Nach dem Rücktritt: Sieben Fragen an Marcel Mathis, Lutz Scheuber und Stefan Gasser

Text und Fotos: feldwaldwiesenblogger

Letzten Sonntag traten die beiden Nidwaldner Marcel Mathis, Lutz Scheuber sowie der Obwaldner Stefan Gasser am Allweg zu ihrem letzten Schwingfest der Karriere an. Entsprechend stimmungsvoll verlief der Schwinget, erst recht hinterher die bestens organisierte und emotionale Verabschiedung. Ich berichtete auf dem «Schwinger-Blog» bereits darüber, und stellte auch ein Video online, wo Marcel, Lutz und Stefan ihre Schwingerhosen an den berühmten Nagel hängten.
Zur Erinnerung: Die drei Athleten schlossen ihre Karriere mit Spitzenplätzen ab. Sieger wurde bekanntlich Marcel Mathis, auf Platz zwei folgte Lutz Scheuber und Stefan Gasser belegte Rang 3g.
Den heutigen Beitrag widme ich den drei Zurückgetretenen, bei welchem ich sie mit den gleichen sieben Fragen konfrontierte.


Marcel Mathis
Der Nidwaldner gewann in seiner Karriere 56 Kränze (unter anderem drei Eidgenössische Kränze) und feierte drei Kranzfestsiege

Wie hast du dich beim letzten Schwingfest deiner Karriere gefühlt?
«Ich fühlte mich ähnlich wie bei anderen Schwingfesten. Die Emotionen sind erst nach dem letzten Gang hochgekommen. Im Hinterkopf hatte ich natürlich schon, dass es das letzte Schwingfest ist. Ich war bei jedem Schwingfest leicht nervös, das war am Allweg auch nicht anders.»

Was waren deine Beweggründe zurückzutreten?
«Das sind in erster Linie zeitliche Gründe. Zudem wollte ich den grossen Trainingsaufwand nicht mehr auf mich nehmen. Ich schwinge nun seit 22 Jahren und blieb dabei vor grösseren Verletzungen verschont. So musste ich mich nie einer Operation unterziehen. Dafür bin ich sehr dankbar. Kleinere Zerrungen oder Verletzungen muss man in Kauf nehmen. Schwingen ist halt ein rauer Sport, da muss man topfit sein.»

Was sind rückblickend deine Karrierehöhepunkte?
«Das sind der Sieg am ersten Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag 2006, die drei Eidgenössischen Kränze und der Sieg am Innerschweizerischen Schwing- und Äplerfest 2017 in Alpnach.»

Was waren in deiner langen Schwingerkarriere die grössten Enttäuschungen?
«Ich hatte eigentlich keine Enttäuschungen zu verzeichnen.»

Hast du während deiner Karriere Veränderungen im Schwingsport wahrgenommen?
«Im sportlichen Bereich, was das Schwingen anbelangt, habe ich keine Veränderungen wahrgenommen. Der Rummel um den Schwingsport ist aber in dieser Zeit viel grösser geworden.»

Was wünscht du dir für den Schwingsport im Allgemeinen?
«Dass der Schwingsport so bodenständig und fair bleibt wie er ist.»

In welcher Funktion wird man dich in Zukunft auf den Schwingplätzen antreffen?
«Das weiss ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Ich ziehe mich nun ein wenig zurück. Dabei mache mir Gedanken darüber, in welcher Form ich mich sehe und werde dann sicher in absehbarer Zeit in irgendeiner Funktion auf den Schwingplätzen anzutreffen sein.»


Lutz Scheuber
Der Nidwaldner gewann in seiner Karriere 35 Kränze (unter anderem ein Eidgenössischer Kranz) und feierte einen Kranzfestsieg

Wie hast du dich beim letzten Schwingfest deiner Karriere gefühlt?
«Es war nicht wirklich anders als bei anderen Schwingfesten und ich versuchte mich wie üblich zu fokussieren. Während dem letzten Gang hatte ich schon im Hinterkopf, dass nachher fertig ist. Aber wirklich extrem war es nicht, da ich mich schon vorher damit auseinandergesetzt habe.»

Was waren deine Beweggründe zurückzutreten?
«Der Hauptgrund ist der zeitliche Aufwand. Ich habe mich nicht gegen den Schwingsport, sondern für meine Familie entschieden. Zudem: Im Schwingsport gibt es halt nicht verschiedene Ligen. Entweder schwingt man stets mit der letzten Konsequenz, oder eben nicht.»

Was sind rückblickend deine Karrierehöhepunkte?
«Dazu gehört der Kranzfestsieg am Urner Kantonalen 2016. Weiter die beiden Siege am Allweg und natürlich der Eidgenössische Kranz in Zug.»

Was waren in deiner langen Schwingerkarriere die grössten Enttäuschungen?
«Eine Enttäuschung war sicher das berühmte Vierteli, welches an zwei Eidgenössischen Schwing- und Älplerfesten für den Kranzgewinn gefehlt hat (Burgdorf 2013 und Estavayer 2016). Daran ist man aber auch gewachsen. Es war eine Enttäuschung, und doch nicht.»

Hast du während deiner Karriere Veränderungen im Schwingsport wahrgenommen?
«Ja, definitiv. Ganz allgemein ist die Nachfrage nach dem Schwingsport grösser geworden. Zudem hat die Popularität immens zugenommen. Die Art des Trainings ist polysportiver geworden. Ich selber habe mein Training polysportiver ausgerichtet. So ging ich während dem Winter mit den Kunstturnern trainieren und bekam dabei viele neue Impulse. Es wurden andere Reize gesetzt und ich erfuhr eine Abwechslung, welche nicht geschadet hat.»

Was wünscht du dir für den Schwingsport im Allgemeinen?
«Dass der Schwingsport so bleibt wie er ist. Dass er populär bleibt und keinen Rücklauf erfährt. Und natürlich: Dass er interessant und fair bleibt.»

In welcher Funktion wird man dich in Zukunft auf den Schwingplätzen antreffen?
«Das weiss ich jetzt noch nicht. Ich habe immer gesagt, dass ich dem Schwingsport nicht den Rücken kehren werde. Während etwa einem Jahr möchte ich noch kein Amt übernehmen. Ich werde aber sicher einzelne Trainings geben. Ich lasse es auf mich zukommen, und schaue, was sich dabei ergibt. Als Zuschauer werde ich sicher an Schwingfesten anzutreffen sein.»


Stefan Gasser
Der Obwaldner gewann in seiner Karriere 37 Kränze und feierte zwei Kranzfestsiege

Wie hast du dich beim letzten Schwingfest deiner Karriere gefühlt?
«Ich empfand gemischte Gefühle und ein bisschen Wehmut war auch dabei. Ich durfte auf dem Allweg einen schönen Karriereabschluss erleben.»

Was waren deine Beweggründe zurückzutreten?
«Der Gesundheitsaspekt gab den Ausschlag für den Rücktritt, und mein Körper machte nicht mehr so mit. Schliesslich bin ich mit 33 Jahren in einem Alter, wo mein Körper immer mehr Erholung braucht, und ich dadurch nicht mehr so viel trainieren kann.»

Was sind rückblickend deine Karrierehöhepunkte?
«Das sind die beiden Brünig-Kränze und die Kranzfestsiege am Urner (2010) und am Ob- und Nidwaldner Kantonalen (2015).»

Was waren in deiner langen Schwingerkarriere die grössten Enttäuschungen?
«Der verpasste Eidgenössische Kranz und die Verletzungen im Allgemeinen. Dazu gehört auch die Schulterverletzung, welche ich während der Saison 2017 erlitt. Das zog eine Operation nach sich, und in der Folge musste ich 2017 abbrechen sowie die ganze 2018er-Saison auslassen. Diese Saison habe ich nochmals ein Comeback gegeben.»

Hast du während deiner Karriere Veränderungen im Schwingsport wahrgenommen?
«Der Schwingsport ist immer populärer geworden, das spürt man vor allem an Eidgenössischen Schwingfesten. Zudem ist der Schwingsport immer intensiver geworden. Das merkt man auch daran, dass gewisse Schwinger nicht mehr zu 100 Prozent einer Arbeit nach gehen und dadurch mehr Zeit für das Training und die Erholung haben.»

Was wünscht du dir für den Schwingsport im Allgemeinen?
«Dass der Schwingsport ein Amateursport bleibt und man nicht davon leben kann. Und: Dass es keine Zweiklassen-Gesellschaft geben wird, wo plötzlich einige davon leben könnten, währenddessen die anderen 100 Prozent arbeiten müssen.»

In welcher Funktion wird man dich in Zukunft auf den Schwingplätzen antreffen?
«Jetzt erst mal als Zuschauer. Es ist schön, wenn etwas Ruhe einkehrt und sich das Ganze etwas setzen kann. Ich werde sicher irgendwann mal ein Amt in einem Vorstand übernehmen. Als Technischen Leiter sehe ich mich aber nicht.»

Ich bedanke mich bei Marcel, Lutz und Stefan für die interessanten und offenen Antworten. Den drei zurückgetretenen Schwingern wünsche ich für die Zukunft alles Gute und beste Gesundheit!

feldwaldwiesenblogger

Auf an den Siebner Herbstschwingertag!

Am Sonntag 22. September ist es soweit, der Schwingklub March–Höfe (SKMH) führt zum 82. Mal den traditionellen Herbstschwingertag in Siebnen durch.

Text und Fotos: Hansruedi Ulrich (Pressechef SKMH) / Bearbeitung: feldwaldwiesenblogger

Nach einer spannenden, turbulenten und mit vielen Überraschungen gespickten Schwingsaison, in welcher es einige neue Festsieger und mit dem Berner Christian Stucki einen neuen Schwingerkönig gab, bilden nun die traditionellen Herbstschwingertage den Abschluss. Die Saison der Sägemehlathleten geht nun langsam aber sicher zu Ende und mit dem vom SKMH organisierten 82. Herbstschwingertag Siebnen findet ein letzter grosser Leckerbissen der Sägemehlzunft statt. Die Vorbereitungen dazu laufen auf Hochtouren und das bewährte Organisationskomitee unter der Leitung von OK-Präsident Benno Züger wird wie jedes Jahr alles daransetzen, damit sich Schwinger wie Festbesucher in Siebnen wohl fühlen werden.


Muni «Leopold» mit Spender Michael Casati (links) und Besitzer Bernhard Mächler

Ideales Festgelände
Das Areal der Mittelpunktschule (MPS) Siebnen ist ein idealer Standort, um ein Schwingfest durchzuführen. Ein schöner übersichtlicher Schwingplatz, Tribünenplätze und ein grosser bestuhlter Hartplatz, von wo man bequem die Schwingerarbeit übersehen kann. Sollte das Wetter nicht mitspielen, findet man im grossen Festzelt beim Schwingplatz, oder in der Turnhalle des MPS genügend trockene Sitzmöglichkeiten.
Fürs leibliche Wohl der Zuschauerinnen und Zuschauer wird die mit viel Einsatz und Aufmerksamkeit geführte Festwirtschaft unter der Leitung von Philipp Düggelin sorgen. Sei es mit der bewährten Berner Platte zum Mittagessen in der Turnhalle, oder verschiedensten Grilladen auf dem Festplatz. Mit Sicherheit werden alle eine Möglichkeit finden, sich zu verköstigen.
Wie immer wird den Besuchern mit Treichlern, Alphornbläser, Fahnenschwingern und Jodelklängen willkommene folkloristische Unterhaltung angeboten. Ab 16 Uhr wird in der Turnhalle Ländlermusik zu hören sein. Es spielen das Urgestein Hans Oetiker am Bass und seine Musikanten auf. Auch die vergrösserte «Hosenlupfbar» steht wieder bereit, um für einen gelungenen Ausklang der Saison zu sorgen.
Während des Herbstschwingertages wird durch die Initiative von einigen begeisterten Steinstössern wieder ein Wettkampf mit einem 20 und einem 45 Kilogramm schweren Stein durchgeführt.


Rind «Leonie» mit Spender Ralf Schmid (links) und Besitzer Michael Ruoss

Muni «Leopold» sticht heraus
Dem versierten Gabenchef Michael Gemperli und seinen fleissigen Mitsammlern ist es wiederum gelungen, einen prächtigen Gabentempel für die Schwinger auf die Beine zu stellen. Allem voran stehen die drei Lebendpreise. Der Siegermuni «Leopold» wurde von der Whirlpoolcenter Zürichsee GmbH (Michael Casati, Reichenburg) gespendet. Weiter das Rind «Leonie», gespendet vom Baugeschäft Gebrüder Schmid (Ralf Schmid, Schübelbach). Schliesslich das Kalb «Clelia», gespendet von der Firma Hegner Kanalreinigung AG (Rolf Hegner, Tuggen). Zudem wird der Gabentempel mit vielen anderen schönen Gaben bestückt. Der Schwingklub March-Höfe bedankt sich bei allen Spendern herzlich.


Kalb «Clelia» mit Besitzer Marcel Oberlin (links) und Spender Rolf Hegner

Hochkarätiges Teilnehmerfeld
Wie immer wird auch das Teilnehmerfeld hochkarätig sein. Derzeit sind rund 120 Schwinger aus dem Innerschweizer-, Nordostschweizer- und dem Nordwestschweizer Verbandsgebiet gemeldet. Die Athleten werden versuchen, die Saison mit einem guten Ergebnis abzuschliessen.
Aktuell sind sieben Eidgenossen gemeldet. Dazu gehören die Gastschwinger Patrick Räbmatter und Stefan Burkhalter. Weiter die Schwyzer Mike Müllestein, Andreas Ulrich, Alex Schuler, der frisch gebackene Eidgenosse Michael Gwerder, sowie der einheimische Reto Nötzli. Diese Spitzenschwinger werden den Kampf um den Festsieg wohl unter sich ausmachen. Aber auch die fast 50 weiteren Kranzschwinger werden mit Sicherheit versuchen, nochmals kräftig zuzupacken, um den Zuschauern ein schwingerischer Leckerbissen zu bereiten.
Der Beginn ist auf 08.30 Uhr angesetzt, ein Verschiebedatum ist nicht eingeplant. Ab 06.00 Uhr kann man sich am Festtag auf der Klub-Homepage oder der Nummer 1600 über die Durchführung des Festes informieren.
Es bleibt zu hoffen, dass OK-Präsident Benno Züger auch dieses Jahr wieder einen guten Draht zu Petrus findet. Der SKMH würde sich freuen, möglichst viele Besucher in Siebnen begrüssen zu können.

feldwaldwiesenblogger

Vorschau auf den 84. Allweg-Schwinget

Text und Foto: Beat Christen (Medienchef Allweg-Schwinget) / Bearbeitung: feldwaldwiesenblogger

Am kommenden Sonntag (8. September) steht der 84. Allweg-Schwinget auf dem Programm, sofern das Wetter mitmacht. Das Verschiebedatum wurde auf den Samstag, 14. September angesetzt.

«Enila» für den Sieger vom Allweg-Schwinget
Die Vorbereitungen für das 84. Kräftemessen auf der Allweg-Kuppe laufen auf Hochtouren. Gäste sind in diesem Jahr Schwinger aus dem Berner- und Nordwestschweizer Verband. Zusammen mit den Vertretern des Innerschweizerischen Schwingerverbandes erwartet das Organisationskomitee unter der Leitung von Werner Durrer etwa 120 Schwinger. Gekämpft wird um das Rind «Enila».
Das Fest steht in diesem Jahr nur zwei Wochen nach dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest unter ganz besonderer Beobachtung, werden doch die einen oder anderen Neueidgenossen auf dem Allweg erwartet. «Es ist unser Bestreben», so OK-Präsident Werner Durrer, «dass wir auch in diesem Jahr den Schwingfans ein Teilnehmerfeld präsentieren können, das für attraktiven Schwingsport sorgen wird.»

Sechs Eidgenossen am Start
Bisher haben sich sechs Eidgenossen für den Wettkampf auf dem Allweg eingeschrieben. Nämlich Marcel Mathis, Mike Müllestein, Benji von Ah, Sven Schurtenberger sowie die Neueidgenossen Lutz Scheuber und Martin Zimmermann. Weiter sind mit Stefan Arnold, Roger Bürli, Reto Fankhauser, Stefan Gasser, Dario Gwerder, Thomas Hurschler, Marco Lussi, Christian Odermatt, Noe van Messel und Remo Vogel starke Berg- und Teilverbandskranzer am Start. Sie alle sind gewillt, nach einer langen und kräftezehrenden Saison nochmals alles zu geben und das Publikum mit attraktivem Schwingsport zu verwöhnen. Zu den bisher gemeldeten Athleten wird sicher noch der eine oder andere Spitzenschwinger hinzukommen.
Der letztjährige Sieger Sven Schurtenberger ist wie bereits erwähnt auch am Start. Der Luzerner bodigte damals im Schlussgang den Schwyzer Mike Müllestein, und wies schliesslich sechs Siege auf seinem Konto auf.


Züchter und Besitzer Jakob Niederberger, Lebendpreisspender Sepp Niederberger und Allweg OK-Präsident Werner Durrer besuchten bei regnerischem Wetter das trächtige Rind «Enila» auf der Alp Rindertitlis oberhalb von Trübsee

Die Recytec AG spendet den Siegerpreis
Der Sieger vom diesjährigen Allweg-Schwinget wird stolzer Besitzer vom trächtigen Rind «Enila», welches am 29. Juni 2017 geboren wurde. Züchter und Besitzer des Siegerpreises ist der ehemalige elffache Kranzschwinger Jakob Niederberger, welcher die Liegenschaft «Ober Lätten» in Dallenwil bewirtschaftet.
Spender des trächtigen Tieres ist die Recytec AG aus Beckenried, Inhaber der Firma ist Sepp Niederberger. Das Unternehmen mit seinen 20 Mitarbeitenden ist in der Aufbereitung von verschiedenen Materialien wie Kehrichtverbrennungsasche (Schlacke), aber auch Bauschutt und Kies tätig. Die Recytec AG ist in der ganzen Schweiz, aber auch im Ausland, unterwegs. Das Unternehmen aus Beckenried sorgt dafür, dass die verschiedenen Abfallprodukte nach der Wiederaufbereitung wieder in den natürlichen Kreislauf der Natur zurückgegeben werden können. Firmeninhaber Sepp Niederberger ist in Schwingerkreisen kein Unbekannter. Als aktiver Schwinger gewann er im Jahre 2000 den Urner-Kranz. Nach seiner Aktivzeit war er als Kampfrichter im Einsatz. Aber auch der Schwinger-Nachwuchs liegt ihm am Herzen. So war er während mehreren Jahren als Jungschwingerbetreuer bei der Schwingersektion Nidwalden tätig.

Rücktritt von drei arrivierten Ob- und Nidwaldner Schwinger
Am kommenden Sonntag werden die beiden Eidgenossen Marcel Mathis und Lutz Scheuber sowie der Kranzfestsieger Stefan Gasser am Allweg-Schwinget ihren letzten Wettkampf bestreiten und die Zwilchhosen hinterher an den berühmten Nagel hängen. Mit diesen drei Spitzenschwingern wird der Ob- und Nidwaldner Kantonalverband drei arrivierte Kräfte verlieren, welche über Jahre das Schwinggeschehen an der Innerschweizer Spitze mitprägten.

Festprogramm
Um 08.30 Uhr wird angeschwungen, die Mittagspause ist für 12.00 bis 13.30 Uhr geplant. Um 17.45 Uhr erfolgt die Rangverkündigung. Der Allweg-Schwinget ist auch auf dem Internet vertreten, weitere Informationen können ab der Homepage entnommen werden.

feldwaldwiesenblogger

Fast wie ein Märchen: Thomas Inniger’s überraschender Kranzgewinn am «Eidgenössischen»

Text: feldwaldwiesenblogger

Thomas Inniger darf sich seit vergangenem Sonntag Eidgenössischer Kranzschwinger nennen! Mit diesem überraschenden Erfolg hätten wohl nur die wenigsten gerechnet. Er zeichnete sich aber dank einer starken Saison ab. Der Berner Oberländer gewann diese Saison drei Gauverbands-Kränze, nämlich am Bern-Jurassichen, Seeländischen und Oberländischen Schwingfest. Und quasi als Nagelprobe kam am Bernisch Kantonalen in Münsingen der erste Teilverbandskranz hinzu. Dann schlugen die Stunden von Thomas: In Zug wuchs er vor allem am Sonntag förmlich über sich hinaus, gewann insgesamt fünfmal und bodigte dabei die beiden Eidgenossen Raphael Zwyssig und Michael Bless. Der verdiente Lohn ist Rang 9b mit 75.25 Punkten und der erste Eidgenössische Kranz.
Wer aber ist Thomas Inniger? Im folgenden Beitrag versuche ich den jungen Adelbodner etwas besser kennen zu lernen. Nur so viel vorweg: Es mutet fast wie ein Märchen an, nach einer dreijährigen Verletzungs-Odyssee.


Überglücklich durfte Thomas Inniger den Eidgenössischen Kranz in Empfang nehmen
Bild: Thomas Inniger

Mitglied bei der Schwingersektion Adelboden
Das Geburtsdatum von Thomas, welcher aus Adelboden stammt, ist der 9. Mai 1997. Der 22-Jährige wohnt derzeit in Diemtigen, ist ledig und weist mit seiner Grösse (180 Zentimeter) und seinem Gewicht (103 Kilogramm) athletische Masse für den Schwingsport auf. Der frisch gebackene «Eidgenosse» absolvierte eine Ausbildung zum Heizungs-Installateur, später eine Weiterbildung zum Heizungsplaner und arbeitet momentan auf diesem Beruf in Adelboden. Die Zeit, die nebst der Arbeit und dem Schwingsport übrigbleibt, nimmt er sich für seine Freundin und für das Biken.
Der Sennenschwinger ist Mitglied bei der Schwingersektion Adelboden, welche dem Oberländischen Schwingerverband angehört. Da die Schwingersektion Adelboden nur über vier Aktive verfügt, trainieren sie zusammen mit den Schwingklubs Reichenbach, Frutigen und Aeschi. Thomas gehört zudem einer Trainingsgruppe mit Berner Oberländer Schwingern an.
Im Winter wird sechs- bis siebenmal pro Woche trainiert, wovon zwei bis drei Schwingtrainings und der Rest aus Kraft- und Konditionseinheiten besteht. Während der Saison trainiert der Heizungsplaner viermal: Zwei Schwingtrainings und zwei Kraft- und Konditionseinheiten stehen dann auf dem Programm.

Der zehnte Kranzgewinn ist zugleich der erste Eidgenössische Kranz
Das am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest gewonnene Eichenlaub ist Kranz Nummer zehn für Thomas, und stellt sein bisheriges Karrieren-Highlight dar. Nebst den eingangs erwähnten Saisonkränzen holte sich Thomas letztes Jahr am Schwarzsee den ersten Bergkranz und gewann bisher insgesamt sieben Gauverbands-Kränze. Sehr wichtig ist für ihn der Kranz 2018 am Mittelländischen Schwingfest, welchen er nach drei Jahren Verletzungspause erreichen konnte. Diesen Erfolg stuft er gleich nach dem Gewinn des Eidgenössischen Kranzes ein. Weitere schöne Erfolg sind der diesjährige Sieg am Engstlig-Schwinget ob Adelboden, die Schlussgangteilnahmen am Engstlig-Schwinget 2014 und am Rellerialp-Schwinget 2018.
Die bevorzugten Schwünge sind der Kurz, Wyberhaken und der Fussstich. Der Sennenschwinger schwingt seit 2004 und gewann als Jungschwinger 147 Zweige und errang etwas mehr als 70 Siege.
Zum Schwingsport kam der Adelbodner durch seinen Vater: «Mein Vater nahm mich als Siebenjähriger an ein Training vom Schwingklub Adelboden mit, und es hat mich von Anfang an gepackt. Mein Vater hatte früher auch geschwungen, musste seine Karriere aber wegen Verletzungen früh beenden. Während meinen Jungschwingerjahren schwang ich zusammen mit sieben Cousins von mir, diese sind heute aber nicht mehr aktiv.»


Thomas bezwang im alles entscheidenden achten Gang Michael Bless
Bild: Yves Brechbühler

Herzliche Gratulation zum Eidgenössischen Kranz! Was für Gedanken begleiteten dich bei der Krönung?
«Das ist schwierig in Worte zu fassen, und ich habe den Kranzgewinn noch nicht ganz realisiert. Während der Krönung empfand ich einfach nur pure Freude und ich war überglücklich, diesen Moment erleben zu dürfen.»

Hast du vorgängig je mit diesem Kranzgewinn gerechnet?
«Wenn man nicht daran glaubt, muss man nicht ans Eidgenössische. Ich rechnete nicht unbedingt damit, aber ich habe daran geglaubt, dass es funktionieren könnte.»

Mit zwei bezwungenen Eidgenossen bist du förmlich über dich hinausgewachsen. Wie kommt das?
«Am Sonntag bin ich tatsächlich über mich hinausgewachsen. Am Samstag lief es weniger gut. Ich wusste am Sonntag, dass ich jetzt muss. Es zeigte mir dabei, dass es aufgeht, wenn man daran glaubt.»

Wie lief der für dich alles entscheidende achte Gang ab?
«Von dem Moment an, als die Paarung bekannt war, befand ich mich im Tunnel. Ich wusste, dass ich ihn nehmen muss. Ich legte mir meine Taktik zurecht, und es ging für mich auf. Ich konnte Michael Bless mit einem Kurz bezwingen. Ein anderes Mal klappt’s vielleicht nicht, diesmal war das Glück aber auf meiner Seite.»

Was für ein persönliches Fazit ziehst du vom Eidgenössischen Schwingfest?
«Dass vieles möglich ist, wenn man daran glaubt und die Tagesform stimmt. Wir Athleten erlebten ein toporganisiertes Fest und der Berner Staff machte für uns alles. Es war ein wunderschönes ESAF. Mein erstes Eidgenössisches samt Kranzgewinn wird mir immer in bester Erinnerung bleiben.»


Am diesjährigen Engstlig-Schwinget ob Adelboden schwang Thomas obenaus
Bild: Thomas Inniger

Du hast deinen ersten Kranz 2014 gewonnen, den Zweiten letztes Jahr. Was ist in dieser langen Zeitspanne passiert?
«Ich musste in dieser Zeit etliche Operationen über mich ergehen lassen, eine jagte quasi die andere. Der Ausgangspunkt war vor einigen Jahren ein Bike-Unfall, dabei wurde mir ein Knorpel an einem Knie abgesprengt. Beim Schwingen sprengte es wegen diverser Schläge noch mehr Knorpel ab, und zwar links wie rechts. Meine beiden Knie mussten gesamthaft achtmal operiert werden, fünfmal am linken und dreimal am rechten Knie. 2015 und 2016 bestritt ich je ein Kranzfest, musste aber beide Male wieder abbrechen, da meine Knie den Belastungen nicht standhielten. 2017 bestritt ich gar kein Fest.»

Rücktritt war nie ein Thema?
«Eine Zeit lang ging man davon aus, dass es nicht mehr geht, und ein Rücktritt unumgänglich ist. Als ich im Herbst 2017 wieder das Schwingtraining aufnahm, stellte ich zu meiner Erleichterung fest, dass meine Knie den Belastungen standhielten. In dieser Zeit kam die Hoffnung zurück, dass meine Karriere weitergeht.»

Woran hast du dich in dieser Zeit geklammert?
«2012 habe ich auf ein Blatt Papier geschrieben, dass ich 2019 den Eidgenössischen Kranz gewinnen werde. Ich habe immer daran geglaubt, und wollte dies unbedingt schaffen. Vorher wäre ich nicht zufrieden gewesen.»

Wie würdest du deine Schwingweise bezeichnen?
«Lange galt für mich: Entweder – oder, und ich nahm volles Risiko. Nach den Knieproblemen habe ich meine Schwingweise etwas umgestellt. Deswegen und auch aufgrund meiner Körpergrösse entwickelte ich mich zu einem Konterschwinger. Ich schwinge aber auch offensiv, wenn es sein muss.»

2014: Erster Kranz, 2018: Erster Bergkranz, 2019: Erster Teilverbands- und Erster Eidgenössischer Kranz. 2020: Erster Kranzfestsieg?
Thomas lacht. «Diese Woche habe ich mir überlegt, was ich nächstes Jahr will, denn mein langersehntes Ziel mit dem Eidgenössischen Kranz habe ich nun erreicht. Ich werde aber in der Winterpause schon etwas finden, was mich auch nächstes Jahr motiviert. Ein Kranzfestsieg im Bernbiet mit den vielen Spitzenschwingern und dem breiten Mittelfeld ist sicher hochgegriffen. Das wird hart.»

An welchen Rangschwingfesten wird man dich 2019 noch antreffen?
«Eventuell am Chemihütte-Schwinget in Aeschiried. Ich lege bis Ende Oktober eine Trainingspause ein. Anfangs November beginne ich den Aufbau mit Kraft- und Konditionstraining sowie mit Schulschwingen.»

feldwaldwiesenblogger

Beobachtet: Die Gänge von Schwingerkönig Christian Stucki und vom Erstgekrönten Joel Wicki

Text: feldwaldwiesenblogger

Das wunderbare Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Zug ist bereits wieder Geschichte. Als Innerschweizer mag ich nicht mit unserem Schicksal hadern, und nehme es so sportlich wie der Erstgekrönte Joel Wicki. Hut ab vor dem Mann aus Sörenberg, wie sich dieser hinterher fair, dankbar und glücklich zeigte.
Klar ist auch: Der neue Schwingerkönig Christian Stucki hat den Titel nicht gestohlen. Man blicke nur auf sein Notenblatt, und staune einfach nur.
Deshalb würdige ich diesen Beitrag den beiden besten Schwingern an diesem ESAF, und schaue auf deren Gänge zurück. Denn diese habe ich vor Ort live beobachtet, zusammengefasst und auf den Schwinger-Blog gestellt.


Schwingerkönig Christian Stucki und der Erstgekrönte Joel Wicki werden geschultert
Bild: suedostschweiz.ch

1. Gang
Wicki Joel – Aeschbacher Matthias: Wicki kommt im ersten Zug mit einem wuchtig gezogenen Kurz zu einem Plattwurf. Die Arena tobt!

Reichmuth Pirmin – Stucki Christian: Auch in diesem Gang ist Pep drin. Stucki legt Reichmuth nach kurzer Gangdauer mit einem hoch gezogenen Kurz platt ins Sägemehl. Stucki ist heiss und hungrig, und avanciert zu einem Topfavoriten auf den Königstitel.

2. Gang
Stucki Christian – Bieri Christoph: Stucki versucht sich mit Kurz, beim dritten Anlauf kommt er durch, und kann Bieri zum Resultat überdrehen. Stucki ist auf Kurs.

Anderegg Simon – Wicki Joel: Wicki kommt zu seinem zweiten Sieg. Beim zweiten Kurzversuch bringt er Anderegg zu Boden und kann dort vervollständigen. Auch der Sörenberger ist auf Kurs.

3. Gang
Stucki Christian – Suppiger Werner: Man darf gespannt sein, wie der Verteidigungskünstler Suppiger sich gegen den Seeländer Hünen verhält. Erst geht‘s für den Luzerner gut, bis Stucki zu einem wuchtigen Kurzzug ansetzt und Suppiger platt bezwingt. Dabei staucht es Suppiger derart zusammen, dass er erst liegen bleibt und gepflegt werden muss. Er kann schliesslich selber aus der Arena laufen.

Wicki Joel – Lengacher Jonas: Wicki kommt im ersten Zug mit einem wuchtigen Kurz zu einem Plattwurf und zu seinem dritten Sieg. Stark!

4. Gang
Bei der WC-Pause zwischen dem dritten und vierten Gang traf man vor dem stillen Örtchen Hausi Leutenegger an. Zu seinen Kollegen sagte er ziemlich laut, damit man es ja vernahm: „Dr Wicki nimmt hüt alli, au dr Stucki!“

Herger Matthias – Stucki Christian: Auf’s Gut legt Stucki gleich los und beim zweiten Zusammengreifen zieht der Berner wuchtig Kurz und legt den Urner platt ins Sägemehl. Was für ein starker Tag von Stucki!

Schneider Domenic – Wicki Joel: Wicki kommt im ersten Zug zu seinem vierten Sieg. Mittels einem wuchtig gezogenen Kurz legt der Luzerner den Thurgauer platt ins Sägemehl. Was für ein Ding! In der Arena wird’s kurzzeitig ziemlich laut.


Schwingerkönig Christian Stucki mit dem Siegermuni Kolin
Bild: zentralplus.ch

5. Gang
Stucki Christian – Wicki Joel: Der Grössenunterschied ist schon markant. Wer bei diesem Kampf wohl die Oberhand behält? Stucki zieht einmal mit Kurz an, Wicki kann dagegen halten. Beide Schwinger greifen sehr eng, und lassen seinem Gegner keine Chance. Schliesslich zieht Wicki ebenfalls mit Kurz, auch Stucki hält dagegen. Stucki zieht wieder und bringt Wicki zu Boden – noch kein Resultat. Wicki versucht sich mit Kurz und Innerem Haken und kann den Seeländer Hünen ins Sägemehl bugsieren – auch ohne Resultat. Der Gang kennt dennoch keinen Sieger – gestellt. Beiden Schwingern wird eine 9.00 geschrieben. Dieser Kampf hat sicher beide Athleten viel Kraft gekostet.

6. Gang
Wicki Joel – Bless Michael: Wicki zieht mit Kurz blitzschnell und wuchtig an und leert Bless übers Knie ab. Was für eine Schnellkraft des Sörenbergers!

Stucki Christian – Orlik Armon: Erst wird belauert. Stucki versucht sich dann mit Kurz, kommt aber nicht durch. Stucki probiert’s mit Fussstich, Orlik versucht nachzuziehen – erfolglos. Da wirken Riesenkräfte, hier Stucki mit seiner Rohkraft, da Orlik mit seiner tollen Athletik. Wer findet einen Weg? Oder versucht Orlik, wie Wicki, mit einem „Gestellten“ durchzukommen? Stucki versucht nochmals einen halbherzigen Angriff, Orlik belässt’s mit der Verteidigung. Der Gang endet schliesslich gestellt. Stucki erhält eine 9.00, Orlik die Note 8.75. Kann Stucki den Schlussgang trotzdem erreichen?

7. Gang
Stucki Christian – Schneider Domenic: Stucki greift sofort an, bringt Schneider mit einem Kurz ins Sägemehl und bearbeitet ihn dort zur endgültigen Kapitulation. Der Gang Orlik Armon – Schurtenberger Sven wird entscheiden, ob Christian Stucki den Einzug in den Schlussgang schafft.

Wicki Joel – Orlik Curdin: Wicki zieht mit Kurz an, und Orlik schlunggt am Boden ab – gefährlich. Der Sörenberger versucht’s wieder mit Kurz und kommt wieder nicht durch. Schliesslich bringt Wicki Orlik mit Übersprung zu Boden, das war’s aber noch nicht. Wicki versucht’s erneut, und bettet den Berner Schwinger mit einem satten Kurz ins Sägemehl – der Luzerner erhält dafür die Note 10 und steht im Schlussgang.

Fazit nach dem siebten Gang: Im Schlussgang stehen Joel Wicki und Christian Stucki. Da Wicki mit 1.25 Punkten vorausliegt, ist er jetzt schon mindestens Erstgekrönter.


Der Erstgekrönte Joel Wicki mit seinem Lebendpreis
Bild: blick.ch

Schlussgang
Christian Stucki bezwingt im Schlussgang beim zweiten Zusammengreifen Joel Wicki mit einem kräftigen Kurzzug und wird Schwingerkönig – Herzliche Gratulation!
Da Wicki zuvor einen grossen Vorsprung hatte, kommt er in der Endabrechnung auf gleich viele Punkte wie Stucki und darf sich von nun an Erstgekrönter nennen – Auch an seine Adresse: Herzliche Gratulation!

Mein Fazit – gleich nach dem Eidgenössischen
Dass es schon wieder keinen Innerschweizer König gibt, grenzt irgendwie an Ironie. Zudem gemahnt der Erstgekrönte Joel Wicki an die Tragik von Eugen Hasler, einfach mit anderen Vorzeichen.
Ein schönes Fest fand aber mit einem würdigen Schwingerkönig Christian Stucki einen märchenmässigen Abschluss. Chrigu steigt nun gewissermassen zu Jörg Abderhalden auf, und hat wie der Toggenburger auch den „Schwinger-Grand-Slam“ geschafft. Stark!
Bei Eidgenössischen Schwingfesten werden Legenden geboren, so auch heute! Mit einem lachenden, aber auch weinenden Auge (ich bin ja schliesslich Innerschweizer) mache ich mich nun auf den Heimweg. Tschüss und schönen Abend!

feldwaldwiesenblogger

Vorfreude auf’s ESAF: Gedanken zu drei Stichpunkten

Text: feldwaldwiesenblogger

Heute wird in Zug das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) feierlich eröffnet. Zig-Tausend Besucher strömen heute schon an den Ort des Geschehens, um einen ersten Eindruck zu erhalten, zu feiern und ihr Nachtlager aufzuschlagen.
Meine Wenigkeit freut sich zusammen mit der Schwinger-Schweiz auf den Anlass, und hat sich unter der Woche Gedanken zu drei Stichpunkten gemacht: «Die Spitzenpaarungen», «Wer wird Schwingerkönig?» und «Was für Überraschungen erwarten uns?».


Samuel Feller, Chef-Einteiler am «Eidgenössischen»
Bild: Radio Central

Die Spitzenpaarungen
Am Mittwochabend, Punkt 22 Uhr, wurden die von Samuel Feller (ESV-TK-Chef) erstellten Spitzenpaarungen bekanntgegeben. Was darüber inzwischen geschrieben, diskutiert und «gewerweisst» wurde, ist unglaublich. Wenn man gewisse Medien aufmerksam verfolgt hatte, bekam man das Gefühl, dass der Schwingerkönig-Titel bereits im ersten Gang «gemacht» wird. Dabei gibt es etliche Beispiele, mit Jörg Abderhalden ein sehr prominentes, wo der erste Gang verloren ging und der Titel dennoch geholt wurde.
Samuel Feller wurde zudem unterstellt, dass er als Berner mit der «Berner Brille» die Spitzenpaarungen einteilte und die Einteilung ab dem zweiten Gang auch dementsprechend anführen wird. Wie wäre das, wenn der Chef-Einteiler aus der Nordwest- oder Südwestschweiz kommen würde? Wäre diesem gar das Prädikat «gekauft von den Bernern» angeheftet worden?
Desweiteren wird Thedy Waser (TK-Chef der Innerschweizer) nachgesagt, dass er ein lieber Kerl ist, und als der schwächste und am wenigsten durchsetzbare Mann in der Einteilung gilt. Wirklich? Wieso haben ihn dann die Innnerschweizer Verantwortlichen in dieses Amt gewählt? Nein, nein, «überhöht» mal bloss nicht die Einteilung und deren Mitglieder. Geschwungen wird auf dem Platz, und ein würdiger Schwingerkönig und ein würdiger Kranzgewinner muss seine Gegner bodigen, mögen sie heissen wie sie wollen.


Joel Wicki, einer der Königskandidaten
Bild: joelwicki.ch

Wer wird Schwingerkönig?
Diese Frage ist natürlich schwierig zu beantworten. Wenn man aber auf einen Schwinger aus dem Sextett Samuel Giger, Pirmin Reichmuth, Joel Wicki, Armon Orlik, Matthias Aeschbacher und Christian Stucki tippt, wird man wohl kaum gross daneben liegen. Wenn ich heute einen Königs-Tipp abgeben müsste, würde ich einfach auf die «Fantastischen Vier» mit Giger, Reichmuth, Wicki und Orlik setzen. Zuletzt habe ich auch bei einigen Experten rausgespürt, dass sie viel auf einen König Wicki setzen würden. Wenn der mal in einen Lauf gerät, wie beispielsweise anfangs Juni auf dem Stoos – dann Gnade seiner Konkurrenz. Ähnliches würde ich auch von Samuel Giger behaupten, welcher an zwei guten Tagen einfach keinen Gegner fürchten muss. Aber: Wenn Pirmin Reichmuth so schwingt wie zu seinen allerbesten Tagen in diesem Jahr, dann ist auch gegen ihn kein Kraut gewachsen. Oder: Ein topfitter Armon Orlik schwingt alles in Grund und Boden. Und dann? Möglich ist je nach Konstellation, dass zwei aus diesem Quartett im Schlussgang stehen, sich gegenseitig geschickt neutralisieren und miteinander stellen. Die Frage wäre dann, wer hätte am Schluss die meisten Punkte auf seinem Konto: Einer, welcher im Schlussgang stand, oder ein Schwinger, welcher nachrücken könnte? Das Resultat wäre dann ein «Erstgekrönter» und keine Vergabe des Schwingerkönig-Titels. Mit diesem Szenario muss man bei der Ausgeglichenheit der Spitzenleute tatsächlich rechnen. Hoffen tut dies keiner. Denn: Wie soll man das den ESAF-Zuschauern verklickern, welche sonst nie an einem Schwingfest anzutreffen sind?
Die Berner will ich natürlich nicht vergessen, ebenfalls Nick Alpiger nicht. Ein weiteres Mal beginne ich den Satz mit «wenn»: Wenn ein Stucki inzwischen seine Topform gefunden hat, oder Matthias Aeschbacher seinem Vornamen alle Ehre tut (die Schwingerkönige von 2016 und 2013 heissen «Matthias»), dann gibt es ein weiteres Mal einen Berner Schwingerkönig. Nichts ist unmöglich, ebenso bei einem gesunden Nick Alpiger. Wie dieser am «Innerschweizerischen» auftrat, und sich den Sieg im wohl derzeit besten Teilverband gewann, ist auch ein Kandidat für die Königskrone.


Sorgt Michael Wiget für die ganz grosse Überraschung?
Bild: Michael Wiget

Was für Überraschungen erwarten uns?
Ich sehe aber auch ganz gefährliche Überraschungsleute. Allen voran der Aufsteiger des Jahres, Michael Wiget, welcher diese Saison schon so manchen Eidgenossen ins Sägemehl gebettet hat. Aber auch Fabian Staudenmann ist so ein Kandidat. Über ihn habe ich schon gehört, dass er auftrete wie seinerzeit der junge Kilian Wenger. Weiter darf man die beiden Nordwestschweizer Talente Joel Strebel und Andreas Döbeli nicht vergessen. Hier gilt aber anzufügen, dass bisherige Schwingerkönige meist aus einem starken Teilverband hervorgingen, welche als Einheit auftraten.
Spinnt man aber das Szenario vom obigen Abschnitt weiter, und geht davon aus, dass sich die Topleute gegenseitige «Gestellte» anhängen, dann könnte letztendlich einer der Überraschungsleute im Schlussgang stehen – Und die Überraschung wäre perfekt.
Überraschungen dürfte es einige geben, auch «saftige». Die Einstellung und Vorbereitung auf den Tag «X» ist enorm wichtig. Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest ist für die Schwinger wie Olympische Spiele. Und auch an diesen erleben wir immer wieder Überraschungen. Es wird Schwinger geben, die werden richtiggehend über sich hinauswachsen. Andere sind nicht wieder zu erkennen.
Der Verlauf am ESAF könnte beispielsweise überraschende Wendungen annehmen. Wenn etwa die etwas gar gebeutelt betitelten Berner sich in einen Rausch schwingen, und die Innerschweizer und Nordostschweizer einfach keine Antwort darauf finden. Möglich ist auch ein Hin- und Herwogen zwischen den drei besten Teilverbänden.
Man kann es drehen und wenden, wie man will: Geschwungen wird in den sieben Sägemehlringen – Einteilung, Diskussionen und Brimborium hin oder her. Zu hoffen ist einfach, dass am Sonntagabend ein würdiger Schwingerkönig ausgerufen werden kann.

feldwaldwiesenblogger

Die Schwyzer Schwinger sind bereit für das «Eidgenössische»

Text: Pascal Betschart / Foto: Marcel Steinauer / Bearbeitung: feldwaldwiesenblogger

Am letzten Freitag hat das letzte Schwingtraining im Aussenplatz in Rothenthurm stattgefunden. Die Schwyzer Schwinger sind nun bereit für den grossen Event. Dabei übten sie nochmals ihre Schwünge und führten auch rege Diskussionen über das bevorstehende Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) in Zug.


Die Schwyzer Schwinger beim letzten Training vor dem «Eidgenössischen»

Ziele sind klar
«Die Ziele sind klar, auch wir streben den Schwingerkönigtitel an», war in Rothenthurm zu vernehmen. Es wurden jedoch auch einige Stimmen laut, welche dies anzweifeln. Und weiter: «Wollen wir den Schwingerkönigtitel in die Innerschweiz holen, muss der Innerschweizerische Schwingerverband (ISV) gemeinsam und als Team gestärkt in Zug antreten.»
Der Schwyzer Kantonale Schwingerverband wünscht den Schwyzer Schwingern alles Gute für das Eidgenössische, und hofft auf viele Kränze.
Der Schreibende ist selber Schwyzer, und schliesst sich den guten Wünschen an.

feldwaldwiesenblogger