Vor 100 Jahren: 1. Schwingfest im Allgäu und 1. Basellandschaftlicher Schwingertag

Text: feldwaldwiesenblogger / Quelle: Eidgenössische Schwingerzeitung 12. Jahrgang 1918

Nebst dem 10. Innerschweizer Schwingertag (siehe Blogbeitrag vom 19. November 2017) stiess ich beim Durchblättern von alten Schwingerzeitungen auf weitere interessante Anlässe, welche vor 100 Jahren stattfanden. Nämlich zwei Premieren: Das 1. Verbandsfest des Schweizersennen-Schwingerverbandes im bayrischen Allgäu und den 1. Basellandschaftlichen Schwingertag.

Ich zitiere wortwörtlich aus den entsprechenden Schwingerzeitungen (Texte in Kursiv-Schrift). Dabei fällt auf, dass nebst dem „schachtelsätzigen“ und blumigen Hochdeutsch auch Beiträge in Dialektsprache abgefasst wurden. So beschreibt der Schreiberling das Geschehen beim Basellandschaftlichen Schwingertag in seinem Basler Dialekt. Herrlich!

1. Schwingfest im Allgäu
Aus der Schwingerzeitung vom 31. März 1918:

Vom Schweizersennen-Schwingerverband im bayrischen Allgäu sind uns die zwei Bilder zugekommen. Am 17. Juni 1917 fand in Wilhams (bayrisch Allgäu) das erste Verbandsfest statt, dass cirka 100 Schweizersennen vereinigte und in jeder Weise ausgezeichnet gelang. Erwin Jäggi von Recherswil und Blöchlinger von Ernetschwil (St. Gallen) fungierten als Kampfrichter und stellten folgende Rangliste auf: 1. Santschi Ernst (Sigriswil); 2. Stalder Ch. (Doppleschwand LU); 3. Seiler Gustav (Fischbach); 4. Schütz Josef (Hellbühl); 5. Stahl Ad. (St. Gallen) usw. Im Ganzen wurden 7 Kränze und 25 Diplome verabfolgt.

Aus den alten Berichten liest sich so manches. Ich hatte zum Beispiel noch nie von einem Schwingfest im Allgäu, auf deutschem Boden, gehört. Ohne weitere Recherche vermute ich, dass dies Melker waren. Diese verliessen wohl wegen grosser Not die Schweiz und suchten Arbeit. So zum Beispiel im Allgäu. Die „Heimweh-Schweizer“ fanden sich dort zu einem „Schweizersennen-Schwingerverband“ zusammen und organisierten einen Schwinget. Ob danach weitere Schwingfeste folgten, entzieht sich meiner Kenntnis.

1. Basellandschaftlicher Schwingertag
Aus der Schwingerzeitung vom 30. April 1918:

1. Basellandschaftlicher Schwingertag in Oberdorf, 26. August 1917
Stebler Münchenstein tätscht Hegetschwiler (Militär); dieser kurzt zu wenig wuchtig und wird mit eme zünftige Gamme rückenwärts biförderet. Im zweite Gang probiert Stebler innere Brienzer und Schlungg. Si Gegner macht Hacketätsch. Er grotet nit und der Stebler tätscht zum Resultat.

Flury D. (Münchestei) het als Gegner Wüest (I/67). Dä fasst sofort Uebergriff, wird vom Flury hoch gnoh und tadellos gworfe. Der zweit Gang isch’s Spiegelbild vom erste.

Der Wüest isch mit dene zwo Niederlage nit zfriede und verlangt no eine vo dene, wo erscht mit em zweute Bähnli cho si. Do verbindet er sich der lätz Finger. Der Seiler Hardi vo Binnige, wo grad mit eme tadellose Churze putzt gha het, bifördert ihn nomohl mit Churz uf si Soldatebuckel. Er lacht und het si Freud an de Baselbieter.

Vergebets schinde sich Eggeschwiler E. (Münchestei) und Hummel (I/67) in zwe lange Gäng mit Kurz, Stich und Bodenarbeit ab. Es git kei Resultat.

Müller Arnold macht der Haubitzbatterie 1 alli Ehr. Bös geht er mit Guldefels Karl (Aesch) ins Züg. Müller kurzt, sofort fitzt Guldenfels in seinem innern Brienzer; drauf geht’s! Am Bode wehrt er sich wie ne Wilde. Der Müller het si liebi Not. S’nützt alles nüt. Der Gang blibt unentschiede.

Im zweute Gang foht der Müller wieder mit Kurz a. Guldenfels macht wieder innere Brienzer. Sie chöme z’Bode. Auf! Müller sticht. Wie sie nochher wieder Griff fasse, putzt Müller mit eme schöne Kurze.

Die Gründung des Basellandschaftlichen Kantonal-Schwingerverbandes erfolgte übrigens schon 1908. Wie das erste Schwingfest im Allgäu erfolgte 1917 auch im Baselbiet eine Premiere.
Warum der Schreiberling seine Beobachtungen in Basler Dialekt abfasste, weiss wohl nur der Redaktor jener Schwingerzeitung. Was weiter auffällt, ist die Erwähnung der militärdienstleistenden Schwinger. Vermutlich waren diese Soldaten im Baselbiet stationiert und es wurde ihnen gestattet, beim Schwingertag teilzunehmen. Wie es sich damals gehörte, wurde bei diesen Schwingern nicht der Wohnort, sondern die Kompagnie-Zugehörigkeit vermerkt. Die Affinität der Schweizer Bevölkerung zur Armee war während des ersten Weltkrieges eine ganz andere als sie es heute ist.

feldwaldwiesenblogger

Haar-Guru an Alpencut-Seminar in Muotathal

Text und Bilder: feldwaldwiesenblogger

Letztes Wochenende weilte der Haar-Guru Alex Kübler in Muotathal und war Leiter eines spannenden Friseur-Seminars. Passend zum Kurslokal, dem Event-Stall in der Husky-Lodge, hiess dieser Anlass «Alpencut-Seminar». Man fragt sich nun: Wie kommt es, dass ein so umtriebiger und renommierter Fachtrainier gerade in die ländliche Schwyzer Gemeinde kommt? Der Grund dafür ist Sandra Heinzer, welche in Muotathal lebt und dort mit «Schnittpunkt» einen eigenen Coiffeur-Salon führt.


Die acht Kursteilnehmer und Alex Kübler (vorne) im Event-Stall

Von der Idee Alphütte in den Event-Stall
Heinzer erklärte: «Alex sagte am ersten Seminar, welches ich von ihm besuchte, dass er gerne einmal ein solches in einer Alphütte abhalten möchte.» Irgendwann kam der Muotathalerin die Idee, dass der Event-Stall in der Husky-Lodge ein geeignetes Lokal wäre und gab Kübler einen Prospekt von der Erlebniswelt Muotathal GmbH. Dieser war hell begeistert von der Idee, welche an einem Seminar im September 2017 besprochen und nun in die Tat umgesetzt wurde. Nadja Huwiler von der Firma ROWA Huwiler AG nahm die Organisation in die Hand.
Die ROWA Huwiler AG, ein Familienbetrieb mit Sitz in Affoltern am Albis, organisiert seit zehn Jahren Seminare mit Alex Kübler als Fachtrainier. Die im Friseurbereich tätige Firma feiert dieses Jahr ihr 40-jähriges Jubiläum. Nadja und Tobias Huwiler brachten etliche Damen- und Herren-Übungsköpfe mit ans Alpencut-Seminar. An diesen durften die acht Kursteilnehmer, sechs Friseusen und zwei Friseure, ausgiebig üben.
Alex war begeistert vom Event-Stall und seiner rustikalen Einrichtung. Zu Beginn gab er zu verstehen, dass er diesen Raum «abgefahren» findet und hier besondere Möglichkeiten für das Seminar antraf.

Haar-Guru aus dem Schwarzwald
Alex Kübler wird dieses Jahr 50-jährig, stammt von Villingen-Schwenningen im Schwarzwald und lebt heute in Villingen. Die Haupttätigkeit des Haar-Gurus, wie er sich selbst nennt, ist das Leiten von Seminaren und Shows für Friseure von Las Vegas bis Sibirien. Weiter ist Kübler tätig für die Haarindustrie und die Handwerkskammer Konstanz in der überbetrieblichen Ausbildung und bei Meistervorbereitungskursen. «Ich habe pro Woche mit etwa 15 bis 30 Personen zu tun», gab er im Event-Stall zu Protokoll. Der Deutsche ist gelernter Friseurmeister und Betriebswirt. Seit 1992 bewegt er sich in der Trainierszene. Vorher war er 16 Jahre als Friseur tätig.
Nebst der Seminartätigkeit ist Kübler auch in der Kunstszene aktiv. Dem Friseurmeister kam die Idee, die verwendeten Übungsköpfe als Kunstobjekte zu verwenden und so vor der Entsorgung zu retten. Aus den Köpfen macht er Vasen und lässt sie von Künstlern bemalen oder gar tätowieren. Aus den kunstvoll verzierten Objekten, welche der Haarkünstler zu einem stolzen Preis verkauft, spriessen statt Haare nun Blumen oder Pflanzen. Weiter produziert der umtriebige Mann Videos und hat mit «Beautiful Zombie» gar ein eigenes Parfum herausgebracht.


Der Haar-Guru in seinem Element

Inhalt des Alpencut-Seminars
Dem Villinger war wichtig, dass er bei den Seminarteilnehmern im Event-Stall ihr kreatives Potenzial entfesseln konnte. Kübler erklärte: «Ich möchte ihnen dabei mehr Sicherheit und Selbstvertrauen in der Ausführung ihres Berufes durch fundierte Fertigkeiten und Kenntnisse vermitteln. Dazu gehören auch mehr Freude und Herzblut für den Job.» Das Seminar bot den Friseuren fachliche Weiterbildung, nebst Theorie gehörten auch praktische Arbeiten zum Programm. Der Haar-Guru meinte: «Es geht um fachlichen Input, aber auch der Spass soll nicht zu kurz kommen.» So wurde im Event-Stall auch viel gelacht.
Organisatorin Nadja Huwiler führte weiter aus, dass das Seminar in Muotathal der letzte Teil einer dreiteiligen Kursreihe bildete. Die Kursteile 1 und 2 fanden 2017 statt, und auf Wunsch von Kübler wurde der dritte Teil nun in Muotathal durchgeführt.
Das Seminar startete am Sonntagnachmittag um Punkt 15 Uhr und die Aufmerksamkeit galt im ersten Teil dem Herrenschnitt und dem dazugehörigen Scheren-Handling. Nach dem gemeinsamen Nachtessen in der Husky-Lodge widmeten sich die Seminarteilnehmer am Abend dem Fachteil «Haare schneiden mal etwas anders». Da bis auf Sandra Heinzer alle Seminarteilnehmer von auswärts anreisten, wurde im Hüttenhotel übernachtet. Der Montag stand ganz im Zeichen des Frauenschnitts. Dabei durften die Friseure in kleinen Gruppen eigene Kollektionen schneiden, laut Kübler die Königsdisziplin dieser Berufszunft. Am zweiten Kurstag nahm sich der Friseurmeister aber auch Zeit für jeden Teilnehmer und ging individuell auf deren Fragen ein. Alex Kübler betonte: «Das Kursziel ist die motivierte Umsetzung von erlerntem und neue Ideen für den Salon-Alltag.»

feldwaldwiesenblogger

Jeremy Vollenweider – Die ungewöhnliche Geschichte eines jungen Schwingers (Teil 2)

Text: feldwaldwiesenblogger

Am 19. Januar fuhr ich nach Beringen SH und besuchte Jeremy Vollenweider, einen aufgestellten jungen Mann. Der aus Marthalen ZH stammende Schwinger, Nationalturner und Ringer liess mich mit seiner ungewöhnlichen Geschichte aufhorchen. Beim Gespräch erzählte mir der Sportler, welcher am 12. Februar 20 Jahre jung wird, seine ungewöhnliche Geschichte.
Beim Teil 1 stellte ich Jeremy näher vor. Er berichtete mir, wie er seine drei Sportarten unter einen Hut bringt und von seinen bisherigen sportlichen Erfolgen. Ich sprach ihn auch auf seine gesundheitlichen Rückschläge an. Der seit kurzem im schaffhausischen Beringen wohnende sprach offen über seinen erlittenen Herzstillstand und die Krebserkrankung.

Beim Teil 2 erzählt uns Jeremy, wie es ihm heute geht und inwieweit ihn die gesundheitlichen Rückschläge beeinflussten und prägten. Weiter erfahren wir, dass er das Schwingerjahr 2018 hervorragend gestartet hat.


Jeremy Vollenweider beim Gespräch, zuhause in Beringen SH
Bild: feldwaldwiesenblogger

Wieder beschwerdefrei Sport treiben
Die Chemotherapie bestand aus drei Zyklen zu 21 Tagen. Die ersten fünf Tage eines Zyklus musste Jeremy im Spital verbringen und erhielt dort die Infusionen. Ab Tag sechs bis 21 war der Zürcher zuhause. Tag acht und 15 erfolgten eine ambulante Behandlung im Spital. In den zwei Wochen zuhause schlief Jeremy an den ersten beiden Tagen viel. Dann ging er viel laufen oder mit seiner Mutter einkaufen. Jeremy betont: «Mir geht es wieder sehr gut und ich muss keine Medikamente nehmen. Ich kann trainieren wie vorher. Ich muss momentan alle drei Monate zu einer präventiven Kontrolle. Dabei erfolgen verschiedene Untersuchungen, entweder mittels MRI oder bei einer Blutprobe. Falls wieder etwas wäre, würde man es frühzeitig erkennen. Beim Schwingen und Ringen spüre ich meine fehlende Kondition und Kraft. Im vergangenen Herbst absolvierte ich die Mannschaftsmeisterschaft im Ringen. Dabei konnte ich konditionell wieder zulegen. Ich denke, dass alles relativ schnell wiederkommt.»

Inwieweit haben diese gesundheitlichen Rückschläge Jeremy beeinflusst und geprägt?
Wie der Schaffhauser Schwinger erzählt, hat ihn die Krebs-Diagnose schon beschäftigt. Nach der Operation im Bauchbereich (9. Mai 2017) habe er sich aber schon wieder Ziele gesetzt: Wann er mit dem Training wiederbeginnen will und dass er am 12. August beim Schaffhauser Kantonalen starten möchte. Der Arzt riet ihm nach der Operation zwar davon ab. Jeremy kämpfte sich mit seinem starken Willen zurück und gewann beim besagten Kantonalschwingfest den Kranz.
«Ich kann offen über meine Krankheitsgeschichte sprechen und habe keine Probleme damit. Menschlich hat mich diese Geschichte reifer und stärker gemacht. Ich bin froh, wenn mich die Leute deswegen direkt ansprechen. Bei der GV des Zürcher-Schaffhauser Nationalturnverbandes fiel mir nämlich auf, dass einige wegen meiner Kappe tuschelten. Denn zu dieser Zeit hatte ich wegen der Chemotherapie-Behandlung keine Haare. Ich ergriff das Mikrofon und erklärte den Anwesenden, was Sache ist, und zog als Beweis meine Kappe aus. Etliche kamen dann zu mir und entschuldigten sich wegen den Bemerkungen», schildert der zum Glück Wiedergenesene.
Im weiteren Gesprächsverlauf meinte Jeremy, dass ihn die ganze Krebsgeschichte nicht wirklich gross zu schaffen machte. Er konnte während der Chemotherapie-Behandlung sogar trainieren und ging ein- oder zweimal pro Woche ins Schwingtraining. Einfach, weil der Turnerschwinger Lust dazu hatte, und es relativ gut ging. Denn der gelernte Maurer wollte nicht nur immer zuhause oder im Spital hocken und teilte den Ärzten mit, dass er das ganz einfach brauche. Damit er sich austoben und mit seinen Kollegen Sprüche klopfen kann. «Sonst wäre ich explodiert», sagt Jeremy dazu, welcher darauf achtete, immer irgendetwas zu tun. In dieser Zeit besuchte der bald 20-Jährige einmal seine Mitarbeiter auf der Baustelle und brachte ihnen das Znüni vorbei.
Der Zürcher Weinländer weiter: «Ich hatte erst Bedenken, dass mich meine Trainingskameraden wegen meiner Erkrankung mit Samthandschuhen anfassen. Ich erklärte ihnen, dass sie mich beim Training nicht schonen müssen. Denn sonst komme ich nicht weiter. Sie begriffen es rasch, und wir trainierten wieder wie vorher.»

Das Schwingerjahr 2018 hervorragend gestartet
Jeremy hat am 2. Januar beim Berchtold-Schwinget mit vier gewonnen, einem gestellten und einem verlorenen Gang (gegen Eidgenosse Nick Alpiger) die neue Schwingsaison hervorragend eingeläutet. Diese starke Leistung brachte ihm den ausgezeichneten Platz 7b und die Auszeichnung ein. Der vierfache Kranzschwinger erläutert: «Im Winter habe ich bisher nicht viel trainiert. Nach der Ringersaison schaltete ich eine Pause ein. Mein Plan sah vor, dass ich anfangs Jahr mein Trainingspensum wieder steigere. Zu meinen Eltern sagte ich, dass ich in Zürich antreten möchte, um wieder mal sechs Gänge schwingen zu können. Mein Ziel war die Auszeichnung, es wäre aber auch keine Welt untergangen, hätte ich sie nicht geschafft. Es war ein schönes Gefühl, dass es beim ersten Schwingfest vom Jahr so gut lief und ist für mich ein Motivationsschub. Die Auszeichnung war gewissermassen die Zugabe. Ich verspüre auch wieder Lust, sechs Gänge schwingen zu können und erklärte meinem Technischen Leiter, dass ich an vielen kleinen Schwingfesten antreten möchte. Am 3. Februar werde ich beim Lichtmess-Schwinget in Gais AR am Start sein.»
Viele Zuschauer und Schwinger-Kollegen liessen Jeremy in der Saalsporthalle Zürich wissen, wie schön es ist, dass er wieder zurück auf dem Schwingplatz ist. Der Hobby-Skifahrer freute sich, wieder unter seinen Schwinger Kollegen weilen zu können.


Der Berchtold-Schwinget lief für den Turnerschwinger ausgezeichnet
Bild: Facebook

Der Trainingsaufwand
Von anfangs Jahr bis zum Frühherbst absolviert Jeremy drei bis vier Trainings pro Woche. Das sind in der Regel zwei- bis drei Schwingtrainings, und wenn es zeitlich drin liegt ein Ringertraining. Nach Möglichkeit möchte er auch ab und zu mit dem Turnverein Marthalen turnen. Als Nationalturner tritt der L3-Schweizermeister von 2017 unter ihrem Namen an, und unterstützt sie zudem bei verschiedenen Anlässen. Da Jeremys Schwing- und Ringer-Training sehr abwechslungsreich ist und er auf der Baustelle körperliche Arbeit verrichtet, macht der 189 Zentimeter grosse Athlet kein zusätzliches Krafttraining. Er würde zwar gerne welches machen, es liege aber aus zeitlichen Gründen momentan nicht drin.
Der sportliche Mann ergänzt: «Am Montag leitet das Schwingtraining Christian Heiss, der Technische Leiter vom Schaffhauser Kantonalen Schwingerverband. Im kleinen Schaffhausen existieren neben dem Kantonalverband keine weiteren Schwingklubs. Am Donnerstag findet ein Schwingtraining mit dem zweifachen Schwingerkönig Ernst Schläpfer statt, welcher uns trainiert, beim Verband aber keine Funktion innehat. Ernst betreut uns auch an den Schwingfesten. Technisch ist er super beschlagen, und dank seiner Herkunft kommen Appenzeller Schwinger wie seine Neffen Markus und Matthias Schläpfer sowie Naim Fejzaj regelmässig zu uns ins Training. Weiter besuchen auch Zürcher Unterländer unser Training. Von diesen Schwingern kann ich nur profitieren. Wir sind relativ viele junge Schwinger in Schaffhausen, der älteste ist erst 23-jährig. Wir haben eine gute Gruppe beisammen und wenn wir zusammen besser werden, ist das wunderbar. Seit Pascal Gurtner seine Schwingerkarriere beendet hat, haben wir keinen richtigen Teamleader mehr. Viele sehen mich zwar als Teamleader, ich fühle mich aber nicht so.»
Am Mittwoch wird für die Schaffhauser Schwinger zudem ein Konditions- und Krafttraining angeboten. Um auf zusätzliche Sparringpartner zu treffen, trainiert Jeremy manchmal in Frauenfeld mit den Thurgauer Schwingern. Wenn es die Zeit erlaubt oder sein Technischer Leiter das Training leitet, besucht der Marthaler ab und zu das jeden Freitag stattfindende NOS-Training. Der zielstrebige Sportler dazu: «Wenn ich mich konditionell und von den Automatismen her wieder stärker fühle, werde ich dieses Training wieder vermehrt besuchen. Denn da kann ich mit anderen Athleten schwingen und komme so auch weiter.»

Welche Wettkämpfe (Schwingen, Ringen und Nationalturnen) bestreitet der bald 20-Jährige 2018?
Jeremy zählt auf: «Ich werde nebst den erwähnten Rangschwingfesten das Thurgauer, das Appenzeller, das Bündner-Glarner und das Schaffhauser Kantonale Schwingfest bestreiten. Weiter steht das Nordostschweizerische in Herisau auf dem Programm. Zudem sind wir beim Guggibad-Schwinget in Buttwil AG eingeladen. An folgenden Nationalturntagen möchte ich nach Möglichkeit starten: Beim Zentralschweizerischen in Reichenburg SZ, beim St. Galler-Appenzeller-Glarner, anfangs April beim Zürcher-Schaffhauser, beim Thurgauer und an der Schweizermeisterschaft im September in Alterswilen TG. Von anfangs September bis Dezember dauert die Ringer-Saison, bei welcher ich mit Weinfelden (Nationalliga B) an der Mannschaftsmeisterschaft teilnehmen werde. Die Meisterschaft besteht aus zehn Wettkämpfen, diese stehen jeweils am Samstag auf dem Programm. Weinfelden hat eine junge Mannschaft und war in den vergangenen Jahren stets in den Rängen drei bis fünf zu finden. Wir sind alle ähnlich alt und haben eine gute Stimmung untereinander. Der Thurgauer Samuel Giger ist übrigens auch bei dieser Mannschaft dabei. Die Saison 2017 beendeten wir auf Rang 5 und ich nahm an sieben Wettkämpfen teil.»

Am Schluss dieser zweiteiligen Mini-Serie bedanke ich mich bei Jeremy für seine Gastfreundschaft und seine Offenheit beim Gespräch. Ich wünsche dem jungen und sportlichen Mann für seinen weiteren Weg alles Gute, beste Gesundheit und viele Erfolge. Sei es im Sport, Beruf oder im Privatleben.

feldwaldwiesenblogger

Jeremy Vollenweider – Die ungewöhnliche Geschichte eines jungen Schwingers (Teil 1)

Text: feldwaldwiesenblogger

Der SCHLUSSGANG schrieb am 9. September 2017 auf seiner Homepage:
„Jeremy Vollenweider präsentierte sich nach zwei überstandenen Krebserkrankungen in einer erstaunlich guten Verfassung und dominierte die Leistungsklasse 3.“ Gemeint ist in diesem Zusammenhang Jeremys Titel an den Eidgenössischen Nationalturntagen in Eschenbach LU. Weiter war auf der Homepage des Eidgenössischen Nationalturnverbandes zu lesen: „In der Leistungsklasse 3 gelang dem Zürcher Weinländer Jeremy Vollenweider eine erfolgreiche Rückkehr auf die Wettkampfplätze. Nach schweren gesundheitlichen Rückschlägen, siegte der Wiedergenesene schliesslich mit einer eindrücklichen Leistung – und dies insbesondere in den Zweikämpfen.“ Oder: „Nach Herzstillstand und Krebs ist Jeremy Vollenweider zurück“ – „Schwinger Jeremy Vollenweider kehrt nach einem Jahr Abwesenheit wieder ins Sägemehl zurück.“ Die beiden Schlagzeilen fand ich auf der Homepage von Radio Munot, einem Lokalradio mit Sitz in Schaffhausen.

Obige Aussagen liessen mich aufhorchen. Jeremy Vollenweider war mir einerseits als grosses schwingerisches Talent ein Begriff. Andererseits blieb mir in Erinnerung, dass der junge Sportler bei einem Ring-Wettkampf einen Herzstillstand erlitt. Und nun also eine überstandene Krebserkrankung, dabei wird Jeremy am 12. Februar erst 20 Jahre jung. Mir war sofort klar: Diesen Athleten möchte ich unbedingt mal treffen und ein Gespräch mit ihm führen.


Jeremy Vollenweider zuhause in Beringen SH
Bild: feldwaldwiesenblogger

Wer ist Jeremy Vollenweider?
Das Treffen fand vor einer Woche bei Jeremy zuhause in Beringen SH statt. Der vierfache Kranzschwinger, welcher als 17-jähriger seinen ersten Kranz beim Zürcher Kantonalen in Wädenswil gewann, ist ein vielseitiger Sportler. Nebst dem Schwingsport widmet sich Jeremy auch dem Ringen und dem Nationalturnen. Der Turnerschwinger wiegt 90 Kilogramm und ist 189 Zentimeter gross. Zu weiteren Hobbys zählt Jeremy den Sport allgemein wie Skifahren oder Eishockey.
Der bald 20-Jährige kommt von Marthalen ZH, welches zwischen Winterthur und Schaffhausen liegt. Er wuchs in Marthalen auf, ging dort zur Schule und wohnte bis vor kurzem in der Zürcher Weinland-Gemeinde. Nach der obligatorischen Schulzeit erlernte Jeremy bei der Bauunternehmung Landolt + Co. AG den Maurerberuf und arbeitet immer noch für diesen Betrieb.
Der Zürcher Weinländer entschied sich als Achtjähriger für den Schwingklub Schaffhausen, weil es damals beim Schwingklub Winterthur nur sehr wenige Schwinger gab. Ein weiterer Grund war Markus Thomi. Dieser betreute damals bei den Schaffhausern als Technischer Leiter die Jungschwinger. Als Jeremy noch klein war, besiegte Thomi an einem Zürcher Kantonalen in Flaach Jörg Abderhalden, was für ihn etwas vom Grössten war. Zudem hat seine Mutter Schaffhauser und Thurgauer Wurzeln, der Vater stammt von Marthalen.
Als seine schwingerischen Vorbilder benennt der Schaffhauser Schwinger besagten Markus Thomi und Pascal Gurtner. Hüfter, Brienzer, Päckli, Knietätsch, Bodenhüfter und Beinschraube sind Jeremys bevorzugte Schwünge.

Wie bringt Jeremy den Schwingsport, das Nationalturnen und das Ringen unter einen Hut?
Jeremy erklärt: „Die drei Sportarten werden saisonal betrieben und dementsprechend trainiert. Die Ringersaison beginnt jeweils im September und dauert bis anfangs Dezember. In dieser Zeit ringe ich zwei- bis dreimal pro Woche und schwinge einmal. Von Januar bis zum Frühherbst schwinge ich gewöhnlich zwei- bis dreimal pro Woche und ringe pro Woche einmal. Da es bei uns keine Nationalturnriege gibt, trainiere ich diese Sportart für mich zuhause.“ Der gelernte Maurer war zuerst Mitglied bei der Ringerriege Winterthur. Seit etwa fünf Jahren gehört er der Ringerriege Weinfelden an. Das Highlight als Ringer ist die Mannschaftsmeisterschaft im Herbst, welche Jeremy in der Regel auch bestreitet. Im kommenden April steht die Einzel-Schweizermeisterschaft im Ringen auf dem Programm, wo der athletische Sportler ebenfalls antreten möchte.
Von Frühling bis Herbst gilt der Fokus dem Schwingen und Nationalturnen. 15 bis 20 Schwingfeste könnte Jeremy bestreiten. Es braucht aber eine gute Planung und Koordination, damit er an so vielen Wettkämpfen teilnehmen kann. Da die Nationalturntage meist an Samstagen stattfinden und die Schwingfeste an Sonntagen, gibt’s aber selten Überschneidungen. Die Planung für 2018 ist praktisch abgeschlossen. Da es jährlich nur um drei bis fünf Nationalturntage gibt, möchte der Marthaler bei allen an den Start gehen. Jeremy schaut aber darauf, ob am nächsten Tag ein wichtiges Schwingfest ansteht und lässt so ausnahmsweise auch einen Nationalturn-Wettbewerb aus. Der Hobby-Skifahrer liess beim Gespräch verlauten, dass er 2018 zwischen 10 und 15 Schwingfeste bestreiten möchte.

Die grössten sportlichen Erfolge
Jeremy erwähnt als einen der bisher grössten Erfolge die Teilnahme beim Eidgenössischen 2016 in Estavayer. Weiter den ersten Kranzgewinn, welcher sehr früh erfolgte und unerwartet kam. Zudem war dies beim Zürcher Kantonalen, wo er als Gast antreten durfte. „Erwähnen möchte ich aber auch den Basellandschaftlichen Kranz von Lausen. Wir wurden dort als Gäste eingeladen. Für mich ist aber jeder bisher gewonnene Kranz etwas Spezielles“, ergänzt der sympathische junge Mann.
Beim Nationalturntag 2015 in Baar ZG wurde Jeremy Schweizermeister in der Leistungsklasse L2. Ein Jahr später belegte er bei der Schweizermeisterschaft in der gleichen Klasse den zweiten Platz. Letztes Jahr wurde der Nationalturner in Eschenbach LU Schweizermeister in der Leistungsklasse L3.


Eschenbach 2017: Der frischgebackene Schweizermeister in der Leistungsklasse L3
Bild: Facebook

Herzstillstand an der Ringer-Schweizermeisterschaft
Der vielfach beschriebene Herzstillstand erlitt Jeremy 2015 an der Ringer-Schweizermeisterschaft in Oberriet SG. Der Ringer erzählt: „Beim letzten Kampf ging ich bei der 30 Sekunden-Pause zum Coach und sagte ihm, dass etwas nicht stimmt. Ab diesem Moment kann ich mich an praktisch nichts mehr erinnern. Ich weiss nur noch, dass ich mit 5:3 nach Punkten hinten lag. Irgendwann kam ich dann wieder zu mir. Ich kann dir nicht genau sagen, wie das alles abgelaufen ist. Aussenstehende könnten dir da mehr Auskunft erteilen.“
Jeremy wurde hinterher gesagt, dass man von einem Herzstillstand sprach und er vor Ort wieder reanimiert wurde. Ihm wurde dabei ein Defibrillator angeschlossen, welcher aber für die Reanimation nicht benötigt wurde. Die Ärzte teilten ihm mit, dass er einen unprovozierten Krampfanfall erlitt, bei welchem weder Drogen, Alkohol oder sonstige Mittel im Spiel waren. Der vierfache Kranzschwinger musste nach einem kurzen Spitalaufenthalt keine Medikamente nehmen und fühlte sich schnell wieder gut. Jeremy legte aber nach diesem Vorfall eine Trainings- und Wettkampfpause ein, bevor er sein Training wiederaufnahm und im darauffolgenden Herbst in die Ringersaison stieg. „Die ganze Geschichte habe ich gut verdaut und geistert bei mir auch nicht im Hinterkopf rum“, ergänzt der Zürcher voller Optimismus.

Die Krebserkrankung
Der Herzstillstand sollte aber im noch jungen Leben von Jeremy nicht der einzige gesundheitliche Rückschlag sein. Er berichtet: „Ich erhielt am 18. November 2016 die Diagnose Hodenkrebs. Ein Hoden war sogar schwarz und musste operativ entfernt werden. Bei der Computertomographie wurde festgestellt, dass ich in vielen Körperbereichen, auch in der Lunge, Ableger hatte. Es folgte eine Chemotherapie-Behandlung, welche bis zum 2. Februar 2017 dauerte. Ich war dann wieder gesund und konnte wieder trainieren. Am 9. April absolvierte ich einen Nationalturntag und gewann in der Leistungsklasse L3. Ich startete etwas später noch beim Thurgauer Kantonalen, musste das Schwingfest aber vorzeitig aufgeben. Ich erlitt nämlich einen Kapselabriss beim Schlüsselbein.
Bei einem Routineuntersuch mittels Computertomographie wurde festgestellt, dass im Bauchbereich bei den Lymphknoten an der Aorta noch restliche Krebszellen vorhanden waren. Diese Krebszellen wurden bei der Chemotherapie nicht alle erwischt und aus dem Körper gespült. Ein Onkologe, ein Spezialist aus Deutschland, schaute sich dies genauer an. Er riet mir, diese Krebszellen operativ entfernen zu lassen. Ich war zuerst gegen eine Operation. Mein Umfeld riet mir aber ebenfalls dazu, und so entschied ich mich für einen Eingriff. Der Bauch wurde bei einer Operation am 9. Mai geöffnet und die Krebszellen operativ entfernt. Nach dieser Operation musste ich wieder pausieren. Am 12. August gab ich mein Comeback, trat beim Schaffhauser Kantonalen an und gewann den Kranz.
Was in einigen Medien fälschlicherweise als zwei Krebserkrankungen dargestellt wurde, ist eine. Die ganze Geschichte mit dem Hodenkrebs und den Krebszellen im Bauchbereich gehören nämlich zusammen.“

Teil 2 folgt in einer Woche. Darin erzählt uns Jeremy, dass er wieder beschwerdefrei Sport treiben kann und wie ihn diese gesundheitlichen Rückschläge beeinflusst und geprägt haben. Weiter berichtet er vom erfolgreich bestrittenen Berchtold-Schwinget, seinem Trainingsaufwand und welche Wettkämpfe der zum Glück wieder Genesene 2018 ins Auge fasst.

feldwaldwiesenblogger

Trainingsbesuch beim Schwingklub Sumiswald

Text und Fotos: feldwaldwiesenblogger

Auf meiner Reise durch die Teilverbände, in welchem ich seit anfangs 2017 je einen Schwingklub besuche, bin ich nun bei den Bernern angelangt. Bei der Auswahl achtete ich diesmal auch auf meine Herkunft, respektive mit wem der Schwingklub Muotathal im Bernbiet gute Beziehungen unterhält. Darunter befindet sich der Schwingklub Sumiswald.

Am Donnerstag, 11. Januar, stattete ich den Emmentalern einen Trainingsbesuch ab. An diesem Abend trainierten die Aktivschwinger von 20 bis 22 Uhr im Schwingkeller in Sumiswald. Der Schwingklub Sumiswald trainiert in einem eigenen Schwingkeller, welcher 1990 bezogen werden konnte. Die Schwinger teilen sich den Keller mit den Kleinkaliber-Schützen.

Bevor das Training losging, konnte ich mit Ueli Steffen (Klubpräsident), Damian Gehrig (Aktiver und TK-Chef Aktive) sowie Marcel Brunner (Aktiver und TK-Chef Jungschwinger) ein ausführliches Interview führen. Denn in meinem Gepäck fanden sich nebst dem Fotoapparat auch ein Fragenkatalog mit 20 Fragen.


Von links nach rechts: Ueli Steffen (Klubpräsident), Damian Gehrig (TK-Chef Aktive) und Marcel Brunner (TK-Chef Jungschwinger)

Wann wurde der Schwingklub Sumiswald gegründet?
Ueli Steffen: „1928 taten sich ein paar Männer aus Sumiswald und Wasen zusammen und gründeten den Schwingklub Sumiswald.“

Mit wem erlebte der Schwingklub seine besten Zeiten?
Ueli: „Es war laufend ein Auf und Ab. In den frühen Jahren existierte die Dynastie Eggimann, welche Eidgenossen hervorbrachte. Später kamen die Gebrüder Lüthi aus Waldhaus. Dann kam irgendwann ein Tief, auf welches die beiden Eigenossen Walter Moser und Hansruedi Sommer folgten. Die Neuzeit brachte mit Roland Gehrig und Fritz Bähler weitere Eidgenossen hervor. Man darf behaupten, dass wir derzeit einen Höhenflug erleben. Denn mit so vielen starken Schwingern, wie wir im Moment haben, sind wir im Kanton Bern sehr gut aufgestellt.“

Wie sieht das Einzugsgebiet vom Schwingklub Sumiswald aus?
Damian Gehrig:
„Das ist relativ gross, nebst Sumiswald sind das etwa acht bis zehn Gemeinden wie Lützelflüh, Rüegsau, Trachselwald, Affoltern, Dürrenroth, Hasle, Landiswil oder Obergoldbach.“

Wie sehen die Zahlen der Aktiven und der Jungschwinger derzeit aus?
Damian:
„Für die Saison 2018 liess ich bisher 29 Aktive versichern. Es ist gut möglich, dass ich noch einige wenige nachversichern lasse.“
Marcel Brunner: „Wir zählen 41 Jungschwinger, welche in zwei Gruppen aufgeteilt sind. Am Dienstag ist Training mit den Kids, den fünf- bis zehnjährigen Buben. Am Donnerstag trainieren wir die älteren Jungschwinger, welche 9 bis 15 Jahre alt sind. Dabei gibt es eine altersmässige Überschneidung, bei der auch das aktuelle Können mitentscheidend ist.“

Wie sehen die Saison-Bilanz der Aktiven und der Jungschwinger für 2017 aus?
Damian:
„Wir sind grösstenteils zufrieden, es wäre aber noch mehr möglich gewesen. 30 Saisonkränze haben wir erreicht. Zehnmal fehlte leider ein Viertelpunkt für den Kranzgewinn. Schade ist, dass sich im Saisonverlauf einige Schwinger verletzt haben.“
Marcel: „Die Saison war gut, aber auch bei den Jungschwingern wäre noch mehr drin gelegen. Wir holten vier Festsiege und 104 Zweige. 21 Schwinger gewannen dabei Zweige und insgesamt zählten wir 16 Schlussgangteilnehmer.“

Wurden die anvisierten Ziele 2017 erreicht?
Damian: „Einige Ziele wurden erreicht, andere nicht. Schade ist, dass es keine Neukranzer und keine neuen Kantonalkranzer gab. Wir hätten uns erhofft, dass es bei einem oder zwei klappen könnte. Dabei spielten die bereits angesprochenen „Viertelpunkte“ auch eine Rolle.“
Marcel: „Wir setzen uns jeweils das Ziel, 100 Zweige zu gewinnen. Dies haben wir erreicht. Bei den Festsiegen war das Ziel fünf, was mit vier Siegen knapp nicht geschafft wurde. Unsere Ziele haben wir im Grossen und Ganzen erreicht.“

Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen den Emmentaler Schwingklubs und ganz allgemein im Berner Teilverbandsgebiet aus?
Damian:
„Die Zusammenarbeit unter den Emmentaler Schwingklubs und ganz allgemein im Kanton Bern funktioniert gut. Es findet wöchentlich ein Emmentaler Verbandstraining in Langnau statt, welches es allen Aktiven erlaubt, teilzunehmen. Je nachdem, was für eine Saison ansteht, finden monatlich ein bis zwei Trainingszusammenzüge des Bernisch-Kantonalen Schwingerverbandes statt. Für diese Trainings erfolgt vorgängig eine Kader-Selektionierung. Diese Kaderzusammenzüge finden auch in Jahren ohne Feste mit Eidgenössischem Charakter statt.“
Marcel: „Auch beim Nachwuchs wird relativ viel gemacht. Am Freitag findet jeweils ein Emmentaler Verbandstraining statt. Innerhalb des Kantons wurde Mitte der letzten Saison ein Novizen-Kader gebildet. Die rund zehn besten Jungschwinger pro Jahrgang wurden dabei selektioniert.“


Beim Besuch wurde unter anderem der Hüfter trainiert

Erlebte euer Schwingklub dank den beiden Eidgenössischen Kränzen (Estavayer2016) von Damian Gehrig und Philipp Schenk sowie mit Matthias Aeschbacher (einem der besten Nichteidgenossen) vergangene Saison einen Aufschwung?
Damian:
„Ich sehe dabei zwei Aspekte. Einerseits findet jährlich im Herbst der Eidgenössische Schnuppertag statt. Wir haben das so organisiert, dass einer oder zwei von uns dreien jeweils dabei ist. Man darf schon behaupten, dass die Schnuppertage ein Erfolg sind. Denn es nehmen relativ viele Buben teil. Andererseits: Klubintern hatten wir vorher schon ein gutes Team. Klar, die beiden Eidgenössischen Kränze und die Erfolge haben uns Freude bereitet und wir sind dadurch noch motivierter.“
Marcel:Wir haben nach den beiden Eidgenössischen Kränzen tatsächlich bessere Resultate erzielt. Aber, ob das mit diesen Erfolgen zusammenhängt, ist nicht so einfach zu beantworten.“
Damian: „Den Grundstein dieser Erfolge wurde vor gut zehn Jahren gelegt. Es wäre falsch, dies auf die letzten zwei oder drei Jahre abzuwälzen. 2013 in Burgdorf erkämpften wir uns keinen Eidgenössischen Kranz. Sechs Schwinger von unserem Klub haben sich damals fürs ESAF qualifiziert, und alle bestritten acht Gänge. Es war wohl nicht der grosse Coup, wir jüngeren Schwinger konnten dort aber wertvolle Erfahrungen sammeln. Für Estavayer2016 wurden wieder sechs Schwinger (plus zwei Ersatzschwinger) selektioniert.“

Wie lief es den Sumiswalder Schwingern beim Unspunnen-Schwinget?
Damian: „Matthias Aeschbacher belegte den sehr guten Rang 4d. Patrick Schenk landete auf Rang 10, Roman Sommer auf dem 11. und Gustav Steffen auf dem 16. Schlussrang. Alle vier Teilnehmer konnten sechs Gänge bestreiten. Schade war, dass sich der fünffache Saisonkranzer Philipp Gehrig verletzte und nicht teilnehmen konnte.“
Ueli: „Neben Philipp verletzte sich auch Damian. Beide wären für Unspunnen qualifiziert gewesen, konnten aber leider wegen Verletzungen nicht antreten.“

Wann erfolgte der Trainingsstart für die neue Saison?
Ueli:
„Der Trainingsstart für die Saison 2018 erfolgte anfangs November.“

Sind alle Aktiven fit und gesund?
Damian:
„Leider nicht ganz. Philipp Gehrig ist zurzeit rekonvaleszent, und noch nicht im Schwingtraining. Weiter laboriert Philipp Röthlisberger an einer Fussverletzung.“

Auf was legt ihr im Wintertraining besonderen Wert?
Damian:
„Auf die neue Saison hin legen wir den Wert, rein physisch gesehen, auf die Beweglichkeit. Denn dort fiel uns Trainern ein Defizit auf. Da wir praktisch immer die gleiche Haltung einnehmen, sei es beim Schwingen oder im Kraftraum, ist dies von der Anatomie her nicht unbedingt ideal. Wir widmen uns nun vermehrt und intensiver entsprechenden Dehnübungen.“

Welche von euren jungen Schwingern dürften in Zukunft auf sich aufmerksam machen?
Damian:
„Unser Ziel ist es, auch in Zukunft ein breites Team zu haben. Weiter ist es unser Bestreben, dass möglichst viele Junge in die Nähe der Kranzränge gelangen. Namen möchte ich hier aber keine nennen.“
Marcel: „Dies ist immer schwierig zu sagen. Beispielsweise Matthias Aeschbacher: Als er neu zu den Aktiven kam, hätte damals fast niemand gedacht, dass dieser Athlet mal eine Wahnsinns-Granate werden könnte.“
Damian: „Für uns ist es wichtig, dass sie den Übergang von den Jungschwingern zu den Aktiven schaffen und dabeibleiben. Denn für diese Jungen ist das eine recht intensive Zeit mit Ausbildung, Training oder Ausgang. Wichtig ist auch, dass sie Freude am Schwingsport haben. Wenn uns das gelingt, wird einiges fast wie zum Selbstläufer.“
Ueli: „Wir haben schon seit längerem auf eine bestimmte Breite im Team hingearbeitet. Vom Klub her unterstützen wir dieses Vorgehen und schauen dabei nicht explizit auf einzelne Schwinger. Wenn es einer nach oben schafft, haben alle Freude daran. Das ist ein längerer Prozess und ich hoffe, dass er noch länger nicht abgeschlossen ist.“


Vor dem Training der Aktiven übten die Jungschwinger fleissig Schwünge

Wie betreibt ihr die Förderung der Jungschwinger?
Marcel: „Wie bereits erwähnt, haben wir die Jungschwinger-Schar in zwei Gruppen aufgeteilt. Bei den jüngeren erfolgt das Training vor allem auf spielerische Art. Ich schaue darauf, dass wir beim Training am Dienstag zu zweit, und bei demjenigen am Donnerstag mindestens zu dritt sind. Damit wir dem Nachwuchs möglichst viel weitergeben können. Dabei helfen auch die Aktiven mit. Im Dezember gehen wir mit dem Nachwuchs in die Turnhalle, um mit ihnen auch vielseitig trainieren zu können. Ab diesem Jahr werden wir zusammen mit den älteren Nachwuchsschwingern und den Aktiven am Samstag zusätzlich Trainingstage absolvieren.
Wichtig ist für uns auch der angesprochene Schnuppertag, bei welchem letztes Jahr 18 Buben teilnahmen. Von diesen kommen nun acht ins Training.“

Wie oft trainieren die Aktiven und die Jungschwinger?
Damian: „Jeder Aktive hat die Möglichkeit drei Klub-Trainings zu besuchen. Am Donnerstag ist Schwingtraining, am Freitag trainieren wir in der Turnhalle Kondition. Weiter bieten wir vom Klub aus ein Kraft- und Ausdauertraining an. Und am Dienstag findet zudem das erwähnte Verbandstraining der Emmentaler Schwinger statt. Die restlichen Trainings gestalten die Schwinger individuell, einige sind auch bei den Kantonalen Zusammenzügen dabei.“
Marcel: „Nebst dem Klubtraining und den angesprochenen Trainingstagen können die älteren Nachwuchsschwinger am Montag ein Konditionstraining besuchen.“

Damian Gehrig, du bist aktiver Schwinger. Seit wann bist du zusätzlich TK-Chef der Aktiven?
Damian:
„Im November 2015 habe ich dieses Amt von Marcel übernommen, welcher nun seither die Jungschwinger betreut.“

Was für eine persönliche Bilanz ziehst du über deine Arbeit seit deinem Amtsantritt?
Damian:
„Meine eigentliche Bilanz wird erst in fünf bis zehn Jahren zum Vorschein kommen. Das Amt ist eine spannende Aufgabe und bei so vielen Schwingern anspruchsvoll. Dabei gilt es, die unterschiedlichen Niveaus zu beachten und Trainings zu gestalten, welche alle fordern.“

Wie lauten die Ziele für 2018?
Marcel:
„Die Ziele sind gleich wie für 2017. Wir streben wieder 100 Zweige und fünf Festsiege an. Weiter gilt ein Fokus dem ENST 2018 in Landquart. Es wäre schön, wenn von uns vier oder fünf Jungschwinger teilnehmen könnten und Doppelzweige gewonnen würden.“
Damian: „Aus Sicht der Aktiven ist 2018 eine Zwischensaison. Ein Ziel ist, dass wir uns gut für die Saison 2019 mit dem ESAF in Zug vorbereiten können. Weiter hoffen wir diese Saison auf Neukranzer, was wir 2017 leider nicht erreichten.“

Welche Schwingfeste organisiert euer Schwingklub 2018?
Damian:
„Wir organisieren zwei Anlässe mit drei Wettkämpfen. Das eine ist der Buebeschwinget Schonegg im Mai. Weiter im Juni: Wenn der Gotthelf-Märit stattfindet, steht am Freitag der Abendschwinget und am Samstag der Jungschwingertag auf dem Programm.“

Wann und wo treten die Sumiswalder Schwinger 2018 zu den ersten Schwingfesten an?
Damian:
„Das erste Schwingfest wird der Hallenschwinget Kirchberg (10. Februar) sein. In den vergangenen Jahren waren immer um die fünf Schwinger von uns am Start. Weiter folgt am 24. Februar der Hallenschwinget Büren a. Aare, bei welchem bisher um zwei bis drei Schwinger von unserem Klub teilnahmen. Beim Hallenschwinget Oberdiessbach (11. März), dem ersten Schwingfest der Saison im Emmental, rücken jeweils mehr als zehn Schwinger von uns aus.“
Marcel: „Beim Jungschwingertag Büren a. Aare (24. Februar) werden wir teilnehmen. Weiter auch in Oberdiessbach, beim Hallen-Jungschwingertag (10. März) und am 18. März beim Hallen-Nachwuchsschwingertag Langenthal.“


Den Aktiven machte das Aufwärmtraining sichtlich Spass

Nach dem Interview begann der Eidgenosse Damian Gehrig das Training mit den 14 anwesenden Aktiven. Man sah deutlich, dass der Spass beim Training, in welches unter anderem spielerische Reaktionsübungen integriert wurden, nicht zu kurz kam. Der andere Eidgenosse, Patrick Schenk, und Matthias Aeschbacher waren beim Training nicht anwesend. Beide absolvierten zu diesem Zeitpunkt einen Spitzensport-WK in Magglingen BE.

Wie man beim Schwingtraining beobachten konnte, wird der Fokus momentan auf je einen Boden- und einen Standschwung gelegt. Beim Besuch wurde der „Münger Murks“ und der „Hüfter“ geübt. Wie mir Philipp Gehrig, wegen einem 2017 erlittenen Kreuzbandriss derzeit rekonvaleszent, erklärte, wird im Januar vor allem das Schulschwingen praktiziert. Philipp, welcher zurzeit noch kein Schwingtraining absolvieren darf, ergänzte: „Anfangs Februar starten die Schwinger mit wettkampfmässigem Schwingtraining.“

Zum Schluss bedanke ich mich bei Ueli, Damian, Marcel und den Sumiswalder Schwingern für ihre Gastfreundschaft! Für die weiteren Trainingswochen und die im Frühling beginnende Schwingfestsaison wünsche ich ihnen viel Erfolg und zahlreiche Kränze. Aber auch, dass sie verschont vor Verletzungen bleiben und ihre rekonvaleszenten Schwinger wieder in die Sägemehlringe zurückkehren können.

feldwaldwiesenblogger

Krafttraining im Schwingsport – Längst noch nicht ausgereift

Text und Fotos: Matthias Ludwig

Über mich
Mein Name ist Matthias Ludwig und ich arbeite als Leistungsphysiologe/Diagnostiker und Trainer im Ausdauer und Kraftbereich. Die Liebe zum Sport führte mich zur Ausbildung an die Deutsche Sporthochschule in Köln. Die einzige eigenständige Universität in Europa, die sich nur auf Sport konzentriert. Nachdem ich der Universität zunächst als Dozent erhalten blieb, führte mich mein Weg 2008 als Leistungsdiagnostiker in die Schweiz. So konnte ich früh mit den besten Sportlern aus verschiedenen Bereichen zusammenarbeiten und von den besten Trainern lernen. Parallel bin ich seit 2006 weltweit in der Trainerausbildung tätig und referiere über Trainingssteuerung, Kraft- und Ausdauertraining. Im Schwingsport arbeite ich seit 2011 als Kraft- und Athletiktrainer. Mittlerweile zertifiziert als Trainer im Olympischen Gewichtheben, gebe ich dieses Wissen seit 2011 an Schwinger aus mehreren Kantonen und verschiedenen Altersklassen weiter.

Stellenwert des Krafttrainings
Schwingen ist ein Techniksport. Doch die zweite Komponente, die Kraft, kommt bei allem Trainingsaufwand immer noch zu kurz. Mit Krafttraining meine ich Training mit hohen Gewichten, nicht das Training im Sägemehl. Das Krafttraining im Schwingsport wird mehr und mehr akzeptiert. Sätze wie „Ich hole mir die Kraft im Sägemehl“ hört man fast nicht mehr. Genauso selten ist, dass körperliche Arbeit als Ersatz geltend gemacht wird. Vor allem die junge Generation hat begriffen, welches Potenzial Krafttraining bietet und ist regelmässig im Kraftkeller zu finden. Die Spitzenschwinger der vergangenen Jahre haben hierfür extra Trainer engagiert, die sie für die Kranzfeste fit machen und Trainingsabläufe optimieren, beziehungsweise an Schwächen arbeiten. Für den Nachwuchs entsteht hier eine Wissenslücke: Die Trainer wissen zwar um die Wichtigkeit des Kraft- und Athletik-Trainings, das nötige Wissen fehlt allerdings häufig. Teils, weil sie selbst nie konsequent im Kraftbereich gearbeitet haben, teils auch, weil das Wissen in den letzten Jahren in diesem Bereich enorm erweitert wurde. Übungen aus dem klassischen Gewichtheben gehören ebenso zum Repertoire des modernen Trainings wie Übungen mit Kettlebells (Kugelhanteln) und Gleichgewichtsübungen. Dazu kommen einige Varianten um das Training variabel und abwechslungsreich zu gestalten, so dass der Körper sich auf die neuen Reize einstellen muss und der Geist nicht müde wird. Richtig geplant ist das Krafttraining auch trotz körperlicher Arbeit möglich.
Nun habe ich bei MYPersonalcoach.ch mittlerweile einige Schwinger in Betreuung, von unterschiedlichem Alter und unterschiedlicher Klasse. Alle haben auf Nachfrage beim ersten Kontakt angegeben, dass sie Krafttraining machen. Auf die Frage wie sie es machen und unter welchen Anweisungen, gaben sie an, dass der Trainer gesagt hat: „Mach Krafttraining“. Zufall? Vielleicht. Aber Schwinger aus verschiedenen Teilverbänden, die das gleiche berichten? Ein näherer Blick lohnt sich. Vor allem in Zeiten der höchsten Popularität und zunehmender Professionalisierung des Schwingsports.

Die Anforderungen
Neben der Technik ist Schwingen auf den ersten Blick vor allem eines: Eine Schnellkraftsportart. Da scheint es nur logisch zu sein, das Krafttraining ebenso auszurichten. Was ist aber mit der zeitlichen Komponente? Oder besser gesagt: Der Ermüdungsresistenz? Je länger ein Gang dauert, desto höher die anaerobe Komponente (Energiebereitstellung unter Laktatproduktion). Wer hier schlecht aufgestellt ist, wird aufgrund von Konzentrationsschwäche und Kraftverlust dem athletischeren Gegenüber unterlegen sein. Athletisch bedeutet nicht in erster Linie kräftig und schwer.
Kraft = Masse mal Beschleunigung. Setzt sich die Masse eines Schwingers nicht aus aktiver (beschleunigender) Muskulatur zusammen, sondern aus „Schwungmasse“, wird es schwierig. Das heisst: Bei aller Masse muss auch die nötige Kraft vorhanden sein, diese Masse zu beschleunigen. Das Verhältnis muss stimmen. Mit wenigen Ausnahmen sind die heutigen Spitzenschwinger Athleten. Alle über 100 Kilogramm und alle mit der nötigen Muskulatur ausgestattet, das Gewicht richtig einzusetzen. Nicht zu vergessen der funktionelle Anteil. Es bringt wenig, den Bizeps beispielsweise massiv auf zu trainieren, diese Kraft im Wettkampf aber nicht einsetzen zu können. Das bedeutet: Funktionell, also bewegungsangepasst trainieren.
Was ist aber mit einem ganzen Wettkampftag? Auch die aerobe Ausdauer (was zum Beispiel ein Triathlet braucht: Energie bereitstellen ohne zu übersäuern) spielt eine gewisse Rolle. Je besser die ist, desto besser ist die Regeneration zwischen zwei Gängen.

Wie trainieren meine Athleten?
Einige Kränze im letzten Jahr zeigen, dass nicht alles schlecht war was gemacht wurde. Ein neuer Athlet muss ein gewisses Assessment (Beurteilung) durchlaufen. Das heisst, es gibt ein bis drei Termine an denen wir uns persönlich sehen und wir Trainings zusammen absolvieren. Dabei technische Schwächen zu erkennen und zu beheben versuchen. Viel Gewicht zu bewegen bedeutet nicht automatisch ein hohes Verletzungsrisiko. Das besteht nur, wenn zum Beispiel bei der tiefen Kniebeuge die Kniestellung nicht stimmt. Oder anders gesagt: Die Technik schlecht ist. Danach definieren wir sogenannte Benchmarks (Vergleichsmassstäbe). Das sind Übungen und Abläufe, die sich in regelmässigen Abständen wiederfinden und die wir als Standortbestimmung nutzen. Das kann, je nach Athlet, bis zu zwei Wochen dauern, verteilt auf etwa sechs Tage. Der eigentliche Aufbau startet ab da. Dabei gibt es einen groben Rahmenplan, der die Saison in verschiedene Blöcke einteilt: Teile in denen der Kraftaufbau im Vordergrund steht, spezifische Schnellkraft, anaerobes Training und der Erhalt des Ganzen. Dies alles angepasst auf den Wettkampfkalender. Dabei zeigt sich, dass es mehr als „Mach Krafttraining“ ist. Viele Komponenten spielen zusammen und ergeben im Endeffekt das Gesamtresultat.

Am Anfang steht die Kraft
Die Maximalkraft ist nach der Technik ein zentraler Teil des Schwingsports. Ihr wird auch im Training ein grosser Teil der Zeit gewidmet, vorausgesetzt die technische Übungsausführung ist gut. Welche Muskelgruppen im Fokus stehen, ist wiederrum abhängig von der Ausgangslage des Sportlers. Oberschenkel – Vorder- und Rückseite, Rumpf, Arm und Schultergürtel. Das wird trainiert mit verschiedenen Übungen und Übungsmustern. Dann der zweite Teil der Schnellkraft: Die Fähigkeit Muskelfasern schnell anzusteuern. Das Ganze wird mit funktionellen Übungen kombiniert. Das bedeutet, Schnellkraft funktionell anzuwenden, wie es im Wettkampf auch passieren muss.
Mit MYPersonalcoach.ch habe ich ein Tool, das individuelles Training ermöglicht, ohne dass ich immer vor Ort sein muss. Das hat einen klaren zeitlichen und finanziellen Vorteil und erlaubt dabei jedem, ein spezifisches Training, das Stärken und Schwächen erkennt und ausgleichen kann.

Ermüdungsresistenz – anaerobe Ausdauer
Das sogenannte Laktat kennen die Meisten. Das Brennen in der Muskulatur, welches uns zwingt den Berg langsamer hoch zu laufen. Die Atmung ist beschleunigt und wenn wir das Tempo nicht weiter reduzieren, zwingt uns unser Körper stehen zu bleiben. Das kommt daher, dass wir schnell viel Energie verbraucht haben. Zuviel Kraft aufgewendet haben, um das über längere Zeit zu machen. Je länger der hohe Krafteinsatz, desto früher müssen wir aufhören. Der Eine kann das vielleicht 30 Sekunden, eine Minute oder länger. Und genau das kann den Unterschied in einem Wettkampf, der vielleicht sechs Minuten dauert, ausmachen. Das kann man trainieren. Ein Paradebeispiel sind 400-Meter- oder 800-Meter-Läufer: Das Startsignal kommt und dann geht es nur darum, das maximale Tempo möglichst lange aufrecht zu halten. Trotz der Schmerzen, die mit jedem Schritt grösser werden und es mit jedem Schritt schwerer wird, ein Bein vor das andere zu setzen. Beim Schwingen ist es ähnlich: Höchste Körperspannung von Anfang an. Dazu kommt eine enorme Anforderung an die Konzentration. Nur geht es hier nicht um eine Zeit. Es geht um gewinnen und verlieren. Ein Fehler oder eine Unkonzentriertheit kann dazu führen, dass du vom Gegner auf den Rücken gedreht wirst. Dieser entscheidende Augenblick kommt in jedem Kampf. Gewinnen wird der, der in diesem Moment noch das Quäntchen frischer ist. Wie gesagt: Das kann man trainieren. Und das sollte auch Teil eines jeden Trainings sein.

Welche Komponenten gehören noch dazu?
Ludwig Feuerbach prägte den Ausspruch „Du bist was du isst“. Mittlerweile ist dieses Zitat gut 150 Jahre alt und hat trotzdem immer noch seine Gültigkeit. Die Menge und die Qualität der zugeführten Nahrungsmittel haben auch einen massiven Einfluss auf die Leistungen im Training, und damit indirekt auch auf die Leistung im Wettkampf. Das Essverhalten am Wettkampftag beeinflusst die Leistung ebenfalls. Ausnahmen gibt es, und die bestätigen wie immer die Regel, beispielsweise Christian Stucki. Ich denke aber, dass der Schwingsport weiter an Professionalität zunehmen wird. Und je weiter Sportler an ihr Leistungslimit kommen, desto wichtiger wird es, dass Einflussfaktoren wie Ernährung, oder auch Mentaltraining, im Training berücksichtig und optimiert werden.

Wo liegt das Problem im Krafttraining?
Neben der oben beschriebenen Komplexität des Krafttrainings im Erwachsenenalter muss man sich doch vergegenwärtigen, dass die Grundlagen dafür schon in der Jugend gelegt werden. Das heisst, dass ein strukturierter Aufbau, der die Sportler an die komplexen Übungen beispielsweise des Gewichthebens heranführt, erfolgen sollte. Am Anfang steht die Technik. Das gilt für das Schwingen wie für das Krafttraining. Dabei muss dafür kein grosser Teil des Trainings geopfert werden. Basisübungen können zum Beispiel in das Aufwärmen integriert werden. Training mit hohen Gewichten bietet enorm viel Potenzial im Maximal- und Schnellkraftbereich. Und bietet natürlich auch ein hohes Verletzungsrisiko. Allerdings nur, wenn unsauber gearbeitet wird. Ergänzende Stabilisierungsübungen und Dehnung der beanspruchten Muskulatur muss ebenfalls seinen Platz finden. Es schadet also nicht, das eigene Training zu hinterfragen und neuem gegenüber offen zu sein.

feldwaldwiesenblogger

Nachgefragt bei Stephan Studinger, welcher überraschend im Schlussgang des Berchtold-Schwinget stand

Text: feldwaldwiesenblogger

Wie bereits schon letztes Jahr, als ich beispielsweise den Emmentaler Tobias Siegenthaler oder den Schwyzer Florian Hasler nach einem verlorenen Schlussgang zu Wort kommen liess, widme ich mich nach dem ersten Schwingfest der Saison erneut dem Schlussgang-Verlierer. Denn: Stephan Studinger erreichte beim Berchtold-Schwinget den Schlussgang mit einer starken Leistung, welche es ebenfalls verdient, erwähnt zu werden. Einen Tag nach dem erfolgreichen Schwingfest führte ich mit Stephan ein interessantes Gespräch am Telefon.


Stephan Studinger beim Berchtold-Schwinget 2018
Bild: Pascale Alpiger

Der 121. Berchtold-Schwinget
Am 2. Januar wird schon seit vielen Jahren mit diesem Klassiker die Schwingsaison eingeläutet. Sieger des traditionellen Berchtold-Schwinget in der Saalsporthalle Zürich-Wiedikon wurde wie schon im Vorjahr Armon Orlik. Der Bündner bezwang im Schlussgang in der dritten Minute Stephan Studinger mit einem herrlichen Kurz.
1680 Zuschauer fanden den Weg am Berchtoldstag, welcher in Zürich ein Feiertag ist, in die Saalsporthalle. Organisiert wird der Anlass vom Schwingklub Zürich. Ruedi Schweizer, seines Zeichens Klubpräsident, figurierte als OKP des ersten Schwingfestes des Jahres. Er und sein Team stellten eine erstklassige Infrastruktur bereit und waren auch besorgt für das leibliche und musikalische Wohl der Schwingerfreunde. In der Saalsporthalle war zudem ein kleiner aber feiner Gabentempel auszumachen.
In früheren Jahren soll die Besetzung jeweils absolut top gewesen sein. Wie mir Ruedi Schweizer vor einem Jahr erzählte, durfte sich das Teilnehmerfeld aber auch in den letzten Jahren absolut sehen lassen. So auch bei der Ausgabe 2018: Am Start waren sechs Eidgenossen (Armon Orlik, Michael Bless, Marcel Kuster, Roger Rychen, Sven Schurtenberger und Nick Alpiger), sowie etliche starke Kranzschwinger. Insgesamt traten 135 Schwinger an. Nebst den Nordostschweizern waren Gäste aus der Innerschweiz, dem Bernbiet und der Nordwestschweiz im Teilnehmerfeld auszumachen.

Stephan Studinger stand überraschend im Schlussgang
Stephan Studinger verlor im Schlussgang gegen einen souveränen Armon Orlik und fand sich schliesslich auf Rang 5a der Schlussrangliste. Der Sennenschwinger qualifizierte sich mit vier Siegen und einer Niederlage für den Schlussgang. Im fünften Gang bezwang Stephan den Bündner Roman Hochholdinger platt und ebnete sich so den Weg ins Finale. Der Übersprung- und Kurz-Spezialist stand etwas überraschend, aber nicht unverdient im finalen letzten Kampf. Das Meisterstück gelang dem Nordwestschweizer im zweiten Gang, in welchem ihm für den Sieg gegen den Eidgenossen Roger Rychen eine glatte Zehn geschrieben wurde.
Stephan’s Geburtsdatum ist der 6. Juli 1984. Der 33-Jährige wohnt in Däniken SO, ist verheiratet und Vater einer Tochter und eines Sohnes. Der gebürtige Solothurner bringt mit seiner Grösse (185 Zentimeter) und seinem Gewicht (115 Kilogramm) gute Voraussetzungen für den Schwingsport mit. Stephan ist gelernter Landwirt und arbeitet als Aussendienst-Verkaufsberater. Zu seinen Hobbys zählt er nebst dem Schwingen die Familie und die Landwirtschaft.
Stephan Studinger ist Mitglied beim Schwingklub Aarau und hat bisher 29 Kränze herausgeschwungen. In der letzten Saison konnte der Familienvater beim Schwyzer Kantonalen, Baselstädtischen und dem Weissenstein-Schwinget vor die Kranzdamen treten. Dank den drei Saisonkränzen wurde Stephan für den Unspunnen-Schwinget selektioniert. Als schwingerisches Vorbild benennt der zweifache Berg- und vierfache Teilverbands-Kranzer den Appenzeller Schwingerkönig Thomas Sutter.
Seit der GV 2016 ist der routinierte Schwinger zudem Technischer Leiter beim Schwingklub Aarau.


Stephan Studinger bereit für den nächsten Gang
Bild: Pascale Alpiger

Herzliche Gratulation zum Erreichen des Schlussganges! Was ging dir nach dem verlorenen Schlussgang durch den Kopf?
„Gute Frage, was soll ich sagen? Am Anfang dachte ich mir: Ich habe jetzt halt verloren, stand aber immerhin im Schlussgang. Später begann ich zu eruieren, wie ich ihn hätte packen können.“

Würdest du heute mit einer anderen Taktik den Schlussgang in Angriff nehmen?
Stephan lacht. „Die Taktik würde ich beibehalten. Die war: Angreifen oder kontern. Denn ein gestellter Gang hätte mir nichts genützt. Ich hätte schon eine Idee, wie ich ihn nehmen könnte. Dies verrate ich dir jetzt aber nicht.“

War für dich der Sieg gegen den Eidgenossen Roger Rychen der Schlüsselgang für den Weg in den Schlussgang?
„Ich würde sagen, der erste Gang gegen Marco Nägeli war für mich der Schlüsselgang. Denn grundsätzlich ist es bei mir der erste Gang, welcher ausschlaggebend ist und am meisten zählt. Der Sieg gegen Rychen war aber zweifellos auch wichtig und hat mich aufgebaut und motiviert.“

Was für ein Fazit ziehst du vom Berchtold-Schwinget?
„Ich ziehe eigentlich ein positives Fazit und bin überrascht, dass es so gut gelaufen ist. Es würde mich freuen, wenn es so weitergehen würde.“

Wie siehst du deine letztjährige Saisonbilanz?
„Ich bin soweit zufrieden, und erreichte fast bei allen Festen gute Resultate. Ich erschwang mir drei Kränze. Nebst dem Baselstädter den Bergkranz auf dem Weissenstein und mit dem Schwyzer Kantonalkranz auswärtiges Eichenlaub, welches man durchaus vorweisen darf. Es war aus meiner Sicht eine gute Saison, auch wenn ich den Aargauer Kranz leider verpasst habe.“


Stephan Studinger holte sich 2017 den Bergkranz auf dem Weissenstein
Bild: Stephan Studinger

Du hast deinen ersten Kranz 2003 beim Baselbieter Kantonalschwingfest in Sissach gewonnen. Welches war deine bisher erfolgreichste Saison?
„Die erfolgreichste Saison war für mich 2015, in welcher ich vier Kränze gewann und unfallfrei durch die Saison kam. Darunter war ein auswärtiger Kranz, nämlich derjenige vom Oberländischen in Boltigen BE.“

Letztes Jahr hast du mit deinem Bergkranz auf dem Weissenstein bereits auf dich aufmerksam gemacht. Und am Berchtold-Schwinget nun mit der Qualifikation für den Schlussgang. Erlebst du mit deinen 33 Jahren einen zweiten „Schwinger-Frühling“?
„Das kann man so nicht unbedingt sagen, es ist kein zweiter Frühling. Ein Stück weit schreibe ich es der Routine zu, die immer grösser wird. Ich sehe es als stetiger Aufwärtstrend. Zudem ist es schön für mich, dass es immer besser läuft und gibt mir eine bestimmte Gelassenheit. Ich wiederhole mich zwar, aber es wäre wirklich schön, wenn es so weiter gehen würde.“

Der bestens bekannte Matthäus Huber ist der Präsident vom Schwingklub Aarau, welchem du angehörst. Inwieweit hast du von diesem ehemaligen Spitzenschwinger profitiert?
„Matthäus Huber hat uns immer an die Schwingfeste mitgenommen, unterstützt und bestens betreut. Er war längere Zeit unser Technischer Leiter.“

Du bist bereits jetzt schon gut „drauf“. Woran wirst du bis zum eigentlichen Saisonstart noch arbeiten?
„An der Kondition werde ich vor allem noch arbeiten. Weiter möchte ich meine Schwünge, welche ich bereits beherrsche, noch perfektionieren. Zurzeit trainiere ich pro Woche zweimal im Schwingkeller und am Sonntag trainiere ich mit meinen Klubkameraden Kondition, Koordination und Reaktion.“

Welches werden deine nächsten Schwingfeste sein?
„Vermutlich sind das die Frühjahrsschwingfeste in Oberarth SZ und in Brunegg AG sowie der Guggibad-Schwinget in Buttwil AG.“

feldwaldwiesenblogger