Soll Donald Trump neuer Präsident der USA werden? – Ruth Aschilier ist entschieden dagegen.

Wie kürzlich in einem Blogbeitrag angesprochen, können wir Schweizer bei den Präsidentschaftswahlen in den USA nicht mittun. Es sei denn, wir sind Doppelbürger. Trotzdem interessiert uns hierzulande diese richtungsweisende Wahl auch. Da ich kürzlich angefragt wurde, ob ich nicht darüber schreiben möchte, begann ich mich noch mehr dafür zu interessieren.
Auf einen Input hin stelle ich eine einfache Frage: „Soll Donald Trump neuer Präsident der USA werden?“. Da ich kein grosser Kenner der USA bin, befragte ich dazu einen Befürworter und fand letzte Woche eine Gegnerin. Beide kennen die Vereinigten Staaten ausgezeichnet, waren schon mehrmals dort oder lebten sogar einige Zeit in den USA.
Beide konfrontierte ich mit zehn Diskussionspunkten.

Heute starte ich mit der Gegnerin: Ruth Aschilier. In einem kurzen Steckbrief stellt sie sich gleich selber vor.

Steckbrief von Ruth Aschilier
Geburtsdatum: 15. Juli 1954
Wohnort: Kloten; von 1995 bis 1996 Bradenton (Florida/USA), danach lebte ich bis 2001 zur Hälfte hier und zur Hälfte in den USA. Meine Tochter und meine drei Enkel leben seit 1995 in Tampa (Florida).
Beruf: Dipl. Coach and Consultant, Produktionsleiterin
Hobbys: Lesen, Reisen, Tanzen, Fotografieren, Leben…
Politischer Hintergrund: Mein Grossvater Fritz Widrig war Schul- und Kantonsrat im Kanton St. Gallen; ich selbst bin parteilos.
Meinung zur USA: Es ist nicht alles Gold was glänzt, weder hier noch drüben. Ein Land das unterschiedlicher nicht sein könnte. Meine Lieblingsstadt ist „The Big Apple“ New York. Sie ist genauso kein Massstab für die USA wie Zürich für die Schweiz. Hierzulande werden mehr Ferien und Rechte für die Arbeitnehmer gefordert. Wenigstens gibt es seit „ObamaCare“ eine Krankenkasse für alle, und nicht nur für solche die einen Job haben. Die Armut wird genauso versteckt wie hier. Das Schulsystem samt der angebotenen Ernährung ist eine absolute Katastrophe.

Ruth Aschilier liess mir ihre Sichtweise zu Trump schriftlich zukommen. Dafür bedanke ich mich bei ihr.

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Ruth Aschilier, die entschieden gegen Trump als neuen US-Präsidenten ist
Bildquelle: Ruth Aschilier

Punkt 1: Soll Donald Trump wirklich US-Präsident werden?
Nie und nimmer. Sonst gute Nacht! God bless America and the rest of the world.

Punkt 2: Hat Präsidentschafts-Kandidat Donald Trump eigentlich ein politisches Programm?
Er hatte noch nie ein politisches Amt inne. Wie soll er da ein politisches Programm haben? Mehr als Firma um Firma an die Wand fahren, dabei genüsslich Milliardär werden und Ehefrauen wechseln wie Unterwäsche: Zählt das als Vorgabe für ein Programm?

Wenn jedoch Narzissmus, Sexismus, Rassismus, Hass, Diktatoren-Gewäsch und mit Lügen gespickte Showauftritte als solches gelten, dann hat er ein perfektes Programm. Die Verblendeten hängen an seinem Geifer.

Eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Sollte ihm und seinesgleichen das geistig sehr stark unterbelichtete Gehabe zum programmlosen Sieg verhelfen, wird endlich die Aussage dass „80 Prozent der Amerikaner dümmer als ihre Füsse sind“ in den Geschichtsbüchern seinen ehrenvollen Platz gleich neben seinem Bildnis finden. Und er kann nach seinem Ableben auf ewig Halleluja singen und triumphieren.

Punkt 3: Trump will eine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen lassen. Meint er das ernst oder ist das bloss Wahlkampf?
Seine Grundhaltung ist dermassen erbärmlich und menschenverachtend, dass ich ihm das durchaus zutraue. Da gibt es ja genügend Vorbilder und Befürworter, auch hierzulande, welche ihm bei diesem Meisterwerk liebend gerne zu Hand gehen würden.

Punkt 4: Ist Trump bloss ein genialer Showman oder hat er wirklich das Zeug zum US-Präsidenten?
Das ist eine Witzfrage, oder? Klar! Wenn das Weisse Haus zur Showbühne für selbstdarstellende Künste erklärt wird, dann gibt es keinen besseren Hauptdarsteller als Mister Trump und seine Angetraute. Ich hoffe für uns alle, dass wir die One-Man-Show nicht lange ertragen müssen, und das Stück wegen anbiedernder Langweiligkeit abgesetzt werden muss.

Punkt 5: Trumps Rhetorik ist oft ziemlich derb, manchmal spricht er wie ein Hassprediger. Wo ist die Grenze des Erträglichen?
Er ist ein Hassprediger!!! Schimpft auf alles und jeden! Setzt sich als Prophet in Szene und lebt genau das Gegenteil von dem was er von sich gibt. Und seine Anhänger lassen sich blenden von seinen Showauftritten. Ich kann da nur sagen: Umso grösser die Masse, umso mehr sinkt der Verstand. Die geistig unterbelichtete Masse jubelt ihm selbst dann zu, wenn er behinderte Menschen erniedrigt. Die Blutlinie zu Hitler ist unverkennbar. Unerträglich!!! Ekelerregend!!! Genauso zettelt man Kriege an!
Wenigstens dafür gebührt ihm ein Dank!

Punkt 6: Kann Trump jemals seine Wahlversprechen einlösen?
Welches Versprechen? Wenn ein Bürgerkrieg innerhalb der USA gemeint ist, ist die Lunte gezündet!

Punkt 7: Hat Trump bloss das ehrgeizige Ziel „US-Präsident“ vor Augen? Verliert er nach seiner Wahl schon bald das Interesse und tritt nach kurzer Zeit zurück?
Er will noch viel mehr! Der Welt zeigen, wer der alleinige Machthaber auf Gottes Erden ist. Er wird sich im Oval-Office wie eine Herde wildgewordener Elefanten aufführen. Er wird keine Wildtier-Dompteure auch nur in seine Nähe lassen. Ausser vielleicht seinen „Herr Grosskotz“ Sohn, der sich als Grosswildjäger in Afrika schon mit Trophäen von geschützten Wildtieren ablichten liess. Sind Profilierungsneurosen eigentlich erblich?
Mister Trump wird alles zerstören was Obama geschaffen hat. Vorher wird er keine Ruhe geben. Selbstverliebte, selbstherrliche Narzissten finden immer Seinesgleichen und deren Unterstützung.
Aufgeben? Mister Trump? Niemals! Das würde ich doch eher mit „Beautiful dream thinking“ kommentieren.

Punkt 8: Muss sich die Welt vor einem Donald Trump als US-Präsidenten fürchten?
Oh ja. Und wie! Bitte ganz warm anziehen und das Waffenarsenal aufstocken. Der Mann steht in derselben Reihe wie Hitler. Die heutigen Diktatoren wie Robert Mugabe, Kim Jong-un oder Baschar al-Assad werden bald um Bronze, Silber und Gold fürchten müssen. Denn mit dem Ehrenplatz wird Mister Trump sich nie zufrieden geben.

Punkt 9: Trump hat wegen seiner Anti-Einwanderungsrhetorik viele Fans bei den Populisten Europas.
Da sage ich nur eines: Sauhäfeli – Saudeckeli… !!!

Punkt 10: Verweigern viele Republikaner aus Frust ihre Stimme für Trump und verhelfen so Hillary Clinton zum Sieg?
Das könnte durchaus eine „Trotz-Verhinderungswahl“ werden, wie von Österreich wunderschön vorgemacht.

Was jedoch die meisten Amerikaner nicht wissen ist, dass die Republikaner ein Computerprogramm anwenden, mit dem sie alle Wahlberechtigten aller US-Bundesstaaten miteinander vergleichen. Übrigens: Man muss vorher Stunden anstehen. Denn eine Einwohnerkontrolle, die Stimmrechtsausweise nach Hause schickt, gibt es nicht. Erscheinen auf dieser ominösen Auswertungsliste Namen mehrmals, werden diese mit der Behauptung gestrichen, sie hätten sich mehrmals, gar in verschiedenen Bundesstaaten eingeschrieben. Dass dies vorwiegend Demokraten sind, versteht sich in republikanischer Manier von selbst.

Schweizer-Vergleich: Zurzeit sind auf local.ch 1128 Einträge mit „Peter Müller“ zu finden. Dies würde bedeuten, dass 1127 Stimmen gestrichen würden. Ganz ähnlich geschehen bei Georg W. Bush. Das Wahl-Ergebnis vom 7. November 2000 ist bis heute umstritten und der angezettelte Krieg von Mister Bush nach Nine Eleven bis heute spürbar. Davon wollen natürlich seine Fremdenhass-Verbündeten im Rest der Welt nichts wissen…

Wie man aus den Antworten von Ruth Aschilier unschwer erkennen kann, ist sie entschieden dagegen, dass Donald Trump neuer US-Präsident wird. Dazu hat sie mir noch eine interessante Anmerkung beigefügt: „Über acht Millionen US-Bürger Leben außerhalb der USA – genug, um ein erdrutschartiges Wahlergebnis zu erzielen. Die meisten sind über Trump genauso entsetzt wie wir, doch nur 12 Prozent von ihnen gehen wählen!“

In nächster Zeit folgt der Beitrag mit den Pro-Aussagen. Ich verzichte bewusst auf eine Wertung oder einen Kommentar zu den Statements der beiden Personen. Vielmehr finde ich sie eine Bereicherung für uns Schweizer, und in gewisser Weise können sie auch zur Meinungsbildung beitragen.

feldwaldwiesenblogger

Fünf Muotathaler am Eidgenössischen Schwingfest: Von einem Tresor, dem guten ISV-Teamgeist und Hühnerhaut-Momenten

Nebst der Resultatanalyse (siehe Blogbeitrag vom 31.8.2016) führte ich mit den fünf Estavayer-Fahrern vom Schwingklub Muotathal (SKM), Ralf Schelbert, Guido Gwerder, Dario Gwerder, Stefan Heinzer und Theo Blaser auch ein Interview.

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Ralf, Stefan, Guido, Dario und Theo im offiziellen ISV-Tenue
Bildquelle: Schwingklub Muotathal

Für Guido war Estavayer2016 bereits sein drittes Eidgenössisches, für Stefan das zweite. Ralf, Dario und Theo waren das erste Mal an einem ESAF. 2013 in Burgdorf waren vom SKM nur Guido und Stefan dabei.
Die fünf Muotathaler waren mit ihren Auftritten in Estavayer mehrheitlich zufrieden. Stellvertretend meinte Ralf: „Ganz zufrieden ist man eigentlich nie. Ich bin mit meinem ersten Eidgenössischen aber zufrieden, auch weil man gesund heimkehren konnte.“ Angesprochen auf die Zielsetzungen meinte Guido: „Ich habe meine Ziele erreicht.“ Und: „Es war schön, dass alle Muotathaler acht Gänge schwingen konnten.“

Allgemein meinten sie, dass sie beim Eidgenössischen viele Erfahrungen sammeln konnten. Zu den gewonnenen Erkenntnissen sinnierte Dario: „Das nächste Mal besser sein, so dass man seine Gabe früher holen kann.“ Ralf ergänzte: „Ich persönlich möchte mental stärker werden. Dass ich mich vor einem Gang noch besser fokussieren und mich richtiggehend in ein Rohr begeben kann. Bei so einem Grossanlass bekommt man halt vor einem Gang schon viel mit und es kann einen schon ablenken.“

Die Gaben
Ganz unterschiedliche Gaben nahmen die fünf mit nach Hause. Dazu Theo: „Ich nahm einen Tresor mit. Dieser war leider nicht voll.“ Stefan holte sich einen Kompressor ab, Guido einen Tisch mit zwei Bänken, Dario entschied sich für eine Kippfräse und Ralf sicherte sich ein grosses Erinnerungsbild an Estavayer, mit einem Alpaufzug als Motiv.

Beim Gespräch erfuhr ich, dass ihre Betreuung in Estavayer durch den Innerschweizerischen Schwingerverband (ISV) organisiert wurde. Es waren auch Leute vom Schwyzer Kantonalen Schwingerverband dabei, wie der TK-Chef Fidel Schorno. Von den anderen vier Kantonalverbänden waren ebenfalls die TK-Chefs dabei. Jeder Kanton stellte insgesamt zwei bis drei Helfer, darunter waren sieben Masseure und der Verbandsarzt. Alles in allem waren es etwa 15 Personen.

Ralf und Dario waren zehn Tage vor dem Grossanlass mit einigen anderen vom ISV-Team zum Rekognoszieren vor Ort. Sie inspizierten unter anderem die imposante Arena. Ralf erklärte: „Sie wollten nicht, dass wir erschrecken, wenn wir am Freitag aufs Gelände kommen.“ Untergebracht wurden sie in der Fliegerkaserne Payerne, etwa 15 Minuten Fussmarsch von der Arena entfernt.
Am Freitagnachmittag trafen die Muotathaler in Estavayer ein. Nach dem Einrichten in der Unterkunft gingen alle ISV-Schwinger auf Erkundungstour. So zum Beispiel ins Schwingerdorf, wo mehrere Zelte aufgestellt waren. Später besuchten sie gemeinsam die Eröffnungsfeier in der Broye-Arena, und nach dem Nachtessen verfolgten sie die Flugshow der Patrouille Suisse.

Die Verpflegung und Vorbereitung
Verpflegt wurden alle Schwinger in einem grossen Verpflegungszelt im Schwingerdorf. Im Schwingerdorf befanden sich für die Athleten zudem sanitäre Anlagen wie WC’s und Duschen, und jeder Teilverband hatte ein eigenes Zelt zur Verfügung. Die Muotathaler berichteten, dass ihr Zelt unter anderem mit Matten und einem Fernsehen eingerichtet war.

Nach dem Morgenessen wärmten sich die Schwinger jeweils um 06.30 Uhr auf. In der Nähe des Einganges fanden die Innerschweizer Schwinger dafür eigens einen Platz vor. Auf die Frage, ob vor dem Beginn der Wettkämpfe eine Team-Besprechung abgehalten wurde, erzählte Ralf: „Nein, es gab vorher keine Besprechung. Ich war deshalb überrascht. Die Berner haben das gemacht, unter anderem mit Einschwören und einem Kampfschrei. Bei uns nichts dergleichen. Ich habe gedacht, dass so etwas auch kommt.“ Stefan ergänzte: „In Burgdorf hielten wir am Morgen jeweils eine Besprechung ab.“ Guido meinte abschliessend: „ISV-TK-Chef Thedy Waser gab jedem von uns am Samstagmorgen ein kleines Mutter Gottes-Emblem. Als Glücksbringer und dass wir verletzungsfrei durch den Wettkampf kommen.“

Die Vorbereitung auf einen Gang ist jeweils individuell. Die Wartezeit zwischen zwei Duellen kann an einem Eidgenössischen ziemlich lange werden. Dazu Theo: „Die Dauer zwischen den einzelnen Gängen betrug zwischen einer und drei Stunden.“ Ralf erinnerte sich: „Mir kam es relativ kurz vor. Nach einem Gang fuhr man runter und liess sich massieren. Denn eine zweitägige Belastung ist schon enorm. Zudem ruhte man sich auch ein wenig aus. Die Konzentration begann in dem Moment, als man seinen nächsten Gegner erfuhr.“ Guido führte weiter aus: „Auf einem Bildschirm im Zelt konnte man die einzelnen Paarungen entnehmen. Wenn noch etwa vier oder fünf Paarungen vor der eigenen waren, begann man sich aufzuwärmen und lief dann zum Schwingplatz.“ Stefan ergänzte: „Die Vorbereitung erfolgte ansonsten wie an anderen Schwingfesten. Man sollte es ja auch möglichst gleich machen.“

Wie gross war die Nervosität?
Ralf meinte dazu: „Ich war schon angespannt. Bei anderen Schwingfesten war ich aber viel nervöser. Der Grund ist sicher auch, dass ich diese Saison bereits einige Schwingfeste absolviert habe. Das Drumherum war natürlich viel grösser als bei jedem anderen Schwingfest.“ Guido stellte seine Sichtweise so dar: „Am Samstagmorgen vor dem ersten Gang war ich ziemlich nervös. Aber das bin ich eigentlich bei jedem Schwingfest. Dies legt sich bis zum letzten Gang, dann steigt die Nervosität wieder an.“ Dario ergänzte: „Meine Nervosität und Anspannung verhielt sich wie bei einem anderen Schwingfest.“

Der gute ISV-Teamgeist
Die fünf Muotathaler besuchten als Vorbereitung aufs Eidgenössische die Trainingszusammenzüge vom ISV und dem Schwyzer Kantonalverband. Beim Schwingklub Muotathal wurde aber kein spezielles Training absolviert. Auf die Frage, ob vorgängig auch mentales Training auf den Saisonhöhepunkt hin gemacht wurde, sagte Ralf: „Vom ISV her wurde in dieser Hinsicht nichts gemacht. Mentale Vorbereitung muss jeder individuell für sich machen, und selber entscheiden, wie viel er dafür investieren möchte. Bei der Vorbereitung wurde vor allem auf das Sportliche geachtet. Die Verantwortlichen legten auch grossen Wert darauf, dass wir nun ein Team geworden sind und der Teamgeist funktioniert. Ich fand es zudem gut, dass wir vom SKM zu fünft waren. Wir sind sonst schon ein gutes Team, und machen uns gegenseitig Mut. Innerhalb des Schwyzer Kantonalen Verbandes haben wir ebenfalls ein gutes Einvernehmen. Man spürt innerhalb des ISV-Teams aber immer noch die Kantonszugehörigkeiten.“ Stefan und Guido fügten hinzu: „Das Team hat gut funktioniert. In unseren Augen besser, als vor drei Jahren.“
Die fünf konnten sich auf dem Schwingplatz nicht gross gegenseitig anfeuern: Die Dimensionen waren schlicht zu gross. Sie besprachen sich aber vorher untereinander über die einzelnen Gegner.

Hühnerhaut-Momente
„Das Einlaufen und das Abspielen der Nationalhymne waren Hühnerhaut-Momente“, erinnerte sich Stefan. Ralf beschrieb seine Eindrücke so: „Wie Stefan sagte, war es ein spezielles Gefühl, eine bleibende Erinnerung. Es wurde uns im Vorfeld auch gesagt, dass wir diesen Moment geniessen sollen.“ Dario schwärmte: „Als ich einmal auf einen Gang wartete, lief gerade die Welle durch die Arena. Das war für mich sehr eindrücklich.“
Wie die fünf Schwinger weiter ausführten, wurde die spezielle Stimmung in der Arena während einem Gang nicht wahrgenommen. Höchstens dann, wenn ein Spitzenschwinger gewann, und ein Riesenjubel aufbrandete. Vor und nach einem Kampf nahm man die tolle Atmosphäre aber sehr wohl wahr. Man schaute sich im Zelt am Fernsehen die Spitzengänge an, und studierte auch die Rangliste. So wussten sie jederzeit, wie der Stand war.

Die extreme Hitze
Was den fünf aber auch in Erinnerung bleiben wird, war die extreme Hitze. Guido erklärte: „Die Hitze am Samstag hat an allen gezehrt. Es ging kein Lüftchen. Am Sonntagmorgen waren deswegen die meisten ein wenig angeschlagen. Ich persönlich war am Sonntagmorgen ziemlich kaputt, was ich bei den beiden vorherigen Eidgenössischen nicht war. Die Gänge wurden immer strenger. Wenn man aber auf dem Platz stand, spürte man dies kaum. Die Erholungsphasen nach den Gängen wurden aber immer länger.“
Unisono gaben sie zu Protokoll, dass Estavayer2016 ein schönes Fest mit einer guten Organisation war. Guido und Stefan teilten die Meinung, dass die Organisation vergleichbar mit derjenigen vom ESAF in Burgdorf war.

Wie geht es in dieser Saison weiter?
„Nach dem Eidgenössischen hatte ich ziemlich lange Muskelkater. Ich erholte mich aber relativ schnell. Die Spannung ist nun auch ein wenig weg“ gestand sich Ralf ein. Der Start in die Herbstsaison ist bereits erfolgt. Ralf und Dario traten letzten Sonntag erfolgreich beim Allweg-Schwinget an. Des Weiteren stehen für die Muotathaler Schwinger der Herbstschwinget Siebnen und dasjenige in Unteriberg noch auf dem Programm. Dann ist die Eidgenössische Saison bereits Geschichte und die Athleten dürfen sich bis zum Trainingsstart für die Saison 2017 ein wenig ausruhen.

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Die fünf Estavayer-Fahrer zusammen mit dem TK-Chef Erwin Betschart (ganz links) und dem Präsidenten René Schelbert (ganz rechts)
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Die jungen wilden Muotathaler sind auf einem guten Weg. Insgesamt erkämpften sie sich diese Saison 17 Kränze und weitere hervorragende Klassierungen an Rangschwingfesten. Drei der fünf Estavayer-Fahrer waren das erste Mal an einem Eidgenössischen Schwingfest. Auch wenn es beim Saisonhöhepunkt keinen Kranz zu feiern gab, konnten sie viele wertvolle Erfahrungen sammeln.
Apropos erster Eidgenössischer Kranz: Man erinnere sich nur an Hanspeter Pellet, einen der bekanntesten Schwinger überhaupt. In seiner glanzvollen Karriere sammelte er 136 Kränze, davon fünf Eidgenössische. Hanspeter verliess aber seine beiden ersten Eidgenössischen (1992 und 1995) ohne Kranz.

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Der Umsetzungsvorschlag zur Masseneinwanderungsinitiative ist ein Witz

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Bildquelle: frutiglaender.ch

Was soll man bloss davon halten? Die Nationalrätliche Kommission unter Federführung von FDP-Mann Kurt Fluri hat einen Umsetzungsvorschlag zur Masseneinwanderungs-Initiative auf den Tisch gelegt.

Dieser Vorschlag ist ein Witz, und für die Befürworter der MEI ein Schlag ins Gesicht. Man darf getrost behaupten, dass damit der Volkswille regelrecht ausgehebelt wird.

Für die Gegner der Vorlage ist es ein Kompromiss, den sie aber wohl kaum glücklich machen wird. Zu viel Larifari und Wischiwaschi. Und warum? Die nackte Angst vor Jean-Claude Juncker und seiner EU. Die könnten ja womöglich gleich alle bilateralen Verträge aufkündigen.

Ich verstehe die Mutlosigkeit dieser Politiker nicht. Statt sich des Volkswillens anzunehmen und diesen umzusetzen, wurde die letzten zweieinhalb Jahre rumgeeiert. Und zwar ziemlich gehörig.

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Kurt Fluri, mit einem Versuch, die MEI zu versenken
Bildquelle: srf.ch

Die SVP und die Initiativ-Befürworter wären kompromissbereit gewesen zu Vorschlägen, welche ursprünglich vorlagen. Aber Nein: Der Stadtpräsident von Solothurn, sonst eher ein biederer Politiker, versenkte die ganze Sache fast im Alleingang.

Zurück bleibt jetzt ein Scherbenhaufen, den so wohl niemand will. Zum Glück kommt die Geschichte in der laufenden Herbstsession vor den Nationalrat. Ich bin überzeugt, dass „Fluris-Blödsinn-Kompromiss“ dort ziemlich zersaust wird. Ich hoffe es zumindest.
Notfalls wird vermutlich das Referendum ergriffen, und dieses dürfte diese undemokratische Angelegenheit ein für alle Male aus der Welt schaffen.

Man kann einfach nur hoffen, dass sich nun andere Politiker, von welcher Partei auch immer, der Umsetzung der MEI annehmen. Das Kompromisse eingegangen werden müssen, ist auch mir klar. Aber nicht so, Herr Fluri! Damit hat er und seine Mitstreiter mindestens 50 Prozent der Schweizer vor den Kopf gestossen.

Ich hoffe trotzdem weiterhin auf eine einvernehmliche Lösung. Denn dass die masslose Masseneinwanderung gestoppt werden muss, ist wohl für jeden vernünftigen Bürger klar.

feldwaldwiesenblogger

Soll Donald Trump neuer Präsident der USA werden?

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Donald Trump, Präsidentschaftskandidat der Republikaner
Bildquelle: plus.google.com

Wir Schweizer können den neuen US-Präsidenten zwar nicht wählen, es sei denn, man ist Doppelbürger. Trotzdem interessiert auch hierzulande die Präsidentenwahl ennet dem grossen Teich.
Seit die Präsidentschaftskandidaten der Demokraten (Hillary Clinton) und der Republikaner (Donald Trump) auserkoren wurden, vergeht kein Tag, ohne dass auch in den hiesigen Medien darüber berichtet wird.

Ich wurde kürzlich angefragt, ob ich nicht auch etwas darüber schreiben möchte. Nach kurzer und reiflicher Überlegung entschied ich mich dazu, auch etwas zu dieser Wahl respektive Meinungsbildung beizutragen.

Mein Vorgehen sieht so aus, dass zwei Schweizer oder Schweizerinnen zu zehn von mir vorbereiteten Punkten Stellung beziehen können, ob Trump Präsident werden soll oder nicht.
Bedingung für die Teilnahme ist, dass er oder sie ein USA-Kenner ist und schon einige Male die Staaten bereist hat.

Einen Trump-Befürworter habe ich bereits gefunden. Jetzt fehlt mir noch jemand, der Trump nicht wählen würde.

Interessierte können sich gerne via Email-Adresse (koni.schelbert@bluewin.ch) bei mir melden.
Ich werde den oder die in meinen Augen geeigneteste Person dann auswählen.

Im Verlaufe des Herbstes werde ich auf dem feldwaldwiesenblog in zwei Beiträgen die Pro- und die Kontra-Voten zu Trumps-Wahl aufschalten.

feldwaldwiesenblogger

Interview mit dem Dudelsack-Spieler Rolf Heinzer: Er trat im Sommer beim Tattoo im kanadischen Halifax auf

Rolf Heinzer ist ein leidenschaftlicher Dudelsack-Spieler und Schottland-Fan. Er spielt dieses nicht einfach zu handhabende Instrument in einer Formation, welche sich „Lucerne Caledonians“ nennt. Der Muotathaler nahm schon an einigen Tattoos teil, darunter dreimal beim Basel Tattoo. Diesen Sommer reiste er nach Kanada, und trat beim Tattoo in Halifax auf. Dieses Tattoo gibt es inzwischen seit 1979.
Das Tattoo in Halifax und die damit verbundenen Auftritte nahm ich zum Anlass, mit Rolf ein Interview zu führen.

beim interview
Rolf Heinzer, leidenschaftlicher Dudelsack-Spieler
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Mit welcher Formation warst du in Halifax?
Mit den „Swiss Highlanders“, einer zusammengewürfelten Formation von 18 verschiedenen Einzelspielern, welche alle irgendwo in einer Schweizer (und einige wenige in einer deutschen) Band sind. Die „Swiss Highlanders“ kommen nur für die grossen Tattoos zusammen. Mit dieser Formation habe ich schon dreimal beim Basel Tattoo gespielt. Wir traten des Weiteren in Hamburg, Berlin und Barcelona auf. Unser Heim-Tattoo ist dasjenige in Basel. Im Herbst entscheiden wir jeweils, welches Tattoo wir nächstes Jahr machen. Das hängt auch davon ab, von wo wir Einladungen erhalten.

Wie heisst das Tattoo in Halifax genau und wie lange dauerte der Anlass?
Der volle Name lautet „Royal Nova Scotia International Tattoo“. Der Anlass dauerte neun Tage. Wir reisten fünf Tage vorher an, um zu proben.

Was muss man sich unter diesem Tattoo vorstellen?
Das Royal Nova Scotia International Tattoo ist weltweit das grösste Indoor-Tattoo, und wird in einer Eishockey-Arena durchgeführt. Der Ablauf mit den verschiedenen Formationen ähnelt demjenigen in Basel. Neben uns nahmen Formationen aus Kanada, USA, Deutschland und Kenia teil.
Dieses Tattoo unterscheidet sich insofern von anderen, weil es kanadisch-amerikanisch geprägt ist. Sie sagen dem „fast-paced“ (rasant, schnelllebig). Es ist eine schnelle Show, ohne sogenannte Show-Stoppers (Unterbrüche). Zudem ist das ganze ziemlich patriotisch aufgebaut. Kanada steht über allem. Während dem Tattoo findet am 1. Juli der Canada Day, der Nationalfeiertag, statt. Sie feiern ihr Kanada und ihre Royal Canadian Mounted Police (die königliche kanadische berittene Polizei).

Ist dieser Anlass vergleichbar mit dem Royal Edinburgh Military Tattoo oder dem Basel Tattoo?
Es ist nach Edinburgh und Basel das drittgrösste Tattoo der Welt. Der Anlass ist vergleichbar mit den beiden Tattoos. In Basel spielten wir jeweils zwei grosse Blöcke. In Halifax spielten wir fünf relativ kleine Blöcke, welche jeweils etwa sieben Minuten dauerten.

Wer machte beim Tattoo in Halifax mit?
Mitgemacht haben nebst den Dudelsack-Spielern noch weitere zehn Formationen. Formationen aus Kanada, das Heeres-Musikkorps Koblenz aus Deutschland und aus den USA die Musik der Royal Air Force. Dann Kunstturn-Formationen aus Kenia und Deutschland, sowie Tänzerinnen. Die Dudelsack-Spieler bestanden mehrheitlich aus Kanadiern, einer Formation aus Neuseeland und uns. Das ergab zusammen etwa 120 Dudelsack-Spieler. Alles in allem waren fast 1000 Mitwirkende dabei.

Wie liefen die Proben ab?
Für die Militärmusiken gibt es einen zuständigen Verantwortlichen. Ebenso einen für uns Dudelsackspieler, den man Pipe Major nennt. Der Pipe Major schreibt meist selber die Noten, instruiert im Vorfeld alle Dudelsackformationen und leitete vor Ort auch die Proben. Bei den Proben wurden vor allem die Choreographien einstudiert, welche die Organisatoren schon vorbereitet hatten. Der Produzent hat ein bestimmtes Sujet im Kopf, welches eingeübt wird.
Die Proben waren streng. Sie dauerten gewöhnlich von 9 Uhr bis abends 22 oder 23 Uhr. Je nachdem, wie der Produzent zufrieden ist. Nach den fünf Probetagen muss einfach alles stimmen. Jeder muss an die richtigen Orte laufen, die Übergänge müssen stimmen. Es darf keine Show-Stoppers geben. Am Schluss gab es einen Durchgang ohne und mit Uniform, weiter eine Hauptprobe mit Publikum. Dabei muss man sich viele Details merken können. Dies macht es nebst dem Spielen zu einer richtigen Herausforderung.
Die Noten der Musikstücke haben wir ein halbes Jahr vorher bekommen. Du hast Zeit, um das einzustudieren. Dazu gab es gemeinsame Übungseinheiten und sogenannte Drill-Weekends mit intensiven Proben.

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Rolf Heinzer vor einem Auftritt in Halifax
Bildquelle: Rolf Heinzer

Wie viele Auftritte habt ihr absolviert? Wie sah diese Zeit für euch aus?
Pro Tag spielten wir einen Auftritt in der Arena. Showbeginn war um 19 Uhr. Wir fanden uns jeweils um 16 Uhr ein, um uns anzukleiden und einzuspielen. Insgesamt fanden neun Vorstellungen mit je 8000 Zuschauern statt.
Von den Organisatoren wurden wir zu zusätzlichen Auftritten eingespannt. Zweimal spielten wir in der Stadt zu Promotionszwecken. Am Canada Day nahmen wir an einer Tattoo-Parade durch die Stadt teil. Einmal gab es ein Treffen mit dem Honorarkonsul, welcher extra von Montreal anreiste. Ein einziges Mal konnten wir einen Ausflug machen. Sonst hatten wir eigentlich fast keine freie Zeit.
Beim Tattoo traten die Dudelsackspieler jeweils als eine Formation auf. Mit unserer Formation „Swiss Highlanders“ bestritten wir Einzelauftritte an den verschiedenen Plätzen in der Stadt.

Wie muss man sich das vorstellen: Sind solche Anlässe streng für die Beteiligten? Herrscht gewissermassen ein wenig der militärische Drill vor, gar eine Kasernierung?
In Edinburgh ist es schon ziemlich streng, in Basel und Halifax ist es hingegen lockerer. Wir waren in einer Universität untergebracht, welche relativ weit abseits der Stadt gelegen ist. Da gab es weit und breit kein Restaurant, um zwischendurch ein Bier trinken zu gehen. Daher kann man schon von einer Art „Kasernierung“ sprechen.
Die Organisatoren sind zuständig für die Logistik, die Transporte, Verpflegung und die Betreuung in der Arena. Es gibt einen klaren Zeitplan, zwischendurch hat man einige wenige Freiräume.

Wie war die Stimmung innerhalb eurer Formation und an den Auftritten?
Wir hatten es untereinander sehr gut. Es war gewissermassen wie eine Teambildungsmassnahme. Was ein wenig die Stimmung trübte, war das Transportwesen, welches nicht einwandfrei funktionierte. Zur Show wurden wir immer rechtzeitig gebracht. Für den Rücktransport war meist kein Bus da, und wir warteten bis eine Stunde. Man ist nach der Show, also etwa um 24 Uhr, ziemlich kaputt und möchte zurück in die Unterkunft und raus aus der Uniform. Es wurde dann mit Taxis oder Kleinbussen improvisiert.
Die Organisatoren haben uns sehr viel eingesetzt. Wir hätten uns alle mehr Freiräume erwartet, um auch etwas anschauen zu können. Von der Stadt Halifax bekamen wir in den zwei Wochen wenig zu sehen.
Die Stimmung an den Auftritten war sehr gut. Die Leute sind extrem begeisterungsfähig. Sie kommen sehr aus sich heraus, vor allem weil das Ganze patriotisch aufgebaut ist. Sie haben auch keine Skrupel, zu ihrem Patriotismus zu stehen. Da wurde inbrünstig mitgesungen und man spürte, dass für sie Kanada ein und alles ist. Man stellte aber auch fest, dass sie nach wie vor einen grossen Bezug zu ihren schottischen Wurzeln haben.
Halifax ist die Hauptstadt der Provinz Nova Scotia (Neuschottland), welche ab dem Mittelalter von schottischen Einwanderern besiedelt wurde. Diese gründeten verschiedene Ortschaften mit Namen, wie man sie auch in Schottland findet.

Was war dein persönlicher Höhepunkt in Halifax?
Mein persönlicher Höhepunkt war die Parade durch die Stadt. Es waren viele Leute anwesend und zudem feierten sie just ihren Nationalfeiertag. Wir liefen eine schöne Route durch Halifax und es herrschte schönes Wetter vor. Die Zuschauer machten mit und waren begeistert.

War Halifax bisher der Höhepunkt in deiner Karriere als Dudelsack-Spieler?
Nein, für mich ist weiterhin das Basel Tattoo das Highlight. Das sagten auch meine Kollegen. Wir werden 2017 ein kleineres Tattoo in Nordeuropa bestreiten und dann 2018 voraussichtlich am Basel Tattoo unser 10-jähriges Jubiläum feiern. Dort ist aus Sicht der Akteure einfach alles perfekt organisiert: Von der Logistik, über die Verpflegung und Unterkunft, bis hin zur Betreuung. Auch wie alles aufgegleist ist und der Zeitplan eingehalten wird. An diesem Anlass misst man halt auch die anderen.

Wie lange spielst du eigentlich schon Dudelsack? Wie kamst du dazu?
Es sind mittlerweile 20 Jahre, ich habe 1996 damit begonnen.
1996 war die Fussball-EM in England, welche ich auch besuchte. In Birmingham gingen wir vor einem Spiel in die Stadt, wo sich Tausende von Schotten und Hunderte von Dudelsackspielern befanden. Dies hat mich richtiggehend elektrisiert. Ein gutes Jahr später fand ich einen Lehrer in Luzern, welcher mir die ersten Schritte beim Dudelsack-Spiel beibrachte.

Wie lange dauert es eigentlich, bis man einigermassen einen Dudelsack spielen kann?
Ein durchschnittlich begabter Spieler braucht etwa anderthalb Jahre, bis er einen anständigen Ton dem Instrument entlocken kann. Weiter benötigt es ein weiteres Jahr, damit man etwas spielen kann, was nach Musik klingt.

bei einem auftritt beim basel tattoo
Rolf Heinzer bei einem Auftritt beim Basel Tattoo
Bildquelle: Rolf Heinzer

Rolf erklärte zum Schluss des Gesprächs, dass für eine Teilnahme an einem Tattoo gute Kenntnisse der englischen Sprache fast Voraussetzung sind. Die Instruktionen und Befehle sind in Englisch und ein grosser Teil der Teilnehmer spricht von zuhause aus Englisch. Der Bezug zu Schottland ist schon rein sprachlich gegeben.

Ein Dudelsack-Spieler frönt diesem Instrument, weil er meist auch ein grosser Fan von Schottland und seinen Bräuchen ist. Es ist gewissermassen ein Paket, auf das man sich einlässt: Nebst dem Erlernen des Instrumentes lernt man viel von der Kultur dieses wunderschönen Landes. Hierzulande spielen einige Leute Dudelsack. Den zündenden Funken dazu haben sie, wie Rolf, vielfach in Schottland oder England erlebt.

Ich bedanke mich bei Rolf für das sehr interessante und ausführliche Gespräch, bei welchem ich einige Wissenslücken schliessen konnte!

feldwaldwiesenblogger

Das Eidgenössische Schwingfest – Kritische Nachbetrachtungen

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Das riesige Gelände beim ESAF in Estavayer
Bildquelle: schlussgang.ch

Eine Verkleinerung des Anlasses ist jetzt angebracht
Viel zu viele Menschen am Eidgenössischen. Viel zu heiss. Zu lange Strecken zwischen den einzelnen Fixpunkten wie Parkplatz, Sitzplatz in der Arena oder einem gemütlichen Platz in einem Festzelt. Trotzdem nimmt man diese Strapazen in Kauf und pilgert alle drei Jahre ans Eidgenössische.

Alle drei Jahre hört man davon, dass der nächste Anlass nun endgültig verkleinert werden soll. Aber keiner tut’s. Wer will den stolzen Zugern sagen, dass ihr Fest 2019 dann bitteschön kleiner werden soll?

Es könnte über die Kriterien verlaufen. Beispielsweise die Grösse des Geländes. Waren es in Burgdorf noch 60 Hektaren, die verbaut werden durften, waren es in Estavayer bereits 90 Hektaren. Man hörte schon, dass in Zug nicht ein derart grosser Platz wie auf dem Militärflugplatz Payerne vorhanden sei. Das ESAF werde nur schon deshalb kleiner. Wohl verstanden: Gemeint ist das Drumherum. Denn die Arena soll weiterhin 52‘000 Zuschauer fassen.

Apropos Drumherum: Das lässt sich vermutlich einfach verkleinern. Dabei sehe ich zwei Ansatzpunkte. Punkt eins ist ein kleineres Budget, welche automatisch weniger Bauten erlaubt. Punkt zwei ist ein Eintritt für das Drumherum. Verlangt man beispielsweise 20 Franken für die Festmeile, kämen vermutlich schon deutlich weniger Besucher.

Denn die Redimensionierung des grössten Sportanlasses der Schweiz tut dringend not. Eine Grenze des Erträglichen ist wohl für alle Beteiligten erreicht. Sowohl für die Zuschauer, aber auch für die Organisatoren. Diese müssen sich ständig neue Dinge einfallen lassen und neue Sponsoren suchen, um das alles stemmen zu können. Die „echten“ Schwingerfreunde könnten irgendwann festmüde und der Dimensionen überdrüssig werden.

Zug2019 bietet in vielerlei Hinsicht eine Chance. Eine Chance zur Rückkehr und zur Rückbesinnung auf das eigentliche Fest. Denn Chilbis in dem Ausmass wie in Estavayer gibt es landauf landab genug. Das Eidgenössische ist in erster Linie eine sportliche Veranstaltung. Erst in zweiter Linie eine gesellschaftliche, aber eine mit urchigem Volksbrauchtum und weniger Bumm-Tätsch.

matthias glarner
Der neue Schwingerkönig Matthias Glarner
Bildquelle: blick.ch

Matthias Glarner ist der ideale König
Nichts gegen Matthias Sempach oder Kilian Wenger, Glarners Vorgänger. Aber alles in allem waren sie in letzter Zeit zu viel in der Öffentlichkeit und auf Werbeplattformen präsent. Die beiden Herren wurden regelrecht ausgepresst und die sportlichen Leistungen begannen darunter zu leiden. Vor allem jene von Wenger, in diesem Jahr vermutlich auch jene von Sempach.

Matthias Glarner hat Recht, wenn er sagt, dass er die nahe Zukunft in Ruhe mit seinem Umfeld und Manager besprechen wird. Auch er ist keine Maschine, welche Sport, Verpflichtungen, Beruf und persönliches Umfeld ohne etwas zu vernachlässigen unter einen Hut bringen kann.
Ich traue Matthias zu, dass er nicht alles mit sich machen lässt. Dass er nebst den obligaten Verpflichtungen halt auch Nein sagt. Und zwar vermutlich deutlich mehr als seine beiden Vorgänger.

Beim DOK-Film „Der König der Schweiz – Vom Schwingen und seinen Helden“ liess Schwingerkönig Matthias Sempach durchblicken, dass die vielen Verpflichtungen nicht nur immer angenehm sind. Ihm dürfte es recht sein, wenn er nicht mehr dauernd so im Fokus steht. Matthias dürfte auf den Schwingplätzen nächstes Jahr wohl wieder richtiggehend aufblühen.

Zurück zu Glarner: Ich habe das Gefühl, dass er der etwas andere Schwingerkönig sein wird. Oder diesen Titel zumindest wieder in solche Sphären lenken wird, wo er einst mal war. Es ist immer noch ein sportlicher Titel, bei einer Sportart, wo praktisch alle Schwinger zu hundert Prozent einem Broterwerb nachgehen.
In letzter Zeit stiegen die Sponsoren in viel zu grossem Stil ein, und machten die drei oder vier besten Schwinger zu reichen Männern. Ob das so sein soll und muss, steht auf einem anderen Blatt Papier geschrieben.

Viele Stimmen innerhalb und ausserhalb unseres schönen Nationalsportes wünschen sich auch in dieser Beziehung eine Redimensionierung. Sponsorengelder sind in einem gewissen Masse ja auch gerechtfertigt. Ohne diese geht es heutzutage wirklich nicht mehr. Aber muss dabei gleich alles bis aufs hinterste und letzte ausgereizt werden?

Was dabei erträglich ist, oder schon nach Überreizung riecht, könnte auch reguliert werden. Wie das von statten gehen soll, weiss ich auch nicht. Dem Eidgenössischen Schwingerverband fällt dazu sicher etwas ein. Es gelten aber die gleichen Mechanismen wie bei der Verkleinerung des Eidgenössischen: Je weniger investiert wird, desto weniger gibt es zu holen.

Eine Reduktion der Sponsorengelder hat nämlich auch sein Gutes. Die Kluft zwischen den Spitzenschwingern und den Mittelschwingern könnte wieder verringert werden. Der Neid und die Missgunst auch. Zudem ist vielen Zuschauern diese sogenannte Zweiklassen-Gesellschaft im Schwingsport je länger je mehr ein Dorn im Auge. Gerade in einer Sportart, wo man sich rühmt, dass praktisch alle gleich sind. Und eigentlich keiner etwas Besseres ist oder sein soll.

Matthias Glarner ist darum der richtige König. Mit seiner ruhigen und wohlüberlegten Art könnte der Berner Oberländer die Schwinger, das Schwingervolk und deren Gebaren wieder in etwas ruhigere und weniger geldüberströmte Bahnen lenken. Ich hoffe auf den neuen König!

feldwaldwiesenblogger

Fünf Muotathaler am Eidgenössischen Schwingfest: Resultat-Analyse

Am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest (ESAF) befanden sich unter den 275 Teilnehmern auch fünf Mitglieder vom Schwingklub Muotathal: Ralf Schelbert, Guido Gwerder, Dario Gwerder, Stefan Heinzer und Theo Blaser.

Der Wunsch des Schwingklub-Präsidenten
Im April meinte Schwingklub-Präsident René Schelbert zur Frage „Was meinst du, wie viele Schwinger vom Schwingklub Muotathal werden sich für das ESAF qualifizieren?“: „Mein Wunsch wären fünf Schwinger. Wenn es gut läuft, ist dies durchaus realistisch und machbar.“ René‘s Wunsch wurde erfüllt, fünf Muotathaler durften am letzten August-Wochenende beim Eidgenössischen in der Broye-Arena antreten. Die fünf Sennen-Schwinger konnten in Estavayer acht Gänge bestreiten, was schon einem kleinen Erfolg gleich kommt. Den Eidgenössischen Kranz erreichte leider keiner der kräftigen „Thaler“. Am nächsten kam diesem Unterfangen Ralf, welcher mit einer Totalpunktzahl von 73.75 das heissbegehrte Eichenlaub nur um 0.75 Punkte verpasste.

Durchaus beachtliche Notenblätter
Die Notenblätter dürfen sich durchaus sehen lassen, keiner fällt ab. Drei Sieg-Kreuzchen haben alle auf dem Konto, Ralf sogar deren vier. Den wichtigen ersten Gang konnte nur Theo Blaser siegreich absolvieren. Was auffällt ist der starke Beginn am Sonntagmorgen: Vier Muotathaler gewannen den fünften Gang, einer kam nicht über ein Unentschieden hinaus. Leider ging ihnen in der brütenden Hitze ein wenig der Schnauf aus. Für einen eigentlichen Exploit konnte in der Folge keiner sorgen.
Ralf Schelbert: Rang 16e – 73.75 Punkte / – + + o + o o +
Guido Gwerder: Rang 18h – 73.25 Punkte / o + – + – o + –
Dario Gwerder: Rang 20b – 72.75 Punkte / – + o – + o o +
Stefan Heinzer: Rang 21c – 72.50 Punkte / o + – – + + o o
Theo Blaser: Rang 23b – 72.00 Punkte / + o + o + o o o

Ralf Schelbert gegen Matthias Glarner
Ralf Schelbert im Kampf gegen den späteren Schwingerkönig Matthias Glarner
Bildquelle: Rolf Eicher

Ralf Schelbert traf im vierten Gang auf Matthias Glarner
Ralf Schelbert bekam es im vierten Gang gar mit dem späteren Schwingerkönig Matthias Glarner zu tun. Er verlor diesen Kampf leider. Im dritten Gang gewann der Bisisthaler gegen Michael Nydegger, den momentan einzigen noch aktiven Eidgenossen in der Südwestschweiz. Weiter konnte der sechsfache Saisonkranzgewinner die Gänge gegen die beiden Teilverbandskranzer Michael Rhyner (NOS-Sieger von 2015) und Roman Hochholdinger siegreich gestalten.
Guido Gwerder verlor im sechsten Gang mit dem diesjährigen Brünig-Sieger Thomas Sempach. Der fünffache Saisonkranzgewinner gewann gegen den Teilverbandskranzer Dominic Bloch.
Dario Gwerder stellte im vierten Durchgang mit dem Bündner Eidgenossen Mike Peng. Im dritten Gang verlor der dreifache Saisonkranzgewinner gegen den Thurgauer Shootingstar Samuel Giger. Der Netzelektriker-Lehrling gewann gegen die beiden Teilverbandskranzer Christian Brand und Janic Voggensberger.
Stefan Heinzer wurde kein Eidgenosse zugeteilt. Der zweifache Saisonkranzgewinner gewann gegen die beiden Teilverbandskranzer Christian Bernold und Philipp Gehrig.
Theo Blaser verlor im vierten Gang gegen den Appenzeller Eidgenossen Raphael Zwyssig. Siegreich blieb der Kranzgewinner vom diesjährigen Zuger Kantonalen gegen die Teilverbandskranzer Kurt Fankhauser und Martin Rolli.

Nächste Woche steht ein Interview mit den fünf „Estavayer-Fahrern“ auf dem Programm. Dabei werde ich sie zu verschiedenen Aspekten befragen. Unter anderem ob sie mit ihren Resultaten zufrieden sind, über die Betreuung vor Ort und wie sie die Stimmung in der grössten temporären Arena der Welt (52‘016 Zuschauer) wahrnahmen.

feldwaldwiesenblogger