Ehemalige Schwingergrössen: Rolf Klarer

Quelle: Schwingergestalten unserer Zeit IV (1992) / Bearbeitung: feldwaldwiesenblogger


Rolf Klarer ist am 17. Dezember 1968 geboren und schwang für den Schwingklub Basel

Mit Angriffsfreude schon viel erreicht
Auf seine «angriffige Schwingweise» führt Rolf Klarer die schönen Erfolge zurück, die er in regelmässigen Abständen immer wieder erreicht. «Bei jedem Schwingfest nehme ich mir vor, das Bestmögliche daraus zu machen, und das geht für mich nur mit Angriff», lässt er uns einen Blick in seine innere Kraftquelle tun. Auch die Vererbung ist mit im Spiel: Sein Vater, Hans Klarer, war ein bekannter Kranzschwinger, und bereits der Grossvater war aktiv.

1991: Sieg am Bundesfeier-Schwinget in Flüelen
Über den Sieg am Bundesfeier-Schwinget in Flüelen freut sich Rolf uneingeschränkt. Seine Schuld ist es nicht, dass der Schlussgang in Passivität erstarrte. Klarer befolgte auch in Flüelen seine Devise des draufgängerischen Kampfes und konnte vier Siege buchen. Bemerkenswert waren sein platter Wurf gegen Armin Thomi und der abschliessende Sieg über den Berner Hünen Johann Graf, der Rolf noch um elf Zentimeter überragt. Für die beiden Gestellten gegen Urs Schöni und Daniel von Euw gab es keine Punkteabzüge, was am Schluss mitentscheidend war für das Vordringen auf Platz eins.

Starke Leistung am «Eidgenössischen» 1989 in Stans
Vier Siege mit ebenso vielen Maximalnoten genügten ihm 1989 für einen Platz in der ersten Hälfte der eidgenössischen Kranzträger. Seine starke Leistung brachte ihm auch einen Gang gegen Eugen Hasler ein, den er allerdings verlor. Doch Rolf zeigt fast immer etwas, und so muss er sich kaum je Punkteabzüge gefallen lassen, die dann in der Endabrechnung schmerzlich fehlen. 1992, in Olten, stiess er auf Platz drei vor.

Intensives Training und vielseitiges technisches Rüstzeug
Die Saison 1991, wo er die Kantonalfeste der Aargauer und Solothurner gewann — beide Male gammte er im Schlussgang Daniel Siegrist — hat ihm natürlich auch dank dem krönenden Abschluss mächtig Auftrieb gegeben. Das intensive Training wird beibehalten; vier bis fünf Mal wöchentlich gibt er an. Das technische Rüstzeug ist vielseitig: Schlungg, Brienzer, Kurz beidseitig, Gammen und wenn’s sein muss Bodenarbeit gehören dazu.

Klarer liess schon als junger Schwinger aufhorchen
Der kecke Rolf hat übrigens schon als ganz junger Schwinger aufhorchen lassen. 1985 kam er am Baselstädtischen in den zweiten Rang. Er meisterte im Ausstich die Routiniers Paul Vollenweider und Hansruedi Zumstein. 1989 und 1992 gewann er dieses Fest. Auch beim Basellandschäfter Fest war er schon zweimal an der Spitze.
Seine ganze Einstellung erinnert etwas an Marcel Buser, den er denn auch als Lehrmeister nennt. Diverse unfallbedingte Rückschläge konnten Rolf bisher nicht aus dem Konzept bringen.

Nach dem ESAF in Basel (1977) mit Schwingen begonnen
Bereits mit acht Jahren, nach dem Eidgenössischen in Basel, packte ihn die Freude am Schwingen. Zwar hat er auch Freude an anderen Sportarten wie Handball und Fussball, doch das Schwingen bleibt im Mittelpunkt. Was das Leben sonst noch bringt, das will Rolf auf sich zukommen lassen. Sicher ist für ihn nur, dass er «etwas aus dem Leben machen will, was, das werde ich sehen». Mit gesunder und aktiver Lebensweise will er einiges dazu beitragen.

Zum Schwingsport im Allgemeinen meint Rolf:
«Es ist in meinem Leben ein ständiger Begleiter, hält den Körper in Form, man trifft Kollegen.»

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Ehemalige Schwingergrössen: Hans Loretz

Quelle: Schwingergestalten unserer Zeit II (1980) / Bearbeitung: feldwaldwiesenblogger


Hans Loretz ist am 15. April 1947 geboren und schwang für den Schwingklub Schattdorf

Schwinger und Holzspalter
Es ist schon ein Zufall, dass Hans Loretz zum Schwingen kam. Aufgewachsen wie sein sportliches Vorbild Walter Tresch im Skifahrerdorf Bristen, faszinierte ihn verständlicherweise das Skifahren mehr. «Noch heute zieht es mich sehr oft nach Hause zurück nach Bristen, wo meine Eltern einfache Bauern sind», berichtet er.

Erst mit 22 Jahren mit Schwingen begonnen
Er gilt denn auch als eigentlicher Spätzünder. Erst im Alter von 22 Jahren animierten ihn die Cousins seiner Frau Emmi, die beiden ehemaligen Aktivschwinger Bernhard und Beat Arnold, für den Zweikampf. Inzwischen auf die Sonnenterrasse des 500-Seelen-Dorfes Haldi ob Schattdorf umgezogen, sprang der Funke.

Gewinner von drei Eidgenössischen Kränzen
1973 schwang der über Bärenkräfte verfügende Sennenschwinger am Ob- und Nidwaldner Kantonalschwingfest obenaus. Diesen Erfolg wiederholte er nochmals 1974 und 1979. An grossen Anlässen wuchs Hans Loretz immer wieder über sich hinaus. Am Kilchberger Schwinget 1973 klassierte er sich als bester Innerschweizer im Rang 7a. 1972, 1974 und 1977 war ihm eidgenössisches Eichenlaub beschieden.

Sein grösster Triumph am Unspunnen-Schwinget 1976
Den dritten Platz hinter Ernest Schlaefli und Josef Burch am Unspunnen-Schwinget 1976 bezeichnet er als seinen grössten Triumph. Dem Unentschieden mit Robert Zingg folgten fünf Siege, unter anderem über Franz Schatt und Otto Seeholzer. Im Sägemehlring versucht Hans Loretz seine Gegner möglichst eng in den Griff zu bekommen. Was ihm mit seiner enormen Kraft meistens gelingt.

Spezialschwung selber entwickelt
Er bevorzugt Kurz, Kreuzgriff und Schlungg. Einen Spezialschwung, «Loretz-Spezial», hat er selbst entwickelt. Aus der Flanke heraus leert er seine Gegner übers Knie ab. Zu seinem Trainingsaufwand gehören pro Woche zwei Mal Schwingen im traditionsreichen Schwingklub Schattdorf, wo einst auch alt Obmann Hans Gisler seine Sporen abverdiente. Insbesondere die harten 15-Minuten Gänge mit zwei oder drei verschiedenen Gegnern gehören zu seinem Pflichtstoff.

Alle Berg- und Teilverbandskränze herausgeschwungen
Mit einem wöchentlichen Lauftraining wird die Kondition verstärkt. Der wortkarge Urner darf für sich in Anspruch nehmen, dass er als recht kranzsicher gilt. 38 Kränze hat er bis heute erobert. Nach seinem letztjährigen Ehrenplatz am Südwestschweizerischen Schwingfest besitzt er nun alle Berg- und Teilverbandskränze, einige in mehrfacher Ausführung. Sein Bestreben ist es nun, seine Karriere mit dem vierten eidgenössischen Kranz abzuschliessen.

Freizeitbeschäftigungen
Neben Jassen, Skifahren und Bergwandern zählt Holzen zu seiner Freizeitbeschäftigung. Mehrmals hat er an der Schweizermeisterschaft im Holzspalten schon Lorbeer geholt.

Auf die Frage, was ihm das Schwingen ganz allgemein bedeute, schrieb er kurz und prägnant: «Sehr grosse Freude».

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Ehemalige Schwingergrössen: Stefan Schlachter

Quelle: Schwingergestalten unserer Zeit III (1986) / Bearbeitung: feldwaldwiesenblogger


Stefan Schlachter ist am 1. Dezember 1964 geboren und schwang für den Schwingklub Fricktal

Mit dem 13. Kranz kam die Bestätigung
Es hat lange gedauert, bis Stefan Schlachter seinen überraschenden eidgenössischen Kranz von Langenthal bestätigen konnte. Für das Eidgenössische in Sitten hatte er kein besonders gutes Gefühl. Er hätte es schon als kleine Bestätigung empfunden, acht Gänge zu bestreiten. Als er sich knapp für den Kranzausstich qualifiziert hatte, drehte er auf. Im siebten Gang bezwang er Hans Nauer, so das für den achten noch etwas drin lag. Und es gelang ihm tatsächlich, den drahtigen Berner Oberländer Ueli Zumbrunn, einen «Eidgenossen» von 1980, mit Kreuzgriff und Kniestich zu fällen. Es war der 13. Kranz für den Fricktaler.

Eidgenössischer Kranz von 1983 ein Glücksfall?
Mit Ausnahme der beiden eidgenössischen Kränze und eines Lorbeers vom Südwestschweizerischen 1984, hat Stefan bisher alle Kränze in der Nordwestschweiz geholt. Sei es am Teilverbandsfest (3), am Aargauer (4), Baselstädtischen (2) oder am Basellandschäftler (1). Er sei schon hin und wieder ausgelacht worden, sein eidgenössischer Kranz von 1983 sei ein Glücksfall gewesen, berichtete er.

Nach dem zweiten «Glücksfall» weiterschwingen bis 1989
1984 habe ihn der Militärdienst (RS, UO und Abverdienen) etwas zurückgeworfen, das Jahr darauf ein Bänderriss am Knie. Jetzt, nach dem zweiten «Glücksfall», will Stefan auf alle Fälle weiterschwingen bis 1989.

Merkwürdiger Zusatzgang in Langenthal
In Langenthal, erinnert er sich, hiess sein Gegner im achten Gang Hansueli Niederhauser. Dieser versuchte einen Hüfter, Stefan fing ihn ab und gewann. Dann kam noch jener merkwürdige Zusatzgang gegen den Berner Oberländer Werner Amstutz. Stefan gibt zu, dass er nach seinem überraschenden Kranzgewinn nicht mehr wirklich motiviert in diesen Kampf stieg. Er sei schon mehr als zufrieden gewesen. Kein Wunder, dass er den Kampf verlor.

Stefan Schlachters Hauptwaffen im Zweikampf
Zweimal pro Woche findet im Schwingklub Fricktal ein Training statt. Kondition wird im Winter einmal gebüffelt, dazu noch jeder privat nach eigenem Programm. Schlachters Hauptwaffen im Zweikampf sind Kreuzgriff, Übersprung, Hüfter, Kurz links und rechts. Er ist auch Nationalturner und geht im Winter gerne Skifahren.

Vom älteren Bruder zum Schwingen animiert worden
Sein vier Jahre älterer Bruder Hubert hat ihn zum Schwingen animiert. Das war 1974. Dann waren da in Möhlin, einem 6000 Einwohner zählenden Ort mit viel Industrie, auch noch die früheren «Eidgenossen» Paul Soder und Paul Nussbaum.

Seit 1985 Betriebsleiter der Milchsammelstelle Möhlin
Der Bauernsohn Stefan Schlachter absolvierte eine Metzgerlehre, war einen Winter lang Akkordholzer und ist seit 1985 Betriebsleiter der Milchsammelstelle Möhlin. 37 Milchproduzenten liefern im Tagesdurchschnitt 7000 Liter Milch ab. Stefan hat drei Angestellte. Dem Vater und Bruder auf dem Bauernhof auszuhelfen, wenn er Zeit hat, betrachtet Stefan als Hobby.

Wie sieht Stefan Schlachter den Schwingsport?
Stefan meint dazu: «Schwingen ist ein gesunder und kameradschaftlicher Sport. Man ist nicht nur Gegner, sondern spricht noch miteinander.»

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Ehemalige Schwingergrössen: Roland und André Riedo

Quelle: Schwingergestalten unserer Zeit III (1986) / Bearbeitung: feldwaldwiesenblogger


André Riedo (links) ist am 11. Oktober 1965 geboren, Roland Riedo am 28. Dezember 1959. Beide schwangen für den Schwingklub Sense.

Seit Sitten sind beide «Eidgenossen»
Der schwingerische Funke hat wirklich gezündet im Kanton Freiburg. Seit dem Grosserfolg von Langenthal mit fünf eidgenössischen Kränzen sind Schwinger aus diesem Kanton immer wieder positiv in Erscheinung getreten. Sie zeigen, dass sie das Erbe Ernest Schlaefli‘s in Ehren halten und weiter pflegen. Ein Beispiel dafür liefern auch die Gebrüder Roland und Andre Riedo; André hat mit 18 Jahren begonnen, in der Westschweiz Kränze zu sammeln und zwei Jahre später, am Brünigschwinget 1986, bewiesen, dass er es auch ausserhalb der Romandie kann.

Der Kniestich als erfolgreiche Waffe
Roland ist seit 1983 eidgenössischer Kranzträger. Auf seinem Weg zum höchsten Kranz besiegte er auch den Bündner Urs Rettich, der am Schluss mit ihm zusammen im gleichen Kranzrang figurierte. Roland beherrscht den Kniestich am besten und schreibt selbstkritisch, er kenne viele Schwünge, doch seien sie leider nicht ausgefeilt. Er ist ferner der Ansicht, dass es dem Freiburger Verband trotz des Aufwärtstrends immer noch an Selbstvertrauen fehle: «Dies könnte man als Übel unseres Verbandes bezeichnen.»

Kranzfestsieg 1981 am Walliser Kantonalen
Als Kranzfestsieger ging Roland 1981 am Walliser Kantonalen hervor. 1982 erreichte er am Westschweizerischen nach Siegen über Ueli Stucki und Ruedi Suter — ein ausserordentlich schweres Pensum! — den Schlussgang, wo er Bernard Moret nach neun Minuten unterlag.

Intensiveres Training in Jahren mit Eidgenössischem Fest
Das Training wird in Jahren mit Eidgenössischem Fest intensiviert, was für beide Früchte trug. Das beginnt bereits im Herbst des Vorjahres, mit einem zusätzlichen dritten Schwingertraining pro Woche. Dazu kommt Krafttraining sowie Langlauf im Winter und Velofahren im Sommer. Auch Fussball und Lauftraining halten den Sensler fit. In seinem Klub übt er das Amt des Technischen Leiters aus, «weil man nicht nur nehmen, sondern auch geben soll.»

Sicherheitsbeamter bei der Swissair
Mit Dankbarkeit und Freude hat er im Sommer 1984 die nicht ungefährliche berufliche Aufgabe wahrgenommen, für einige Zeit als Sicherheitsbeamter der Swissair einen Teil der Welt kennenzulernen. Die Flüge führten nach Amerika, in verschiedene afrikanische Länder, nach Pakistan und Saudiarabien. Ursprünglich hatte Roland den Beruf des Landwirts gelernt; auch heute noch arbeitet er auf dem elterlichen Hof mit.

Ein spezielles Hobby
Er hat ein Hobby, das wir erstmals bei den Schwingern begegneten: Er ist Mitglied der Theatergesellschaft Plaffeien, macht also beim Volkstheater mit. Auch einen Jass klopft er gerne. Für das Schwingen begann er sich mit 12 Jahren zu interessieren. Der damalige Präsident des Schwingklubs Sense, Arnold Fasel, war ihm ein Förderer, ebenso wie später Hans Fasel. Schwingerisch eifert er dem unvergessenen Techniker Marcel Buser nach.

Mit dem eidgenössischen Kranz 1983 das grösste Ziel erreicht
Eine Scharte hat Roland noch auszuwetzen: Er will unbedingt an einem Kranzfest in der Deutschschweiz reüssieren. Gelegenheiten hatte er schon mehrere, doch verfehlte er das Ziel immer wieder im letzten Gang; so an den Berner Kantonalen 1981 und 1984, auf der Rigi, am Innerschweizerischen 1985 sowie auf dem Brünig 1983 und auch 1986 wieder (im Gegensatz zu Bruder André). Doch Roland kann sagen: «Mit dem eidgenössischen Kranz von 1983 ist mein grösstes Ziel erreicht.»

Schwingen ist kein Spiel mehr, sondern Spitzensport
Bemerkenswert noch seine Ausführungen zum Schwingen allgemein: «Leider ist das Schwingen heute kein Spiel mehr, sondern Spitzensport. Ein Trainingsaufwand von bis zu zehn Stunden pro Woche ist gegenüber Familie und Beruf fast nicht mehr tragbar. Doch will man an der Spitze der Ranglisten figurieren, ist er notwendig.»

Bedeutung des Schwingens
Zur Bedeutung des Schwingens allgemein hält der Freund in- und ausländischer Volksmusik sowie alter Schlager fest:
«Körperliche Ertüchtigung, Kameradschaft, Förderung des Brauchtums. Durch das Schwingen habe ich viele frohe Stunden erleben dürfen.»

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Ehemalige Schwingergrössen: Lothar Herrsche

Quelle: Schwingergestalten unserer Zeit III (1986) / Bearbeitung: feldwaldwiesenblogger


Lothar Herrsche ist am 19. Mai 1960 geboren, und schwang für den Schwingklub Rheintal-Oberland

Den Abstand zu Schläpfer verkleinern
Der Sieg am Nordostschweizerischen Schwingfest 1985 und das Erreichen des Schlussgangs am Kilchberger Schwinget 1984 haben Lothar Herrsche gutgetan. Er hat sich jetzt das Ziel gesteckt, den Abstand zu Ernst Schläpfer noch mehr zu verringern. Lothar weiss, dass Ernst der härteste und strengste Massstab ist, den er sich setzen kann. Er weiss aber auch, dass solche Vorsätze ein wichtiger Ansporn sein können.

Eine vielseitige und ausgefeilte Technik
Lothars Hauptwaffe ist eine vielseitige und ausgefeilte Technik. Es sind weniger die klassischen Schwünge wie Kurz und Hüfter als die vertrackteren wie Brienzer, Hochschwung, Souplesse und Bodenarbeit, die ihm Erfolge bringen.
Herrsche ist zweifacher Schweizermeister im Ringen und hat drei eidgenössische Kränze im Nationalturnen geholt. Dieser Erfahrungsschatz hat auch seine Schwingerlaufbahn befruchtet und umgekehrt. Von Verletzungen ist der durchtrainierte Bursche bis jetzt verschont geblieben.

Schwingen und Ringen
Schwingen und Ringen füllen seine ganze Freizeit. Das Training ist ausserordentlich intensiv und umfasst im Sommer viermal anderthalb Stunden Technik und Kraft sowie täglich Vitaparcours. Im Winter ist Herrsche auch beim Ringklub Kriessern dabei, aus dem der Olympiamedaillengewinner Hugo Dietsche hervorgegangen ist, der nach einigen Rückschlägen noch weitere Anläufe in Richtung Edelmetall unternahm und an den Europameisterschaften 1986 in Griechenland — wieder Bronze — eine glanzvolle Bestätigung erbrachte.
Mit der Ringernationalmannschaft war Herrsche des Öftern auf Reisen in Europa und Übersee.

Schwingen ist Willenssache und vom Trainingsfleiss abhängig
Radfahren hilft ihm, die Kondition zu verbessern. «Gut essen» ist ein Hobby, das vorläufig noch etwas zu kurz kommt. Lothar hat als Knabe eine Erfahrung gemacht, die er mit einigen erfolgreichen Schwingern teilt: «Schulkollegen nahmen mich zum Schwingertraining mit. Wobei ich damals gegen alle verlor. Heute zieht keiner von ihnen mehr Schwinghosen an.» Gerade für einen nicht mit einer riesenhaften Statur ausgestatteten Jüngling ist Schwingen eben in starkem Masse Willenssache und vom Trainingsfleiss abhängig.

Triumph am Nordostschweizerischen Schwingfest 1985
Besonders gefreut hat den Ostschweizer, dass er nur zwei Wochen nach dem Stoosschwinget, der ihm missriet und keinen Lorbeer eintrug, seinen Triumph am Nordostschweizerischen feiern konnte. Der Weg zum Sieg führte unter anderem über die starken Gäste Franz Käslin und Johann Santschi. Zum Schlussgang durfte dann überraschend der 38-jährige Armin Meier mit Herrsche antreten. «Ich habe ihn nicht unterschätzt,» berichtete Lothar, «denn seine Routine hätte ihn durchaus zu guten Gegenschwüngen befähigen können. Doch schliesslich konnte ich meinen Spezial, den Hochschwung, anbringen.»

Am Kilchberger Schwinget 1984 im Schlussgang
Vordere Plätze gab es für Lothar ausserhalb des eigenen Verbandsgebiets unter anderem am Innerschweizerischen 1985 (3.), am Brünig 1984 (4.) und am Nordwestschweizerischen 1984 (5.). Am Kilchberger lieferte er Schläpfer im Schlussgang eine offene und kämpferische Partie und brachte ihn sogar an den Rand der Niederlage. Nach acht Minuten gewann dann Schläpfer mit Linkskurz.
In Sitten erreichte Lothar Herrsche trotz einer im fünften Gang zugezogenen Verletzung, dank seinem eisernen Willen, im Rang 9g den zweiten Eidgenössischen Kranz.

Zukunftsaussichten
Wie es weitergeht, da mag er sich noch nicht festlegen. Herrsche möchte sich im Beruf — er ist bei einer grossen Firma angestellt, die Küchen und Innenausstattungen fabriziert — noch weiterbilden und sein Haus in Montlingen umbauen. Ob sich das mit einem weiterhin so harten Training kombinieren lässt, vermag er heute nicht zu entscheiden. Herrsche, ältester Sohn eines Landwirts mit neun Schwestern (sie konnten ihn nicht unterkriegen) und einem noch kleinen Brüderchen, meint:
«Das Schwingen bedeutet mir viel. Bis jetzt habe ich aus Überzeugung den Beruf zurückgestellt. Doch in Zukunft werde ich dem Beruflichen mehr Bedeutung zumessen müssen.»

feldwaldwiesenblogger

Rückblick Woche 11: Absagen in Zeiten des Coronavirus

Text: feldwaldwiesenblogger

In Zeiten des Coronavirus hagelt es nur so von Absagen. Fast alle in nächster Zeit geplanten Schwingfeste wurden vorsorglich abgesagt oder verschoben. Ebenfalls abgesagt wurde die Abgeordnetenversammlung (AV) des Eidgenössischen Schwingerverbandes (ESV).
Das Coming-Out von Curdin Orlik beherrschte vergangene Woche neben dem Coronavirus die schwingerischen Schlagzeilen.
Irgendwann wird ja bestimmt wieder geschwungen. Dieser Tage präsentierten die Organisatoren vom Schwyzer Kantonalen in Muotathal den dritten Lebendpreis.

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Am Berchtold-Schwinget anfangs Jahr konnte noch ungehindert geschwungen werden
Bild: feldwaldwiesenblogger

Bisher 18 Schwingfeste abgesagt oder verschoben
Wie der SCHLUSSGANG heute auf seiner Homepage berichtet, wurden bisher 18 Schwingfeste entweder ganz abgesagt oder verschoben. Dazu zählen Anlässe von Aktiven und Jungschwingern. Sie alle fallen dem grasierenden Coronavirus zum Opfer.
Bekannt ist, dass die nächsten Anlässe wie der Hallenschwinget Colombier (15. März) verschoben, und die Hallenschwingfeste in Thun (22. März) sowie in Engelberg und Aigle (beide am 28. März) abgesagt wurden. Die Organisatoren vom Frühjahrsschwinget Oberarth und Hallenschwinget Brunegg (beide am 29. März) wollen mit einer Entscheidung noch zuwarten. Denn: Stand heute Freitagvormittag, 13. März gilt ein vom Bundesrat verhängtes Veranstaltungsverbot für Anlässe mit 1’000 und mehr Personen bis 15. März. Es ist aber davon auszugehen, dass in den kommenden Stunden noch drastischere Massnahmen verkündet werden. Wie und wann wieder geschwungen werden kann, steht derzeit in den Sternen. Natürlich stehen die Gesundheit der Akteure und der Zuschauer an erster Stelle. Zudem gilt es, den Anweisungen der Behörden Folge zu leisten. Es ist aber auch von Vorteil, wenn man sich eine gesunde Portion Optimismus beibehält.

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Die Abgeordnetenversammlung fand 2017 in Marin-Epagnier NE statt
Bild: feldwaldwiesenblogger

Absage der ESV-AV
Nebst diversen Schwingfestabsagen wurde vorsorglich auch die ESV-Abgeordnetenversammlung von diesem Wochenende abgesagt. Wortwörtlich schreibt Geschäftsstellenleiter Rolf Gasser auf der ESV-Seite: «Die Mitglieder des Abgeordnetenbüros und des Zentralvorstandes haben in Zusammenarbeit mit dem Organisationskomitee der Abgeordnetenversammlung 2020 und einem Telefongespräch mit der Regierung des Kantons Baselland entschieden, die Abgeordnetenversammlung vom 14./15. März 2020 in Pratteln abzusagen.»
Wann die doch in allen Belangen wichtige AV, das sogenannte Schwingerparlament, nachgeholt wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht bekannt. Stünden doch beispielsweise richtungsweisende personelle Änderungen mit der Wahl eines neuen Obmannes oder des neuen Technischen Leiters an.

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Curdin Orlik wurde in Zug zum Eidgenossen gekrönt
Bild: curdinorlik.ch

Coming-Out von Curdin Orlik
Wie eingangs erwähnt, beherrschte das Coming-Out von Curdin Orlik nebst dem Coronavirus diese Woche die Schlagzeilen. Dieser Schritt war für den Bündner ganz sicher kein einfacher, und verdient darum grössten Respekt. Gerade in der Welt des Schwingsportes war es bis anhin undenkbar, dass ein Schwinger zu seiner Homosexualität steht.
Curdin’s Offenheit und Mut hat sicher die meisten überrascht, da es ganz allgemein im Spitzensport noch immer ein weit verbreitetes Tabuthema ist.
Ich hoffe für den Neueidgenossen, dass von ihm eine Last abgefallen ist, und er nun befreiter auftreten kann. Der Berner Spitzenschwinger steht nun inmitten seiner Karriere, und er möchte nur eines: Seine Leidenschaft Schwingen weiterhin mit viel Freude leben.

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Gabenchef Peter Betschart, Spender Werner Heinzer und der Eigentümer des Rindes Manfred Betschart
Bild: Pascal Betschart, Medienchef Schwyzer Kantonales 2020

Vorfreude aufs Schwyzer Kantonale in Muotathal
Dieser Tage stellten die Organisatoren des Schwyzer Kantonalen Schwing- und Älplerfestes, welches am 17. (eventuell 21.) Mai in Muotathal über die Bühne gehen soll, den dritten Lebendpreis vor. Es handelt sich dabei um das Rind Belona. Das schöne Tier, geboren am 15. Januar 2018, gehört der Rasse Braun Swiss an. Eigentümer dieses Prachtsrindes ist Manfred Betschart (Obereggeli 2, Muotathal). Spender des Rindes Belona ist Werner Heinzer (Muotathal).
Die Anmeldungen der Schwinger sind zudem bereits erfolgt. Riskiert man einen Blick auf diese Liste, erkennt man unschwer, dass in Muotathal eine starke Besetzung am Start sein wird. Insgesamt werden etwa 250 Schwinger erwartet. Bisher haben sich 13 Eidgenossen angemeldet, beste Voraussetzungen für ein spannendes Schwingfest.
Der Vorverkauf für die begehrten Tickets startet am kommenden Montag, 16. März. Weitere Infos findet man unter www.schwyzer2020.ch

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Zu Guter Letzt:
Wir wollen in Zeiten des Coronavirus dennoch optimistisch und mutig in die Zukunft blicken. Irgendwann wird garantiert wieder geschwungen. Bis es aber so weit ist, muss die aktuelle Krisenlage überstanden sein. Ich denke, es ist nicht verkehrt, wenn man sich momentan schöne Bilder oder Videos von vergangenen Schwingfesten ansieht.


Ein jubelnder Christian Stucki: Er ist soeben Schwingerkönig geworden!
Bild: Aargauer Zeitung


Stoos-Schwinget 2018: Schlussgang zwischen Lario Kramer und Marcel Bieri


Samuel Giger bodigt 2018 auf der Schwägalp Christian Stucki

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Der 47. Grosse Hallenschwinget Sarnen wird in diesem Jahr wegen dem Coronavirus nicht durchgeführt

Text: OK-Hallenschwinget Sarnen und Vorstand der Schwingersektion Sarnen / Bearbeitung und Bild: feldwaldwiesenblogger

An einer außerordentlichen OK-Sitzung vom Freitag, 28.2.2020 wurde der Mehrheitsentscheid gefällt, wegen der aktuellen Ereignisse betreffend Coronavirus und des daraus resultierenden Veranstaltungsverbots, welches durch den Bundesrat erlassen wurde, den 47. Grossen Hallenschwinget in Sarnen in diesem Jahr nicht durchzuführen.


Am Hallenschwinget Sarnen sind jeweils mehr als 1’000 Personen anwesend

Vorbereitungen standen in der Endphase
Die Vorbereitungen für den 47. Grossen Hallenschwinget in Sarnen vom 8. März 2020 standen wie jedes Jahr so kurz vor dem Fest schon in der Endphase. Mit dem Veranstaltungsverbot, welches der Bundesrat gestern Freitag erlassen hat, änderte sich aber leider die Ausgangslage für die Durchführung dieses Schwingfests schlagartig.

Total mehr als 1’000 Personen anwesend
Total sind an diesem Anlass normalerweise mehr als 1‘000 Personen anwesend, was das Schwingfest im Moment in die Kategorie der verbotenen Veranstaltungen fallen lässt. Nach zahlreichen Telefonaten, Diskussionen und der Prüfung anderer Varianten, hat sich das Organisationskomitee des Hallenschwingets schweren Herzens dazu entschieden, den Anlass abzusagen.

Dicht gedrängter Terminkalender
Da der Terminkalender im Schwingsport sonst schon sehr gedrängt ist und kein geeignetes Verschiebedatum zur Verfügung stand, verzichtet die Schwingersektion Sarnen in diesem Jahr komplett auf die Durchführung des Hallenschwingets.

Beitrag zur Eindämmung der Krankheit
Der einzige positive Aspekt aus der Absage ist, dass keine Schwinger, Besucher, Funktionäre und Helfer der Gefahr einer Infektion mit dem Coronavirus an unserem Anlass ausgesetzt werden und wir so unseren Beitrag zur Eindämmung der Krankheit liefern.

Finanzieller Schaden
Durch die Absage entsteht der Schwingersektion Sarnen leider ein finanzieller Schaden. Uns bleibt aber nichts anderes als zu hoffen, dass unsere Gönner, Gabenspender, Inserenten und Helfer uns trotzdem oder gerade deshalb auch im nächsten Jahr wieder unterstützen werden.

Wir danken euch Schwingfans und Schwingern für euer Verständnis und würden uns sehr freuen, euch an der nächstjährigen Ausgabe am 14. März 2021 wieder zahlreich am Grossen Hallenschwinget in Sarnen begrüssen zu dürfen.

feldwaldwiesenblogger