Der Freiburger Sven Hofer wuchs am ESAF in Pratteln förmlich über sich hinaus und gewann verdient den Eidgenössischen Kranz

Text: Schwinger-Blog / Bilder: Sven Hofer

Sven Hofer war am Eidgenössischen Schwing-und Älplerfest (ESAF) in Pratteln einer der drei glücklichen Südwestschweizer Kranzgewinner. Zusammen mit Lario Kramer und Romain Collaud durfte er am Sonntagabend vor die Ehrendamen treten und sich krönen lassen. Rang 9b und 74.75 Punkte bescherten dem Freiburger das begehrte Eichenlaub – man darf tatsächlich von einer Überraschung sprechen. Sven wuchs an beiden Tagen förmlich über sich hinaus und gewann den Eidgenössischen Kranz verdient mit einem starken Notenblatt. Die Gänge eins bis drei wurden allesamt gewonnen, darunter gehörte der Aargauer Eidgenosse Patrick Räbmatter zu den Geschlagenen. Im vierten Gang wurde Sven von Armon Orlik vorübergehend gestoppt, ehe im fünften Gang gegen Marco Ulrich wieder ein Plattwurf gelang. Wie gut der Neueidgenosse drauf war, zeigen die zugeteilten Gegner im sechsten (Werner Schlegel) und im siebten Gang (Christian Stucki). Diese beiden Gänge gingen zwar verloren. Der um den Kranz alles entscheidende Kampf gegen Thomas Stüdeli konnte Sven aber wieder siegreich gestalten.

Sven Hofer gewann den Eidgenössischen Kranz überraschend, aber verdient

Starke 2022er-Saison

Sven gewann in dieser Saison insgesamt sieben Kränze. 2021 waren es drei Kränze, 2019 einer, 2018 zwei und 2017 ein Kranz. Dem Freiburger ist in dieser Saison der berühmte Knoten so richtig aufgegangen. Der Reihe nach reüssierte er 2022 beim Urner Kantonalen, am Walliser Kantonalen, am Neuenburger Kantonalen, dem Waadtländer Kantonalen, beim Südwestschweizer Schwingfest, beim Freiburger Kantonalen und als Krönung beim Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest. Insofern kündigte sich der Kranzgewinn am ESAF als Produkt der Konstanz über die gesamte Saison an. 

Mitglied beim Schwingklub Kerzers

Das Geburtsdatum von Sven ist der 21. August 1995. Der 27-Jährige wohnt derzeit in Kerzers, ist ledig und weist mit seiner Grösse (182 Zentimeter) und seinem Gewicht (108 Kilogramm) gute Masse für den Schwingport auf. Der frisch gebackene Eidgenosse machte eine Berufslehre zum Logistiker und arbeitet nun Vollzeit in seinem erlernten Beruf in einer Firma in Kerzers. In der Zeit, welche nebst dem Beruf und dem Schwingsport übrigbleibt, spielt er Dart und nimmt an Hobby-Turnieren teil. Zudem spielt Sven zum Plausch Fussball. Der Sennenschwinger ist Mitglied beim Schwingklub Kerzers, welcher dem Freiburger Kantonalen Schwingerverband angehört. Während der Schwingsaison wird drei bis viermal trainiert. Auf dem Programm stehen zwei Schwingtrainings und ein bis zwei Athletiktrainings. Die Trainings werden meist zusammen mit einer Trainingsgruppe, welche mehrheitlich aus Mitgliedern vom Schwingklub Kerzers besteht, absolviert.

Der 14. Kranzgewinn ist zugleich der erste Eidgenössische Kranz

Das am ESAF gewonnene Eichenlaub ist Kranz Nummer 14 für Sven, und stellt sein bisheriges Karrieren-Highlight dar. Zur Kranz-Sammlung des Freiburgers gehören zudem 2 Teilverbands- und 11 Kantonalkränze. Seinen ersten Kranz gewann er 2017 beim Freiburger Kantonalschwingfest in Villaz-St-Pierre. Nebst dem Eidgenössischen Kranz zählt der Logistiker aber auch die Teilnahme am ESAF 2019 in Zug, die beiden Kranzgewinne an Südwestschweizer Schwingfesten und die Schlussgangteilnahme beim Regionalfest Oron-la-Ville 2019 zu seinen grössten Erfolgen. Die bevorzugten Schwünge sind der Kurz und der Fussstich über links. Sven schwang als Jungschwinger bis zum 12. Lebensjahr. Dann wechselte er als Teenager zum Fussball. Als der Sportbegeisterte 2016 zusammen mit dem FC Kerzers beim ESAF in Estavayer-le-Lac mithalf, packte ihn das Schwing-Fieber wieder. Seit 2017 hat sich Sven wieder dem Schwingsport verschrieben.

Sven Hofer’s Sieg über Patrick Räbmatter war sein Schlüsselmoment am «Eidgenössischen»

Herzliche Gratulation zum Eidgenössischen Kranz! Was für Gedanken begleiteten dich bei der Krönung?

«Ich empfand Freude, Stolz und Erleichterung. Es war wunderschön, mit so vielen Leuten von Kerzers, die dabei waren, feiern zu dürfen. Mein primäres Ziel war es, acht Gänge zu schwingen. In Zug musste ich nämlich den Wettkampf nach vier Gängen beenden.»

Wie lief der für dich alles entscheidende achte Gang gegen Thomas Stüdeli ab?

«Ich kannte Stüdeli nicht, wusste aber, dass er defensiv stark ist. Mein Bestreben war es, den Gang von Anfang an offensiv zu gestalten und mir seine Schwingweise nicht aufdrücken zu lassen. Ich habe ihn mit einem Kurz und nachdrücken am Boden bezwungen.»

Hast du nach dem Sieg über den Eidgenossen Patrick Räbmatter langsam, aber sicher mit dem ESAF-Kranzgewinn geliebäugelt? 

«Mir war gleich klar, dass das der entscheidende Gang sein könnte. Ich habe diesen Sieg als Motivationsvideo für die restlichen Gänge genommen.»

Wie hast du «Räbi» eigentlich bezwungen?

«Ich bezwang ihn mit einem Konter, Räbmatter wollte wahrscheinlich einen Schlungg ansetzen. Ich leerte ihn übers Knie ab und konnte ihn am Boden über den Rücken ziehen.»

Welcher der acht Gänge war dein härtester Kampf?

«Ich denke, das waren der erste und der letzte. Beim ersten Gang war es wegen der Nervosität und dem Druck, dieser Kampf war mental am schwierigsten. Vor dem letzten Gang war die Ausgangslage klar. Erschwerend kam hinzu, dass man relativ lange warten musste.»

An wie vielen Empfängen hast du seit dem ESAF teilgenommen?

«Am Empfang in Kerzers war ich dabei. Bei den anderen konnte ich nicht teilnehmen, da ich in den Ferien war.»

Die drei Südwestschweizer Kranzgewinner in Pratteln: Lario Kramer, Romain Collaud und Sven Hofer (von links)

Es fällt auf, dass du in dieser Saison resultatmässig einen regelrechten Quantensprung vollbracht hast. Wie kommt das?

«Ich konnte gut schwingen und habe mich technisch nochmals verbessert. Beim ersten Kranzfest, dem Urner Kantonalen, wo wir als Gäste dabei waren, ist mir der Knoten so richtig aufgegangen. Ich konnte den Kranz gewinnen und dieser gab mir Aufschwung für die Saison.»

Hast du vor dieser Saison etwas an deinem Training und Aufbau verändert?

«Nein, ich absolvierte das Wintertraining gleich wie in den vorangegangenen Saisons. Im Winter trainiere ich fünf bis sechs Mal, auf dem Programm stehen drei Schwing- und bis vier Athletik-Trainings. Wie erwähnt, trainiere ich mit einer Trainingsgruppe. Diese wird im kommenden November neu gebildet.»

Am Heim-Fest, dem Freiburger Kantonalen, hast du mit Rang 3b einen Spitzenplatz erreicht. Gegen Ende der Saison bist du immer stärker geworden. War das so geplant?

«Nein, eigentlich nicht. Ich werde für gewöhnlich von Schwingfest zu Schwingfest stärker. Es kam mir gelegen, dass bei uns in der Südwestschweiz dieses Jahr die Kranzfeste Schlag auf Schlag folgten. Es war ein Vorteil für mich

Was ist dein Fazit nach dieser starken Saison?

«Hauptsächlich motiviert es mich, dranzubleiben und noch mehr an meiner Technik zu feilen. Diese Saison zeigte mir auf, dass es möglich ist, auch mal ein Kranzfest zu gewinnen.»

Deshalb behauptet der Schwinger-Blog: 2023 folgt der erste Kranzfestsieg von dir. Wie klingt das in deinen Ohren?

«Sehr schön! Bis dahin steht allerdings noch viel Arbeit an. Ich werde im Winter alles daransetzen, um das zu erreichen. In erster Linie möchte ich aber unfallfrei durch den Winter kommen.»

Wann steigst du ins Wintertraining ein? Wie sieht der Plan aus?

«Voraussichtlich anfangs November starte ich das Wintertraining. Geplant ist, dass ich mich während dem ganzen November dem Krafttraining widme. In den Monaten Dezember und Januar wird an der Schwingtechnik gefeilt, und ab anfangs Februar wird wieder wettkampfmässig geschwungen.»

Vorschau auf den 84. Herbstschwingertag Siebnen: Starkes Teilnehmerfeld und Reto Nötzli’s letztes Schwingfest

Text: Hansruedi Ulrich und Schwinger-Blog / Bilder: Hansruedi Ulrich

Am kommenden Sonntag, 25. September führt der Schwingklub March–Höfe den 84. Herbstschwingertag Siebnen durch. Nach einer langen Saison werden um 140 Schwinger nochmals das Sägemehl zünftig stieben lassen. Die Organisatoren unter der Leitung von OK-Präsident Benno Züger sind bereit, die Vorarbeiten sind weitgehend abgeschlossen und der Festplatz wird ab Freitag eingerichtet. Wie immer werden zwei Tribünen erstellt, damit eine optimale Sicht auf die vier Sägemehlplätze gewährleistet ist. Das OK hat alles unternommen, um den Ansprüchen der hoffentlich zahlreich erscheinenden Zuschauerinnen und Zuschauer gerecht zu werden. Sollte das Wetter nicht ganz mitspielen, gibt’s im Festzelt beim Schwingplatz und in der Turnhalle bei der Mittelpunktschule Siebnen (MPS) genügend trockene Plätze. Auch die mit viel Einsatz geführte Festwirtschaft, unter der Leitung von Philipp Düggelin, wird alles daransetzen, um alle Festbesucher zu verpflegen. Der Schwingfest-Beginn ist auf 08.30 Uhr angesetzt, Verschiebedatum ist keines vorgesehen. Am Wettkampftag kann man sich ab 06.00 Uhr unter der Nummer 1600 oder auf www.skmh.ch über die Durchführung erkundigen. 

Am kommenden Sonntag sind auf diesem schönen Schwingplatz die Schwinger nochmals im Einsatz

Folkloristische Unterhaltung

Ein Schwingfest besteht nicht nur aus Schwingen, selbstverständlich darf auch die Folklore nicht fehlen. Mit dem Jodelklub Sängertreu Siebnen, Fahnenschwingern, dem Alphornduo Bärgbächli (Siebnen), der Alphorngruppe Toschtelgruäss (Wangen) und dem bestens bekannten Einschellnerverein Wangen wird den Festbesuchern ein gemütliches Rahmenprogramm geboten. Ab 16.00 Uhr wird in der Turnhalle das Urgestein Hans Oetiker am Bass mit der Kapelle Aubrig-Gruess für Unterhaltung sorgen. Zum selben Zeitpunkt wird auch die beliebte Hosälupfbar ihren Betrieb aufnehmen. Zudem ist am Abend in der Turnhalle eine grosse Abschiedsparty zu Ehren von Reto Nötzli geplant. Da Nötzli nicht nur ein talentierter Schwinger, sondern auch ein begnadeter Ländlermusikant ist, werden für ihn die bekannten Rusch Büäblä, Etzel Büäblä und das Trio Rötstock ein Gastspiel geben.

Starkes Teilnehmerfeld

Wer gewinnt die drei Lebendpreise Muni «Soldan», Rind «Britta» und Kalb «Petra»? Diese Frage ist noch offen und wird am kommenden Sonntag im Sägemehl beantwortet. Mit Sicherheit darf man sagen, dass in Siebnen nochmals hochkarätige Schwingerkost geboten wird. Denn die Qualität des Teilnehmerfeldes darf sich durchaus sehen lassen, sind doch fast ein Drittel aller Teilnehmer Kranzschwinger. Antreten werden Schwinger aus dem Innerschweizer-, Nordostschweizer- und Nordwestschweizer Verband. Derzeit sind fünf Eidgenossen und zahlreiche weitere Schwinger, welche eine starke Saison zeigten, gemeldet. Spannung im Kampf um den Tagessieg ist also garantiert. Aus dem Lager der Nordwestschweizer Gäste wird der Eidgenosse Patrick Räbmatter, Sieger 2019, erwartet. Der Nordwestschweizer Schwingerverband hat in Siebnen ein Kontingent von zehn Schwingern zugute, aber wie schon so oft zieren sich die Verantwortlichen mit einer pünktlichen Anmeldung. Die Schwyzer Delegation wird vom Eidgenossen Alex Schuler und Vorjahressieger Adrian Steinauer angeführt. Die weiteren Kranzschwinger wie Roland Kälin, Patrick Betschart, Markus Effinger, Marcel Arnold, Franz-Toni Kenel, Beat und Stefan Kennel, sowie Pirmin Suter werden für interessante Gänge sorgen. Die Zuger entsenden die starken Kranzer Christian und Thomas Bucher, Marcel Betschart sowie Matthias Hürlimann. Die Ob- und Nidwaldner schicken die Kranzer Koni Gut, Dominik Hess und Markus Niederberger. Das Luzerner Feld wird vom zähen Markus Schnider angeführt, und die Urner reisen mit starken Kämpfern rund um Michael Zurfluh in die March. Aus dem Nordostschweizer Verband sind die Eidgenossen Martin Roth und der unverwüstliche Stefan Burkhalter am Start. Sie werden unterstützt von den starken Kranzschwingern Daniel Elmer, Thomas Burkhalter, Christian Pianta, Urs Schäppi, Lars Geisser, Christian Lanter und Andy Signer.

Reto Nötzli tritt in Siebnen zu seinem allerletzten Schwingfest an

Feiert Reto Nötzli zum Abschied seinen vierten Sieg?

Reto Nötzli tritt in Siebnen zum allerletzten Schwingfest an. Kann der 33-Jährige mit einem weiteren Sieg seine erfolgreiche Karriere abrunden? Die Form stimmt und er weiss, wie es ist beim Herbstschwingertag zu triumphieren. Der Turnerschwinger schwang bereits 2013, 2014 und 2016 obenaus. Aber auch die weiteren Ausserschwyzer Schwinger sind heiss auf ihren Heimanlass. Auf Joel Kessler darf man besonders gespannt sein, der Märchler hat dieses Jahr am Morgarten und auf dem Ricken seine ersten Feste gewonnen. Aber auch die anderen Kranzer wie Ueli Hegner, Janik Keller, Alex Huber oder Daniel Schilter versuchen dem einen oder anderen Favoriten ein Bein zu stellen. Auf die starken Nichtkranzer Benjamin Züger, Adrian und Alexander Schnellmann, Stefan Gemsch, Alex Styger sowie Damian Ulrich darf man ebenfalls gespannt sein. Die Zuschauer dürfen sich auf einen spannenden Herbstschwingertag mit hochstehendem Schwingsport freuen. Bleibt zu hoffen, dass Petrus ebenfalls ein Schwingerfreund ist, und dem 84. Herbstschwingertag Siebnen angenehmes Herbstwetter beschert. 

1. Tessiner Kantonales in Cadenazzo: Die Zuschauer erwartet ein stimmungsvolles Schwingfest mit einer Top-Besetzung und schönem Spätsommerwetter

Text: Schwinger-Blog

Morgen Samstag, 17. September ist es also nun so weit: Das 1. Tessiner Kantonalschwingfest wird in Cadenazzo über die Bühne gehen. Drei Wochen nach dem wunderbaren ESAF in Pratteln steht das letzte Kranzfest der Saison 2022 an. Gemeldet sind zehn Eidgenossen und viele weitere starke Teilverbands-, Berg- und Kantonalkranzer. Edi Ritter, der Präsident der Tessiner Schwinger, meint im Vorfeld schmunzelnd, dass die Besetzung einem «Innerschweizerischen» nahekomme. Nebst sieben Tessiner Schwingern steigen um 190 Schwinger aus den anderen Innerschweizer Kantonalverbänden in die Schwinghosen.

In Cadenazzo kommt es zu einer Premiere: Das allererste Tessiner Kantonalschwingfest steht an

Bild: fctls.ch

Die sportliche Affiche

Vorneweg: Schwingerkönig Joel Wicki, Pirmin Reichmuth, Mike Müllestein und Neueidgenosse Matthias Herger sind nicht am Start. Antreten werden auch keine Gäste von ausserhalb des Innerschweizer Teilverbandes. Im ersten Gang treffen die zehn Eidgenossen gleich in Direktduellen aufeinander: Christian Schuler – Sven Schurtenberger, Erich Fankhauser – Marcel Bieri, Reto Nötzli – Jonas Burch, Joel Ambühl – Alex Schuler und Andi Imhof – Stefan Stöckli. Einer dieser zehn Athleten wird vermutlich am Ende der erste Tessiner Kantonalfestsieger sein. Die Ausgangslage präsentiert sich wegen dem Fehlen von Wicki und Reichmuth offen. Die besten Karten für den Festsieg dürfte Sven Schurtenberger haben, welcher trotz Erkältung den Allweg Schwinget vor Wochenfrist souverän für sich entscheiden konnte. Aber auch Christian Schuler, Erich Fankhauser, Marcel Bieri oder Reto Nötzli gehören zum engsten Favoritenkreis. Joel Ambühl und Jonas Burch brennen darauf, sich beim ersten Kranzfest als Eidgenossen so gut wie möglich zu präsentieren. Ausgeschlossen ist auch nicht, dass ein Schwinger aus dem Kreis der Nichteidgenossen in Cadenazzo über sich hinauswächst und das Geschehen an der Spitze mitprägt. In Frage dafür kommen am ehesten Ueli Rohrer, Lukas Bissig, Reto und Marco Fankhauser, Dario Gwerder, Urs Doppmann, Werner Suppiger, Marco Reichmuth, Stefan Arnold, Marc Lustenberger sowie Reto Kaufmann. Das primäre Ziel eines jeden Schwingers wird es aber sein, seinen ersten Tessiner Kranz gewinnen zu können. Die sieben Tessiner Nichtkranzer Robin Crotta, Loris DiPietro, Enea Donelli, Lorenzo und Michele Mignola, Diego Poletti sowie Luca Sturzenegger freuen sich besonders auf ihren Ehrentag auf dem Festplatz an der Via Industrie 10. Dieser befindet sich in der Nähe des Bahnhofes Cadenazzo. Angeschwungen wird um 8 Uhr.

Andi Imhof (links) und Benji von Ah werden während dem Tessiner Kantonalen feierlich verabschiedet

Bild: schlussgang.ch

Zwei Innerschweizer Urgesteine hängen in Cadenazzo die Schwinghosen an den Nagel

Der Obwaldner Benji von Ah und der Urner Andi Imhof werden am 1. Tessiner Kantonalen ihre glanzvollen Karrieren beenden. Beide werden im Verlaufe des Schwingfestes feierlich vom aktiven Schwingsport verabschiedet. Von Ah wäre gerne nochmals in die Schwinghosen gestiegen, eine am ESAF zugezogene Schienbeinverletzung lässt aber keinen Wettkampfeinsatz zu. Andi Imhof hingegen tritt nochmals an, und möchte seine Karriere gerne mit dem 80. Kranzgewinn beenden.

Edi Ritter, Präsident des Tessiner Kantonalen Schwingerverbandes freut sich auf das 1. Tessiner Kantonalschwingfest

Bild: Markus Imhof

Edi Ritter als Schwingerpionier im Tessin

Der Tessiner Kantonale Schwingerverband (TKSV) wurde 2012 gegründet. Just zehn Jahre später kommt es nun zum ersten Kantonalfest in der Sonnenstube. Angedacht ist, dass weitere Kantonalfeste im Turnus von drei Jahren folgen sollen. Dem Schwingerpionier Edi Ritter ist es zu verdanken, dass im Tessin nun auch um Kränze geschwungen wird. Der 71-Jährige war selbst Schwinger, Nationalturner und Ringer. In der Sportart Ringen kam er in jungen Jahren zu Kranz- und Medaillenehren. Nach seiner Aktivkarriere war Ritter Jungschwinger-Leiter, Technischer Leiter und Vorstandsmitglied beim Schwingklub Pratteln. Später wurde er Kampfrichter, irgendwann sass der gebürtige Berner Seeländer im Kantonalvorstand und schaffte es bis zum Kantonalpräsidenten im Baselbiet. Ritter erhielt verdientermassen die ESV-Ehrenmitgliedschaft und ist dem Schwingsport seit mehr als 50 Jahren verbunden. 

Sportissima 2011 als Ausgangspunkt für den TKSV

Zur TKSV-Gründung meint der schnauzbärtige Funktionär: «Gegründet wurde er von zwei Elternteilen von Jungschwingern, welche 2011 mit dem Schwingen begannen, und mir. An der Sportissima in Tenero bot ich 2009 zum ersten Mal die Sportart Schwingen an. Nach der Sportissima 2011 wollten vier junge Sportler unbedingt weiterschwingen. Ich sagte zu ihnen: Wenn ihr am nächsten Mittwoch mindestens zu viert kommt, trainiere ich mit euch. Es kamen dann fünf Interessierte. Darauf haben wir während dem ganzen nächsten Winter geschwungen. Zwischen Weihnachten und Neujahr schrieben wir die Statuten. 2012 konnten wir auf Anfrage beim Innerschweizerischen Schwingerverband (ISV) bei einem Jungschwingertag teilnehmen. Ich habe in der Folge die fünf Jungschwinger versichert und wir gründeten den Tessiner Schwingerverband. Als Angehörige des ISV wurden wir probeweise bis 2018 aufgenommen.» Die definitive Aufnahme fand dann an der ISV-Delegiertenversammlung 2019 statt. Der Tessiner Verband hat inzwischen rund 200 Mitglieder, darunter ein Dutzend Schwinger. Der TKSV organisierte 2014 in Tenero, 2015 in Lugano und 2017 in Vezia Schwingfeste für die Jungschwinger. 2016 und 2017 wurde in Gudo jeweils ein Wettkampf für Nichtkranzer durchgeführt, und 2019 fand in Vezia ein Rangschwingfest statt.

In Cadenazzo wurde im Verlaufe der Woche eine schöne Arena errichtet

Bild: Markus Imhof

Was erwartet die Schwingerfreunde am 1. Tessiner Kantonalen?

Zuerst einmal, wie könnte es anders sein, schönes und warmes Spätsommerwetter im Tessin. Und wie bereits erwähnt ein spannendes Schwingfest mit einer Top-Besetzung. Auf der entsprechenden Fest-Homepage begrüsst Edi Ritter die Schwingerfreunde unter anderem mit folgendem Hinweis: «Neben dem traditionellen Wettkampf werden auch unsere Tessiner Folkloretraditionen nicht zu kurz kommen: Musikkapellen, Gesangschöre und Alphornbläser werden die Veranstaltung verschönern und den Gästen aus dem Norden zeigen, dass sich eine Reise ins Tessin immer lohnt.» Verpflegt werden die Festbesucher für einmal nicht mit Bratwürsten, Cervelats oder «Suurem Moscht» sondern mit Tessiner Spezialitäten wie Gostini, Luganighetta, Risotto, Tessiner Bier, Merlot und Grappa. Schwingtechnisch gesehen läuft das 1. Tessiner Kantonale ähnlich wie ein Innerschweizer Schwing- und Älplerfest ab. Der Innerschweizer TK-Chef Thedy Waser teilte die Spitzenpaarungen sowie diejenigen des ersten Ganges ein, und präsidiert die Einteilung in Cadenazzo. In der Einteilung sitzen zudem die TK-Chefs aller Innerschweizer Kantonalverbände, ausser jenem vom Tessin: Loris DiPietro steigt selbst in die Schwingerhosen, und Edi Ritter hat als Vize-OK-Präsident noch andere Aufgaben zu betreuen. Die Kampfrichter kommen alle von ennet dem Gotthard. Auf die Vorbereitung auf das 1. Tessiner Kantonale angesprochen, meint Ritter: «Ich habe mich bei der Organisation um die Schwingerei gekümmert. Beim Aufbau haben Kameraden aus dem Tessin und aus der Alpennordseite geholfen. Die Unterstützung von Seiten des ISV ist in allen Belangen riesig. Wir haben zudem ein Riesenglück mit dem Wetter.» Die Arena in Cadenazzo besteht aus zwei Tribünen mit insgesamt 2’200 gedeckten Sitzplätzen und 450 Rasensitzplätzen. Von den Tribünen- und Rasensitzplätzen werden am Samstagmorgen noch gut von der Hälfte der Plätze Billette zur Verfügung stehen. 

Im Tessin wurde in der Vergangenheit auch schon geschwungen

Eine Schwingtradition gibt es im Tessin nicht. Es gab aber Deutschschweizer, welche einst in der Sonnenstube schwangen. Dies waren vorwiegend solche, welche bei der Bahn arbeiteten und 1922 den Schwingklub Airolo gegründet haben. Laut Chronik des Innerschweizer Schwingerverbandes wurde um 1895 auch in Bellinzona dem Schwingsport gefrönt und es soll dort auch ein Schwingklub existiert haben. Als die Bahnarbeiter in ihre angestammten Lande in der Deutschweiz zurückkehrten, war es mit der Schwingerei im Tessin vorerst vorbei. 1937 und 1971 fanden zudem Propaganda-Schwingfeste im Tessin statt. Edi Ritter ist massgeblich dafür verantwortlich, dass der Schwingsport im Tessin wieder belebt wurde. Der Schwinger-Blog widmete sich 2016 bereits dem Schwingen im Tessin. Ritter sagte damals beim Interview: «Die Zukunft des kleinen Schwingerverbandes sind unsere Schwinger. Wenn diese ebenfalls vom Schwing-Virus befallen werden wie ich, dann geht das weiter. Die jungen Tessiner wachsen nun langsam in den Schwingsport hinein.» Es ist zu hoffen, dass das junge Pflänzchen namens Schwingen im Tessin gehörig gedeiht und sich auch genügend Interessierte dafür finden lassen. Der Unterstützung des ISV und der Schwingerfreunde ennet dem Gotthard können sie sich jedenfalls sicher sein.

Der Kranzgewinn von Matthias Herger am ESAF in Pratteln basiert auf einem kleinen medizinischen Wunder

Text: Schwinger-Blog

Matthias Herger darf sich seit dem 28. August Eidgenosse nennen. Für den Urner ist der Gewinn des Eidgenössischen Kranzes am ESAF in Pratteln die Krönung seiner bisherigen Karriere. Der Turnerschwinger schaffte damit nach einer schwierigen Saison mit einer längeren Verletzungspause eine kleine Sensation. Die Bilanz am «Eidgenössischen» sah nach sechs Gängen sehr gut aus: Vier Siege standen zwei Niederlagen gegenüber. Dann folgte im siebten Gang eine Niederlage gegen den Aargauer Neueidgenossen Tobias Widmer. Der Kranzgewinn hing nun an einem seidenen Faden, wurde Matthias im achten Gang doch der Berner Eidgenosse Remo Käser zugeteilt. Der Altdorfer aber schaffte das schier unmögliche, bezwang den Oberaargauer mit Gammen und gewann den begehrten Kranz. Ein unbeschreibliches Gefühl für ihn, nachdem er beim Schwyzer Kantonalen durch eine Knieverletzung gestoppt wurde, und die Saison dabei fast gelaufen schien. Der Kranzgewinn am ESAF basiert auf einem kleinen medizinischen Wunder. Aber der Reihe nach.

Matthias Herger freut sich über seinen ersten Eidgenössischen Kranz

Bild: Barbara Loosli

Erster Kranzfestsieg am Zuger Kantonalen

Matthias startete optimal in die neue Saison und holte sich zusammen mit Joel Wicki den Co-Sieg am Zuger Kantonalen in Baar. Der erste Kranzfestsieg der Karriere war Tatsache, und 2022 hätte zum Jahr von ihm werden können. Das Schwyzer Kantonale in Muotathal zwei Wochen später wurde aber für den Neueidgenossen zum Verhängnis. Im ersten Gang bekam er es mit Joel Wicki zu tun. Der Kampf ging verloren, mehr noch: Der Urner humpelte vom Platz. Die anschliessende Diagnose war niederschmetternd: Das vordere Kreuzband gerissen, leichte Schäden am Meniskus sowie eine Impressionsfraktur am Oberschenkel. Der Sieger vom Zuger Kantonalen sagte damals dazu: «Die Schäden am Meniskus und die Impressionsfraktur benötigen eine Abheilzeit von sechs Wochen. Anschliessend müsste ich das Kreuzband operieren lassen. Erst warte ich diese sechs Wochen ab, dann schaue ich weiter.» Matthias gab dann zur Freude und Überraschung der Schwingerfreunde das Comeback am Bergschwinget Sörenberg. Mit vier Siegen und zwei Niederlagen durfte sich dieses sehen lassen. Die Hauptprobe fürs ESAF war geglückt und diesem stand nun nichts mehr im Wege. Dass es in Sörenberg so gut lief, war wohl auch für den Neueidgenossen eine Überraschung. Wie es aber zu diesem überraschenden Comeback kommen konnte, erklärt der Turnerschwinger im nachfolgenden Gespräch mit dem Schwinger-Blog.

Mitglied beim Schwingklub Bürglen

Das Geburtsdatum von Matthias, welcher aus Bürglen stammt, ist der 23. April 1995. Der 27-Jährige wohnt derzeit in Altdorf, ist ledig und weist mit seiner Grösse (183 Zentimeter) und seinem Gewicht (115 Kilogramm) ähnliche Masse auf wie der neue Schwingerkönig Joel Wicki. Der frisch gebackene Eidgenosse machte eine Berufslehre zum Landmaschinenmechaniker und absolvierte an der Hochschule Luzern eine Ausbildung zum Maschinenbauingenieur. Der Sportbegeisterte arbeitet nun Vollzeit in einem Job, wo er diese Berufsbildung einbringen kann. Die Zeit, die nebst dem Beruf und dem Schwingsport übrigbleibt, geniesst er mit seiner Freundin bei gemeinsamen Unternehmungen wie Wanderungen, Skifahren oder Skitouren. Zudem ist ihm das gemütliche Beisammensein mit seinen Kollegen wichtig. Der Turnerschwinger ist Mitglied beim Schwingklub Bürglen, welcher dem Urner Kantonalen Schwingerverband angehört. Matthias trainiert regelmässig mit seinen Urner Kollegen in der Schwinghalle in Attinghausen und absolviert im Frühjahr zusammen mit Innerschweizer Kollegen in einer Trainingsgruppe weitere Schwingtrainings. Im Winter wird fünf- bis sechsmal pro Woche trainiert, zusammengesetzt aus drei Schwingtrainings und drei Athletik-Trainings im Kraft- und Ausdauerbereich. Während der Saison trainiert er bis viermal: Zwei Schwingtrainings und zwei Athletik-Trainings stehen dann auf dem Programm. Dabei legt der trainingsfleissige Athlet auch grossen Wert auf genügend Erholungszeit.

Der 31. Kranzgewinn ist zugleich der erste Eidgenössische Kranz

Das am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest gewonnene Eichenlaub ist Kranz Nummer 31 für Matthias, und stellt sein bisheriges Karrieren-Highlight dar. Nebst dem Eidgenössischen Kranz gewann der Urner bisher 2 Berg-, 8 Teilverbands- und 20 Kantonalkränze. Zu seinen grössten Erfolgen zählt der gelernte Landmaschinenmechaniker aber auch der bereits erwähnte Kranzfestsieg am diesjährigen Zuger Kantonalschwingfest und zwei Regionalfestsiege im Kanton Uri. Die bevorzugten Schwünge sind der Kreuzgriff und der Kurz. Wirklich fokussiert schwingt der Maschinenbauingenieur seit seinem 16. Lebensjahr. Vorher besuchte er ab und zu ein Schwingtraining, auch im Rahmen des Nationalturnens, und nahm als Jungschwinger an zwei Schwingfesten teil.

Matthias Herger humpelte am Schwyzer Kantonalen nach dem ersten Gang vom Platz. Die anschliessende Diagnose Kreuzbandriss bedeutete für ihn eigentlich Saisonende…

Bild: KEYSTONE/Urs Flüeler

Herzliche Gratulation zum Eidgenössischen Kranz! Was für Gedanken begleiteten dich bei der Krönung?

«Es war absolut gigantisch und die Stimmung war einfach grandios. Fast alle Innerschweizer waren bei der Krönung noch auf der Tribüne und ich habe mich riesig gefreut, vor die Ehrendamen treten zu dürfen.»

Wie lief der für dich alles entscheidende achte Gang gegen Eidgenosse Remo Käser ab?

«Drei Wochen vorher verlor ich gegen ihn beim Bergschwinget Sörenberg. Ich habe mich deshalb vor dem Gang gut konzentriert und fokussiert, und ging mit Ruhe und Anspannung auf den Platz. Ich wusste, dass er sofort angreifen wird. Ich wehrte seine ersten Angriffe ab und wartete auf meine Chance. Nach etwa zwei Minuten konnte ich einen gewinnbringenden Gammen ansetzen.»

Hast du mit deiner Verletzungsgeschichte eigentlich mit diesem Kranzgewinn gerechnet? Wie war dein Gefühl vor dem ESAF?

«Wirklich damit gerechnet habe ich nicht, ich habe aber an mein Ziel geglaubt. Das Gefühl vor dem ESAF war gut. Ich konnte überdies erholt und ohne Blessuren antreten, auch mit der nötigen Wettkampf- und Trainingserfahrung.»

An wie vielen Einzügen hast du seit dem ESAF teilgenommen?

«Ich nahm nebst meinem Einzug auch an denjenigen meiner Innerschweizer Kollegen teil. Am Dienstagabend war ich bei Joel Ambühl’s Einzug, am Mittwochabend am Empfang in Sörenberg für Schwingerkönig Joel Wicki. Am Donnerstagabend war ich beim Einzug von Jonas Burch zugegen und am Freitagabend war mein eigener Einzug in Bürglen.»

Die Urner müssen sehr stolz auf dich sein, dass nach Andi Imhof sich wieder ein Tellen-Sohn Eidgenosse nennen darf.

«Ich wurde sehr herzlich in Bürglen empfangen. Ich kannte praktisch alle Anwesenden und hatte eine Riesenfreude an den Gratulationen und Reaktionen von ihnen.»

Der Moment der Entscheidung am ESAF in Pratteln: Matthias Herger bezwang im 8. Gang Remo Käser mit einem Gammen

Bild: David Zurfluh

Kurzer Rückblick: Wie ging es nach der Knieverletzung am Schwyzer Kantonalen weiter? 

«Nach der Diagnose Kreuzbandriss war für mich die Saison gelaufen. Ich habe es akzeptiert und mich damit abgefunden. Der Plan war, erst die Abheilzeit der Impressionsfraktur am Oberschenkel abzuwarten. Kurz nach dem «Innerschweizerischen» wurde ein MRI gemacht. Dabei stellte sich heraus, dass nicht nur diese Fraktur verheilt war, sondern auch mein Kreuzband wieder zusammengewachsen war. Wider Erwarten gab mir mein Arzt grünes Licht, und ich konnte ab Ende Juli wieder das Schwingtraining aufnehmen. Das Athletiktraining für meinen Oberkörper habe ich gar nie unterbrochen und war darum körperlich bereit. Ich verspürte beim Schwingtraining fast keine Beschwerden. Das Vertrauen in mein Knie nahm von Training zu Training zu und beim Bergschwinget Sörenberg spürte ich, dass ich am ESAF teilnehmen kann.»

Das gleicht fast einem medizinischen Wunder?

«Man könnte dem fast so sagen. Es lässt sich sicher irgendwie erklären, dafür müsste man aber einen Arzt fragen.»

Ist eine Kreuzband-Operation also kein Thema mehr?

«In drei Wochen wird ein weiteres MRI gemacht. Dann wird sich definitiv entscheiden, ob das noch ein Thema bleiben wird.»

Konntest du am «Eidgenössischen» ohne Beschwerden schwingen? 

«Ja. In gewissen Situationen wie nach einem Kurzzug des Gegners spürte ich beim Auftreten einen kurzen Druck auf dem Knie. Ansonsten spürte ich nichts. Ich konnte am ESAF mein Knie sehr gut ausblenden. Ich war zudem gesund und mein Körper war erholt. Vorgenommen hatte ich mir, acht Gänge zu absolvieren und den Wettkampf verletzungsfrei zu beenden, damit ich gesund die Vorbereitung für die neue Saison bestreiten kann. Und: Ich hatte auch nach dem ESAF keine Beschwerden.»

Wirst du 2022 noch an Schwingfesten teilnehmen?

«Ich überlegte mir erst, ebenfalls am Tessiner Kantonalen zu starten. Ich entschied mich aber dagegen und beschloss, die Saison zu beenden. Ich habe trotz allem mit dem Kranzfestsieg und dem Eidgenössischen Kranz zwei schöne Ziele in dieser Saison erreicht. Mein Entschluss basiert darauf, dass ich nun alles abheilen lassen möchte und nichts mehr riskiere. Ich widme mich dann anschliessend einem intensiven Aufbau. Denn ich bin mit diesem Bein kraftmässig noch nicht dort, wo ich vorher war. Aber: Ich werde beim Tessiner Kantonalen trotzdem vor Ort sein. Ich will mir das letzte Schwingfest von Andi Imhof nicht entgehen lassen.»

Übrigens: Hast du vor dieser Saison etwas an deinem Training und Aufbau verändert, dass du mit dem Sieg am Zuger Kantonalen so stark in die Saison gestartet bist und 2022 mit dem Eidgenössischen Kranz gekrönt hast?

«2021 habe ich meinen Trainingsaufbau verändert. Mit einem Trainer habe ich gezielt am Athletikaufbau gearbeitet und zusammen mit einer Trainingsgruppe zusätzliche Schwingtrainings absolviert. Ich war darum noch nie so fit und schnellkräftig wie diesen Frühling. Dieser Trainingsaufbau hatte für mich nur Vorteile.»

ESAF-Rückblick mit Stefan Strebel – der TK-Chef sagt: «So wie die Einteilung funktioniert hat, haben auch die Schwinger funktioniert.»

Text: Schwinger-Blog

Das Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest (ESAF) in Pratteln ist bereits wieder Geschichte. Das stimmungsvolle «Eidgenössische» vor den Toren Basels in der Nordwestschweiz bot von Schwingsport vom Feinsten, über Spektakel bis hin zum Drama alles, was das Schwingerherz begehrt. Natürlich kam auch das Drumherum samt urchiger Folklore und einem schön orchestrierten Festakt nicht zu kurz. Kurz: Das ESAF 2022 schrieb seine eigene Geschichte und wird den Schwingern und Zuschauern in bester Erinnerung bleiben. Und: Die Innerschweiz konnte nach 36 Jahren mit Joel Wicki endlich ihren zweiten Schwingerkönig feiern.

Einer der die Geschicke in Pratteln massgeblich mitprägte war der Technische Leiter vom Eidgenössischen Schwingerverband (ESV). Die NZZ erklärte in einem Beitrag: «Zu einem Sieger des Fests wurde auch der Funktionär Stefan Strebel». Denn: Bei der Einteilung der Spitzenpaarungen vor dem ersten Gang schlug ihm teils harsche Kritik entgegen. Die NZZ schreibt weiter: «Doch seine Taktik erwies sich als ausgeklügelt. Und das dürfte ihm, der als Nonkonformist in diesem Sport hie und da aneckt, Auftrieb geben.» Der Schwinger-Blog unterhielt sich heute mit Stefan Strebel, und liess mit ihm zusammen das ESAF nochmals Revue passieren. Angesprochen wurde aber auch der VAR, und ob nun Reformen angepackt werden sollen.

TK-Chef Stefan Strebel prägte massgeblich die Geschicke am ESAF in Pratteln

Bild: srf.ch

Bei deinem Instagram-Account war nach dem ESAF zu lesen: «Eine Einteilung am Limit». Kannst du das erläutern?

«Aus meiner Sicht sind wir sehr viel Risiko eingegangen. Ich habe bereits bei der Einteilung der Spitzenpaarungen gewisse ungeschriebene Gesetze gebrochen. Am ESAF erlebten wir an der Spitze ein Wechselbad der Gefühle. Am Schluss ist zum Glück alles aufgegangen und wir haben nun einen würdigen Schwingerkönig.»

Bist du grundsätzlich zufrieden mit der Einteilung von dir und deinem Team?

«Ich bin sehr zufrieden. Es wurde brenzlig, glücklicherweise gab es eine Entscheidung im Schlussgang. Wenn wir drei Erstgekrönte gehabt hätten, wäre ich nicht zufrieden. Das Krönen eines Schwingerkönigs war das i-Tüpfelchen des Fests.»

Hast du dir vorher als Ziel gesetzt, möglichst spannende Paarungen für jeden Gang einzuteilen?

«Ja, dieses Ziel habe ich mir gesetzt. Und: Auf dem Schwingplatz gab es Entscheidungen und die Schwinger haben mitgemacht. Aber: Nicht nur die Spannung ist wichtig. Es muss auch fair eingeteilt werden und die Übersicht über das Fest darf nicht verloren gehen.»

Die von dir eingeteilten Spitzenpaarungen für den ersten Gang überraschten die meisten Schwingerfreunde. Ein Teil freute sich, dass du dich kaum um irgendwelche ungeschriebenen Gesetze geschert hast. Ein anderer Teil der Schwing-Fans kritisierte dies vehement. War es dein Bestreben, mit den Spitzenpaarungen schon vor dem ESAF zu überraschen und Diskussionen auszulösen?

Seit dem Eidgenössischen 2019 in Zug ist einiges passiert. 2020 konnte gar nicht geschwungen werden und viele Schwinger waren bis kurz vor dem ESAF in Pratteln verletzt. Diese Tatsachen hatten klar einen Einfluss auf die Einteilung für den ersten Gang. In meine Überlegungen nahm ich den Kilchberger Schwinget und die 17 von mir besuchten Schwingfeste in diesem Jahr auf. Da kam ich nicht umhin, gewisse ungeschriebene Gesetze zu brechen.»

Nach 36 Jahren durfte die Innerschweiz mit Joel Wicki wieder einen Schwingerkönig bejubeln

Bild: bazonline.ch

Wie beurteilst du die gezeigten Leistungen der Schwinger am «Eidgenössischen»?

«Ich finde, es wurde sehr offensiv geschwungen. Die Schwinger wollten zeigen, was sie können. So wie die Einteilung funktioniert hat, haben auch die Schwinger funktioniert.»

Wie stufst du als Chef-Techniker vom ESV das Abschneiden der einzelnen Teilverbände ein?

«Schwingerkönig Joel Wicki überstrahlt die nicht gute Kranz-Bilanz der Innerschweizer. Die Nordwestschweizer feierten einen historischen Kranzerfolg, und konnten bis zuletzt an der Spitze mithalten. Die Nordostschweizer Königskandidaten gingen unter, mit der Kranzausbeute dürfen sie aber zufrieden sein. Die Berner widerspiegelten ihre Stärke nicht nur in den Spitzenpaarungen, sondern auch mit der Anzahl der gewonnenen Kränze. Die Südwestschweizer dürfen mit ihrer Kranzausbeute zufrieden sein. Sie sind ein aufstrebender Verband.»

Die Entscheidung im Schlussgang war wegen fehlenden Hosengriffs umstritten, ebenso diejenige im Gang zwischen Pirmin Reichmuth und Bernhard Kämpf. Bist du mit den Kampfrichter-Leistungen insgesamt zufrieden?

«Ja, bin ich. Beim Kampf Reichmuth-Kämpf war die Entscheidung korrekt. Das Regelwerk besagt, dass für ein Resultat beide Schultern ganz unten sein müssen. Das waren sie aber nicht. Tatsache ist, dass die blitzschnelle Entscheidung im Schlussgang niemand sehen konnte. Ich bin überdies mit den gezeigten Kampfrichter-Leistungen in dieser Saison zufrieden. Dank den unzähligen Zeitlupen im TV stehen die Kampfrichter noch mehr im Fokus. Aber: Es gab schon früher nicht mehr oder weniger Fehler im Kampfrichter-Wesen.»

Wie geht es weiter mit dem Kampfrichter-Wesen?

«Wir intensivieren die Ausbildung. Angedacht ist ein Trainingslager für Kampfrichter in Magglingen, und zwar mit einer ERFA-Gruppe aus anderen Sportarten. Es geht dabei um einen Erfahrungsaustausch.»

Es heisst, dass du das umstrittene Hilfsmittel VAR (Video Assistant Referee) gerne im Schwingen austesten möchtest. Gibt es schon Ideen dazu?

«Ich habe den VAR vor neun Monaten an einer Sitzung traktandiert. Ich habe dabei nur gesagt, dass ich dies einmal an einem Schwingfest testen möchte. Aber: Es gibt kein Konzept, und die Idee ist momentan ad acta gelegt.»

Das ESAF 2022 in Pratteln bot von Schwingsport vom Feinsten, über Spektakel bis hin zum Drama alles, was das Schwingerherz begehrt 

Bild: Schwinger-Blog

Etliche Kommentar-Schreiber liessen in den letzten Tagen verlauten, dass das Schwingen den Videobeweis nicht braucht. In einem Kommentar war zu lesen, dass dafür eine Reform für wichtige Schlussgänge angebracht ist. Die NZZ schreibt: «Zwei Kampfrichter im Ring hatte es früher schon einmal gegeben. Jenen, die im Schwingen Reformen scheuen, könnte man dieses Vorgehen also als Wiedereinführung verkaufen.» Deine Meinung dazu?

«Mehrere Leute können die Suppe auch versalzen. Meiner Meinung nach reicht ein Platzchef. Um Winkel abzudecken, könnten die beiden Kampfrichter am Tisch beispielsweise an verschiedenen Orten sitzen. Ich möchte aber an den drei Kampfrichtern festhalten. Erneuerungen kann man aber durchaus traktandieren.»

In einem NZZ-Kommentar war zudem zu lesen: «Schwingen am Scheideweg: Will man den Status quo bewahren, braucht es ein klares Bekenntnis zum Spitzensport. Und damit Reformen im Sägemehl.» Was sagst du dazu?

«Es muss nichts am Status quo geändert werden. Ich sehe nämlich keinen Scheideweg. Diesen gäbe es, wenn etwas nicht erfolgreich ist. Überdies gewannen nicht nur Spitzenschwinger Kränze. Das ESAF brachte 21 Neueidgenossen hervor, die nächste Generation ist also eingeläutet. Die älteren Schwinger dürfen beruhigt in den Ruhestand gehen, wir haben keine Überalterung im Schwingsport.»

Gibt es nach dem ESAF Aspekte, die du möglichst rasch anpacken möchtest?

«Ins Kampfrichter-Wesen müssen wir vielmehr investieren, dazu gehört auch die Teambildung. Weiter möchte ich auch den Gang an den Brunnen und die Medical-Time (medizinischer Unterbruch) unter die Lupe nehmen.»

Ist die künftige Zusammensetzung der Einteilung an Bergkranzfesten auch ein Aspekt? Schwingerkönig Matthias Sempach forderte nach dem umstrittenen Stoos-Schwinget, dass diese künftig paritätisch aus den teilnehmenden Teilverbänden zusammengesetzt sein soll.

«Wenn ein Schwingerkönig etwas sagt, hat das medial eine grosse Auswirkung. Ich habe Verständnis für seine Äusserung und bin selbst für so einen Ausgleich. Aber: Solche Entscheidungen müssen erst durch alle Gremien. Die Entscheidung liegt primär bei den Berg-OK’s. Es könnte darum schwierig werden, das durchzubringen.»

Vorschau aufs «Eidgenössische» in Pratteln: Der Topfavorit, die fünf Favoriten und die vier Geheimfavoriten auf die Königskrone

Text: Schwinger-Blog

Nun ist es also so weit: Das Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest (ESAF) in Pratteln steht vor der Tür. Nach dem ESAF 2019 in Zug ging 2020 wegen der Corona-Pandemie fast nichts. 2021 konnte mit geschickter und flexibler Organisation fast das gesamte Kranzfest-Programm bestritten werden, samt stimmungsvollem Kilchberger Schwinget Ende September. Und 2022 war, abgesehen von den ersten Hallenschwingfesten, wieder ganz normal – wie im letzten Eidgenössischen Jahr 2019. Die Ausgangslage für ein spannendes und spektakuläres «Eidgenössisches» in Pratteln ist ausgezeichnet. Die Vorzeichen stehen auch bezüglich der etlichen zuletzt verletzten oder angeschlagenen Spitzenschwinger gut: So sind Stucki, Wenger, Reichmuth und Co. dabei. Einzig der Südwestschweizer Steve Duplan und der Nordostschweizer Thomas Koch mussten ihre Teilnahme zu Beginn der Woche absagen.

In dieser prächtigen Arena dürfen 50’900 Zuschauer den 274 besten Schwingern bei ihrer Arbeit zusehen

Bild: Schwinger-Blog

Der Topfavorit

Unbestrittener Topfavorit ist Samuel Giger. Hält der Thurgauer dem ungeheuren Druck stand, wird er der neue Schwingerkönig. Fünf Kranzfestsiege in dieser Saison, zuletzt auf der Schwägalp, ist Beweis genug für seine Extraklasse. Giger war 2021 und 2022 der beste Schwinger und hat in Sachen Technik, Athletik und Taktik nochmals zugelegt. Zudem hat der Modell-Athlet nach dem ESAF in Zug gerade mal zwei Kämpfe verloren. Aus dem Umfeld von Giger war zu vernehmen, dass er seit dem Kilchberger-Sieg noch befreiter schwingt. Und: Der 24-Jährige arbeitet seit zwei Jahren mit einem Mentaltrainier zusammen. Ein Schwingerkönig, welcher nicht Samuel Giger heissen würde, wäre fast schon eine Überraschung.

Die fünf Favoriten auf die Königskrone

Gegen Gigers Unterfangen haben aber die weiteren Königs-Favoriten Adrian Walther, Joel Wicki, Werner Schlegel, Matthias Aeschbacher und Fabian Staudenmann etwas einzuwenden. Was diese Schwinger in dieser Saison boten, zeugt von Extraklasse. Bis auf Staudenmann gewannen sie in überzeugender Manier an übergeordneten Schwingfesten wie an Berg- und Teilverbandsfesten. Fabian Staudenmann belegte an den meisten von ihm bestrittenen Kranzfesten Spitzenplätze (siebenmal Rang zwei). Diese fünf Athleten werden es wohl sein, welche Giger am gefährlichsten werden können. Sie sind in einer absoluten Topform und würden einen Ausrutscher von Giger wohl gnadenlos ausnutzen. Der Schwinger-Blog handelt den Kilchberger-Co-Sieger Fabian Staudenmann als einen von insgesamt vier Geheimfavoriten. 

Samuel Giger gilt als Topfavorit auf die Königskrone, er gewann kürzlich zum fünften Mal den Schwägalp-Schwinget 

Bild: SCHLUSSGANG

Der erweiterte Favoriten-Kreis

Zu dieser Kategorie darf man Christian Stucki, Pirmin Reichmuth, Florian Gnägi, Michael Ledermann, Kilian Wenger und Damian Ott zählen. Der amtierende Schwingerkönig hat in dieser Saison zwar wegen einer Schulterverletzung noch gar kein Kranzfest bestritten und nahm seit Mitte April an keinem einzigen Schwingfest mehr teil. Erst am Donnerstag-Vormittag liess Stucki verlauten, dass er in Pratteln starten wird. Wie gut der Seeländer Hüne drauf ist, weiss wohl nur er selbst. Sein Athletik-Trainer liess unlängst verlauten, dass er den Seeländer noch nie so konzentriert trainieren sah – man darf gespannt sein. Reichmuth gab am Aargauer Kantonalen nach langer Verletzungspause mit sechs gewonnenen Gängen ein fulminantes Comeback. Eine am Brünigschwinget zugezogene Bizeps-Verletzung kostete den Zuger fast die Teilnahme – er gab am Dienstagnachmittag Entwarnung, und die Innerschweiz atmete auf. Aber auch Gnägi, Ledermann, Wenger und Ott wurden zuletzt durch Verletzungen gebremst und fielen aus. Sie können nun alle in Pratteln antreten. Wie fit sie wirklich sind, wird sich zeigen. Wenn sie es sind, werden sie für die oben genannten Favoriten zu einer echten Herausforderung und zu heissen Königs-Kandidaten. Der Schwinger-Blog ernennt aus dieser Kategorie Pirmin Reichmuth und Michael Ledermann zu Geheimfavoriten. 

Aussenseiter-Chancen auf den Königstitel

Unter diese Rubrik fallen Armon Orlik, Domenic Schneider, Kilian von Weissenfluh, Nick Alpiger, Roger Rychen, Michael Wiget, Samir Leuppi, Remo Käser, Lario Kramer und Sven Schurtenberger. Wächst einer von diesen zehn Athleten über sich hinaus, ist vieles möglich. Bei von Weissenfluh wurde es wegen der sich anfangs August zugezogenen Knieverletzung ein Wettlauf gegen die Zeit. Der Haslitaler scheint dieses Duell gewonnen zu haben. Michael Wiget wurde nach längerer Verletzungspause rechtzeitig fit und gewann den Bözingenberg-Schwinget – das einzige von ihm bestrittene Schwingfest in dieser Saison. Die in dieser Rubrik genannten Schwinger sind allesamt Stimmungsschwinger. Die meisten von ihnen mussten während dieser Saison wegen einer Verletzung oder Krankheit pausieren und konnten ihr Programm nicht wie gewünscht durchziehen. Zieht der eine oder andere in Pratteln «die zwei Tage seines Lebens» ein, wird dieser am Ende um die Königskrone mitreden. Auch in dieser Kategorie benennt der Schwinger-Blog einen Geheimfavoriten: Michael Wiget.

Wer darf am Sonntagabend den Siegermuni Magnus entgegennehmen? Auf dem Bild zusammen mit dem Züchter Jürg Degen vom Hof Schönenberg in Pratteln.

Bild: Schwinger-Blog

Die Spitzenpaarungen

Stefan Strebel, der Technische Leiter vom Eidgenössischen Schwingerverband, überraschte bei der Einteilung der Spitzenpaarungen. Er scherte sich kaum um irgendwelche ungeschriebenen Gesetze und teilte gut durchdacht absolute Knüller-Paarungen ein. Ob jetzt Giger mit Staudenmann statt mit Stucki in der absoluten Spitzenpaarung antreten muss, ist nicht entscheidend. Vielmehr sollen dem schwingbegeisterten Publikum spektakuläre Zweikämpfe geboten werden. Gewisse Kommentar-Schreiber liessen sich gar dazu hinreissen, dass Strebel den Mut verlassen habe. Der Schreibende sieht das mitnichten so, ganz im Gegenteil. So eine Einteilung lässt auf ein gesundes Mass an Eigenwilligkeit schliessen. Auch die Überzahl der Berner, welche in den Spitzenpaarungen zu finden sind, ist absolut berechtigt. Sie sind der momentan stärkste Teilverband, denn es adäquat herauszufordern gilt.

Anzahl Kränze: Zielsetzungen der Teilverbände

Der «SCHLUSSGANG» schreibt in der Analyse zu den Spitzenpaarungen: «In den 20 Spitzenpaarungen sind nicht weniger als 15 Berner Schwinger vertreten.» Weiter sind 11 Nordostschweizer, 9 Innerschweizer, 3 Nordwestschweizer und 2 Südwestschweizer darin zu finden. Diese Verteilung könnte am Sonntagabend durchaus der Verteilung der Kränze entsprechen. Aber: Die Zielsetzungen der einzelnen Teilverbände sehen ein wenig anders aus. So konnte man in der Berner Zeitung lesen, dass die Verantwortlichen von 19 Kränzen sprechen. Im Vergleich: Am «Eidgenössischen» 2019 in Zug gewannen die Berner 15 Kränze. Von einer bestimmten Anzahl Kränze hat man von den Innerschweizern und den Nordostschweizern zwar nirgends gelesen. Aber so viele wie in Zug (Innerschweiz: 13, und Nordostschweiz: 10 Kränze) sollen es wohl wieder sein. Die Nordwestschweizer, der gastgebende Verband vom diesjährigen ESAF, setzt sich 5 Kränze (ESAF Zug: 3 Kränze) zum Ziel. Die Verantwortlichen der Südwestschweizer Schwinger sprechen davon, es in Pratteln mindestens so gut wie in Zug (3 Kränze), wenn nicht noch besser zu machen.

Saison-Zwischenbilanz der Nordwestschweizer: Durchzogen, dennoch bereit und hochmotiviert fürs «Heim-Eidgenössische»

Text: Schwinger-Blog

Der Nordwestschweizer Schwingerverband (NWSV) hat die Selektion fürs ESAF in Pratteln nach ihrem Teilverbandsfest in Brugg bekanntgegeben. Der zweitkleinste Teilverband durfte 29 Schwinger und 3 Ersatzschwinger selektionieren. Der SCHLUSSGANG schreibt dazu: «Ein Blick auf die Selektion der Nordwestschweizer zeigt keine grossen Überraschungen. Die in Brugg verletzungsbedingt abwesenden Tobias Widmer und Lars Voggensperger wurden erwartungsgemäss selektioniert. Als Leader steigen die Eidgenossen Nick Alpiger, Joel Strebel, Patrick Räbmatter und David Schmid ins ESAF-Rennen.» Verletzungsbedingt fehlt mit Andreas Döbeli leider einer ihrer wichtigsten Team-Stützen. Der Aargauer zog sich beim Weissenstein-Schwinget einen Kreuzbandriss zu, was das Saison-Ende bedeutete. Der SCHLUSSGANG schreibt weiter zur Nordwestschweizer Selektion: «Blickt man auf die Selektionsliste, ist auffallend, dass nicht weniger als sieben Schwinger 20 Jahre und jünger sind. Weitere neun Schwinger sind noch nicht älter als 25 Jahre. Das unterstreicht, dass in der Nordwestschweiz in der Jugendarbeit Gutes geleistet wurde in den vergangenen Jahren.» 

Der Stoos als bisheriges Saison-Highlight

Die Zielvorgabe des Verbandes fürs «Heim-Eidgenössische» lautet: «Wir wollen uns in Pratteln als Team präsentieren und fünf Kränze gewinnen.» Ein ehrgeiziges aber durchaus realistisches Ziel, wenn beispielsweise neben den Eidgenossen auch die zur Spitze aufgeschlossenen Schwinger wie Adrian Odermatt oder Lars Voggensperger reüssieren. Dennoch: Der bisherige Saisonverlauf der Nordwestschweizer Schwinger war durchzogen. Eines ihrer Highlights war das Abschneiden auf dem Stoos, wo man fünf Kränze gewann. Die Kranzausbeute auf dem Weissenstein mit zwei Exemplaren war hingegen mager. Beim «Innerschweizerischen» und beim Bernisch-Kantonalen reiste man gar ohne Kranz heim. Und in den Schlussgang des eigenen Teilverbandsfestes stiess kein eigener Schwinger vor. Die Gründe reichen von Verletzungssorgen bis hin zu schwankender Form. Gewiss ist auch die Grösse des Teilverbandes ein entscheidender Faktor: Fehlen einzelne Spitzenleute wegen Verletzungen oder bringen ihre gewohnte Leistung nicht, sieht es gleich ziemlich düster aus. Der Schwinger-Blog zog mit Guido Thürig, dem Technischen Leiter der Nordwestschweizer, eine Saison-Zwischenbilanz. Der Aargauer nahm zu den bereits bekannten fünf Stichworten Stellung.  

Guido Thürig ist der Technische Leiter der Nordwestschweizer Schwinger

Bild: xing.com

Saison-Zwischenbilanz

Was für eine Saison-Zwischenbilanz ziehst du insgesamt vom Nordwestschweizer Team?

«Die fällt durchzogen aus. Es waren trotz allem sehr gute Sachen dabei. Das Highlight war das Abschneiden auf dem Stoos. Einzelne Schwinger wie Nick Alpiger beim Nordostschweizer Schwingfest oder Lars Voggenspeger beim Südwestschweizer Schwingfest stachen heraus. Auf dem Weissenstein hätte ich mehr erwartet und an unserem Teilverbandsfest in Brugg lief es nicht ganz nach Wunsch. Wir haben halt eine schmale Mannschaft und wenn nicht alle ihren besten Tag einziehen, ist dies sofort spürbar.»

Was fiel dir besonders positiv auf?

«Der Aufschwung im Basel-Land, angeführt von Adrian Odermatt und Lars Voggensperger, welche man als Aufsteiger der Saison bezeichnen kann.»

Was stach dir besonders negativ ins Auge?

«Die Verletzung von Andreas Döbeli und das fehlende Wettkampfglück von Nick Alpiger, welcher mehrfach unglücklich kämpfte. Uns war das Glück bisher nicht wirklich hold. Dies wird dann in Pratteln der Fall sein…»

Was sagst du zu den Leistungen deiner Schützlinge an den Kantonalfesten?

«Wir konnten mit Andreas Döbeli beim Basellandschaftlichen und Nick Alpiger beim Solothurner Kantonalschwingfest nur zwei Siege bei uns halten. Allerdings schlugen beim Baselstädter und beim Aargauer mit Samuel Giger respektive Pirmin Reichmuth gleich zwei Topcracks zu. Es freut mich, dass wir bei den Kantonalfesten jüngere Schwinger heranführen konnten und sie den ersten Kranz gewannen. Das ist sehr wichtig, damit sie sich nun bei den Aktiven etablieren können.»

Wie fällt deine Bilanz für die bisherigen Bergkranzfeste aus?

«Wie bereits erwähnt fällt die Bilanz für den Stoos sehr gut aus. Auf dem Weissenstein haben wir mehr erwartet. Wir konnten allerdings verletzungsbedingt nicht mit der besten Truppe antreten. Sehr positiv sind die vier neuen Bergkranzer Adrian Odermatt, Lars Voggensperger, Lukas Döbeli und Oliver Hermann. Das ist für uns von grosser Bedeutung.»

Wie beurteilst du die Leistung deines Teams am Nordwestschweizer Schwingfest in Brugg?

«Die Gäste haben dem Fest den Stempel aufgedrückt. Ich bin nicht ganz zufrieden mit unserer Leistung, es wäre für uns mehr möglich gewesen. Ich hätte erwartet, dass wir eine stärkere Rolle spielen. Von der Leistungsdichte her wäre das nämlich möglich. Ich bin zudem selbstkritisch hinsichtlich der Einteilung. Es wurde nicht alles richtig gemacht, und im Nachhinein würde ich anders einteilen. Trotzdem: Geschwungen wird auf dem Platz.»

Das Nordwestschweizer Team beim ESAF 2019 in Zug

Bild: aargauerzeitung.ch

Selektionierung fürs ESAF

Nach welchen Selektionskriterien hast du dein Team zusammengestellt?

«Anhand der Leistung und dem Commitment respektive Engagement für das Kader. Im Grenzfall wurden die Trainingsbesuche, das Mitmachen und etwas fürs Team beitragen miteinbezogen.»

Ein Heim-Eidgenössisches kann auch zur Bürde für die Schwinger werden. Wie siehst du das für deine selektionierten Athleten?

«Ich glaube, dass es für uns ein Vorteil ist. Ich bin zudem überzeugt, dass wir unsere beste Leistung in Pratteln zeigen werden.»

Beim Teamleader Nick Alpiger lief es bisher in dieser Saison noch nicht ganz rund

Bild: Aargauer Zeitung

Die Verletzungssituation und die Situation bei den Nachwuchsleuten

Wie auch die anderen Teilverbände hatten die Nordwestschweizer bisher viel Verletzungspech zu beklagen. Wie beurteilst du die aktuelle Verletzungssituation?

«Klar ist, dass Andreas Döbeli am ESAF nicht dabei sein kann. Ansonsten werden die Angeschlagenen rechtzeitig fit und es können alle, die selektioniert sind, starten.»

Am ENST 2021 in Schwarzenburg zeigten die Nordwestschweizer einen starke Mannschaftsleistung mit elf Doppelzweigen. Du musst zufrieden sein mit dem eingeschlagenen Weg für euren Nachwuchs?

«Ich bin sehr zufrieden und kann den Verantwortlichen nur ein Kompliment aussprechen. Ich kann nun von dieser grossartigen Arbeit profitieren. Wir haben inzwischen die erfolgreichen Schwinger vom ENST auch als Nichtkranzer ins Kader eingebrunden. Einige von ihnen holten in dieser Saison nun den ersten Kranz.» 

Die «Schwarzenburg-Erfolge» bedeuten vielversprechende Perspektiven für das NWSV-Kader der Aktiven? 

«Das sind definitiv gute Aussichten! Ich erhoffe mir durch diese Jahrgänge noch eine grössere Breite und Leistungsdichte. Das kann unserem Team nur guttun.»

Der Baselbieter Adrian Odermatt gewann in der bisherigen Saison sieben Kränze und darf sich berechtigte Hoffnungen auf den ESAF-Kranz machen

Bild: primenews.ch

ESAF in Pratteln

Welche Ziele definierst du als Technischer Leiter für das ESAF in Pratteln?

«Unser Ziel sind fünf Eidgenössische Kränze. Wir erwarten von unseren Schwingern einen markigen Auftritt, und haben das in der Vorbereitung bewusst thematisiert. Wir wollen zeigen, dass wir bereit sind. Wir wollen etwas reissen und sind hochmotiviert.»

Traust du einem deiner Schwinger den Königstitel zu?

«Ich sage ja, das ist durchaus möglich.»

Wie schwörst du dein Team aufs «Eidgenössische» ein?

«Wir hatten Ende Juli ein Trainingslager, wo wir uns aufs ESAF eingeschworen haben.» 

Wie sehen die letzten Vorbereitungen der Nordwestschweizer bis zum ESAF aus?

Am kommenden Sonntag steht der Schwägalp-Schwinget auf dem Programm und nächste Woche gehen wir gemeinsam nach Pratteln. Und dann denke ich sind wir parat.»

Saison-Zwischenbilanz der Nordostschweizer: Samuel Giger dominierte nach Belieben, dahinter besteht noch Luft nach oben

Text: Schwinger-Blog

Der Nordostschweizer Schwingerverband (NOSV) hat ihre Schwinger fürs ESAF von Ende August noch nicht selektioniert. Die Bekanntgabe der Selektion soll nach dem Schaffhauser Kantonalschwingfest am 9. August erfolgen. Die Nordostschweizer verfügen über den Königskandidaten Nummer 1, Samuel Giger. Der Thurgauer Überschwinger startete bisher an fünf Kranzfesten und trug bei vieren den Sieg davon. Eine am Nordostschweizer Schwingfest zugezogene Nackenblessur zwang ihn zu einer Pause. Auf dem Brünig ist der führende der SCHLUSSGANG-Wertung wieder dabei. Ein Blick auf die ersten 50 Plätze dieser Liste zeigt, welche Nordostschweizer Schwinger nebst Giger in dieser Saison bisher am meisten auf sich aufmerksam machten: Es sind dies Werner Schlegel (Rang 11), Domenic Schneider (Rang 14), Armon Orlik (Rang 15), Roger Rychen (Rang 17), Michael Bless (Rang 31), Samir Leuppi (Rang 37), Marcel Räbsamen (Rang 38), David Dumelin (Rang 46), Thomas Koch (Rang 47), Mario Schneider (Rang 48) und Janic Voggensperger (Rang 49). Erwähnenswert sind zudem der Rigi-Kranzer Shane Dändliker, der Weissenstein-Kranzer Martin Roth und der 150-fache Kranzer Nöldi Forrer. Man erkennt bei der Analyse eine deutliche Zäsur: Zur absoluten Spitze zählen demnach nebst Samuel Giger noch Werner Schlegel, Domenic Schneider, Armon Orlik und Roger Rychen. Es fehlt dabei der letztjährige Kilchberger Co-Sieger Damian Ott. Ihm lief es in dieser Saison bisher nicht nach Wunsch. Hinzu kommt eine Fussverletzung, welche bereits eine Teilnahme auf der Rigi verhinderte, und nun auch keinen Start auf dem Brünig und beim Nordwestschweizer Schwingfest zulässt. Für den Brünigschwinget mussten sich zudem auch Roger Rychen (Rückenbeschwerden), Michael Bless, Samir Leuppi (körperliche Beschwerden), Martin Hersche und Raphael Zwyssig abmelden. Die Spitze der Nordostschweizer ist dünn geworden.

Das Nordostschweizer Team ist derzeit wegen Verletzungen ziemlich gebeutelt. Hinzu kommt, dass sich einige routinierte Kräfte am Ende ihrer Karriere befinden. Und: Wie sieht es eigentlich mit den Nachwuchsleuten rund um Werner Schlegel und Damian Ott aus? Der Schwinger-Blog unterhielt sich heute mit Fridolin Beglinger, dem Technischen Leiter der Nordostschweizer. Der Glarner zog zu den bereits bekannten fünf Stichworten eine Saison-Zwischenbilanz.  

Fridolin Beglinger ist der Technische Leiter der Nordostschweizer Schwinger

Bild: nosv.ch

Saison-Zwischenbilanz

Was für eine Saison-Zwischenbilanz ziehst du insgesamt vom Nordostschweizer Team?

«Diese beurteile ich als positiv, mit Abstrichen wegen dem Abschneiden auf dem Weissenstein.»

Was fiel dir besonders positiv auf?

«Sehr erfreulich ist die Tatsache, dass es an den bisherigen Kantonalschwingfesten fünf verschiedene Festsieger gab. Das ist für unser Team sehr motivierend. Und: Das Auftreten der Mittelschwinger auf der Rigi war auch sehr positiv.»

Was stach dir besonders negativ ins Auge?

«Negativ ist das ganze Theater um die Kampfrichter, welches in der Boulevardpresse breitgeschlagen wurde. Es missfällt mir auch, dass es wirklich Leute gibt, die ernsthaft über den VAR nachdenken.»

Was sagst du zu den Leistungen deiner Schützlinge an den Kantonalfesten?

«Wie bereits erwähnt freute ich mich über die fünf verschiedenen Festsieger. Zudem waren die Teilnehmer- und die Zuschauerzahlen an unseren Kantonalen sehr erfreulich.»

Wie fällt deine Bilanz für die bisherigen Bergkranzfeste aus?

«Die Bilanz auf der Rigi fällt sehr positiv auf: Wir haben am meisten Kränze gemacht, und Armon Orlik wäre für den Schlussgang qualifiziert gewesen. Auf dem Weissenstein traten wir hinsichtlich dem Brünig- und dem Schwägalp-Schwinget mit der zweiten Garde an. Nichtsdestotrotz: Domenic Schneider lieferte eine super Leistung ab.»

Wie beurteilst du die Leistung deines Teams am Nordostschweizer Schwingfest in Balterswil?

«Die Leistung in Balterswil war sehr erfreulich. Wir hatten die Gäste im Griff, auch unsere Mittelschwinger haben sehr gut mit ihnen geschwungen. Es wurde zudem attraktiver Schwingsport geboten. Die Zuschauer durften ein sehr schönes Schwingfest mit vielen spannenden Zweikämpfen erleben.»

Das Nordostschweizer Team beim Einzug am ESAF 2019 in Zug

Bild: Radio Top

Selektionierung fürs ESAF

Nach welchen Selektionskriterien wirst du dein Team zusammenstellen?

«Berücksichtigt werden die Leistungen dieses Jahres, der Formstand und wie häufig das Kadertraining besucht wurde. Wir führen deswegen aber keine Punkteliste.»

Kannst du bereits aus dem Nähkästchen plaudern: Werden Vater und Sohn Burkhalter gemeinsam fürs ESAF selektioniert? Nebst mässigen Kranzfest-Resultaten überzeugten die beiden immerhin an etlichen Rangschwingfesten.

«Beide sind fürs Schaffhauser Kantonalschwingfest angemeldet, und können sich dort mit guter Leistung empfehlen. Die Chancen sind intakt, fix ist aber noch gar nichts.»

Und: Wird Nöldi Forrer am ESAF antreten?

«Jeder Athlet, welcher den NOS-Kranz gewonnen hat, ist selektioniert. Nöldi ist also selektioniert. Ob er dann tatsächlich in Pratteln antreten wird, muss er selbst entscheiden.»

Die beiden Toggenburger Werner Schlegel (links) und Damian Ott führen die junge Garde des Nordostschweizer Teams an

Bild: Hallowil.ch

Die Verletzungssituation und die Situation bei den Nachwuchsleuten

Auch in dieser Saison hatten die Nordostschweizer bisher viel Verletzungspech zu beklagen. Für den Brünigschwinget fallen beispielsweise etliche Eidgenossen aus. Die Spitze ist demzufolge dünn geworden. Wie beurteilst du die aktuelle Verletzungssituation?

«Die einen Schwinger kurieren teilweise nur kleine Blessuren aus. Am meisten Sorgen bereiten mir Damian Ott, Martin Hersche und Roger Rychen. Bei diesen drei dürfte die Zeit bis zum ESAF knapp werden.»

Wie sieht die Situation der Nachwuchsleute rund um Werner Schlegel und Damian Ott aus? Es beschleicht einem das Gefühl, dass sich hinter diesen beiden ein Loch auftut.

«Das würde ich so nicht sagen. Mit This Kolb, Thomas Burkhalter oder Gian Maria Odermatt verfügen wir über aufstrebende Nachwuchskräfte.»

Wie sieht der eingeschlagene Weg für euren Nachwuchs aus?

«Nach dem biederen Abschneiden am Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag (ENST 2021) in Schwarzenburg mussten wir etwas unternehmen. Wir haben inzwischen ein neues Nachwuchskonzept erarbeitet, mit welchem wir ab dem kommenden November arbeiten werden. Wir schlagen diesbezüglich einen neuen Weg ein und planen damit längerfristig.»

Samuel Giger ist der Topfavorit fürs ESAF in Pratteln

Bild: Tages-Anzeiger

ESAF in Pratteln

Welche Ziele definierst du als Technischer Leiter für das ESAF in Pratteln?

«Wir wollen den Königstitel holen und möglichst viele Kränze gewinnen. Eine Anzahl Kränze definieren wir nicht.»

Nebst Samuel Giger: Welchen deiner Schwinger traust du den Königstitel auch zu?

«Das sind die üblichen Namen, auf welche ich nicht näher eingehen möchte. Vor einem halben Jahr hätte ich auch Damian Ott zu diesen gezählt. Jetzt bin ich nur froh, wenn er antreten kann.»

Wie schwörst du dein Team aufs «Eidgenössische» ein?

«Wir haben bereits eine verschworene Truppe, diese hat sich in den letzten beiden Jahren gebildet. Man sieht nur schon am Auftreten an den Bergfesten, wie gut das Team funktioniert.»

Wie sieht die Vorbereitung der Nordostschweizer bis zum ESAF aus?

«Bis eine Woche vor dem ESAF haben wir jeden Donnerstagabend jeweils Kadertraining. Einen Tag vor dem Schwägalp-Schwinget (Samstag, 13. August) haben wir einen Zusammenzug geplant, an dem der Plausch im Vordergrund steht. An diesem sind Informationen fürs ESAF, die Einkleidung des Teams und ein Pressetermin auf dem Programm.»

Saison-Zwischenbilanz der Berner: Die breite Spitze macht sie am ESAF in Pratteln unberechenbar

Text: Schwinger-Blog

Der Berner Kantonale Schwingerverband (BKSV) hat nach ihrem Teilverbandsfest in Thun ihre Schwinger fürs ESAF von Ende August in Pratteln selektioniert: 59 Schwinger und 5 Ersatzschwinger. Überraschungen gab es keine. Es befinden sich Spitzenschwinger wie Schwingerkönig Christian Stucki, Michael Ledermann oder Michael Wiget darunter, welche derzeit noch rekonvaleszent sind. Ob sie dann am «Eidgenössischen» dabei sein können, wird sich zeigen. Nichtsdestotrotz: Die Berner bestechen durch ihre breite Spitze und ihre Tiefe im Kader. Ihre Stärke ist die Ausgewogenheit im Team, eine gesunde Mischung aus Routiniers und jungen hungrigen Akteuren. Gerade vor Wochenfrist liess sich das einmal mehr am Bernisch-Kantonalen Schwingfest beobachten. Da in dieser Saison bisher kein Schwinger hervorstach, wie beispielsweise Samuel Giger bei den Nordostschweizern, sind sie unberechenbar. Dieser Umstand könnte am ESAF ein grosser Vorteil sein. Sticht ein Trumpf nicht, folgt sogleich der andere. So geschehen auf dem Stoos. Bis zum Saisonhöhepunkt dauert es allerdings noch einen Moment, Zeit für eine Saison-Zwischenbilanz. Der Schwinger-Blog unterhielt sich zu diesem Zweck mit Roland Gehrig, dem Technischen Leiter der Berner. Gehrig wurde, wie schon vor einer Woche sein Innerschweizer Kollege Thedy Waser, zu fünf Stichworten befragt. 

Roland Gehrig ist der Technische Leiter der Berner Schwinger

Bild: Barbara Loosli

Saison-Zwischenbilanz

Was für eine Saison-Zwischenbilanz ziehst du insgesamt vom Berner Team?

«Ich ziehe eine sehr positive Bilanz, welche zudem ausgeglichen ausfällt. Wir durften verschiedene Festsieger feiern und die Verteilung der Favoritenrolle ist auf mehreren Schultern verteilt. Ich finde es positiv, dass keiner heraussticht. Das ist sicher ein Vorteil, und wir stehen so weniger unter Druck.»

Was fiel dir besonders positiv auf?

«Die jungen Athleten rund um Adrian Walther und Michael Ledermann. Sie sind den Erwartungen gerecht geworden. Es ist auch eine Bestätigung dafür, dass sie nochmals einen Schritt gemacht haben, um an die Spitze zu gelangen. Erfreulich ist für mich auch die Entwicklung von weiteren Jungen wie Matthieu Burger oder Lars Zaugg.»

Was stach dir besonders negativ ins Auge?

«Eigentlich nichts Spezielles. Die Verletzungen sind immer besonders hart. Mir persönlich tut es vor allem für Lukas Renfer leid. Die neuerliche Verletzung ist ein bitterer Rückschlag für ihn, und nach 2019 verpasst er erneut ein ESAF. Was mir nicht behagt, ist die Berichterstattung von gewissen Medienleuten betreffs der Kampfrichter und deren Leistungen. Für diese ist es sowieso schwierig genug, und wir sind nur schon froh, genügend gute Kampfrichter zu finden. Umstrittene Entscheide gehören einfach zum Schwingsport. Nick Alpiger hat es am Nordostschweizer Schwingfest richtig gesagt: Im Verlaufe einer Karriere gleicht sich das Ganze aus.»

Was sagst du zu den Leistungen deiner Schützlinge an den Gauverbandsfesten?

«Ich bin im Grossen und Ganzen zufrieden. Wie bereits erwähnt gab es verschiedene Festsieger. Unsere Stärke ist die Ausgeglichenheit. Das hätte eventuell anders ausgesehen, wenn ein fitter Christian Stucki dabei gewesen wäre. Mit dem Ausgang beim Seeländischen Schwingfest (fünf Festsieger) bin ich nicht ganz zufrieden. In meinen Augen wurde im vierten und fünften Gang nicht konsequent genug eingeteilt.»

Wie fällt deine Bilanz für die bisherigen Bergkranzfeste aus?

«Sehr positiv. Wir haben unsere Ziele erreicht und bei beiden bisherigen Bergkranzfesten auf dem Stoos und am Schwarzsee jeweils den Sieger gestellt und am meisten Kränze gewonnen. Ein weiteres Ziel ist es, an diesem Wochenende auch den Weissenstein-Schwinget zu gewinnen.»

Wie beurteilst du die Leistung deines Teams am Bernisch-Kantonalen Schwingfest in Thun?

«Die Leistung war gut, die Mannschaft trat geschlossen auf und es gab viele Entscheidungen. So konnten von Anfang bis Ende gute Paarungen eingeteilt werden. Es gab die eine oder andere Überraschung, die es braucht, damit es spannend bleibt. In meinen Augen war das ein top Fest, mitsamt einer super Infrastruktur in der Stockhorn-Arena.» 

Das Team der Berner, im Bild der Einmarsch beim ESAF 2019 in Zug, wird in Pratteln 59 Schwinger umfassen

Bild: Michael Wiget

Selektionierung fürs ESAF

Nach welchen Selektionskriterien hast du dein Team zusammengestellt?

«In erster Linie wird anhand einer Punkteliste, welche wir während der Saison führen, selektioniert. In zweiter Linie holen wir solche Schwinger ins Team, welche uns etwas bringen und die auch etwas reissen können.»

Unter den definitiv selektionierten Schwingern befinden sich auch Spitzenschwinger wie Christian Stucki, Michael Ledermann, Michael Wiget, Christian Gerber, Thomas Inniger und Dominik Roth. Sie sind derzeit noch rekonvaleszent. Werden diese Akteure rechtzeitig fit?

«Ich hoffe natürlich, dass sie rechtzeitig fit werden. Ich bin in ständigem Kontakt mit ihnen. Um eine Startberechtigung zu erhalten, müssen diese Schwinger bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Eine Ausnahmeregelung geniesst Christian Stucki als amtierender Schwingerkönig. Er darf in Selbstverantwortung entscheiden, ob es fürs ESAF reicht oder nicht.»

Wegen der breiten Spitze ist in dieser Saison bisher noch kein Schwinger hervorgestochen. Das macht die Berner in Pratteln unberechenbar. Würdest du diese Aussage unterschreiben?

«Ja, das würde ich unterschreiben. Wir sind tatsächlich breit aufgestellt und wenn die erwähnten rekonvaleszenten Schwinger zurückkehren, sieht das für uns noch besser aus. Diese Unberechenbarkeit ist sicher auch eine Stärke von uns.»

Adrian Walther, Sieger am Bernisch-Kantonalen Schwingfest in Thun, ist einer der Berner Trümpfe fürs ESAF

Bild: Berner Zeitung

Die Verletzungssituation und die Situation bei den Nachwuchsleuten

Auch in dieser Saison hatten die Berner bisher viel Verletzungspech zu beklagen. Wie beurteilst du die aktuelle Verletzungssituation?

«Aktuell ist Michael Ledermann’s Verletzung beim Bernisch-Kantonalen, die anderen Verletzten sind schon länger am Auskurieren. Zu hoffen ist, dass auf dem Weissenstein und auf dem Brünig keine neuen Verletzten hinzukommen. Wir hoffen einfach, dass diejenigen, die noch fraglich sind, in guter Verfassung zurückkehren und in Pratteln starten können.»

Mit Michael Moser und David Scheuner sind zwei junge Schwinger mit Jahrgang 2005 im Aufgebot fürs ESAF. Ein Indiz für sehr gute Nachwuchsarbeit. Bist du zufrieden mit dem eingeschlagenen Weg, dem Nachwuchskonzept und den Nachwuchsleuten? Wo gäbe es in deinen Augen noch Verbesserungspotential?

«Wir haben mit Moser und Scheuner zwei sehr junge Schwinger selektioniert. Die beiden haben die Kriterien mit Bravour erfüllt. Unser Nachwuchskonzept basiert auf dem Novizen-Kader. Meines Erachtens ist das eine sehr gute Sache, mit guter Betreuung und Trainings. Verbesserungspotential ist immer vorhanden. Besser dürfte zum Beispiel sein, dass die jungen Athleten noch regelmässiger an diesen Trainings teilnehmen würden. Mit unserem eingeschlagenen Weg werden die Nachwuchsathleten im Novizen-Kader und darüber hinaus gut betreut.»

Die letzten vier Königstitel gingen an die Berner: Kilian Wenger (links) war der erste der Serie, Christian Stucki der vierte

Bild: Christian Pfander (Berner Zeitung)

ESAF in Pratteln

Welche Ziele definierst du als Technische Leiter für das ESAF in Pratteln?

«Unser Ziel ist es, den Königstitel zu verteidigen. Ohne überheblich zu klingen, dürfen wir das nach vier Berner Königen in Serie sicher so benennen. Ein weiteres Ziel sind möglichst viele Kränze und auch Neueidgenossen. Der Fokus liegt nicht nur auf dem Königstitel. Unser Bestreben ist es auch, ein gutes Mannschaftsresultat zu erschwingen.»

Welchen deiner Schwinger traust du den Königstitel zu?

Roland Gehrig schmunzelt und lacht. «Das sage ich nicht. Wir haben eine breite Spitze. Und: Ich möchte nicht näher auf diese Frage eingehen.»

Wie schwörst du dein Team aufs «Eidgenössische» ein?

«Die Selektion haben wir nun hinter uns. Beim gestrigen ersten Kaderzusammenzug haben wir die Mission gestartet. Den Fokus legen wir auf die Team-Bildung und die Stärkung unseres Kaders. Das Bernisch-Kantonale Schwingfest war der letzte Ernstkampf, wo wir unter uns geschwungen haben. An den folgenden Kranzfesten und dann in Pratteln treten wir als Team an. Wir reisen zudem gemeinsam nach Pratteln und besuchen das Gelände des ESAF.»

Wie sieht die Vorbereitung der Berner bis zum ESAF aus?

«Die Vorbereitung beinhaltet unter anderem ein dreitägiges Trainingslager auf der Kleinen Scheidegg, inklusive Medientermin. Dort oben treffen wir auf den schönsten Schwingplatz der Welt. Während des Trainingslagers werden die Seeländer Schwinger abreisen und am Bözingenberg-Schwinget starten. Das ist wichtig für den Seeländischen Schwingerverband, welcher nicht über besonders viele Regionalschwingfeste verfügt. Für Christian Stucki ist dieser Schwinget eine gute Vorbereitung. Die Seeländer Schwinger reisen anschliessend wieder zur Kleinen Scheidegg hoch. Weiter stehen gezielte Einzeltrainings auf dem Programm. Wir legen viel Wert auf den Teamgeist und getreu nach unserem Motto «zämä simer starch» packen wir die Vorbereitung an und freuen uns auf das «Eidgenössische».

Saison-Zwischenbilanz der Innerschweizer: Es verlief nicht alles rosig, aber ein Aufwärtstrend ist deutlich erkennbar

Text: Schwinger-Blog

Der Innerschweizer Schwingerverband (ISV) hat bereits 82 von 85 Schwingern fürs «Eidgenössische» in Pratteln fix selektioniert. Viel früher als sonst, und viel früher als die anderen Teilverbände. Aber eigentlich logisch: Denn bis auf den Brünig-Schwinget sowie das Bernisch-Kantonale und das Nordwestschweizer Schwingfest stehen für die Innerschweizer Schwinger keine Kranzfeste bis zum ESAF in Pratteln mehr an. Zeit also, eine objektive Zwischenbilanz zu ziehen. Denn: Eine subjektive haben wohl schon etliche Schwingerfreunde gezogen. Man muss kein grosser Sachverständiger sein, um festzustellen, dass nicht alles rosig verlief. Dennoch: Ein deutlicher Aufwärtstrend ist erkennbar. Statt den Stab über dem ISV-Team zu brechen und voreilige Schlüsse zu ziehen, sprach der Schwinger-Blog mit Thedy Waser. Der Technische Leiter der Innerschweizer nahm zu fünf Stichworten eingehend Stellung.  

Thedy Waser ist der Technische Leiter der Innerschweizer Schwinger

Bild: esv.ch

Saison-Zwischenbilanz

Was für eine Saison-Zwischenbilanz ziehst du insgesamt vom ISV-Team?

Thedy Waser: «Ich ziehe eine gute Saison-Zwischenbilanz und ich bin zufrieden mit dem bisherigen Verlauf. Namhafte Schwinger kamen von Verletzungen zurück und bereichern nun wieder unser Team. Bei den Kantonalfesten kam bis aufs «Urner» der Sieger aus unseren Reihen. Bei den Bergfesten lief es uns, abgesehen vom Stoos-Schwinget, gut.»

Was fiel dir besonders positiv auf?

Waser: «Wir haben viele talentierte Nachwuchsleute wie beispielsweise Marc Lustenberger. Sie drücken nach und haben etliche gute Wettkämpfe gezeigt. Das hat mir sehr gefallen, und das ist für die Zukunft sehr wichtig.»

Was stach dir besonders negativ ins Auge?

Waser: «Von den Schwingern kann ich nichts Negatives berichten. Was mir ins Auge stach sind gewisse Medien mitsamt ihrer Berichterstattung. Sie kennen den Hintergrund einfach zu wenig und berichten dadurch auch zu wenig sachlich. Wenn ein Schwinger seine Leistung nicht bringt, spricht man gleich von einer grossen Krise. Alle, die eine Ahnung von Sport haben, wissen, dass solche Situationen einfach dazu gehören.»

Zuletzt liess sich ein deutlicher Aufwärtstrend bei den Innerschweizern erkennen. Würdest du diese Aussage unterschreiben?

Waser: «Ja, das hat man wirklich gesehen. Auch dank den Schwingern, welche zu Beginn noch verletzt waren oder denen die Praxis noch ein wenig fehlte. Sie kehren nun wieder sukzessive auf die Erfolgsstrasse zurück.»

Was sagst du zu den Leistungen deiner Schützlinge an den Kantonalschwingfesten?

Waser: «Es wurde gut geschwungen. Die bereits erwähnten Jungen drücken nach. Sie haben trotz der Corona-Pandemie ihre Arbeit gemacht. Aber auch die Arrivierten zeigten, dass sie ihre Hausaufgaben gemacht haben.»

Wie fällt deine Bilanz für die bisherigen Bergkranzfeste aus?

Waser: «Auf dem Stoos sind wir mit einer arg dezimierten Mannschaft angetreten, diverse Kräfte fehlten verletzungsbedingt. Trotzdem hatten wir einen Schwinger im Schlussgang. So gesehen haben wir das Optimum herausgeholt. Beim Schwarzsee holten wir vier Kränze und die Jungen wussten zu gefallen. Auf der Rigi holten wir den Festsieg und wieder vier Kränze. Leider mussten Reto Nötzli und Mike Müllestein das Fest aufgeben. Ich denke, wir haben das beste aus der Situation gemacht.»

Wie beurteilst du die Leistung des ISV-Teams am ISAF?

Waser: «Am ISAF haben die Innerschweizer einen starken Wettkampf gezeigt. Wir erlebten etliche Überraschungen wie beispielsweise den Sieg von Nano Durrer gegen Benjamin Gapany, oder den Triumph von Urs Riebli über Michael Bless. Das sind eindrückliche Momente und sie zeigen uns, dass in Zukunft mit den Nachwuchskräften zu rechnen ist.»

82 von 85 Innerschweizer Schwingern wurden bereits definitiv fürs ESAF in Pratteln selektioniert

Bild: schlussgang.ch

Frühe Selektionierung fürs ESAF

Verfolgt man mit der frühen Selektionierung einen bestimmten Grund?

Waser: «Ja. Unter den 82 fix Selektionierten sind solche Schwinger darunter, welche noch nicht ganz fit sind. Ihnen wird so bewusst Druck genommen. Die 15 provisorisch selektionierten Schwinger stehen da schon mehr unter Druck. Sie haben noch die Möglichkeit, sich für eine definitive Selektion aufzudrängen. Für uns stehen noch verschiedene Entscheidungen um das Festsetzen der letzten Startplätze an.»

Unter den 82 selektionierten Schwingern sind 33 Luzerner, 16 Schwyzer, 14 Ob-/Nidwaldner, 11 Zuger und 8 Urner. Nebst der zahlenmässigen Überlegenheit der Luzerner sind sie auch derjenige Kantonalverband, welcher am besten unterwegs ist. Die Schwyzer haben nach fetten Jahren ganz offensichtlich eine Baisse. Wie beurteilst du die Situation der Kantonalverbände? 

Waser: «Die Schwyzer verzeichneten nach dem ESAF in Zug gewichtige Rücktritte, dann kam die Corona-Pandemie und die schwere Verletzung von Michael Gwerder. Die Zuger mussten lange auf Pirmin Reichmuth verzichten und nun fehlt ihnen wegen Krankheit Noe van Messel. Bei den Urnern sorgt neuerdings Lukas Bissig für viel Freude. Lange Zeit waren die Schwyzer die Leader in der Innerschweiz, zur Abwechslung sind es nun die Luzerner. Potential ist überall vorhanden, und diese Schwinger werden in den nächsten Jahren zeigen, dass auch sie zur Spitze gehören.»

Der Urner Lukas Bissig machte in dieser Saison bisher viel Freude und gewann fünf Kränze

Bild: Luzerner Zeitung

Die Verletzungssituation und die Situation bei den Nachwuchsleuten

Auch in dieser Saison hatten die Innerschweizer bisher viel Verletzungspech. Wie beurteilst du die aktuelle Verletzungssituation?

Waser: «Momentan sieht es nicht so schlimm aus wie auch schon. Die Rückkehr von Pirmin Reichmuth ist sehr erfreulich. Die derzeitigen Verletzten laborieren meist an leichten Blessuren, welche keine längere Pause nach sich ziehen. Bei Reto Nötzli ist es eine Muskelverspannung, keine grosse Sache. Christian Schuler wird vermutlich auf dem Brünig wieder dabei sein. Mike Müllestein sollte bis zum Nordwestschweizer Schwingfest wieder fit sein. Matthias Herger ist wieder im Schwingtraining, er plant einen Start am Sörenberg-Schwinget. Die Rückkehr von Michael Gwerder ist noch offen. Er praktiziert zwar schon seit einiger Zeit das Schulschwingen. Michael wird am ESAF aber nur antreten, wenn er für eine Topleistung bereit ist.»

Mit Marc Lustenberger, Lukas Bissig, Ueli Rohrer und Jonas Burch ernten junge Athleten die Früchte der Nachwuchsarbeit. Bist du zufrieden mit dem eingeschlagenen Weg, dem Nachwuchskonzept und den Nachwuchsleuten? Wo gäbe es in deinen Augen noch Verbesserungspotential?

Waser: «Das grösste Verbesserungspotential liegt darin, dass die Jungen zusammen trainieren und harte Trainings absolvieren. Der ISV bietet entsprechende Trainings für den Nachwuchs und die Aktiven an. Es wurden zudem Trainingsgruppen innerhalb des Verbandsgebietes gebildet. Gut ist, wenn die Schwinger diese Trainings regelmässig besuchen. Denn nur so werden sie stärker. Ich bin ansonsten mit dem eingeschlagenen Weg hinsichtlich des Nachwuchses zufrieden. Wir sahen dies letztes Jahr bei der erfolgreichen Teilnahme am ENST.»

Joel Wicki (links) und Pirmin Reichmuth sind rechtzeitig zum ESAF hin wieder bereit für grosse Taten

Bild: Luzerner Zeitung

ESAF in Pratteln

Welche Ziele definierst du als Technische Leiter für das ESAF in Pratteln?

Waser: «Ein Ziel sind neue Eidgenossen, ein weiteres Ziel ist, dass jeder Kantonalverband Kränze holt. Und schliesslich ist es unser Ziel, um den Königstitel zu schwingen.»

Mit Joel Wicki und glücklicherweise wieder mit Pirmin Reichmuth verfügt das ISV-Team über zwei Team-Leader, welche nach schwierigen Zeiten wieder bereit sind für grosse Taten. Die Erleichterung im Team muss gross sein. Traust du beiden den Königstitel zu?

Waser: «Ja, ich traue beiden den Titel zu. Beide haben das Potential und sie haben bereits in Zug bewiesen, dass sie um die Krönigskrone schwingen können. Aber: Schlussendlich braucht es das ganze Team, um den Titel holen zu können.»

Wie schwörst du dein Team aufs «Eidgenössische» ein?

Waser: «Das findet innerhalb des Betreuerteams statt. Unsere Schwinger sind ansonsten eingeschworen genug. Wir bieten ihnen Hand bei der Vorbereitung und geben ihnen die Unterstützung, welche sie benötigen

Wie sieht die Vorbereitung der Innerschweizer bis zum ESAF aus?

Waser: «Bis zum ESAF finden alle zwei Wochen Trainingszusammenzüge statt, der letzte ist am 18. August. Am 4. August steht ein Termin mit den Medien auf dem Programm und am 13. August besuche ich mit meinem Team den Festplatz in Pratteln. Ich bin zuversichtlich, und ich traue meinen Akteuren auch etwas zu.»