Shane Dändliker: Drei Schwingfeste innerhalb von sechs Tagen

Text: feldwaldwiesenblogger


Shane Dändliker
Foto: Shane Dändliker (Facebook)

Der 22-jährige Shane Dändliker absolvierte letzte Woche quasi einen ultimativen Härtetest und bestritt innerhalb von sechs Tagen (!) drei Schwingfeste. Das erste Schwingfest, der Gerenschwinget, stand am Dienstag, 1. August auf dem Programm. Diesen Schwinget gewann das Jungtalent, was zudem sein erster Festsieg bedeutete.

Gerenschwinget
Auf der Facebook-Seite vom Schwingklub Zürichsee rechtes Ufer konnte man dazu folgendes lesen:
„Gerenschwinget Wädenswil – Shane Dändliker’s erster Festsieg
Es war Shane Dändliker’s Tag: Er gewann das erste Mal gegen einen eidgenössischen Kranzschwinger, er bestritt seinen ersten Schlussgang und er gewann sein erstes Schwingfest. (…) Sein Husarenstück leistete er im dritten Durchgang. Gegen den Eidgenossen Stefan Burkhalter brauchte er nur gerade 12,5 Sekunden, um diesen nach einer Kurzfinte Lätz abzuleeren. (…) Somit stand fest, dass er seinen ersten Schlussgang bestreiten darf in seiner noch jungen Karriere. Aber auch der Zürcher Oberländer Roman Schnurrenberger, seines Zeichens Teilverbandskranzschwinger, musste sich nicht lange bemühen, sein Schicksal war schon nach 5 Sekunden besiegelt. Dändliker war parat, blockte den Kurzangriff und leerte Lätz ab. Mit 59 Punkten und einem starken Notenblatt, Hut ab! (…)“

Bözingenberg-Schwinget
Am Samstag darauf startete Shane als Gast beim Bözingenberg-Schwinget, welchen der Zürcher auf dem hervorragenden zweiten Platz beendete.
Sein Schwingklub schreibt dazu auf der Facebook-Seite:
„Bözingenberg-Schwinget ob Biel – Nächstes Spitzenresultat für Dändliker, auch Wey stark. Nicht mal eine Woche ist es her seit Shane Dändliker’s erstem Festsieg. Am Samstag lieferte der Feldbacher mit Platz 2 gleich sein nächstes Spitzenresultat nach. Als Gäste vom Schwingklub Biel eingeladen, reiste er zusammen mit Nicola Wey auf den Bözingenberg oberhalb Biel. (…)
Lange erholen können sich die beiden Kranzschwinger nicht, schon morgen geht’s weiter auf dem Ricken am 60. Ricken-Schwinget.“

Ricken-Schwinget
Beim besagten Ricken-Schwinget lief es Shane dann weniger gut. Drei Schwingfeste innerhalb von so kurzer Zeit und zwei praktisch hintereinander waren dann doch des Guten zu viel. Sein Schwingklub meinte denn auf Facebook: „(…) Der letztwöchige Festsieger von Wädenswil und Zweitplatzierte vom samstäglichen Schwingfest in Biel, Shane Dändliker, konnte nur zweimal gewinnen. Der Feldbacher lernt jetzt die Rolle des Gejagten kennen, muss gegen defensiver eingestellte Gegner noch mehr versuchen, und wird dadurch selber verletzlicher. Mit zwei gewonnenen, zwei gestellten und zwei verlorenen Gängen erfüllte er die gestiegenen Erwartungen nicht ganz, 54.50 Punkte, Rang 13.“

Aber: Ein weiteres Top-Resultat erzielte das Mitglied vom Schwingklub Zürichsee rechtes Ufer auch schon kurz vor diesem Härtetest. Nämlich am 22. Juli beim Bergschwinget Klöntal, bei welchem er den starken zweiten Rang belegte.

Aber wer ist eigentlich dieses aufstrebende Jungtalent aus der Nordostschweiz? Shane Dändliker wohnt in Hombrechtikon ZH, ist Jahrgang 1995 und von Beruf Zimmermann. Erstaunt ob der starken Resultate in letzter Zeit reibt man sich ein wenig die Augen, dass der Feldbacher am 28. Mai dieses Jahr beim St. Galler Kantonalen seinen bisher einzigen Kranz gewann, und so die Unspunnen-Selektion leider nicht schaffte. Denn schon vor Jahresfrist machte Shane von sich reden, als er beim Niklausschwinget in Dietikon (3. Dezember) den sehr guten 4. Rang belegte und dabei auch Kranzschwinger besiegte.

Was Shane zu seinem ersten Festsieg meinte, wie er diese drei Schwingfeste in so kurzer Zeit erlebte und wieso der Sennenschwinger erst den einen Kranz gewann, wollte ich bei einem Telefonat von dem jungen Zürcher wissen.


Gerenschwinget: Der 1. Festsieg von Shane Dändliker
Foto: Shane Dändliker (Facebook)

Wie hast du diese drei Schwingfeste erlebt?
„Ich bin relativ gelassen angetreten. Mit dem Ziel, die Auszeichnungen zu machen und unfallfrei zu bleiben. Grosse Hoffnungen machte ich mir dabei nicht. Es freute mich zudem, dass ich zum ersten Mal auf Berner Boden schwingen durfte. Beim Ricken-Schwinget habe ich gespürt, dass drei Schwingfeste innerhalb einer Woche zu viel sind. Das Beste dabei ist, dass ich mich nicht verletzt habe. Ich bin froh, dass ich nun eine Woche Pause hatte. Morgen Samstag geht es weiter beim Schaffhauser Kantonalschwingfest in Herblingen.“

Beim Gerenschwinget schien alles zusammen zu passen, sogar einen Eidgenossen hast du besiegt. Was für Erinnerungen bleiben dir besonders haften?
„Natürlich der Sieg gegen den Eidgenossen Stefan Burkhalter. Ein wunderschönes Ereignis! Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass der Höhepunkt mit dem Schwingfestsieg noch kommt. Beim Geren-Schwinget erlebte ich drei neue Dinge: Einen Eidgenossen zu besiegen, in einem Schlussgang zu stehen und ein Schwingfest zu gewinnen. Es war etwas ganz Besonderes. Das Wetter war zudem schön und somit der perfekte Tag!“

Beim Rickenschwinget war die Luft wohl etwas draussen? Wolltest du mit diesen drei Schwingfesten in so kurzer Zeit bewusst einen ultimativen Härtetest absolvieren?
„Ja, ich wollte schauen, wo meine Grenzen sind und wie weit mein Körper mag. Das war das Ziel. Es waren drei tolle Schwingfeste. Da ich die Chance hatte, an alle zu gehen, wollte ich diese packen.“

Hast du eine Erklärung dafür, warum es dir seit Ende Juli so gut läuft?
„Ich war vom 8. Juni bis 13. Juli ferienhalber für fünfeinhalb Wochen in Kanada. Es wird nun darüber gewitzelt, dass dies der Grund sein könnte. Ich konnte während dieser Zeit meinen Körper richtig erholen und die Pause war richtig gut für mich. Es war aber auch die Freude, zurückzukehren und ich war richtig „giggerig“ aufs schwingen. Ich kann seit meiner Rückkehr ohne Druck an Schwingfeste, befreit schwingen und dabei alles geben. Der Bergschwinget Klöntal war ein super Start zurück in die Schwingsaison und ich hatte eine Riesenfreude, dass es so gut lief. Das Jahresziel, meinen ersten Kranz, habe ich vor meinen Ferien beim St. Galler Kantonalen erreicht.“

Ob der guten Resultate in letzter Zeit fragt man sich: Wieso gewann Shane 2017 nicht noch den einen oder anderen Kranz mehr, und hätte sich so auch für Unspunnen qualifiziert?
„Beim Zürcher Kantonalen war ich mir zu kranzsicher, und war hinterher sehr enttäuscht. In Niederurnen beim Glarner-Bündner kam ich nicht recht auf Touren. Morgen Samstag steht nun das Schaffhauser Kantonale auf dem Programm, vielleicht klappt’s dort mit einem weiteren Kranz.
Die Nicht-Selektionierung belastet mich nicht sonderlich, da ich nicht wirklich damit rechnete. Der Höhepunkt dieser Saison ist für mich sowieso der Schwägalp-Schwinget, welchen ich auch bestreiten darf.“

Du bist bereits 22-jährig. Wieso klappte es eigentlich erst 2017 mit dem ersten Kranz?
„Seit diesem Jahr haben wir eine richtig gute Gruppe beisammen, was uns noch mehr fördert. Weiter verfügen wir über einen sehr guten Trainer und ich begann anfangs Jahr mit Krafttraining. Jetzt fokussiere ich mich aufs schwingen und es ist eine richtige Leidenschaft geworden. Vorher war es mehr eine Freizeitbeschäftigung. Beim Niklaus-Schwinget in Dietikon hat es mich so richtig gepackt. Gute Resultate sind sehr motivierend für das Training.“

Wann und wie kamst du eigentlich zum Schwingsport? Und: Wie lief es dir als Jungschwinger?
„Ich schwinge seit dem Winter 2005/2006. Darauf gebracht hat mich mein Onkel und Götti Hans-Heiri Dändliker, der damals Präsident vom Schwingklub Zürichsee rechtes Ufer war. Sein Sohn und mein Cousin, welcher auch Hans-Heiri heisst, hat mit mir zusammen angefangen und ist auch immer noch aktiv.
Als Jungschwinger war ich eher zu klein und zu leicht, und musste damals ziemlich unten durch. Insgesamt gewann ich sechs Zweige. Ein Ziel von mir ist, dass ich mehr Kränze als Zweige erschwinge.“

Wie sieht dein Training aus? Profitierst du auch von deinen beiden Teamkollegen und NOS-Shootingstars Samuel Giger und Armon Orlik?
„Auf dem momentanen Wochenprogramm stehen zweimal Schwingtraining und einmal Krafttraining. Im Winter absolviere ich dann drei Schwingtrainings und ein Krafttraining.
Ich war noch nie bei NOS-Zusammenzügen dabei und habe Samuel und Armon noch nie bei einem Training gesehen. Aber: Zwei solche Spitzenschwinger geben einem Auftrieb und man schaut zu ihnen hoch. Wir können in unserem Teilverband nur von ihnen profitieren.“

Bei welchen Schwingfesten wirst du 2017 noch an den Start gehen?
„Jetzt stehen das bereits erwähnte Schaffhauser Kantonale und eine Woche später der Schwägalp-Schwinget auf dem Programm. Anfangs September gibt es ein zähes Wochenende mit dem Bachtel-Schwinget (Samstag) und dem Wolzenalp-Schwinget im Toggenburg am Sonntag.
Welche Schwingfeste ich anschliessend bis Saisonende bestreiten werde, weiss ich noch nicht genau. Ich werde es sicher ruhiger angehen. Dabei möchte ich auch Verletzungen vermeiden, damit ich für das Wintertraining parat bin.“

Zum Schluss: Wie kamst du zu deinem hierzulande doch recht ungewöhnlichen Vornamen „Shane“?
„Meine Eltern, beides Schweizer, wanderten einst nach Südafrika aus. Sie kamen 1994, ein Jahr vor meiner Geburt, aber wieder zurück. Aus dieser Zeit kommt mein Vorname.“

feldwaldwiesenblogger

Von Verletzungsursachen, heutigen Trainingsmethoden und Stucki’s Mentaltraining

Text: feldwaldwiesenblogger

In der Innerschweiz beschäftigt gut drei Wochen vor dem Saisonhöhepunkt, dem Unspunnen-Schwinget, vor allem die Verletzungshexe. Am 29. Juli erschien im Bote der Urschweiz dazu passend ein Beitrag mit dem Titel „Polemik um Verletztenmisere“. Diesen Artikel stellte ich als Bild in den „Schwinger-Blog“ auf Facebook.


Foto: Bote der Urschweiz-Beitrag vom 29. Juli

Kurz darauf kommentierte der bekannte Athletiktrainer Tommy Herzog den Beitrag mit zwei interessanten Statements. Zudem wurde kürzlich bekannt, dass Christian Stucki seit gut zwei Monaten von besagtem Tommy Herzog im mentalen Bereich trainiert wird. Das Resultat ist bekannt: Christian Stucki ist so stark wie eigentlich noch nie. Grund genug also, zum Telefonhörer zu greifen, Tommy mit seinen Aussagen zu konfrontieren und ihn auf Stucki’s Mentaltraining anzusprechen.

Tommy Herzog war selber aktiver Schwinger bei den Nordwestschweizern, und erkämpfte sich vor gut 20 Jahren zwei Kränze. Knieprobleme mit einer Schleimbeutel-Entzündung zwangen ihn aber relativ früh, den Schwingsport an den Nagel zu hängen. „Heutzutage wäre das mit einem operativen Eingriff und anschliessender Physiotherapie kein Problem mehr“, meint der Athletik-Trainer dazu.
Später war Tommy Bob-Anschieber und gewann 2007 in St. Moritz WM-Silber. Heute betreibt er eine eigene Firma, die Herzog Training GmbH. Auf der Homepage erklärt Tommy: „Heute gebe ich mein Wissen und meine Erfahrungen weiter. An junge Talente und sportbegeisterte Menschen. Ich begleite Menschen, für die Bewegung eine Herzensangelegenheit ist, auf ihrem Weg zu ihren ganz persönlichen Zielen. Wie auch immer diese aussehen.“


Athletiktrainier Tommy Herzog
Foto: Tommy Herzog (Facebook)

Du schreibst: „Wenn man die Schwingweise von heute mit früher vergleicht, sehe ich einen enormen Anstieg von Explosivität und Schnellkraft. Ich persönlich sehe dort eher eine der Ursachen der vielen Verletzungen.“ Kannst du diese Aussage präzisieren respektive erläutern?
„Im Bote-Beitrag wurde vom statischen Schwingsport geschrieben. Ich hatte das Gefühl, das erklären zu müssen. Denn das ist einfach nicht so. Das Ganze ist viel schneller geworden. Ich trainiere mit den Schwingern vor der Saison und während der Saison an der Explosivität. Man hat heutzutage das nötige Wissen und das Schwingen lebt mehr von der Schnellkraft als von der Ausdauer. Ich würde nicht behaupten, dass falsch trainiert wird. Eine Muskulatur hat eine hohe Spannung wenn man Schnellkraft trainiert. Dabei sind es manchmal nur kleine „Zwicke“, welche zu Verletzungen führen können.
Weiter fällt mir auf, dass viele Verletzungen wegen emotionaler Müdigkeit passieren. Sei es wegen dem Rummel nach Erfolgen oder der langen Saison wegen. Die jungen Schwinger müssen schon Ende April parat sein, damit sie ihre Kränze für die Unspunnen-Selektion machen. Jetzt, anfangs August, wird es gefährlich. Wegen der emotionalen Müdigkeit stimmt teilweise die Koordination nicht mehr, und schon geschehen Unfälle.
Als vorbeugende Massnahme müsste man auch darauf achten, was alles neben dem Schwingsport noch gemacht wird. Dazu gehören unter anderem Ausbildung und Beruf. Zu viele Tätigkeiten neben dem Sport machen einfach müde.“

Weiter schreibst du: „Viele sind schon in sehr jungen Jahren auf sehr hohem Niveau. Heisst, beziehungsweise kann heissen, dass aktive und passive Strukturen noch nicht voll ausgereift sind.“ Wie könnte dem begegnet werden?
„Fakt ist, dass heutzutage die Athleten einfach grösser sind, wie beispielsweise Pirmin Reichmuth oder Michael Bächli. Diese grossen Athleten hatten schon in sehr jungen Jahren Riesenhebel, waren körperlich aber noch nicht bereit im Verhältnis zu ihrer Technik.
Ich war beim Luzerner Kantonalen in Malters anwesend und hatte das Gefühl, ich sei an einem Jungschwinger-Anlass. Dort traten so viele junge Schwinger an. Ich meine, dass die doch verheizt werden. Wenn diese Jungen ein oder zwei Gänge gewinnen, müssen sie gegen einen „Crack“ antreten. Die Bänder und Muskeln sind mit 16 Jahren aber noch nicht bereit für solche Kämpfe. Es sind nicht alles Giger oder Wicki, die schon in jungen Jahren körperlich voll parat sind.“

Eine weitere Aussage von dir: „Was das Vorbeugen von Verletzungen angeht, ist man heute in vielen Bereichen weiter als noch zu Zeiten von Hasler und Co.“ Wie beugt man heutzutage Verletzungen vor? Wie tat man es zu Zeiten von Hasler und Co.?
„Hasler hatte einen robusten Körperbau. Damals holte man sich unter anderem bei der Arbeit die nötige Kraft. Man hat heute einfach mehr Möglichkeiten, weiss mehr über die Trainingslehre und kann gezielt schwache Stellen am Körper trainieren. Es wird ganzheitlich alles gestärkt und man schaut die Bewegungen an.“

Du bist der Betreiber der Herzog Training GmbH. Was genau bietest du an und was für Sportler sind deine Kunden?
„Bei mir trainieren etwa 12 Schwinger. Weiter Motocross-Fahrer, Eishockeyspieler, Karate-Kämpfer, Tennisspieler, FIFA-Schiedsrichterinnen, Eishockeyschiedsrichter, Unihockeyaner und ganze Fussballklubs, welche bei mir vor allem das Wintertraining absolvieren.
Ich biete ganzheitliches Athletiktraining an. Meine Philosophie lautet dabei: Den grösstmöglichen Übertrag vom Kraftraum in die Sportart respektive auf den Platz zu bringen.“

Wie trainierst du mit den Schwingern?
„Ich mache mit ihnen gezieltes Athletik- und Aufbautraining. Nach der Saison ist jeweils vor der Saison. Nach einer kurzen Pause wird polysportiv Ausdauer, Kraft und Kondition trainiert. Ich bringe den Schwingern olympisches Gewichtheben bei. Dabei müssen sie die entsprechenden Übungen erst erlernen.
Ich muss die Schwinger bei mir sehen, denn ich mache keine Pläne für Fernbehandlung. Ich brauche zwei Jahre mit einem Athleten. In dieser Zeit kommt er zweimal pro Woche ins Training. Zudem wird auch im mentalen Bereich trainiert.“

Kürzlich konnte man in der Berner Zeitung lesen, dass du neuerdings Christian Stucki im mentalen Bereich trainierst. Seit gut zwei Monaten schwingt Stucki viel angriffiger und ist so gut wie eigentlich noch nie. Wie sieht eigentlich diese Betreuung aus?
„Ich kenne Fabian Lüthi, den Athletiktrainier von Christian Stucki, schon länger. Wir haben regelmässig Kontakt und einen guten Austausch miteinander. Vor sechs Jahren war ich einmal bei einem Training von Chrigu dabei und habe gesehen, was er eigentlich könnte. Ich wollte mich aber nicht einmischen.
Vor einiger Zeit hat mich Chrigu aus eigenen Stücken angerufen, und wollte etwas ändern. Er kam zu mir, und wir haben erst mal zwei Stunden miteinander gesprochen und Kaffee getrunken. Wir arbeiten nun miteinander im mentalen Bereich zusammen. Per Zufall bin ich an ihn herangekommen, und die Wellenlänge zwischen uns stimmt. Chrigu kommt jeden Freitag für die Wettkampfvorbereitung und wir trainieren zusammen. Dazu gibt es Gespräche. Bei Schwingfesten bin ich für ihn da. Manchmal genügen zwei oder drei Worte. Ab und zu braucht es einfach jemanden von aussen, um etwas zu verändern.“

Manchmal bekommt man den Eindruck, dass die Berner den restlichen Teilverbänden in Sachen Trainingsmethodik einen grossen Schritt voraus sind und deshalb so erfolgreich sind. Was meinst du dazu?
„Die Berner haben vor den anderen damit angefangen, ein Team zu bilden. Zudem haben ihre Schwinger früher damit begonnen, mit professionellen Trainern zusammen zu arbeiten. Es gibt halt immer noch sehr viele Schwinger, die auf eigene Faust in den Kraftraum gehen und trainieren. Bei einigen funktionierts, bei anderen nicht.
Die anderen Teilverbände haben aber inzwischen aufgeholt. Ich sehe es ja bei mir. Denn es kommen ganze Klubs ins Training. Aber: Vor den Bernern dominierten die Ostschweizer. Deshalb muss man das ganze schon relativieren.“

Erst vor einigen Tagen habe ich im „Bote der Urschweiz“ einen Beitrag mit dem Titel „Verletzte Schwinger wetteifern mit der Zeit“ gelesen. Darin konnte man unter anderem lesen, dass beispielsweise Christian Schuler dank einer speziellen Therapie noch vor dem Unspunnen-Schwinget wieder schwingen könnte. Wie sieht so eine „spezielle Therapie“ eigentlich aus?
„Ich weiss nicht, was er macht. Die Überlegung, nicht zu operieren, finde ich gut. Denn ein Eingriff ist ein Eingriff, inklusive Narkose. Das ist eine Belastung für den Körper. Christian weiss: Wenn er operieren lässt, ist die Saison definitiv vorbei. Wenn es funktioniert, ohne zu operieren, dann hat er dem Körper etwas Gutes getan.“

feldwaldwiesenblogger

Nachgefragt bei Guido Gwerder, dem einzigen Schwyzer Brünig-Kranzgewinner

Text: feldwaldwiesenblogger / Foto: Guido Gwerder

Der Muotathaler Guido Gwerder gewann gestern den so begehrten Brünig-Kranz. Dies war kein leichtes Unterfangen. Denn der in Illgau SZ lebende Sennenschwinger war der einzige von 14 angetretenen Schwyzern, welcher gestern kranzgeschmückt heimkehren durfte.

Warum Guido diese Saison erst so richtig beim Brünigschwinget reüssieren konnte, wie die Gefühlslage nach dem Sieg über Thomas Sempach aussah und ob er mit diesem Kranz die Unspunnen-Qualifikation im Sack hat, fragte ich ihn bei einem Telefonat.

guido gwerder_brünigkranz 2017
Guido Gwerder, der glückliche Brünig-Kranzgewinner

Herzliche Gratulation zum Brünigkranz! Du warst zugleich der beste Schwyzer und der einzige, welcher den so begehrten Berg-Kranz gewann. Was bedeutet dir das?
„Sehr viel. Der Gewinn des Brünigkranzes ist immer speziell, vor allem auch bei dieser tollen Besetzung, welche gestern auf dem Brünig antrat.“

Der letzte Kranz vor dem 2017er-Brünigkranz war der Brünigkranz 2016. Weshalb hast du dazwischen keinen anderen Kranz gewonnen?
„Ich war dieses Jahr längere Zeit ausser Gefecht. Anfangs Saison trat ich beim Ob- und Nidwaldner Kantonalen an, bei welchem mir ein „Vierteli“ für den Kranzgewinn fehlte. Danach bekam ich beim Squash einen Ball ins Auge und durfte anschliessend sieben Wochen nicht schwingen. Ich erlitt dabei einen Knochenbruch und das Auge war geschwollen. Zudem war die Bindehaut kaputt.
Bei den beiden Bergkranzfesten auf dem Stoos und dem Schwarzsee-Schwinget war ich wieder dabei, bei welchen ich den Kranz aber nicht gewinnen konnte. Beim Innerschweizerischen zog ich mir einen Riss im Meniskus zu, und musste den Wettkampf nach drei Gängen aufgeben. Vor zwei Wochen konnte ich wieder mit dem Schwingtraining beginnen und entschied mich für eine Teilnahme auf dem Brünig.“

Wann glaubtest du gestern Sonntag daran, dass es für den Kranz reichen könnte?
Guido lacht. „Wann habe ich daran gedacht? Ich studierte eigentlich nie lange am Kranz herum. Nach dem fünften Gang wurde mir mitgeteilt, dass 56.00 Punkte eventuell für den Kranzgewinn reichen könnten. Erst ab diesem Moment machte ich mir Gedanken.“

Welches war dein Schlüsselgang zum Kranzgewinn?
„Der Sieg gegen Thomas Sempach im vierten Gang.“

Beschreibe doch bitte deinen Sieg über den letztjährigen Brünig-Sieger Thomas Sempach und die anschliessende Gefühlslage?
„Thomas hat mit innerem Haken angesetzt. Beim Fallen konnte ich ihn mit Schlungg nachziehen. Am Boden vermochte ich ihn zu fixieren und mit Nachdrücken konnte ich ihn bezwingen.
Für mich war es eine Riesenfreude. Denn ich konnte den letztjährigen Brünigsieger und einen mehrfachen Eidgenossen bezwingen. Das war für mich ein Riesenstolz. Beim Eidgenössischen in Estavayer verlor ich gegen ihn nämlich beim ersten Zug. “

Was meinst du, hast du mit diesem Kranz die Unspunnen-Qualifikation im Sack?
„Nein, ich glaube nicht. Es fehlt mir noch ein weiterer Kranz. Mit zwei Kränzen hätte es wahrscheinlich gereicht. Bei einer Vorselektion war ich nicht dabei, wohl aber mein Bruder Carlo. Er sollte mit drei Kränzen dabei sein.“

Welches sind deine nächsten Schwingfeste?
„So genau weiss ich das noch nicht. Ich denke, dass ich beim Herbstschwinget Unteriberg antreten werde, wahrscheinlich auch bei demjenigen in Siebnen. Der Chilbi-Schwinget Einsiedeln, welcher dieses Jahr in Alpthal SZ zur Austragung kommt, steht eventuell auch noch auf dem Programm.“

Du scheinst nun deine Verletzungen gut auskuriert zu haben und in Topform zu sein. Schade, dass die Kranzfestsaison vorbei ist?
„Ja, das ist so. Vermutlich wären in dieser Saison noch ein oder zwei Kränze drin gelegen.“

Schwingst du 2018 auch?
„Das weiss ich im jetzigen Moment noch nicht. Es kommt darauf an, wie es meinen beiden Knien, welche schon etliche Verletzungen erlitten haben, geht. Wenn diese das Wintertraining gut überstehen, bin ich 2018 auch in den Sägemehlringen anzutreffen.“

feldwaldwiesenblogger

Besuch beim aufstrebenden Berner Oberländer Turnerschwinger Kilian von Weissenfluh

Text und Fotos: feldwaldwiesenblogger

Der junge Berner Oberländer Kilian von Weissenfluh ist definitiv einer der Saison-Aufsteiger. Der Turnerschwinger von der Schwingersektion Hasliberg hat in dieser Saison bisher sechs Kränze gewonnen. Im Umfeld von Kilian hat man vernommen, dass das Jungtalent vom Berner Team während dem letzten Winter am meisten Fortschritte erzielt hat. Diese äussern sich nun in Form von starken Resultaten.

Kilian wohnt in Hasliberg-Hohfluh BE und wird im September 21-jährig. Der gelernte Zimmermann ist ein halber Muotathaler, seine Mutter Myriam kommt von dort. Väterlicherseits stammt der Haslitaler von der Schwinger-Dynastie „von Weissenfluh“ ab. Vater Peter und Grossvater Peter senior waren schon erfolgreiche Schwinger und Kilian’s Onkel Christian war jahrelang einer der besten Berner Schwinger.

Am 24. Juli, am Montag vor dem Brünig-Schwinget, fuhr ich nach Hasliberg-Hohfluh und führte mit Kilian ein äusserst interessantes Gespräch. Dabei erfuhr ich auch, dass der 186 Zentimeter grosse und 90 Kilogramm schwere Athlet nebst dem Schwingen den Sport allgemein zu seinen Hobbys zählt. Weiter frönt der in breitestem Haslitaler-Dialekt sprechende Berner dem Schwyzerörgeli-Spiel und hält sich gerne in der Natur auf.

Kilian erzählte zudem, dass er beim Brünig-Schwinget drei oder viermal als „Täfelibuäb“ amtete. Später verkaufte er Getränke unter den Zuschauern. Auch heute noch können die Organisatoren auf die Hilfe des achtfachen Kranzschwingers zählen. Am Montag nach dem Brünig-Schwinget hilft er stets beim Aufräumen mit. Übrigens: Das wohl härteste aller Bergkranzfeste wird gemeinsam vom Ob- und Nidwaldner Schwingerverband und der Schwingersektion Hasliberg organisiert.


Kilian von Weissenfluh beim Gespräch

Du bist ein der Aufsteiger der Saison. Hast du eine Erklärung dafür?
„Bis jetzt war es tatsächlich eine super Saison. Ich hatte schon 2014 ein gutes Gefühl. Im Jahr 2015 riss ich mir beim ersten Schwingfest der Saison (Hallenschwinget Oberdiessbach) im rechten Knie das Kreuzband. Die ersten drei Gänge gewann ich und wurde im vierten Gang mit Matthias Aeschbacher eingeteilt. Bei diesem Gang wollte ich vermutlich zu viel und zog so viel ich konnte, was wohl des Guten zu viel war. Der Unfall und die anschliessende Operation waren ein entscheidender Moment für meine Karriere. Der Heilungsprozess verlief ausgezeichnet. Von diesem Zeitpunkt an ging es Schritt um Schritt aufwärts. 2016 machte ich beim Mittelländischen Gauverbandsfest den ersten und beim Bern-Jurassischen den zweiten Kranz. Der Lohn dafür war die Selektion für das Eidgenössische in Estavayer. Ich hatte letztes Jahr schon keine schlechte Saison.
2016 absolvierte ich zudem die Rekrutenschule (RS) und konnte bis im November nur wenig trainieren. Nach der RS habe ich während dem Winter gut trainiert und blieb in dieser Zeit gesund. Ich fehlte praktisch bei keinem Training.
Ebenfalls letztes Jahr wurde ich ins Kader vom Bernisch Kantonalen Schwingerverband (BKSV) berufen. Wenn man in diesem Team trainieren darf, kann man eigentlich nur stärker werden. Man kann so viel davon profitieren. Ich denke, das ist die Erklärung dafür, dass es in dieser Saison so gut läuft.“

Was sind deine bevorzugten Schwünge? Welche hast du im vergangenen Winter neu ins Repertoire aufgenommen?
„Das sind der Hochschwung, Kurz, Innerer Haken und Brienzer. Letzten Winter habe ich den Kurz neu ins Repertoire aufgenommen. Ich war stets einer, der überhaupt nicht Kurz ziehen konnte. Während dem letzten Winter erlernte ich diesen Schwung. Wir haben auch viel Bodenarbeit trainiert, im Herbst haben wir uns praktisch nur dieser Schwingweise gewidmet. Daraus entnimmt man jeweils auch das eine oder andere.“

Wie sieht dein Trainingsprogramm in dieser Woche vor dem Brünig-Schwinget aus?
„Am Montag steht ein Krafttraining auf dem Programm. Am Dienstag bestreiten wir Oberländer Schwinger in Thun ein Schwingtraining. Am Donnerstag findet in Interlaken ein gemeinsames Schwingtraining mit den Schwingklubs Brienz, Meiringen, Hasliberg und Interlaken statt. Am Freitag vor einem Schwingfest gehe ich meistens locker joggen oder Velofahren, und am Samstag mache ich in der Regel nur wenig. Dazu gehören Dehnungsübungen und Lockerungsübungen mit der Blackroll, einer kleinen Übungsrolle zur Regeneration und Selbstmassage.“

Du bist familiär gesehen ein halber Muotathaler. Hast du einen grossen Bezug zu der Heimat deiner Mutter?
„Ja, sicher. Ich bin ein stolzer Muotathaler. Den Bezug habe ich natürlich durch die Verwandtschaft mit den vielen Cousinen sowie Cousins und dem Grosi. Drei- bis viermal im Jahr bin ich zu Besuch im Thal, immer auch an Weihnachten.“

Verfolgst du auch das Schwinggeschehen im Muotatal? Hast du dich auch schon mit Ralf Schelbert und Dario Gwerder gemessen?
„Nein, ich habe mit beiden noch nie geschwungen. Mich interessiert das Schwinggeschehen dort natürlich schon und ich verfolge es auch. Ich bekam auch mit, dass Ralf und Dario leider Unfallpech hatten.“


Der Haslitaler hält sich gerne in der Natur auf

Die Schwinger-Gene wurden dir aber vor allem väterlicherseits in die Wiege gelegt: von Weissenfluh ist ein bekannter Name in der Schwingerszene?
„Mein Vater Peter, Onkel Christian und Grossvater Peter senior haben alle geschwungen. Der erfolgreichste von ihnen war Christian. Ich profitiere natürlich von ihnen, am meisten von meinem Vater. Nebst wertvollen Tipps filmt er meine Gänge an den Schwingfesten, welche wir hinterher analysieren. Der ehemalige Schwinger war lange auch Technischer Leiter. Von Onkel Christian bekomme ich Tipps für den mentalen Bereich. Mit meinem Grossvater telefoniere ich praktisch jeden Sonntag nach einem Schwingfest und fachsimple mit ihm.“

Am kommenden Sonntag findet der Brünig-Schwinget statt. Hand aufs Herz: Ein Sieg praktisch vor deiner Haustür dürfte eines deiner grössten Ziele sein?
„Ja, das ist so. Es ist ein Kindheitstraum, da ich nur schon rein von der Distanz her einen Riesenbezug zum Brünig-Schwinget habe. Für mich ist es eines der speziellsten Feste. Die Vorfreude ist gross, man ist motiviert und kennt sehr viele Leute vor Ort.“

Das Ziel für den Brünig-Schwinget 2017?
„Das Ziel ist der Kranz. Wenn alles rund läuft, ist es möglich.“

Die Berner Schwinger haben ganz allgemein gesehen den Dreh draussen, um erfolgreich zu sein. Was macht ihr besser als beispielsweise die Innerschweizer?
„Was soll ich sagen? Wir Berner haben ein gutes Team. Wenn du an der Spitze stets gute Schwinger hast, werden auch diejenigen Athleten dahinter immer besser. Die einen ziehen die anderen mit. Die Trainingseinheiten vom Berner Team sind extrem hart. Bei denen versucht man alles aus sich herauszuholen.
Aber: In diesem Jahr haben die Innerschweizer sicher Pech mit etlichen verletzten Schwingern. Ich denke, auch sie machen ihre Sache gut. Und: Dazu gehört auch das nötige Quäntchen Glück.
Beim Unspunnen-Schwinget 2011 hat man im Vorfeld auch gesagt, dass die Berner dominant seien. Am Abend hat das Ganze wieder ganz anders ausgesehen. Auch auf dem Brünig wird erst am Abend abgerechnet.“

Die Qualifikation für den Unspunnen-Schwinget hast du im Sack, oder? Was liegt dort für dich drin?
„Ich denke, es sollte reichen. Die definitive Selektionierung ist aber noch nicht erfolgt. Ich vermute, dass es ein hartes Schwingfest wird. Letztes Jahr beim Eidgenössischen habe ich eine Nase voll von einem Grossanlass nehmen dürfen. Nach vier Gängen musste ich leider duschen gehen, denn es hat praktisch nichts zusammengepasst. Dieses Jahr ist die Situation sicher etwas anders. Ich befinde mich nicht in der RS, wie während dem ESAF2016 und konnte in dieser Saison gut trainieren. Wenn ich die Hälfte der Gänge gewinnen könnte, wäre das ein schöner Erfolg.“

Bei Zusammenzügen der Berner Schwinger hast du dich sicher schon öfters mit Kilian Wenger, Matthias Glarner, Matthias Sempach oder Christian Stucki gemessen. Hast du auch schon einen dieser vier Athleten im Training gebodigt? Was zeichnet diese vier Schwinger besonders aus?
„Im Training habe ich den einen oder anderen auch schon bezwungen. Dabei probiert man auch Dinge aus, und fällt halt auch mal auf den Rücken. Auch wenn man diese Schwinger nicht bezwingt, kann man viel von ihnen profitieren. Ich habe jede Woche die Möglichkeit, mit den momentan besten Athleten zu schwingen. Das ist natürlich super.
Stucki hat körperlich gesehen extrem gute Voraussetzungen und die anderen drei sind schwingerisch gesehen komplette Athleten. Diese vier beherrschen ihr Handwerk einfach. Auf menschlicher Ebene sind sie zudem flotte Kameraden, bodenständig und hilfsbereit.“


Kilian hat in dieser Saison bereits sechs Kränze gewonnen

Um auch einmal so ein Top-Crack zu werden: Woran denkst du, müsstest du noch arbeiten?
„Ich denke, ich muss so weitermachen. Dranbleiben, weiterhin viel und hart trainieren und für diesen Sport leben. Dann muss es irgendwann gut kommen. Wichtig ist auch, dass man die Motivation nicht verliert und sich immer wieder anstacheln kann, um Vollgas zu geben.“

Aber: Wenn deine Entwicklung so weiterläuft, stehst du 2019 in Zug im Schlussgang, oder?
Kilian lacht. „Ja, ja. Das wäre natürlich super, ich studiere aber noch nicht so weit. Bis dann sind noch zwei komplette Saisons, und es kann noch so viel passieren. Wenn ich mich noch etwas steigere und mit der Spitze mithalten kann, ist das nicht auszuschliessen. Aber dazu braucht es viel und es muss alles zusammenpassen. Ein Eidgenössisches findet alle drei Jahre statt und in diesen zwei Tagen musst du einfach auf Top-Niveau sein. Sonst funktioniert das nicht.“

Hast du eigentlich einen Coach?
„Im letzten November ging ich nach Zürich in eine Sportklinik und wollte wissen, wo ich im Vergleich mit anderen Sportlern stehe. Es wurden verschiedene Tests gemacht und anhand der Ergebnisse stellte mir ein Sportwissenschaftler einen Trainingsplan zusammen. Wie ich schlussendlich mein Training gestalte, liegt in meiner Entscheidung. Der erwähnte Wissenschaftler gibt mir dabei als Unterstützung wichtige Tipps. Schwingerisch gesehen ist es mein Vater, welcher mich trainiert. Er steht aber nicht mehr im Schwingkeller. Das Schulschwing-Training in Meiringen wird entweder von Matthias Glarner oder Simon Anderegg geleitet.“

Gibt’s nach dem Brünig-Schwinget Sommerferien?
„Von meiner Arbeitsstelle her nicht und das Training geht auch weiter. Eigentliche Ferien gibt es erst nach Saisonende. Im Oktober muss ich zudem für einen dreiwöchigen Wiederholungskurs ins Militär und mache dann auch eine Trainingspause. Anfangs November startet das Training für 2018 und wir widmen uns bis Neujahr dem Schulschwingen.“

Wie sieht deine Trainings-Planung bis zum Unspunnen-Schwinget aus?
„Es geht im gleichen Rahmen weiter, so wie ich es von Frühling bis Herbst gewöhnlich handhabe. Vier bis fünf Trainingseinheiten stehen pro Woche an. Je nachdem, ob ein Schwingfest ansteht, wird das Training unter der Woche angepasst. Im vergangenen Juni bestritt ich praktisch jedes Wochenende ein Schwingfest. Unter der Woche ging ich dann manchmal nur am Dienstag und Donnerstag ins Schwingtraining und absolvierte keine zusätzlichen Trainingseinheiten.
Nach dem Brünig-Schwinget steht auf Käserstatt ob Hasliberg ein zweitägiges Trainingslager mit dem Berner Team auf dem Programm. Weiter finden vor dem Unspunnen-Schwinget noch zwei oder drei Zusammenzüge mit den Berner Schwingern statt.“

Beim Bergklassiker auf dem Brünig nimmt Kilian nun zum zweiten Mal teil. Im August möchte Kilian noch das Schwing-und Älplerfest Engstlenalp bestreiten und ist für den Schwägalp-Schwinget gemeldet. Nach dem Saisonhöhepunkt in Interlaken gedenkt der Berner Oberländer auch beim Kemmeriboden Schwinget Schangnau und dem Chemihütte-Schwinget Aeschiried anzutreten.
Für den Brünig-Schwinget und den weiteren Saisonverlauf wünsche ich dem sympathischen Turnerschwinger aus Hasliberg-Hohfluh ToiToiToi und alles Gute.

feldwaldwiesenblogger

Besuch beim vierfachen Eidgenossen Andi Ulrich auf dem Bergheimet Föhnenberg – Teil 2

Text und Fotos: feldwaldwiesenblogger

Andi Ulrich ist ein Publikumsliebling. Er spürt diese Wertschätzung und erhält in der ganzen Schweiz viele Komplimente. Einige haben schon staunend zu ihm gesagt: „Was, du bist ein Bergbauer, und schwingst an der Spitze mit?“ Oder er wird auch wegen seiner Technik gelobt. Andere meinten gar, dass sie ihm am liebsten zuschauen und seine Schwingweise sehr attraktiv finden.

Im Teil 1 behandelte ich mit Andi unter anderem sein Schwingtraining. Diesen Faden will ich hier erneut aufnehmen. Der Sennenschwinger erlernte die Schwünge als Jungschwinger relativ einfach. Mit 18 Jahren gewann er bei den Aktiven auf Anhieb in einer Saison vier Kränze. Der Gersauer wendete damals vor allem den „Lätz“ an. Sein Glück war, dass ihn die anderen Schwinger damals noch nicht kannten. Als Andi’s „Lätz“ in der Schwingerszene bekannt war, wusste er, dass er etwas ändern muss, um wieder erfolgreich zu sein. Der mittlerweile 78-fache Kranzschwinger setzte sich damals das Ziel, auch über die rechte Seite Schwünge zu beherrschen, wie beispielsweise den Kurz. Das Erlernen der neuen Schwünge fiel ihm relativ leicht, ebenso das Umsetzen an Schwingfesten. Dazu meint der vielseitige Techniker: „Schwünge schulschwingmässig oder im Wettkampf zu beherrschen sind zwei separate Schuhe.“ Andi setzte sich als weiteres Ziel, jedes Jahr einen neuen Schwung zu erlernen. Mehr noch: Dass er auf diese bei Schwingfesten auch setzen kann.

Andi Ulrich ist ein Instinktschwinger
Beim Südwestschweizerischen Schwingfest in Kerzers FR gewann der Familienvater mit vier verschiedenen Schwüngen: Wyberhaken, Lätz, Übersprung und Kurz. Beim Gespräch erklärt Andi weiter, dass er 2017 mit Kurz noch nicht viele Gegner besiegt habe. Zu seinem Repertoire an Schwüngen gehören der erwähnte Kurz, Lätz, Wyberhaken, Brienzer, Innerer Haken, Fussstich und Übersprung. Nebst diesen sieben Schwüngen wendete der vierfache Eidgenosse beim Schwyzer Kantonalen auch den Schlungg an.

Andi ist ein Instinktschwinger, denn manchmal weiss er nach einem Gang gar nicht mehr genau, mit welchem Schwung er zum Erfolg kam. Der „Mythenverbändler“ meint dazu: „Wenn du viel schwingst und viele Schwingtrainings absolvierst, bekommst du auch das nötige Gefühl fürs Schwingen und deren Abläufe. Durch das Schwingen bekommt man aber auch eine gute Fitness. Das Schwingtraining ist einfach das Wichtigste, auch für die Kondition.“

Weiter erklärt der Bergbauer, dass man beim Schwingen den ganzen Körper bewegt und braucht, vom Kopf bis hinunter zu den Füssen.
Pausen seien für die Muskeln und den Körper genauso wichtig wie das Training. „Um meinem Körper die nötige Erholung zu gönnen, verzichte ich auch auf Trainings. Dies ist in meinen Augen auch eine Vorbeugung für Verletzungen“, ergänzt Andi. Die schlimmste Verletzung, welche der achtfache Kranzfestsieger jemals erlitten hatte, war ein Rippenbruch.


Andi Ulrich beim Gespräch auf dem Föhnenberg

So wie ich dich einschätze, verbringst du nicht so viel Zeit im Krafttraining wie gewisse (junge) Schwinger. Wenn du nochmals 20-jährig wärst, würdest du mehr Krafttraining machen?
„Nein, denn mir sagt dieses Training nicht zu. Wenn ich im Winter das Krafttraining aufnehme, starte ich bei den Übungen meist bei null. Das heisst, ich muss wieder dort beginnen, wo ich bereits vor einem Jahr anfing. Bis zum Frühling kann ich mich schon steigern. Weil ich dann wieder aufhöre, fällt mein Level wieder ab. Eigentlich sollte man deswegen auch im Sommer Krafttraining machen. Ich mache es einfach nicht gerne. Denn ich trainiere lieber polysportiv. Früher spielte ich sogar Squash, Tennis oder Fussball, um mich möglichst vielseitig zu bewegen.
Aus meiner Sicht ist das Schwingtraining das Wichtigste. Klar, wenn ich nicht meine Technik hätte, sähe das vielleicht anders aus. Dann müsste ich wohl körperlich mehr machen, damit ich kräftiger wäre.“

Ganz allgemein gesehen: Was rätst du jungen Teamkollegen, wie sie trainieren sollen?
„Bei unserem Schwingklub Mythenverband haben wir zwei Schwingtrainings pro Woche. Daneben wird im Winter einmal wöchentlich ein Kantonaltraining durchgeführt, welches die jungen Schwinger auch besuchen können. Von unserem Klub aus wird im Winter auch ein Konditionstraining angeboten. Wenn sie diese vier Trainings besuchen, sind sie sicher auf einem guten Weg. Das Schwingtraining ist einfach das Wichtigste. Aber auch das Konditionstraining ist erforderlich, denn es gibt dir die nötige Härte. Ebenso Übungen für die Koordination, Beweglichkeit und Reaktion.
Meines Erachtens sollte man erst mit 20 Jahren in den Kraftraum gehen, wenn man das möchte. Für das Krafttraining und dessen Organisation ist bei uns „Mythenverbändler“ jeder Schwinger selber verantwortlich.
Man muss einfach gut auf den eigenen Körper hören. Was ich jetzt wohl genau tue, habe ich als ganz junger Schwinger weniger gemacht. Je älter man wird, desto wichtiger ist es, dem Körper die nötige Erholung zu gönnen.“


Das Gespräch fand an dem grossen Holztisch statt, welchen der Gersauer als Gabe aus Estavayer mit nach Hause nahm

Ein Ausblick auf den Unspunnen-Schwinget: Was traust du dir dort zu?
„Ich werde nach Interlaken gehen, um zu schwingen und Freude daran zu haben. Und schaue dann, was dabei rauskommt. Beim letzten Unspunnen-Schwinget lief es nicht schlecht. Ich war jedenfalls zufrieden. Schlussendlich spricht nachher sowieso nur jeder vom Sieger. Klar, wenn mir jemand sagen würde, dass ich in der Endabrechnung den zweiten Platz belegen würde, würde ich das unterschreiben.“

Du wirst im September 32-jährig. Man sieht dich sicher noch beim Eidgenössischen 2019 in Zug schwingen?
„Sicher ist das nicht. Ich schwinge diese Saison zu Ende und schwinge auch nächstes Jahr noch. Dann werde ich über die Bücher gehen. Vom heutigen Standpunkt aus gesehen bin ich in Zug eher nicht dabei. Denn momentan habe ich keine Lust auf ein Eidgenössisches. Ich habe noch genug vom letzten, welches ein sehr strenges Schwingfest war. Wenn es so gelaufen wäre wie in Burgdorf, sähe es vielleicht anders aus. Mental war es für mich grausam, denn ich wusste, dass ich für den Kranz am zweiten Tag alle vier Gänge gewinnen muss. So etwas möchte ich am liebsten nicht mehr erleben. Es war ein Riesendruck vorhanden. Zum Glück habe ich es dann doch geschafft, und es war eine grosse Genugtuung. Körperlich war es keine Frage, aber mental. Dazu kam auch der Rummel vor Estavayer2016, welcher schon im Frühling begann. Du wurdest ständig und praktisch täglich an das Eidgenössische erinnert. Nicht nur ich empfand das als ziemlich mühsam, auch andere Klubkollegen.
Aber eben, wenn es nächstes Jahr auch sehr gut läuft, sieht das wieder anders aus.“

Der Brünig-Schwinget ist 2017 das letzte Kranzfest für Andi Ulrich. Ob er vor dem Unspunnen-Schwinget Mitte August allenfalls ein Rangschwinget bestreitet, wusste der Gersauer beim Gespräch noch nicht. Er sagt dazu: „Im Frühling kann ich es gut planen. Während der Saison nehme ich es wie es kommt. Wenn es für mich nicht stimmt, gehe ich nicht.“

Ich bedanke mich bei Andi für das interessante und aufschlussreiche Gespräch auf dem Föhnenberg und wünsche ihm für den weiteren Saisonverlauf alles Gute und beste Gesundheit.

feldwaldwiesenblogger

Besuch beim vierfachen Eidgenossen Andi Ulrich auf dem Bergheimet Föhnenberg – Teil 1

Text und Fotos: feldwaldwiesenblogger

Am 17. Juli, ein Tag nach dem denkwürdigen Südwestschweizerischen Schwingfest in Kerzers FR, besuchte ich den vierfachen Eidgenossen Andi Ulrich. Ich fuhr zum Bergheimet Föhnenberg hoch, welches sich auf knapp 1000 Metern über Meer auf der Gemeindefläche von Gersau SZ befindet. Auf dem Föhnenberg hat man eine atemberaubende Aussicht auf den Vierwaldstättersee und die umliegenden Berge. Andi wohnt hier mit seiner Frau Nadine und den beiden Kindern Damian und Julian in einer idyllischen Bergwelt.

Der gelernte Forstwart arbeitet in einem 80 Prozent-Pensum als Maschinist bei der Christen Gartenbau AG in Küssnacht SZ. Mit den restlichen 20 Prozent betreibt er das Bergheimet mit elf Kühen und acht Rindern, bei welchem ihm auch seine Eltern zur Hand gehen. Diese wohnen nämlich auch auf dem Föhnenberg. Die Wurzeln von Andi sind im Bisisthal SZ zu finden, geboren und aufgewachsen ist er aber hoch ob Gersau.

Der Sennenschwinger fing 1996 mit dem Schwingsport an und holte sich 2003 beim Schwyzer Kantonalen seinen ersten Kranz. Inzwischen nennt der 181 Zentimeter grosse und 100 Kilogramm schwere Athlet 78 Kranz-Exemplare sein eigen und durfte schon acht Kranzfestsiege feiern. Andi erkämpfte sich 2017 bisher sechs Kränze und gewann mit dem Schwyzer Kantonalen ein Kranzfest. Alles in allem eine starke Saison, welche sich mit grossen Schritten dem Saisonhöhepunkt nähert.


Andi Ulrich wohnt mit seiner Familie inmitten einer idyllischen Bergwelt

Du bist mit dem bisherigen Saisonverlauf sicher zufrieden. Was waren aus deiner Sicht die Highlights?
„Ein Highlight war sicher der Sieg beim Schwyzer Kantonalen, welcher für mich relativ unerwartet kam. Weiter die Schlussgang-Qualifikation beim Innerschweizerischen. Der Schlussgang selber war kein Highlight. Schön war aber, dass ich bei so einem Fest so weit gekommen bin.“

Gibt es etwas, was nicht ganz nach deinem Gusto verlief?
„Das Verpassen des Stoos-Kranzes, diesen hätte ich gerne gewonnen. Denn es wäre für mich der zehnte Stoos-Kranz gewesen. Es lief mir dort nicht nach Wunsch. Aber es ist ein Bergkranzfest und an diesen ist es einfach zäh.“

Was meinst du zu den fragwürdigen Entscheiden beim Südwestschweizerischen in Kerzers?
„Es lief eindeutig gegen die Gästeschwinger, und insbesondere gegen Reto Nötzli. Zum sechsten Gang von Reto gilt es zu erwähnen: Das Abrollen in einem Zug wird seit 2008 mit der Note Zehn gewertet. Die beiden Kampfrichter am Tisch waren wohl für die Zehn, der Platzkampfrichter hingegen nicht. Reto ist ein anständiger und korrekter Schwinger. Diese Notengebung liess er sich aber nicht gefallen und sagte, dass er im Einteilungsbüro vorsprechen werde. Mit der Begründung, dass das nicht korrekt sei, was gerade abgelaufen sei. Zum Glück ging man im Einteilungsbüro darauf ein und schrieb Reto nachträglich die Zehn. So kam er zum verdienten Co-Sieg. Denn ihm wurde im fünften Gang für einen Plattwurf die Maximalnote verwehrt. So wäre er sogar im Schlussgang gestanden.
Als Nötzli nach dem sechsten Gang die Maximalnote erst nicht geschrieben wurde, ging ISV-TK-Chef Thedy Waser nach dem fragwürdigen Entscheid zum Tisch der angesprochenen Kampfrichter. Waser fragte, ob sie den neuen Passus im technischen Regulativ betreffs des Abrollens in einem Zug kennen. Sie entgegneten ihm, dass sie das nicht wussten. Weiter mischte sich Waser bei dieser Situation aber nicht ein.“

Hast du die schnelle Niederlage im Schlussgang des Innerschweizerischen inzwischen verdaut? Oder anders gefragt: Wie verarbeitet man so etwas?
„Verdaut habe ich es inzwischen. Wenn mich nicht jemand darauf anspricht, würde ich gar nicht mehr daran denken. In der Woche nach dem Innerschweizerischen war es natürlich sehr präsent. Betreffs Verarbeiten: Du musst einfach das Positive sehen, und es nützt nichts, sich zu ärgern wenn man im ersten Zug verloren hat. Das würde mich mental nur bremsen. Das Positive daran ist, dass ich es in den Schlussgang gebracht habe, und für mich so gesehen das Highlight des Tages war. Dies half mir auch, schnell darüber hinweg zu kommen.“


Der sympathische Sennenschwinger beim Gespräch

Inwiefern beschäftigt einen Schwinger die Tatsache, dass sich auf der Rigi gleich zwei ISV-Team-Kameraden zum Teil schwer verletzt haben?
„Das ist einfach Pech. Ich bin jeweils immer zufrieden, wenn ich am Abend gesund die Heimreise antreten kann. Klar gehört der sportliche Ehrgeiz dazu. Aber: Es ist sehr viel wert, gesund heimzukommen, auch ohne Kranz.“

Wie bringst du Familie, Schwingsport, Beruf und Bauernbetrieb unter einen Hut?
Andi lacht. „Mit einer guten Frau und guten Eltern. Sie unterstützen mich voll und ganz, damit ich unbeschwert an Schwingfeste und an Trainings fahren kann. Es kommt eher von mir aus, dass ich den Trainingsaufwand reduziert habe, vor allem im Sommer. Denn im Sommer trainiere ich nicht viel. Es ist einfach etwas Anderes, wenn man Familienvater ist, und daheim einen Betrieb hat. Es wird für einen wichtiger. Wenn ich im Sommer nach Hause komme, stehen diese und jene Arbeiten wie das Heuen an. Im Winter sieht das wieder anders aus. Da steht mir mehr Zeit für das Training zur Verfügung.“

Ist dein momentaner Trainingsaufwand geringer als in jüngeren Jahren? Hat sich dieser im Verlauf der letzten zehn Jahre gross verändert?
„Ja, das ist er. Früher habe ich im Winter fünfmal pro Woche trainiert, heute sind es maximal drei Trainings. Nebst zwei Schwingtrainings steht eine Einheit Kondition auf dem Programm. Manchmal bestreite ich zudem ein Krafttraining, dann gehe ich aber nur an ein Schwingtraining.
Im Sommer besuche ich meist nur ein Schwingtraining, ausnahmsweise zwei. Denn es stehen viele Schwingfeste an. Ich vertraue soweit auf meine Fähigkeiten und verzichte wegen den bei der vorherigen Frage angesprochenen Umstände auf mehr Trainings.“

Hast du bewusst relativ viele Vorbereitungs-Schwingfeste im Frühling bestritten, um so in den Rhythmus für die Kranzfeste zu kommen?
„Das ist unbestritten so, und man muss wegen der neuen Regelung auch mindestens an vier Rangschwingfesten teilnehmen. So startete ich beim Hallenschwinget Sarnen, beim Frühjahrsschwinget Oberarth, beim Muotathaler Rangschwinget und beim Frühjahrsschwinget Ibach. Mir gehen die Schwingfeste im Frühling viel einfacher von der Hand, als im Herbst. Da wir bei uns in der Innerschweiz vor dem Beginn der Kranzfestsaison relativ viele Rangschwinget haben, kann man die erwähnte Regelung ohne Probleme einhalten und hat vor dem Beginn des ersten Kranzfestes sogar noch eine genügend lange Pause.“

Der zweite Teil des Gespräches mit Andi Ulrich folgt in einigen Tagen. Dabei geht es unter anderem um Krafttraining, was er jüngeren Teamkollegen rät, um einen Ausblick auf den Unspunnen-Schwinget und ob er 2019 in Zug dabei ist.

feldwaldwiesenblogger

Gedanken zu den Regeländerungen und der schwingerischen Situation in der Innerschweiz

Text und Foto: feldwaldwiesenblogger

Am 20. Februar dieses Jahres stellte ich folgenden Blogbeitrag online: Regeländerungen im Innerschweizer Verbandsgebiet – Schwingexperte René Schelbert gibt Auskunft. Ich vereinbarte damals mit René, im Verlauf des Jahres über die Regeländerungen ein weiteres Gespräch zu führen.

Zur Erinnerung nochmals die Regeländerungen
Im Verbandsgebiet der Innerschweizer trat eine neue Beschickung bei den Kantonalen Schwingfesten in Kraft. Auf 2017 hin wurde ein Verteiler anhand der Schwingerzahlen von 2016 gemacht. Den Verteiler nahm die Technische Kommission des Innerschweizerischen Schwingerverbandes (ISV-TK) im Herbst 2016 vor. Beim Schwyzer und dem Luzerner Kantonalen dürfen nun je 240 Schwinger antreten. Am Ob-/Nidwaldner, Urner und am Zuger je 200. Von diesen Schwingern dürfen maximal 45 Prozent Kranzschwinger sein, der Rest sind Nichtkranzer.
Für die Schwinger hat dies folgende Auswirkungen: Jeder Schwinger kann nebst seinem eigenen Kantonalen maximal an zwei auswärtigen Kantonalen im ISV-Gebiet antreten. Wenn ein Schwinger ein auswärtiges Kantonales im ISV-Gebiet besuchen will, muss er im Vorjahr mindestens vier Rangschwingfeste im ISV-Gebiet besucht haben. Über Ausnahmen entscheidet die ISV-TK.

Betreffs Einteilung gibt es auch eine Änderung: Neu stellt der durchführende Kantonalverband den Obmann plus zwei Einteilungsmitglieder. Dazu stellt jeder andere Kantonalverband je ein Einteilungsmitglied.
Die Kampfrichter-Beschickung sieht nun so aus: Der durchführende Kantonalverband stellt bei jedem Schwingplatz einen eigenen Kampfrichter. Die restlichen Kampfrichter werden gemäss Schwingerzahl aus den anderen Kantonalverbänden aufgeteilt.

René erklärte mir im Februar, dass von 2017 bis 2019 mit diesen Neuerungen eine Versuchsphase laufe. Weiter gab er mir zu Protokoll, dass nach dem letzten Kantonalen eine Standortbestimmung durchgeführt wird. Allenfalls werden Anpassungen vorgenommen. Das Ziel ist, dies 2020 so weiterzuführen.

René Schelbert ist Präsident vom Schwingklub Muotathal, Vorstandsmitglied im Schwyzer Kantonalverband und im Innerschweizer Schwingerverband. Im Schwyzer Kantonal-Vorstand nimmt der ehemalige Schwinger als Vertreter vom Schwingklub Muotathal und als Vertreter vom ISV-Vorstand Einsitz. Im ISV-Vorstand versieht René das Amt des Sekretärs.


René Schelbert im Gespräch

Wurde die angesprochene Standortbestimmung durchgeführt? Wer war dabei?
„Es fanden zwei Standortbestimmungen statt. Bei der ersten trafen sich die fünf Kantonalen Technischen Leiter und der ISV-TK-Chef Thedy Waser. Bei der anderen Standortbestimmung kamen alle Einteilungsmitglieder der diesjährigen Kantonalen Schwingfeste zusammen.“

Was resultierte aus der Standortbestimmung? Werden allenfalls Anpassungen vorgenommen?
„Was bei den Gesprächen genau herauskam, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich vermute aber, dass es leichte Anpassungen geben wird.“

In der SCHLUSSGANG-Ausgabe Nr. 9 vom 20. Juni wurde die neue Beschickung ebenfalls thematisiert. Darin kann man lesen, dass Thedy Waser überzeugt ist, damit den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Sehen das alle so?
„Die fünf Kantonalverbände haben nach den Kantonalen Schwingfesten ein positives Fazit gezogen. Dabei gab es sicher kritische Stimmen. Man ist aber gewillt, diesen Weg so weiterzugehen.“

In einem SCHLUSSGANG-Kommentar von Werner Schönbächler konnte man aber auch lesen, dass sich das neue Beschickungsrecht noch nicht vollends bewährt hat. Er schreibt: „Aus wirtschaftlicher Sicht war eine Steigerung der Zuschauerzahlen zu verzeichnen. Es fragt sich nur, ob die kleinen Kantonalverbände den Mehraufwand über Jahre hinweg stemmen können.“ Sind den Verantwortlichen gar grössere Probleme von Seiten der Kantonalverbände gemeldet worden?
„Eigentlich sind keine grösseren Probleme bekannt. Beim Luzerner Kantonalen bestand ein zeitliches Problem. Das ist aber kein Wunder bei der grossen Anzahl Schwinger. Es ist mir aber nicht bekannt, dass 2018 weniger Schwinger an dieses Kantonale gehen könnten. Ich denke, dass die Zahlen so beibehalten werden. Bei den sogenannt kleinen Kantonalen wie dem Urner, Zuger und Ob-/Nidwaldner möchte man überdies nicht mehr als die vorgegebenen 200 Schwinger zulassen.“

In oben erwähnter SCHLUSSGANG-Ausgabe erwähnte Waser zudem, dass mit der neuen Regelung auch mehr attraktive Gänge zu sehen waren. Welche sportlichen Auswirkungen wurden noch festgestellt?
„Neben mehr attraktiveren Gängen gab es bedeutend mehr Neukranzer, nämlich insgesamt 29 (Vorjahr 14). Weitere sportliche Auswirkungen habe ich keine festgestellt.“

Welches Feedback habt ihr von den Schwingern vernommen?
„Ich beziehe mich auf die Muotathaler Schwinger, da ich von den anderen eigentlich nichts Weiteres vernommen habe. Unsere Schwinger äusserten Vor- und Nachteile bei der Umstellung. Vorher gingen sie zusammen als ganzes Team ans Schwyzer und Zuger Kantonale. Jetzt gehen sie wohl gemeinsam ans Schwyzer, aber in kleineren Gruppen an die anderen Kantonalen. Für ältere Schwinger war dies sicher eine grössere Umstellung. Die kleineren Gruppen werden von einzelnen Schwingern nicht unbedingt geschätzt.“

Was stach dir wegen dem neuen Beschickungsrecht persönlich am meisten ins Auge, sowohl positiv wie negativ?
„Negativ war sicher, dass man diejenigen Schwinger, die schlecht geschwungen haben, nicht miteinander um den Kranz eingeteilt hat.
Positiv ist, dass Schwyzer Schwinger den ersten Kranz gewannen, welche schon länger reif dafür gewesen waren. Weiter darf man als positiv erwähnen, dass es eine bessere Durchmischung der Paarungen gab, da die Schwinger nun an verschiedenen Kantonalen starten durften.“

Wie beurteilst du nach den Kantonalen und dem Teilverbandsfest die schwingerische Situation in der Innerschweiz?
„Die Situation in der Innerschweiz präsentiert sich gut. Wir konnten beispielsweise die Gäste beim Innerschweizerischen, sowie auf dem Stoos und der Rigi in Schach halten. Mit Marcel Bieri und René Suppiger durften zwei Schwinger ihren ersten Kranzfestsieg feiern. Aber: Ich vermisste teilweise die angriffige Schwingweise. Es wurde manchmal zu passiv geschwungen und man wollte eine Niederlage mit allen Mitteln verhindern. Auf das „Gut“ des Kamprichters habe ich sehr viel gesehen, dass der rechte Griff losgelassen wird, um mit der rechten Hand zusätzlich zu sperren. Ich verstehe zudem nicht, dass um die Kränze manchmal gleich geschwungen wird. Wegen so einer Schwingweise bekomme ich den Eindruck, dass einige Schwinger den Kranz eigentlich gar nicht wollen und sich mit einem Unentschieden zufrieden geben.“

Der Innerschweizerische Teilverband hat wohl am meisten Schwinger. Dennoch gehören nur einige wenige Schwinger zur absoluten Spitze in der Schweiz, welche beim Unspunnenfest um den Titel mitreden können. Woran mag das liegen?
„Woran das liegt, ist schwierig zu sagen. Ich denke, es wird für die Innerschweizer hart werden beim Unspunnen-Schwinget. Dennoch: Wenn alles optimal läuft, haben wir sicher eine Chance für einen Schlussgangteilnehmer, oder gar Sieg. Die Ausgangslage präsentiert sich momentan total offen. Es wird vermutlich ähnlich ablaufen wie in Estavayer. Beim Unspunnen-Schwinget wird es keine einfachen Gänge geben. Vor sechs Jahren hat man auch gedacht, dass es über die Berner läuft.“

Erhofft man sich insgeheim mit dem neuen Beschickungsrecht auch mehr Leistungsbreite, damit man dereinst den Bernern das Leben an Eidgenössischen Anlässen wieder schwerer machen kann?
„Ja, das erhofft man sich damit. Das Ziel ist, dass das Team Innerschweiz dadurch stärker wird.“

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