 24. Februar 1993. Der 29-Jährige wohnt mit seiner Freundin im Kanton Zug, und weist mit seiner Grösse (194 Zentimeter) und seinem Gewicht (140 Kilogramm) Idealmasse für den Schwingsport auf. Samir ist gelernter Zimmermann und lässt sich momentan bei der Transportpolizei zum Polizisten ausbilden. Nebst der Arbeit und dem Schwingsport benennt der Sennenschwinger Jassen, Kraftsport und Fischen als seine Hobbys.

Samir ist Mitglied vom Schwingklub Winterthur und hat drei Kranzfestsiege und sieben Regionalfestsiege auf seinem Konto. Weiter gehören zu seinem Palmarès 47 Kränze: 33 Kantonalkränze, 8 Teilverbandskränze, 5 Bergkränze und 1 Eidgenössischer Kranz (ESAF 2019 in Zug). Der Winterhurer gewann seinen ersten Kranz am 2. Mai 2010 beim Thurgauer Kantonalschwingfest in Wängi. Ab der Saison 2015 wurde Samir zu einem regelmässigen Kranzsammler. In den Jahren 2017, 2019 und 2021 gewann er jeweils sieben Kränze.

2022: Trotz beeinträchtigter Vorbereitung schon drei Kränze gewonnen

Von November bis Februar plagten Samir Schleimbeutelprobleme. Während dieser Zeit konnte der Eidgenosse leider kein Sägemehl-Training absolvieren. Hinzu kam anschliessend eine langwierige Reflux-Erkrankung, welche ihm zu schaffen machte. Für das Thurgauer Kantonale musste Samir deshalb Forfait erklären. Vor seinem Heimfest, dem Zürcher Kantonalen, musste Samir zudem eine Erkältung auskurieren. In Ossingen stieg er schliesslich in die Saison ein, und mit Rang 5d war der Einstand geglückt. Beim St. Galler Kantonalschwingfest in Wil wurde Samir sehr guter Zweiter. Bei diesem Anlass gewann er gleich gegen zwei Sieger eines eidgenössischen Anlasses, nämlich gegen Damian Ott und Arnold Forrer. Der Schlussgang gegen Werner Schlegel endete gestellt, was dem Toggenburger den Sieg einbrachte. Eine Woche später gewann Samir beim Glarner-Bündner Schwingertag in Netstal mit Rang 6d den dritten Saisonkranz.

Tragische Figur beim Kilchberger Schwinget

In den Köpfen der Schwingerfreunde blieb ein kapitaler Fehlentscheid beim letztjährigen Kilchberger Schwinget hängen. Samir bodigte im fünften Gang mit einer blanken Zehn Bernhard Kämpf. Die Kampfrichter sahen dies jedoch anders, der Gang endete gestellt und der Zürcher verpasste dadurch den Schlussgang. Der «Blick» schrieb hinterher: «Leuppi ist der Höhepunkt seiner bisherigen Karriere geraubt worden.» Samir verhehlte nicht, dass er am Boden zerstört war und die Welt nicht mehr verstanden habe. Er sagte aber auch: «Ich hatte trotz allem eine tolle Saison und habe in Kilchberg gespürt, dass ich ganz an der Spitze mithalten kann.»

Beim Gespräch mit dem dreifachen Kranzfestsieger blickt der Schwinger-Blog aber nicht mehr zurück, sondern nach vorn. In die aktuelle Gegenwart, auf das bevorstehende Nordostschweizer Schwingfest, auf einen möglichen Sieg an einem grossen Fest und natürlich auch aufs ESAF in Pratteln.

Beim St. Galler Kantonalen bezwang Samir Schwingerkönig Nöldi Forrer

Bild: Lorenz Reifler

Wie geht es dir? Bist du wieder vollständig gesund?

«Es geht mir so weit gut und ich bin gesundheitlich recht gut dran. Die Schleimbeutelentzündung ist vollständig auskuriert, der Reflux macht aber noch ein wenig Probleme. Bei übermässiger Anstrengung äussert sich dies mit Husten.»

Trotz beeinträchtigter Saisonvorbereitung hast du bereits drei Kränze gewonnen. Wie bist du mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden?

«Es läuft trotz der verkürzten Vorbereitung gut. Die Routine fehlt mir noch etwas und ich bin schwingerisch noch nicht ganz auf dem Stand wie ich gerne möchte. Dadurch, dass ich längere Zeit ausfiel, ist es dennoch gut herausgekommen.»

In der SCHLUSSGANG-Wertung für die diesjährige Saison belegst du aktuell Platz 43. In der Schluss-Wertung für 2021 warst du auf Platz 15 zu finden. In der zweiten Saisonhälfte besteht da durchaus noch Luft nach oben?

«Diese Wertung halte ich während der Saison nicht unbedingt für repräsentativ. Zum jetzigen Zeitpunkt wird wegen unterschiedlicher Anzahl Kranzfeste sowieso nicht mit gleichen Ellen gemessen. Und: Ich habe erst drei Kantonalfeste bestritten, die grossen Schwingfeste stehen für mich erst noch bevor.»

Nun steht am kommenden Sonntag mit dem Nordostschweizer Schwingfest ein erster Saisonhöhepunkt auf dem Programm. Wie siehst du deine Erfolgschancen?

«Es ist ein erster Höhepunkt und wie ich auf Bildern gesehen habe, sieht die Arena toll aus. Ich handhabe es wie immer: Ich gehe an den Wettkampf und will ein gutes Gefühl haben. Ich werde meine beste Leistung abrufen und möchte wieder gesund heimfahren. Am Ende des Tages will ich primär sagen können, dass es ein super Wettkampf war und ich alles gegeben habe. Was dabei herausspringt ist Zugabe. Zudem: Die Jungen drücken und wir haben ein sehr gutes Team. Da bin ich gefordert, wenn ich vorne dabei sein möchte. Dieser Umstand bereitet mir aber grosse Freude.»

Samuel Giger ist der absolute Topfavorit in Balterswil. Du hast dir sicher auch schon Gedanken gemacht, wie man den Überschwinger aus dem Thurgau bezwingen könnte. Verrätst du uns diese?

Samir lacht. «Er ist der absolute Favorit. Wenn ich wüsste wie, hätte ich ihn schon längst bezwungen. Ich suche aber mein Erfolgsrezept gegen ihn immer noch.»

Samir will seine Aufgabe am Nordostschweizer Schwingfest konzentriert angehen

Bild: samir-leuppi.ch

Welche weiteren Saisonhöhepunkte stehen bei dir nebst dem NOS noch auf dem Programm?

«Nach dem NOS folgt mit dem Bernisch-Kantonalen Schwingfest ein weiteres Teilverbandsfest. Anschliessend geht es auf die Berge: Der Reihe nach trete ich auf dem Weissenstein, auf dem Brünig und auf der Schwägalp an. Und Ende August steht das ESAF in Pratteln auf dem Programm. Jetzt folgen in dem Sinne nur noch Highlights.»

Wie sieht deine aktuelle Trainingswoche aus?

«Im Moment gestalte ich diese flexibel. Weil ich im Praktikum stecke und Schicht arbeite, muss ich mein Athletiktraining flexibel planen und die Schwingtrainings auf die freien Abende legen. Das sind dann wöchentlich drei bis vier Trainingseinheiten: Zwei Krafttrainings und ein bis zweimal Schwingen.»

Wirst du dein Arbeitspensum hinsichtlich ESAF reduzieren, und dein Training noch intensivieren?

«Eine Reduktion des Arbeitspensums ist wegen der Ausbildung nicht möglich. Zudem stehen kurz vor dem ESAF Prüfungen an. Das Training werde ich so gut es geht intensivieren. Ich versuche alles unter einen Hut zu bringen, muss aber auch auf meinen Körper hören, damit ich nicht in ein Übertraining gerate.»

Das Nordostschweizer Team darf sich in Pratteln berechtigte Hoffnungen machen, dass der neue Schwingerkönig aus ihren Reihen kommen wird und sie ein gewichtiges Wörtchen um die Kranzverteilung mitreden werden. Wie ist die momentane Stimmung im Team?

«Mein Gefühl ist sehr gut. Der Team-Spirit ist sehr gut und man mag einander den Erfolg gönnen. Jeder gibt alles und nach dem Wettkampf sitzt man gemeinsam zusammen. Beim NOS treten wir noch als Gegner gegeneinander an. Bei den anstehenden Bergkranzfesten werden wir dann zum ersten Mal in dieser Saison als Team zusammenspannen und auftreten. Ich bin stolz, ein Teil dieses Teams sein zu dürfen und freue mich riesig auf diese Anlässe.»

Apropos grosse Feste: Beim letztjährigen Kilchberger Schwinget hast du gezeigt, dass du für den Sieg an einem grossen Fest bereit bist. Was braucht es in deinen Augen für so einen Triumph?

«Ich glaube, da müssen viele Faktoren zusammenstimmen und passen. Dazu gehört das nötige Glück, es muss dein Tag sein, du musst dich super fühlen, man muss mental parat sein und es müssen Gegner sein, die dir liegen. Ein eigentliches Rezept gibt es nicht. Am Ende so eines Tages wirst du vermutlich sagen, dass du niemals mit so einem Erfolg gerechnet hast.»

Der Spatenstich zum ISAF 2022 ist erfolgt

Am Sonntag, 3. Juli findet das 115. Innerschweizer Schwing- und Älplerfest (ISAF) in Ennetbürgen statt. Rund zwei Wochen vor dem Fest erfolgte am Freitag, 17. Juni der offizielle Spatenstich zum sportlichen Grossanlass, wie er so nur alle rund 15 Jahre in Nidwalden durchgeführt wird.

Text und Bild: Peter Bircher / Bearbeitung: Schwinger-Blog

In rund zwei Wochen, am Sonntag, 3. Juli, wird im Gebiet der Herdern in Ennetbürgen Schwingsport vom Feinsten geboten. Rund 200 Schwinger aus der Innerschweiz und aus anderen Teilverbänden schwingen um Kränze und um den Festsieg. Daneben werden auch Steinstösser um jeden Zentimeter kämpfen.

Von links nach rechts: Marco Zimmermann (OK-Vizepräsident und Festwirt Aussenstände), Peter Keller (OK-Präsident) und Yves Seiler (OK Infrastruktur und Bau) beim Spaten-, bzw. Tribünenstich des ISAF 2022

Auf- und Abbau dauert rund 3 Wochen

Am Freitag, 17. Juni fand vor Ort der offizielle Spatenstich und damit auch der Start zum Fest statt. In den kommenden rund zwei Wochen wird das gesamte Festareal aufgestellt und in Betrieb genommen. Neben der Schwingerarena mit rund 7’000 Zuschauerinnen und Zuschauer braucht es ein Festzelt für rund 1’000 Personen, ein Zelt für die Schwingerfreunde, zahlreiche Ess- und Getränkestände, sanitäre Anlagen sowie Strom- und Wasserleitungen. Weiter werden Mobiliar wie Tische, Bänke, Sonnenschirme, Einrichtungen für den Gabentempel und Einrichtungen fürs Festbankett für rund 1’500 Gäste aufgebaut. «Der ganze Auf- und Abbau beginnt heute und dauert bis rund eine Woche nach dem Schwingfest am 8. Juli», erklärt Yves Seiler, Leiter Infrastruktur und Bau. «Die Koordination mit allen Lieferanten, Partnern und Helfenden funktioniert hervorragend. Die grosse Unterstützung und auch Flexibilität aller Beteiligten helfen dabei sehr.»

Über 1’500 Personen im Einsatz

Für den Auf- und Abbau werden neben rund 30 Personen vom Zivilschutz auch 350 Helferschichten vorwiegend am Abend und teilweise auch am Tag unterstützend zur Seite stehen. Am Festwochenende werden rund 1’200 Personen vom Donnerstag bis Sonntag etwa 9’000 Einsatzstunden leisten. «Es ist einfach grossartig, wie uns die Helferinnen und Helfer, sowohl aus Vereinen wie auch Privatpersonen, unterstützen», meint OK-Präsident Peter Keller.

Rund 50’000 Liter Getränke und über 4 Tonnen Esswaren

Das ganze Festgelände öffnet bereits am Donnerstag seine Türen. Jeder Tag wird dabei unter ein Motto gestellt: Am Donnerstag ist «Ländlerabig», am Freitag «Partyabend» und am Samstag «Familientag». «Mit einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm wollen wir für jeden Geschmack und jedes Alter etwas bieten und natürlich auch die umfassende Infrastruktur über mehrere Tage nutzen», erklärt Peter Keller. Der Eintritt ans gesamte Rahmenprogramm ist frei.

Um das leibliche Wohl kümmert sich ein grosses Team unter der Leitung von Alois Keiser und Marco Zimmermann. Die Mengen, die dabei im Vorfeld bestellt werden müssen, sind beeindruckend: Je 4’500 Kalbs- und Schweinsbratwürste, 2’500 Schweinshalssteak, 3’000 Buttergipfeli, knapp 15’000 Liter Bier sowie rund 16’000 Liter Wasser und Softgetränke. «Die grosse Schwierigkeit für uns ist das Wetter und damit auch der Aufmarsch der Besucherinnen und Besucher», meint Marco Zimmermann, OK-Vizepräsident und Festwirt Aussenstände, und ergänzt, dass «wir dank der grossen Flexibilität der Lieferanten auch kurzfristig reagieren und allenfalls Nachschub organisieren können. Hunger oder Durst muss am ISAF bestimmt niemand haben.»

Buebeschwinget am Samstag

Als besonderes Highlight beim Rahmenprogramm findet am Samstag ein Buebeschwinget mit rund 250 Teilnehmenden im Alter von 8 bis 15 Jahren statt. «Für unseren Nachwuchs ist das Buebeschwinget in der grossen Arena enorm wichtig und im Rahmen eines Innerschweizer Schwingfests einzigartig», so Marco Zimmermann, der zudem Präsident der mitorganisierenden Schwingersektion Beckenried ist.

Die Vorfreude ist gross

Die Vorfreude auf das Fest ist riesig. Die Bilder der letzten Schwingfeste helfen hier sicher mit. «Das Kribbeln und die Spannung steigen wieder mit den Übertragungen im Fernsehen und natürlich mit den Besuchen vor Ort bei den zahlreichen Schwingfesten in den letzten Wochen», erklärt Peter Keller und ergänzt: «Das OK ist topmotiviert und arbeitet mit grossem Elan. Immer mehr Zahnräder greifen ineinander und bringen das ganze Fest mehr und mehr in Schwung.» Weitere Infos findet man unter www.isaf2022.ch.

Der Innerschweizer Schwinger-Nachwuchs misst sich am INST in Attinghausen

Text und Bilder: David Zurfluh / Bearbeitung: Schwinger-Blog

Stefan Arnold (rechts) sorgte 2004 in Cham für den ersten Kategoriensieg des Schwingklubs Attinghausen an einem INST

20. Innerschweizer Nachwuchsschwingertag (INST)

Am 26. Juni wird dem Schwingklub Attinghausen die Ehre zuteil, den 20. Innerschweizer Nachwuchsschwingertag (INST) zu organisieren. Die 160 besten Schwinger der Jahrgänge 2004 bis 2007 aus der Innerschweiz und dem Tessin werden in vier Kategorien jeweils den stärksten ihres Jahrgangs ausmachen. 
Um 08.15 Uhr werden die Athleten zum Appell erwartet, bevor dann um 09.00 Uhr die Wettkämpfe beginnen. Die Schlussgänge werden um etwa 16.00 Uhr stattfinden. An der Rangverkündigung um 17.00 Uhr erhalten die maximal ersten 40 Prozent einen Doppelzweig. Den ersten drei in jeder Kategorie wird eine Glocke überreicht. Zudem gibt es für alle angetretenen Schwinger einen praktischen Einheitspreis als Andenken an die Teilnahme.

2021 holte sich Lukas Bissig (rechts) den Kategoriensieg am INST in Baar

Gute Erinnerungen an den INST

Stefan Arnold, Marco Wyrsch, Michael Zurfluh und Lukas Bissig heissen die aktiven Kranzschwinger des Schwingklubs Attinghausen. Neben dem Schwingklub verbindet sie aber noch eine weitere Gemeinsamkeit: Sie alle konnten am INST schon einmal einen Kategoriensieg feiern. Stefan Arnolds Kategoriensieg liegt 18 Jahre zurück, Lukas Bissig gelang dieses Kunststück im letzten Jahr. In Attinghausen verbindet man durchaus positive Erinnerungen mit dem Anlass, deshalb freut man sich im Freiherrendorf schon jetzt auf den 26. Juni. «Das Organisationskomitee arbeitet seit mehr als einem Jahr daran, dem Ehrentag der Innerschweizer Nachwuchsschwinger einen würdigen Rahmen zu verleihen», sagt OK-Präsident Stefan Bissig. Der Festplatz und die Schwingarena sind frei zugänglich. Die leistungsfähige Festwirtschaft sorgt den ganzen Tag über für das leibliche Wohl der Athleten und der Besucher. Eine Reise nach Attinghausen lohnt sich definitiv! Weitere Informationen findet man unter www.inst2022.ch.

Starkes Comeback: Steven Moser wurde bei den ersten beiden Kranzfesten in der Südwestschweiz zweimal Zweiter, und peilt nun einen Kranzfestsieg an. Er sagt: «Es ist eine grosse Herausforderung, da wir mittlerweile viele gute Schwinger bei uns haben.»

Text: Schwinger-Blog

Steven Moser ist im Südwestschweizer Schwingerverband momentan der beste Nichteidgenosse, und zählt zusammen mit den drei Eidgenossen Benjamin Gapany, Lario Kramer sowie Steve Duplan zum Team-Leader-Quartett. Bei den beiden bisher ausgetragenen Kranzfesten (Walliser und Neuenburger Kantonales) belegte er jeweils den hervorragenden zweiten Platz, und beim Mittelländischen Schwingfest anfangs Mai sicherte sich der Freiburger mit Rang 6d den Kranz. Nach einer längeren Verletzungspause gab er diesen Frühling beim Regionalschwingfest in Ried bei Kerzers mit dem dritten Rang ein starkes Comeback. Beim Regionalschwingfest in Le Mouret stand Steven mit Benjamin Gapany im Schlussgang. Diesen verlor er allerdings und landete erneut auf dem dritten Platz.

Am Walliser Kantonalen in Savièse wurde Steven Zweiter, und durfte kranzgeschmückt die Heimreise antreten

Bild: Fabio Salvatore Sabatino

Vor dieser Saison: Letztmals am 19. August 2018 vor die Kranzdamen getreten

Steven’s Geburtsdatum ist der 29. März 1996. Der 26-Jährige wohnt in Rechthalten, ist ledig und weist mit seiner Grösse (192 Zentimeter) und seinem Gewicht (120 Kilogramm) Idealmasse für den Schwingsport auf. Der Freiburger ist gelernter Polymechaniker und absolvierte eine Ausbildung zum Maschinenbau-Ingenieur. Er arbeitet derzeit in einem 100 Prozent-Pensum bei der Firma Polytype in der Stadt Freiburg. Nebst der Arbeit und dem Schwingsport findet der Sennenschwinger nur wenig Zeit für weitere Aktivitäten. Am ehesten noch für Wanderungen.

Steven ist Mitglied vom Schwingklub Sense und hat einen Kranzfestsieg (Waadtländer Kantonalschwingfest 2017 in Mont-Pèlerin), 27 Kränze und fünf Regionalfestsiege auf seinem Konto. Der Sensler gewann seinen ersten Kranz am 21. April 2013 beim Genfer Kantonalschwingfest in Satigny. Ab jener Saison sammelte er regelmässig Kränze. Am meisten in den Saisons 2017 und 2018, nämlich jeweils sechs Eichenlaub-Exemplare. Vor der diesjährigen Saison durfte Steven letztmals am 19. August 2018 beim Walliser Kantonalen vor die Kranzdamen treten. 

Verletzungsgeschichte und Corona-Pandemie

Die Verletzungsgeschichte begann 2019: Steven zog sich im Januar am rechten Knie einen Kreuzbandriss zu und musste operiert werden. Kurz vor dem ESAF in Zug kehrte er wieder auf die Schwingplätze zurück. Beim «Eidgenössischen» schwang der 27-fache Kranzschwinger immerhin acht Gänge. Dann folgte 2020 die Corona-Pandemie und wie fast das gesamte öffentliche Leben wurde auch der Schwingsport ausgebremst. Als es wieder erlaubt war, nahm der Modellathlet das Training auf und bereitete sich entsprechend auf die Saison 2021 vor. Beim allerersten Schwingfest im Juni, am Regionalschwingfest Schwarzsee, riss sich Steven erneut das Kreuzband im rechten Knie. Es erfolgte wieder eine Operation und anschliessend ein monatelanger Aufbau. Wie schon erwähnt, gewann Steven in dieser Saison bereits drei Kränze. An diesem Sonntag steht für den Maschinenbau-Ingenieur beim Waadtländer Kantonalen in Aigle das nächste Kranzfest auf dem Programm.

Nach 2018 das zweite Gespräch

Steven schnupperte am ESAF 2016 in Estavayer-le-Lac schon mal am Eidgenössischen Kranz. Mit der momentanen Form darf er sich berechtigte Hoffnungen machen, dass es diesmal in Pratteln tatsächlich gelingen kann. Und: Wenn Steven gesund bleibt, ist es eine Frage der Zeit bis zum zweiten Kranzfestsieg. Der Schwinger-Blog besuchte Steven Ende Mai 2018, und berichtete im Beitrag «Gespräch mit Steven Moser, einem Team-Leader der Südwestschweizer» von einem hoffnungsvollen Südwestschweizer Talent. Steven gehört nach wie vor zu den Team-Leadern in der Südwestschweiz, welches inzwischen zu einem Quartett herangewachsen ist. Im heutigen Gespräch wird auf die jüngsten Erfolge eingegangen, eine Zwischenbilanz gezogen, sowie aufs ESAF und das Südwestschweizer Team geschaut.

Beim Neuenburger Kantonalen auf Vue-des-Alpes wurde Steven wieder Zweiter und durfte nebst dem Kranz auch ein schönes Bild nach Hause nehmen

Bild: Schwingklub Sense

Herzliche Gratulation zu den beiden Top-Platzierungen in der Südwestschweiz und zum gewonnenen Kranz am Mittelländischen Schwingfest. Wie ordnest du diese Erfolge ein?

«Für mich ist das sehr gut. Beim ersten Schwingfest, dem Regionalschwingfest in Ried bei Kerzers, konnte ich noch nicht richtig einschätzen, wo ich stehe. Beim Mittelländischen Schwingfest in Bern ging es für mich auf, und es machte «klick» im Kopf. Ich dachte mir, wenn es bei den Bernern funktioniert, dann kann ich auch Kränze bei uns in der Südwestschweiz gewinnen.»

Rückblick auf den 7. Mai: Der Einstieg ins «Mittelländische» endete mit einer Niederlage gegen Adrian Walther, ehe vier Siege und ein «Gestellter» folgten. Welcher Gang war in deinen Augen der Schlüssel-Gang zum Kranzerfolg?

«Das war klar der vierte Gang, in welchem ich den Eidgenossen Patrick Schenk bezwingen konnte. Das war für mich eine Kopfsache. Denn: Das war derjenige Gegner am ESAF 2016 in Estavayer-le-Lac, gegen den ich im letzten Gang um den Kranz verloren habe.»

Der Auftakt beim Walliser Kantonalen verlief mit zwei gestellten Gängen ebenfalls wenig verheissungsvoll. Anschliessend gab’s vier Zehner-Würfe. Verrätst du uns, wie du den Schalter umlegen konntest?

«Das war so nicht geplant, dass ich mit zwei «Gestellten» startete. Im ersten Gang waren wir beide nicht sonderlich aktiv. Im zweiten Gang schwang ich drauf los, mein Gegner hat sich aber defensiv auf mich eingestellt. Ich kam anschliessend schon kurz ins Studieren, entschied mich dann Vollgas zu geben und in jedem Gang anzugreifen.»

Auch beim Neuenburger Kantonalen verlief der Start in den Wettkampf mit der Niederlage gegen Lario Kramer nicht wunschgemäss. Anschliessend folgten fünf Siege. Worin bestand auf der Vue des Alpes das Erfolgsrezept?

«Im ersten Gang lief es für mich blöd und ich habe mich überschätzt. Sieben Sekunden vor Schluss ging der Kampf verloren. In den nächsten Gängen gab ich Vollgas, und mein Ziel war der Schlussgang. Diesen verpasste ich leider um einen Viertel Punkt. Bei einem gestellten Schlussgang hätte ich sogar erben können.»

Was auffällt, sind deine verhaltenen Starts. War das Zufall, oder brauchst du jeweils einen «Gingg» um wirklich wach zu werden?

Steven lacht. «Das ist nicht einfach zu erklären. Im ersten Gang kriegt man jeweils die besten Gegner und geht die Aufgabe dementsprechend sachte an. Ich denke, die Saison ist noch jung und das wird im weiteren Verlauf sicher noch besser. Es war für mich zudem schwierig einzuschätzen, wo ich nach der langen Verletzungspause stehe. Auf einige Topschwinger bin ich im Übrigen schon länger nicht mehr getroffen. Deshalb spielte auch ein Abwägen mit.»

Beim Gespräch im Mai 2018, inmitten der schönen Natur auf dem Menzisberg bei Steven’s Elternhaus

Bild: Schwinger-Blog

Was für eine persönliche Saison-Zwischenbilanz ziehst du?

«Ich bin recht zufrieden. Von drei möglichen Kränzen habe ich drei geholt, das ist positiv. Wenn ich mich noch besser vorbereite und noch etwas fitter werde, liegt noch mehr drin. Schlussgang-Teilnahmen oder Schlussgang-Siege liegen im Bereich des Möglichen. Es ist aber eine grosse Herausforderung, da wir mittlerweile viele gute Schwinger bei uns haben.»

Wie sieht deine aktuelle Trainingswoche aus?

«Aktuell absolviere ich zwei Schwing- und zwei Krafttrainings. Das Trainingsprogramm habe ich momentan wegen den anstehenden Schwingfesten stark reduziert. Ich möchte nicht körperlich kaputt bei diesen antreten. In der Vorbereitungszeit ist das Trainingspensum um einiges grösser.»

Wirst du dein Arbeitspensum hinsichtlich ESAF reduzieren, und dein Training noch intensivieren?

«Eine Reduktion des Arbeitspensums ist nicht geplant. Ich arbeite in einem Büro und kann die Arbeitszeiten flexibel gestalten, damit ich zu genügend Erholungszeit komme. Hinsichtlich ESAF werde ich das Training schon intensivieren. So beispielsweise untertags, wenn ich mit dem Velo zur Arbeit fahre.»

Apropos ESAF: Das Südwestschweizer Team darf sich berechtigte Hoffnungen machen, die Kranzausbeute von Zug am ESAF in Pratteln gar zu übertreffen. Wie siehst du das?

«Ja, dieser Meinung bin ich auch. Wir haben etliche starke Schwinger und es sind einige von Verletzungen zurückgekehrt. Das Ziel ist, mehr Kränze zu gewinnen als in Zug. Und: Jene zu gewinnen, welche wir können. Wenn alle fit sind und die Form in Pratteln stimmt, können wir dieses Ziel durchaus erreichen.»

Beim Gespräch Ende Mai 2018 waren du und Benjamin Gapany die beiden einzigen Team-Leader im Südwestschweizer Verband. Inzwischen ist das Duo zu einem Quartett herangewachsen. Die Leader-Rolle wurde nun auf mehrere Schultern verteilt. Was hat sich dahinter, bei den sogenannten Mittelschwingern, in den letzten vier Jahren verändert?

«Die drei Eigenossen von Zug haben sich enorm auf die Schwinger-Szene in der Romandie ausgewirkt. Die Mittelschwinger haben inzwischen mächtig aufgeholt. Die Corona-Pandemie hinterliess allerdings auch bei uns Spuren. Das hat man beispielsweise an den tiefen Schwingerzahlen beim Walliser Kantonalen gesehen. Wir hoffen, dass die Zahlen wieder steigen. Es braucht alle Schwinger, auch die stärker gewordenen Mittelschwinger, welche den Schwingsport weitergeben. Das ist beste Werbung für den Nachwuchs.»

Andreas Henzer beendete am Baselstädtischen Schwingertag seine 30-jährige Karriere. Er sagt: «Jedes Fest und jede Niederlage hatten etwas Positives, was für meinen Weg im Schwingsport förderlich war.»

Text: Schwinger-Blog

Andreas Henzer, welcher am 15. Oktober 43 Jahre jung wird, beendete am Baselstädtischen Schwingertag seine lange und erfolgreiche Karriere. Der Baselbieter gewann in seiner Aktivzeit 70 Kränze, darunter 55 Kantonal-, 12 Teilverbands- und 3 Bergkränze. Weiter feierte Andreas einen Kranzfestsieg sowie diverse Regionalfestsiege und qualifizierte sich für sechs «Eidgenössische». Das Mitglied vom Schwingklub Binningen schwingt seit 1992. Der 182 Zentimeter grosse und 97 Kilogramm schwere Athlet beeindruckte das Schwingfest-Publikum mit seiner bescheidenen und ruhigen Art. Auf die Frage, welches seine bevorzugten Schwünge waren, entgegnet Andreas, dass diese sich auf die jeweiligen Gegner bezogen. Übrigens: Der Turnerschwinger ist einer derjenigen Nichteidgenossen mit den meisten Kränzen. Den Rekord hält aber Werner Jakob mit 75 Kränzen.

Nochmals volle Konzentration, für das letzte Schwingfest

Bild: Pascal Alpiger

Gestellte Gänge gegen drei Berner Schwingerkönige

Im Rücktritts-Schreiben vom 23. Mai listete Andreas seine schönsten Erfolge auf. Nebst den ESAF-Teilnahmen erwähnt er die gewonnenen Bergkränze auf dem Stoss, der Rigi und dem Weissenstein. In bester Erinnerung bleiben dem Schönenbucher auch die auswertigen Kranzgewinne am Luzerner sowie Ob- und Nidwaldner Kantonalen und am Südwestschweizer Teilverbandsfest. Als sportliches Karriere-Highlight benennt Andreas den Sieg am Basellandschaftlichen Kantonalschwingfest 2007 in Wintersingen. Laut seinen Angaben war er nur selten verletzt und konnte sich zudem je zweimal für den prestigeträchtigen Unspunnen und Kilchberger Schwinget qualifizieren. An diesen Eidgenössischen Anlässen hatte er keinen einzigen Gang verloren. Weiter bleiben für Andreas auch die gestellten Gänge gegen die Berner Schwingerkönige Silvio Rüfenacht, Matthias Sempach und Kilian Wenger unvergessen. Die Erwähnung von Rüfenacht bringt einem erst vor Augen, wie lange Andreas eigentlich dabei war. Er schwang insgesamt 30 Jahre lang.

TK-Chef vom Schwingklub Binningen

Andreas ist gelernter Metzger, arbeitet im Schlachthof Basel und ist dort als Berufsbildner tätig. In seiner spärlichen Freizeit widmet er sich seinem Aquarium und fährt gerne Töff. «Wenn man den Schwingsport lebt, liegt nebenbei einfach nicht mehr drin», erklärt der 70-fache Kranzschwinger, welcher seit 2007 TK-Chef vom Schwingklub Binningen ist. Andreas, oder Res, wie ihn seine Kollegen nennen, blickt heute mit dem Schwinger-Blog auf seine erfolgreiche Schwingerkarriere zurück.

Vor dem allerletzten Gang, nach einer 30-jährigen Karriere

Bild: Pascal Alpiger

Wie ist die Gefühlslage nach dem letzten Schwingfest?

«Es war nun höchste Zeit, abzutreten. Angedacht war der Abschied für 2018, ein Beinbruch verhinderte aber das Unterfangen. Während der Corona-Pandemie ist der Entschluss gereift, zurückzutreten. Im Vorfeld auf den Baselstädtischen Schwingertag hat es mich schon im Hals gewürgt und ich habe die eine oder andere Träne verdrückt. Am Tag X konnte ich mich jedoch voll auf das Schwingfest konzentrieren und nochmals geniessen. Leider zog ich mir im vierten Gang eine Schulterverletzung zu. Ich habe aber während meiner ganzen Karriere nie ein Schwingfest aufgegeben, und wollte das bei meinem letzten auch nicht tun.»

Du wurdest auf dem Schwingplatz nach deinem letzten Gang gebührend und unter lang andauerndem Applaus verabschiedet. Gab es gestern Abend nach dem Baselstädtischen Schwingertag noch eine grosse Feier?

«In unserem Dorf Schönenbuch wurde Freinacht eingegeben und ich durfte im engeren Rahmen mit meinen Kollegen den Abschluss meiner Karriere feiern.»

Gibt es eigentlich einen bestimmten Grund, dass du den Baselstädtischen Schwingertag als Schlusspunkt ausgewählt hast?

«Der Baselstädtische Schwingertag ist ein ganz besonderes Fest. In unserer Region ist es eines der bestbesuchten Schwingfeste und es sind jeweils Topschwinger dabei.»

Du hast deinen ersten Kranz 1997 am Nordwestschweizer Schwingfest in Lostorf gewonnen. Welches war deine erfolgreichste Saison?

«2002, 2007 und 2008 waren meine erfolgreichsten Saisons. 2002 gewann ich unter anderem den Luzerner Kranz in Rothenburg. 2007 holte ich mir den Kranzfestsieg am Basellandschaftlichen Kantonalschwingfest und 2008 gewann ich den Stoos- sowie den Rigi-Kranz.»

Wie nahe dran warst du am Gewinn eines ESAF-Kranzes?

«Ich nahm an sechs ESAF’s teil, an fünfen schwang ich jeweils acht Gänge. 2013 in Burgdorf war ich am nähesten dran. Im siebten Gang verlor ich leider gegen Fabian Kindlimann. Dann war es gelaufen.»

Dein Karriere-Highlight ist der Sieg am Basellandschaftlichen Kantonalschwingfest 2007 in Wintersingen. Blick doch nochmals kurz auf dieses Schwingfest zurück!

«Ich konnte an diesem Schwingfest voll auf meine Qualitäten setzen. Nebst vier Zehner-Würfen stellte ich mit dem Eidgenossen Bruno Gisler. Im Schlussgang konnte ich gegen den Eidgenossen Thomas Zindel stellen und das Fest gewinnen. Das war für mich ein super Ereignis!»

Andreas wurde unter Trompeten-Klängen, viel Rauch und einer würdigen Laudatio gebührend verabschiedet

Bild: Andreas Henzer

Was wird dir in deiner nun zu Ende gehenden Karriere besonders positiv in Erinnerung bleiben?

«Jedes Fest und jede Niederlage hatten etwas Positives, was für meinen Weg im Schwingsport förderlich war.»

Wer waren deine grössten Wegbegleiter und Unterstützer?

«Mein bester Trainingspartner war sicher mein Bruder Michael. Mit ihm konnte ich auch mal zuhause im Garten einen Gang schwingen und etwas ausprobieren. Ich habe immer sehr viel Wert daraufgelegt, junge Talente zu fördern. Daraus wurden auch immer gute Trainingspartner.»

Gab es in deiner langen Schwingerkarriere auch Enttäuschungen?

«Ich musste mich leider vier Bandscheiben-Operationen unterziehen, was mich jedes Mal ausgebremst hat. Da fiel ich jeweils länger aus und musste teils mit dem Aufbau wieder von vorne anfangen. Das war schon ärgerlich.»

Was hat sich deiner Meinung nach während deiner Karriere im Schwingsport verändert?

«Man muss heutzutage fast Sponsoren haben. Ich hatte aber nie einen und habe trotzdem meine Kränze gemacht. Ich absolvierte zudem eine normale Rekrutenschule als Grenadier in Isone. Was mir zudem auffällt, ist die Tendenz des Schwingfest-Abbrechens, wenn es für den Kranz nicht mehr reicht. Das habe ich nie gemacht und immer fertig geschwungen.»

Die Vorfreude aufs ESAF Ende August im Baselbiet ist förmlich spürbar. In welcher Form wirst du für diesen Grossanlass tätig sein?

«Ich werde im Vorfeld mein Amt als Technischer Leiter vom Schwingklub Binningen weiterführen und alles daransetzen, dass das Baselbiet wieder einen Eidgenossen feiern darf. Am ESAF bin ich für die Platzaufsicht eingeteilt. Weiter möchte ich nach meiner Karriere dem Schwingsport in verschiedenen Funktionen etwas zurückgeben.»

Auf was freust du dich nun am meisten nach deiner aktiven Schwingerkarriere?

«Ich habe immer Freude gehabt, auch als Aktivschwinger Zuschauer bei Schwingfesten zu sein. Ich freue mich nun besonders darauf, ohne Druck an Schwingfeste gehen zu können und einer anderen Generation beim Schwingen zuschauen zu können.»