Vier von fünf Kantonalschwingfeste in der Innerschweiz werden auf 2022 verschoben

Text: Guido Bucher (Medienchef ISV) / Bearbeitung: feldwaldwiesenblogger

Die Corona-Pandemie hat uns weiterhin fest im Griff. Vor einem Jahr wurden alle Kantonalschwingfeste in der Innerschweiz, und später auch die Verbandsfeste sowie Bergfeste auf 2021 verschoben. Ein Jahr später stehen nun die Verantwortliche der Schwingfeste, nämlich die Organisationskomitees (OK’s), die Kantonalverbände und auch der Innerschweizerische Schwingerverband (ISV) praktisch vor der gleichen Situation wie vor Jahresfrist. Derzeit dürfen nur die Schwinger mit Jahrgang 2001 und jünger im Sägemehl trainieren und Wettkämpfe durchführen. Offen ist noch, ab wann alle Schwinger wieder zusammengreifen dürfen. Für Wettkämpfe, insbesondere für Kranzfeste, brauchen die Schwinger, aber auch die Organisatoren eine gewisse Vorlaufzeit, um sich darauf vorbereiten zu können.


Auf solche Bilder wie hier am Urner Kantonalschwingfest 2019 in Bürglen muss man vorderhand noch warten
Bild: Tobias Meyer

Die OK-Präsidenten, die Kantonalpräsidenten und der ISV-Vorstand sind sich einig
Die OK-Präsidenten der fünf Kantonalschwingfeste (Zug, Schwyz, Ob- und Nidwalden, Uri und Luzern) haben sich in den letzten Wochen und Monaten mehrmals physisch, meistens aber digital zum Austausch und zu Absprachen getroffen. Ziel war eine vernünftige Lösung für alle Kantonalkranzfeste im Innerschweizer Verbandsgebiet. Einbezogen in die Entscheidungsfindung waren auch die jeweiligen Kantonalpräsidenten und der ISV-Vorstand. Aufgrund der aktuellen Lage in Bezug auf Covid-19 und im Sinne einer guten Vorbereitung aller Feste haben die Verantwortlichen einstimmig beschlossen, vier von fünf Kantonalschwingfeste um ein weiteres Jahr zu verschieben. Ob- und Nidwalden mit Austragungsort Giswil möchte das Kantonale noch im Spätsommer 2021 durchführen, da dem nachfolgenden OK (Austragungsort Kerns) die Festanlage im Jahr 2023 voraussichtlich nicht zur Verfügung steht. Im Jahr 2022 kommt es an folgenden Daten zu Kantonalschwingfesten:

01. Mai: Zuger Kantonales in Baar
08. Mai: Ob- und Nidwaldner Kantonales in Kerns
15. evtl. 21. Mai: Schwyzer Kantonales in Muotathal
22. Mai: Urner Kantonales in Erstfeld
29. Mai: Luzerner Kantonales in Rothenburg

Die OK’s und die Festorte bleiben grösstenteils die gleichen wie 2020 respektive 2021. Diese Entscheidung gibt den bestehenden Organisationskomitees und auch den Nachfolge-OK’s eine bessere Planungssicherheit. Zudem können Sponsorenvereinbarungen eingehalten werden.

Schwingen sobald als möglich
Ob und in welcher Form in diesem Jahr geschwungen wird, hängt einzig und allein davon ab, wann alle Schwinger wieder zum Training ins Sägemehl steigen dürfen. Sollten Wettkämpfe im Spätsommer oder Herbst (August/September) wieder möglich sein, dann könnten die Kantonalverbände in dieser Zeit beispielsweise am Datum eines Rangschwingfestes ein Kantonalschwingfest mit Kranzabgabe und mit der gleichen Anzahl Schwinger und dem gleichen Verteiler wie bei einem normalen Kantonalen durchführen. Ziel dieser Alternative ist, den Schwingern Startgelegenheiten unter guten Wettkampfbedingungen bereitzustellen und vor allem den jungen, aufstrebenden Schwingern die Möglichkeit des Kranzgewinnes zu geben. Damit sie nicht zwei Jahre auf ihren ersten Kranzgewinn warten müssen.
Falls diese Schwingfeste ohne Zuschauer über die Bühne gehen würden, ist eine Livestream-Übertragung vorgesehen.

ISV-Verbandsfeste und Bergfeste
Für das Innerschweizer Schwing- und Älplerfest (ISAF) vom 4. Juli in Ibach SZ und den Innerschweizer Nachwuchsschwingertag (INST) vom 27. Juni in Zug ist der definitive Entscheid noch nicht gefallen, ob diese tatsächlich durchgeführt werden können. Das gleiche gilt auch für die Bergfeste Stoos (Austragungsort Ibach SZ), Rigi und Brünig. Hier wird zu einem späteren Zeitpunkt kommuniziert.

Grosse Herausforderungen
Die verschiedenen OK’s, die Verantwortlichen des ISV, alle Schwinger, die Helferinnen und Helfer, die Sponsoren, Gabenspender und die Schwingerfreunde sind vor grosse Herausforderungen gestellt. Diese verlangen von allen grosse Flexibilität und viel Verständnis. Es ist unser aller Ziel, dass der Schwingsport bald wieder ausgeführt werden kann und dass sich auch bald wieder Zuschauer an Zweikämpfen im Sägemehl erfreuen können.

feldwaldwiesenblogger

Wie geht es nun weiter mit dem Schwingsport? Gespräch mit ESV-Obmann Markus Lauener

Text: feldwaldwiesenblogger

Der Bundesrat hat am vergangenen Mittwoch den Fahrplan für die Öffnung aus dem Corona-Lockdown bekanntgegeben. So treten verschiedene Lockerungen am kommenden Montag, 1. März in Kraft. Schwingen ist ab dann nicht mehr nur für Jugendliche bis 16 Jahre möglich, sondern auch für junge Erwachsene bis 20 Jahre (Jahrgang 2001 und jünger). «Ein Licht am Ende des Tunnels!» beschrieb Markus Lauener, der Obmann des Eidgenössischen Schwingerverbandes (ESV) gestern die Situation in der Schwingerzeitung SCHLUSSGANG. Wettkämpfe für den Nachwuchs sind zudem ab dem 1. März wieder erlaubt. Wie der SCHLUSSGANG weiter schreibt, ist Bewegung in die Schwingerschweiz gekommen. So wird geprüft, Jungschwingertage durchzuführen und diese mit einer Startgelegenheit für die jungen Aktiven zu ergänzen. Die älteren Aktivschwinger müssen leider noch warten.

Wann dürfen aber die älteren Aktiven wieder trainieren? Ab wann könnten auch für diese wieder Schwingfeste möglich sein? Was sollen die Organisatoren von den Mai-Kranzfesten und der Bergkranzfeste planen? Darf man 2021 mit einem Live-Stream von allen Kranzschwingfesten rechnen? Und: Verhält sich der ESV und die Teilverbände mutlos gegenüber der Politik? Diese und andere Fragen möchte ich heute bei einem Gespräch mit Markus Lauener, dem Obmann des Eidgenössischen Schwingerverbandes, klären.


ESV-Obmann Markus Lauener wird derzeit mit verschiedensten Fragen zur Corona-Pandemie konfrontiert
Bild: esv.ch

Die Bundesratsbeschlüsse vom Mittwoch enthielten auch Positives für den Schwingsport: So dürfen neu alle Schwinger mit Jahrgang 2001 und jünger wieder im Sägemehl trainieren und an Wettkämpfen antreten. Wann dürfen die älteren Aktivschwinger wieder schwingen?
«Das wissen wir nicht und können wir im Moment noch nicht sagen. Aus der Perspektive der Lockerungen gibt es Anzeichen, dass dies spätestens am 1. Mai der Fall sein könnte. Bis dann sollte das Ausüben des Breitensportes inklusive der Kampfsportarten wieder möglich sein. Aber: Alles was früher ist, wäre natürlich gut.»

Ab dem 1. März sind prinzipiell Schwingfeste für die oben erwähnten Jungschwinger und jungen Aktiven wieder möglich. Wann dürfte dies für die älteren Aktiven wieder der Fall sein?
«Theoretisch ab dem 1. Mai. Wenn dann das Schwingtraining erlaubt ist, wird das auch für die Wettkämpfe gelten. Mit dem Aktivenrat wurde eine Vorlaufzeit von vier Wochen vereinbart. Unter Umständen könnten ab anfangs Mai Klubschwingfeste stattfinden. Je nachdem wären Kranzschwingfeste demnach ab Juni möglich. Denn die Aktiven brauchen rund einen Monat Zeit, um sich auf die Ernstkämpfe vorzubereiten.»

Was rätst du den Organisatoren von den Kranzschwingfesten, welche im Monat Mai terminiert sind? Verschieben oder noch abwarten?
«Die Organisatoren sollen sich selber eine Deadline setzen und solange wie möglich zuwarten. Realistisch gesehen wird die Durchführung der Mai-Kranzfeste aber eher schwierig werden. Das Ganze hängt davon ab, ab wann die Aktiven wieder ins Sägemehl zurückkehren können. Sollte dies der Bundesrat ab dem 1. April erlauben, dann können Kranzfeste auch im Monat Mai stattfinden.»

Da höchst wahrscheinlich vorerst entweder keine oder nur eine beschränkte Anzahl Zuschauer erlaubt sein werden: Denkt man daran, dass von allen Kranzfesten ein Live-Stream erhältlich sein wird? Allenfalls gegen Bezahlung?
«Wie bereits geplant, überträgt das Schweizer Fernsehen (SRF) alle Bergkranz- und Teilverbandsfeste. Die Firma Upstream Media AG ist daran, eine einheitliche Lösung zu finden, damit sie von sämtlichen Kantonal- und Gauverbands-Schwingfesten Bildmaterial liefern können. Upstream Media AG hat in der Vergangenheit auch schon Live-Streams von einigen Kranzfesten übertragen. Diese Übertragungen waren für die Schwingerfreunde kostenlos. Wir gehen davon aus, dass das so auch in Zukunft sein wird. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn Zuschauer, wenn auch nur in beschränkter Zahl, an Schwingfesten zugelassen sein werden.»

Der Stoos-Schwinget kann wegen den Platzverhältnissen nicht vor Ort stattfinden. Werden die übrigen Bergkranzfeste auch «zügeln» müssen?
«Das ist eine schwierige Frage. Der Entscheid liegt bei den einzelnen Organisations-Komitees (OK’s). Sie müssen aufgrund der Vorschriften, welche dann herrschen, entscheiden, ob sie am Standort festhalten oder wie der Stoos-Schwinget zügeln. Hinzu kommt: Die Voraussetzungen und die Platzverhältnisse sind auf dem Stoos und auf der Rigi nicht die gleichen, wie auf der Schwägalp oder am Schwarzsee.»

Sollen die Schwingfeste generell auf gemeinsamen Standorten ausgetragen werden, um Synergien betreffs der Schutzmassnahmen zu nützen?
«Das ist sicher ein Vorteil. So würde ein Schutzkonzept reichen, und hinsichtlich der Kosten gereicht dies sicher auch zum Vorteil. Die verschiedenen OK’s müssen für sich selber entscheiden, ob sie an einem Standort mehrere Schwingfeste austragen möchten. So könnten sie gemeinsam die gleiche Infrastruktur nutzen. Es ist aber auch verständlich, wenn die Organisatoren ihr Kranzfest an ihrem Ort organisieren möchten.»


Das Schwyzer Kantonale anno 2014 in Muotathal: Ob das diesjährige Schwyzer Kantonale am 9. Mai in Muotathal stattfinden kann, steht noch in den Sternen
Bild: radiocentral.ch

Was meinen das BASPO und Swiss Olympic: Reicht das vom ESV erarbeitete Schutzkonzept für die Schwingfeste?
«Das ist vom BASPO so genehmigt worden. Es ist schwierig, ein Grobkonzept für die ganze Schweiz zu erstellen, wie man jetzt beim Skiterrassen-Streit gesehen hat. Das Konzept muss zudem je nach den Auflagen des Kantons und der Gemeinden angepasst werden. Aber: Im Grossen und Ganzen ist unser Schutzkonzept eine gute Basis für die einzelnen Schwingfeste.»

Nach dem ESV-Bekenntnis zum Breitensport: Sind nun alle zufrieden?
«Es ist im Leben ganz allgemein schwierig, alle zufrieden zu stellen. Wir haben diesen Entscheid gemeinsam gefällt. Natürlich, gewisse Gruppierungen hätten die Öffnung begrüsst und möchten lieber heute als morgen wieder trainieren. Es ist uns klar, dass da verschiedene Interessen vorhanden sind. Wir vom Zentralvorstand schauen aber jeden Tag, dass möglichst bald wieder trainiert werden kann und alle zufrieden sind. Und: Das Schwingen ist als Ganzes so populär. Dazu gehören die Spitzenschwinger, die breite Basis und die Funktionäre.»

Gestern konnte man in einem Leserbrief folgendes lesen: «Bemerkenswert ist, wie mutlos ESV und Teilverbände sich gegenüber der Politik verhalten. Es wäre dringend angebracht, klar Stellung zum Schutz des Schwingens zu beziehen.» Wie entgegnest du dieser Kritik?
«Was heisst mutlos? Uns sind die Hände gebunden. Aber: Wir sind im ständigen Austausch mit dem BASPO und Swiss Olympic. Es gilt nun mal, dass der Breitensport und der Kampfsport momentan nicht erlaubt sind. Da können wir vom ESV die Trainings nicht einfach zulassen. Der Brief von Schwingerkönig Christian Stucki an die Sportministerin Viola Amherd konnte da auch nichts bewirken. Mit dem Status Leistungssport wären Trainings wieder möglich. Swiss Olympic erteilt uns aber nur für eine beschränkte Anzahl Schwinger die Erlaubnis. Das sind die Vorgaben des BAG’s und wir haben unsere Möglichkeiten ausgeschöpft. Der Spielraum ist da leider nicht sehr gross.»

Sollte wider Erwarten nochmals eine Corona-Welle das Schwingen zum Erliegen bringen: Würde man nochmals darüber nachdenken, den Schwingsport doch für einige Schwinger zu öffnen?
«Dieses Szenario besteht. Bevor gar nichts mehr geht, würden wir das nochmals prüfen. Träte dieser Fall ein, käme das nochmals auf den Tisch und wir würden nochmals darüber diskutieren. Das Konzept ist vorhanden. Das wäre dann quasi ein Notfallszenario: Gewisse Schwinger dürften trainieren, und könnten an gewissen Schwingertagen antreten.»

Ist die Corona-Impfung für den ESV auch ein Thema, und zwar in Bezug auf die Teilnahme an Schwingfesten: Ohne Impfung kein Start für die Athleten?
«Wir haben schon darüber diskutiert. Wenn das soweit käme, müsste man nochmals darüber sprechen. Es ist aber im Moment kein Thema.»

Was könnte eine Corona-Impfung dereinst für die Zuschauer bedeuten: Als Geimpfter hat man uneingeschränkt Zutritt? Als Ungeimpfter muss man Maske tragen?
«Das sind Sachen, die nicht wir bestimmen. Wenn das eintreten sollte, käme das von ganz oben herab, sprich vom Bund und vom BAG. Wenn solche Bestimmungen kämen, müssten wir uns damit befassen. Maske tragen an einem Schwingfest ist sicher vorstellbar. Aber ein Impfzwang oder eine Impfpflicht für die Zuschauer ist heikel.»

feldwaldwiesenblogger

Joel Strebel’s Bericht aus dem Corona-Alltag

Text: feldwaldwiesenblogger

Wie man unschwer erkennen kann, streife ich bei den Berichten aus dem Corona-Alltag durch alle fünf Teilverbände. Mittlerweile bin ich in der zweiten Runde, heute ist mit Joel Strebel ein Schwinger aus der Nordwestschweiz an der Reihe. Der Aargauer Eidgenosse lieferte 2019 mit sieben gewonnenen Kränzen eine Spitzensaison ab. Das begehrte Eichenlaub erkämpfte sich Joel am Aargauer Kantonalen, am Baselstädtischen Schwingertag, am Solothurner Kantonalen, auf der Rigi sowie auf dem Weissenstein, am Nordwestschweizer Schwingfest und als Krönung am ESAF in Zug. Das Tüpfelchen auf dem «i» war der erste Kranzfestsieg am Solothurner Kantonalen. Ich wurde damals schon auf Joel aufmerksam, galt er doch als einer der Aufsteiger der Saison. Sein bisher letztes Schwingfest war 2019 der Niklaus Schwinget in Dietikon. Letzte Saison konnte er wegen der Corona-Pandemie keinen Ernstkampf bestreiten.

Joel Strebel wird am 25. März 24-jährig und hat insgesamt 15 Kränze auf seinem Konto. Nebst dem Eidgenössischen Kranz zieren sein Palmarès 9 Kantonal/Gau-, 2 Berg- und 3 Teilverbandskränze. Hinzu kommen der bereits erwähnte Kranzfestsieg und 2 Siege an Rangschwingfesten. Der 192 Zentimeter grosse und 118 Kilogramm schwere Athlet ist Mitglied vom Schwingklub Freiamt. Der Sennenschwinger ist gelernter Landmaschinenmechaniker, arbeitet als Gartenbauer im familieneigenen Betrieb und wohnt in Aristau.


Joel Strebel gewann 2019 am ESAF in Zug den Eidgenössischen Kranz
Bild: August Köpfli

Wie geht es dir?
«Mir geht es gut, ich bin fit. Mir ginge es gleich noch besser, wenn dem so wäre, was ich heute im Radio mitgekriegt habe. Nämlich, dass wir vermutlich im April wieder im Sägemehl trainieren dürfen.»

Wie sieht dein Trainingsalltag derzeit aus?
«Ich absolviere zuhause zwei- bis dreimal pro Woche eine Krafttrainingseinheit. Dieses Training führe ich nach einem Plan von Tommy Herzog aus, bei welchem ich gewöhnlich meine Athletik trainiere.»

Momentan wäre die wichtigste Phase des Trainingsaufbaus im Sägemehl. Das ist nun vorerst nicht möglich. Wie kann man unter diesen Umständen eigentlich eine Saison planen?
«Gar nicht. Solange wir nicht wissen, wie es weitergeht, kann man nichts planen. Man hat auch keine Ahnung, ob und wie zum Beispiel die Kantonalen Schwingfeste stattfinden werden. Erst müssen wir ins Sägemehl zurückkehren können. Das ist, wie eingangs erwähnt, immer noch ungewiss.»

Kannst du deiner Arbeit wie gewohnt nachgehen?
«Ja, das konnte ich immer und ohne Einschränkung. Ich arbeite als Gartenbauer in unserem Familienbetrieb, dies in einem 90 Prozent Pensum.»

Wie erlebst du persönlich die Corona-Pandemie?
«Es ist eine schwierige Zeit. Auch auf dem Bau haben wir es nicht einfach. Bei der Znünipause beispielsweise standen wir bei minus acht Grad draussen in der Kälte und konnten uns nicht in einem Restaurant verpflegen.
Ein Vorteil war, dass ich bei meinem Job im letzten Sommer immer etwas zu tun hatte. Da keine Wettkämpfe und Schwingtrainings stattfanden, konnte ich ohne Stress länger arbeiten. Die schwingfestfreie Zeit tat dem Körper gut, und er war für einmal nicht den grossen Belastungen ausgesetzt. Trotzdem: Es ist an der Zeit, dass es endlich wieder losgeht.»


Joel Strebel als glücklicher Sieger vom Guggibadschwinget 2018
Bild: joelstrebel.ch

Wegen den fehlenden Aktivitäten im Sägemehl hast du wahrscheinlich mehr Freizeit als dir lieb ist. Welchen Beschäftigungen gehst du nun vermehrt nach?
«Ich kann mit meiner Freundin mehr Zeit verbringen. Leider kann man nicht in den Ausgang und auch andere Freizeitaktivitäten sind nicht möglich. Darum bleibe ich viel zu Hause und kann so andere Dinge erledigen.»

Angenommen, ihr dürft gegen Ende März wieder ins Kurzholz: Wann würdest du dein erstes Schwingfest bestreiten?
«Ich setze mir eine Vorlaufzeit von vier bis sechs Wochen. Dann schaue ich, wie ich mich fühle und plane an den Schwingfesten zu starten, die grad anstehen.»

Wie ist die Stimmung unter deinen Trainingskameraden?
«Nicht so gut. Die Kontakte untereinander sind rar geworden. Ich habe zwischendurch Kontakt mit meinen gleichaltrigen Trainingskameraden wie den Döbeli-Brüdern. Von den ganz jungen Schwingern habe ich schon länger nichts mehr gehört. Innerhalb unseres Teilverbandes ist der Kontakt auch auf Sparflamme, die gemeinsamen Trainings sind bis auf weiteres abgesagt.»

Gibt es auch etwas Positives, was du aus dieser Pandemie mitnehmen kannst?
«Wie bereits erwähnt, ist es die zusätzliche Zeit für meine Freundin und anderen Beschäftigungen. Es fühlt sich an, wie wenn die Karriere vorbei wäre. Man hatte plötzlich Zeit für andere Dinge und es wurde mir bewusst, dass es nicht nur das Schwingen gibt.»

Ist eine Corona-Impfung für euch Schwinger eine Option?
«Momentan sicher nicht. Für mich ging das ganze Prozedere der Impfstoffherstellung etwas gar schnell. Es kommt nun darauf an, ob wir nur geimpft an einem Schwingfest antreten können. Dann würde ich mich schon impfen lassen. Aber: Ich bin jung und gesund, darum ist eine Corona-Impfung für mich keine Option.»

feldwaldwiesenblogger

Joel Wicki’s Bericht aus dem Corona-Alltag

Text: feldwaldwiesenblogger

Joel Wicki feierte 2019 am ESAF in Zug seinen bisher grössten Triumph. Der Luzerner begeisterte mit seiner explosiven und offensiven Schwingweise das Publikum, und wies am Schluss ein Hammer Notenblatt auf. Der Schlussgang gegen Christian Stucki ging leider verloren. Den Titel eines Erstgekrönten konnte der sympathische und naturnahe Sörenberger trotzdem absolut verdient entgegennehmen. Die tolle Saison krönte Joel mit dem Sieg in der SCHLUSSGANG-Wertung, der offiziellen Jahrespunkteliste des Eidgenössischen Schwingerverbandes, und konnte sich als Schwinger des Jahres feiern lassen. Im vergangenen Jahr konnte Joel wegen der Corona-Pandemie an keinem einzigen Schwingfest teilnehmen.

Der Erstgekrönte von Zug wird am 20. Februar 24-jährig. Joel hat insgesamt 44 Kränze auf seinem Konto, nebst dem Eidgenössischen Kranz zieren sein Palmarès 20 Kantonal/Gau-, 14 Berg- und 9 Teilverbandskränze. Dazu kommen 11 Kranzfestsiege. Der 183 Zentimeter grosse und 110 Kilogramm schwere Athlet ist Mitglied vom Entlebucher Schwingerverband. Der Sennenschwinger ist gelernter Baumaschinenmechaniker EFZ, absolviert zurzeit eine Zweitausbildung zum Landwirt und wohnt in Sörenberg.


Joel Wicki macht sich wegen der momentanen Situation Sorgen um den Schwingsport
Bild: joelwicki.ch

Wie geht es dir?
«Mir geht es gut. Aktuell bin ich gerade im Spitzensport-WK in Magglingen. Ansonsten arbeite ich in einer Firma als Baumaschinist und mache zurzeit eine Zweitausbildung zum Landwirt. Das ist ein guter Ausgleich zum Alltag. Die Stallarbeit und das Füttern der Tiere machen mir grosse Freude.»

Wie sieht dein Trainingsalltag derzeit aus?
«Mein Trainingsalltag ist derzeit sehr monoton. Seit September vergangenen Jahres war ich nicht mehr im Sägemehl. Krafttraining im Privatbereich ist momentan das Einzige, was erlaubt ist. Die Kameradschaft fehlt mir schon.»

Momentan wäre die wichtigste Phase des Trainingsaufbaus im Sägemehl. Das ist nun vorerst nicht möglich. Wie kann man unter diesen Umständen eigentlich eine Saison planen?
«Man kann keine Saison planen. Nach einem Jahr Pause kann man nicht einfach wieder in den Ring steigen. Das geht nicht einfach so. Wir brauchen sicherlich vier Wochen – Mann gegen Mann – im Schwingkeller. Wenn es wieder losgehen sollte, muss man den ganzen Grundaufbau wieder machen. Ich habe schon Sorge um den Schwingsport. Man fragt sich manchmal, weshalb man überhaupt trainiert.»

Kannst du deiner Arbeit wie gewohnt nachgehen?
«Meiner Arbeit als Baumaschinenmechaniker kann ich mehr oder weniger normal nachgehen. Schwingen ist in einer normalen Saison auch ein Teil meiner Tätigkeit. Das Schwingen fiel letztes Jahr ganz weg. Das ist natürlich nicht gut. Meine freie Zeit nutze ich für die Ausbildung zum Landwirt.»

Wie erlebst du persönlich die Corona-Pandemie?
«Als Schwinger fehlt mir natürlich die Kameradschaft im Schwingkeller. Ich mag mich nicht gross beklagen, aber es ist keine einfache Situation. Man wünscht sich, dass die Normalität bald wieder zurückkehrt und ich wieder schwingen kann.»


Joel Wicki konnte sich 2019 am ESAF in Zug als Erstgekrönten feiern lassen
Bild: Tobias Meyer

Wegen den fehlenden Aktivitäten im Sägemehl hast du wahrscheinlich mehr Freizeit als dir lieb ist. Welchen Beschäftigungen gehst du nun vermehrt nach?
«Ich stehe vermehrt im Stall. Weiter verbringe ich viel Zeit mit Krafttraining im privaten Bereich und mit Training in der Natur. Ich bin froh, dass ich den sogenannten «Schwinger-WK» besuchen darf.»

Angenommen, ihr dürft gegen Ende März wieder ins Kurzholz: Wann würdest du dein erstes Schwingfest bestreiten?
«Das lässt sich so nicht sagen. Das Training im Schwingkeller ist das eine, aber wann wieder Schwingfeste mit Zuschauern stattfinden dürfen, ist das andere. Momentan lassen sich keine Prognosen machen. Die Vorbereitungszeit im «Keller» dauert mindestens vier Wochen.»

Wie ist die Stimmung unter deinen Trainingskameraden?
«Die Stimmung ist verständlicherweise nicht besonders gut. Wir machen uns alle Sorgen um den Schwingsport. Die ganze letzte Saison ist ausgefallen. Das ist für uns Schwinger und den Sport ein grosser Verlust – sowohl sportlich als auch finanziell. Nun droht eine weitere Saison einfach so auszufallen. Als Sportler haben wir eine begrenzte Zeit, in der wir unseren Sport ausüben können. Zwei Jahre unserer kurzen Karriere drohen wegzufallen. Wer mag da noch trainieren, wenn keine Schwingfeste stattfinden. Auch um den Nachwuchs mache ich mir Sorgen. Es tut weh, wenn wir talentierte Junge an andere Sportarten verlieren.»

Gibt es auch etwas Positives, was du aus dieser Pandemie mitnehmen kannst?
«Meine Ausbildung zum Landwirt ist positiv für mich. Ich hoffe, dass ich vielleicht eines Tages einen Hof erwerben kann, so dass mein Herz ganz ausgefüllt ist.»

Ist eine Corona-Impfung für euch Schwinger eine Option?
«Dies muss jeder für sich selbst entscheiden. Momentan gibt es diese Option gar nicht, weil der Impfstoff knapp ist und nur den Risikogruppen zur Verfügung steht. Selbst wenn ich wollte, kann ich mich zurzeit nicht impfen lassen.»

feldwaldwiesenblogger

Die stufenweise Öffnung ist vom Tisch – Nachgefragt bei Stefan Strebel

Text: feldwaldwiesenblogger

Das von Stefan Strebel (TK-Chef des Eidgenössischen Schwingerverbandes) erarbeitete Stufenkonzept einer teilweisen Öffnung des Schwingsports kommt nun nicht zum Tragen. Das Schwingen bleibt ein Breitensport und behält seinen Amateurstatus. Das Credo «Entweder dürfen alle oder niemand» setzte sich durch. Viel konnte man in den letzten Tagen darüber lesen. Von Knatsch um den Profi-Status, Zoff in der Schwinger-Familie, einer drohenden Zweiklassengesellschaft und dass das für die Zukunft des Schwingsports sehr schädlich gewesen wäre. Wie der «Blick» schreibt, haben Strebels Kollegen vom ESV-Zentralvorstand das Vorhaben ultimativ «getötet». Das klingt eindeutig nach Übertreibung.

Es entstand der Eindruck, dass man den TK-Chef erst gewähren liess. Er durfte mit Swiss Olympic und dem Bundesamt für Sport (BASPO) verhandeln. Vorgesehen war, dass 296 Schwingern (Eidgenossen, Berg- und Teilverbandskranzer und Ü23-Schwinger) sowie 300 jungen Aktiven (16- bis 18-jährig) den Spitzensportler-Status verliehen worden wäre. Das BASPO wollte in einem ersten Öffnungsschritt aber maximal 120 Schwingern die Erlaubnis für Trainings und Wettkämpfe erteilen. Strebel wäre mit dem einverstanden gewesen. Aber nun unterband der Zentralvorstand das ganze Unterfangen. Der ESV veröffentlichte dazu eine Stellungnahme, in dieser steht unter anderem: «Nach intensiven und sehr konstruktiven Gesprächen mit dem BASPO und Swiss Olympic konnten wir leider keine definitive Lösung ausarbeiten, welche sowohl den Vorgaben vom Bund wie auch den Grundsätzen vom Eidgenössischen Schwingerverband entsprochen haben.»

Es scheint, dass die Verbandsoberen sich der Grundsätze des ESV bewusstwurden. Oder anders formuliert: Die Basis meldete massive Bedenken und den Traditionalisten war das Ganze einfach zu viel. Eine grosse Diskussion entbrannte. Man versuchte auszuloten, wie weit man mit so einem «Notfallplan» wegen der Corona-Pandemie gehen kann. Die Geschichte kam an die Öffentlichkeit und ein Sturm der Entrüstung ging durch die Schwingerwelt. Die Teilverbände waren mehrheitlich gegen das Stufenkonzept. Der ESV-Zentralvorstand (ZV) zog darum die Notbremse, die stufenweise Öffnung ist vom Tisch. Zeit nun, bei Stefan Strebel nachzufragen und ihm die Möglichkeit zu geben, zu gewissen offenen Fragen Stellung zu nehmen. Auch den Puls zu fühlen, ob die dargestellte Dramatik wirklich so gross war.


Stefan Strebel betont: Der Schwingsport distanziert sich ganz klar vom Profisport
Bild: esv.ch

Wie gross ist die Enttäuschung über das unterbundene Stufenkonzept?
«Eigentlich gar nicht. Ich bin nicht enttäuscht und mir geht es gut. Schlussendlich haben wir das im Zentralvorstand gemeinsam so entschieden: Entweder alle oder niemand. Ich versuchte alles auszureizen, damit wir hätten schwingen können. Ich wäre enttäuscht, wenn ich das Konzept nicht geschrieben hätte.»

Gab es deswegen tatsächlich «Knatsch» mit den Zentralvorstands-Kollegen?
«Nein. Wir haben die Thematik intensiv ausdiskutiert. Bei Entscheidungen wird das Kollegialitätsprinzip eingehalten, auch von mir. Wir haben es sehr gut miteinander. Wir haben keinen Knatsch, überhaupt nicht, in keiner Form.»

Wie gross war die Dramatik rund um diese Geschichte?
«Es gab auf beiden Seiten Emotionen. Die Kommunikation lief über den Zentralvorstand, die technische Kommission und über den Aktivenrat. Es war tatsächlich ein brennendes Thema und hätte vorübergehend zu einer Zweiklassengesellschaft geführt. Der Plan war, stufenweise zu öffnen, bis irgendwann alle wieder hätten schwingen können.»

Was sah dieses Stufenkonzept eigentlich vor?
«Das Stufenkonzept sah ursprünglich vor, dass 296 Aktive (alle Eidgenossen, Berg- und Teilverbandskranzer sowie die U23-Schwinger) und 300 U16-, U17- und U18-Schwinger hätten beginnen können. Es liefen dazu verschiedene Sitzungen in den Teilverbänden. Das BASPO teilte uns schliesslich mit, dass höchstens 80 bis maximal 120 Schwinger einsteigen dürften. Am Dienstagabend letzter Woche hatten wir eine ZV-Sitzung und wir erörterten das Ganze nochmals. Wir spürten zudem von der Basis, dass diese für keine stufenweise Öffnung war. Sie gaben uns zu verstehen: «Entweder alle oder niemand». Dies führte schliesslich dazu, dass wir uns am Mittwochnachmittag gegen das Stufenkonzept entschieden. Ich bin nun beruhigt und kann mit diesem Entscheid sehr gut leben.»


Die Schwinger wie Pirmin Reichmuth (oben) und Nick Alpiger müssen sich bis zur Rückkehr ins Sägemehl noch etwas gedulden
Bild: pirminreichmuth.ch

Wer hat dieses Stufenkonzept erarbeitet?
«Das waren Matthias Glarner, Rolf Gasser und ich. Ich habe das Ganze geleitet.»

War anfänglich eine Zustimmung zum Stufenkonzept vorhanden?
«Der Zentralvorstand hat uns dazu das Okay erteilt. Wir sahen mit der stufenweisen Öffnung eine letzte Möglichkeit, dass sobald wie möglich wieder hätte geschwungen werden können. Wir besprachen das Konzept mit dem BASPO und Swiss Olympic. Denn: Alle Sportarten versuchen nun den Einstieg mit einer stufenweisen Öffnung. Wir wurden deswegen immer wieder mit anderen Sportarten verglichen. Es gab viele Gespräche, welche Matthias Glarner mit den verschiedenen Kommissionen führte. Dabei wurden die verschiedenen Konzepte abgeglichen. Die erwähnten Gespräche fanden bis letzten Mittwoch statt.»

Woran ist das Ganze schliesslich gescheitert?
«Gescheitert ist es einerseits an der Tatsache, dass der ESV aufgrund der Gespräche mit den Teilverbänden nun entschied: Entweder alle oder niemand kehrt ins Sägemehl zurück. Zu diesem Entscheid stehe ich voll und ganz. Weiter kam erschwerend hinzu, dass vorerst nur 80 bis maximal 120 Schwinger hätten beginnen dürfen.»

Wie weiter nun?
«Wir können momentan nur abwarten. Es gibt vorderhand keine Anzeichen, wann eine Öffnung für den Breitensport möglich ist. Ich will hier nochmals betonen: Ich bin nicht dafür, dass das Schwingen zum Profisport wird. Das wurde in einigen Medien völlig falsch dargestellt. Für mich ist der Schwingsport Breiten- und zugleich Spitzensport. Der Schwingsport distanziert sich ganz klar vom Profisport. Ich finde die nun getroffene Entscheidung absolut richtig: Entweder schwingen alle oder niemand.»

feldwaldwiesenblogger

Kilian Wenger’s Bericht aus dem Corona-Alltag

Text: feldwaldwiesenblogger

Kilian Wenger wurde 2010 am «Eidgenössischen» in Frauenfeld als erst 20-Jähriger zum Schwingerkönig gekrönt. Er löste damit einen regelrechten Boom aus, und das Schwingen ist derzeit so populär wie nie zuvor. Zum Schwingsport kam der Berner Oberländer mit neun Jahren. Er hatte die Wahl zwischen dem Schwingen und dem Skisport. Kilian entschied sich fürs Erstere und hat es bis heute nicht bereut. Als er Schwingerkönig wurde, steckte Kilian gerade in der Zweit-Ausbildung zum Zimmermann. Sein Leben wurde nach diesem Triumph regelrecht auf den Kopf gestellt. Der sympathische Schwinger blieb aber stets bodenständig, fair und bescheiden. «Mit dem wachsenden Rummel um meine Person wuchs ich auch als Mensch. Ich wurde reifer und mental stärker», schreibt Kilian auf seiner Homepage. Weiter erwähnt er, dass für ihn die anderen Siege und Kranzgewinne nicht weniger bedeutsam sind.

Der Berner Oberländer wird im kommenden Mai 31 Jahre jung und ist mittlerweile vierfacher Eidgenosse. Kilian hat insgesamt stattliche 89 Kränze auf seinem Konto, nebst den vier Eidgenössischen Kränzen zieren sein Palmarès 48 Kantonal/Gau-, 24 Berg- und 13 Teilverbandskränze. Hinzu kommen 21 Kranzfestsiege. Der 190 Zentimeter grosse und 107 Kilogramm schwere Athlet ist Mitglied vom Schwingklub Niedersimmental. Der Sennenschwinger ist gelernter Metzger und Zimmermann, arbeitet derzeit als LKW-Fahrer und wohnt in Horboden im Diemtigtal.


Kilian Wenger sicherte sich 2019 am ESAF in Zug seinen vierten Eidgenössichen Kranz
Bild: kilianwenger.ch

Wie geht es dir?
«Ich kann mich nicht beklagen, es geht mir sehr gut.»

Wie sieht dein Trainingsalltag derzeit aus?
«Ich bin von Januar bis März in Etappen von insgesamt sechs Wochen im Spitzensport-WK in Magglingen. Dort wird jeweils täglich zweimal im Kraftraum trainiert. Das Training ist sehr flexibel und ist wegen dem fehlenden Schwingtraining nicht so eintönig, wie ich mir das erst gedacht habe. Zuhause bin ich in der glücklichen Lage, dass ich Mitinhaber eines Fitnesscenters bin. So kann ich quasi in meinem eigenen Kraftraum trainieren. Im Moment absolviere ich vier bis fünf Trainingseinheiten pro Woche.»

Momentan wäre die wichtigste Phase des Trainingsaufbaus im Sägemehl. Das ist nun vorerst nicht möglich. Wie kann man unter diesen Umständen eigentlich eine Saison planen?
«Aus meiner Sicht gar nicht. Es ist im Moment sehr schwierig, man weiss nicht, wann wieder im Sägemehl trainiert werden darf. Ob und wie die Schwingfeste stattfinden? Mit Zuschauern oder ohne? Das sind sehr viele offene Fragen und die Antworten stehen in den Sternen.»

Kannst du deiner Arbeit wie gewohnt nachgehen?
«Ja, das kann ich zum Glück und konnte es bisher immer ohne Einschränkungen tun. Ich arbeite in einem 40 bis 50 Prozent Pensum und führe als LKW-Fahrer Holztransporte aus. Ein Tag in der Woche ist Papa-Tag, dann widme ich mich voll und ganz meiner Tochter Mena Léanne.»

Wie erlebst du persönlich die Corona-Pandemie?
«Es ist wie es ist. Mittlerweile ist es etwas mühsam geworden. Man gibt trotzdem sein Möglichstes, hält sich an die Massnahmen und macht das Beste aus der Situation. Aus schwingerischer Sicht versuche ich mich stets zu motivieren. Es ist zudem Licht am Ende des Tunnels zu sehen, denn ab Mitte/Ende März dürfen wir vermutliche mit ersten Lockerungen rechnen.»


Mit erst 20 Jahren feierte Kilian Wenger seinen bisher grössten Triumph, und konnte sich 2010 in Frauenfeld zum Schwingerkönig krönen lassen
Bild: kilianwenger.ch

Wegen den fehlenden Aktivitäten im Sägemehl hast du wahrscheinlich mehr Freizeit als dir lieb ist. Welchen Beschäftigungen gehst du nun vermehrt nach?
«Es ist trotz allem einiges los. Ich habe ein grösseres Haus gekauft, bei welchem ich nun einen grösseren Umbau plane und umsetzen möchte. Weiter bin ich im Gaben-Komitee des diesjährigen Berner Oberländischen Schwingfestes in Oey-Diemtigen, in meiner näheren Heimat. In der schwingfreien Zeit habe ich die zusätzliche Freizeit zusammen mit meiner Familie genossen.»

Angenommen, ihr dürft gegen Ende März wieder ins Kurzholz: Wann würdest du dein erstes Schwingfest bestreiten?
«Ich denke, das dürfte so um Mitte Mai rum sein. Ich werde mir eine Vorlaufzeit von sechs Wochen einbauen. Je nach Gespür und Gefühl werde ich eher noch eine Woche zuwarten und dann das erste Schwingfest bestreiten, was grad möglich ist.»

Wie ist die Stimmung unter deinen Trainingskameraden?
«Ich stelle fest, dass die Stimmung unter meinen Kameraden je länger je mehr nach unten neigt. Kein Wunder, hat man doch derzeit keine Perspektive. Man weiss nicht, ob und in welchem Rahmen die Schwingfestsaison zur Austragung kommen wird.»

Gibt es auch etwas Positives, was du aus dieser Pandemie mitnehmen kannst?
«Wie bereits erwähnt, konnte ich die gewonnene Freizeit mit meiner Familie verbringen. Diese Zeit wäre unter normalen Umständen sicher nicht so gross ausgefallen.»

Ist eine Corona-Impfung für euch Schwinger eine Option?
«Wenn es heissen sollte: Wenn ihr schwingen wollt, müsst ihr geimpft sein, dann würde ich das natürlich schon machen. Freiwillig lasse ich mich aber nicht impfen.»

feldwaldwiesenblogger

Diana Fankhauser’s Bericht aus dem Corona-Alltag

Text: feldwaldwiesenblogger

Diana Fankhauser wurde 2018 Schwingerkönigin und belegte im Jahr darauf in der Endabrechnung den hervorragenden zweiten Schlussrang. Die Bernerin ist durch und durch Schwingerin und entstammt einer regelrechten Schwinger-Dynastie. Auf ihrer Homepage schreibt sie dazu: «Schwingen liegt mir im Blut, denn ich wurde in eine Schwingerfamilie hineingeboren. Schon meine Mutter Rosmarie war aktive Schwingerin. Und ihre beiden Schwestern, Eveline Dolder und Margrit Vetter-Fankhauser, wie auch ihre Cousine Ruth Wüthrich waren sogar Schwingerköniginnen. Auch mein Grossvater, meine Onkel und die Onkel und Cousins meiner Mutter waren aktive Schwingsportler.»

Wegen der Corona-Pandemie konnte Diana letztes Jahr an keinem einzigen Schwingfest ihre tollen Resultate der Vorjahre bestätigen. Wie es dieses Jahr weitergehen wird, steht in den berühmten Sternen. Das Sägemehltraining ist auch für die Schwingerinnen untersagt. Aber: Die Schwingfesttermine sind terminiert, am 1. Mai würde die Kranzfest-Saison (eigentlich) beginnen.

Diana Fankhauser wird im kommenden Oktober 25-jährig. Sie hat insgesamt 20 Kränze und sieben Zweige auf ihrem Konto. Dazu kommen drei Kranzfestsiege und der besagte Titel als Schwingerkönigin. Die 160 Zentimeter grosse und etwa 60 Kilogramm schwere Athletin ist Mitglied der Berner Schwingerinnen. Die Sennenschwingerin ist gelernte Medizinische Praxisassistentin (MPA), arbeitet derzeit auf diesem Beruf und wohnt in Chesalles-sur-Oron VD.


Diana Fankhauser wurde 2018 zur Schwingerkönigin gekrönt
Bild: dianafankhauser.ch

Wie geht es dir?
«Mir geht es gesundheitlich gut und ich bin fit.»

Wie sieht dein Trainingsalltag derzeit aus?
«Ich absolviere wöchentlich je ein Konditions- und ein Mentaltraining.»

Momentan wäre die wichtigste Phase des Trainingsaufbaus im Sägemehl. Das ist nun vorerst nicht möglich. Wie kann man unter diesen Umständen eigentlich eine Saison planen?
«Das ist schwierig. Es ist aber für alle gleich und wir machen das Beste daraus. Wir hoffen darauf, dass die Schwingfeste stattfinden können. Obwohl das meines Erachtens noch in den Sternen steht. Eine Schwingfestplanung muss ich nicht machen. Ich nehme an allen Frauen- und Meitli-Schwingfesten teil, deren Durchführung möglich sind. Denn bei uns zählen alle Schwingfeste zur Jahreswertung. Aus dieser wird letztendlich die Schwingerkönigin ermittelt.»

Kannst du deiner Arbeit wie gewohnt nachgehen?
«Ja, das kann ich. Ich arbeite als Medizinische Praxisassistentin in einer Arztpraxis, und zwar in einem 100 Prozent Pensum.»

Wie erlebst du persönlich die Corona-Pandemie?
«Es werden einem viele persönliche Freiheiten genommen. Man kann nicht an ein Fest gehen, spontan irgendetwas unternehmen oder gewissen Hobbys nachgehen. Aber: Ich bin froh, dass ich gesund bin. Ich versuche trotzdem zu leben und Dinge zu unternehmen, einfach nicht mit vielen Leuten zusammen. Und: Nebst Corona gibt es noch viele andere Sachen im Leben.»


Diana Fankhauser liegt das Schwingen familienbedingt im Blut
Bild: dianafankhauser.ch

Wegen den fehlenden Aktivitäten im Sägemehl hast du wahrscheinlich mehr Freizeit als dir lieb ist. Welchen Beschäftigungen gehst du nun vermehrt nach?
«Als die Pandemie im März vor einem Jahr begann, war es anfänglich sehr schwierig für mich. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich einen bestimmten Alltags-Rhythmus: Untertags arbeiten und am Abend ins Training. Von einem Tag auf den anderen fiel das Schwingtraining weg. Ich musste lernen, mit dem umzugehen, und dass es neben dem Schwingen noch anderes gibt. Ich realisierte, wie viel Zeit ich eigentlich in den Schwingsport investiere. Plötzlich hatte ich mehr Zeit für die Familie, meine Kollegen und vor allem für mich selber.»

Angenommen, ihr dürft gegen Ende März wieder ins Kurzholz: Wann würdest du dein erstes Schwingfest bestreiten?
«An der Generalversammlung des Eidgenössischen Frauenschwingverbandes entscheiden wir Schwingerinnen über die Vorlaufzeit. Unser Präsident Benjamin Beyeler meint, dass vier Wochen sehr sportlich sind. Wir werden sehen, auf was wir uns schlussendlich einigen. Vermutlich wären so ab Anfang Mai Schwingfeste möglich. Vor meinem Einstieg ins Wettkampfgeschehen schaue ich, wie ich mich fühle und ob alles zusammenstimmt.»

Wie ist die Stimmung unter deinen Trainingskameradinnen?
«Ich habe zurzeit leider nicht so viel Kontakt mit ihnen. Wir alle hoffen, dass es endlich wieder losgeht und wir trainieren dürfen. Dass wir endlich wieder gemeinsam etwas unternehmen können. Denn in einem Schwingklub geht es auch um die Kollegschaft, um gemeinsame Aktivitäten und um den Kontakt untereinander. Unser Schwingklub, die Berner Schwingerinnen, waren erst noch gemeinsam auf der Langlauf-Loipe unterwegs. Ich konnte leider nicht dabei sein.»

Gibt es auch etwas Positives, was du aus dieser Pandemie mitnehmen kannst?
«Wie bereits erwähnt, ist mir bewusst geworden, dass es nicht nur den Schwingsport gibt. Meine Familie und meine Freunde stehen stets hinter mir und unterstützen mich. Es war nun auch schön, ihnen etwas zurückzugeben und Zeit zu finden für gemeinsame Unternehmungen.»

Ist eine Corona-Impfung für euch Schwingerinnen eine Option?
«Das ist eine sehr heikle Frage. Für mich ist die Impfung momentan aber kein Thema. Und: Das muss schlussendlich jeder für sich selber entscheiden.»

feldwaldwiesenblogger

Wegen Corona: Kommt Zweiklassengesellschaft im Schwingsport?

Text: feldwaldwiesenblogger

Es kann niemand behaupten, dass Stefan Strebel, der neue TK-Chef des Eidgenössischen Schwingerverbandes (ESV), nicht neuen Wind in den Schwingsport bringt. Vor ein paar Tagen veröffentlichte er auf seinem Instagram-Kanal ein ziemlich brisantes Video. In diesem spricht Strebel davon, dass er den Schwingsport mit einem Konzept stufenweise öffnen möchte, und dass ihm die immer noch grassierende Corona-Pandemie praktisch keine andere Wahl lässt. Dieses Konzept soll zudem vorsehen, dass gewisse Schwinger an zwölf vom ESV organisierten Schwingfesten antreten würden. Diese Aussagen und die Erklärung, was denn genau eine stufenweise Öffnung bedeutet, konnte der Schreibende leider nicht näher in Erfahrung bringen. Es riecht aber verdächtig nach einer künftigen Zweiklassengesellschaft, zumindest für diese Saison…


Stefan Strebel möchte den Schwingsport mit einem Konzept stufenweise öffnen
Bild: esv.ch

Bei den Teilverbänden zur Vernehmlassung
Was man bisher weiss ist, dass dieses Konzept nun bei den Teilverbänden zur Vernehmlassung ist. Weiter unterbreitete Strebel seine Vorschläge dem Aktivenrat. Eingehend Stellung wollte bisher niemand dazu nehmen. Zu brisant scheinen diese Ideen. Man scheint sehr gut zu überlegen, was man eigentlich möchte und was nicht.
Es ist noch nicht lange her, als der TK-Chef solcherlei in Abrede stellte: «Entweder dürfen alle, oder niemand» war die Devise. Der nun immer länger andauernde Lockdown und das damit verbundene Verbot für Kontaktsportarten im Amateurbereich liess die Oberen im Schwingerverband aber wohl nun umdenken. Oder wie es der «Bote der Urschweiz» heute formulierte: Das Schwingen ist bereit für den Tabubruch.

Wer darf nun ins Sägemehl?
Der ESV möchte nun zusammen mit Swiss Olympic und dem Bundesamt für Sport eine Elite definieren, welche von der Ausnahmeregelung profitieren könnte, die das Ausüben von professionellem Sport erlaubt. Wer nun zum Handkuss kommen könnte, kann man sich denken. Dies sind wohl die Eidgenössischen Kranzschwinger, Gewinner von Teilverbands-, Bergfest- und Kantonalschwingfesten. Diese Spitzenschwinger dürften als Erste wieder ins Sägemehl. Diese Athleten sind dann wohl auch die Teilnehmer bei den eingangs erwähnten zwölf Schwingfesten.
Was aber geschieht mit den vielen Mittelklasse-Schwingern und den Jungschwingern, die erst zu den Aktiven gewechselt haben? Richtig, man weiss es vorderhand nicht. Je länger die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen dauern, umso unwahrscheinlicher wird ein geordneter Start in die Kranzfestsaison. Diese sollte eigentlich Ende April beginnen…

Was meinen nun die Teilverbände?
Ich vermute, dass die Verantwortlichen sich derzeit täglich mit den Fragen zu diesem Konzept beschäftigen und ihr Gehirn zermartern. Es ist ein zähes und schwieriges Abwägen: Will man wenigstens die Elite schwingen lassen, oder gar nochmals praktisch auf eine ganze Saison verzichten? Das sind sehr heikle Fragen, eindeutige Antworten gibt es nicht. Ich persönlich fordere aber: Die Zustimmung zu Strebel’s Konzept muss einstimmig von allen Teilverbänden angenommen werden. Ohne diese Einstimmigkeit wäre von allem Anfang an schon Sand im Getriebe.


Duellieren sich Joel Wicki und Christian Stucki schon bald wieder im Sägemehl?
Bild: neo1.ch

Und was ist mit den Kranzfesten und den Eidgenössischen Anlässen?
Das Konzept sieht eine stufenweise Öffnung vor. Dies bedeutet, dass je nach Pandemie-Verlauf irgendwann wieder alle Schwinger ins Sägemehl zurückdürfen. Erst mal wären «nur» die Spitzenschwinger an der Reihe. Sollten die Teilverbände und die zuständigen Bundesbehörden dem Konzept zustimmen, könnte es wohl schnell gehen. Gut möglich, dass die besten Schwinger ab Anfang März trainieren dürfen und die vom ESV organisierten Schwingfeste Ende April/Anfangs Mai losgehen. Wo werden diese stattfinden?
Man darf sich weiter fragen: Werden die Kranzfeste für dieses Jahr sistiert? Die zwölf ESV-Schwingfeste folgen Schlag auf Schlag und die besten Schwinger messen sich zusätzlich Ende Saison als krönenden Abschluss am ESV-Jubiläumsschwingfest in Appenzell und am Kilchberger Schwinget? Und was ist mit dem Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag in Schwarzenburg?

Ist das nicht alles zu viel für die Traditionalisten?
Der Schwingsport lebt von der Tradition. Und unter den Funktionären und den Schwingfreunden sind sehr viele Traditionalisten. Ich vermute, dass dieses Stufenkonzept und meine obigen Überlegungen einfach zu viel sein könnten für diese Leute. Widerstand und massive Kritik ist vorprogrammiert. Wie will Stefan Strebel und der ESV dem begegnen? Es steht ausser Zweifel, dass mit diesem Vorstoss eine (vorübergehende) Zweiklassengesellschaft im Schwingsport geschaffen wird. Dies hat man bis anhin vehement verhindert. Mit gutem Grund: Der Schwingsport ist ein Breitensport und er lebt von den vielen Mittelschwingern. Diese bilden die Basis. Etliche von diesen Schwingern dürften sich wohl gut überlegen, ob sie dem Schwingen nicht lieber den Rücken kehren sollen. Dasselbe mit einigen Funktionären, die aus Frust auch gleich das Handtuch werfen. Und was ist mit den Organisatoren von den diesjährigen Kranzschwingfesten? Vertröstet man die auf 2022?

Fragen über Fragen und so viel Unsicherheit! Das einfachste wäre, wenn die Corona-Pandemie möglichst schnell vorbei wäre. Es sieht aber im Moment leider nicht so aus. Und so macht der ESV und sein TK-Chef Planspiele, damit wenigstens ein Teil der Schwinger möglichst rasch wieder ins Sägemehl zurückkehren kann. Man versucht die Oberen im Schwingsport zu verstehen. Diese haben nämlich im vergangenen Herbst die Devise rausgegeben: «Schwingfeste 2021 zu 100 Prozent JA». Dies versuchen sie nun unter den gegebenen Umständen umzusetzen.
Ich hoffe, dass sich bei den nun anstehenden Diskussionen und Entscheiden alle so begegnen wie es im Schwingsport üblich ist: Mit Fairness und Rücksichtnahme. Und dass am Ende keine Verlierer auf der Strecke bleiben.

feldwaldwiesenblogger

Roger Rychen’s Bericht aus dem Corona-Alltag

Text: feldwaldwiesenblogger

Roger Rychen’s letztes Schwingfest datiert auf den 16. Februar im letzten Jahr: Beim Hallenschwinget Niederurnen konnte sich der Glarner glatte 60 Punkte schreiben lassen und gewann das Fest überlegen. Die Frühform hätte gestimmt und der Einstieg ins Schwingerjahr war geglückt. Das Corona-Virus machte wie so vielem ein Strich durch die Rechnung, und so durfte Roger seinen Sieg nicht bestätigen. Immerhin hatte er seine Auftritte als Botschafter für den ESAF 2025-Kandidaten Glarnerland+. Den Bewerbungsfilm der Glarner, welcher ab dem 9. Februar auf deren Homepage zu sehen ist, präsentiert Roger zusammen mit der bestens bekannten Fernsehmoderatorin Fabienne Bamert.

Roger Rychen wird im kommenden November 30-jährig und ist zweifacher Eidgenosse. Roger hat insgesamt 50 Kränze auf seinem Konto, nebst den beiden Eidgenössischen Kränzen zieren sein Palmarès 33 Kantonal-, sieben Berg- und acht Teilverbandskränze. Dazu kommen 17 Siege an Rangschwingfesten. Der 190 Zentimeter grosse und 110 Kilogramm schwere Athlet ist Mitglied vom Schwingklub Niederurnen und Umgebung. Der Sennenschwinger ist gelernter Landwirt, arbeitet derzeit als Maschinist bei einem Lohnunternehmen und wohnt in Glarus.


Der Glarner Roger Rychen ist mittlerweile zweifacher Eidgenosse
Bild: Christian Fluri

Wie geht es dir?
«Mir geht es gut, Danke der Nachfrage. Ich bin gesund und fit.»

Wie sieht dein Trainingsalltag derzeit aus?
«Der Fokus liegt auf dem Athletiktraining. Ich absolviere vier Trainingseinheiten pro Woche und habe mir dafür selber etwas eingerichtet. Das Mentaltraining baue ich nun wieder sporadisch in meinen Trainingsalltag ein. Sobald die Schwingfeste beginnen, betreibe ich dieses regelmässig.»

Momentan wäre die wichtigste Phase des Trainingsaufbaus im Sägemehl. Das ist nun vorerst nicht möglich. Wie kann man unter diesen Umständen eigentlich eine Saison planen?
«Für den athletischen Bereich habe ich eine Grundplanung vorgenommen, mit der Annahme, dass die Kranzfeste im Mai starten. Die ganze Planung muss aber flexibel sein und jeweils der Situation angepasst werden können. Eine eigentliche Schwingfest-Planung habe ich noch nicht gemacht, möchte mich da noch nicht festlegen und es vorneweg nehmen. Es gilt, das Beste aus der Corona-Situation zu machen, welche nun bald ein Jahr andauert.»

Kannst du deiner Arbeit wie gewohnt nachgehen?
«Ja, zum Glück kann ich normal arbeiten. Was ich nicht kann, ist mal ein Znüni in einem Restaurant einnehmen. Ich arbeite als Maschinist bei einem Lohnunternehmer im Glarnerland. Zu meiner Arbeit gehört unter anderem die Schneeräumung. Weiter führen wir Transporte wie Heulieferungen für Bauern aus. Ich arbeite momentan in einem 100 Prozent Pensum, welches etwas reduziert wird, wenn die Schwingfeste wieder losgehen.»

Wie erlebst du persönlich die Corona-Pandemie?
«Es geht mir wie allen: Mittlerweile hat man es bald gehört und gesehen. Ich habe das Virus am eigenen Leib verspürt und wurde im vergangenen November positiv auf COVID-19 getestet. Es ging nicht spurlos an mir vorüber, und ich lag einen Tag regelrecht flach. Ich habe mich hernach aber gut erholt und trage glücklicherweise keine Langzeitfolgen davon.»


Am Gibelschwinget Bonstetten 2017 konnte sich Roger Rychen als Sieger feiern lassen
Bild: rogerrychen.ch

Wegen den fehlenden Aktivitäten im Sägemehl hast du wahrscheinlich mehr Freizeit als dir lieb ist. Welchen Beschäftigungen gehst du nun vermehrt nach?
«Im letzten Sommer habe ich vermehrt Bergtouren gemacht und bestieg beispielsweise den höchsten Gipfel der Glarner Alpen, den Tödi und war auch auf dem «Vrenelisgärtli». Derzeit verbringe ich die freie Zeit zusammen mit meiner Frau, welche im neunten Monat schwanger ist. Wir geniessen gemeinsam die Vorfreude auf das Kind.»

Angenommen, ihr dürft gegen Ende März wieder ins Kurzholz: Wann würdest du dein erstes Schwingfest bestreiten?
«Das entscheide ich spontan und achte darauf, wie ich mich fühle und wie es im Sägemehl läuft. Nach der Vorlaufzeit der besagten vier Wochen würde ich vermutlich ein Schwingfest absolvieren, und schauen wie der Einstieg funktioniert. Ich habe das Gefühl, dass ich mich relativ schnell wieder im Sägmehl akklimatisieren würde. Zudem bin ich der Meinung, dass man in den vier Wochen das Schwingtraining so gestalten kann, dass man anschliessend bereit ist.»

Wie ist die Stimmung unter deinen Trainingskameraden?
«Es sollten alle möglichst rasch wieder ins Sägemehl zurückkehren können. Im Glarner Schwinger-Chat haben wir eine «Corona-Challenge» gestartet, wo wir uns gegenseitig Übungen vormachen. Dies, um die Motivation auf das Training aufrecht zu halten. Ausserhalb des Glarnerlandes habe ich am meisten Kontakt mit Samir Leuppi.
Wir alle legen den Fokus derzeit auf die Athletik. Ein Vorteil ist, dass man momentan genug Zeit für die Regeneration hat, und so noch eine Leistungssteigerung erzielen kann. Mir ist aber sehr wohl bewusst, dass sich der Unterschied erst im Sägemehl zeigen wird.»

Gibt es auch etwas Positives, was du aus dieser Pandemie mitnehmen kannst?
«Es gibt immer wieder positive Aspekte. So entdeckte ich letzten Frühling andere Sportarten und war viel auf dem Velo unterwegs. Im Sommer konnte ich die freie Zeit für anderes nutzen und verbrachte auch viel Zeit mit der Familie.»

Ist eine Corona-Impfung für euch Schwinger eine Option?
«Für mich persönlich ist es momentan kein Thema. Wenn eine Impfpflicht für Kontaktsportarten kommen sollte, müsste man sich das nochmals überlegen.»

feldwaldwiesenblogger

Lario Kramer’s Bericht aus dem Corona-Alltag

Text: feldwaldwiesenblogger

Lario Kramer ist einer der drei Südwestschweizer Neueidgenossen von Zug. Nebst dem Freiburger sind dies Benjamin Gapany und Steve Duplan. Das tut dem kleinsten der fünf Teilverbände nur gut, und wird deren Arbeit in den nächsten Jahren enorm unterstützen. Just im Jahr Eins nach dem ESAF in Zug konnte und durfte Lario seinen Kranz nicht bestätigen. Die Corona-Pandemie überzog das Land und liess das öffentliche Leben runterfahren. Umso mehr freut sich die Schwinger-Schweiz, wenn die «jungen Wilden» aus dem Südwesten sich wieder im Sägemehl beweisen dürfen. Heute berichtet Lario Kramer aus seinem Corona-Alltag.

Lario wird im Juli 23-jährig und hat insgesamt 26 Kränze auf seinem Konto. Nebst dem Eidgenössischen Kranz zieren sein Palmarès 16 Kantonal-, 4 Berg- und 5 Teilverbandskränze. Dazu kommen 2 Kranzfestsiege. Der 186 Zentimeter grosse und 100 Kilogramm schwere Athlet ist Mitglied vom Schwingklub Kerzers. Der Sennenschwinger arbeitet derzeit als Gemüsegärtner und macht nebenbei eine Ausbildung zum Agrokaufmann HF. Lario wohnt in Galmiz.


Die Freude über den gewonnenen Eidgenössischen Kranz ist gross
Bild: Lario Kramer

Wie geht es dir?
«Den Umständen entsprechend geht es mir und meiner Familie sehr gut. Ich bin fit.»

Wie sieht dein Trainingsalltag derzeit aus?
«Ich bin momentan im Spitzensport-WK in Magglingen. Wir trainieren dort am Morgen und am Nachmittag jeweils zweieinhalb Stunden im Kraftraum. Dies erfolgt unter der Anleitung von Matthias Glarner. Wir können enorm von ihm profitieren, auch von der Ausführung der Übungen her. Es ist ein Glück, dass ich dort trainieren darf. Denn die Krafträume sind derzeit geschlossen und man muss sich privat organisieren.
Da das Schwingtraining verboten ist, liegt der Schwerpunkt im athletischen- und im Ausdauerbereich. Die Woche ist trotzdem verplant, wie wenn Normalzustand herrschen würde.»

Momentan wäre die wichtigste Phase des Trainingsaufbaus im Sägemehl. Das ist nun vorerst nicht möglich. Wie kann man unter diesen Umständen eigentlich eine Saison planen?
«Es ist nicht ganz einfach. Für gewöhnlich plane ich mir für den Formstand um vier Frühjahresschwingfeste ein, da ich am Saisonanfang meist noch nicht so spritzig bin. Wie es aber aussieht, wird man nicht viele Härtetests bis zu den Kranzfesten machen können. Da ich letztes Jahr kaum geschwungen habe, möchte ich so viele Wettkämpfe wie möglich bestreiten. Sei es im eigenen Teilverband und auch ausserhalb, wenn man zum Beispiel an ein Teilverbandsfest eingeladen wird. Mit dem Fokus auf die beiden Schwingfeste mit Eidgenössischem Charakter.
Zudem: Das physische habe ich im Griff, das spüre ich im Kraft- und Ausdauertraining. Im Kraftbereich habe ich Fortschritte gemacht. Wenn das Schwingen wieder möglich ist, wird es schwierig abzuschätzen, wo man genau steht. Man trainiert nun so, dass man parat ist. Und nicht lange braucht, bis man an Wettkämpfe kann.»

Kannst du deiner Arbeit wie gewohnt nachgehen?
«Ich habe das Glück, dass ich zuhause in unserem Gemüsebetrieb normal arbeiten kann, und zwar in einem 80 Prozent Pensum. Auf dem Feld braucht’s keine Maske, ausser man hat Kontakt mit Kunden. So ist das Corona-Virus nicht ständig präsent.
Ich absolviere nebenher eine Ausbildung zum Agrokaufmann HF und befinde mich im letzten Jahr der Schulung. Der Unterricht erfolgt online via Zoom. Schade ist, dass wir unter den Schülern und den Dozenten keinen Austausch haben. Die Prüfungen finden teilweise online und teilweise vor Ort statt. Leider fallen auch die praktisch bezogenen Exkursionen weg. Es ist trotzdem eine gute Ausbildung.»

Wie erlebst du persönlich die Corona-Pandemie?
«Ich persönlich habe Respekt vor dem Virus, auch wenn ich jung und fit bin und nicht zu einer Risikogruppe gehöre. Aber: Man muss auch leben und nicht nur immer an Corona denken. Das Drumherum kann auch krank machen. Zum Glück geht es meiner Familie gut. Ich leiste meinen Beitrag zur Eindämmung des Virus, halte mich an die Schutzmassnahmen und vermeide soziale Kontakte. Damit die Pandemie möglichst schnell vorüber ist.»


Lario Kramer als glücklicher Stoos-Sieger von 2018
Bild: stoosschwinget.ch

Wegen den fehlenden Aktivitäten im Sägemehl hast du wahrscheinlich mehr Freizeit als dir lieb ist. Welchen Beschäftigungen gehst du nun vermehrt nach?
«Unter der Woche habe ich nicht mehr Freizeit. Das Krafttraining ersetzt nun das Schwingtraining. Im letzten Sommer war das Trainingsvolumen sogar grösser, als wenn eine normale Saison mit Wettkämpfen stattgefunden hätte. Die Erholungsphasen nach den Schwingfesten fielen weg. An den Sonntagen hatte ich dann mehr Freizeit und machte mit meiner Familie, meiner Freundin und meinen engsten Kollegen Ausflüge und Wanderungen. Oder wir grillierten gemeinsam. Das Positive daran ist, dass ich meinem Umfeld, welches stets hinter mir steht und sehr viel für mich leistet, so auch mal etwas zurückgeben konnte.»

Angenommen, ihr dürft gegen Ende März wieder ins Kurzholz: Wann würdest du dein erstes Schwingfest bestreiten?
«Es gilt, die empfohlenen vier Wochen Vorbereitungszeit einzuhalten. Demzufolge wäre das dann Ende April. Ich bin extrem hungrig auf das Schwingen und vermisse es sehr. Ich bin nun anfangs 20 und möchte möglichst rasch ins Geschehen eingreifen. Ich vergleiche die jetzige Situation mit einem Saisonende: Nach einer Pause braucht es eine gewisse Angewöhnungszeit im Sägemehl für die Kräfte und die Bereitschaft. Aber: Es geht ja allen gleich. Darum habe ich keine Angst, dass ich nicht parat wäre oder einen Nachteil hätte.»

Wie ist die Stimmung unter deinen Trainingskameraden?
«Ich habe regelmässig Kontakt mit meinem Schwingklub. In meinem Freundeskreis befinden sich sehr viele Schwinger und ich halte auch zu ihnen Kontakt. Die Stimmung ist überall gleich: Man möchte sich gerne wiedersehen, miteinander essen und trinken und zusammen schwingen. Es sind schon etliche Leute «coronamüde». Wir vermissen unsere gemeinsame Leidenschaft, für die wir den grössten Teil unserer Freizeit investieren. Ich nehme die Schwingpause in Kauf und kann dies nachvollziehen. Es geht schliesslich um unser aller Gesundheit, dass wir möglichst gut diesen Virus überstehen und bald aus dieser Pandemie herauskommen können.»

Gibt es auch etwas Positives, was du aus dieser Pandemie mitnehmen kannst?
«Wie bereits erwähnt, ist es der positive Aspekt, dass ich meinem Umfeld in dieser Zeit etwas zurückgeben kann. Viel mehr Positives hat die Pandemie ansonsten nicht, und die Stimmung ist schon etwas gedrückt.»

Ist eine Corona-Impfung für euch Schwinger eine Option?
«Ich bin jung und gehöre nicht zu einer Risikogruppe. Stand heute will ich mich nicht impfen lassen. Wenn aber die Devise kommen würde, dass man nur geimpft an einem Schwingfest antreten könnte, würde ich mich sofort impfen lassen. Ich bin zudem überzeugt, dass der Bund uns kein Gift injizieren lässt. Es ist ja nicht die erste Impfung, die wir über uns ergehen lassen müssen.»

feldwaldwiesenblogger