Auf der Schwägalp kämpfen 27 Eidgenossen um «Gust»

Text und Foto: Valentin Hörler

Im Schwingsport findet heuer eine nicht-eidgenössische Saison statt. Dies bedeutet, dass an keinem Fest Schwinger aus allen fünf Teilverbänden aufeinandertreffen und um Eichenlaub kämpfen. Der Schwägalp-Schwinget vom 19. August 2018 avanciert mit einem eindrücklichen Teilnehmerfeld, das drei Könige und 27 eidgenössische Kranzschwinger umfasst, zum Saisonhöhepunkt. Auf die Bestklassierten aus den teilnehmenden Verbänden Nordostschweiz, Bern und Innerschweiz warten attraktive Lebendpreise.


Zuchtstier Gust mit Züchter und Besitzer Ernst Zellweger aus Urnäsch

«Gust» für den Schwägalp-Sieger 2018
Der Schwägalp-Sieger 2018 darf am Sonntagabend den von der Migros gespendeten Zuchtstier Gust aus Urnäsch in Empfang nehmen. Für die Schwinger auf den Rängen zwei bis vier warten traditionellerweise Zuchtrinder. Toni Fässler aus Uesslingen stiftet das Rind Regi für den zweitplatzierten, während Helana, gespendet von den Olma Messen St. Gallen, auf den drittplatzierten Schwinger wartet. Regi und Helana stammen – wie Gust – ebenfalls aus Urnäsch. Der Schwinger auf dem vierten Schlussrang darf am Sonntagabend Rind Simba aus Wildhaus, das von Erwin Kobelt aus Marbach gespendet wird, sein Eigen nennen. Der Reigen der Lebendpreise beschliesst Fohlen Harma aus dem Gestüt von Kappensand, das von Peter Hafner aus Lutzenberg gestiftet wird.

Schwägalp-Schwinget live auf SRF
Schwingen boomt – dieser Trend ist nicht neu. Um dem stetig wachsenden Interesse am Schwingsport gerecht zu werden hat der Eidgenössische Schwingerverband (ESV) mit dem Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) vereinbart, ab der Saison 2018 vermehrt Schwingsport live zu zeigen. So werden in dieser Saison mehrere Teilverbands- und Bergkranzfeste übertragen. Den Anfang macht am 24. Juni 2018 das Nordostschweizerische Teilverbandsfest in Herisau. Abgeschlossen wird die Übertragungssaison mit dem Schwägalp-Schwinget am 19. August 2018. Das Berg-kranzfest am Fusse des Säntis wird den ganzen Tag via Online- bzw. Mobile-Livestream von SRF übertragen. Zudem finden über den Tag verteilt punktuelle TV-Liveeinschaltungen mit Teilaufzeichnungen auf SRF zwei und SRF info statt. Als Highlight wird der Schlussgang in voller Länge live auf SRF zwei gezeigt.

Kostenloses ÖV-Angebot wird erneut ausgeweitet
Das vor zwei Jahren lancierte und mittlerweile erprobte Verkehrskonzept hat sich sehr bewährt: Am Festsonntag entstand dank des im Schwingfest-Ticket integrierten ÖV-Angebotes jeweils kein Verkehrschaos mehr auf der Schwägalp und ein beachtlicher Anteil der Festbesucherinnen und Festbesucher nutzte die Möglichkeit der inbegriffenen Anreise. Dieser Erfolg hat das OK dazu bewogen, das Angebot erneut auszuweiten: Neu reisen sämtliche Besucherinnen und Besucher am Festsonntag mit gültigem Vorverkaufsticket ab Wil, Gossau, St. Gallen oder Appenzell kostenlos auf die Schwägalp und wieder zurück. Die Postautokurse verkehren bereits ab 05.30 Uhr im Viertelstundentakt von Urnäsch und Nesslau auf die Schwägalp.
Weitere Informationen findet man unter folgendem Link: www.schwaegalp-schwinget.ch

feldwaldwiesenblogger

Cornel Suter – Alpinist, Fotograf und Filmer

Text: feldwaldwiesenblogger / Bilder: Cornel Suter

Der Muotathaler Cornel Suter hat sehr aufwändige Hobbys, welche er geschickt miteinander verbindet. Bei seinen Touren ist er ganz der Alpinist, macht im Winter Skitouren, im «Lanzig» Skihochtouren und im Sommer Berg- und Hochtouren. Dabei fotografiert und filmt der 41-Jährige und lässt uns so an seinen Expeditionen teilhaben. Cornel ist der älteste Sohn von Melk (ds Länzä) und Berta Suter (ds Zenis), seine zwei jüngeren Brüder heissen René und Kilian.


Cornel Suter auf dem Gross Ruchen (3’138 Meter)

Wie alles begann
«Los ging’s 1988 mit elf Jahren, bei einer Bergtour auf den Chaiserstock (2’515 Meter), zusammen mit meinem Vater und anderen Muotathalern. Auf meine erste Skitour ging ich mit 15 Jahren. Von Lidernen auf den Blüemberg (2’405 Meter), und vom Blüemberg die Abfahrt ins Muotathal hinunter», erinnert sich der Alpinist. Cornel’s Eltern gingen früher auf «Grindsplacken» und «Rotenbalm» «z’Alp», von dort aus ging der Bursche öfters mit ihnen auf eine Wanderung, hauptsächlich auf «Rupperslaui». Heute ist Bruder Kilian mit seiner Familie als Älpler auf «Grindsplacken» und «Rotenbalm».
Nach der obligatorischen Schulzeit absolvierte Cornel bei der Bäckerei Schwegler in Ibach eine Lehre als Bäcker-Konditor. Zu dieser Zeit war der Lehrling oft mit seinem Vater in den Bergen unterwegs, hauptsächlich auf Skitouren. Irgendwann kamen andere Interessen. Das Autofahren und der Ausgang standen eine Zeit lang im Vordergrund. Nach einem zehnjährigen Unterbruch zog es ihn wieder auf Skitouren. Von da an ging er regelmässig «obsi». Bald kamen die Bergtouren hinzu, etwas später mit den Hochtouren anspruchsvollere Touren, bei denen er viel lernte.
Seine grosse Leidenschaft sind die Berge. Er ist so oft wie möglich draussen in der Natur und unternimmt zahlreiche Touren. Der Bergsteiger ergänzt: «Ich bin draussen in der Natur aufgewachsen, in unserem schönen Tal und auf unserer Alp. Mich hat es immer in die Natur gezogen. Bergsteigen bedeutet für mich Freiheit, Erholung und etwas Neues entdecken.» Nach eigenen Aussagen unternimmt er mehr Skitouren als Bergtouren. Seine Lieblingsjahreszeit ist unbestritten der Winter: «Von mir aus könnte es das ganze Jahr Winter sein.»

Bisherige Höhepunkte als Alpinist
Der gelernte Bäcker-Konditor absolvierte bisher vier Touren ausserhalb der Schweiz. 2010 machte er eine Reise nach Afrika und bestieg den Kilimanjaro (5’895 Meter), das höchste Bergmassiv Afrikas. Cornel war 2011 in Frankreich unterwegs und unternahm eine Skitour auf den Mont Blanc (4’810 Meter), den höchsten Berg der Alpen. Im Jahr 2014 begab er sich auf einen 17-tägigen Ecuador-Galapagos-Trip und bestieg die beiden Viertausender Fuya Fuya (4’279 Meter) und Imbabura (4’621Meter) sowie den Illiniza (5’126 Meter), Cotopaxi (5’897 Meter) und den Chimborazo Veintimilla (6’228 Meter). 2016 reiste das Mitglied vom SAC-Mythen nach Norwegen und erlebte eine wunderschöne Skitouren-Woche, bei welcher er auf dem Tafeltinden (1’395 Meter) und weiteren Tinden war. Übrigens: In Norwegen werden viele Berge Tinden genannt.
In bester Erinnerung bleiben die unzähligen Besteigungen des Höch Turms (2’666 Meter), seinen Lieblingsberg. Die Skihochtour auf das Lauteraarhorn (4’042 Meter), bei welcher Cornel und sein Kollege ein Südwand-Couloir mit 900 Höhenmetern hochstiegen, hinterliess bei ihm einen bleibenden Eindruck. Weiter machte er viermal eine Skihochtour auf die Dufourspitze (4’634 Meter), den höchsten Punkt der Schweiz. Zweimal führte ihn bisher eine Hochtour auf den Dom (4’545 Meter) der höchste Berg, welcher komplett innerhalb der Schweiz liegt. Als spezielle Tour erwähnt Cornel die Besteigung des Mönchs (4’107 Meter), via Gletscher-Nordroute vom Nollen (3’520 Meter) her.
Im Winter ist der Alpinist auf vielen Skitouren anzutreffen, wie beispielsweise aufs Rau Stöckli (2’290 Meter), den Blüemberg (2’405 Meter), den Pfannenstock (2’572 Meter) oder aufs Wintertürmli 3’003 (Meter). Die sogenannten «Lanzig»-Touren sind Skihochtouren. Diese sind wegen den Verhältnissen erst ab Ostern möglich. Dabei erklimmt Cornel auch das Finsteraarhorn (4’274 Meter) oder den Tödi (3’614 Meter). Bei den Skihochtouren ist der geübte Berggänger mit Skiern unterwegs und überquert Gletscher mit Steigeisen und Pickel. Im Sommer ist Cornel einerseits auf Bergtouren wie auf den Höch Turm oder den Gitschen via Ostflanke. Andererseits begibt er sich auf Hochtouren und besteigt Gipfel wie die Blüemlisalp (3’661 Meter) und überschreitet das Weisshorn (4’506 Meter) und das Bietschhorn (3’934 Meter). Da man auf einer Hochtour auch auf Gletscher unterwegs ist, werden entsprechende Hilfsmittel benötigt.
Seine Touren plant Cornel nicht auf längere Zeit hinaus und schaut vor allem auf die passenden Witterungsbedingungen. Das Matterhorn oder der Bifertenstock sind zwei von vielen Berggipfeln, welche er irgendwann auch besteigen möchte.


Der Muotathaler geniesst einen herrlichen Sonnenaufgang auf dem Raustöckli

Passionierter Fotograf
Parallel zu den Touren begann die Fotografie. Ob Ski-, Berg- oder Hochtour: Der Fotoapparat begleitet den Alpinisten stets. Er hält dabei Orte und Augenblicke fest, schöne Morgenstimmungen beim Sonnenaufgang, oder besondere Erinnerungen von einem schönen Grat. Auf seiner eigenen Homepage (cornelsuter.ch) findet man viele schöne Bilder von seinen Touren, welche mit einem Bericht unterlegt sind.
Der sympathische Muotathaler hat bei seinen Touren meist zwei Fotoapparate dabei. Eine Digitalkamera ist am Rucksack befestigt, um Schnappschüsse zu machen. Für die speziellen Bilder kommt eine Spiegelreflex-Kamera mit einem 300 Millimeter-Objektiv in den Rucksack. Diese ist dann dabei, wenn der Platz im Gepäck nicht für technisches Hilfsmaterial benötigt wird. Die Fotos verarbeitet Cornel hinterher am Computer mit einem entsprechenden Bildbearbeitungsprogramm, Panorama-Bilder setzt er aus Einzelbildern zusammen.
Das Fotografie-Handwerk brachte sich der Bergsteiger selber bei, indem er verschiedene Einstellungen ausprobierte oder unterschiedliche Objektive testete. Irgendwann war der Fotograf, wie man an seinen schönen Bildern feststellt, bestens mit der Materie vertraut. Das Resultat sind nun regelmässige Anfragen nach Fotos von ihm. Cornel verlangt inzwischen etwas dafür und sieht das als «Sackgeld», um sich beispielsweise ein neues Objektiv oder eine längere Bergtour-Reise im Ausland zu finanzieren. Auftraggeber sind meist Privatpersonen, welche gerne Bilder von ihm zuhause aufhängen möchten. Diese Fotografien lässt er auf Leinwand aufziehen. Verschiedene Firmen beziehen Bilder für Magazine oder auf Leinwand zum Aufhängen im Betrieb. Weiter liefert er Bilder für Routen-Beschreibungen in SAC-Führern und dem «Bote der Urschweiz». Für 2018 veröffentlichte Cornel einen Kalender mit schönen Fotos, welcher rege bezogen wurde. Für 2019 ist wieder ein Foto-Kalender geplant.
Die Ideen sprudeln nur so aus dem Skitourenfahrer: Er nimmt sich vor, die Milchstrasse von einem speziellen Standort im Muotatal zu fotografieren. Diese hat er bereits schon mal vom Furkapass und vom Oberberg aus aufgenommen.


Die Mythenbergweg-Beleuchtung, eines von Cornel’s Fotografie-Projekten

Unter die Filmemacher gegangen
Neuerdings ist der Alpinist auch unter die Filmemacher gegangen. Fragt man ihn, wie er alles unter einen Hut bringt, meint Cornel lachend, dass er eigentlich ein Chaot sei. Trotz 100 Prozent-Job bei Strüby Holzbau (Seewen) bringt er irgendwie alles auf die Reihe. Nach der Lehre zog es ihn als Bäcker-Konditor ins Urnerland, nach Rotkreuz und nochmals zu seinem Lehrbetrieb. Später arbeitete der Muotathaler eine Zeit lang bei der Firma Felchlin. Inzwischen ist er seit zehn Jahren als Logistiker bei der Holzbau-Firma tätig, bei welcher er abwechslungsweise für eine Woche Frühschicht oder eine Woche Spätschicht eingeteilt ist. Wenn Frühschicht an der Reihe ist, unternimmt Cornel im Sommer nach Arbeitsende öfters eine Feierabend-Tour auf den Haggenspitz, das Gitzischössli oder die Rigi-Hochfluh, im Winter geht’s mit den Skiern auf den Brünnelistock. «Damit man im Training bleibt», fügt er schmunzelnd hinzu.
Alles begann mit Dia-Filmen, also Filme mit statischen Bildern. Der eigentliche Start war vor fünf Jahren, als Cornel die Alpauffahrt seiner Familie filmte. Den sechsminütigen Film stellte er anschliessend auf YouTube. Später kamen einige Zeitraffer-Filme hinzu. Den bisher längsten Film produzierte der Filmemacher auf Anfrage für den letztjährigen Alpkäsemarkt in Muotathal. Bei der Produktion hatte er freie Hand und die Absicht war, den Zuschauern schöne Landschaftsbilder, aber auch unbekannte Orte im Muotatal zu präsentieren. Zu sehen sind im Film nebst herrlichen Landschaftsaufnahmen auch solche von Alpauffahrten, Alpen mit Vieh, und eine Eishöhle. Das Feedback der Zuschauer auf den Film war sehr gut. Im 20-minütigen Film kommen auch viele Flugaufnahmen vor, welche ein Kollege von Cornel mit seiner Drohne aufnahm. Für den diesjährigen Alpkäsemarkt wird wieder ein Film produziert.
Der zweite Film wurde erst kürzlich bei der Eröffnung der Kanu-WM in der Mehrzweckhalle uraufgeführt. Der Auftrag für den sechsminütigen Image-Film kam vom Gemeinderat Muotathal. Sie wollten darin schöne Aufnahmen vom Muotatal, deren herrlichen Landschaft, der Natur, den Bergen, vom Bödmeren-Urwald, von Alpen und der Alpkäse-Produktion.
Inzwischen gehört nebst der Digitalkamera auch eine Drohne zur Ausrüstung. Die gespeicherten Filmaufnahmen werden mit einem speziellen Video-Programm bearbeitet und geschnitten. Die ausgewählten Filmsequenzen werden zu einem Film zusammengefügt und mit Musik und Text untermalt. Wie bei der Fotografie eignete Cornel sich das Film-Handwerk selber an, und auch hier lassen die Nachfragen nicht auf sich warten. Laut dem begeisterten Filmemacher stecken zwei weitere Filmprojekte in der Pipeline, und er freut sich auf weitere interessante Fotografie- und Film-Projekte.


Geschafft: Cornel ist auf dem Schächentaler-Windgällen

Langweilig wird es dem 41-Jährigen nie. Ist das Wetter gut, ist Cornel am Samstag und Sonntag auf einer Tour, entweder mit Kameraden oder alleine. An verregneten Wochenenden wird zuhause am Computer gearbeitet, Fotos sortiert, Filme bearbeitet und die eigene Homepage aktualisiert. Zusätzlich füttert der geschäftige Mann seine Social-Media-Kanäle wie Instagram oder Facebook mit Fotos und Kurzberichten.

feldwaldwiesenblogger

Gespräch mit Steven Moser, einem Team-Leader der Südwestschweizer

Text: feldwaldwiesenblogger

Nach dem Genfer Kantonalen und vor dem Neuenburger Kantonalen traf ich Steven Moser am 19. Mai zum Gespräch. In der SCHLUSSGANG-Wertung, der offiziellen Jahrespunkteliste des Eidgenössischen Schwingerverbandes, belegte Steven 2017 den guten Platz 27 und war somit der beste Südwestschweizer. Er fand sich dabei in guter Gesellschaft, unmittelbar vor ihm war der Innerschweizer Sieger Marcel Mathis klassiert. Gleich hinter dem Freiburger lag mit Stefan Arnold der beste Urner. Steven erreichte diese Position mit fünf Kränzen (Freiburger und Waadtländer Kantonales, Schwarzsee Bergschwinget sowie Südwestschweizer Schwingfest und Berner Kantonales). Beim Waadtländer Kantonalen gelang dem Leistungsträger mit dem verdienten Kranzfestsieg gar eine Premiere. Dabei können auch der Schwarzsee und der Berner Kantonalkranz nicht hoch genug eingeschätzt werden. Übrigens: Der zweitbeste Südwestschweizer 2017 war Johann Borcard und folgte auf Rang 48.


Steven beim Gespräch, inmitten der schönen Natur auf dem Menzisberg
Bild: feldwaldwiesenblogger

Berg- und Teilverbandskranzer
Der Freiburger erblickte am 29. März 1996 als jüngstes Kind von Ruedi und Marlis Moser in Brünisried das Licht der Welt. Steven hat noch zwei ältere Geschwister, nämlich Kevin und Tanya. Bruder Kevin schwang auch, hängte den Schwingsport mit 17 Jahren aber nach einem Kreuzbandriss an den Nagel. Steven wohnt bei seinen Eltern in einem schönen Bauernhof auf dem Menzisberg und ist gelernter Polymechaniker. Der Bauernsohn beginnt kommenden September eine dreijährige Ausbildung als Maschinenbau-Ingenieur. Zu seinen Hobbys zählt der Polysportive nebst dem Schwingsport Ringen, Velofahren, Bergwandern und Skifahren.
Der 22-Jährige bringt mit seiner Grösse (192 Zentimeter) und seinem Gewicht (109 Kilogramm) optimale Voraussetzungen für den Schwingsport mit. Der Sennenschwinger ist Mitglied beim Schwingklub Sense. Steven schwingt seit seinem achten Lebensjahr und gewann um die 100 Zweige sowie etwa 15 Schwingfeste als Jungschwinger. Beim ENST 2012 in Hasle gewann er den Doppelzweig. Das weitere Palmarès des Brünisrieders beinhaltet 19 Kränze: 4 Teilverbandskränze, 1 Bergkranz und 14 Kantonalkränze. Den ersten Kranz gewann der Polymechaniker am 21. April 2013 beim Genfer Kantonalschwingfest in Satigny. Dazu kommen der Kranzfestsieg beim Waadtländer Kantonalen (2017), fünf regionale Festsiege und 6 Schlussgangteilnahmen an Kranzfesten.


Neuenburger Kantonales 2018: Steven bei einem seiner vier gewonnenen Gänge
Bild: Facebook

Gespräch:

Letztes Jahr lief es dir mit fünf gewonnenen Kränzen (Vorjahr vier) am besten von allen Südwestschweizern.
«Anfang letzter Saison ging es sehr gut. Ab Mitte der Saison lief es nicht mehr so optimal. Dafür gibt es aber eine Erklärung: Ich musste im Sommer in die Rekrutenschule (RS) und es blieb mir nicht mehr viel Zeit für das Training. Ich wurde beim Militär als Fliegersoldat eingeteilt und wurde während 21 Wochen zum Heli-Wart ausgebildet. Den Berner Kantonalkranz machte ich noch zu Beginn der RS. Dann wurde es leider immer harziger. Beim Saisonhöhepunkt am Unspunnen-Schwinget lief es nicht nach meinen Vorstellungen. Ich habe versucht, bei der Sport-RS unterzukommen. Es wurde mir leider nicht ermöglicht.»

2017 gewannst du den Schwarzsee-Kranz und den Berner Kantonalkranz. Liegt der Schwarzsee-Kranz dieses Jahr wieder drin?
«Ich weiss nicht, ob dieser wieder drin liegt, ich werde aber sicher mein bestes versuchen. Es kommt auch auf die körperliche Verfassung an.»

Bist du derzeit fit? Wie lief das Wintertraining?
«Ich startete im Januar, mit einem Rückstand von zwei Monaten, ins Wintertraining. Die RS ging bis Ende November, dann machte ich im Dezember Ferien und über die Weihnachts-Festtage wird gewöhnlich nicht trainiert. Die Aufbauphase dauerte dann nur drei Monate. Den Trainingsrückstand habe ich soweit aber wett gemacht.
Die ersten drei Regionalfeste liefen mässig und aus meiner Sicht gab es zu viele gestellte Gänge. Beim Genfer Kantonalen konnte ich glücklicherweise kranzgeschmückt heimkehren. Kleine Blessuren hat man als Schwinger sowieso meistens. Momentan musste ich wegen Nackenschmerzen, welche von einem verschobenen Wirbel herrühren, ein wenig schonen. Ich bin aber bereit für das Neuenburger Kantonale.»

Das Neuenburger Kantonalschwingfest in Dombresson gewann Florian Gnägi. Steven belegte mit vier gewonnenen und zwei gestellten Gängen den guten Rang 5b.

Bei welchem Teilverbandsfest bist du Gast und bei welchen Bergkranzfesten kannst du antreten?
«Beim Jubiläums-Innerschweizerischen in Ruswil LU darf ich antreten. Das Ziel ist der Kranzgewinn, auch wenn dies bei diesem toll besetzten Anlass schwierig wird. Neben dem Schwarzsee-Schwinget bin ich zudem für den Weissenstein-Schwinget qualifiziert.»

Wie sieht dein Trainingsaufwand aus?
«Gewöhnlich trainiere ich vier- bis fünfmal pro Woche. Während der Schwingfestsaison trainiert man weniger als bei der Vorbereitung, um am Wochenende frisch zu sein. Den grössten Teil macht man im Winter, die Feste gewinnt man dann. Während dieser Zeit absolviere ich zwei bis drei Schwingtrainings und drei separate Kraft- und Konditionseinheiten.
Am Dienstag besuche ich gewöhnlich in Bern das Schwingtraining der Mittelländischen Schwinger. Am Donnerstag absolviere ich das Klubtraining, welches abwechslungsweise in Tafers oder Plaffeien stattfindet.
Einen Coach in dem Sinne habe ich nicht. Bei meinen Trainings sind Leute dabei, die mich beobachten. Für die Kraft- und Konditionseinheiten trainiert uns Christoph Feyer, ein ehemaliger Ringer, welcher uns ein spezifisches Programm zusammenstellt. Vor den Kantonalen legen wir jeweils eine Regenerationswoche ein, in welcher wir kein Krafttraining ausüben.»

Wie oft habt ihr Südwestschweizer 2018 einen Trainingszusammenzug? Auf was liegt bei diesen Zusammenzügen der Fokus?
«Einmal im Monat steht ein Südwestschweizer Trainingszusammenzug auf dem Programm. Entweder findet dieser in Oron-la-Ville oder in Cottens statt. Bei diesen Trainings wird vor allem geschwungen.»

Studiert man deine Kranzgewinne, stellt man fest, dass du seit deinem ersten Kranz regelmässig welche sammelst. Ist das auf einen guten und kontinuierlichen Trainingsaufbau zurückzuführen?
«Ja, ich denke schon. Wie bereits erwähnt, macht man die Kränze im Wintertraining. Ohne dieses läuft nichts. Ich darf behaupten, dass ich bei den Trainings nie gefehlt habe, ausser ich musste Blessuren auskurieren. Als Jungschwinger habe ich eigentlich mehr gemacht als die anderen und trainierte früh mit den Aktiven.»

Man hat das Gefühl, dass die Südwestschweizer letztes Jahr im Vergleich zu den anderen Teilverbänden deutlich aufgeholt haben. Wie erklärst du das?
«Es sind einzelne Athleten, welche wirklich gut schwingen. Wir müssen nun darauf achten, dass alle mitziehen. Wenn wir hier in der Südwestschweiz «nur» untereinander schwingen, fehlt der Vergleich mit «ausserhalb». Es gilt, noch mehr Trainingsmöglichkeiten bei anderen Verbänden zu organisieren. Damit jeder erkennt, wie es dort läuft. Denn ein Nichtkranzer bei uns schwingt anders als ein Nichtkranzer in den anderen Teilverbänden. Diese gehen viel aggressiver an die Sache ran. Bei uns schwingen diese oft defensiv. Aber diese Punkte haben sich zu früher doch ziemlich verbessert.»


Steven als glücklicher Kranzfestsieger beim Waadtländer Kantonalen 2017
Bild: schlussgang.ch

Die Südwestschweizer sind auch dieses Jahr auf einem guten Weg. Erst kürzlich gewann Johann Borcard als Gast beim Schwyzer Kantonalen den Kranz. Welche Südwestschweizer sind nebst dir zudem bereit und fähig ausserhalb der Südwestschweiz den Kranz zu gewinnen?
«Ich denke, das sind in erster Linie Benjamin Gapany, Michel Dousse (ein Klub-Kollege von mir), Samuel Dind, Marc Gottofrey und Marc Guisolan.»

Dein schwingerisches Vorbild ist Matthias Sempach. Ist dein Schwingstil ähnlich?
«Ich gab wohl mal Matthias Sempach an, orientiere mich aber nicht unbedingt an Vorbildern. Denn jeder bringt seine eigenen Voraussetzungen, Eigenheiten und Spezialitäten mit. Als Jungschwinger glich mein Schwingstil sicher jenem von Sempach. In der Zwischenzeit habe ich meinen Stil etwas angepasst, welcher nun jenem von Kilian Wenger näherkommen würde.
Zwei Wochen vor dem Eidgenössischen in Burgdorf (2013) riss ich mir das Kreuzband im linken Knie. Nach dem Kreuzbandriss habe ich meine Schwingweise etwas geändert und musste erst wieder das Vertrauen zurückgewinnen.»

Welches sind deine bevorzugten Schwünge? Mit welchem Schwung gewinnst du die meisten Zweikämpfe?
«Das ist vor allem der Kurz, mit diesem gewinne ich die meisten Zweikämpfe. Zudem gewinne ich einige Gänge mit einer Spezialkombination aus Kurz-Lätz-Fussstich. Ich wende weiter Standschwünge und Seiten-Flankenschwünge an. Die Bodenarbeit kommt auch zum Zug. Es ist mir aber lieber, wenn die Gegner gleich platt ins Sägemehl fliegen.»

Woran müsstest du arbeiten, um noch weiter an die Spitze vorzurücken?
«Ein grosses Manko von mir ist das Reagieren auf Schwinger, welche mit mir nur stellen wollen. Mein Ziel ist, ein Rezept zu finden, damit ich solche Gänge auch siegreich gestalten kann. Es ist für mich schwieriger Schwinger zu besiegen, welche nicht schwingen wollen.»

Bist du bereit für deinen zweiten Kranzfestsieg?
«Was soll ich sagen? Es kommt jeweils auf die Tagesform an. Wenn diese stimmt, ist ein weiterer Kranzfestsieg sicher möglich. Es wäre schön, wenn ich das in diesem Jahr als Bestätigung schaffen könnte. Beim Waadtländer Kantonalen letztes Jahr lief es mir sehr gut und im Schlussgang konnte ich Lario Kramer im ersten Zug bezwingen. Gegen Kramer ist das gewöhnlich nicht einfach.»

Du und Benjamin Gapany sind gewissermassen die Teamleader bei den Südwestschweizern? Welche sind es noch?
«Ich sehe Gapany und mich als Freiburger Teamleader, weiter auch Johann Borcard. Hinzu gekommen ist zudem Michel Dousse. Bei den Waadtländern sind es Pascal Piemontesi und Marc Gottofrey, welche auch schon einiges erreicht haben.»

Welche Ziele hast du dir für 2018 gesetzt? Welches werden deine persönlichen Highlights im Schwingerjahr 2018?
«Das Innerschweizerische Teilverbandsfest, der Schwarzsee- und der Weissenstein-Schwinget sind sehr wichtig für mich. Bei diesen Schwingfesten möchte ich viel erreichen. Das Ziel ist der Kranzgewinn und gut zu schwingen.»

Was meinst du, bist du mit dem eingeschlagenen Weg in Zug gar auf Eidgenössischem Kranz-Kurs? Oder müsstest du dafür noch eine Schippe drauflegen?
«Ich denke, auf diesem Weg bin ich bereit dazu. Ich war schon für Estavayer parat, es war dort aber auch eine Kopfsache. Bei meinem ersten Eidgenössischen war ich sehr nervös. Beim zweiten in Zug hoffe ich besser abschliessen zu können. Es bringt gar nicht viel, noch eine Schippe draufzulegen. In den drei Jahren um ein ESAF sollte der Trainingsaufwand eigentlich gleichbleiben und gleichmässig verteilt sein. Mehr trainieren sollte man auch nicht, nur schon wegen der Ermüdungs- und Verletzungsgefahr.»

Die Südwestschweizer machen nächstes Jahr zwei Kränze beim ESAF. Würdest du diese Aussage unterschreiben?
«Nein, würde ich nicht. Es liegt jeweils auch in den Sternen und wie eingeteilt wird.»


Steven vor dem Elternhaus in der Gemeinde Brünisried
Bild: feldwaldwiesenblogger

Übrigens: Beim Treffen sassen wir bequem draussen und ich durfte eine herrliche Aussicht auf die Freiburger Alpen geniessen. Zum Schluss sagte ich zu Steven: «Ich drücke dir meine Daumen, damit du auf deinem eingeschlagenen Weg erfolgreich bist. Und wenn der Eidgenössische Kranz in Zug gelingt, ist das umso schöner!»
Ich bedanke mich beim sympathischen Sennenschwinger für das offene Gespräch und wünsche ihm alles Gute und vor allem beste Gesundheit. Denn ohne diese geht es schlicht und einfach nicht.

feldwaldwiesenblogger

Besuch bei Fabian Staudenmann, einem der grössten Berner Talente

Text: feldwaldwiesenblogger

Fabian Staudenmann ist eines der grössten Schwing-Talente der Berner. Der 18-Jährige wohnt in der Gemeinde Guggisberg, welches im Berner Mittelland und quasi im Herzen des Naturpark Gantrisch liegt. Ich traf Fabian kürzlich zum Gespräch, in einem schönen Berner Bauernhaus gleich beim Dorfeingang, dem Zuhause der Familie Staudenmann. Fabian erklärte am Anfang, dass Staudenmann ein typisches Guggisberger Geschlecht sei. Der sechsfache Kranzschwinger ist der älteste Sohn von Alfred und Angela, die beiden jüngeren Geschwister heissen Julian und Dominique. Fabian hat väterlicherseits und mütterlicherseits Schwingergene mit auf den Weg bekommen. Sein Vater und dessen Bruder, Fabian’s Götti, haben eine Zeit lang geschwungen, ebenso ein Onkel von seiner Mutter.


Fabian Staudenmann vor seinem Elternhaus
Bild: feldwaldwiesenblogger

47 Zweige gewonnen
Fabian wurde am 15. April 2000 geboren. Als Zehnjähriger nahm er nach dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest (Frauenfeld) am inzwischen obligaten Schwinger-Schnuppertag teil. Fabian gefiel es im Sägemehl ziemlich gut und so nahm er im darauffolgenden Winter das Schwingtraining auf. Die ersten Jungschwingertage bestritt der Jüngling 2011 und gewann insgesamt 47 Zweige, davon vier Doppelzweige (drei Berner Teilverbands- und ein ENST-Doppelzweig, 2015 in Aarburg). Hinzu kamen neun Festsiege.
Nach der obligaten Schulzeit begann der 190 Zentimeter grosse Teenager bei der Firma Gilgen Door Systems AG in Schwarzenburg eine Ausbildung zum Automatiker. Fabian befindet sich derzeit im dritten von vier Lehrjahren und besucht nebenbei den Vorbereitungskurs für die Berufsmatura. Seine Hobbys neben dem Schwingsport sind eher auf den Winter ausgerichtet. Nämlich Langlauf, welcher der Polysportive mit seinem Grossvater betreibt. Zudem fährt Fabian Ski, gehört dem Skiclub Riffenmatt an und absolvierte anfangs Jahr einen J+S-Kurs.

2017 erster Kranzgewinn
Fabian ist Mitglied vom Schwingklub Schwarzenburg, welcher zum Mittelländischen Gauverband gehört. Martin Rolli ist Technischer Leiter und Trainingspartner beim Schwingklub Schwarzenburg. Weiter gehören der Eidgenosse Hansruedi Lauper sowie die Kranzschwinger Stefan Marti, Adrian Thomet und Lorenz Berger diesem Klub an.
Der erste Kranzgewinn gelang Fabian am 28. Mai 2017 beim Seeländischen Schwingfest in Meinisberg. Es folgte der Kranz beim Oberaargauischen und beim Mittelländischen, was ihm einen Startplatz beim traditionellen Brünig-Schwinget bescherte. Prompt gewann das Riesentalent den sehr begehrten Bergkranz, welchen Fabian denn auch als einen seiner bisher grössten Erfolge bezeichnet. Bei diesem Fest auf der Wasserscheide zwischen der Innerschweiz und dem Bernbiet bezwang der damals 17-Jährige mit Tobias Krähenbühl gar einen Eidgenossen. Die vier Saisonkränze bedeuteten für den jungen Berner die Qualifikation für den Unspunnen-Schwinget. Am Fest selber resultierte mit zwei gewonnenen, drei verlorenen und einem gestellten Gang Rang 15b. Man hat das Gefühl, dass der Automatiker-Lehrling praktisch schon wie ein Routinier schwingt. Er meint, dass diese Entwicklung schon bei den Jungschwingern begann. Beim zweiten Schwingfest holte Fabian nämlich bereits den ersten Zweig und hatte das Gefühl, dass es sehr gut läuft. In der Folge war das aber nicht mehr der Fall, auch weil er sich verletzte. Die Motivation war zudem irgendwie abhandengekommen. Nach dem Kantonalen Jungschwingertag 2013 in Niederscherli war Fabian so enttäuscht, dass er sich vor die Wahl stellte: Entweder höre ich auf oder trainiere mehr. Darauf investierte der Teenager deutlich mehr ins Training. Und siehe da, die Resultate fingen wieder an zu stimmen und es lief immer besser. Jetzt bei den Aktiven versucht sich Fabian nicht unter Druck zu setzen und sagt sich, dass er in diesem jungen Alter nichts zu verlieren hat. Er nimmt Gang um Gang, versucht diese möglichst zu gewinnen und nicht zu viele Gedanken drum herum zu machen.

2018: Bereits zwei Saisonkränze
Beim Mittelländischen und Emmentalischen kamen kürzlich die Kränze fünf und sechs hinzu. Bei beiden Gaufesten gelangen dem sympathischen Sennenschwinger je drei Siege und drei Gestellte. Was auch auffällt, ist das Notenblatt vom Jahresschwinget Thun. Dort teilte Fabian die Punkte mit keinen geringeren als mit Schwingerkönig Kilian Wenger, Unspunnen-Finalist Curdin Orlik und Kilian von Weissenfluh. Angesprochen auf diese Tatsache erklärt der 103 Kilogramm schwere Athlet: «Ich könnte nicht mal behaupten, dass ich eine sehr gute Verteidigung habe und schwinge nicht unbedingt auf einen «Gestellten». Was ich jeweils versuche, ist nicht ins offene Messer zu laufen. Wenn ich meine Chance sehe, versuche ich diese zu nutzen. Ich darf von mir behaupten, dass ich ziemlich wendig und beweglich bin. Dies ist sicher ein Vorteil, wenn ich mit Spitzenschwingern zusammengreife.»
Ist ein Vergleich mit Samuel Giger, dem Ostschweizer Riesentalent angebracht? Der Berner Mittelländer sagt dazu: «Ich denke, das ist ein wenig hoch gegriffen. Sämi Giger war schon sehr früh fertig entwickelt und ist ein riesiges Talent. Ich denke, dass ich noch Luft nach oben habe und hoffe, noch ein paar Kilos zulegen zu können. Mein Technischer Leiter hat mir gesagt, dass man gewöhnlich mit 25 Jahren auf dem Zenit steht. Bei Sämi habe ich das Gefühl, dass er diesen schon mit 20 Jahren erreicht hat. Natürlich kann er während den nächsten 15 Jahren auch auf diesem bleiben. Gegen Sämi habe ich übrigens noch nie geschwungen, auch nicht als Jungschwinger.»
An den Schwingfesten wird Fabian von seinem Vater gecoacht. Die Familie ist praktisch bei allen Schwingfesten dabei und bedeutet für ihn eine grosse Unterstützung.


Dem 18-Jährigen werden jetzt schon so «Cracks» wie Christian Stucki zugeteilt (50. Hallenschwinget Thörigen)
Foto: Barbara Loosli

Gespräch mit Fabian:

Was sind deine bevorzugten Schwünge?
«Momentan ist es der Kurz-Lätz, mit dieser Kombination gewinne ich auch die meisten Gänge. Weiter benutze ich den Fussstich und den Kurz. Meine Bodenarbeit hat noch Ausbaupotenzial.»

Hast du im vergangenen Winter neue Schwünge ins Repertoire aufgenommen?
«Ja, habe ich. Sie funktionieren aber noch nicht perfekt. Den Links-Kurz habe ich viel geübt und habe dieses Jahr bereits zwei Gänge damit gewonnen. Den Übersprung versuche ich auch, muss dafür aber noch etwas Zeit investieren.»

Wie sieht dein Trainingsprogramm momentan aus?
«Vor den Kranzschwingfesten bestritt ich wöchentlich fünf Trainings. Entweder sind dies drei Schwingtrainings und zwei Kraft- und Konditionseinheiten, oder zwei Schwingtrainings und drei Kraft- und Konditionseinheiten. In der Woche vor einem Schwingfest reduziere ich mein Pensum, trainiere dreimal und mache am Samstag ein lockeres Aufwärmtraining. Während der Schwingfestsaison muss man selber spüren, wie man sich fühlt und dementsprechend das Trainingsprogramm anpassen.
Am Dienstag ist gewöhnlich Verbandstraining mit den Mittelländischen Schwingern in Bern und am Donnerstag trainiere ich mit dem Schwingklub Schwarzenburg. Im Kanton Bern wurde neu ein Novizen-Kader gegründet, zu welchem ich auch gehöre. Vor der Schwingfestsaison trainierten wir alle zwei Wochen am Freitag in Bern.
Das Konditions- und Krafttraining absolviere ich bei Stefan Riesen, dem Mann meiner Gotte. Riesen war früher Duathlet und Triathlet.»

Kürzlich hast du mit Kilian von Weissenfluh, einem anderen grossen Berner Talent, beim Emmentalischen gestellt. Was unterscheidet euch beide schwingtechnisch gesehen?
«Kilian, vier Jahre älter als ich, ist ein sehr angriffiger, nicht unbedingt bequemer Schwinger und schwierig zu besiegen. Mit seinem Hochschwung ist er ziemlich gefährlich. Beim Emmentalischen war es mehr oder weniger ein gegenseitiges Neutralisieren. Der Berner Oberländer besass tendenziell mehr Chancen, ich konnte aber dagegenhalten. Beim Jahresschwinget Thun lief es ähnlich ab. Beim ersten Zug bezwang er mich fast mit Hochschwung. Wir sind beide eher als Angriffsschwinger einzustufen. Seine Schwingweise unterscheidet sich aber schon von meiner. Ich schwinge am liebsten in den Griffen, Kilian hingegen lässt gerne die Griffe los und geht in die Flanke.»

Beim Brünig-Schwinget 2017 konntest du mit dem Kranzgewinn deinen bisher grössten Erfolg feiern. Schildere doch nochmals diesen Schwinget aus deiner Sicht?
«Der Tag verlief für mich super. Am Morgen an der Kasse haben sie meinen Namen erst gar nicht richtig verstanden. Vor dem Wettkampf war ich nervös. Der erste Gang verlief nicht so gut und endete gestellt. Den zweiten Gang konnte ich gewinnen, den dritten gegen den Eidgenossen Tobias Krähenbühl mit der Kombination Kurz/Fussstich ebenfalls. Niklaus Zenger empfahl mir vor diesem Gang, abzuwarten. Meine Chance werde schon kommen. Ich liess Krähenbühl dann erst ziehen, und auf einmal kam meine Chance. Das war ein schöner Moment! Im vierten Gang bezwang ich mit etwas Glück Marcel Bieri. Der Zuger setzte zu einem Schlungg an, welchen ich abfing. Im fünften Gang wurde mir Andi Ulrich zugeteilt. Ich ging ziemlich motiviert in den Gang, verlor aber leider gegen den Gersauer. Vor dem sechsten Gang war mir bewusst, dass es um den Kranz ging und war sehr nervös. Der Kampf gegen den Muotathaler Guido Gwerder ging kurz vor Ende leider verloren. Hinterher hatte ich das Gefühl, dass ich gute Chancen auf einen Sieg gehabt hätte und war entsprechend enttäuscht. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass es trotzdem für den Kranz gereicht hat. Ich ging zum Wald hoch und sass dort einen Moment für mich und liess das ganze setzen. Wenn mir am Morgen jemand gesagt hätte, dass ich heute um den Kranz schwinge, hätte ich ihn als Träumer bezeichnet. Der Kranzgewinn war eine wunderbare Geschichte! Richtig realisiert habe ich dies aber erst nach ein paar Tagen.»


Das grosse Talent schwang als Jungschwinger schon obenaus
Bild: Barbara Loosli

Wie verlief der Unspunnen-Schwinget?
«Der Einmarsch mit dem Berner Team war sehr eindrücklich. Den ersten Gang gegen Ursin Battaglia konnte ich gewinnen. Ich wusste, dass Battaglia sehr wendig ist und konnte ihn am Boden bezwingen. Das war schon ein toller Augenblick, auch der gespendete Applaus. Bei den Niederlagen gegen die beiden Eidgenossen Domenic Schneider und Roger Rychen musste ich mir zugestehen, dass das Niveau beim Unspunnen-Schwinget schon höher ist als bei einem Gauverbandsfest. Für mich war es ein schönes Schwingfest und ich konnte viele Erfahrungen mit nach Hause nehmen.»

Woran denkst du, musst du in nächster Zeit noch arbeiten?
«Ich denke, ich kann mich praktisch in allen Bereichen verbessern. Schwingtechnisch gesehen ist noch viel Potenzial vorhanden, besonders bei der Bodenarbeit. Weiter eine Situation richtig einschätzen und dementsprechend den Kampf führen. Dann möchte ich auch kraft- und konditionsmässig noch weiter zulegen.»

Welche Schwinger sind deine Vorbilder?
«Ein spezielles Vorbild habe ich nicht und hatte auch als Jungschwinger keines. Cool wäre es, den Fussstich zu beherrschen wie Bernhard Kämpf, so kurz ziehen wie Matthias Siegenthaler oder einen Brienzer ansetzen wie Matthias Sempach.»

Wenn deine Entwicklung so weiterläuft, stehst du beim Eidgenössischen in Zug oder in Pratteln im Schlussgang?
Fabian lacht. «Ob es so weiterläuft wie bisher, weiss ich natürlich nicht. Daher ist das schwierig zu beantworten. Aber: Viel mehr als trainieren kann ich nicht und gemäss dem Motto «drannä bliibä» weitermachen. Ich bin noch jung und nicht mit dem Vorsatz in diese Saison gestartet, um noch mehr Kränze zu ergattern wie letztes Jahr. Das kann und darf ich noch gar nicht erwarten. Ich nehme Gang um Gang und abgerechnet wird sowieso am Abend. Zum ganzen gehört auch das nötige Wettkampfglück und die Tagesform. Ich denke, ich habe noch genügend Zeit.»

Welche Ziele hast du dir anfangs Jahr gesetzt?
«Ich habe mir gesagt, wenn es nicht so gut läuft wie letztes Jahr, ist das nicht weiter schlimm. Wenn ich dabei Lehrgeld bezahlen muss, ist das sicher normal. Wenn man als Kranzschwinger antritt, hat man schon das Ziel, am Abend mit dem Kranz nach Hause zu fahren. Ich versuche das aber so gut es geht auszublenden. Mein Ziel ist in erster Linie, gut zu schwingen. Beim Bern-Jurassischen letztes Jahr, mein zweites Kranzschwingfest bei den Aktiven, verpasste ich mit einem guten Notenblatt den Kranz um einen Viertelpunkt. Ich war hinterher trotzdem zufrieden, denn ich hatte ein gutes Gefühl und schwang gut. Wenn es am Abend trotzdem zum Kranz reicht, ist es umso schöner.»

Deine Saisonhöhepunkte für 2018?
«Jedes Schwingfest ist für mich ein Höhepunkt. Aber hervorstechen tun sicher das Berner Kantonale und die Bergkranzfeste auf dem Stoos und am Schwarzsee, welche ich bestreiten darf. Der Stoos-Schwinget ist speziell, weil man an diesen Anlass als Berner nicht jedes Jahr reisen kann. Auf den Schwarzsee-Schwinget freue ich mich auch, denn ich wohne nicht weit davon entfernt. Überdies bin ich bei diesem Bergklassiker seit fast zehn Jahren als Zuschauer dabei.»


Fabian beim Gespräch im gemütlichen Wohnzimmer
Bild: feldwaldwiesenblogger

Fabian’s nächste Auftritte sind das Oberländische (27. Mai) und das Bern-Jurassische Gauverbandsfest (3. Juni). Ich bin überzeugt, dass das grosse Berner Talent sein bestes gibt und auch bei diesen Schwingfesten eine gute Figur machen wird. Ich bedanke mich für die Gastfreundschaft bei den «Staudenmann’s» und wünsche dem jungen Guggisberger viel Erfolg. In erster Linie aber beste Gesundheit und Freude bei der Ausübung unseres schönen Nationalsports!

feldwaldwiesenblogger

Nachgefragt bei Mike Müllestein, dem Schlussgang-Verlierer vom Schwyzer Kantonalen

Text: feldwaldwiesenblogger

In der heutigen «Bote der Urschweiz»-Ausgabe fand ich folgendes: «Mit dem zweiten Platz am Zuger und der Schlussgangteilnahme am Schwyzer hat Mike Müllestein erkennen lassen, dass er nach seiner letztjährigen Verletzungspause schon wieder zurück an der Spitze ist. Am Ob- und Nidwaldner hat der 28-Jährige noch eine Rechnung offen. Letztes Jahr in Beckenried verpasste der Familienvater den Kranz.» Mike Müllestein ist sehr gut in die heurige Saison gestartet. Nebst hervorragenden Klassierungen bei diversen Rangschwingfesten (unter anderem Sieg beim Muotathaler Schwinget), schauten bereits zwei Saison-Kränze heraus. Nicht nur das: Mike schloss das Zuger Kantonale auf Rang zwei ab und beim Schwyzer Kantonalen von vergangenem Sonntag stand der Steiner gar im Schlussgang.
Im heutigen Beitrag blicke ich zurück und widme ihn dem Schlussgang-Verlierer von eben diesem Schwyzer Kantonalen. Natürlich bedaure ich als Schwyzer, dass Mike den Anlass nicht gewinnen konnte. Umso mehr freut es mich aber, dass ich ihm trotzdem meine Fragen stellen durfte.


Mike Müllestein (links) im Schlussgang mit Marcel Mathias
Bild: Tobias Meyer

95. Schwyzer Kantonales in Sattel
4’500 Zuschauer fanden am letzten Sonntag den Weg nach Sattel, und konnten bei bestem Wetter die Sägemehlarbeit von 242 Schwingern bestaunen. Unter dem Patronat des Schwingerverbandes am Mythen und mit Hilfe vieler Sattler Vereine sowie Idealisten wurde im Schwyzer Bergdorf nach 1989 bereits zum zweiten Mal ein schönes Fest organisiert. OK-Präsident Beat Suter und sein Team stellten eine erstklassige Infrastruktur bereit und waren besorgt für das leibliche und musikalische Wohl der Schwingerfreunde. Zudem wurde ein prächtiger Gabentempel und drei Lebendpreise präsentiert. Das Teilnehmerfeld mit neun angetretenen Eidgenossen und vielen starken Kranzschwingern (darunter der Sörenberger Joel Wicki) liess ebenfalls keine Wünsche offen. Nebst Schwingern aus allen Innerschwyzer Kantonalverbänden waren Akteure vom Schwingklub Greyerz als Gäste eingeladen. In der 2’000 Einwohner zählenden Wohn- und Tourismusdestination wurde teilweise attraktiver und hochstehender Schwingsport gezeigt und liess des Öfteren das Schwingerherz höherschlagen.

Mike Müllestein stand trotz Niederlage im dritten Gang im Schlussgang
Mike verlor im Schlussgang gegen einen an diesem Sonntag stark schwingenden Marcel Mathis. Der Nidwaldner ist als Stimmungsschwinger bekannt und bodigte in Sattel drei Eidgenossen. Darunter den Steiner, den er drei Sekunden vor Ablauf der Zeit mit Fussstich bezwingen konnte. Mike belegte in der Endabrechnung den hervorragenden Rang 3a. Der Sennenschwinger qualifizierte sich mit vier Siegen und einer Niederlage für den Schlussgang. Beim Anschwingen bezwang er den Urner Eidgenossen Andi Imhof. Nach einem weiteren Sieg im zweiten Gang (gegen Manuel Egli) setzte es mit der Niederlage gegen Ralf Schelbert einen kleinen Dämpfer ab. Nach der Mittagspause ebnete sich der «Mythenverbändler» aber mit dem Sieg gegen Johann Borcard und dem Plattwurf gegen Remo Vogel verdient den Weg ins Finale.
Das Geburtsdatum von Mike ist der 22. Mai 1989, dessen bevorzugte Schwünge der Kurz, Fussstich und eine Kurz/Lätz-Kombination sind. Der bald 29-Jährige wohnt in Steinen SZ, ist verheiratet und Vater eines Sohnes. Der gebürtige Steinerberger bringt mit seiner Grösse (186 Zentimeter) und seinem Gewicht (108 Kilogramm) gute Voraussetzungen für den Schwingsport mit. Mike ist gelernter Zimmermann und arbeitet heute als Umzugsfachmann bei der Hauruck AG. Zu seinen Hobbys zählt er nebst dem Schwingen die Familie und Skifahren, Sport allgemein, Jassen, Ausgang, Baden sowie Grillieren.
Mike Müllestein ist Mitglied beim Schwingerverband am Mythen und hat bisher 37 Kränze herausgeschwungen, darunter den Eidgenössischen Kranz 2016 in Estavayer. Zum Palmarès gehören auch der Kranzfestsieg beim Schwyzer Kantonalen 2015 in Küssnacht und neun Siege an Regionalschwingfesten. In der letzten Saison konnte der Familienvater fünfmal vor die Kranzdamen treten, nämlich beim Schwyzer und Urner Kantonalen, auf dem Stoos und am Schwarzsee sowie beim Innerschweizerischen. Beim Berner Kantonalen verletzte sich Mike leider beim Anschwingen am Innenband des linken Knies und musste die Saison abbrechen.
Als schwingerisches Vorbild benennt der neunfache Berg- und siebenfache Teilverbands-Kranzer seinen Onkel Alex Auf der Maur. Dieser war Ende der Achtziger- und während der Neunziger-Jahre ein gefürchteter Spitzenschwinger.


Mike Müllestein als glücklicher Sieger des Schwyzer Kantonalen 2015
Bild: schlussgang.ch

Herzliche Gratulation zum Erreichen des Schlussganges! Was ging dir nach dem verlorenen Schlussgang durch den Kopf?
«Es war ärgerlich, auch weil es am eigenen Heimfest war. Natürlich ist jeder verlorene Schlussgang ärgerlich. Ich versuchte zum Schluss des Ganges alles und lief dabei Marcel Mathis ins offene Messer, als ich etwas riskierte.»

Würdest du heute mit einer anderen Taktik den Schlussgang in Angriff nehmen?
«Ich hätte in den ersten Minuten volles Risiko nehmen müssen. Auch wenn ich dabei halt eine Niederlage in Kauf nehmen muss. Marcel und ich stellten schon mehrfach miteinander. Es waren zwölf lange Minuten und die Kraft nahm von Minute zu Minute ab.»

Welchen Gang würdest du als Schlüsselgang auf den Weg in den finalen Endkampf bezeichnen?
«Der fünfte Gang um die Schlussgangqualifikation mit Remo Vogel war entscheidend. Ich bezwang Remo mit Kurz/Gammen und holte mir dabei die nötige Zehn. Die Niederlage gegen Ralf Schelbert im dritten Gang war nicht unerheblich. Ich hätte ansonsten drei Siege vor der Mittagspause auf dem Konto.»

Kam die Niederlage gegen Ralf Schelbert überraschend? Wie hat er dich erwischt?
«Ich würde nicht sagen überraschend, denn Ralf ist ein starker Schwinger. Der Bisisthaler hat mich aus seiner Sicht im richtigen Moment bezwungen. Als ich zu einem Zug ansetzte, hat er mich auf dem Standbein erwischt und mich so ins Sägemehl gebettet.»

Was für ein Fazit ziehst du vom Schwyzer Kantonalen?
«Ich ziehe ein positives Fazit und bin mit meiner Leistung zufrieden. Ich schwang angriffig und habe zudem keine Blessuren davongetragen. Es war 2018 überdies der vierte Schlussgang im sechsten Fest. Ich sollte den Spiess wohl öfter umdrehen, damit ich häufiger als Sieger vom Platz gehe. Trotzdem: Es ist eine Bestätigung, dass ich richtig trainiert habe und so weiterfahren kann.»


Mike Müllestein energisch im Zweikampf
Bild: Luzerner Zeitung

Wie siehst du deine bisherige Saisonbilanz?
«Es läuft gut und ich bin bis jetzt sehr zufrieden. Beim Hallenschwingt Sarnen und beim Frühjahrsschwinget Oberarth lief es noch nicht ganz nach meinen Vorstellungen. Hinterher habe ich mir vorgenommen, konsequenter die Schwünge anzusetzen und durchzuziehen. Ich bin manchmal einfach zu lieb auf dem Platz. Und: Gewonnene Gänge wie jener gegen Christian Schuler beim Muotathaler Schwinget geben sehr viel Selbstvertrauen.»

Am kommenden Sonntag steht mit dem Ob- und Nidwaldner Kantonalen bereits dein drittes Kranzfest auf dem Programm. Nach den bisherigen Ergebnissen zu beurteilen wirst du dieses Fest gewinnen?
Mike lacht. «Es wäre schön, aber es kommt natürlich auch auf die Tagesform an. Letztes Jahr war das Ob- und Nidwaldner mein erstes Kranzfest der Saison und ich musste ohne Kranz heimkehren. Obwohl ich vorher drei Rangschwingfeste gewonnen habe. Vielleicht hat es diese Erfahrung einfach gebraucht.»

Du hast deinen ersten Kranz 2006 beim Schwyzer Kantonalen in Rothenthurm gewonnen. Welches war deine bisher erfolgreichste Saison?
«Das war 2016, als ich acht Kränze, inklusive dem Eidgenössischen Kranz, gewinnen konnte. Zudem verlief jene Saison unfallfrei.»

Onkel Alex Auf der Maur ist dein schwingerisches Vorbild. Wie hast du von diesem ehemaligen Spitzenschwinger profitieren können?
«Alex ist Landwirt. Ich war viel bei ihm auf dem Hof und half ihm bei der Arbeit. Er gab mir dabei viele Tipps. Zudem schaute ich zusammen mit Alex und meinem Grossvater viele Videos von Schwingfesten. Seine Schwingweise hat mir sehr imponiert.»

In der letzten Zeit musste dein Klub die Rücktritte von einigen Spitzenschwingern wie den Laimbachers oder Edi Kündig hinnehmen. Bedeutet das für euch Aktive eine Schwächung oder eine Chance?
«Einerseits ist es eine Chance. Wir können dadurch mehr Schwingfeste bestreiten, auch die Mittelschwinger. Vom Training her gesehen ist es sicher eine Schwächung. Wir achten aber darauf, dass wir Spitzenschwinger öfters bei anderen Schwingklubs trainieren können. Ich habe mich bereits mit Christian Schuler unterhalten, wir möchten auf das Eidgenössische in Zug hin zusammen etwas organisieren. Geplant ist, dass wir abwechslungsweise in unserem und ihrem Schwingkeller trainieren, und so möglichst viele harte Gänge durchführen können.»

feldwaldwiesenblogger

Jubiläum im Entlebuch: Vorschau 50. Schybi-Schwinget Escholzmatt

Text: feldwaldwiesenblogger

Die Entlebucher feiern morgen am Auffahrtstag (10. Mai) ein schönes Jubiläum. Der Schybi-Schwinget wird dieses Jahr zum 50. Mal ausgetragen. «Wir sind stolz und freuen uns, dieses Jahr den Jubiläumsschwinget durchführen zu dürfen», schreibt das OK und der Entlebucher Schwingerverband als Einleitung im schön gestalteten Festführer.
Meine Wenigkeit entdeckte diesen Anlass auch in der Schwinger-Agenda und strich ihn gleich rot an. Heisst: Ich werde morgen Donnerstag auch ins Entlebuch reisen. Denn der Jubiläumsanlass lockt einige Spitzenschwinger an, und ist nach zwei Kranzfestanlässen in der Innerschweiz ein weiterer Wettkampf, an welchem die Schwinger ihre Form testen können.


Jersey-Rind LAUREN (1. Preis) mit Züchter Christoph Steffen (links) und den Spendern Thomas Portmann (mitte) und Bruno Bucher (rechts)
Bild: Entlebucher Schwingerverband

Drei Lebendpreise
Das Organisationskomitee rund um den Präsidenten Daniel Portmann scheute keinen Aufwand und organisierte im Vorfeld einen beachtlichen Gabentempel, zu dem auch drei schöne Lebendpreise gehören. Der erste Preis ist das Jersey-Rind LAUREN von Züchter Christoph Steffen (Escholzmatt), welches von der Clientis EB Entlebucher Bank AG (Escholzmatt) gespendet wird. Fohlen NELINA von der Züchterin Ruth Bieri (Wiggen) ist der zweite Lebendpreis und wird von den Gründungsmitglieder Schybi-Schwinget und dem Landgasthof Krone gespendet. Beim dritten Preis handelt es sich um Kalb TROJA, welches von der Züchter-Familie Bieri (Escholzmatt) gespendet wird.

1965: Erster Schybi-Schwinget
Aus dem Gabentempel vom Kantonalen Schwingfest 1963 in Escholzmatt blieben noch einige Gaben zurück. Aus diesem Grund wurde im Jahr darauf der Entlebucher-Schwinget in Escholzmatt durchgeführt. Nach vielen organisatorischen Abklärungen entschloss man sich, den Schwingern als Preis Wappenscheiben abzugeben. Diese wurden vom damaligen Gemeindepräsident Ernst Bucher entworfen und zeigen die historische Figur «Christian Schybi». Und so kam es, dass der Traditionsanlass in der Folge «Schybi-Schwinget» genannt wurde. 1965 erfolgte die erste Austragung unter diesem Namen. Bei der Premiere gab es mit Josef Portmann (Wiggen) und Fritz Habegger (Escholzmatt) gleich zwei Sieger.
Beim Studieren des Festführers fällt auf, dass anno 1988, 1998, 2007 und 2016 der Schybi-Schwinget nicht zur Austragung gelangte. Der Grund war dreimal das Luzerner Kantonale und einmal das Innerschweizerische, welche der Entlebucher Schwingerverband in diesen Jahren organisierte. Ansonsten wurde bisher 49-mal in Escholzmatt geschwungen und es liessen sich so illustre Namen wie Alois Boog, Adelbert Gisler, Hansruedi Gloggner, Heinrich Knüsel, Werner Vitali, Daniel von Euw, Edi Kündig, Heinz Suter, Ueli Banz, Matthias Siegenthaler, Philipp Laimbacher, Thomas Sempach, Erich Fankhauser, Thomas Zaugg oder zuletzt Joel Wicki in die Siegerliste eintragen.


Denkmal auf dem Dorfplatz von Escholzmatt als Andenken an Christian Schybi und Hans Emmenegger
Bild: Entlebucher Schwingerverband

Wer war Christian Schybi?
Um dieser Frage nachzugehen, blätterte ich ebenfalls im Festführer. Unter dem separaten Kapitel «Christian Schybi» erfährt man, dass dies eine wichtige Persönlichkeit im Entlebuch war. Christian Schybi (1595 bis 1653) war Landeshauptmann und Anführer der Untertanen im Schweizer Bauernkrieg. Schybi führte am 5. Juni 1653 in Gisikon sein letztes grosses Gefecht, bei welchem er und seine Mitstreiter ihren Mut mit der Hinrichtung bezahlten.
1903 wurde anlässlich des 250. Gedenkjahres der tapferen Helden (Christian Schybi und Hans Emmenegger) ein Denkmal in Escholzmatt enthüllt. Im Jahr 1953 wurde zum 300-jährigen Jubiläum bereits ein Schybi-Schwinget durchgeführt. Zum Schluss der Erklärungen wird festgehalten: «Schybi soll übrigens über enorme Kraft verfügt haben und sei in der Lage gewesen, ein ganzes Pferd zu schultern.»


Joel Wicki gewann 2017 den traditionellen Schybi-Schwinget
Bild: Entlebucher Schwingerverband

Favoriten auf den Tagessieg
Vom Geschichtsexkurs kehren wir zurück in die Neuzeit, und widmen uns den diesjährigen «starken Mannen». Nebst den einheimischen Schwingern sind, wie bei einem Jubiläumsanlass erlaubt, auch Gäste von ausserhalb der Innerschweiz eingeladen. Schwinger vom Schwingklub Appenzell werden mit zwölf Schwingern (darunter sechs Kranzschwinger sowie Eidgenosse Martin Hersche) die Entlebucher beehren. Zudem ist der Schwingklub Lenk mit dem aufstrebenden Patrik Gobeli dabei, und werden sich mit den einheimischen Spitzenkräften messen. Vom organisierenden Entlebucher Schwingerverband ist mit Joel Wicki ein ehemaliger Sieger am Start. Weiter brennen Marco Fankhauser, Remo Vogel, Bruno Fink, Ronny Schöpfer, Josef Portmann, die beiden Neukranzer Niklaus Scherer und Christian Stucki sowie weitere Entlebucher Kranzschwinger darauf, sich einen Spitzenplatz zu ergattern. Aus der Innerschweiz und dem benachbarten Emmental sind verschiedene Spitzenschwinger angemeldet und möchten auch ein Wörtchen um den Tagessieg mitreden. Insgesamt werden rund 100 Schwinger erwartet.
Franz Murpf, Präsident vom Entlebucher Schwingerverband, meint zur Besetzung: «Da der Schybi-Schwinget immer an Auffahrt, also zwischen zwei Kranzfest-Wochenenden durchgeführt wird, ist es nicht einfach, eine grosse Anzahl Kranzschwinger zu motivieren.» Ein Blick auf die Schwingerliste beweist aber, dass es dem OK und dem Entlebucher Schwingerverband gelungen ist, eine stattliche Zahl an Spitzenschwingern anzulocken. Wer schlussendlich die Lebendpreise mit nach Hause nehmen darf, entscheidet sich am Auffahrtstag. Laut Programm ist das Anschwingen auf 11.00 Uhr festgelegt. Eine Stunde vorher wird übrigens zum Gratisapéro geladen.

Unterhaltung
Man soll die Feste schliesslich feiern wie sie fallen, und so freue ich mich heute schon auf viele packende Duelle beim 50. Schybi-Schwinget. Natürlich bereitet mir eine Reise ins Entlebuch stets grosse Freude, da sie mit der UNESCO Biosphäre auch landschaftlich gesehen etwas vom Schönsten in der Schweiz zu bieten haben. Des Weiteren ist ein Schwingfest immer auch ein traditioneller und volksverbundener Anlass und hat für die Schwinger wie für die Festbesucher eine grosse Bedeutung. Und so gehört auch die Unterhaltung an einem Schwinget dazu wie das Amen in der Kirche. Auf dem Festplatz werden die Schwingerfreunde vom Jodlerklub Escholzmatt unterhalten. Nach dem Schlussgang sei noch lange nicht Schluss und man wird zum Verweilen ins Festzelt (lüpfige Musik mit «Äntlibucher Giele») und in die Schwingerbar eingeladen.

feldwaldwiesenblogger

Schwyzer Kantonales im Zeichen von Martin Grab’s Abschied

Text: feldwaldwiesenblogger

Am kommenden Sonntag steht das Schwyzer Kantonale Schwing- und Älplerfest in Sattel auf dem Programm. Nach dem ungewöhnlichen Verlauf und dem ziemlich überraschenden Sieg von Martin Grab kürzlich beim Zuger Kantonalen, steht der Schwyzer Ehrentag nun im Zeichen vom Abschied des Altmeisters. Denn: Grab kündete tags darauf seinen definitiven Abschied vom aktiven Schwingsport an. Als Bühne hat der Rothenthurmer das Schwyzer Kantonale in Sattel auserkoren. In seiner Nachbargemeinde tritt der Spenglermeister ein letztes Mal an.


Jubelnder Martin Grab nach dem Erfolg beim Zuger Kantonalen
Bild: Werner Schelbert

300 Sitzplätze mehr
Auf der Homepage des diesjährigen Schwyzer Kantonalen steht einleitend: «Was für eine Ehre für den Mythenverband und das OK! Martin Grab, ein grosser Innerschwyzer Schwinger tritt am 95. Schwyzer Kantonalen in Sattel SZ, vor seiner eigenen Haustüre ab und hängt seine Zwilchhose definitiv an den Nagel. Es würde uns riesig freuen, wenn möglichst viele Schwingsportfans und Freunde „em Märtel“ die Ehre erweisen würden, unsere Festwirtschaft ist für einen allfälligen Grossansturm gerüstet …»
Die Sitzplätze wurden denn in weiser Voraussicht gleich um 300 Stück aufgestockt. OK-Präsident Beat Suter sagt im heutigen «Bote der Urschweiz» dazu: «Wir haben die Sitzplatzzahl erhöht auf 3800. Der Grund ist das Abschiedsfest von Martin Grab. Wir erwarten, dass nochmals viele Fans seine letzte Vorstellung besuchen wollen. Wir sind gerüstet.»

Palmarès von Martin Grab
Um dem Palmarès von Martin Grab gerecht zu werden, müsste ich dafür einige Blogbeiträge investieren. Da dies den Rahmen ganz einfach sprengen würde, riskierte ich einen Blick auf die Website von Grab. Gleich beim «Eingang» fand ich einen Text, welcher die Verdienste eines der erfolgreichsten Schwinger der Neuzeit gebührend würdigt. Ich fand, dass ich das Rad nicht noch mal neu erfinden muss, und erlaube mir daher, den Text eins zu eins zu übernehmen.
«Der Böse, wie er im Schwingerjargon genannt wird, geht seit über 23 Saisons auf Kranz-Jagd. Mit 33 Kranzfestsiegen, 61 Siegen an Rangschwingfesten sowie 124 gewonnenen Kränzen, davon 7 eidgenössische Kränze, gilt Martin Grab als einer der erfolgreichsten Schwinger der Schweiz. Insbesondere was Martin Grab am Eidgenössischen Schwingfest 2016 in Estavayer erreicht hat, hat seit Jahrzehnten kein Schwinger erreicht: Er durfte sich zum siebten Mal in seiner Karriere einen Eidgenössischen Kranz aufsetzen lassen. Mit dieser Leistung zieht Martin Grab mit der verstorbenen Schwinglegende Peter Vogt gleich. Ausserdem ist er der erste und einzige Schwinger, der in seiner Karriere sämtliche Bergschwingfeste gewonnen hat. Zu seinen grössten Erfolgen gehören unter anderen der Sieg beim Schwingfest anlässlich der Expo.02 sowie beim Unspunnenfest 2006. Bei den jährlich stattfindenden Schwingfesten siegte er am Brünigschwinget 2001, 2002, 2007, 2008 und 2010, am Innerschweizer 2002, 2003, 2004 und 2006, am Berner Kantonalen 2005, am Südwestschweizerischen 2002 und am Nordwestschweizerischen 2006.
Auch neben seiner Schwingerkarriere ist der 39-Jährige Rothenthurmer ein umtreibender Mann. Er ist Vater von 5 Kindern und führt mit seiner Frau Monika ein Landwirtschaftsbetrieb sowie seine eigene Spenglerei mit 10 Mitarbeitern.»


Martin Grab’s Karriere in vier Facetten
Bild: martingrab.ch

Definitiver Abschied vom Aktivsport
Nach dem Sieg beim Zuger Kantonalen liess Martin durchblicken, dass zwei Wochen später beim Schwyzer Kantonalen allenfalls Schluss sein könnte. Er liess uns wissen, dass er eine Nacht darüber schlafen möchte und sich dann definitiv entscheidet. Und so kam tags darauf die definitive Entscheidung. Am 24. April informierte Martin auf seiner Homepage die Schwingerfamilie mit diesen Worten: «Am vergangenen Sonntag durfte ich nochmals mein schwingerisches Können unter Beweis stellen und das Fest mit sechs gewonnen Gängen für mich entscheiden. Die gute Frühform und der Sieg am Zuger waren der Lohn für das harte Wintertraining, dass ich als Vorbereitung dieser Saison absolviert habe. Parallel dazu machte sich in letzter Zeit immer mehr mein Körper bemerkbar, insbesondere die linke Hüfte. Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, am Schwyzer Kantonalen im Nachbardorf Sattel mein letztes Schwingfest als Aktivschwinger zu bestreiten. Ich bedanke mich bereits jetzt bei Allen, die mich in all den Jahren auf irgendeine Art und Weise unterstützt haben. Ich freue mich, Euch vielleicht am Sonntag 6. Mai im Sattel oder zu einem späteren Zeitpunkt wieder zu sehen.»

Erinnerungen aus eigenem Archiv
Ich verzichtete darauf, mit Martin in diesen Tagen ein Interview zu führen. Ganz einfach deshalb, weil dies sowieso sehr viele Medien tun. Und ich dem Rothenthurmer auch ein wenig Ruhe und Zeit für die Vorbereitungen seines letzten Schwingfestes als Aktiver gönne. Stattdessen stieg ich in mein eigenes Archiv und fand zwei Interviews, welche ich mit dem Altmeister in der Vergangenheit führte. Bei einem Beitrag, «Martin Grab schwingt auch 2017, wenn es die Gesundheit erlaubt», fragte ich: «Was bewog dich dazu, weiter zu machen?» Martin meinte dazu: «Da sind zwei Sachen in meinem Hinterkopf. Punkt eins: Ich möchte mit einer guten Saison meine Karriere beenden und eine Saison lang durchschwingen können. Die beiden letzten Saisons waren nämlich diesbezüglich eher verknorzt. Punkt zwei: Die Freude und die Leidenschaft sind immer noch vorhanden.»
Das ist exakt die Aussage, an welche ich mich nach dem Zuger Kantonalen erinnerte. Martin war es sehr wichtig, mit erhobenen Hauptes abtreten zu können. Der Erfolg in Menzingen kam für ihn just zum richtigen Zeitpunkt. Der Spenglermeister sagte in verschiedenen Interviews, dass er im Winter gut trainiert habe und sich in einer ausgezeichneten Verfassung befindet. Ein Beleg dafür war auch der Frühjahrsschwinget Ibach, an welchem Martin mit vier gewonnen, einem verlorenen und einem gestellten Gang den ausgezeichneten dritten Platz belegte. Verständlich ist aber auch, dass der 124-fache Kranzschwinger zum Abschluss seiner glanzvollen Karriere nicht eine ganze Saison durchschwingt. Sein Körper macht sich bemerkbar, vor allem die linke Hüfte.
Bei der Schlussfrage in besagtem Interview «Wie lauten deine Ziele für 2017? Schwingst du voraussichtlich auch 2018?» antwortete der siebenfache Eidgenosse vielsagend: «Mein Ziel ist ganz klar, dass ich so eine Situation wie ich sie vor dem Eidgenössischen erlebte, nicht noch mal durchmachen muss. Ich durchlief ein regelrechtes Formtief, besonders am Berner Kantonalen. Wenn ich im nächsten Frühling antrete, muss ich absolut verletzungsfrei sein. Das ist mein oberstes Ziel. 2018 ist noch zu weit weg. Ich nehme es nun Saison für Saison. Denn es kann schnell wieder ganz anders aussehen.» Der Erfolg beim Zuger Kantonalen kam für Martin Grab goldrichtig. Ein idealer Zeitpunkt, nun erhobenen Hauptes zurücktreten zu können. Jeder Schwingerfreund mag ihm das von Herzen gönnen!


Zuger Kantonales 2016: Martin Grab im Duell mit Christian Schuler
Bild: Rolf Eicher

Zuger Kantonales 2016
Dass Martin Grab das Zuger Kantonale lag, beweist die Anzahl Festsiege an jenen Anlässen, nämlich nach jenem Erfolg in Menzingen nun fünf an der Zahl. Im April 2016 führte ich mit Martin nach dem Zuger Kantonalen in Hünenberg See ein kurzes Interview. Der brilliante Techniker verlor damals den Schlussgang gegen keinen geringeren als seinen Trainingspartner und Schwingerkollegen vom Schwingklub Einsiedeln – Christian Schuler. Auf die Frage «Was genau passierte im Schlussgang? Wie beurteilst du den rückblickend?» erklärte der passionierte Ziegenzüchter: «Der Schlussgang lief so ab wie erwartet. Christian geht zu Beginn des Ganges jeweils immer sehr forsch ans Werk. Meine Taktik war es, möglichst lange mit ihm zu schwingen. Ich sah meine Chancen in der zweiten Ganghälfte. Als ich mit linkem Gammen angriff, konterte Schuler mit innerem Haken. Ich hätte eigentlich wissen müssen, dass das nicht funktioniert. Christian war am Sonntag wirklich ein schwerer Gegner.»
Grab wurde leider immer wieder von Verletzungen heimgesucht. Ich wollte beim gleichen Interview von ihm wissen: «Hast du mit einem guten Gefühl am Sonntag geschwungen? Bist du zufrieden mit der langen Saisonvorbereitung?» Darauf antwortete der 33-fache Kranzfestsieger: «Das gute Gefühl war bei beiden Vorbereitungsfesten da, vor allem beim Rapperswiler Verbandschwingfest in Wagen SG. Ich konnte nun dieses gute Gefühl mitnehmen an‘s Zuger Kantonale. Bei der Vorbereitung lief ein grosser Teil gut ab. In den letzten Wochen musste ich zu meinen Adduktoren schauen. Die Probleme damit behindern mich aber nicht beim Schwingen. Am Sonntag überstreckte ich beim vierten Gang einen Arm und verspüre nun Schmerzen am Ellenbogen. (…).» Wie sich die meisten Schwingerfreunde wohl erinnern können, verletzte sich Martin Grab zwei Wochen später beim Schwyzer Kantonalen in Schindellegi. Martin kämpfte sich aber trotz Rückschlägen mit eisernem Willen zurück und gewann im gleichen Jahr den siebten Eidgenössischen Kranz in Estavayer. Dieser Erfolg machte den sympathischen Rothenthurmer endgültig zur Schwingerlegende!

Spitzenpaarungen von kommendem Sonntag
Just, als ich diese Zeilen am Verfassen war, wurden die Spitzenpaarungen vom Schwyzer Kantonalen in Sattel bekannt. Zu diesen gehört selbstverständlich auch Martin, welcher mit seinen bald 39 Lenzen immer noch zu einem der besten des Landes gehört. Apropos Erfolgen des fünffachen Familienvaters: Das Schwyzer Kantonale gewann der stets in einem grünen Hemd schwingende Athlet beachtliche dreimal.

Schuler Christian : Wicki Joel
Müllestein Mike : Imhof Andi
Grab Martin : Mathis Marcel
Nötzli Reto : Gapany Benjamin
Schuler Alex : Stöckli Stefan
Steinauer Adrian : Herger Matthias
Suppiger Werner : Borcard Johann
Schelbert Ralf : Müller Michael


Was für ein herrliches Gelände in Sattel!
Bild: Facebook

Zum Schluss meines Beitrages wünsche ich Martin Grab in Sattel den würdevollen Abschied, welcher er sich absolut verdient! Ich freue mich heute schon auf das 95. Schwyzer Kantonale. Auf viele packende Zweikämpfe, eine urchige und gemütliche Stimmung. Und natürlich auf den letzten Auftritt von «Märtel». Wettergott Petrus liefert laut Prognosen das passende Zubehör für einen unvergesslichen Tag!

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