Rück- und Ausblick mit Fridolin Beglinger, dem Technischen Leiter der Nordostschweizer. Er sagt: «Die Ziele für 2022 sind der Schwingerkönig-Titel, möglichst viele Kranzgewinne am ESAF in Pratteln und der Brünig-Sieg.»

Text: feldwaldwiesenblogger

Die Nordostschweizer dürfen auf eine erfolgreiche Saison zurückblicken. Ihre Schwinger lieferten, gewannen wichtige Schwingfeste und fuhren schöne Erfolge ein. Zwar musste auch dieser Teilverband Verletzte und Ausfälle beklagen. Sie fielen aber nicht derart ins Gewicht wie bei den Innerschweizern, oder in etwas kleinerem Ausmass bei den Bernern.

Die Nordostschweizer Schwinger zeigten eine starke Saison

Bild: nosv.ch

Starkes Team

Der Nordostschweizer Schwingerverband (NOSV) verfügt zum einen mit Samuel Giger über den Kilchberger Sieger und Überschwinger des Jahres. Zum anderen gehört zu ihrem Team Kilchberger Co-Sieger Damian Ott, der eigentliche Aufsteiger des Jahres. Dahinter befinden sich mit Domenic Schneider, Samir Leuppi, Roger Rychen oder Michael Bless weitere starke Leader. Einen grossen Sprung nach vorne taten diese Saison Werner Schlegel, ebenso Marcel Räbsamen. Aber auch der inzwischen zurückgetretene Tobias Krähenbühl, Shane Dändliker und Jeremy Vollenweider zeigten 2021 starke Leistungen. Nicht richtig auf Touren kam Armon Orlik, mit ihm dürfte aber 2022 wieder zu rechnen sein.

Saisonbilanz

Der Schwinger-Blog führte heute mit Fridolin Beglinger, dem technischen Leiter der Nordostschweizer, ein Gespräch. Einerseits ging es um die Saisonbilanz, andererseits aber auch um Stichworte wie Teamgeist, Trainingsarbeit, das ESAF 2022 in Pratteln und die Ziele für kommende Saison.

Was für eine Bilanz ziehst du nach der 2021er-Saison?

«Ich ziehe eine sehr positive Bilanz. Wir haben alle vier Bergfeste gewonnen, an welchen wir antreten durften und konnten zwei Kilchberger Sieger feiern.»

Nach welchen Schwingfesten warst du besonders stolz auf dein Team?

«Das ist einerseits nach dem Weissenstein Schwinget, an welchem überraschend Damian Ott gewann und wo wir die meisten Kränze mit nach Hause nehmen konnten. Andererseits war ich nach dem Kilchberger Schwinget besonders stolz auf mein Team.

Der Glarner Fridolin Beglinger ist der Technische Leiter der Nordostschweizer

Bild: nosv.ch

Stichwort Teamgeist

Rückblick: Im März wurde ein Trainingsverzicht bis Mitte April beschlossen. Dies als Zeichen der Solidarität der NOSV-Eidgenossen mit den Mittelschwingern. Der Teamgeist bei den Nordostschweizern lebt. War der schon immer so stark?

«Der Teamgeist ist in letzter Zeit viel besser geworden und wurde mit dieser Solidaritäts-Aktion noch mehr gestärt. Es ist schön, dass unser Team-Leader Samuel Giger so pflegeleicht ist und voll hinter unseren Mittelschwingern steht. Das ist sehr wertvoll für das Team.»

Der NOSV ist der einzige Teilverband mit zwei Technischen Leitern. Du teilst das Amt mit Christian Heiss. Erfolgte dies auch aus dem Teamgeist heraus? 

«Eigentlich nicht. Wir haben dem Vorschub geleistet, damit sich jeder auf seine Aufgaben konzentrieren kann.»

Wie teilen sich Christian und du die Arbeit auf?

«Christian ist zuständig für die administrativen und organisatorischen Belange. Er organisiert unter anderem die Trainings und die Lokalitäten. Ich kann mich dadurch voll auf die Arbeit mit den Schwingern und das Training konzentrieren, und bin zudem für die Einteilung zuständig.»

Der Saisondominator Samuel Giger feierte in Mels beim Nordostschweizer Schwingfest seinen 22. Kranzfestsieg

Bild: tagblatt.ch

Stichwort Trainingsarbeit

Was macht eigentlich ein Technischer Leiter während der Winterpause?

«Wir haben die Kadertrainings wieder aufgenommen und führen einmal pro Woche eines durch. Ich leite diese Trainings und bin darum bemüht, dass möglichst alle anwesend sind. Weiter führe ich Gespräche mit den Schwingern, was sehr wichtig ist.»

Trotz erfolgreicher 2021er-Saison: Gibt es dennoch Punkte, welche der Technische Leiter im Training angehen muss?

«Man kann sich immer verbessern, auch in technischen Belangen. Wir arbeiten auch daran, dass die Spitze noch breiter wird.»

Stichwort ESAF 2022 in Pratteln

Seit 2010 wurden ausnahmslos Berner Schwingerkönige gekrönt. Ist 2022 wieder einmal die Nordostschweiz an der Reihe?

«Das ist unser Ziel, und nach dieser erfolgreichen Saison dürfen wir dieses auch so setzen. Denn: Wenn alle gesund bleiben, besitzen wir gute Chancen auf den Königstitel.»

2019 stand trotz grossen Ambitionen kein Schwinger von euch im Schlussgang in Zug. Welche Lehren habt ihr aus diesem ESAF gezogen?

«Wir suchen noch mehr den Kontakt zu den Schwingern und legen grossen Wert auf die Teambildung. Gewisse Schwinger haben nach ihrem Abschneiden in Zug auch persönliche Lehren gezogen.»

Als erst 18-Jähriger gewann Werner Schlegel beim Appenzeller Kantonalen in Urnäsch seinen ersten Kranzfestsieg

Bild: toggenburg24.ch

Stichwort Ziele für 2022

Wie sehen die Ziele des Technischen Leiters für 2022 aus?

«Die Ziele sind der Schwingerkönig-Titel, möglichst viele Kranzgewinne am ESAF in Pratteln und der Brünig-Sieg. Wir sind nächstes Jahr Gast auf der Wasserscheide zwischen der Innerschweiz und dem Bernbiet. Der letzte Sieg eines Nordostschweizers beim Brünig-Schwinget war 2006 und liegt einige Zeit zurück. Damals gewann Stefan Fausch.»

Definierst du auch individuell mit den Schwingern Ziele? 

«Wir haben unsere Ziele klar im Team kommuniziert und dass wir mit der bestmöglichen Mannschaft auf dem Brünig und am ESAF antreten möchten. Die Schwinger definieren ihre individuellen Ziele mit ihren persönlichen Betreuern, Bezugspersonen oder den technischen Leitern der Schwingklubs.»

feldwaldwiesenblogger

Rück- und Ausblick mit Roland Gehrig, dem Technischen Leiter der Berner Schwinger

Text: feldwaldwiesenblogger

Die Berner Schwinger haben eine erfolgreiche Saison hinter sich. Etliche Schwinger überzeugten und lieferten Top-Ergebnisse ab. Zwar wütete die Verletzungshexe auch in ihrem Team. Aber dies hatte nur marginale Auswirkungen auf die Saisonbilanz.

Co-Sieg am Kilchberger Schwinget und ENST-Kategoriensieg

Als Höhepunkte der 2021er-Saison gelten Fabian Staudenmann’s Co-Sieg am Kilchberger Schwinget und Daniel Tschumi’s Kategoriensieg am Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag (ENST) in Schwarzenburg. Der Erfolg fusst dabei auf einer intakten und gesunden Mischung aus Routine und erfolgshungrigen Nachwuchsleuten. Trotz Rücktritten diverser Spitzenschwinger fielen die Berner in kein Loch. Und: Nach verletzungsbedingten Ausfällen von arrivierten Spitzenleuten stiessen Schwinger aus der zweiten und dritten Reihe nach und feierten schöne Erfolge. Letztendlich fanden sich an der Tabellenspitze der meisten Kranzfeste routinierte Spitzenschwinger wie auch erfolgsversprechende Nachwuchshoffnungen. Bei den «Mutzen» ist grosses Potenzial vorhanden, die Verteidigung des Schwingerkönig-Titels 2022 in Pratteln alles andere als eine Illusion.

Das Berner Team bei der Besichtigung vom ESAF-Gelände 2019 in Zug

Bild: esafzug.ch

Sehr gute Saisonbilanz

In der aktuellen Ausgabe des SCHLUSSGANG’s bilanziert Roland Gehrig, der Technische Leiter: «Mit der vergangenen Saison bin ich mehr als zufrieden. Besonders die Jungen zeigten durchwegs starke Leistungen. Es macht grosse Freude, mit ihnen zu arbeiten und ich darf beruhigt in die Zukunft schauen.» Der Schwinger-Blog knüpft hier an, hält in diesem Beitrag Rück- und Ausblick mit besagtem Roland Gehrig und stellt dem Technischen Leiter Fragen zur diesjährigen Saison. Zur Sprache kommen aber auch andere Stichworte, wie etwa die Verletzungshexe, das ESAF 2022 in Pratteln oder der gute Teamgeist.

Nach welchen Schwingfesten warst du besonders stolz auf dein Team?

«Ganz klar nach dem Kilchberger Schwinget! Im Kollektiv haben wir eine super Team-Leistung erbracht. Weiter war der Brünig-Schwinget ein Highlight, ebenso das Bernisch Kantonalschwingfest. An jenem Schwingfest in Aarberg waren erstmals in dieser Saison wieder viele Zuschauer zugelassen. Das war eine Freude für die Zuschauer und die Schwinger. Nach dem Ausfall von Schwingerkönig Christian Stucki fassten wir die Devise: Feste gewinnen ohne Stucki. Wir bauten dabei auf eine starke Teamleistung.»

Trotz erfolgreicher Saison: Gibt es dennoch Punkte, welche der Technische Leiter nach dieser Saison angehen muss?

«Nach dem Fest ist vor dem Fest, heisst: Das ESAF 2022 in Pratteln vor Augen zu haben und als Ziel zu setzen. Wir haben eine junge Mannschaft. Es gilt, diese weiterzubringen und an die Spitze heranzuführen. Um am «Eidgenössischen» erfolgreich zu sein.»

Der Technische Leiter Roland Gehrig sagt: «Unser Ziel und Anspruch ist es, den Königstitel zu verteidigen.»

Bild: esv.ch

Stichwort Nachwuchsarbeit

Nebst den arrivierten Kräften lieferten in dieser Saison auch die Jungen. Die Berner haben seit Jahren ein gut funktionierendes Nachwuchskonzept. Wann wurde dieses eingeführt, und wie sieht das aus?

«Unser Nachwuchskonzept basiert auf dem Novizen-Kader, welches vor acht Jahren eingeführt wurde. Es ist ein Erfolg, und wir können sozusagen daraus pflücken. Das Kader betreut zudem den Nachwuchs beim Übertritt zu den Aktiven, was ein ganz wichtiger Schritt für die einzelnen Athleten ist.»

Am ENST fiel besonders der Jahrgang 2005 auf. Im Schlussgang standen sich mit Daniel Tschumi und Fabian Stucki zwei Berner gegenüber. Gewonnen wurde diese Kategorie von Tschumi. Wie sieht es bei den anderen Nachwuchs-Jahrgängen aus?

«Beim Jahrgang 2005 waren wir überlegen. Bei den anderen Jahrgängen sind wir nicht ganz so stark unterwegs. Es ist für mich aber nicht beängstigend, wenn ein Jahrgang etwas schwächer besetzt ist. Es hat schon immer stärkere und schwächere Jahrgänge gegeben. Der Jahrgang 1985 beispielsweise war bekanntermassen auch ein ganz starker.»

Daniel Tschumi gewann am ENST beim Jahrgang 2005 und liess die Berner jubeln

Bild: Berner Zeitung

Stichwort Verletzungshexe

Die Innerschweizer wurden durch Verletzungen mehrerer Spitzenschwinger arg gebeutelt. Bei den Bernern hielt sich diese Misere in Grenzen?

«So eine Misere ist immer relativ zu betrachten. Wir haben ein breit aufgestelltes Team mit arrivierten Kräften und jungen Nachwuchshoffnungen. Einige dieser Nachwuchsleute haben in dieser Saison einen relativ grossen Schritt nach vorne getan.»

Wie geht es den verletzten Schwingern, allen voran Christian Stucki und Michael Wiget? Werden sie zu Beginn der neuen Saison wieder ins Wettkampfgeschehen eingreifen können?

«Christian Stucki ist auf einem guten Weg. Ich denke, wir dürfen zu Beginn der neuen Saison wieder auf ihn zählen. Michael Wiget geht es den Umständen entsprechend gut. So wie es derzeit aussieht wird er vermutlich die ersten Schwingfeste verpassen.»

Stichwort ESAF 2022 in Pratteln

Seit 2010 wurden ausnahmslos Berner Schwingerkönige gekrönt. Wie kommt das? 

«Die Berner pflegen schon seit etlichen Jahren gute Teamarbeit. Auch meine Vorgänger haben viel Wert daraufgelegt. Wie oben angesprochen ist es uns wichtig, den Nachwuchs gut zu fördern. Wir setzen uns gemeinsam Ziele, und versuchen diese kollektiv als Mannschaft anzupeilen und zu erreichen. Wir sind Berner und ein Team – das zeichnet uns vermutlich aus.»

Die beiden besten Schwinger der Saison 2021, Samuel Giger und Damian Ott, kommen aus der Ostschweiz. Um den Schwingerkönig-Titel zu verteidigen, müssen die Berner erst an diesen beiden Spitzenschwingern vorbeikommen. Wie wollt ihr das anstellen?

«Wie bereits erwähnt, kann man solche Ziele nur gemeinsam als Mannschaft erreichen. Christian Stucki ist zwar nicht mehr der Jüngste, er könnte die beiden aber durchaus bezwingen. Mit einer starken Mannschaftsleistung ist vieles möglich. Aber es wird eine schwierige Aufgabe.»

Schwingerkönig Christian Stucki wird voraussichtlich zu Beginn der nächsten Saison wieder ins Wettkampfgeschehen eingreifen

Bild: esv.ch

Stichwort Teamgeist und Ziele für 2022

Als Aussenstehender bekommt man den Eindruck, dass die Berner einen guten Teamgeist haben. Wie stärkt ihr diesen?

«Unser Motto ist «Zämä simmer starch». Nach diesem Leitfaden gehen wir vor, dies pflegen wir bei den Kader-Trainings wie auch an den Schwingfesten. Zudem rekrutieren wir Mitglieder für unseren Staff, welche zu unseren Schwingern passen und keine Selbstdarsteller sind. Wir wollen keine Unruhe im Team. Wenn es erforderlich ist, führen wir auch Einzelgespräche mit den Schwingern. Uns ist ein guter Teamgeist sehr wichtig.»

Es ist bekannt, dass die Berner Betreuer besonders an Eidgenössischen Anlässen alles für das Wohl ihrer Schwinger tun. Wie muss man sich das vorstellen?

«Das ESAF ist der wichtigste Anlass. Unser Bestreben ist es, an diesem sehr gut zu unseren Athleten zu schauen. Das Schwingen ist längst ein absoluter Spitzensport. Wir leben dies vor und stellen eine zeitgemässe Infrastruktur zur Verfügung. Die Vorbereitungen sind jeweils gross, aber wir scheuen keinen Aufwand. Im Team-Zelt sollen sich die Schwinger in diesen drei Tagen wohl und geborgen fühlen. Sie sollen spüren, dass wir hinter ihnen stehen. Unseren Athleten soll es vom Essen über die Getränke bis hin zu Hometrainern an nichts mangeln. Es sind meist die kleinen Dinge, die den Unterschied ausmachen.»

Wie sehen die Ziele des Technischen Leiters für 2022 aus?

«Das Hauptziel ist, dass sich möglichst wenige verletzen und wir am ESAF in Pratteln aus dem vollen schöpfen können. Und natürlich: Unser Ziel und Anspruch ist es, den Königstitel zu verteidigen.»

feldwaldwiesenblogger

Saison-Bilanz der Innerschweizer: Verletzungssorgen, nüchterne Ergebnisse und viele Fragen zur nahen Zukunft

Text: feldwaldwiesenblogger

Der SCHLUSSGANG schreibt in seiner aktuellen Ausgabe treffend: «Nachdem sie vor der Corona-Pandemie unbeirrt nach vorne schritten, wurde der Aufwärtstrend jäh gestoppt.» Gemeint sind dabei die Innerschweizer Schwinger, welche in der nun abgelaufenen Saison ziemlich unten durchmussten. Der Hauptgrund liegt an den überdurchschnittlich vielen verletzten Akteuren. Aber nicht nur.

Pirmin Reichmuth, welcher sich vor Beginn der Saison verletzte, befindet sich wieder im Aufbautraining für die neue Saison

Bild: pirminreichmuth.ch

Lange Verletzungs-Liste

Schon vor der Saison verletzte sich Pirmin Reichmuth und zu Saisonbeginn Michael Gwerder sowie Noe van Messel. Während der Saison fielen Marcel Bieri oder René Suppiger wegen Verletzungen aus. Und nicht zu vergessen Joel Wicki: Der Erstgekrönte verletzte sich während der Saison gleich zweimal und musste deswegen länger pausieren. Auch Sven Schurtenberger, der mit acht Kränzen beste Kranzsammler, erwischte es. Der Luzerner verletzte sich am eigenen Kantonalen und schied deswegen am Kilchberger Schwinget frühzeitig aus. Mike Müllestein fiel zudem krankheitsbedingt eine Zeitlang aus. Die Liste ist leider noch länger. Der Schwinger-Blog fragte deshalb bei Thedy Waserdem Technischen Leiter der Innerschweizer, nach.

Wie sieht die Verletzungssituation derzeit aus? Konkret: Wie geht es Pirmin Reichmuth, Michael Gwerder, Noe van Messel, Marcel Bieri, René Suppiger und Sven Schurtenberger?

Thedy Waser: «Sie befinden sich mit Rehabilitation und Kraftaufbau auf einem guten Weg. Wir sind sehr zuversichtlich. Die einen nehmen das Training im Sägemehl früher auf, die anderen etwas später.»

Im SCHLUSSGANG erwähnt Thedy Waser zudem: «Verletzungen kann man nicht beeinflussen.» Das ist wohl wahr. Trotzdem: Ganz offensichtlich verletzten sich viele Schwinger am «Innerschweizerischen» wegen des unglücklichen Festkalenders nach der Corona-Pause. So einem Kalender kann und darf ein Technischer Leiter in Zukunft doch niemals mehr zustimmen, oder?

Waser: «Das war eine Ausnahmesituation. Die grossen Feste folgten gleich zu Beginn, teilweise ohne grosses Training vorher. Das darf man in Zukunft nicht mehr so durchführen. Zu dieser Aussage stehe ich.»

Thedy Waser sagt: «Das darf man in Zukunft nicht mehr so durchführen.»

Bild: esv.ch

Nüchterne Saisonbilanz der Innerschweizer

Weiter erwähnt Thedy Waser im besagten SCHLUSSGANG-Artikel: «Wir haben das eigene Verbandsfest, einen Bergklassiker und ein Ausserkantonales gewonnen, was gar nicht so schlecht ist. Die Nichtverletzten haben ihre Ansprüche erfüllt.» Hand aufs Herz: Mit dieser nüchternen Bilanz darf der Technische Leiter des grössten Teilverbandes nicht zufrieden sein?

Waser: «Es wäre eventuell schon mehr drin gelegen. Wenn man aber schaut auf wen wir verzichten mussten, durften wir nicht unbedingt mehr erwarten.»

Analysiert man weiter die Ergebnisse der einzelnen Innerschweizer Kantonalverbände, dann schneidet eigentlich nur derjenige der Luzerner zufriedenstellend ab. Was läuft in den anderen Kantonalverbänden nicht optimal?

Waser: «Die Ob- und Nidwaldner mussten nach dem ESAF 2019 in Zug mit Marcel Mathis und Lutz Scheuber zwei gewichtige Rücktritte zur Kenntnis nehmen. Zudem war Martin Zimmermann, welcher kürzlich zurückgetreten ist, während einem grossen Teil der Saison verletzt. Das sind einfach Verluste, die nicht so schnell kompensiert werden können. Bei den Urnern war Stefan Arnold praktisch während dem ganzen letzten Winter verletzt. Weitere Urner Kranzschwinger waren zudem wegen Verletzungen ausser Gefecht gesetzt. Bei den wenigen noch übrig gebliebenen Schwyzer Eidgenossen fällt jeder Ausfall ins Gewicht, wie beispielsweise derjenige von Michael Gwerder. Und bei den Zugern fehlten je länger die Saison ging die meisten Spitzenleute verletzungsbedingt.»

Trotz grossen Verletzungssorgen: Das Abschneiden der Innerschweizer am Kilchberger Schwinget wirft grosse Fragen auf. Wurde der Saisonhöhepunkt inzwischen analysiert?

Waser: «Wir haben ihn analysiert. Sven Schurtenberger musste wegen einer Verletzung vorzeitig aufgeben. Joel Wicki, welcher eine verknorzte Saison mit zwei Verletzungen hinter sich hatte, lieferte eine sehr gute Leistung ab. Auch Christian Schuler, eine wichtige Stütze in unserem Verband, zeigte einen sehr guten Wettkampf. Marco Reichmuth musste leider kurzfristig wegen Krankheit verzichten. Die Schwinger hinter der Spitze konnten an jenem Tag keinen Exploit landen. Wenn man halt am Tag X nicht eine besondere Leistung abrufen kann, kommt das dann so heraus.»

Die ISV-Spitze ist nach etlichen Rücktritten dünner geworden

Bild: Tobias Meyer

Dünne Spitze – Wird wirklich alles für den Erfolg getan?

Nach etlichen Rücktritten in den letzten Jahren ist die Spitze der Innerschweizer nicht mehr so breit besetzt. Man hat nicht unbedingt den Eindruck, dass diese Lücken schnell geschlossen werden, zumal in naher Zukunft weitere Spitzenschwinger wie Andi Imhof oder Benji von Ah zurücktreten werden.

Waser: «Wenn all die Verletzten wieder zurückkehren, wird die Breite auch wieder grösser. Die verschiedenen Rücktritte versuchen wir mit jungen Talenten wie beispielsweise Joel Ambühl aufzufüllen. Ich bin zuversichtlich, dass sich unsere Breite weiterentwickelt und nicht schmäler wird. Guter Nachwuchs ist vorhanden. Denn: Am Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag (ENST) in Schwarzenburg holten wir einen Kategoriensieg, stellten einen weiteren Schlussgang-Teilnehmer und gewannen die meisten Auszeichnungen.»

Man sieht deutlich, dass vor allem die Berner und die Nordostschweizer alles für ihr Team und den Teamgeist an den Schwingfesten unternehmen. Diesen Eindruck bekommt man leider immer noch nicht von den Innerschweizern. Tun die Verantwortlichen wirklich alles für den Erfolg?

Waser: «Wir tun alles für den Erfolg und versuchen alles, um den Zusammenhalt zu stärken. Wir führen beispielsweise ein monatliches Training mit allen Kranzschwingern durch. Es liegt viel Arbeit vor uns und es braucht einfach seine Zeit. Den «Kantönligeist» haben wir inzwischen wegbekommen. Und: Den gestärkten Zusammenhalt kann man daran erkennen, wie das ISV-Team am ESAF 2019 in Zug einmarschiert ist.»

ENST-Sieger und Neukranzer Luca Müller ist ein Lichtblick für die Innerschweizer

Bild: luzernerzeitung.ch

Lichtblick, Nachwuchskonzept und Ziele für 2022

Der Zuger Luca Müller bescherte mit seinem Kategorien-Sieg am ENST und seinem ersten Kranz am Luzerner Kantonalen einen Lichtblick für das ISV-Team. Drücken noch mehr solcher Talente nach?

Waser: «Mit Luca Müller besitzen wir ein Riesentalent, und beim Jahrgang 2005 schlummern weitere grosse Talente. Wenn wir diese Jungen optimal aufbauen und ins ISV-Team integrieren können, werden uns diese dereinst viel Freude bereiten.»

Stichwort Berner Breite: Fällt beispielsweise Schwingerkönig Christian Stucki aus, stossen junge und hungrige Schwinger aus der zweiten oder dritten Reihe nach, und können an der Spitze mitreden. Diese Dichte fehlt den Innerschweizern einfach. Müsste man sich diesbezüglich nicht ein wenig am Nachwuchskonzept der Mutzen orientieren?

Waser: «Wir haben auch ein gutes Nachwuchskonzept und verrichten ebenfalls gute Arbeit. Unser Ziel ist es, unseren Nachwuchs zu fördern, sie beim Übertritt von den Jungschwingern zu den Aktiven zu begleiten und sie gut in das Team zu integrieren.»

Welche Ziele definiert der Technische Leiter für die Saison 2022?

Waser: «Wir wollen mit unserer Mannschaft am ESAF 2022 in Pratteln vorne mitreden, und zwar bis zum Schluss. Mein Wunsch ist es, dass alle schwingen können, gesund bleiben, und der Innerschweizer Schwingerverband so seine Ziele erreichen kann.»

feldwaldwiesenblogger

Die Arbeiterschwinger von Oerlikon

Einleitung: feldwaldwiesenblogger

Just am heutigen Tag feiert der Eidgenössische Schwingerverband (ESV) in Collombier (NE) seinen 125. Geburtstag. Dieser wäre zwar letztes Jahr gewesen, Corona-bedingt wurde die grosse Feier aber auf dieses Jahr verschoben. Der ESV gab zu diesem runden Jubiläum 2020 eine dicke und schön illustrierte Chronik heraus. Der geschichtlichen Details gäbe es viele zu erwähnen, ist die Historie rund um unseren Nationalsport doch gespickt mit unzähligen spannenden und legendären Fakten, Anekdoten und Erzählungen. 

«Schwere Kerle rollen besser»

Der Schwinger-Blog entschied sich heute für eine Geschichte aus dem Buch von Linus Schöpfer: «Schwere Kerle rollen besser». Darin gibt es mit «Links abgedreht: Die Arbeiterschwinger von Oerlikon» ein besonders interessantes Kapitel zu lesen. Da der Schreibende von den «Arbeiterschwingern» bis anhin noch nie etwas gehört oder gelesen hatte, erlaubte er sich, dieses Kapitel aus Schöpfer’s Buch in einen Blogbeitrag zu packen. Möge mir der Autor das Abschreiben verzeihen. 

Die Arbeiterschwinger bilden ein «seltsames Kapitel des Schweizer Sports», schreibt Schöpfer. Sie gehören zwar zur Geschichte des Schwingsportes, nicht aber zu jener des Eidgenössischen Schwingerverbandes. Die Arbeiterschwinger waren während ihrem Bestehen in eigenen Verbandsstrukturen eingebunden. 

Linus Schöpfer’s Buch «Schwere Kerle rollen besser» enthält viel Wissenswertes rund ums Schwingen

Bild: feldwaldwiesenblogger

Links abgedreht: Die Arbeiterschwinger von Oerlikon

Autor: Linus Schöpfer

Stellen wir uns vor, in Olten stehe eine Statue von Kilian Wenger. Fünf Meter hoch, aus demselben roten Granit gehauen wie das Lenin-Denkmal in Berlin-Friedrichshain, in die Zwilchhose hineingemeisselt das Emblem von Hammer und Sichel. Eine groteske Vorstellung, nicht? Doch die Idee vom Schwinger als Vorarbeiter des Sozialismus, die gab es tatsächlich. Sie ist heute vergessen. So wie die ganze merkwürdige Episode des Arbeiterschwingens vergessen ging. 

1919, Oerlikon bei Zürich. Fünf Herren mit Schnäuzen und biederen Anzüge blicken in die Kamera. Bäggli heisst der eine, Bommeli ein anderer. Lassen wir uns nicht täuschen: Diese Herren sind radikal. Es geht ihnen um sehr viel, wenn nicht um alles, um die grosse gesellschaftliche Umwälzung. Ein glücklicheres Leben schwebt ihnen vor, das hinter sich lässt die proletarische Baracken-Existenz, die trostlosen Hallen, hungrigen Münder und engen Zimmer, die man auch in der Schweiz des frühen 20. Jahrhunderts kennt. Das Foto hält einen sporthistorischen Moment fest: Eben wurde der Arbeiterschwingerverband gegründet. Er wird bald Teil des Satus werden, des Schweizer Arbeiter- und Turnverbands, einer von sechs Unterverbänden. Das Schwingen soll ein Fitnesstraining sein, seine Übungen sollen der einförmigen Belastung des Fabrikalltags entgegenwirken und die Körper der Arbeiter abhärten.

Alfred Edelmann, der Aktuar des Arbeiterschwingerverbands, erklärt es 1919 in der Satus-Zeitung so: »Das Doppelziel unseres Gesamtverbandes besteht darin, beim Turner neben einer rationellen Körperausbildung auch das Geistesleben zu fördern, in ihm das Klassenbewusstsein zu wecken und ihn damit zu befähigen, vereint bessere Lebensbedingungen zu erlangen.« Edelmann schliesst seinen Text »Ueber den Wert des Schwingens« doppeldeutig ab: »Bald wird für unsere Schwinger die Zeit kommen, wo sie ihre Probe bestehen könne; darum nützet die Zeit, damit möglichst vielen die Palme des Sieges überreicht werden kann.» Was ist das für eine »Probe«, die die Arbeiterschwinger bestehen sollen? Meint Edelmann das erste Arbeiterschwingfest? Oder doch die Eskalation des Klassenkampfs? 

Zum reinen Spass haben Bäggli, Bommeli und Edelmann jedenfalls nicht mit dem Schwingen angefangen. Es ist Mittel zum Zweck, genauso wie der Körper des Arbeiters Mittel zum Zweck ist. Die Satus-Zeitung zitiert 1922 einen österreichischen Sporttheoretiker: Der Körper soll »Gefäss sein für die menschlichen Werte, vermieden werden soll die Ausbildung zum »grässlichen Typ des Nursportlers, des Muskelschweins oder Windhundes«. Ab 1927 werden die Schwinger vom Schweizerischen Arbeiterjodlerverband unterstützt. Auch hier sehen wir den Versuch, den Konservativen ein Brauchtum zu entreissen und sie als dessen Förderer links zu überholen. Die Arbeiterjodler sollten die Arbeiterschwinger um drei Jahre überleben, immerhin.

Das Spektakel des Sportfests wird von den Sozialisten als Köder genutzt. Sie instrumentalisieren es so, wie es bereits Aristokraten, Liberale und Rechtsbürgerliche instrumentalisiert haben. Der Schwinger soll die Zuschauer am Sägemehlrand beeindrucken, sie im besten Fall fürs grosse Proletarier-Projekt gewinnen. Die Satus-Feste sollen Anlässe sein, an denen die Utopie geprobt wird. Das Drumherum in den Zelten und auf den Bühnen ist deshalb mindestens so wie wichtig wie der Wettkampf selbst. Im »Leitfaden für die Agitation« des Satus heisst es: »Unsere Festspiele sind nicht schmalzig, sondern erzählen vom Kampf der Arbeiter und ihrer Menschwerdung.« Vor 12’000 Zuschauern werden 1930 am Arbeitersportfest in Aarau Theaterstücke inszeniert. Das Schauspiel soll »eine Apotheose auf den Sieg des Sozialismus über die alte Welt« darstellen, so die Festschrift.

Maschinist und Schwingerkönig

Noch im Gründungsjahr 1919 organisieren die Funktionäre in Oerlikon das erste grosse Arbeiterschwingfest. 126 Arbeiterschwinger nehmen teil. In seiner Festrede erklärt ein Funktionär, die Klassengegensätze spitzten sich zu. Auch im Sport müsse sich die Arbeiterschaft vom Bürgertum distanzieren und sich in eigenen Verbänden zusammenschliessen. Drei Jahre später findet das Arbeiterschwingfest in Olten statt. Auf der Frontseite der Satus-Zeitung schreibt das Organisationskomitee, das geleitet wird von Jacques Schmid, dem SP-Nationalrat und erklärten Marxisten: 

»Unser schweizerisches Arbeiterschwingfest in Olten wird ein glänzendes Zeugnis ablegen dafür, dass der proletarische Turner im Kreise seiner Klassengenossen dem edlen Turnsport ebensogut oder noch viel besser huldigen kann als im Verbande der bürgerlichen Turnvereinigungen. In unserem Kreise kann er die edle Kameradschaft pflegen ohne den bitteren Beigeschmack der Gewissheit empfinden zu müssen, dass die Kollegen, denen er zum friedlichen Wettkampf die Hand drückt, draussen im ernsten Leben des grauen Alltags wieder als seine Klassengegner gegen ihn stehen und auf die Vernichtung seiner menschenwürdigen Existenz als Arbeiter sinnen.«

In Olten kämpfen 230 Arbeiterschwinger um den Sieg. Zum Vergleich: Am ersten Eidgenössischen in Biel 1895 machten 124 Schwinger mit, und erst in Zürich 1911 nahmen erstmals über 200 Schwinger an einem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest teil. Die Satus-Zeitung schreibt von »Hunderten von Zuschauern«, die in Olten die Kämpfe verfolgt hätten. Zwischen 1919 und 1930 bauen die Arbeiterschwinger in der Deutschschweiz gut zwei Dutzend Sektionen auf. Von Mai bis September findet meist jeden Monat irgendwo ein Arbeiterschwingen statt, am »Schweizerischen Arbeiterschwingtag« wird jedes dritte Jahr der beste Sportler des Verbands gekürt. Die Schwingerkönige kommen aus Bümpliz, Grenchen und verschiedenen Kreisen der Stadt Zürich.

Bild: Aus dem Buch «Schwere Kerle rollen besser»

Auf den Siegesbildern posieren die Arbeiterschwinger oft mit der Krawatte oder im Kittel. Das ist nicht verwunderlich, denn viele der Schwinger sind Städter. Um 1930 dominiert mit Albert Guyer ein Maschinist aus Oerlikon das Arbeiterschwingen. Er gewinnt gleich drei nationale Feste in Folge. Zu seinen härtesten Konkurrenten gehört Emil Sanvittore, ein eingebürgerter Italiener, der als Magaziner arbeitet und im Zürcher Kreis 5, dem Industriequartier, wohnt. 

Das Arbeiterschwingfest von 1940 gewinnt Franz Limacher, der später für die Sozialdemokraten im Luzerner Stadtrat sitzen sollte und schon früh, so sein Nachruf, »mit den Problemen der Arbeiterschaft konfrontiert« worden sei. 

Eingekeilt 

Im Berner Dorf Zimmerwald tüftelte 1915 die sozialistische Avantgarde, darunter Lenin, am Zusammenschluss der Proletarier aller Länder. Luzern wird am 14. September 1920 quasi zum Zimmerwald des Arbeitersports, hier gründen Sozialisten aus ganz Europa die »Sozialistische Arbeitersport-Internationale«. Die Sportinternationale organisiert die Arbeiter-Olympiaden in Frankfurt und Wien, gewaltige Schauen mit Zehntausenden Besuchern. Bald zeigt sich jedoch auch im Sport die tiefe Spaltung der Linken, unversöhnlich stehen sich Sozialdemokraten und Kommunisten gegenüber. Die Sowjets gründen die Rote Sportinternationale und bauen mit der Spartakiade eine Gegenveranstaltung zur Arbeiter-Olympiade auf. Der Satus und sein Schwingerverband sind eingekeilt. Rechts von ihm locken bürgerliche Verbände die gemässigten oder unpolitischen Arbeiter. Links werben die Stalinisten um radikale und dogmatische Sportler, die die Diktatur der UdSSR nicht sehen oder als notwendiges Übel akzeptieren. Notgedrungen sucht der Arbeiterschwingerverband nach einem rettenden Mittelweg. Was den Sport betrifft, orientiert er sich stark am Eidgenössischen Schwingerverband, dessen Benotung und Prämierung der Kämpfer, Titel des »Schwingerkönigs« und Drei-Jahres-Turnus für das wichtigste Fest er kopiert. 

Die Abweichungen hinsichtlich der Schwingregeln sind marginal, für Kenner aber durchaus interessant: So gilt bei den Arbeiterschwingern ein Gang als verloren, wenn ein Kämpfer mehr als fünf Sekunden in der Brücke verharrt – jener gefährlich durchgebogenen Position, in der Kopf und Ferse Bodenkontakt haben, der Rücken dagegen in der Luft ist. In der hehren Theorie des Arbeitersports sind Punktesammeln, Ranglisten und das Streben nach Preisen und Rekorden Symptom eines kapitalistischen Denkens, das es zu überwinden gilt. Dem Arbeiterschwingerverband ist ein solches Avantgarde-Denken fremd: Auch bei den Arbeiterschwingern gibt es Notenblätter und bescheidene Gabentempel mit Schafen oder Velos als Hauptpreise. 

An ihrer grundsätzlichen Opposition zum Eidgenössischen Schwingverband ändert das jedoch nichts. So stellen die Funktionäre in einem Protokoll fest, der ESV habe einen Aufruf an seine Mitglieder erlassen, dass diejenigen Schwinger, die sich an einem Fest der Arbeiterschwinger beteiligten, »in ihrem Verbande für längere Zeit gesperrt würden«. Während der ESV die Schwinger, Ringer und Turner strikt auseinanderhält, fusionieren die sozialistischen Schwinger und Turner 1935 zum »Schweizerischen Arbeiter-Schwinger- und Nationalturnverband«. So gewinnt man Ruhm im Ausland: An der Arbeiter-Olympiade von Antwerpen 1937 holen sich drei Freistilringer des Verbands Medaillen, darunter eine goldene. Vor allem aber will man sich mit der Erweiterung die fürs Überleben nötige Mitgliedermasse sichern. 

Unter der Pappelallee 

Doch es reicht nicht. Für die Arbeiterschwinger geht es ab den 30ern abwärts. Die Schweizer Sozialdemokratie hat sich mittlerweile eingegliedert ins Abwehrdispositiv gegen die faschistischen Nachbarn im Norden und Süden. Der Satus entscheidet an seinem Verbandstag 1937, sich »unbedingt« für die Landesverteidigung einsetzen zu wollen. Als der Zweite Weltkrieg überstanden ist, steht die Linke vor der Frage, ob sie das Bürgertum wieder vermehrt attackieren oder gemässigt bleiben soll. Auch die Arbeiterschwinger wirken konfus. Erneut bauen sie ihren Satus-Teilverband um, er heisst nun »Schweizerischer Arbeiter-Schwinger-, Ringer- und Nationalturnerverband«. 1949 wird in Luzern das erste Schweizerische Arbeiterschwing- und -jodlerfest ausgetragen, ein Zusammenzug der Arbeiterschwinger und -jodler. Wiederum ist der ESV das offensichtliche Vorbild. Der Anlass in Luzern ist von einer bürgerlichen Veranstaltung nicht mehr zu unterscheiden, ist eine biedere Imitation. Aufmüpfige Parolen und Klassenkampf-Rhetorik fehlen, dafür wird Schwingern und Schwingfans ein Besuch des Löwendenkmals und das Flanieren unter der »prächtigen Pappelallee« beim Richard-Wagner-Museum empfohlen. Die Satus-Zeitung schätzt die Zuschauerzahl des Fests auf 1’500. 

Im Verband gibt es mittlerweile mehr Ringer als Schwinger, die Teilnehmerzahlen an den Schwingfesten schwinden. Man experimentiert mit einem Hallenschwingen und scheitert. Das Arbeiterschwingen lebt nur noch von seiner Vergangenheit, das zeigt auch die Grussbotschaft von Otto Schütz zum 50-Jahre-Jubiläum 1969. Schütz ist ein Zürcher Mechaniker, der von den Kommunisten zu den Sozialdemokraten gewechselt und diese 28 Jahre im Nationalrat vertreten hatte. Er schreibt: »Wir laden zum Fest nicht nur die Schwinger ein, sondern vor allem auch die Veteranen und Ehrenmitglieder, die (…) bestimmt glücklich sind, ihren alten Mitkämpfern wieder zu begegnen.« In den Protokollen des Arbeiterschwingerverbands macht sich derweil Frustration breit. Die Kursbesuche seien »katastrophal«, ein »schwerer Rückgang« sei zu bedauern, viele Schwinger hätten sich zwar angemeldet, seien schliesslich aber doch ferngeblieben, »beschämend«, »es müsste doch möglich sein«, und so weiter. 

In den 1970ern bleibt den Arbeiterschwingern das Schwingen auf dem Aargauer Schafmatt-Pass als letzter regelmässiger Wettbewerb übrig. 1977 gibt es kein einziges Fest mehr. Nicht einmal ein Schwingkurs wird vom Satus noch angeboten. »Das Interesse für’s Schwingen scheint überhaupt nicht mehr vorhanden zu sein«, so das Protokoll. 1979 verfügt der Arbeiterschwingclub Zürich noch über 27 Mitglieder. 1980 lösen die Ringer und Schwinger ihren gemeinsamen Satus-Verband auf. Die letzten Arbeiterschwinger werden heimatlos, die Ringer formieren sich neu. Am 6. April 1981 treffen sich die Funktionäre nochmals, wieder steht das Arbeiterschwingen auf der Traktandenliste: »Die Fahne des Schwingerverbands soll im Zentralsekretariat in Zürich deponiert werden. Es soll von Fall zu Fall abgesprochen werden, ob die Fahne bei Beerdigungen noch verwendet werden soll.«

Ein kurzes, seltsames Kapitel des Schweizer Sports wird damit geschlossen. Die Aneignung und Neu-Erfindung des Schwingers linkerseits ist missglückt. Als 1989 erst die Mauer zusammenkracht und dann in ganz Europa die sozialistischen Denkmäler eingerissen werden, sind die Arbeiterschwinger schon vergessen.

feldwaldwiesenblogger

Saisonrückblick mit Kilchberger Sieger Damian Ott, dem Aufsteiger der Saison

Text: feldwaldwiesenblogger

Damian Ott darf man wahrlich als «den Aufsteiger» der diesjährigen Saison bezeichnen. Praktisch aus dem Nichts gewann der 21-Jährige am 17. Juli den Weissenstein Schwinget und landete eine faustdicke Überraschung. Hernach folgte zwar eine kleinere Berg- und Talfahrt mit Tops und Flops, bis der St. Galler am Schwarzsee wieder zuschlug. Damian bezwang im Schlussgang keinen Geringeren als den Überschwinger der Saison, Samuel Giger. Der Erfolgshunger des 197 Zentimeter-Mannes war aber noch nicht gestillt: Am Kilchberger Schwinget setzte er eine Marke für die Ewigkeit und durfte sich als Co-Sieger eines eidgenössischen Anlasses feiern lassen. 

Zusammen mit Samuel Giger (Mitte) und Fabian Staudenmann (links) gewann Damian den Kilchberger Schwinget 2021

Bild: Luzerner Zeitung

Nicht von 0 auf 100, sondern von 4 auf 10 respektive 0 auf 2

Die Medien erwähnen dieser Tage öfters, dass Damian von 0 auf 100 durchstartete. Im übertragenen Sinn stimmt das sicher, in reinen Fakten gemessen aber nicht. So besass der 100 Kilogramm schwere Athlet vor dieser Saison 4 Kränze, liess die Ausbeute nun auf 10 anwachsen. Vor 2021 hatte das Mitglied vom Schwingklub Wil 0 Kranzfestsiege auf dem Konto, Ende Saison steht er nun auf deren 2. Dazu kommt der hochdekorierte Kilchberger Sieg. Aus der bärenstarken 2021er-Saison resultierte Rang zwei in der SCHLUSSGANG-Wertung, der offiziellen Jahrespunkteliste des Eidgenössischen Schwingerverbandes.

Starkes Toggenburger Umfeld

Der schlaksige Hüne wohnt in Dreien, einer Ortschaft der Gemeinde Mosnang, welche im St. Gallischen Toggenburg liegt. Damian wuchs zusammen mit sieben Geschwistern auf. Das Toggenburg brachte schon etliche hervorragende Schwinger hervor, wie beispielswiese die beiden Schwingerkönige Jörg Abderhalden und Nöldi Forrer, oder den Unspunnen-Sieger Daniel Bösch. In deren Sog ist nun mit Damian Ott, Werner Schlegel und Marcel Räbsamen eine neue starke Generation herangewachsen, welche den Schwingsport in den nächsten Jahren entscheidend prägen wird.

Erster Schwingfestsieg im Sertig-Tal

Damian’s erster Sieg an einem Schwingfest der Aktiven datiert auf den 28. Juli 2019. Er gewann damals als 19-Jähriger den Sertig-Schwinget in Davos. Zu Beginn dieser Saison folgte mit dem ersten Rang beim Rüfeli-Schwinget in Untervaz Sieg Nummer zwei, bevor die grosse «Ott-Show» begann. 

Damian arbeitet als Zimmermann, und zählt das Trycheln und Skifahren zu seinen Hobbies. Für den Schwinger-Blog ist es nun höchste Zeit, sich mit dem Aufsteiger von 2021 zu unterhalten und von ihm ein paar spannende Informationen zum Saisonrückblick zu entlocken.

Damian bezwang im Schlussgang des Schwarzsee-Schwingets überraschend Samuel Giger, den Überschwinger dieser Saison

Bild: Berner Zeitung

Herzliche Gratulation zu dieser sensationellen Saison. Kannst du diese kurz in Worte fassen?

«Ich habe daraufhin gearbeitet, Kränze zu gewinnen, konstante Leistungen abzuliefern und vorne dabei zu sein. Und nach Möglichkeit den einen oder anderen Eigenossen zu bezwingen. Dass es dann so rauskommt, hätte ich mir nie erträumt!»

Praktisch aus dem Nichts führte dein Weg an die absolute Schwingerspitze. Hast du eine Erklärung dafür? 

«Mein erstes Kranzfest in dieser Saison war das Appenzeller Kantonale. Ich war nicht 100 Prozent fit und leicht erkältet. Es lief mir dann mittelmässig, ich holte mir dennoch den Kranz. Mein Team-Kollege Werner Schlegel gewann das Fest. Das war mir Ansporn genug, um weiter Gas zu geben, und es zeigte mir, was möglich ist. Ich fuhr auf den Weissenstein mit dem Ziel Kranzgewinn. Als ich voll angriff und meine Gänge gewann, darunter auch namhafte Eidgenossen, kam ich in einen richtigen Lauf. Vor dem Schlussgang hatte ich mein Ziel längst erreicht. Ich ging völlig entspannt in diesen und schwang voller Freude. Dieses Gefühl konnte ich dann die ganze Saison mittragen. Am Schwarzsee lief es mir wieder fantastisch, und der Sieg am Kilchberger Schwinget war das i-Tüpfelchen auf diese grossartige Saison. Obwohl ich dies nicht speziell trainiert habe, spürte ich, dass ich mental parat bin. Ich konnte während der ganzen Saison locker in die Zweikämpfe gehen.»

Hast du zu Saisonbeginn gespürt, dass dies dein Jahr werden könnte? Oder warst du ob deiner Erfolge selbst erstaunt?

«Bevor ich in die Kranzfestsaison einstieg, hat Werner Schlegel schon drei Kranzfeste bestritten. Ich sah, wie gut es ihm lief, und ich wusste, ich kann auch auf diesem Level schwingen. Ich spürte, dass vieles möglich sein könnte. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht, ob ich mental stark genug bin, und dem Druck standhalten würde. Ich war dann am meisten überrascht, dass ich so locker und mit so wenig Nervosität an den Schwingfesten antreten konnte. Und dass ich mit so viel Freude schwingen durfte. Wie bereits erwähnt: Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass es so gut herauskommen würde.»

Nach den beiden Bergkranzfestsiegen und vor allem dem Kilchberger Sieg bist du nun in aller Leute Mund. War der Rummel nach dem Saisonhöhepunkt gross?

«Ja, in der ersten Woche nach dem Kilchberger Schwinget war sehr viel los. Es war sehr schön, zugleich auch streng. Es galt, Interviews und viele Fragen zu beantworten. Ich habe es genossen und es war schön zu sehen wie sich die Leute an meinen Erfolgen freuten. Dies war eine neue Situation für mich, und ich konnte gut damit umgehen.»

Arbeitest du in einem 100 Prozent Pensum?

«Bis im Juni habe ich in einem 100 Prozent gearbeitet, welches ich ab Juli auf 90 Prozent gesenkt habe. Damit ich Zeit fand für ein zusätzliches Training am Mittwochnachmittag. Der Beginn war eine Woche vor dem Weissenstein Schwinget. Mit dem zusätzlichen Training strebten wir die Qualifikation für den Kilchberger Schwinget an, welche ich ja dann mit dem Sieg auf dem Solothurner Hausberg eine Woche später im Sack hatte. Dieses zusätzliche Training hat sich definitiv gelohnt. Und: Auch vor dem «Eidgenössischen» werde ich wieder mein Arbeitspensum reduzieren. Denn ich möchte mich nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Es braucht viel Zeit für Training und Erholung.»

Scheinbar hast du den Lockdown und die Zwangspause im Jahr 2020 optimal genutzt. Wer und was hat dich so stark werden lassen?

«Dazu gehören viele Leute. Nebst meinen Klubkollegen zähle ich die Schwing-Trainer und Robin Städler, den Kraft- und Konditionstrainer, dazu. Wir sind ein gutes Team. Zudem haben wir auch im NOS-Verband eine sehr gute Truppe beisammen, welche trainingsfleissig ist und will. Je mehr mitmachen, je mehr hat man davon.»

Im Jahr 2019 gewann Damian beim Sertig-Schwinget sein erstes Schwingfest als Aktiver

Bild: feldwaldwiesenblogger

Etwas verwundert nahm man zur Kenntnis, dass ein so grosser Schwinger wie du den Münger-Spezial anwendet. Wie kam es dazu?

«So genau weiss ich das nicht mehr. Diesen Schwung habe ich schon als Jungschwinger im Training geübt. Ich wendete ihn damals schon bei Schwingfesten an, und gewann damit etliche Gänge. Ich habe mir betreffs Münger-Spezial Videos von Marcel Kuster und Schwingerkönig Silvio Rüfenacht angesehen. Beide Eidgenossen hatten diesen Schwung im Repertoire. Ich habe mich mit Kuster denn auch darüber unterhalten, und er gab mir einige Tipps. Am ESAF 2019 in Zug gewann der inzwischen zurückgetretene Appenzeller fünf Gänge mit «Münger», was mir sehr imponierte. Jetzt fokussiere ich mich im Training aber auf andere Schwünge, vor allem auf jene, welche ich nicht so gut beherrsche.»

Zwischen den Siegen auf dem Weissenstein und am Schwarzsee gab’s resultatmässig eine kleinere Berg- und Talfahrt. Einerseits Tops wie am Thurgauer Kantonalen oder am Bernisch-Kantonalen Schwingfest. Andererseits Flops wie am St. Galler Kantonalen und auf der Schwägalp. Wie erklärst du dir das?

«Dafür gibt’s eine einfache Erklärung. Vor dem St. Galler Kantonalen befand ich mich im Hoch, griff stets voll an und machte dabei meine Gegner müde. Ich bin wohl übermütig geworden, und wurde deswegen in Kaltbrunn zweimal ausgekontert. Unterschätzt habe ich meine Gegner nie, ich nehme jeden ernst. Ich wollte wohl zu schnell gewinnen, um Kraft zu sparen. Ich habe daraus gelernt, und wurde geduldiger. Was mir am «Kilchberger» im Gang gegen Matthias Aeschbacher, welchen ich kurz vor Gang-Ende bezwingen konnte, zum Vorteil gereichte. Auf der Schwägalp hatte ich anfänglich ein gutes Gefühl, und schwang im fünften Gang gar um den Schlussgang-Einzug. Ich verlor den Kampf gegen Michael Wiget aber relativ schnell. Im sechsten Gang haben mir dann die Nerven etwas versagt. Ich ging mit einem schlechten Gefühl in den Zweikampf, verlor diesen prompt und weiss nun, dass das nicht funktionieren kann. Ich habe daraus eine Lehre gezogen, und dies hat mir eine Riesenstärke verliehen für den letzten Gang in Kilchberg. Ich weiss jetzt, dass man mental parat sein muss, damit es am Schluss nach ganz vorne reicht. In einem Formtief befand ich mich nicht. Ich wusste stets, dass ich starke Gegner bezwingen kann. Am Schwarzsee habe ich das alles hinter mir gelassen, und es hat dann auch sehr gut funktioniert.»

Jetzt bist du nicht mehr Jäger, sondern Gejagter. Wie kommst du mit der neuen Rolle zurecht?

«Eigentlich bis jetzt sehr gut. Nach dem Kilchberger Schwinget bestritt ich mit dem Olma-Schwinget bisher erst ein Schwingfest. Es lief mir dabei mit vier gewonnenen und zwei gestellten Gängen sehr gut. Beim Anschwingen stellte ich mit dem späteren Sieger Nick Alpiger und im Gang zwei folgte ein weiterer «Gestellter» gegen Adrian Odermatt. Der junge Baselbieter hat sich sehr defensiv auf mich eingestellt. Im Winter werde ich daran arbeiten. Ich versuche dabei, ein Mittel zu finden, um auch passive Gegner bezwingen zu können.»

2022 wird eine andere Saison als 2021 und etliche Schwinger werden sich im Zweikampf mit dir passiver verhalten. Wie wirst du diesen Umstand in dein Wintertraining einbauen?

«Darum wird sich unser Trainer kümmern, welcher Trainings so gestalten wird, dass einer angreift und der andere dagegenhält. Ich werde dabei einen Schwung üben, welcher gegen passive Gegner effizient ist. Diesen Schwung werde ich hier nicht verraten. Weitere gute Ideen kommen aber auch von ehemaligen Spitzenschwingern wie Jörg Abderhalden, Urban Götte oder Dani Bösch. Diese versuchen uns Tipps zu geben, wie sie sich während ihrer Aktivzeit in solchen Situationen geschlagen haben.»

SRF schrieb diese Woche, dass der zweite Platz am letzten Sonntag nach dieser unglaublichen Saison schon kein grosser Erfolg mehr ist. Wie bist du persönlich mit dem Abschneiden am Olma-Schwinget zufrieden?

«Ich bin sehr zufrieden, und erwarte von mir nicht, dass ich nun jedes Schwingfest gewinne. Ich nehme das locker und habe mich über den zweiten Platz gefreut. Zudem: Ich habe mich sehr über die Schlussgangteilnahme von meinem Teamkollegen Marcel Räbsamen gefreut. Das ist zusätzliche Motivation fürs Wintertraining.»

Gibt’s jetzt nun Ferien? Und: Wann erfolgt der Trainingsstart für die neue Saison?

«Im Winter haben wir zwei Wochen Betriebsferien, jetzt gibt’s keine. Dann werde ich vermutlich ein Trainingslager bestreiten. Nach dem Kilchberger Schwinget haben wir eine zweiwöchige Trainingspause eingelegt. Anschliessend haben wir uns zu einer Trainingsbesprechung mit Robin Städler, Jörg Abderhalden und Urban Götte getroffen. Jörg hat uns dabei Videos gezeigt, und uns im Hinblick auf die nächste Saison sowie fürs Wintertraining Tipps gegeben. Urban gab uns ebenfalls wertvolle Tipps. Zudem haben wir mit Robin die Trainingsgestaltung besprochen. Das Kraft- und Konditionstraining haben wir mittlerweile aufgenommen. Anfangs November legen wir dann mit dem Schwingtraining los.»

feldwaldwiesenblogger

Willy Graber blickt auf seine äusserst erfolgreiche Karriere zurück

Text: feldwaldwiesenblogger

Willy Graber bestritt am letzten Samstag beim Heimfest, dem Hallenschwinget Bolligen, sein letztes Schwingfest und sagte mit einem vielumjubelten Sieg Adieu vom aktiven Schwingsport. Der Publikumsliebling bezwang im Schlussgang seinen jungen und aufstrebenden Klubkollegen Adrian Walther. «Wilu», wie er von seinen Berner Kollegen liebevoll genannt wird, gewann in seiner langen und erfolgreichen Karriere 110 Kränze, darunter fünf eidgenössische, und holte sich sechs Kranzfestsiege. 

Von der grossen Bühne ist der 37-Jährige bereits nach dem Kranzgewinn am ESAF 2019 in Zug abgetreten. Der geplante Rücktritt am Heimschwingfest verzögerte sich wegen der Corona-Pandemie, dieser Schwinget musste dreimal verschoben werden. Willy investierte seit dem «Eidgenössischen» nicht mehr viel Zeit fürs Training. Der vierfache Familienvater absolvierte aber als Vorbereitung vor seinem endgültigen Abschied den Herbstschwingertag Siebnen.

Willy Graber als glücklicher Sieger zum Abschluss seiner erfolgreichen Karriere

Bild: Barbara Loosli

Würdigung durch Stefan Hofmänner

Willy’s älterer Bruder Alfred bestritt in Bolligen ebenfalls seinen letzten Wettkampf. Alfred gewann in seiner Karriere sechs Kränze, und war der Wegbegleiter von Willy. Die beiden wurden am Schluss des Schwingfestes von keinem geringeren als dem SRF-Schwingexperten Stefan Hofmänner gewürdigt. Dieser fand die passenden Worte und erzählte in einer Gesprächsrunde die eine oder andere amüsante Anekdote. Das Publikum in der vollen Halle lauschte aufmerksam, und spendete immer wieder grossen Applaus. Der bisher erfolgreichste Berner Mittelländer Schwinger sagte dabei: «Von der ersten Minute an war «Fredu» mein Wegbegleiter. Ich bin überzeugt, dass ohne ihn meine Karriere nicht so erfolgreich gewesen wäre.»

Der Publikumsliebling

Die NZZ schrieb am 5. September 2011, unmittelbar nach dem Unspunnen-Schwinget: «Eine Kampfsau wird er zuweilen genannt und lobend als besonders unangenehmer Gegner bezeichnet. Die Stärke am Boden hat sich Graber gezwungenermassen angeeignet: «Ich war lange einer der Kleinsten und musste meine Unterlegenheit irgendwie ausgleichen.» Weil er seine Widersacher öfters zur Verzweiflung bringt und attraktive Kämpfe ausficht, ist Graber bei den Zuschauern sehr beliebt. Nach dem Rücktritt von Hanspeter Pellet wäre er ein Kandidat für den neuen Publikumsliebling – er hat auch ein ähnlich spitzbübisches Lachen.» Wie wir mittlerweile wissen, avancierte «Wilu» dank erstklassiger Bodenarbeit zum Publikumsliebling. Mit seiner filigranen Technik begeisterte er schweizweit das Schwingfest-Publikum, zuletzt am Hallenschwinget Bolligen.

Willy Graber bleibt dem Schwingsport in verschiedenen Funktionen erhalten, und wird sein schwingerisches Knowhow so weitergeben können: Als Technischer Leiter von seinem Schwingklub Worblental und als Trainingsleiter im Berner Mittelländer Verband. Willy blickt heute mit dem Schwinger-Blog auf seine äusserst erfolgreiche Schwingerkarriere zurück.

Die beiden Brüder «Wilu» und «Fredu» umarmen sich zum Abschluss ihrer Karrieren

Bild: Barbara Loosli

Herzliche Gratulation zum Sieg in Bolligen! Was für Gedanken gingen dir nach dem allerletzten Gang deiner Karriere durch den Kopf? 

«Ich verspürte eine Erleichterung, und dass nun alles ein schönes Ende gefunden hat. Ich werde nun mehr Zeit für meine Familie haben.»

Wie war die Gefühlslage vor dem Schlussgang?

«Mein Bruder Alfred beendete kurz vorher seinen allerletzten Gang. Ich hatte mich bisher immer gut unter Kontrolle. Aber das hat mich emotional ziemlich durchgeschüttelt. Am Anfang des Schlussganges hatte ich noch Schwierigkeiten mit der Konzentration. Aber bereits beim zweiten Zusammengreifen konnte ich mich wieder gut konzentrieren. Mein Ziel war, meine Karriere mit einem gewonnenen Gang zu beenden. Dass dies gleich der Schlussgang war, ist umso schöner.»

Am Mittag hast du gesagt: «Ich schwinge einfach gerne!» Wann hast du dich eigentlich dazu entschlossen zurückzutreten?

«Das ist schon eine Weile her. Im Frühling 2019 vor dem «Eidgenössischen» in Zug entschied ich mich, nochmals voll zu trainieren, um an einem ESAF mitreden zu können. Für mich war es logisch, dass hinterher alles fertig ist. Denn: So viel Zeit für noch ein intensiveres Training finde ich gar nicht mehr.»

Den Herbstschwingertag Siebnen hast du gemäss deiner eigenen Aussage benötigt, um wieder in den Wettkampf-Modus zu finden. Wie viel hast du eigentlich in letzter Zeit trainiert? 

«Ich hatte seit dem ESAF in Zug keine Hantel mehr in den Fingern. Als Vorbereitung für die beiden letzten Schwingfeste war ich einmal pro Woche, manchmal auch zweimal, im Schwingkeller. Ansonsten habe ich keine weiteren Trainings bestritten.»

Du hast deinen ersten Kranz 2003 beim Emmentalischen Schwingfest in Wasen gewonnen. Welches war deine erfolgreichste Saison?

«Das ist schwierig zu sagen. Ich blicke als Ganzes auf meine Karriere zurück und kann dabei keine einzelne Saison hervorheben. Ich habe meine Ziele verfolgt und nach vorne geschaut. So ging es denn auch stetig aufwärts. Ich riss mir leider je einmal pro Knie das Kreuzband, kehrte aber beide Male stark auf die Schwingplätze zurück.»

Was wird dir in deiner nun zu Ende gegangenen Karriere besonders positiv in Erinnerung bleiben?

«Mein erster Kranzfestsieg am Bernisch-Kantonalen Schwingfest in Eggiwil. Das war besonders schön, denn die Verwandtschaft mütterlicherseits ist von dort. Es gab einen speziellen Empfang samt Feier auf dem Bauernbetrieb meiner Verwandten, wo ich damals in der Lehre war. Dieser Anlass hat einen sehr grossen Stellenwert in meiner Erinnerung.» 

Willy Graber vor seinem allerletzten Schwingfest als Aktiver

Bild: feldwaldwiesenblogger

Was hat sich deiner Meinung nach während deiner Karriere im Schwingsport verändert?

«Die Zunahme der Sponsoren für die Schwinger und die Schwingfeste einerseits. Andererseits die Grösse der Eidgenössischen Schwing- und Älplerfeste. Das ESAF in Luzern erlebte schon einen gewaltigen Sprung. Die «Eidgenössischen» danach waren nochmals grösser.»

Mit einer Körpergrösse von 181 Zentimetern hast du beinahe das Optimum aus deinen körperlichen Möglichkeiten herausgeholt. Hast du dir bereits als Jungschwinger vorgenommen, deine Siege in einer spezialisierten Bodenarbeit zu holen?

«Vorgenommen habe ich mir das nicht. Als ich aus der Schule kam und damals zu den Aktiven wechselte, war ich 172 Zentimeter gross und etwa 65 Kilogramm leicht. Als kleiner und leichter Schwinger blieb mir nichts anderes übrig. Um Erfolg zu haben, eignete ich mir eine spezialisierte Bodenarbeit an. Später konnte ich je länger je mehr auch aus dem Stand schwingen.»

Du hast am Hallenschwinget Bolligen in der Gesprächsrunde mit dir, deinem Bruder Alfred und dem Moderator Stefan Hofmänner erklärt, dass ohne «Fredu» deine Karriere nicht so erfolgreich gewesen wäre. Wie darf man sich das vorstellen? 

«Er ist bloss ein Jahr älter, und wir haben so ziemlich alles zusammen gemacht. «Fredu» war immer für mich da, und wir haben uns gegenseitig gepusht. Körperlich hatten wir die gleichen Voraussetzungen. Ich war aber mental stärker. Diese Stärke hat mir unter anderem bei Verletzungen geholfen. Es wurde mir dabei bewusst, wie viel eigentlich im Kopf abläuft.»

Dank deiner Grösse und deiner Schwingweise warst du in der ganzen Schweiz ein Publikumsliebling. Hat dich das jeweils an den Schwingfesten zusätzlich beflügelt?

«Ich habe es wahrgenommen und es hat mir zusätzlich Kraft verliehen. Ich ging aber unbeirrt an die Kämpfe und versuchte dabei dem Gegner meinen Schwingstil aufzuzwingen.»

Du bleibst dem Schwingsport glücklicherweise als Technischer Leiter erhalten. Was ist dir bei der Zusammenarbeit mit den Schwingern besonders wichtig?

«Die Kameradschaft, die Ehrlichkeit und der Trainingsfleiss. Und: Ich habe Freude an den Schwingern, welche wirklich wollen.»

Auf was freust du dich nun am meisten nach deiner aktiven Schwingerkarriere?

«Ich freue mich darauf, mit meiner Familie mehr Zeit verbringen zu können. Ich freue mich aber auch darauf, im Schwingkeller solche Schwinger formen zu können, welche nicht die grössten Talente sind. Dabei meine Schwünge weitergeben kann und so unsere Athleten weiterbringe.»

feldwaldwiesenblogger

Saisonrückblick mit Stefan Strebel, dem TK-Chef des Eidgenössischen Schwingerverbandes

Text: feldwaldwiesenblogger

Was war das für ein Schwinger-Jahr! Erst wusste man lange nicht, ob und wie geschwungen werden kann, und ob eine reguläre Saison in Angriff genommen werden kann. Anfangs Juni lichtete sich langsam der Covid-Nebel, und die Schwingerei nahm Fahrt auf. Und wie! Die Innerschweizer legten gleich mit dem Stoos-Schwinget, dem «Innerschweizerischen» und dem Rigi-Schwinget im Wochentakt los. Die anderen Teilverbände taten es ihnen gleich, und schickten ihre Schwinger ohne längere Vorlaufzeit zum Ernst-Kampf ins Sägemehl. Anfänglich hatte man das Gefühl: Das kommt hinsichtlich Verletzungen gar nicht gut, vor allem aus Innerschweizer Sicht. Und: Die Verletzungshexe machte vor keinem Teilverband Halt. Man fand sich mit diesem Umstand ab und arrangierte sich. Je länger die Saison dauerte, je spektakulärer wurde geschwungen. Und so jagte ein Höhepunkt den anderen, eine Verschnaufpause gab es (fast) keine. Zu guter Letzt folgte der Höhepunkt Kilchberger Schwinget. Was dort schwingtechnisch geboten wurde war erste Sahne. Was gewisse Funktionäre entschieden, weniger. Diese und andere Themen möchte heute der Schwinger-Blog mit Stefan Strebel, dem TK-Chef vom Eidgenössischen Schwingerverband (ESV) besprechen.

Stefan Strebel, der TK-Chef vom ESV, blickt auf die zu Ende gehende Saison zurück

Bild: esv.ch

Stichwort stufenweise Öffnungsschritte:

Würdest du mit dem Wissen von heute nochmals alles so machen wie im vergangenen Spätwinter/Frühling?

«Absolut, ich würde nochmals die genau gleiche Linie fahren. Im Nachhinein gestehe ich ein, dass ich nicht so polarisieren hätte sollen. Aber ich stehe zu meiner Rolle als Vorreiter, welcher den Karren zog. Dabei benötigte es mehrere Leute, welche mich unterstützten. Zu ihnen zähle ich unter anderem Rolf Gasser und Matthias Glarner.»

Du warst der eigentliche Motor hinter den Öffnungsschritten. Dein Elan hat sich bei den Teilverbänden gewissermassen zum Turbo entwickelt. War die Ansetzung fast aller Kranzfeste in der verkürzten Saison im Sinne des ESV?

«Es war der einzige Weg und wir hatten keine andere Möglichkeit. Drei Kranzfeste fanden nicht statt. Die OK’s arbeiteten sehr gut und stellten die Schwingfeste teilweise in kürzester Zeit auf die Beine. Und: Wir vom Zentralvorstand haben nie Druck gemacht betreffs Zuschauerzahl an den Festen.»

Stichwort Saisonrückblick:

Kürzlich hat ein Schwinger gesagt: Die Saison mit der konzentrierten Reihe an Kranzfesten war falsch aufgebaut. Was entgegnest du ihm?

«Er hat nicht unrecht. Die Saison hatte nicht den üblichen Aufbau. Aber: Dies war aus meiner Sicht nicht möglich, da wir in vier Monaten alles durchbringen mussten. Ich nehme dabei die OK’s in Schutz, welche teilweise keine grosse Vorplanungszeit hatten. Die Lage war lange ungewiss, und man war auf die nächsten Bundesrats-Entscheide angewiesen. Ich darf behaupten, dass wir in dieser Zeit der fortschrittlichste Verband waren und Anlässe organisierten, sobald dies möglich war. Im Nachhinein hätte man die Festplanung anders machen können, die Lage aber war zu ungewiss.»

Wie beurteilst du schwingtechnisch gesehen die verspätet gestartete und hoch intensive Saison?

«Beim ENST durfte ich feststellen, dass die Jungen technisch besser geworden sind. Die Aktiven machten einen guten Job und sie wollten unbedingt schwingen. Ich war sehr zufrieden mit dem Gezeigten an den Schwingfesten.»

Was fiel dir in der Saison 2021 positiv auf, was negativ?

«Positiv war, dass die Schwingfeste stattfanden und der grösste Teil der Kranzfeste durchgeführt wurde, mit dem Fokus Schwingsport. Das von uns definierte Ziel «Schwingfest 2021 zu 100 Prozent ja» wurde erfüllt. Die Zusammenarbeit innerhalb aller Stufen des Verbandes hat dabei gut funktioniert. Negativ war, dass anfangs Saison von Zweiklassengesellschaft gesprochen wurde. Dabei stand dies alles im Kontext mit der stufenweisen Öffnung. Ein weiterer negativer Punkt sind die vielen Verletzten in dieser Saison.»

Der Kilchberger Schwinget, welcher unbestritten der Saisonhöhepunkt war, gab viel zu reden

Bild: kilchberger-schwinget.ch / Lorenz Reifler

Stichwort Verletzungen:

Wie schätzt du die Situation mit den überdurchschnittlich vielen Verletzten ein?

«Das hat verschiedene Faktoren. Wir konnten wegen der Corona-Pandemie lange nicht schwingen und die Schwinger haben anderweitig trainiert. Innerhalb der vier Monate wurde ein strenges Programm durchgeführt. Wie bereits angesprochen fehlte der sonst übliche Saisonaufbau. Die hohe Intensität hat dann teilweise zu Überbelastung geführt, was leider überdurchschnittlich viele Verletzungen nach sich zog. An dieser Stelle wünsche ich allen verletzten Schwingern gute Besserung!»

Gedenkt der ESV hinsichtlich Verletzungs-Prophylaxe etwas zu tun?

«Nein. Ich bin überzeugt, dass nächstes Jahr mit 3G eine normale Saison durchgeführt werden kann, mit einem sauberen Trainings- und Schwingfestaufbau. Da Planungssicherheit besteht, braucht es keine Massnahmen von unserer Seite.»

Stichwort Saisonhöhepunkt Kilchberger Schwinget:

Schwingkundige Fachleute haben nach der Fehlentscheidung im Gang Samir Leuppi gegen Bernhard Kämpf von einem Fehler gesprochen, welche halt im Schwingsport passieren können. Was ist dein Kommentar zu dieser Aussage?

«Das sehe ich genauso. Man muss bedenken, dass ein Kampfrichter an einem Schwingfest zwischen 500 bis 600 Entscheide zu treffen hat. Dass dabei Fehler passieren, ist menschlich. Ich schütze dabei jeden Kampfrichter. Dieser sieht an einem Schwingfest eine Situation nur einmal. Ich habe die Szene zwischen Samir Leuppi und Bernhard Kämpf mittlerweile mehrmals gesehen. Leuppi hat eindeutig gewonnen. Wichtig ist, dass man dazu steht und sich entschuldigt. Und: Ich wurde wegen meiner öffentlichen Entschuldigung mehrheitlich gelobt, es war nur vereinzelt Kritik zu vernehmen.»

Wegen einiger strittigen Entscheidungen haben nicht schwingkundige Zuschauer nach dem Saisonhöhepunkt von «Mauschelei» gesprochen. Konkret geht es um den Fehlentscheid betreffs Samir Leuppi und die Nichtberücksichtigung von Damian Ott für den Schlussgang. Was entgegnest du diesen Leuten?

«Das stimmt nicht. Betreffs Samir Leuppi gab es keine Mauschelei, der Kampfrichter hat so entschieden. Und ich bin in meiner Funktion nach vorne gestanden und habe mich entschuldigt. Mauschelei wäre gewesen, wenn ich nichts gesagt hätte. Betreffs Damian Ott: Innerhalb der Einteilung haben wird die Schlussgang-Paarung nur kurz diskutiert. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass bei Punktgleichheit ein Schwingerkönig gesetzt ist. Es stimmt, dass Ott mit vier gewonnenen Gängen zu diesem Zeitpunkt ein Siegkreuzchen mehr auf dem Notenblatt hatte als die anderen. Wir haben aber auch auf die Qualität der Notenblätter geschaut. Schlussendlich kristallisierte sich der Saisondominator Samuel Giger als zweiter Schwinger für den Endkampf heraus. Zudem wollten viele diese Paarung bereits beim Anschwingen. Ich forderte den Kampf Giger – Wenger im vierten Gang, kam aber nicht durch. Letztendlich lag diese Paarung auf der Hand, die meisten Zuschauer wünschten sich diese. Es ist und bleibt eine Grauzone, welche die Einteilung dabei beschreitet.»

Nächstes Jahr steht mit dem ESAF 2022 in Pratteln ein nächster Meilenstein auf dem Programm. Wird der eidgenössische Anlass nur mit der 3G-Regelung stattfinden können?

Bild: Tages Anzeiger

Stichwort Vorausblick auf 2022

Wird es aus den gemachten Erfahrungen von 2021 Änderungen oder Anpassungen für 2022 geben? 

«Von meiner Seite her nicht. Denn: Wir können schwingen. Politisch wird sich in nächster Zeit betreffs Corona-Tests und Impfungen noch einiges regeln.»

Auffallend war, dass bei einigen Kranzfesten deutlich weniger Schwinger antraten als üblich. Wie will man diesem Umstand begegnen?

«Ich erwarte von unseren Mittelschwingern, dass sie wieder das Training aufnehmen und zurückkehren werden. Wir haben nun Planungssicherheit, welche für die Saisonvorbereitung auf 2021 fehlte. Ich habe volles Verständnis, dass wegen diesem Umstand einige Mittelschwinger fehlten.»

Inwieweit bleibt das Corona-Virus ein Thema beim ESV?

«Das bleibt ein Thema und wird uns ins 2022 begleiten. 3G wird uns erhalten bleiben. Ich hoffe, dass 2G nicht kommen wird. In nächster Zeit wird sich zeigen, wie die Entwicklung weitergehen wird.»

feldwaldwiesenblogger

Rückblick auf Adrian Steinauer’s Triumph beim Herbstschwingertag Siebnen

Text: feldwaldwiesenblogger

Adrian Steinauer gewann letzten Sonntag den Herbstschwingertag Siebnen, und zeigte dabei feine Schwingerkost. Am Vortag lief es dem Schwyzer beim Kilchberger Schwinget nicht optimal. Es ist Adrian deshalb hoch anzurechnen, dass er sich einen Tag später wieder aufraffte und mit einer starken Leistung bewies, zu was er fähig ist.

Adrian Steinauer feierte in Siebnen seinen vierten Sieg an einem Rangschwinget

Bild: feldwaldwiesenblogger

Der Weg in den Schlussgang

Der in Vorderthal wohnhafte Sennenschwinger stellte beim Anschwingen mit dem Thurgauer Oldie Stefan Burkhalter. Im zweiten Gang bekam er es mit Thomas Burkhalter, dem Sohn von Stefan, zu tun. Diesen bodigte er mit Lätz und überdrücken. Vor der Mittagspause bezwang Adrian ebenfalls mit Lätz und der Note 10 Manuel Vogel, ehe er nach dem Mittagessen den Höhenflug von Jvo Kurmann mit innerem Haken und nachdrücken beendete. Um den Schlussgang-Einzug bekam es der 30-Jährige mit Fabian Rüegg zu tun. Dieser zog mit Kurz an, Adrian verstand es aber sofort zu kontern und gewann platt: Der zweite Schlussgang in Siebnen nach 2013 war perfekt. 

Sein Kontrahent, der Luzerner Reto Fankhauser, zeigte ebenfalls eine starke Leistung. Zum Auftakt bezwang der Entlebucher Roland Kälin. Dann besiegte Reto jeweils platt Dominik Streiff und Joel Kessler. Im vierten Gang folgte ein «Gestellter» mit Reto Nötzli und für den Schlussgang-Einzug bezwang er Marcel Betschart. Dies bedeutete für Reto den ersten Schlussgang-Einzug am Herbstschwingertag Siebnen.

Mit einem wuchtigen Kurz zum Erfolg

Die Ausgangslage vor dem Schlussgang war offen, beide Schwinger waren an diesem Tag bereit für den Sieg. In der dritten Minute der Endausmarchung zog Adrian wuchtig mit einem Kurz an, bettete Reto so ins Sägemehl und vervollständigte zum gültigen Ergebnis mit nachdrücken. Der Sieg am Herbstschwingertag Siebnen bedeutete für den Vorderthaler Erfolg Nummer vier an einem Rangschwinget. 

In Siebnen traten 105 Schwinger an und lieferten den 1’800 Zuschauern spannende und teilweise spektakuläre Zweikämpfe. Interessant zu beobachten war, dass es keiner der drei angetretenen Eidgenossen in den Schlussgang schaffte. Wobei man dabei bedenken muss, dass Reto Nötzli am Vortag ebenfalls am Kilchberger Schwinget antrat und sich dabei an einem Finger verletzte, Stefan Burkhalter inzwischen 47 Jahre jung ist und Willy Graber seit 2019 kein Schwingfest bestritten hat. Der Berner absolvierte den Wettkampf in Siebnen als Vorbereitung für sein allerletztes Schwingfest am Hallenschwinget Bolligen (Samstag, 9. Oktober).

Adrian’s Palmarès

Adrian ist verheiratet, Vater einer Tochter und arbeitet als Fachmann Betriebsunterhalt im Werkdienst der Gemeinde Freienbach. Das Mitglied vom Schwingklub Einsiedeln ist 184 Zentimeter gross und 110 Kilogramm schwer. Nebst den bereits erwähnten vier Siegen an Rangschwingfesten hat Adrian zudem einen Kranzfestsieg (Schwyzer Kantonales 2016) auf seinem Konto. Sein Palmarés zieren weiter 34 Kränze (8 Teilverbands-, 6 Berg- und 20 Kantonal-/Gaukränze), vier ESAF- und eine Unspunnen-Schwinget-Teilnahme. Und nicht zu vergessen: Die Schlussgangteilnahme am Schwarzsee-Schwinget 2015. Die bevorzugten Schwünge sind der Kurz, innerer Haken, Gammen und Lätz. Aber auch die Bodenarbeit beherrscht der Routinier.

In der nun zu Ende gehenden Saison holte sich Adrian fünf Kränze, beim Schwyzer Kantonalen belegte er mit Rang 3a gar einen Spitzenplatz. Diese gute Bilanz brachte dem Schwyzer die Qualifikation für den «Kilchberger». Nebst dem Schwingsport verbringt er viel Zeit mit der Familie, klopft gerne einen Jass, fährt Ski und zählt den Sport ganz allgemein zu seinen Hobbys.

Nebst schwingerischer Kost bekam man in Siebnen auch urchige Klänge zu hören

Bild: feldwaldwiesenblogger

Herzliche Gratulation zum Sieg in Siebnen! Wie war die Gefühlslage nach dem Schlussgang?

«Meine Gefühlslage war sehr gut. Da es mir am Kilchberger Schwinget nicht wunschgemäss lief, war es für mich eine einmalige Geschichte, vor heimischem Publikum einen Tag später gewinnen zu dürfen.»

Mit vier souveränen Siegen und einem «Gestellten» gegen Stefan Burkhalter hast du den Schlussgang erreicht. Welcher dieser fünf Gänge war der härteste Kampf? 

«Der erste Gang gegen Stefan, der Thurgauer ist und bleibt eine Knacknuss. Ich habe schon oft mit ihm geschwungen, und ich möchte ihn gerne mal bezwingen. Der fünfte Gang mit Fabian Rüegg war ebenfalls hart, in diesem ging es um Biegen und Brechen, und ich hatte schliesslich das glücklichere Ende für mich.»

Ein Blick auf zwilch.ch zeigt, dass dir Reto Fankhauser durchaus liegt. Vor letztem Sonntag hattest du ihn bisher viermal bezwungen und einmal gestellt. War dir das vor dem Schlussgang bewusst?

«Mir war bewusst, dass ich ihn bisher meist besiegt habe und er mir als Gegner liegen könnte. Die Taktik für mich war klar: Für den Festsieg musste ich den Schlussgang gewinnen. Deshalb stellte ich mich von Anfang an auf Angriff ein.»

Wie bereits angesprochen, lief es dir beim Kilchberger Schwinget nicht optimal. Auf was führst du das zurück? 

«Die Gegner, welche mir zugeteilt wurden, waren am Schluss zuvorderst im Klassement. Das heisst aber nicht, dass ich nicht gegen sie schwingen könnte. Ich suchte den Sieg aber vermutlich zu wenig und schwang nicht so frech wie sonst. Ich verspürte zudem viel Druck, dieser ist vor so einem Anlass um einiges grösser als bei anderen Schwingfesten. 2014 schaute ich als Ersatzschwinger zu. Es war deshalb schön, teilnehmen zu dürfen und ich bin aus diesem Grund nicht völlig unzufrieden. Zudem gilt es anzuführen, dass ich in die Saisonvorbereitung nicht so viel investiert habe wie üblich.»

Wie hast du es geschafft, dich einen Tag später wieder aufzuraffen und in Siebnen zu brillieren?

«Ich bin am Sonntagmorgen mit Enttäuschung und Wut im Bauch aufgestanden und wollte allen zeigen, dass es auch anders geht. Ich fühlte mich von Beginn an gut und spürte, dass etwas drin liegen könnte.»

Adrian Steinauer holte sich am Luzerner Kantonalen in Schachen den fünften Saisonkranz 

Bild: Adrian Steinauer

Wie sieht deine Saisonbilanz insgesamt aus?

«Mit dem Herbstschwingertag in Siebnen schloss ich nun meine Saison ab. Da ich leicht angeschlagen bin, werde ich in Unteriberg nicht an den Start gehen. Die Saison verlief für mich nach dem Kaltstart im Juni alles in allem gesehen gut. Hervorheben darf ich die fünf Kranzgewinne, der dritte Rang am Schwyzer Kantonalen, den Kranzgewinn am Freiburger und den vierten Kranz in Serie am Luzerner. Bei den Bergfesten lief es nicht optimal und den Brünigschwinget verpasste ich wegen einer gequetschten Rippe. Am ersten Schwingfest, dem Abendschwinget Weggis, stand ich im Schlussgang und das letzte Schwingfest in Siebnen habe ich gewonnen.»

Apropos Saisonbilanz: Hat sich das Team Innerschweiz nach einem nicht sonderlich guten Auftritt am Kilchberger Schwinget bereits zu einer Nachbesprechung getroffen?

«Nein, noch nicht. Am Samstag in einer Woche trifft sich das Kilchberger- und das ENST-Team zu einem Abschluss-Anlass. Dabei wird Rückblick und Ausblick gehalten. Ich habe das Gefühl, dass die Saison mit der konzentrierten Reihe an Kranzfesten falsch aufgebaut war. Beim «Innerschweizerischen» beispielsweise gab es viel mehr Verletzungen als üblich, und das Innerschweizer Team wurde ganz allgemein am härtesten von der Verletzungshexe heimgesucht. Das hatte auch zur Folge, dass am Kilchberger einige angeschlagen angetreten sind. Die ganze Situation war einfach unglücklich.»

Du hast deinen ersten Kranz 2010 beim Schwyzer Kantonalen in Lachen gewonnen. Welches war deine bisher erfolgreichste Saison?

«2016 war meine erfolgreichste Saison. Die Highlights waren der Sieg am Schwyzer Kantonalen sowie die Kranzgewinne auf dem Brünig, auf der Schwägalp und beim Teilverbandsfest der Südwestschweizer. Am ESAF in Estavayer durfte ich dreimal um den Kranz schwingen, und hätte einen Gang davon gewinnen müssen. Es hat leider nicht sein sollen.»

Am 29. Juni 2022 wirst du 31 Jahre jung. Das ideale Alter für den ersten eidgenössischen Kranz?

«Ideal wäre vorher, optimal für die schwingerische Laufbahn als 25-Jähriger. Ich werde schon länger wie ein «Eidgenosse» eingeteilt. Darum würde es für mich nach einem möglichen Kranzgewinn in Pratteln nicht viel anders laufen.»

Was meinst du, in welchen Bereichen müsstest du noch zulegen, um tatsächlich mit einem ESAF-Kranz von Pratteln heimkehren zu können?

«Ich spürte am «Kilchberger», dass schon noch etwas drin liegen würde. Denn: Wie bereits erwähnt, habe ich im Hinblick auf diese Saison nicht übermässig viel gemacht und hauptsächlich meine Familie genossen. Mein Ziel für 2022 ist, einen sauberen Aufbau über den Herbst/Winter zu machen. Dabei konsequent dranzubleiben, und die Trainings konstant und gezielt zu bestreiten. Der mentale Bereich ist für mich die grösste Herausforderung. Dieses Jahr habe ich nichts in diese Richtung gemacht, was ich in der Vergangenheit aber schon tat und in Zukunft wieder in meine Vorbereitung aufnehmen werde. Dann könnte der ESAF-Kranz drin liegen.» 

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Christian Schuler startet als Topfavorit – Vorschau auf den 51. Herbstschwingertag Unteriberg

Text: Werner Schönbächler / Bearbeitung: feldwaldwiesenblogger

Am kommenden Samstag, 2. Oktober wird mit dem Herbstschwingertag in Unteriberg die Freiluftsaison der Innerschweizer abgeschlossen. Es dürfte noch einmal zu einer interessanten Ausmarchung kommen. 

Das Programm lädt nebst dem Schwingfest auch zum Verweilen im Festzelt mit Live-Ländlermusik

Bild: Schwingklub Einsiedeln

Schlussstrich unter die verkürzte aber intensive Saison

Eine Woche nach dem prächtigen Kilchberger Schwinget wird am kommenden Samstag ein Schlussstrich unter die wegen der Corona-Pandemie verkürzte, aber intensive Saison gezogen. Ausser den Rangschwingfesten im Frühling wurden alle Kranzfeste der Innerschweiz innert neun Wochen abgewickelt, was die Wettkämpfer viel Substanz gekostet hat. Die Organisatoren, unter der Leitung von Michael Hess, haben alle Vorkehrungen getroffen, damit neben den Aktiven auch das Publikum auf die Rechnung kommt. Coronabedingt können sich 500 Personen auf dem Festgelände aufhalten. 

Christian Schuler (links) und sein Bruder Philipp standen bei der letzten Austragung 2019 im Schlussgang. Der Sieger hiess damals Christian Schuler.

Bild: feldwaldwiesenblogger

Christian Schuler zum sechsten Mal?

Der fünffache Eidgenosse Christian Schuler nimmt das Fest als Topfavorit in Angriff. Ein sechster Sieg in Unteriberg wäre nach einer starken Saison mit den Siegen am Schwyzer sowie Freiburger Kantonalen und dem Gewinn des 100. Kranzes keine Überraschung. Am «Kilchberger» verpasste er die mögliche Schlussgangteilnahme mit einem «Gestellten» gegen Schwingerkönig Kilian Wenger. Bereits 2014 redete Christian lange Zeit um den Tagessieg mit. Aus den eigenen Klubreihen darf der Rothenthurmer auf die Unterstützung von Adrian Steinauer, welcher seine gute Form mit dem Sieg beim Herbstschwingertag Siebnen unter Beweis gestellt hat, Alex Schuler, Roland Kälin, Markus Effinger, Christian Lagler und Daniel Schuler zählen. Und: Wer weiss, vielleicht gelingt gar Oldie Philipp Schuler ein Exploit. Dieser stand nämlich 2019 zusammen mit seinem Bruder Christian im Schlussgang.

Gefährliche Konkurrenten

Weitere gefährliche Konkurrenten aus dem Kanton Schwyz sind der schwingkundige Ueli Hegner, Joel Kessler, Andreas Gwerder und Lukas von Euw. Aus dem Innerschweizer Verbandsgebiet verdienen die Kranzer Christian und Thomas Bucher sowie Christian Wyss Beachtung. Der mehrfache Kranzer Nicola Funk führt ein Trio aus dem Zürcher Oberland an. Bis kurz vor Beginn um 12 Uhr sind Anmeldungen noch möglich. Die Organisatoren hoffen, dass davon noch Gebrauch gemacht wird. 

feldwaldwiesenblogger

Vorschau eines grossen Fans auf den Kilchberger Schwinget

Text: feldwaldwiesenblogger

Heute Morgen habe ich zu mir gesagt: Was soll man jetzt noch gross über den Kilchberger Schwinget schreiben? Gefühlt in fast jeder Zeitung und in jedem Online-News-Portal stehen Vorschauen, Einschätzungen und verschiedene spannende Geschichten zu diesem Saisonhöhepunkt. Auf meinem Schwinger-Blog habe ich diese Berichte fleissig geteilt. Und: Ich habe mich beim Lesen dieser Beiträge als wohl einer der grössten Schwingfans des Landes ertappt… Aus dieser Motivation heraus betreibe ich nämlich den Schwinger-Blog und betrachte unseren Nationalsport aus der Warte des Fans.

Der für gewöhnlich alle sechs Jahre stattfindende Kilchberger Schwinget kennt seine eigenen Gesetze und die bisherigen Sieger waren allesamt Ausnahmekönner

Bild: Luzerner Zeitung

Eigene Gesetze

Wie bereits erwähnt: Viele Vorschauen wurden verfasst, die Spitzenpaarungen landauf-landab diskutiert und die Favoriten erkoren. Nun gilt es ernst für die 60 besten Schwinger des Landes. Der traditionelle Kilchberger Schwinget kennt seine ganz eigenen Gesetze. Hier werden Helden geboren, Erfolgsgeschichten geschrieben und viel Stoff für Generationen produziert.

Ausnahmekönner

Die bisherigen Sieger waren allesamt Ausnahmekönner aus jener Epoche. Auch diesmal wird der Beste zuoberst stehen. Denn: Einzelne Überraschungen sind möglich, der «Kilchberger» ist aber über alles gesehen das härteste Schwingfest und lässt kaum einen Aussenseiter- oder Überraschungs-Sieg zu.

Hochkarätiges Teilnehmerfeld – absolute «Knüller-Paarungen»

Trotz verletzungsbedingten Ausfällen in allen fünf Teilverbänden steht ein hochkarätiges Teilnehmerfeld am Start. Jede Paarung wäre an jedem anderen Schwingfest eine sogenannte Spitzenpaarung. Apropos Spitzenpaarungen im ersten Gang: Stefan Strebel, TK-Chef vom Eidgenössischen Schwingerverband (ESV), stellte absolute «Knüller-Paarungen» zusammen. Man kann und darf bei der Einteilung anderer Meinung sein. Schlussendlich muss aber jeder den ihm zugeteilten Gegner erstmal bezwingen, um sich Schritt für Schritt dem Sieg, oder in diesem Fall dem Schwinger-Olymp, zu nähern.

Blick in die Kristall-Kugel

Riskiert man eine Prognose, kommt man nicht um die heutige «Bote der Urschweiz»-Schlagzeile umhin, die da lautet: «Giger, Wicki oder doch wieder ein Berner?». Der siebenfache Saisonsieger Samuel Giger ist morgen klar Favorit, der Festsieg wird über ihn laufen. Sein erster Herausforderer wird der wieder genesene Joel Wicki sein. Schwingt der Sörenberger wie am ESAF 2019 in Zug, dann steht er im Schlussgang. Und: Viel hängt davon ab, wie die Begegnung zwischen Giger und Wicki beim Anschwingen verläuft. Einer der beiden Topfavoriten, oder gar beide, werden bereits im ersten Gang Punkte lassen. Das kommt den stets brandgefährlichen Bernern zugute. Gewinnt Kilian Wenger seinen ersten Gang, und kommt hinterher in einen Superlauf wie anno 2010 in Frauenfeld, dann könnte der Sieger am Ende des Tages durchaus Wenger heissen. Die diesjährige Saison mit Siegen auf dem Brünig und am Bernisch-Kantonalen macht den Schwingerkönig zu einem heissen Kandidaten.

Der Sieger von 2014 hiess Matthias Sempach, im Schlussgang bodigte er mit einem Blitzsieg Philipp Laimbacher

Bild: Aargauer Zeitung

Sind Staudenmann und Aeschbacher bereit für den grossen Wurf?

Hinter den drei meistgenannten Topfavoriten lauern einige Spitzenschwinger, allen voran Fabian Staudenmann und Matthias Aeschbacher. Aeschbacher zeigte zuletzt am NOS in Mels, das mit ihm absolut zu rechnen ist. Der Emmentaler ist in meinen Augen so weit gereift, dass er ein möglicher Kandidat für den Schlussgang sein könnte. Staudenmann ist für den Schreibenden der eigentliche Geheimfavorit. Straucheln die bereits genannten, könnte der junge Berner Mittelländer quasi erben und seine eigenen Stärken ausspielen. Und diese konnte Fabian in dieser Saison einige Male erfolgreich einsetzen.

Wie werden sich die jungen wilden Toggenburger schlagen?

Der zweifache Bergfestsieger Damian Ott gehört ebenfalls zur Kategorie «Geheimfavorit», ebenfalls der erst 19-jährige Werner Schlegel. Allerdings fehlt es beiden trotz super Ergebnissen in dieser Saison noch ein wenig an Konstanz. Für einen so bedeutenden Festsieg ist es wohl noch zu früh, für eine Spitzenklassierung sind sie aber alleweil bereit.

Nick Alpiger und die starken Nordwestschweizer Mannen als Spielverderber?

Die Nordwestschweizer Delegation darf man durchaus als Spielverderber sehen. Allen voran Nick Alpiger: Dass der junge Aargauer an einem einzelnen Tag grosses zu leisten vermag, bewies er 2019 am «Innerschweizerischen» in Flüelen, und zu Beginn des «Eidgenössischen» in Zug als er Samuel Giger bodigte. Allerdings: Ist Nick nach der in dieser Saison erlittenen Fussverletzung und der Corona bedingten Pause in der körperlichen Verfassung wie 2019?

Und die Innerschweizer?

Die Innerschweizer sind diesmal Aussenseiter. Der Erfolgsdruck lastet auf dem Team der Nordostschweizer und der Berner. Dies könnte einigen vom ISV-Team Flügel verleihen, allen voran Joel Wicki. Kommt der Erstgekrönte in einen Lauf, könnte Joel am Abend gar zuoberst stehen. Seit dem Sieg am Luzerner Kantonalen hat man den Eindruck, dass er wieder parat ist. Überhaupt: Es würde wohl niemanden überraschen, wenn morgen der erste und letzte Gang Samuel Giger gegen Joel Wicki heissen würde. Im Sog von Joel’s möglichem Siegeszug könnten Athleten wie Sven Schurtenberger, Christian Schuler, Mike Müllestein oder Benji von Ah ebenfalls in der Lage sein mit Topleistungen an der Spitze mitzumischen.

Die Südwestschweizer leider ohne ihren Leader

Die vier Südwestschweizer Akteure müssen leider auf ihren Leader Lario Kramer verzichten. Inwieweit Benjamin Gapany, Steve Duplan, Romain Collaud und Mickael Matthey das Geschehen an der Spitze mitzuprägen vermögen, bleibt abzuwarten. Wie der «SCHLUSSGANG» in seiner Sonderausgabe schreibt, sind sie aber allemal fähig für ein paar wirkungsvolle Nadelstiche. Und diese mag man dem kleinsten der fünf Teilverbände von Herzen gönnen

Der siebenfache Saisonsieger Samuel Giger hat das nötige Rüstzeug für einen «Kilchberger» Sieg

Bild: Bote der Urschweiz

Giger hat ein starkes Team im Rücken

Läuft alles wie so oft in dieser Saison, heisst der Sieger am Ende Samuel Giger. Der Thurgauer Ausnahmekönner hat nun das nötige Rüstzeug und ist fähig, den Schwinger-Olymp zu besteigen. Samuel hat seine Lektion aus Zug gelernt und inzwischen im mentalen Bereich zugelegt. Weiter hat der 23-Jährige an seiner Vielseitigkeit gearbeitet und sein wuchtig gezogener Kurz ist nach wie vor ein Erfolgsgarant. Zudem hat Samuel ein starkes Team im Rücken, einer davon ist der 10-fache Saisonkranzer und Klubkollege Domenic Schneider. Ein sicherer Wert, welcher im Stand ist mit den allerbesten mitzuhalten. Unterstützung erfährt der mittlerweile 22-fache Kranzfestsieger aber auch von den formstarken Nordostschweizer Eidgenossen Samir Leuppi, Roger Rychen und Michael Bless. Und nicht zu vergessen: Die bereits erwähnten Damian Ott und Werner Schlegel. Diese beiden Jungspunde sind jederzeit in der Lage, einen arrivierten Spitzenschwinger zu bezwingen.

So oder so: Die Ausgangslage ist äusserst spannend und die Schwingerfreunde dürfen sich auf viele heisse Duelle freuen. Der Schreibende reist wie eingangs erwähnt als grosser Fan nach Kilchberg und berichtet auf dem Schwinger-Blog über das Geschehen auf und rings um die beiden Schwingplätze. Wie die Schwingerfamilie ist auch Petrus bereit für einen strahlend schönen Kilchberger Schwinget 2021. Mein grösster Wunsch: Dass sich morgen keiner der 60 Schwinger verletzt. Und: Der Beste möge gewinnen!

feldwaldwiesenblogger