Was ist mit den Innerschweizer Schwingern los?

Text: feldwaldwiesenblogger

Am vergangenen Montag schrieb der «Bote der Urschweiz» nach dem Brünigschwinget: «Innerschweizer Debakel auf dem Brünig». Und tatsächlich: Es resultierten gerade mal vier Kränze für den Innerschweizer Schwingerverband (ISV), einen mehr als für die Nordwestschweizer. Die Berner hamsterten mit 12 Exemplaren den Löwenanteil. So bescheiden schnitten die ISV-Athleten auf der Wasserscheide zwischen der Innerschweiz und dem Bernbiet wohl schon seit Jahren nicht mehr ab. Schon eine Woche vorher ergatterten sie sich auf dem Weissenstein gerade mal so viele Bergkränze wie die gastgebenden Nordwestschweizer, nämlich deren vier. Auf dem Solothurner Hausberg schwangen die Nordostschweizer mit sechs «Schlaufen» oben aus. 

Viele verletzte und angeschlagene Schwinger

Da stellen sich dem geneigten Beobachter etliche Fragen, die wichtigste lautet: Was ist mit den Innerschweizer Schwingern los? Denn bereits die Startlisten sprechen eine Sprache für sich: Auf dem Brünig traten gar nur drei Innerschweizer Eidgenossen an, und der Rigi-Schwinget war so schwach besetzt wie schon lange nicht mehr. Die Liste der verletzten und angeschlagenen Schwinger ist gross.

Nachgefragt beim ISV-Präsidenten Peter Achermann

Die Ursachen sind vielerlei: Corona, die üble Verletzungshexe und die Schwingfestagenda sind dabei wohl die wichtigsten Gründe. Und: Die lange Corona-Pause bekam den Innerschweizer Schwingern wohl um einiges weniger gut als den anderen Teilverbänden. Der Schwinger-Blog fragte deshalb bei Peter Achermann, dem Präsidenten der Innerschweizer Schwinger, nach.

Die Innerschweizer Schwinger (auf dem Bild beim Einzug am ESAF 2019 in Zug) durchlaufen derzeit eine schwierige Phase

Bild: isv.ch

Was ist deine Meinung zum schlechten Abschneiden auf dem Brünig?

«Wenn wir die Rangliste vom Brünigschwinget 2019 betrachten, stellen wir das konträre Bild fest. Damals gewannen wir 12 Kränze – und es gab auch etliche Innerschweizer Paarungen. Wir konnten dieses Jahr für den Brünig leider nicht die stärkste Truppe stellen, das Ergebnis ist ein Abbild der Situation. Aber: Das Ganze ist ein ständiges auf und ab. Wenn beispielsweise unser aktueller Team-Leader Joel Wicki und auch Christian Schuler hätten antreten können, hätte es durchaus anders laufen können. Ich bin überzeugt, dass wieder andere Zeiten kommen. Die Schwinger, welche antraten, gaben ihr Bestes. Ohne die vielen Zuschauer herrschte zudem eine sehr spezielle Atmosphäre auf dem Brünig.»

Etliche Innerschweizer Schwinger sind verletzt oder angeschlagen. Das kann kein Zufall sein. Wo siehst du die Hauptgründe?

«Der Hauptgrund ist sicher, dass man die Saisonvorbereitung nicht wie üblich im letzten Herbst starten konnte. Man stellt hinsichtlich Trainingsstand schon Unterschiede fest, das ist auch verständlich. Die jungen Schwinger mit Jahrgang 2001 und jünger durften früher mit dem Schwingtraining beginnen. Sie haben gut trainiert und absolvierten schon etliche Feste. Auch unsere Spitze durfte von der Ausnahmeregelung profitieren. Es ist auch so, dass der eine oder andere Schwinger die Corona-Pause nicht optimal genutzt hat oder diese Zeit in eine Weiterbildung investiert hat. Aber: Unfälle mussten wir leider schon immer registrieren. Die weiteren Gründe sind vielfältiger Natur. Auch im Training kann es zu Verletzungen kommen. Oder die jungen Athleten wollen manchmal zu früh zurückkehren, statt eine Verletzung vollständig ausheilen zu lassen. Und: Die Halswirbelverletzung von Carlo Gwerder beim Stoos-Schwinget in Ibach ist uns sehr nahe gegangen. Zum Glück war auch unser Verbandsarzt Didi Schmidle auf dem Platz. Die Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst vor Ort hat hervorragend funktioniert. In solchen Momenten ist mir dies wichtiger, als den einen oder anderen Kranz mehr zu gewinnen.»

War das geballte Kranzfest-Programm der Innerschweizer so kurz nach den Öffnungsschritten anfangs Juni nicht zu streng? Denn: Ganz offensichtlich ist die Schwingfestagenda nicht gut koordiniert. Warum brachte man nicht den Mut auf, die verspätet gestartete Saison so zu gestalten, dass erst etliche Rangschwingfeste, dann Kantonal-/Gaufeste und erst dann Teilverbands- und Bergfeste auf dem Programm gestanden hätten?

«Traditionell finden unsere Kantonalschwingfeste in den Monaten Mai und anfangs Juni statt. Das war dieses Jahr aus den bekannten Gründen nicht möglich. Es mussten in dieser speziellen Zeit Entscheidungen getroffen werden, und wir wollten einfach wieder schwingen und damit Schritt für Schritt zurück zur Normalität kehren. Und eine zweite Saison ohne Schwingfeste wäre wohl die schlechtere Alternative gewesen. Die entsprechenden OK’s sind teilweise seit Jahren am Planen und Organisieren. Die Verfügbarkeit von Sportanlagen und die einzuhaltenden Schutzkonzepte – mit ständigen Unsicherheiten – mussten ebenfalls mit in die Planung aufgenommen werden. Um auch Synergien zu nutzen, haben die Organisatoren in Absprache mit den Verbänden den Entschluss gefasst, die verschiedenen Schwingfeste Stoos, Innerschweiz, Rigi und das Schwyzer Kantonale in Ibach zu organisieren. Denn der Terminplan ist hinten raus ebenfalls schon dicht gedrängt. Zum Glück wurde schon früh festgelegt, dass der Saisonhöhepunkt, der Kilchberger Schwinget, erst am 25. September stattfinden soll. Das gab für die weiteren Kantonalschwingfeste etwas mehr Luft.»

Die Berner sind für gewöhnlich ähnlich stark wie die Innerschweizer. Diesmal waren sie auf dem Brünig um Längen besser. Was machen die Mutzen derzeit besser?

«Unsere Spitze ist mit etlichen Ausfällen, darunter Joel Wicki und Pirmin Reichmuth, dezimiert. Die Verletzungshexe hat leider zugeschlagen. Aber: Wir mussten nach dem ESAF 2019 auch gewisse Abgänge von Spitzenleuten, wie beispielsweise jene von Marcel Mathis, Andreas Ulrich und Lutz Scheuber in Kauf nehmen. Sie waren eine Stütze und überall einsetzbar. Der Fokus muss nun aber wieder nach vorne gerichtet werden: Auf den Kilchberger Schwinget und auf das ESAF 2022 in Pratteln. Wir werden dann wieder parat sein. Wie bereits erwähnt: Hochs und Tiefs gab es schon immer, diese liegen oft sehr nahe beisammen.»

Den Innerschweizern bekam wohl auch die lange Corona-Pause deutlich weniger gut als den anderen Teilverbänden. Warum?

«Das würde ich so nicht sagen. Es gibt einzelne Schwinger, die haben während der Corona-Pause sehr gut trainiert, andere halt weniger. Wie bereits angesprochen, fehlen unserer Spitze etliche Athleten. Die Berner hatten zudem einen anderen Start in die Schwingfest-Saison. Was mir trotz allem Freude bereit sind die vielen jungen Schwinger, welche grosse Fortschritte gemacht haben. Und zwar bei allen Teilverbänden. Diese prägen zum Teil die Schwingfeste in beträchtlichem Masse, was viel Vorfreude fürs «Eidgenössische» in Pratteln auslöst. Und: Unsere Schwinger wissen, was sie zu tun haben, und richten den Fokus auf zukünftige Ziele.»

ISV-Präsident Peter Achermann sagt: «Wir werden mit dem Betreuerteam zusammensitzen und das ganze analysieren.»

Bild: esv.ch

Gibt es aus deiner Sicht noch andere Aspekte für das derzeitige Formtief der Innerschweizer?

«Nein, und ich würde nicht von einem Formtief sprechen. Es ist in meinen Augen keine aussergewöhnliche Situation. Bei dieser Konstellation mit den vielen Verletzten muss man für die einzelnen Schwingfeste nun halt anders selektionieren.» 

Hat sich der ISV-Vorstand eigentlich schon zu einer Krisensitzung getroffen?

«Nein. Wir werden mit dem Betreuerteam zusammensitzen und das ganze analysieren. Die Technische Kommission macht das auch. Der Austausch im sportlichen Bereich funktioniert gut. Im Betreuerteam sammeln wir die gemachten Erfahrungen der letzten Zeit und bereiten uns so auf den Kilchberger Schwinget vor. Für die Betreuer war die Corona-Pause auch nicht einfach, wegen dieser aussergewöhnlichen Situation haben sie die Schwinger teilweise länger nicht gesehen.»

Muss man sich aus Innerschweizer Sicht Sorgen um den Saisonhöhepunkt Kilchberger Schwinget machen?

«Überhaupt nicht. Wir werden Ende August die Selektion vornehmen und unsere 17 Startplätze vergeben. Ich bin überzeugt, dass wir für den Kilchberger Schwinget eine gute Mannschaft beisammenhaben werden. Die selektionierten Schwinger werden ihr Bestes geben, um vorne an der Spitze auch mitmischen zu können. Wir hoffen natürlich, dass sie gesund antreten können. Und: Schön, wenn die Favoritenrolle mal andere tragen müssen.»

Machen sich die Verbandsoberen momentan auch Gedanken hinsichtlich Verletzungs-Prophylaxe?

«Verbandsarzt Didi Schmidle und das Betreuerteam werden, wie bereits erwähnt, die Situation analysieren. Schlussendlich geht es darum, gewisse Dinge zu optimieren. Früher gingen praktisch alle Schwinger einer körperlichen Arbeit nach. Das ist heute längst nicht mehr der Fall. Die Kraft eignen sich die Athleten – nicht alle – deshalb im Kraftkeller an. Wir wissen, dass übermässiges Krafttraining nicht optimal ist. Die Anfälligkeit auf Verletzungen ist dadurch erhöht. Wir vom Verband versuchen dabei unseren Beitrag zu leisten und die Rahmenbedingungen so gut wie möglich zu optimieren.»

Und: Wie nimmst du die Hauptakteure, die Schwinger, zu der momentanen Situation wahr? Wirken sie verunsichert?

«Das ist eine gute Frage. Wir durchleben alle derzeit eine schwierige Situation. Wichtig ist nun, dass wir gemeinsam Schritt für Schritt zur Normalität zurückkehren können. Ein Schwingfest ist ein Volksfest mit Folklore, was momentan so überhaupt noch nicht stattfindet. Die Schwinger hätten an den Festen gerne ihre Familien und Fans dabei, auch unsere verdienten Ehrenmitglieder würden gerne wieder Schwingfeste besuchen und ihre Kameraden treffen. Wir hoffen nun auf weitere Lockerungen. Denn die Schutzkonzepte, welche nach wie vor gelten, ziehen eine enorme Mehrarbeit mit sich. Dabei müssen Lösungen unter Zeitdruck erarbeitet und Entscheidungen getroffen werden. Die Saison ist nämlich in gut zwei Monaten schon wieder vorbei. Ich finde es grossartig, dass das OK vom Kilchberger Schwinget mit 6’000 Zuschauern plant. Das ist ein gutes Zeichen für den Saisonabschluss. Wir hoffen einfach, dass sich die Corona-Situation bis dann nicht massiv verschlechtert. Ich widme allen OK’s ein grosses Kränzchen, denn sie haben trotz allen Widrigkeiten schöne Schwingfeste organisiert. Wir hoffen alle, dass die nächste Saison normal gestartet und durchgeführt werden kann, und wir ohne Einschränkungen den Saisonhöhepunkt in Pratteln geniessen können. Selbstverständlich mit einem starken Auftritt der Innerschweizer.»

feldwaldwiesenblogger

Comeback beim «Mitteländischen» geglückt – Nachgefragt bei Kilian Wenger

Text: feldwaldwiesenblogger

Kilian Wenger ist letzten Sonntag beim Mittelländischen Schwingfest in die Saison eingestiegen. Eine beim Training zugezogene Rippenverletzung verhinderte eine frühere Rückkehr auf die Sägemehlplätze. Der Berner Oberländer Schwingerkönig war sofort bereit: Das Ergebnis war der Einzug in den Schlussgang. Im finalen Endkampf wurde Kilian aber von Fabian Staudenmann besiegt. Am kommenden Sonntag steht für den Diemtigtaler bereits das nächste Kranzfest auf dem Programm: Der Bergklassiker auf dem Brünig, welchen der 31-Jährige 2014 gewinnen konnte.

Der Schwinger-Blog fragte bei Kilian nach und wollte wissen, wie er sein Comeback am «Mittelländischen» erlebte, wie der Familienvater Joel Wicki am Sonntag beim Anschwingen hätte besiegen wollen und ob der ESV und die Teilverbände hinsichtlich Verletzungs-Prophylaxe mehr tun könnten. Inzwischen wurde bekannt, dass Wicki nicht beim Brünigschwinget startet und sein Comeback verschiebt. Welchen Gegner Kilian nun zugeteilt wird, ist derzeit nicht bekannt.

Der Schwingerkönig von 2010 ist zufrieden mit seinem Comeback

Bild: kilianwenger.ch

Herzliche Gratulation zur tollen Leistung beim Mittelländischen Schwingfest! Was ging dir nach dem verlorenen Schlussgang durch den Kopf?

«Danke vielmal! Ich war schon enttäuscht, mit etwas Abstand betrachte ich das Comeback aber als gelungen. Ich wusste, dass Fabian gut schwingt, habe aber nicht damit gerechnet, ihm so reinzufallen.»

Wie genau verlief der Schlussgang?

«Er zog mit Kurz an. Ich konterte mit Gammen, aber zu wenig tief und zu spät. Und schon war es passiert.»

Hast du am Sonntagmorgen mit einer Schlussgangqualifikation geliebäugelt?

«Ehrlich gesagt nicht. Das war seit 23 Monaten mein erstes Kranzfest, zudem komme ich von einer Verletzung zurück. Ich wusste daher nicht wo ich stehe, es war gewissermassen ein Tappen im Dunkeln. Ich habe aber gut trainiert, und ich war angespannter als sonst.»

Bist du mit dem Comeback zufrieden?

«Ja, grundsätzlich schon. Wenn man in einem Schlussgang steht, will man gewinnen. Mit etwas Distanz sehe ich es nun weniger dramatisch. Zudem habe ich, wie oben erwähnt, erst eine Verletzung auskuriert.»

Bist du wieder topfit?

«Ja, ich kann das mit gutem Gewissen sagen. Was mein Körper anbelangt bin ich sehr zufrieden. Beim Schwingen spüre ich vom Feingefühl her, dass es noch etwas braucht. Wegen der verkürzten Vorbereitung war aber auch nicht alles möglich.»

Schwungvoll bezwingt Kilian am «Mittelländischen» Dominik Gasser

Bild: Barbara Loosli

An diesem Wochenende steht der Brünigschwinget auf dem Programm. Liegt gar wieder der Schlussgang drin?

«Das wäre natürlich schön. Ich freue mich auf den Brünigschwinget, es ist mein Lieblingsschwingfest. Ich bin sehr zuversichtlich, und glaube, dass es ein gutes Fest wird.»

Beim Anschwingen hättest du es mit Joel Wicki zu tun bekommen. Der Sörenberger muss sein Comeback nun aber verschieben. Wie hättest du den Erstgekrönten vom ESAF 2019 in Zug bezwingen wollen?

«Mit einem Geheimrezept, welches ich hier nicht verrate.»

Die jungen «wilden Berner» wie Fabian Staudenmann, Kilian von Weissenfluh oder Michael Wiget streben an die Spitze. Ihr arrivierten Kräfte lasst euch aber noch nicht vom Thron stossen?

«Ich habe auch den Eindruck, dass die Jungen drücken. Das ist aber auch bei den anderen Teilverbänden der Fall. Das ist gut, und ein Zeichen für hervorragende Nachwuchsarbeit. Aber: Überaltert sind wir arrivierten Kräfte noch nicht. Da mögen wir schon noch eine Weile dagegenhalten.»

Die Verletzungshexe zirkuliert wieder ungemein unter den Schwingern. Wegen der Corona-Pause noch mehr als sonst. Könnten der ESV und die Teilverbände hinsichtlich Prophylaxe mehr tun?

«Nein, das glaube ich nicht. Grundsätzlich ist jeder Schwinger für seine Gesundheit verantwortlich. Der Schwingfestkalender ist zudem vorgegeben. Jeder kann so viele Feste machen wie er will, sollte dabei aber auf seinen Körper hören. Als 31-Jähriger möchte ich deshalb nicht mehr als vier oder fünf Schwingfeste am Stück bestreiten. Und: Die Euphorie darf man nach der langen Pause auch nicht unterschätzen.»

Du bist 2019 Vater geworden. Wie schaffst du es, Familie, Beruf und den Schwingsport in Einklang zu bringen?

«Im Moment funktioniert und harmoniert es gut. Ich erfahre viel Verständnis von Seiten meiner Partnerin und meiner Sponsoren. Zudem habe ich einen flexiblen Arbeitgeber und ein gutes Umfeld. Der Sport hat momentan einen hohen Stellenwert, und ich habe dafür extra Platz geschaffen. Mit der nötigen Kommunikation kann man vieles organisieren.» 

feldwaldwiesenblogger

Nachgefragt bei Mike Müllestein: «Die Freude am Schwingen ist eine grosse Motivation für die Feste»

Text: feldwaldwiesenblogger

Mike Müllestein ist derzeit einer der besten Innerschweizer Eidgenossen. Er zeigte beim Stoos-Schwinget, beim «Innerschweizerischen» und zuletzt beim Rigi Schwinget starke Leistungen. Der Steinerberger versuchte letzten Sonntag in Ibach Samuel Giger Paroli zu bieten. Obwohl er sich zweimal geschlagen geben musste, ist ihm dies sicher über weite Strecken gelungen. Selbst der Sieger aus dem Thurgau attestierte hinterher, dass Mike stets brandgefährlich und ein sehr guter Schwinger sei. Unbestritten war der 32-Jährige an diesem Wettkampf der zweitbeste Schwinger, und stand deshalb absolut verdient im Schlussgang.

Der Schwinger-Blog fragte nun beim dreifachen Familienvater nach und wollte wissen, wie er den Rigi Schwinget erlebte, wie Mike mit der teilweise nicht gut koordinierten Schwingfest-Agenda 2021 zurechtkommt und wie er Familie, Beruf und Schwingsport unter einen Hut bringt.

Der Eidgenosse aus Steinerberg (rechts) fuhr die letzten drei Wochenenden kranzgeschmückt nach Hause. Auf dem Bild zusammen mit Marco Ulrich und dem Stoos-Kranz

Bild: Mike Müllestein

Herzliche Gratulation zur tollen Leistung beim Rigi Schwinget! Was ging dir nach dem verlorenen Schlussgang durch den Kopf?

«Im ersten Moment war ich schon enttäuscht. Es bestand die Chance, das Fest zu gewinnen. Diesem Umstand nachzutrauern bringt aber nichts. Schlussendlich bin ich zufrieden mit meiner Tagesleistung.»

Mit welcher Taktik oder Schwingweise könnte man Samuel Giger bezwingen?

«Um ihn zu bezwingen muss man angreifen, stehen zu bleiben bringt nichts. Meine Taktik war, mit dosiertem Risiko meine Angriffe zu platzieren. Oder aus einem Konter heraus, wenn Giger zieht.»

Hast du am Sonntagmorgen mit einer Schlussgangqualifikation geliebäugelt?

«Schon ein wenig, ich habe es mir vom Teilnehmerfeld her erhofft. Ich habe mich letzten Sonntag zudem gut gefühlt. Dennoch: Das Ganze muss immer zuerst geschwungen werden.» 

Was für ein Fazit ziehst du insgesamt vom Rigi Schwinget?

«Ich ziehe ein sehr positives Fazit. Ich war explosiv, und konnte meine Schwünge sauber ansetzen. Die Leistung beim Rigi Schwinget gibt mir ein gutes Gefühl für die nächsten Feste.»

Deine bisherigen Schwingfestauftritte im 2021 zeigen: Du bist gar noch besser als vor Corona. Wie kommt das?

«Es läuft gut in dieser Saison. Ja, wie kommt das? Ich hatte während der Corona-Pause mehr Erholung als üblich. Man konnte längere Zeit nicht schwingen. Ich habe für mich aber immer etwas gemacht. Als es wieder los ging mit Schwingen, war einfach eine grosse Freude vorhanden. Die Freude am Schwingen ist eine grosse Motivation für die Feste.»

Mike bestreitet an diesem Wochenende mit den Schwingfesten auf dem Weissenstein und beim Schwyzer Kantonalen gleich zwei Kranzfeste

Bild: esv.ch

An diesem Wochenende trittst du beim Weissenstein-Schwinget und beim Schwyzer Kantonalen an. Siehst du das als Härtetest fürs ESAF 2022 in Pratteln?

«Nein, nicht unbedingt. Es hat sich einfach so ergeben, denn das Schwyzer Kantonale wurde nach hinten geschoben. Auf dem Weissenstein bin ich noch nie angetreten, deshalb will ich unbedingt an diesem Bergfest starten. Das werden sicher zwei harte Tage. Das Ziel ist, an beiden Orten den Kranz zu gewinnen. Ich werde mein Bestes geben, bin aber auch nicht mehr der Jüngste. Ich werde dabei beobachten, wie sich mein Körper erholt. Am besten wäre, wenn es am Samstag gut läuft. Dann geht es mir am Sonntag auch besser.»

Wie kommst du mit der teilweise nicht gut koordinierten Schwingfest-Agenda 2021 zurecht?

«Da die Kantonalschwingfeste erst abgesagt, und nun doch in die Agenda aufgenommen wurden, kam nun eine geballte Ladung an Schwingfesten zusammen. Das ist schon ein bisschen viel. Und: Jedes Wochenende möchte ich nicht einen Wettkampf bestreiten. Wir dachten erst, dass nur die Bergfeste auf dem Programm stehen würden. Das ist einfach unglücklich, auch für die Organisatoren von Rangschwingfesten wie dem Allweg oder dem Herbstschwingertag Sieben. Der Allweg-Schwinget wurde wegen Termin-Kollisionen abgesagt, und der Anlass in Siebnen findet einen Tag nach dem Kilchberger Schwinget statt. Ich hätte gerne das eine oder andere Rangschwingfest besucht, dies ist aber unter diesen Umständen schwierig.»

Der logische Aufbau der Schwingfest-Reihenfolge fehlt in diesem Jahr, und bereitet den Mittelschwingern sichtlich Mühe. Was ist deine Meinung dazu?

«Für die Mittelschwinger, die den Schwingsport als reines Hobby praktizieren, war es schon eine kurze Vorbereitungszeit. Ihnen fehlte zudem teilweise die Motivation, auch ohne Schwingtraining sich fit zu halten. Für sie kann es schon gefährlich werden an Schwingfesten. Als ich Mitte März das Schwingtraining aufnehmen durfte, haben wir mit Schulschwingen sachte gestartet. Ich war in einer guten Trainingsgruppe und wir absolvierten wöchentlich drei harte Trainings. Zusätzlich gleisten wir weitere Schwingtrainings auf. Passieren kann immer etwas. Das Verletzungsrisiko lässt sich aber mit regelmässigem Training minimieren.» 

Du darfst zwar seit Mitte März im Sägemehl trainieren. Die Vorbereitung auf diese Saison, welche anfangs Juni ziemlich abrupt von Null auf Hundert durchgestartet wurde, war dir sicher auch zu kurz. Warst du bei den bisherigen Schwingfesten deswegen nicht fast am Anschlag?

«Körperlich gesehen eigentlich nicht. Das Vertrauen hat aber am Anfang gefehlt. Ich konnte zwei Rangschwingfeste als Vorbereitung bestreiten. Trotzdem ist es an Kranzfesten anders. Das Vertrauen fehlte erst und man war etwas gehemmt. Es fehlten zudem die Anhaltspunkte: Wo stehe ich und wo stehen meine Gegner aus den anderen Teilverbänden?»

Du bist kürzlich zum dritten Mal Vater geworden. Wie schaffst du es, Familie, Beruf und den Schwingsport in Einklang zu bringen?

«Momentan ziehe ich den Vaterschaftsurlaub ein. Ich habe eine gute Frau, und meine Eltern wohnen im selben Haus. Ich denke, wenn es mit zwei Kindern gut lief, wird das auch mit drei der Fall sein. Wir unternehmen gemeinsam viel, gehen beispielsweise in den Tierpark oder in Spielhallen für Kinder. Es kann nun sicher mal vorkommen, dass ich ein Training auslassen werde. Dann praktiziere ich aktive Erholung zu Hause mit den Kindern.»

feldwaldwiesenblogger

Weissenstein-Schwinget: Warum wurden die 40 Startplätze der Nordwestschweizer auf deren 30 reduziert?

Text: feldwaldwiesenblogger

Letzte Woche informierte der Eidgenössische Schwingerverband (ESV), dass es Startplatz-Änderungen für den Weissenstein-Schwinget von kommendem Samstag, 17. Juli geben wird. Diese Meldung machte nicht gross Furore, ging angesichts der im Wochentakt stattfindenden Kranzfeste regelrecht unter. Der Schwinger-Blog wollte es trotzdem genauer wissen, und fragte bei einem Kenner der Nordwestschweizer Szene nach. Der freie Aargauer Sportjournalist Wolfgang Rytz nahm dabei schriftlich Stellung zu sechs Fragen/Thesen. Rytz legt Wert darauf, dass er die nachfolgenden Aussagen als freier Sportjournalist und nicht als Mitarbeiter vom SCHLUSSGANG macht.

Am kommenden Samstag, 17. Juli steht der Weissenstein-Schwinget auf dem Programm, allerdings ohne Zuschauer

Bild: esv.ch

Für den Weissenstein-Schwinget wurden die 40 Startplätze der Nordwestschweizer auf deren 30 reduziert. Als primäre Gründe führst du Corona und die Führungsschwäche des Verbandes, seiner Kantonalverbände sowie der Schwingklubs an. Kannst du das präzisieren?

Wolfgang Rytz: Die aktuelle Misere, die das ganze Schwingerwesen erfasst hat, führe ich auf fehlende Weitsicht an der Verbandsspitze zurück. In den ersten Monaten im 2021 zeichnete sich mit der anlaufenden Impfkampagne ab, dass wir in diesem Sommer Corona bewältigen werden und Breitensport wieder möglich sein wird. Dazu zählt sich auch der Schwingsport. Da wäre es am ESV gewesen, die verspätet beginnende Saison zusammen mit den Teilverbänden neu aufzugleisen, umzuplanen. Der normale Ablauf und der logische Aufbau ist folgender: Hallen-, Regional- und erst dann Kantonal-, Bergkranz- und Teilverbandsfeste. Nach einer 20-monatigen Pause kann man für die Aktiven nicht gleich mit Kranzfesten beginnen und tun, als wäre alles normal. Dafür bezahlt jetzt insbesondere die Nordwestschweiz die Zeche.

Im Vorgang zu diesem Gespräch hast du folgendes erwähnt: «Nachwuchs ist genügend da, aber mit der Bevorzugung der Spitze und dem Wiedereinstieg mit zwei Kranzfesten vergass man, auf die Mittelschwinger Rücksicht zu nehmen». Was läuft falsch beim Nordwestschweizer Schwingerverband?

Rytz: Nicht nur im Nordwestschweizer Schwingverband (NWSV) ist einiges falsch gelaufen. Richtig war sicher, dem Nachwuchs bis 20 Jahre möglichst schnell wieder den Trainingsbetrieb zu erlauben. Deshalb müssen wir uns wohl landesweit um den Nachwuchs noch am wenigsten Sorgen machen. Schlimmer bestellt ist es mit den sogenannten Mittelschwingern. Dazu zähle ich auch Ü23-Schwinger ohne Kranz, die zum hinteren Mittelfeld gehören. Da sind die Absenzen gross. Während die Spitze im März wieder in Kleingruppen intensiv zu trainieren begann, wurde es für die «normalen» Aktiven Juni, bis ein normales Training im Sägemehl wieder möglich war. Ohne richtige Vorbereitung folgten gleich zwei Kantonalfeste. Verletzungen und Frust waren die Folge bei vielen Aktiven, die ihr Leben nicht völlig aufs Schwingen ausrichten.

Der Einstieg in die 2021er-Saison erfolgte wegen der Corona-Pandemie verspätet. Das Schwingtraining wurde später als üblich und gestaffelt aufgenommen. Statt den Reigen mit Rangschwingfesten zu starten, wurde teilweise gleich mit Kranzfesten begonnen. Es mussten in der Folge etliche Verletzte beklagt werden, am ISAF in Ibach gleich deren 17. Was ist deine Meinung zu diesem unglücklichen Umstand?

Rytz: Wenn nach einigen wenigen Regionalfesten gleich Bergfeste und ein Teilverbandsfest folgen statt Kantonalfeste, braucht sich auch im Innerschweizer Schwingerverband niemand zu wundern, wenn dies negative Folgen hat. Die Verbandsführungen aller Stufen stehen in der Schuld.

Wie sieht die Verletzungs-Situation in der Nordwestschweiz aus?

Rytz: Auch in der Nordwestschweiz haben wir einige Verletzte. Nick Alpiger sollte aber auf dem Weissenstein wieder zurückkehren. Schlimmer sind jedoch die grossen Lücken im Aktivbestand. Nach dem langen Corona-Unterbruch und dem fehlenden geduldigen Neuaufbau fehlt dem NWSV mindestens ein Drittel der bisherigen Aktiven, Tendenz steigend, wie die jüngsten Regionalfeste zeigten.

Erwartest du für die nächstjährige Saison eine Entspannung der angesprochenen Situation in der Nordwestschweiz?

Rytz: Eine schnelle Verbesserung ist ungewiss bis unwahrscheinlich. Nur dank guter Arbeit vieler Vereine im Nachwuchsbereich ist für die mittlere Zukunft vorsichtiger Optimismus erlaubt. Aber wir werden in den nächsten Jahren Mühe haben, an unseren Kantonalfesten 100 Schwinger an den Start zu bringen. Ausserdem serbeln zahlreiche Klubs nach Corona noch mehr.

Die Nordwestschweizer haben am letzten ESAF 2019 in Zug drei Kränze gewonnen, gleich viele wie die Südwestschweizer. Liegen am eigenen «Eidgenössischen» 2022 in Pratteln mehr Eichenlaub-Exemplare drin?

Rytz: Diese Prognose ist schwierig und auch abhängig von der Entwicklung an der Verletztenfront. Aber nach den vielen Abgängen an der Spitze können wir nicht davon ausgehen, dass beim «Heimfest» in Pratteln sechs Kränze wie nach dem ESAF 2007 in Aarau herausschauen werden. Das wäre sicherlich das Optimum.

feldwaldwiesenblogger

Nachgefragt bei René Suppiger, welcher am letzten Sonntag im ISAF-Schlussgang stand

Text: feldwaldwiesenblogger

René Suppiger stand am letzten Sonntag verdient im Schlussgang des 114. Innerschweizer Schwing- und Älplerfestes (ISAF). Der Luzerner hatte mit einem Inneren Haken eine gute Chance, diesen Endkampf zu seinen Gunsten zu entscheiden. Es sollte aber anders kommen, und Kantonskollege Joel Ambühl schwang schliesslich mit einem satt gezogenen Kurz oben aus. So oder so: René zeigte in Ibach eine starke Leistung.

René Suppiger (rechts), zusammen mit seinem Klubkollegen Roman Fellmann, durfte sich verdient den ISAF-Kranz aufsetzen lassen

Bild: René Suppiger

Der Weg in den Schlussgang

Auf dem Weg in den Schlussgang bodigte der Eidgenosse beim Anschwingen den Urner Stefan Arnold schon nach kurzer Gangdauer platt. Im zweiten Gang kam der Surentaler gegen Alex Huber im ersten Zug mit einem Inneren Haken zu einer weiteren «Zehn». Der dritte Kampf mit Lario Kramer begann beidseits verheissungsvoll, offensive Schwingweise war angesagt. Als René anzog, konnte der Freiburger Neueidgenosse mit Kreuzgriff kontern und ihn ins Sägemehl betten. Den vierten Gang gestaltete der 32-fache Kranzschwinger wieder siegreich, und wie: Beim zweiten Angriff kam er gegen den Obwaldner Eidgenossen Benji von Ah mit Übersprung zu einem sehenswerten Plattwurf. Um den Schlussgang-Einzug wurde René der Schwyzer Routinier Philipp Schuler zugeteilt. Gegen Schuler gewann er relativ rasch mit einem Kurz, und konnte sich die Note Zehn schreiben lassen. Dieser Erfolg bedeutete den Schlussgang-Einzug.

Der Sieg am ISAF wäre Kranzfest-Sieg Nummer zwei gewesen

Das Palmarès von René sieht folgendermassen aus: Nebst einem Kranzfestsieg am Ob- und Nidwaldner Kantonalschwingfest 2017 in Beckenried gewann der 31-Jährige bisher vier Rangschwingfeste. Der kräftige Sennenschwinger vom Schwingklub Surental konnte sich 2016 den Eidgenössischen Kranz aufsetzen lassen. In seinem Kranzkasten hängen zudem je sechs Teilverbands- und Bergkränze sowie 19 Kantonalkränze. René’s bevorzugte Schwünge sind der Kurz, der Innere Haken, der Übersprung und der Gammen. Der Lebensmittelingenieur lebt in Luthern, zusammen mit seiner Partnerin und dem gemeinsamen kleinen Sohn. Der gelernte Metzger ist 189 Zentimeter gross und wiegt 114 Kilogramm, ideal für einen Standschwinger.

Beim Schlussgang-Einzug in Ibach hätte beinahe Kranzfest-Sieg Nummer zwei resultiert. Im Gespräch mit dem Schwinger-Blog erzählt René rückblickend nochmals über den offensiv geführten Endkampf. Weiter über die Saisonvorbereitung, das wöchentliche Training und die Chancen auf einen Kranzfestsieg. 

Als glücklicher Sieger vom Schwarzenberg-Schwinget 2019

Bild: feldwaldwiesenblogger

Zuerst das Positive: Herzliche Gratulation zur tollen Leistung beim ISAF! Was ging dir nach dem verlorenen Schlussgang durch den Kopf?

«Es gab einen Moment der Enttäuschung und das Nachtrauern einer verpassten Chance. Die üblichen Gedanken und Fragen nach einer Niederlage begleiteten mich: Was hätte man besser machen können, was hat noch gefehlt? Die Enttäuschung verflog relativ rasch und machte der Freude über die an diesem Tag gezeigte Leistung Platz. Ich gönne Joel den Sieg von Herzen. Wir trainieren zusammen und kennen uns sehr gut. Und:  Es kommt wieder eine Chance.»

Was genau passierte im Schlussgang? Wie beurteilst du den rückblickend?

«Kurze Zeit vor Joel’s Siegeswurf hatte ich selber eine gute Chance mit Innerem Haken. Die Ausgangslage vor dem Schlussgang war klar: Gewinnt nicht einer von uns beiden, erbt ein Gästeschwinger. Deshalb haben wir abgesprochen, offensiv und mit Vollgas zu schwingen. Joel und ich sind Angriffsschwinger, da konnte man darauf bauen, dass es ein Siegresultat geben würde. Zudem kennen wir uns gegenseitig sehr gut, was eine andere Vorbereitung nach sich zieht, als wenn man einen Gegner nicht richtig einschätzen kann. Die Ausgangslage war für uns beide sehr speziell.»

Würdest du heute mit einer anderen Taktik den Schlussgang in Angriff nehmen?

«Nein, absolut nicht. Wie bereits erwähnt, war die Ausgangslage klar. Ich war auf Angriffstaktik eingestellt, und würde dies wieder so machen.»

Worin meinst du, lagen die Stärken von Joel Ambühl im Schlussgang?

«Die liegen in seiner Explosivität, er kann sehr schnell aus einer Situation heraus einen Schwung ziehen. Zudem ist er sehr wendig. Dadurch konnte er sich auch sehr schnell bei meinem ersten Zug ausdrehen.»

Hast du am Sonntagmorgen mit einer Schlussgangqualifikation geliebäugelt?

«Nein, gar nicht. Ich habe nicht erwartet, dass ich am späteren Nachmittag im Schlussgang stehen würde. Das primäre Ziel war, eine gute Leistung abzurufen. Es lief mir gut, und fast alles ging auf.»

Zur Taktik beim ISAF-Schlussgang meint René: «Ich war auf Angriffstaktik eingestellt, und würde dies wieder so machen.»

Bild: esv.ch

Was für ein Fazit ziehst du insgesamt vom ISAF 2021?

«Ich ziehe insgesamt ein positives Fazit, und ich konnte meine offensive Schwingweise wie gewünscht anwenden. Ich habe dabei auf beide Seiten geschwungen. Das berühmte «i-Tüpfelchen» hat am Ende leider gefehlt.»

Wie lief die doch ziemlich kurze Saisonvorbereitung ab? Wann hast du diese gestartet?

«Mitte März habe ich das Schwingtraining in einer Vierergruppe aufgenommen. Interessanterweise mit meinem Schlussgang-Gegner Joel Ambühl, Werner Suppiger und Michael Müller. Uns Vieren ist es am ISAF sehr gut gelaufen. Diese Vierergruppe wurde im Verlauf des Frühlings aufgelöst und hernach besuchte ich wie gewohnt die Klub- und Kantonaltrainings. Nebst dem Schwingen habe ich mich dem üblichen Kraft- und Konditionstraining gewidmet, welches wichtig ist für die Stabilität und die Explosivität.»

Welche Schwingfeste hast du vor dem «Innerschweizerischen» bestritten? Wie lief es bei diesen?

«Zum Saisonauftakt trat ich beim Oberseetaler Rangschwinget in Ballwil an, an welchem ich im Schlussgang gegen Joel Wicki verlor. Beim Stoos-Schwinget vor zwei Wochen lief es nicht gut, und ich verpasste den Kranz.»

Die Trainingsgestaltung für 2021 ist sicher sehr ungewöhnlich. Wie sieht dein wöchentliches Training momentan aus?

«Auf dem wöchentlichen Programm stehen ein bis zwei Schwingtrainings. Das kann variieren, je nachdem ob am Wochenende ein Schwingfest ansteht und wie ich mich fühle. Weiter absolviere ich ein Kraft-, ein Ausdauer- und ein Intervalltraining. An den Wochenenden steht nun meist ein Wettkampf an, und diese verspätet angelaufene Saison fühlt sich doch ziemlich kompakt an.»

Welches werden deine nächsten Einsätze sein? Mit deiner Form liegt gar ein Kranzfestsieg im Bereich des Möglichen? 

«Die Bergfeste auf dem Weissenstein und dem Brünig stehen an. Weiter möchte ich beim Urner, Zuger sowie Luzerner Kantonalfest antreten, und als Saisonhöhepunkt beim Kilchberger Schwinget. Ich spüre langsam, dass ich nicht mehr 20 bin, und muss diesem Umstand Rechnung tragen. Für einen Kranzfestsieg muss alles zusammenpassen und die Gesundheit mitspielen. Wenn das Gesamtpaket stimmt, ist jeweils alles möglich. Es ist für mich aber keine Selbstverständlichkeit, dies locker zu erreichen.»

feldwaldwiesenblogger

Nachgefragt bei Roger Rychen, welcher beim «Glarner-Bündner» im Schlussgang stand

Text: feldwaldwiesenblogger

Roger Rychen bestritt vor Wochenfrist am Glarner-Bündner Kantonalschwingfest in Näfels den Schlussgang. Der zweifache Glarner Eidgenosse verlor diesen zwar, seine Leistung an seinem ersten Kranzfest seit dem ESAF 2019 in Zug ist aber allemal erwähnenswert.

«Nichtsdestotrotz, ein Lachen meiner wundervollen Tochter muntert eine Schlussgangniederlage schnell wieder auf», schreibt Roger Rychen auf Facebook

Bild: Roger Rychen (Facebook)

Den Eidgenossen Tobias Krähenbühl auf dem Weg in den Schlussgang besiegt

Roger’s Einstieg in den Glarner Ehrentag verlief nicht ganz wunschgemäss. Im ersten Gang wurde er vom Urner Gast Andi Imhof besiegt. Dann aber folgte eine eindrückliche Aufholjagd. Der Reihe nach besiegte der Maschinist Corsin Jörger, Michael Steiner und Nicola Funk. Um den Schlussgang-Einzug duellierte sich der mittlerweile 51-fache Kranzschwinger mit dem Thurgauer Eidgenossen Tobias Krähenbühl, welchen er ins Sägemehl betten konnte. Roger stand seit 2018 (Bündner-Glarner und St. Galler Kantonalschwingfest) erstmals wieder in einem Schlussgang eines Kranzfestes.

Warten auf den ersten Kranzfestsieg

Im Schlussgang stand Roger dem Thurgauer Schwergewicht Domenic Schneider gegenüber. Dieser überlistete den Glarner Sennenschwinger mit einem Stich und feierte so seinen zweiten Kranzfestsieg. Derweil der Familienvater aus Mollis immer noch auf seinen ersten Kranzfestsieg wartet. Roger, welcher am 26. Februar Vater von Tochter Ariana wurde, stand mittlerweile zum siebten Mal in einem Kranzfest-Schlussgang. Prognose: Beim achten Anlauf klappt’s! Denn: Wie Siege sich anfühlen, weiss der gelernte Landwirt bestens, zieren doch 17 Siege an Rangschwingfesten sein Palmarès.

Der 30-Jährige stand dem Schwinger-Blog vergangene Woche Rede und Antwort zum Schlussgang am «Glarner-Bündner», aber auch zur Trainingsgestaltung und zur Saisonvorbereitung. Und: Am kommenden Sonntag, 4. Juli, geht’s für den Modelathlet mit den Gardemassen von 190 Zentimeter Körpergrösse und 110 Kilogramm Gewicht am «Innerschweizerischen» in Ibach SZ bereits weiter. Als Nordostschweizer Gast bekommt er es beim Anschwingen mit dem Schwyzer Eidgenossen Mike Müllestein zu tun. Das grosse Ziel wird der Innerschweizer Teilverbands-Kranz sein. Denn dieser fehlt noch in der Sammlung von Roger.

Um die Schlussgang-Qualifikation duellierte sich Roger mit dem Thurgauer Turnerschwinger Tobias Krähenbühl

Bild: Lorenz Reifler

Zuerst das Positive: Herzliche Gratulation zum ersten Saisonkranz! Was ging dir nach dem verlorenen Schlussgang in Näfels durch den Kopf?

«Vielen Dank für die Gratulation! Aus meiner Sicht gesehen ist es schade, dass es so schnell vorbei war.»

Was genau passierte im Schlussgang? Wie beurteilst du den rückblickend?

«Domenic Schneider hat mit Stich angegriffen, und am Boden konnte ich mich nicht mehr wegdrehen. Dabei ist mir ein taktischer Fehler unterlaufen.»

Würdest du heute mit einer anderen Taktik den Schlussgang in Angriff nehmen?

«Ja, das würde ich. Ich habe den Gang inzwischen analysiert. So kann ich mich stetig weiter entwickeln.»

Worin meinst du, lagen die Stärken von Domenic Schneider im Schlussgang?

«Er hat sofort angegriffen, und mich am Boden gut fixiert.»

Was für ein Fazit ziehst du insgesamt für dein erstes Kranzfest der Saison?

«Ich ziehe ein positives Fazit. Denn ich konnte meine Konsequenz in einigen Bereichen verbessern.»

Nach 17 Siegen an Rangschwingfesten (auf dem Bild am Gibelschwinget Bonstetten 2017) wäre nun die Zeit reif für einen Sieg an einem Kranzfest

Bild: rogerrychen.ch

Hast du am Sonntagmorgen mit einer Schlussgangqualifikation geliebäugelt?

«Klar, das ist immer das Ziel. Mir ging es darum, Gang für Gang meine beste Leistung abzurufen, samt sauberer technischer Ausführung.»

Wie lief die doch ziemlich kurze Saisonvorbereitung ab?

«Ich bin trotz allem in verschiedenen Bereichen nach Fahrplan unterwegs. Aufs Schwingen bezogen hatte ich von Anfang an ein sehr gutes Gefühl im Sägemehl.»

Das Glarner-Bündner Kantonalfest in Näfels war gewissermassen ein Kaltstart in die Saison. Wie bist du mit diesem Umstand umgegangen?

«Es ist eine zusätzliche Erfahrung, um mich weiterzuentwickeln. Diese Herausforderung habe ich gerne angenommen.»

Die Trainingsgestaltung für 2021 ist sicher sehr ungewöhnlich. Wie sieht dein Training momentan aus?

«Ich habe aktualisierte Trainingspläne, welche ich befolge. Das Schwingtraining ist in dieser Phase umfangreicher als üblich.»

Am kommenden Sonntag bist du Gast am ISAF in Ibach. Was rechnest du dir für das erste Teilverbandsfest der Saison aus?

«Ich freue mich sehr auf das Fest in Ibach, an welchem ich als Gast antreten darf. Ich bereite mich gut darauf vor, und bin bereit meine Chancen zu nutzen.»

feldwaldwiesenblogger

Der Eidgenosse Stefan Stöckli meldet sich mit einem Sieg am Oberhabsburger Rangschwingfest zurück

Text: feldwaldwiesenblogger

Vor Wochenfrist erklärte ich Sven Schurtenberger und Joel Ambühl zu Topfavoriten bei den beiden Oberhabsburger Rangschwingfesten in Root. Bei Ambühl lag ich richtig. Schurtenberger startete zwar vielsprechend mit einem Sieg in den Wettkampf, musste aber nach dem dritten Gang wegen gesundheitlichen Problemen (Hitzschlag) vorzeitig aufgeben. Stefan Stöckli, der zweite Eidgenosse im Teilnehmerfeld, erwischte hingegen einen guten Tag und gewann das vormittägliche Oberhabsburger Schwingfest 1. Zudem vermeldete ich im Vorfeld, dass es ihm in erster Linie nach zwei gravierenden Knieverletzungen darum geht, wieder richtig Fuss zu fassen. Stefan gelang das am vergangenen Sonntag eindrücklich, gerade rechtzeitig vor dem Kranzfest-Start in der Innerschweiz. Der Luzerner ist morgen Samstag am Stoos-Schwinget in Ibach SZ auch am Start. Im ersten Gang bekommt er es mit dem Berner Teilverbands- und Berkranzer Simon Mathys zu tun.

Stefan Stöckli durfte sich als Sieger vom Oberhabsburger Rangschwingfest 1 feiern lassen

Bild: feldwaldwiesenbloger

Überlegener Sieg am Oberhabsburger Rangschwingfest 1

Mit fünf Siegen und einem «Gestellten» durfte Stefan einen überlegenen Sieg am Oberhabsburger Rangschwingfest 1 feiern. Der Luzerner reihte Roman Fellmann, Sven Wyss, Ueli Doppmann, Lukas Lemmenmeier und im Schlussgang Ronny Schöpfer unter die Verlierer. Einzig mit Remo Vogel teilte er im vierten Gang die Punkte. Gut eine Woche vorher lief es dem Eidgenossen am Oberseetaler Rangschwinget bei seinem Comeback noch nicht ganz rund. Drei Siege, zwei «Gestellte» und eine Niederlage bedeuteten Rang 9a. 

Feine Schwingerarbeit – Comeback geglückt

Am Oberhabsburger Rangschwingfest zeigte Stefan feine Schwingerarbeit. Die fünf Siege fielen überzeugend aus, und man durfte hinterher konstatieren: Das Comeback nach zwei gravierenden Knieverletzungen ist geglückt. Blick zurück in die Vergangenheit: Betrachtet man die Tabelle der Kranzerfolge, kommt die Frage auf, warum hat dieser exzellente Schwinger eigentlich nicht mehr Eichenlaub-Exemplare auf seinem Konto? Weiter fällt auf: Der erste Kranzerfolg feierte Stefan als 21-Jähriger, dann folgte zwei Jahre später Kranz Nummer zwei und wieder zwei Jahre später Kranz Nummer drei. Waren da auch schon Verletzungen im Spiel? In den Jahren 2015 und 2016 durfte sich der Rottaler jeweils dreimal den Kranz aufsetzen lassen. Als Meilensteine 2015 und 2016 jeweils den Innerschweizer Kranz und als Höhepunkt 2016 Eidgenössisches Eichenlaub. Ab dann kam kein Kranz mehr hinzu. Wie bereits erwähnt setzten zwei schwerwiegende Knieverletzungen den Eidgenossen ausser Gefecht.

Zeit, bei Stefan nachzufragen und ihn besser kennen zu lernen. Um zu erfahren, wie seine Verletzungsgeschichte nach dem Kranzgewinn am Eidgenössischen Schwingfest 2016 in Estavayer aussah. Und: Ist der Technische Kaufmann mit seinen 30 Jahren nun bereit, an der Innerschweizer Spitze mitzumischen?

Stefan Stöckli’s bisheriger Karrierehöhepunkt: Der Eidgenössische Kranz 2016 in Estavayer

Bild: Stefan Stöckli

2016 in Estavayer den Eidgenössischen Kranz gewonnen

Stefan’s Geburtsdatum ist der 8. Mai 1991. Der 30-Jährige wohnt in Geiss, ist verlobt und weist mit seiner Grösse (189 Zentimeter) und seinem Gewicht (110 Kilogramm) optimale Masse für den Schwingsport auf. Der Geisser machte eine Ausbildung zum Schlosser (Anlage- und Apparatebauer) und arbeitet derzeit in einem Betrieb in Buttisholz als Technischer Kaufmann. Nebst der Arbeit und dem Schwingsport ist der gelernte Schlosser im Sommer mit dem Rennvelo unterwegs, und verbringt zudem gerne Zeit mit Kollegen in einer gemütlichen Runde.

Stefan ist Mitglied beim Schwingklub Rottal, welcher dem Luzerner Kantonalverband angehört. Der Sennenschwinger hat bisher neun Kränze herausgeschwungen, nebst dem Eidgenössischen Kranz zieren zwei Teilverbands- und sechs Kantonalkränze sein Palmarès. Zu den grössten Erfolgen zählt Stefan den am ESAF in Estavayer gewonnenen Kranz und den Sieg am erwähnten Oberhabsburger Rangschwingfest, der bisher einzige Festsieg bei den Aktiven.

Als 11-Jähriger zum Schwingsport gefunden

Die bevorzugten Schwünge sind der Wyberhaken und der Kurz, diese kommen am häufigsten zur Anwendung. Stefan fand als 11-Jähriger zum Schwingsport. Sein Vater war damals Jungschwingerbetreuer und nahm den Knirps eines Tages mit zum Training. Stefan bekam Freude am Nationalsport, und besuchte hernach die Trainings vom Schwingklub Rottal. Zu dieser Zeit war zudem kein Geringerer als der Eidgenosse Thomas Stöckli Jungschwingerbetreuer, ein Onkel von Stefan. Die «Stöckli’s» sind in der Innerschweiz eine kleinere Schwinger-Dynastie. Ein Cousin hat auch geschwungen und Bruder Damian ist immer noch aktiv.

Wie sah deine Verletzungsgeschichte nach dem ESAF 2016 aus?

«Diese Geschichte begann schon vor dem ESAF in Estavayer. 2016 verspürte ich ab Mitte Jahr Schmerzen im rechten Knie. Ich machte dann Physiotherapie und liess mir wegen den Schmerzen Cortison spritzen. Bis zum «Eidgenössischen» verspürte ich immer einen Druck auf dem Knie. Um teilnehmen zu können, versuchte ich alles, und nahm auch Schmerztabletten. Ich absolvierte in Estavayer meine acht Gänge, und holte mir den Kranz. Nach dem ESAF konnte ich kaum mehr laufen und das Knie war stark geschwollen. Ich liess mich untersuchen, die Abklärung ergab: Von der Kniescheibe waren einige Knorpel abgesplittert, diese drückten auf das Gelenk und lösten den Schmerz aus. Mit einer Eigenblut-Therapie versuchte man, die Knorpel aufzulösen. Das funktionierte leider nicht wunschgemäss, die Knorpel mussten schlussendlich operativ von den Gelenken entfernt werden. Die Saison darauf wollte ich möglichst rasch wieder auf den Schwingplatz. Ich nahm am Luzerner Kantonalen 2017 in Malters teil, brach die Saison aber hinterher ab. Mein Knie fiel wieder ins selbe Stadium zurück wie nach dem ESAF 2016. Ich unterzog mich nochmals einer Eigenblut-Therapie, welche diesmal anschlug. Ein Eingriff war nicht nötig, und ich konnte mich gut auf die Saison 2018 vorbereiten. Ich fühlte mich gut und bestritt als Vorbereitung zwei oder drei Frühjahrsschwingfeste. Am Frühjahrsschwinget in Ibach bezwang ich beim Anschwingen gar Martin Grab, und konnte so viel Selbstvertrauen tanken. Etwas später nahm ich am Schwyzer Kantonalen in Sattel teil. Im sechsten Gang wurde mir Guido Gwerder zugeteilt. Ich zog mit Kurz an, trat in ein Loch und rutschte weg. Gwerder gab Gegendruck, mein Knie bewegte sich ins Leere. Dabei gab’s einen «Chlapf» und ich verspürte einen Riesenschmerz. Im linken Knie wurde ein Kreuzbandriss, ein beschädigter Meniskus und eine in Mitleidenschaft gezogene Kniescheibe diagnostiziert. Es folgte ein grösserer operativer Eingriff, und hinterher eine längere Phase mit Physiotherapie und Aufbau. Im Winter 2018/2019 war das Knie noch zu wenig stabil, um schwingen zu können. Ich entschied mich, die Saison 2019 nicht in Angriff zu nehmen. Stattdessen entschloss ich mich für einen sauberen Aufbau für 2020. Ich war im Frühling gut drauf und körperlich fast noch fitter als jetzt. Wegen Corona fiel dann die Saison ins Wasser, ehe sie begonnen hatte. In dieser ungewissen und schwierigen Zeit war ich nahe dran, die Schwinghosen an den Nagel zu hängen. Ich führte viel Gespräche mit meinem Umfeld und entschied mich, weiterzumachen. Mit dem Hintergedanken, 2022 am ESAF in Pratteln teilnehmen zu können. Ich muss dazu aber auch sagen, dass mein Körper nun den Takt vorgibt und mir signalisiert, was drin liegt.»

Stefan Stöckli inmitten der Preisgewinner vom Oberhabsburger Rangschwingfest 1 (Zweiter von rechts). Die Schwingerfreunde hoffen auf weitere solcher Bilder

Bild: feldwaldwiesenblogger

Was sagst du rückblickend zum Comeback-Sieg am Oberhabsburger Rangschwingfest?

«Dieser Sieg hat mich sehr gefreut, es war ein super Gefühl! Ich war froh, dass ich schmerzfrei und unbeschwert schwingen konnte. Ich habe diesen Schwinget als Training angesehen und dabei beobachtet, was funktioniert und was noch nicht. Es zeigt mir, dass ich auf dem richtigen Kurs bin, trotz meiner Verletzungsgeschichte und Corona.»

Haben dich schon in jungen Schwingerjahren Verletzungen geplagt?

«2010 erlitt ich am Luzerner Kantonalen in Zell einen Halswirbel-Bruch. Bei einem Gang steckte ich mit dem Kopf im Sägemehl fest, und dabei ist es wohl passiert. Ich habe das Schwingfest noch fertig geschwungen und den Kranz gewonnen. Ich liess mich hinterher untersuchen. Es hiess, dass es sich um eine Verstauchung handle, und nicht weiter abgeklärt werden müsse. Vier Wochen später verspürte ich starke Schmerzen. Die darauffolgende MRI-Untersuchung brachte den Halswirbel-Bruch zu Tage. Man hatte mir dabei gesagt, dass ich trotz allem grosses Glück hatte. Ich war dann während zwei Jahren nicht mehr oft im Schwingkeller anzutreffen, und war stattdessen mehr bei der Physiotherapie. Am Luzerner Kantonalen 2012 trat ich zwar an, und holte mir den Kranz. Im Halswirbel-Bereich war aber längst noch nicht alles in Ordnung. Weitere Physiotherapie-Stunden folgten. Erst ab 2014 konnte ich wieder richtig trainieren und schwingen.»

Bist du mit 30 Jahren nun bereit, an der Innerschweizer Spitze mitzumischen?

«Ja, ich bin bereit. Das oberste Ziel ist aber, dass ich unfallfrei bleibe und mich von Fest zu Fest steigern kann.»

Was rechnest du dir für den Stoos-Schwinget von morgen Samstag aus?

«Das Ziel ist der Kranz, und dass ich meine Bestleistung abrufen kann. Alles andere ist Zugabe. Ich brauche nun Schwingfeste, um richtig in die Saison reinzukommen. Damit es läuft und das Vertrauen da ist. Der Festsieg in Root kam mir dabei sehr entgegen. Wenn morgen der Kranz resultieren würde, wäre das sehr optimal. Es ist ein starkes Teilnehmerfeld am Start, dabei wird es einige Überraschungen geben.»

Wie sieht deine Saisonplanung aus und welche Ziele hast du dir für 2021 gesteckt?

«Nebst dem Stoos-Schwinget, starte ich in den darauffolgenden Wochen am «Innerschweizerischen» und am Rigi-Schwinget in Ibach. Dann folgt eine Woche Pause, bevor ich am Brünig-Schwinget in die Schwinghosen steige. Anschliessend mache ich Ferien. Hinterher nehme ich am Ob- und Nidwaldner, am Zuger und schliesslich am Luzerner Kantonalfest teil. Nach Möglichkeit starte ich noch an einem Regionalschwingfest, wenn es mein Körper zulässt.

Das oberste Ziel ist, unfallfrei zu bleiben. Dann natürlich Kränze zu gewinnen, alles weitere ist Zugabe. Ich nehme Fest um Fest, und schaue, wie sich das entwickelt. Eine Teilnahme am Kilchberger Schwinget ist sicher auch ein Ziel. In erster Linie freue ich mich aber, dass ich wieder schmerzfrei schwingen kann, nach all der Zeit mit Verletzungen und Physiotherapie.»

feldwaldwiesenblogger

Sven Schurtenberger und Joel Ambühl als Topfavoriten am Oberhabsburger Rangschwingfest in Root LU

Text: feldwaldwiesenblogger

Seit 1950 führt der Schwingklub Oberhabsburg regelmässig den Michaelskreuz-Schwinget durch. Wegen der aktuellen Pandemie-Situation findet dieser Anlass 2021 nicht statt. Aber: Als Ersatz steht am kommenden Sonntag, 20. Juni in Root LU das Oberhabsburger Rangschwingfest auf dem Programm. Das OK um Präsident Walter Fässler hat dies letzte Woche so entschieden. Die Organisatoren haben zudem festgelegt, am gleichen Tag gleich zwei Schwingfeste durchzuführen, dies allerdings ohne Zuschauer. Denn: Wegen den noch immer bestehenden Corona-Massnahmen im Monat Juni dürfen nur 50 Schwinger an einem Schwingfest, welches nicht als kantonaler Pilotanlass durchgeführt wird, teilnehmen. Am Vormittag kommt das Oberhabsburger Rangschwingfest 1 zur Austragung, am Nachmittag das Oberhabsburger Rangschwingfest 2.

Anstelle des beliebten Michaelskreuz-Schwinget (auf dem Bild die 59. Austragung 2019) wird 2021 das Oberhabsburger Rangschwingfest in Root LU durchgeführt. Dies allerdings ohne Zuschauer

Bild: lk-sv.ch

Weitere Gelegenheit vor den anstehenden Kranzfesten

Der Schwingklub Oberhabsburg möchte den Schwingern vor den anstehenden Kranzfesten eine Gelegenheit bieten, trotz der aktuellen Situation wettkampfmässig zu schwingen. Zudem können sich auf dem gleichen Schwingplatz auch die Nachwuchsschwinger messen, und zwar morgen Samstag, 19. Juni am 3. Oberhabsburger Nachwuchsschwinget. Jungschwinger mit den Jahrgängen 2006 bis 2013 kämpfen in vier Kategorien um den Kategoriensieg und den Zweig als Auszeichnung. Auch dieser Anlass wird ohne Zuschauer ausgetragen.

Diese Spitzenschwinger haben sich angemeldet

Folgende Spitzenschwinger sind am Vormittag beim Oberhabsburger Rangschwingfest 1 am Start: Die beiden Eidgenossen Sven Schurtenberger und Stefan Stöckli sowie die Berg- und Teilverbandskranzer Roger Bürli, Urs Doppmann, Damian Egli, Reto Fankhauser, Roman Fellmann und Remo Vogel. 

Für das Oberhabsburger Rangschwingfest 2 am Nachmittag haben sich keine Eidgenossen angemeldet. Den Sieg werden wohl die gemeldeten Berg- und Teilverbandskranzer unter sich ausmachen. Dies sind Joel Ambühl, Dominic Fässler, Marco Reichmuth und Roman Zurfluh. Ambühl werden dabei die grössten Chancen zugerechnet.

Der Sieg am Oberhabsburger Rangschwingfest 1 vom Vormittag wird über Sven Schurtenberger führen

Bild: feldwaldwiesenblogger

Sven Schurtenberger als Topfavorit am Vormittag

Beim Schwingfest am Vormittag wird der Sieg über Sven Schurtenberger führen, alles andere wäre eine Überraschung. Beim Oberseetaler Rangschwinget (Ballwil) vom letzten Freitag belegte der Buttisholzer den hervorragenden zweiten Schlussrang und musste sich nur dem Sieger Joel Wicki geschlagen geben. Daneben zierten lauter Siegkreuzchen sein Notenblatt. Zu den Verlierern reihte Schurtenberger unter anderem Marco Fankhauser, Joel Ambühl und Urs Doppmann, welche am Sonntag auch in Root antreten werden. Stefan Stöckli’s Auftritt in Ballwil verlief nicht ganz so erfolgreich. Nebst drei Siegen musste der Geisser zwei Gestellte und eine Niederlage hinnehmen. Für Stöckli geht es aber in erster Linie darum, wieder richtig Fuss zu fassen. Der Klubkollege von Schurtenberger erlebte nach dem Kranzgewinn am Eidgenössischen Schwingfest 2016 in Estavayer eine lange Verletzungsgeschichte, und konnte in der Folge nur ganz wenige Schwingfeste bestreiten. Stöckli meldete sich Ende 2019 wieder fit und munter zurück, Corona verhinderte aber 2020 ein Comeback. Man darf gespannt sein, wie es dem 9-fachen Kranzschwinger bei seinem zweiten Schwingfest in Root laufen wird.

Joel Ambühl klassierte sich beim Oberseetaler Rangschwinget auf dem exzellenten zweiten Rang, und gilt als Sieganwärter am nachmittäglichen Oberhabsburger Rangschwingfest 2 

Bild: esv.ch

Augenmerk auf Joel Ambühl am Nachmittag

Joel Ambühl zeigte beim Oberseetaler Rangschwinget eine exzellente Leistung und klassierte sich am Ende wie Schurtenberger auf Rang zwei. Der in Hergiswil bei Willisau wohnhafte Sennenschwinger verlor nur gegen «Schurti», die anderen fünf Gänge gestaltete er siegreich. So unter anderem gegen Marco Fankhauser und den oben angesprochenen Stefan Stöckli. Ambühl gilt als Sieganwärter am nachmittäglichen Oberhabsburger Rangschwingfest 2.

Von den am Sonntag in Root startenden Schwingern konnten sich nebst Sven Schurtenberger, Joel Ambühl und Stefan Stöckli auch Roman Fellmann und Urs Doppmann mit je vier gewonnenen Gängen die Auszeichnung in Ballwil abholen.

Auszeichnung und Preise

Da das Oberhabsburger Rangschwingfest innert kürzester Zeit organisiert werden musste, wird es keinen Gabentempel geben. Die ersten 30 Prozent der Schlussrangliste erhalten eine Auszeichnung. Den Schwingern auf den Rängen eins bis drei wird zudem ein Preis ausgehändigt.

Das vormittägliche Rangschwingfest beginnt um 09.00 Uhr, dasjenige am Nachmittag um 13.00 Uhr. Der Schreibende wird am Sonntag vor Ort sein, und auf den Kanälen des Schwinger-Blogs das Schwingfestgeschehen zusammenfassen.

feldwaldwiesenblogger

Samuel Giger fordert die Nordwestschweizer heraus

Text: feldwaldwiesenblogger

Nach dem geglückten und stimmungsvollen Aargauer Kantonalschwingfest von vergangenem Sonntag steht an diesem Wochenende bereits Kranzschwingfest Nummer zwei auf dem Programm. Die Solothurner dürfen ihr «Kantonales» am Sonntag, 13. Juni ebenfalls als Pilotanlass durchführen. Erwartet werden um die 100 Schwinger, erlaubt sind total 1000 Personen auf dem Festgelände. Nebst den Nordwestschweizer Schwingern werden am Schwingfest in Matzendorf Schwinger von den befreundeten Schwingklubs am Ottenberg und Langnau am Start sein. Im Fokus wird dabei der Thurgauer Spitzenschwinger Samuel Giger stehen. Wie in Lenzburg Christian Stucki das Festgeschehen diktierte, wird beim Solothurner Kantonalen wohl Giger den Takt vorgeben.

Der Thurgauer Samuel Giger fordert in Matzendorf die Nordwestschweizer heraus

Bild: bauernzeitung.ch

Revanche beim Anschwingen

Als Revanche vom Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 2019 in Zug treffen im absoluten Spitzengang beim Anschwingen Samuel Giger und Nick Alpiger aufeinander. Wir erinnern uns: Vor fast zwei Jahren bezwang der Aargauer etwas überraschend im ersten Gang den Thurgauer. Die Wege der beiden gingen in der Folge am ESAF ganz unterschiedlich vonstatten. Giger fing sich nach einer weiteren Niederlage im dritten Gang, und belegte schlussendlich Rang vier. Ganz anders bei Alpiger: Beim zweiten Gang riss bei ihm die Beugesehne zwischen Becken und Oberschenkel, und nach dem vierten Gang musste der Innerschweizer Sieger von 2019 schliesslich aufgeben. 

Dem Vernehmen nach ist Giger topfit, und hat sein Trainingspensum auch ausserhalb des Sägemehls nochmals gesteigert. Aber auch Alpiger bewies vor Wochenfrist am Aargauer Kantonalen in Lenzburg, dass er bereit ist. Im Spitzengang beim Anschwingen lief der Nordwestschweizer Team-Leader zwar Schwingerkönig Christian Stucki ins offene Messer. Hernach holte er auf, und es kam nochmals zum Duell mit Stucki. Der fade Schlussgang war dann leider taktisch geprägt. Es ist zu hoffen, dass der absolute Spitzengang am Solothurner Kantonalen auch seinem Namen gerecht wird, und beide Athleten ein Feuerwerk ins Sägemehl zaubern.

Auf diesem Festplatz in Matzendorf wird am Sonntag um Kränze geschwungen

Bild: matzendorf2020.ch

Läuft der Festverlauf am «Solothurner» ähnlich ab wie beim «Aargauer»?

Vieles deutet daraufhin, dass sich Samuel Giger wie Christian Stucki der Reihe nach mit der Nordwestschweizer Elite duellieren wird. Wird der Festverlauf ähnlich verlaufen wie in Lenzburg? Dagegen etwas einzuwenden haben nebst Nick Alpiger die weiteren Aargauer Eidgenossen Joel Strebel, Andreas Döbeli sowie Patrick Räbmatter und der Solothurner Teilverbands- und Bergkranzer Marcel Kropf. Strebel und Döbeli bewiesen in Lenzburg, dass sie in einer Topverfassung sind. «Räbi» hingegen hat noch Luft nach oben und wird in erster Linie wohl den verpassten Kranz nachholen wollen. Joel Strebel tritt am Sonntag zudem als Titelverteidiger an, er gewann die letzte Austragung 2019 in Zuchwil.

Ein weiterer Unterschied zum «Aargauer» werden die hochkarätigen Begleiter von Giger ausmachen. Die Brüder Domenic und Mario Schneider sind garantiert ebenso heiss darauf sich mit den Nordwestschweizer Spitzenschwingern zu duellieren. Der Festverlauf könnte deshalb erstens anders und zweitens noch spannender ablaufen als vor Wochenfrist.

Fünf Verletzte nach dem Aargauer Kantonalen

Der 100-fache Kranzgewinner Christoph Bieri steht in Matzendorf nicht am Start. Ob er nochmals ins Wettkampfgeschehen eingreifen wird, lässt der 35-jährige Aargauer noch offen. Ebenfalls fehlen werden die beiden Nordwestschweizer Eidgenossen David Schmid und Remo Stalder, beide wegen Verletzung. Stichwort Verletzungen: Am Aargauer Kantonalschwingfest schieden gleich fünf Schwinger wegen Verletzung aus, und dies bei einem Teilnehmerfeld von «nur» 87 Schwingern. Wie man in Erfahrung bringen konnte, seien diese Verletzungen auf eine ungenügende Vorbereitung zurückzuführen. Kritische Stimmen haben nach dem Lockerungsschritt vom 31. Mai befürchtet, dass die zu kurze Vorbereitungszeit für die Mittelschwinger ein grösseres Verletzungsrisiko mitbringen könnte. Hoffen wir, dass sie Unrecht behalten werden, und am Solothurner Kantonalen keine weiteren Verletzten beklagt werden müssen.

Siegermuni «Trumpf» wartet auf den Festsieger

Bild: Festführer (matzendorf2020.ch)

Das Schwingfest wird mit einem Live Stream übertragen

Der Siegerpreis ist der stolze Simmentaler Muni «Trumpf», welcher am 25. Oktober 2017 geboren ist. Mit dem Rind «Bluejay» und der Stute «Darina» stehen zwei weitere Lebendpreise bereit. Zusätzlich wird für die Schwinger ein schöner Gabentempel hergerichtet. Anschwingen in Matzendorf ist am Sonntagmorgen um 08.45 Uhr. Wie die Solothurner Organisatoren mitteilen, ist das Schwingfest nicht öffentlich und kann nur auf Einladung besucht werden. Eintritt haben dabei nur Personen nach dem GGG-Prinzip: Getestet, geimpft oder genesen. Ein vorgängiger Test wird für die eingeladenen Schwingerfreunde empfohlen. 

Für die Zuschauer zuhause besteht die Möglichkeit eines Live Streams: Upstream Media bietet via Web-Portal www.schwingen-live.ch das Solothurner Kantonale live an. SCHLUSSGANG-Chefredaktor Manuel Röösli und ein Co-Kommentator werden das Geschehen auf dem Schwingplatz kommentieren. 

feldwaldwiesenblogger

Nach 21 Monaten wieder ein Kranzfest! Die Aargauer beenden mit ihrem Kantonalen eine unglaubliche Durststrecke.

Text: feldwaldwiesenblogger

Es ist fast nicht zu glauben: Wegen der Corona-Pandemie konnte während 21 Monaten (!) kein Kranzfest durchgeführt werden. Eine unglaublich lange Durststrecke, welche die Aargauer am kommenden Sonntag nun beenden. Das Aargauer Kantonalschwingfest in Lenzburg steht auf dem Programm.

Dieser schöne Holzbrunnen wird in Lenzburg den Festplatz zieren

Bild: Pascale Alpiger

Der Schwingerkönig gibt sich die Ehre

Passend zum ersten Kranzfest nach fast überstandener Pandemie gibt sich Christian Stucki, Schwingerkönig von Zug, als Gast in Lenzburg die Ehre. Denn das letzte kranzberechtigte Schwingfest vor 21 Monaten war ausgerechnet das ESAF 2019 in Zug. Stucki bezwang damals Joel Wicki im Schlussgang und konnte sich hinterher als Schwingerkönig feiern lassen. Dass der sanfte Riese aus dem Seeland so lange auf eine Gelegenheit warten muss um als amtierender Schwingerkönig anzutreten, hat damals keiner geahnt.

Kranzfest eins nach fast überstandener Corona-Pandemie

Was sich seit dem ESAF in Zug weltweit zutrug, ist eine Wahnsinns-Geschichte. Für die einen eine unglaublich harte Leidenszeit wegen Krankheit, für andere ein behördlich verordneter Stillstand. Was in dieser Zeit alles geschah, gezeigt, gesprochen und geschrieben wurde, hat niemanden kalt gelassen. Die Welt wurde in ihren Grundfesten erschüttert, auch der Schwingsport. Letztes Jahr wurde fast alles abgesagt, in diesem Jahr hingegen wurde mit viel Ehrgeiz und Wille der Start-Knopf gedrückt. Stefan Strebel, der TK-Chef des Eidgenössischen Schwingerverbandes, versuchte alles, damit baldmöglichst wieder geschwungen werden konnte. Erst liessen die Behörden die Schwinger mit Jahrgang 2001 und jünger wieder ins Sägemehl. Dann setzte sich Strebel und der ESV dafür ein, dass die 120 besten Schwinger wieder trainieren durften. Dies alles erfolgte unter viel Getöse, Kritik und harten Nebentönen. Nach und nach legte sich das aufgewallte Sägemehl. Denn: Die vielen Mittelschwinger durften nach einiger Zeit auch wieder ihr Training aufnehmen. Allerdings vorerst unter Einschränkungen, wie beispielsweise mit einer Maskenpflicht. Aber auch da probierte Stefan Strebel alles und präsentierte einen passenden Mundnasen-Schutz, welcher extra auf die Schwinger adaptiert wurde. Kaum hatten einige Athleten diese spezielle Maske probiert und als schwingtauglich befunden, erfolgte kürzlich der so wichtige Öffnungsschritt: Es dürfen wieder alle ohne Maske schwingen, und auch Schwingfeste sind wieder für alle erlaubt. Den Aargauern passte dieser Öffnungsschritt ausgezeichnet, liegt doch ihr Kantonalschwingfest wenige Tage nach dem 31. Mai. Denn ab letztem Montag ist wieder vieles möglich. 

Übrigens: Das Wort Öffnungsschritt fristete bis anhin ein Mauerblümchen-Dasein. Seit diesem Jahr wird dieser Begriff gehätschelt und manchmal gar überstrapaziert. Er löst aber hüben und drüben Hoffnungen aus. Und eben wegen diesem Öffnungsschritt ist es nun endlich möglich: Am kommenden Sonntag, 6. Juni folgt das Kranzfest eins nach fast überstandener Corona-Pandemie.

Der Aufbau auf der Schützenmatte in Lenzburg ist fast abgeschlossen

Bild: Pascale Alpiger

Freude herrscht!

Um Bundesrat Adolf Ogi’s Ausspruch wieder mal zu verwenden: «Freude herrscht!» Der Schreibende hat sich für das Aargauer Kantonale angemeldet und bekam zur grossen Freude eine Akkreditierung. Da im Monat Juni eigentlich nur Sportanlässe mit höchstens 50 Sportlern erlaubt sind (gilt auch für Schwingfeste), kam eine andere Möglichkeit ins Spiel. Der Bund ermöglicht es jedem Kanton, je fünf Pilotanlässe mit Zuschauern und Akteuren mit entsprechender Bewilligung durchzuführen. Das Aargauer Kantonalschwingfest in Lenzburg ist so ein behördlich bewilligter Anlass. Darum habe ich bereits eine ausgefüllte Liste übermitteln müssen und ein A4-Formular mit meinen Angaben ausgefüllt, welches ich am Sonntag beim Eingang zum Gelände zeigen muss. Diese administrativen Auflagen nehme ich aber gerne in Kauf, nur um endlich wieder Sägemehlduft einatmen zu dürfen. Wie hat einem dieses Gefühl in den vergangenen Monaten doch gefehlt!

Nick Alpiger, einer der Topfavoriten auf den Festsieg, blickt dem Aargauer Kantonalen optimistisch entgegen

Bild: aargauerzeitung.ch

Kommt das Kranzfest für die einen nicht zu früh?

Nun ja: Für die Schwinger wäre der Monat Juni eigentlich gedacht, um ordentlich trainieren zu können, und sich wettkampftauglich vorzubereiten. Darum empfiehlt der ESV, Rangschwingfeste für maximal 50 Schwinger durchzuführen. Stefan Strebel, der Motor hinter den Öffnungsschritten, war aber auch diesmal wieder eine Nasenlänge voraus. Hinter den Kulissen wurde alles versucht, um dieses Aargauer Kantonale zur Austragung zu bringen. Es kommt daher nicht von ungefähr, dass das erste Kranzfest in jenem Kanton steigt, wo er herkommt. Mit meiner Freude vom vorherigen Abschnitt winde ich ihm und den Organisatoren rund um den Schwingklub Lenzburg ein grosses Kränzchen. 

Ich füge trotzdem ein leises Aber an: Für die Mittelschwinger, welche erstens noch nicht so lange im Sägemehl trainieren dürfen, und zweitens ohne Maske erst seit vergangenem Montag, kommt das Kranzfest wohl doch ein bisschen früh. Ich hoffe für diese Schwinger, dass sie nicht «Kanonenfutter» für die Topcracks sind. Denn diese sind nebst den Jungaktiven schon ein Weilchen im Kurzholz tätig. Diese beiden Gruppen dürften am Sonntag beim Wettkampf den Ton angeben. Man muss den Aargauer Organisatoren aber zugutehalten, dass das Kranzfest eins in der neuen Zeitrechnung für ALLE eine grosse Motivation sein wird. Für die Schwinger, ob Spitzenathlet, Mittelschwinger oder Jungaktiver, aber auch für die Organisatoren, Funktionäre, uns Medienschaffende und die Zuschauer. Denn über allem stehen die Wettkämpfe, und diese sind der Antrieb für alle. Die eingangs gestellte Frage «Kommt das Kranzfest für die einen nicht zu früh?» beantworte ich mit JEIN.

Die angekündigten Spitzenpaarungen vom ersten Gang sorgen jetzt schon für viel Spannung

Bild: esv.ch

Die Topfavoriten auf den Festsieg

Da das Aargauer Kantonalschwingfest halt in diesen schwierigen Zeiten ein etwas anderes und zugleich besonderes Kranzfest sein wird, bedurfte es nun einer etwas längeren Einleitung. Die Topfavoriten lassen sich aus den Spitzenpaarungen vom ersten Gang herauslesen. Und auch aus diesen wird schon bald ersichtlich, dass der Festsieg über Schwingerkönig Christian Stucki, den einheimischen Nick Alpiger, Patrick Räbmatter, Joel Strebel und Andreas Döbeli laufen wird. Ich habe mir bereits Gedanken über den absoluten Spitzengang im ersten Gang gemacht: Nick Alpiger gegen Christian Stucki. Es ist alles möglich, von «gestelltem» Abtasten, über einen Blitzsieg von Christian Stucki bis hin zu einem gerissenen Sieg von Nick Alpiger. Die beiden Athleten werden wohl während dem Tag das Zünglein an der Waage spielen. Sind beide in Topform, treffen sie sich wieder im Schlussgang. Wenn nicht, steht am Abend ein lachender Dritter zuoberst. Da in Lenzburg quasi ein «Kaltstart» für alle bevorsteht, wird vieles unberechenbar sein. Ich wage zu behaupten, dass wir faustdicke Überraschungen erleben werden. Auf diese Überraschungen, und auf spannende und hoffentlich unfallfreie Zweikämpfe freue ich mich riesig. Aber auch auf die Schwingfest-Atmosphäre, und sei es momentan halt noch mit Einschränkungen, freue ich mich ebenfalls ungemein. 

Live-Übertragung vom Schwingfest

Für die langsam ungeduldig wartenden Zuschauer sei folgendes erwähnt: Das Fest am kommenden Sonntag wird von Tele M1 live übertragen, und die Schwingerzeitung SCHLUSSGANG bietet einen Live-Ticker an. Der «Schwinger-Blog» versucht die Übertragung mit regelmässigen Beiträgen auf seinen Kanälen abzurunden. 

Beim Schwingsport ist es nicht anders als bei anderen Sportarten: Der Wettkampf lebt von den Zuschauern und der damit verbundenen knisternden Atmosphäre. Die Fans bringen die so wichtigen Emotionen mit ein, und machen aus einem normalen Anlass ein rundum gelungenes Schwingfest. Beim Pilotanlass am kommenden Sonntag sind nur wenige Zuschauer zugelassen. Leider haben jetzt schon etliche Veranstalter verkündet, dass sie trotz weiteren Lockerungen ab anfangs Juli ihre Schwingfeste ohne Zuschauer durchführen werden. Obwohl ich dafür durchaus Verständnis habe, appelliere ich dennoch an die Veranstalter, die weitergehenden Lockerungen in die Planung miteinzubeziehen, und Zuschauer zuzulassen. Denn für ein rundum gelungenes Schwingfest braucht es fünf Faktoren: Nebst schönem Wetter motivierte Schwinger, gut ausgebildete Funktionäre, ein einwandfreier Festplatz und eben: die Schwingerfreunde. Ich wünsche mir, dass diese auch möglichst rasch wieder auf die Schwingplätze dürfen.

feldwaldwiesenblogger