Nachgefragt bei Fritz Ramseier, dem aufstrebenden Sieger vom Hallenschwinget Oberdiessbach

Text: feldwaldwiesenblogger / Foto: Rolf Eicher

Seit Beginn der neuen Saison gingen schon einige Hallenschwingfeste über die Bühne. Dabei gab es fast nur Sieger, welche man im Vorfeld auch zu den Favoriten gezählt hatte. Bei einem einzigen Anlass schwang aber einer oben auf, dessen Name ich bisher nicht wirklich im Fokus hatte: Fritz Ramseier.

Fritz Ramseier? Dieser Name dürfte wohl nur absoluten Insidern etwas sagen. Der fünffache Kranzgewinner wurde am 23. Juli 1994 geboren, wohnt in Süderen BE und arbeitet zu 100 Prozent bei einem Tief-/Hochbau-Betrieb. Daneben hilft er beim Landwirtschaftsbetrieb von seinem Vater und seinem Onkel mit. Fritz gehört dem Schwingklub Siehen an, welcher im Emmentalischen Gauverband integriert ist. Neben dem Schwingen gehören das Velofahren und der Langlauf zu seinen Hobby’s: „Ich bin gerne in der Natur“, ergänzt der Emmentaler.

Der 22-Jährige machte erst kürzlich auf sich aufmerksam, als er überraschend den Hallenschwinget Oberdiessbach im Berner Mittelland gewann. Dieses Schwingfest war von den Namen her zwar nicht top besetzt. Immerhin waren mit Patrick Schenk und Philipp Reusser zwei Eidgenossen am Start, weiter etliche aufstrebende Berner Nachwuchsleute.
Trotzdem: Das Notenblatt mit einem Gesamttotal von 59.00 Punkten kann sich absolut sehen lassen. Fritz besiegte im Schlussgang Severin Schwander. Nebst fünf lupenreinen „Zehnern“ musste er beim gestellten Gang mit Stefan Marti ein einziges Mal Punkte lassen.

Der Hallenschwinget Oberdiessbach war für Fritz das erste Schwingfest der Saison 2017. Wie der Sennenschwinger erklärt, will er spontan entscheiden, welches Schwingfest er als nächstes bestreiten wird. Vermutlich wird es der Abendschwinget vom Schwingklub Sense in Tafers FR sein, bei welchem Fritz und seine Kollegen als Gäste dabei sind.
Grund genug, beim jungen Berner Schwinger nachzufragen.


Fritz Ramseier, strahlender Sieger beim Hallenschwinget Oberdiessbach

Was bedeutet dir der Sieg beim Hallenschwinget Oberdiessbach?
Im Nachhinein sehr viel. Am Morgen ging ich mit der Einstellung dort hin, eine Standortbestimmung vorzunehmen. Dieser Sieg ist für mich ein Zeichen, dass ich während dem Winter nicht geschlafen habe.

Warst du überrascht über deinen Sieg?
Ja, eigentlich schon. Am Morgen habe ich nicht damit gerechnet. Die Freude war dann am Abend umso grösser.

Hast du bereits während dem Schwingfest gespürt, dass etwas drin liegen könnte?
Ich nahm Gang um Gang, und fühlte mich dabei je länger je besser. Nach dem fünften Gang stand ich bereits als Sieger (mindestens Rang 1b) fest. Ich ging deshalb voll motiviert in den Schlussgang rein.

Welcher Gang war in Oberdiessbach der „härteste“?
Der erste Gang, welchen ich gegen Patrick Gobeli bestritt. Wir beide haben den Sieg gesucht und gingen gleich in die Offensive. In der letzten Minute konnte ich ihn dann bezwingen.

Mit welcher Strategie bist du in den Schlussgang gegangen?
Wie bereits angesprochen, musste ich nichts mehr riskieren. Ich ging motiviert, zugleich aber vorsichtig in den Schlussgang rein und wartete erst mal ab. Ich stellte fest, dass mein Gegner, je länger der Gang dauerte, schwächer wurde. In der siebten Minute nutzte ich dann die Gunst der Stunde.

Du bist „nur“ 174 cm gross, bei einem Gewicht von 100 Kilogramm. Mit welchen Schwüngen hast du als „relativ kleiner“ Schwinger deine fünf Plattwürfe bewerkstelligt?
Mit Fussstich und innerem Haken. Diese beiden Schwünge wende ich am meisten an. Im Schlussgang fing ich einen Schlungg von Severin Schwander ab, und bezwang ihn mit einem Kopfzug.

Hast du in deiner Vorbereitung, deinem Training oder gar in deiner Schwingweise etwas verändert, dass du in Oberdiessbach derart parat warst?
Das ist eine gute Frage. Was ich verändert habe: Im Winter war ich keine einzige Minute im Kraftraum. Diese Art Training sagt mir einfach zu wenig zu. Zudem: Ich hatte auch schon Probleme mit dem Rücken zu beklagen. Nicht korrekt ausgeführte Übungen im Kraftraum waren für mich bisher eher kontraproduktiv. Ich trainiere stattdessen daheim mit meinem eigenen Körpergewicht, und mache dabei Rumpfbeugen oder Liegestütze. Überdies war ich während dem Winter dreimal pro Woche im Schwingkeller.

Letzte Saison hast du dir zwei Kränze erschwungen, vorletzte Saison deren drei. Was darf man in dieser Saison von dir erwarten?
Ich litt praktisch während der ganzen letzten Saison am Pfeifferschen Drüsenfieber, welches mich ein Stück weit einschränkte. Ich hoffe, dass diese Saison noch einiges geht. Aber: Das ist nach dem ersten Schwingfest natürlich schwierig zu sagen. Das Selbstvertrauen ist sicher da. Wir werden sehen, was noch alles drin liegt.

Wie sieht dein momentanes Trainingsprogramm aus?
Ich absolviere wöchentlich drei Schwing- und ein bis zwei Konditionstrainings. Zusätzlich betreibe ich das angesprochene Krafttraining mit meinem eigenen Körpergewicht, dies je nach Lust und Laune. Als Abwechslung und Ergänzung zum Konditionstraining fahre ich Velo und betreibe im Winter Langlauf.
Bei den Zusammenzügen des Berner Teams, bei welchen für den Unspunnen-Schwinget trainiert wird, bin ich auch dabei. Alle zwei Wochen findet so ein Team-Training statt. Bei diesen Zusammenzügen habe ich die Möglichkeit, mit anderen Gegnern zu schwingen, statt nur immer mit den klubeigenen.

Welche Schwinger sind deine Vorbilder? Von welchen Schwingern hast du Dinge abgeschaut?
Die grössten Vorbilder sind für mich die kleinen Kinder. Die sind immer motiviert, stehen auf wenn sie umgefallen sind und machen stets weiter.
Ein Vorbild ist für mich sicher Thomas Zaugg, unser klubeigener Eidgenosse. Mich beeindrucken an ihm sein Biss und sein Können. Er ist zudem auch nicht ein überaus grossgewachsener Schwinger. Von ihm kann ich einiges mitnehmen. Thomas kommt einmal die Woche in den Schwingkeller und trainiert uns. Bei Fragen steht er uns auch zur Seite. Das ist für uns Jungen enorm gut und wir können viel von ihm profitieren.
Von Hanspeter Pellet, welcher auch nicht sehr gross ist, habe ich viel abgeschaut und versuche nun einiges so zu machen. Ich beobachtete seine Schwünge bei Schwingfesten und von Videos aus dem Internet.

An welchen Schwingfesten wird man dich 2017 antreffen?
Für Teilnahmen an Klub- und Regionalfeste entscheide ich mich spontan. Weiter bestreite ich die Gauverbandsfeste im Emmental, Mittelland, Seeland und Oberland. Das Berner Kantonalschwingfest steht ebenso auf dem Programm. Welche Bergfeste ich bestreiten darf, weiss ich noch nicht.

Ich bedanke mich bei Fritz Ramseier für seine interessanten Auskünfte und bin überzeugt, dass man von dem aufstrebenden Talent in Zukunft noch einiges zu hören, respektive zu sehen bekommen wird. Einstweilen wünsche ich ihm einen guten Einstieg in die neue Saison und dass er gesund und fit bleibt!

feldwaldwiesenblogger

Was darf man von den Berner Schwingern 2017 erwarten? – Experten-Meinung zu Beginn der neuen Saison

Text: Manfred Schneider und feldwaldwiesenblogger / Foto: Manfred Schneider

Die Ersten werden die Letzten sein, oder anders gesagt: Heute folgt mit dem Bernisch Kantonalen Schwingerverband (BKSV) bereits die letzte Experten-Meinung zu Beginn der neuen Saison. Für diesen Part konnte ich den Berner Manfred Schneider gewinnen. Das eidgenössische Ehrenmitglied war bis 2016 Eidgenössischer Technischer Leiter Jungschwingen, und kennt das Schwinggeschehen im Bernbiet ausgezeichnet.

Über den stärksten Verband viele Worte zu verlieren ist fast wie Wasser in die Aare zu tragen. Mit drei noch aktiven Schwingerkönigen in ihren Reihen sind die Berner derzeit einfach das Mass der Dinge. Weiter verfügen sie, angeführt von Remo Käser, über etliche talentierte junge Schwinger. Diese sind ebenfalls jederzeit zu einem Kranzfestsieg fähig. Die Berner weisen eine breite Spitze, aber auch ein breites Feld mit starken Mittelschwingern auf.

Aber: Die Arrivierten um Glarner, Sempach, Stucki und Co. sind mittlerweile über 30 Jahre. Sind diese nicht mehr aktiv, vermuten einige Schwingerfreunde, dass der Abstand zu den anderen Teilverbänden wieder kleiner werden könnte. Trotzdem: Dank dem starken Nachwuchs müssen sich auch die Mutzen keine Sorgen über ihre Zukunft machen.

Einstweilen blicken wir aber auf die nun beginnende Saison. Diese wurde im Bernbiet mit den Hallenschwingfesten Kirchberg (Sieger: Remo Käser), Büren an der Aare (Sieger: Florian Gnägi), Oberdiessbach (Sieger: Fritz Ramseier) und Thun (Sieger: Bernhard Kämpf) lanciert.

Manfred Schneider erhielt von mir den gleichen Fragenkatalog zugestellt wie die vier anderen Teilverbands-Experten. Bei den zehn Fragen erklärte mir der Berner schriftlich seine Sichtweise zu Beginn der neuen Saison.


Manfred Schneider, Berner Experte

Hast du mitbekommen, welche Schwinger bereits schon in einer ausgezeichneten Form sind?
Da die Schwinger ihr Jahresprogramm meistens selbst machen, weiss jeder genau, was er machen muss, um seine Ziele zu erreichen. Sei es, um sich für einen Eidgenössischen Anlass zu qualifizieren, oder bei den Saison-Höhenpunkten parat zu sein.
So wie sich der Neu-Eidgenosse Remo Käser am Hallenschwinget in Kirchberg präsentiert hat, befindet er sich schon in einer guten Form. Dies verwundert mich aber nicht, profitierte Remo doch von den guten Trainings in der Sportler-RS in Magglingen BE.

Welche Schwinger werden 2017 für Furore sorgen? Könnte es gar Überraschungen geben?
Es werden die gleichen vorne sein wie 2016. Von denen, die dereinst das Zepter übernehmen werden, sehe ich noch keinen, der dies 2017 schon ändern könnte. Ich lasse mich aber gerne überraschen.

Welche Schwinger könnten den Sprung nach vorne schaffen?
Ich denke, es hätte ein paar Berner Schwinger, für welche es möglich ist. Aber dann muss man überzeugt sein, es zu wollen und auch bereit sein, während der Schwingsaison auf einiges zu verzichten.

Wie sieht es mit dem Nachwuchs aus?
Wenn ich die Resultate vom letzten Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag (ENST 2015) in Aarburg anschaue, stelle ich fest, dass die Berner gute Nachwuchsschwinger haben. Jetzt gilt es, diese Schwinger in die Trainings der Aktiven zu integrieren. Damit sie profitieren können und sehen, was es noch braucht um Spitzenschwinger zu werden. Und zwar nicht nur im Bernbiet, sondern schweizweit.
Der BKSV hat nun angefangen, mehr für den Nachwuchs zu tun. Es ist sicher angebracht, denn sonst könnte man nach 2019 wieder in ein Loch fallen.

Welche Arrivierten werden nach wie vor den Ton angeben?
Die Könige Matthias Glarner, Matthias Sempach und Kilian Wenger. Weiter Bernhard Kämpf, Christian Stucki, Florian Gnägi und Remo Käser.

Werden die Neueidgenossen überzeugen?
In Estavayer wurde bei den Zweikämpfen von Patrick Schenk gegen Steven Moser und Philipp Roth gegen Nöldi Forrer wohl nicht erwartet, dass sie ihren letzten Gang gewinnen. Die beiden müssen nun aber an ihrer Schwingart arbeiten, damit sie den Kranz bestätigen können. Bei Damian Gehrig, Philipp Reusser und Adrian Schenkel denke ich, dass sie weiterhin nicht angenehme Gegner sein werden: Ob beim Schwingen oder für die Einteilung. Remo Käser wird sicher seinen Kranz bestätigen. Für alle gilt aber, sich für den Unspunnen-Schwinget zu qualifizieren.

Könnte die Unspunnen-Selektionierung für einige Schwinger zur „Nervenfalle“ werden?
Ich konnte mir bei Trainingsbesuchen selber ein Bild davon machen, dass mit dem Berner Kader bereits gut trainiert wird für den Unspunnen-Schwinget. Man hat da noch eine Rechnung offen. Ich sehe eigentlich kein Nervenflattern. Denn die 32 Berner, welche teilnehmen können, wissen wie es geht und was sie zu tun haben.

Wo siehst du Negativpunkte oder gar Handlungsbedarf beim Verband?
Auf ESV-Stufe stimmt mich sehr traurig, dass man das viertägige Eidgenössische Nachwuchstrainingslager nicht mehr durchführen will. Acht Nachwuchs-Trainingslager durfte ich leiten. Diese waren stets eine gute Vorlage für die qualifizierten Nachwuchsschwinger aus allen Teilverbänden. Die jungen Athleten konnten sich aus dem Gezeigten der Spitzenschwinger verbessern, oder sahen, warum ihre Kameraden besser sind. Aber auch die Kameradschaftliche Kommunikation unter den Nachwuchsschwingern aller Teilverbände war etwas vom schönsten, was ich in meiner Zeit als Eidgenössischer Technischer Leiter Jungschwingen (TLJ ESV) erleben durfte. Ich habe bis heute noch regen Kontakt mit vielen Nachwuchsschwingern aus allen Teilverbänden. Ich hoffe, beim ESV ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Weiter muss sich die Technische Kommission des Eidgenössischen Schwingerverbandes über die Einteilung Gedanken machen. Dieses Gerede und die harschen Kritiken, wie ich sie im Schwingerdorf in Estavayer erlebte, sollten in Zukunft nicht mehr passieren. Das habe ich noch nie erlebt. Ich wusste gar nicht mehr, wem ich nun eigentlich glauben soll.
Schon in meiner Amtszeit als TLJ ESV habe ich erklärt, dass es nicht sein kann, wenn ein Schwinger mit der Note 8.75 den Kranz auf sicher hat, und sein Gegner noch gewinnen muss. Oder: Dass man an Kranzfesten, nicht einmal mehr einen „Kranzer“ besiegen muss, um zum Kranz zu kommen.
Diskussionen wird es immer geben. Aber man kann etwas dafür tun, dass es keine allzu grossen Diskussionen gibt. Es gilt, fair einzuteilen. Dabei ist es auch wichtig, dass man die Schwinger kennt. Ich wünsche dem ESV aber weiterhin viel Glück bei ihrer Arbeit.

Gibt es bei den Gauverbänden und Schwingklubs sogenannte „Problemkinder“?
Nein, Probleme macht man sich meistens selber. Weil man nicht nach einer Lösung sucht, denn die gibt es immer. Sicher muss man im Berner Jura mehr Zeit investieren als im Oberland oder Emmental, um genug Schwinger im Keller zu haben. Gefordert sind aber auch das Mittelland und das Seeland, damit sie weiterhin über gute Schwinger verfügen. Das heisst: Im Berner Kantonalen Schwingerverband sind alle gefordert, damit man weiter von ihnen spricht.

Wie siehst du für 2017 das Stärkeverhältnis des Bernisch- Kantonalen Schwingerverbandes im Vergleich mit den anderen Teilverbänden?
Im Moment haben die Berner sicher noch die breiteste Spitze. Die Innerschweizer und die Nordostschweizer liegen etwa auf gleicher Höhe. Die Nordwestschweizer haben Fortschritte gemacht. Ich hoffe nun, dass bei den Südwestschweizern das Gleiche abläuft. Denn gute Schwinger wären auch dort vorhanden.

Manfred, besten Dank für deine Einschätzung betreffs der Berner Schwinger!

feldwaldwiesenblogger

Was darf man von den Nordwestschweizer Schwingern 2017 erwarten? – Experten-Meinung zu Beginn der neuen Saison

Text: Wolfgang Rytz und feldwaldwiesenblogger / Foto: Wolfgang Rytz

Bei den Experteneinschätzungen sind wir bereits beim vierten Teilverband angelangt: Dem Nordwestschweizerischen Schwingerverband (NWSV). Für diesen Part zeichnet sich Wolfgang Rytz, eine freier Sportjournalist aus dem Aargau, verantwortlich. Ihm stellte ich den gleichen Fragenkatalog wie schon den anderen drei Teilverbands-Experten zu. Wolfgang beantwortete mir die Fragen schriftlich.

Laut Schwingfest-Agenda starten die Nordwestschweizer Schwinger am 25. März mit dem Hallenschwinget Brunegg in die neue Saison. Auf der SCHLUSSGANG-Homepage ist ersichtlich, dass als bisher einziger Spitzenschwinger der Neueidgenosse Patrick Räbmatter gemeldet ist. „Räbi“, wie er von seinen Fans genannt wird, sorgte letztes Jahr für einige Furore.

Räbmatter zählt man in der Nordwestschweiz zu den „jungen Wilden“. Nebst ihm holten sich in Estavayer auch die Jungen Nick Alpiger sowie David Schmid und die Routiniers Bruno Gisler sowie Mario Thürig den so begehrten eidgenössischen Kranz. Dem Arrivierten Christoph Bieri fehlte dazu leider das so berühmte „Vierteli“. Für Remo Stalder, den Neueidgenossen von Burgdorf, war beim ESAF2016 bereits nach vier Gängen Schluss.
Trotzdem: Fünf Eidgenössische Kränze, darunter drei neue Eidgenossen, ist für den „zweit kleinsten“ Teilverband ein schöne Ausbeute.

Was man in der neuen Saison von den Nordwestschweizern erwarten darf, erklärt nachfolgend Wolfgang.


Wolfgang Rytz, NWSV-Experte

Hast du mitbekommen, welche Schwinger bereits schon in einer ausgezeichneten Form sind?
Die beiden Neueidgenossen Patrick Räbmatter und Nick Alpiger befinden sich in einem intensiven Saisonaufbau. Der dritte Aargauer Neueidgenosse, David Schmid, ist nach einer Operation hingegen noch rekonvaleszent. Er wird verspätet in die Saison eingreifen. Weil der erste NWSV-Wettkampf erst am 25. März auf dem Programm steht, sind detailliertere Angaben über den Formstand der Schwinger noch nicht möglich.

Welche Schwinger werden 2017 für Furore sorgen? Könnte es gar Überraschungen geben?
Im Mittelpunkt werden sicher die drei Aargauer Neueidgenossen Räbmatter, Alpiger und Schmid stehen. Die arrivierten Eidgenossen Bruno Gisler, Mario Thürig, Christoph Bieri und Remo Stalder geben aber ihre Vormachtstellung sicher nicht kampflos preis, was eine spannende Saison verspricht. Immer für eine Überraschung gut ist „Räbi“, wie er letztes Jahr am Berner Kantonalen mit seinem Sieg über Schwingerkönig Matthias Sempach gezeigt hat.

Welche Schwinger könnten den Sprung nach vorne schaffen?
Das Augenmerk gehört einerseits dem 19-jährigen Zurzacher Michael Bächli, der nach zwei Kreuzbandrissen wieder Anschluss an die Spitze sucht. Andererseits ist den jungen Freiämtern, angeführt von den Gebrüdern Andreas und Lukas Döbeli, einiges zuzutrauen. Dasselbe gilt auch für den Baselbieter Janic Voggensperger.

Wie sieht es mit dem Nachwuchs aus?
Wie bereits in der Antwort zuvor angesprochen, ruhen die Hoffnungen auf den jungen Schwingern um 20 Jahre herum. Da hat der Nordwestschweizer Verband grosse Hoffnungen, dass diese die alte Garde mit Gisler, Thürig und Bieri in den nächsten Jahren gleichwertig ablösen können.

Welche Arrivierten werden nach wie vor den Ton angeben?
Auch hier sind die Namen bereits gefallen: Kranzfestsiege in der Nordwestschweiz werden nochmals über Gisler, Thürig und Bieri führen. Doch es würde nicht überraschen, wenn sich beispielsweise Alpiger oder Räbmatter vermehrt in diesen Kampf einmischen.

Werden die Neueidgenossen überzeugen?
Bestimmt werden Nick Alpiger und Patrick Räbmatter vermehrt an der Nordwestschweizer Spitze mitmischen. Für David Schmid dürfte es infolge des beeinträchtigen Wintertrainings schwieriger werden. Aber der Fricktaler hat letzte Saison bereits verspätet in die Saison eingegriffen und war dann gleich vorne dabei.

Könnte die Unspunnen-Selektion für einige Schwinger zur „Nervenfalle“ werden?
Daran glaube ich nicht. Für die drei Neueidgenossen geht es zuerst um die Bestätigung ihres Kranzgewinnes in Estavayer. Gelingt ihnen dies, sind sie auch in Interlaken dabei.

Wo siehst du Negativpunkte oder gar Handlungsbedarf beim Verband?
Daniel Dreier ist schon seit 15 Jahren NWSV-Verbandspräsident. Im Januar liess er sich mangels Nachfolger nochmals für drei Jahre wählen. Inzwischen werden aber jüngere Kräfte sowohl fürs Präsidium wie für den technischen Bereich aufgebaut.

Gibt es bei den Kantonalverbänden und Schwingklubs sogenannte „Problemkinder“?
Problemfälle gibt es in jedem Teilverband. Jeder Kantonalverband hat zurzeit ein paar schwache Klubs. Seit Jahren fehlen dem Baselstädtischen Verband genügend Aktivschwinger.

Wie siehst du für 2017 das Stärkeverhältnis der Nordwestschweizer im Vergleich mit den anderen Teilverbänden?
Die Nordwestschweiz hat den vierten Platz unter den fünf Teilverbänden mit den drei Neueidgenossen in Estavayer gefestigt. Im Vergleich zur Südwestschweiz ist der Vorsprung deutlich grösser geworden. Ob nach guten Jahren von Bruno Gisler, Mario Thürig und Christoph Bieri bald ein neuer Spitzenschwinger von eidgenössischem Format heranwächst, bleibt abzuwarten.

Vielen Dank Wolfgang, für deine Einschätzung des Nordwestschweizerischen Schwingerverbandes!

feldwaldwiesenblogger

Was darf man von den Innerschweizer Schwingern 2017 erwarten? – Experten-Meinung zu Beginn der neuen Saison

Text: Daniel von Euw und feldwaldwiesenblogger / Foto: feldwaldwiesenblogger

Nach den Experteneinschätzungen für die Nordostschweizer und die Südwestschweizer Schwinger folgt heute diejenige der Innerschweizer (ISV). Dafür konnte ich niemand geringeren als Daniel von Euw, ein profunder Kenner, gewinnen. Der vierfache Eidgenosse war von 1981 bis 2002 selber ein erfolgreicher Spitzenschwinger und kennt als Kommentator auf Radio Central die Schwing-Szene natürlich bestens.

Bei den Innerschweizern wurde mit dem gestrigen Hallenschwinget in Sarnen die Saison nun ebenfalls lanciert. Der Sieger Mike Müllestein scheint parat zu sein, auch sein Schlussgang-Gegner Reto Nötzli. Zudem gaben die beiden grossen Abwesenden beim Eidgenössischen, Benji von Ah und Joel Wicki, ihr Comeback. Dasjenige von Wicki war sehr erfolgreich, Benji von Ah’s hingegen eher durchzogen. Natürlich darf man solche Rangschwingfeste nicht zu sehr überbewerten. Trotzdem sind sie ein Gradmesser für die Ende April losgehende Kranzfestsaison. Und die Schwinger sehen, wo sie stehen und können dementsprechend an ihrer Form schleifen.

Ich stellte Daniel von Euw den gleichen Fragenkatalog wie dem NOS- und dem SWSV-Experten zu. Der Geschäftsführer der Oberallmeindkorporation (OAK) Schwyz beantwortete anfangs März die Fragen schriftlich.


Daniel von Euw, ISV-Experte

Hast du mitbekommen, welche Schwinger bereits schon in einer ausgezeichneten Form sind?
Nein, aber jetzt müssen die Schwinger ja auch noch nicht in Wettkampfform sein. In dieser Zeit ist es wichtig, dass sie gesund und gut trainieren können. An der ISV-Delegiertenversammlung Anfang Februar in Alpnach OW wurden die erfolgreichsten Aktivschwinger der Saison 2016 geehrt. Das Bild der Geehrten zeigte mir, dass mit diesen Schwingern auch im Jahr 2017 wieder zu rechnen ist.
Eine Hiobsbotschaft müssen wir leider zur Kenntnis nehmen: Pirmin Reichmuth hat sich bereits zum dritten Mal das Kreuzband am rechten Knie gerissen. Pirmin hat aus meiner Sicht Königspotenzial.

Welche Schwinger werden 2017 für Furore sorgen? Könnte es gar Überraschungen geben?
In der Innerschweiz wird es an der Spitze kaum Veränderungen geben. Ich bin überzeugt, dass Christian Schuler auf die sehr gute Saison 2016 gleich nachdoppeln wird. Selbstverständlich hoffe ich auf Überraschungen. Mit Freude erwarte ich natürlich das Comeback von Joel Wicki.

Welche Schwinger könnten den Sprung nach vorne schaffen?
Bei Sven Schurtenberger und Mike Müllestein fehlt nicht mehr viel zur absoluten Spitze. Von einigen Schwingern wie René Suppiger, Philipp Gloggner, Andi Imhof, Marcel Mathis sowie den Gebrüdern Reto und Bruno Nötzli erwarte ich mehr Konstanz. Sie zeigen manchmal sehr gute Schwingerkost; dann aber gibt es wieder unerklärliche Ausrutscher.

Wie sieht es mit dem Nachwuchs aus?
In der Innerschweiz wird an der Basis sehr gute Arbeit geleistet. Schlussendlich liegt es jedoch beim einzelnen Schwinger, ob er mit letztem Willen erfolgreich sein will. Joel Wicki ist ein Paradebeispiel, dass man es mit Wille und Fleiss weit bringen kann. Gespannt darf man auch auf Marco Fankhauser sein, der nach seiner Verletzung wieder ins Geschehen eingreifen sollte. Einen weiteren Schritt nach vorn erwarte ich auch von den beiden Muotathalern Ralf Schelbert und Dario Gwerder.

Welche Arrivierten werden nach wie vor den Ton angeben?
Christian Schuler, Andreas Ulrich, Philipp Laimbacher, Mike Müllestein, Reto und Bruno Nötzli, Sven Schurtenberger, René Suppiger, Erich Fankhauser, Philipp Gloggner, Marcel Mathis, Benji von Ah sowie Andi Imhof sind die Arrivierten, welche es immer noch zu schlagen gilt. Gespannt darf man auch wieder auf die Auftritte vom siebenfachen Eidgenossen Martin Grab sein.

Werden die Neueidgenossen überzeugen?
Von Sven Schurtenberger, Pirmin Reichmuth, Mike Müllestein und René Suppiger hat man bereits im Vorfeld des ESAF 2016 fast erwartet, dass sie bei „normaler“ Leistung das eidgenössische Eichenlaub gewinnen. Für sie war es eine Bestätigung der bereits erreichten Resultate. Alex Schuler wird weiterhin ein zäher Schwinger bleiben. Stefan Stöckli muss den überraschenden Gewinn des Eidgenössischen Kranzes erst noch bestätigen.

Anmerkung: Der Luzerner Stefan Stöckli fällt wegen einer Knie-Operation, welcher er sich am 10. März unterziehen musste, für unbestimmte Zeit aus.

Könnte die Unspunnen-Selektionierung für einige Schwinger zur „Nervenfalle“ werden?
Nein, das glaube ich nicht. Aber klar ist, dass es bei weniger Selektionierten mehr Härtefälle als zum Beispiel bei der Selektion für ein Eidgenössisches geben wird.

Wo siehst du Negativpunkte oder gar Handlungsbedarf beim Verband?
Ganz klar bei der Einteilung auf den höchsten Stufen des Verbandes. Beispiel Brünig 2016: Dem nach vier Gängen führenden Berner Thomas Sempach wird Adrian Steinauer mit 1.5 Punkten weniger auf dem Konto zugeteilt. Oder der Gang Matthias Glarner – Philipp Laimbacher (1.25 Punkte weniger): Wenn Laimbacher verliert, kann er nicht mehr um den Kranz schwingen, während Glarner um den Brünig-Sieg schwingt. Bernhard Kämpf – Marcel Mathis (1.0 Punkte weniger): Kämpf gewinnt und schwingt im Schlussgang um den Brünig-Sieg. Mathis gewinnt den sechsten Gang platt und ist dennoch ohne Kranz. In dieser Situation nach vier Gängen hätte an der Spitze zwingend eine Berner Paarung eingeteilt werden müssen, damit alle Athleten mit einigermassen gleich langen Spiessen kämpfen. Nachzutragen ist hierzu, dass es im sechsten Gang gleich zu fünf reinen Innerschweizer Duellen zwischen Laimbacher – Scheuber, Ulrich – Britschgi, Brun – Gwerder, Steinauer – Gasser und Schuler – Fankhauser gekommen ist.
Leider hat sich die komische Einteilung am ESAF 2016 fortgesetzt. Die ersten drei Gänge waren noch in Ordnung. Danach haben es die Berner mit der Angst bekommen und sich unter Mithilfe des Nordwest- und Südwestschweizer Einteilers gegen die Meinung des Innerschweizer und Nordostschweizer Einteilers durchgesetzt. Einige Beispiele: Nöldi Forrer – Thomas Sempach im vierten Gang ist mit dieser Punktedifferenz völlig unnötig. Fünfter Gang: Alle haben die Paarung Bösch – Stucki erwartet. Nachdem Bösch den fünften Gang gewann und Stucki seinen gegen Clopath stellte, haben die Berner Christian Stucki definitiv geopfert und ihn gegen Bösch antreten lassen. Obwohl ich Matthias Glarner den Königstitel aufgrund seiner über Jahre konstanten Leistungen extrem gönne, muss auch bei ihm die Einteilung hart kritisiert werden! Wenn bei einem König, der von Beginn weg an der Spitze mit dabei war, von seinen acht Gegnern deren vier ohne Kranz den Heimweg antreten und teilweise mit grossen Punkterückständen zugeteilt werden, stimmt etwas nicht. Aber hier kann Matthias am allerwenigsten etwas dafür.

Gibt es bei den Kantonalverbänden und Schwingklubs sogenannte „Problemkinder“?
„Problemkinder“ ist wohl das falsche Wort. Aber klar sind die guten Schwinger bei den Urnern und Zugern eher dünn gesät. Auch zwischen den Schwingklubs gibt es natürlich extreme Gefälle.

Wie siehst du für 2017 das Stärkeverhältnis der Innerschweizer im Vergleich mit den anderen Teilverbänden?
Wenn nur die besten drei Schwinger eines jeden Teilverbandes gezählt werden, wären wohl die Berner und Nordostschweizer knapp vor den Innerschweizern. Wenn aber die ganze Spitze dazu gezählt wird, sehe ich die Berner vor den Innerschweizern, gefolgt von den Ostschweizern. Schön ist aber, dass schlussendlich alles auf dem Schwingplatz entschieden wird.

Daniel, herzlichen Dank für deine Einschätzung betreffs der Innerschweizer Schwinger!

feldwaldwiesenblogger

ESV-AV in Marin-Epagnier NE: Das Sonntagsprotokoll

Text: feldwaldwiesenblogger / Fotos: Rolf Eicher und feldwaldwiesenblogger

Der Schreibende durfte als Gast von Jimmy Erard, dem neuen Präsidenten des Südwestschweizerischen Schwingerverbandes (SWSV), am vergangenen Sonntag der Abgeordnetenversammlung (AV) des Eidgenössischen Schwingerverbandes (ESV) beiwohnen. Ich entschied mich dazu, den Versammlungs-Sonntag in kurzen Sätzen zu protokollieren. Dazu schicke ich voraus, dass allfällige Fehler oder Versäumnisse nicht absichtlich sind. Es ist vielmehr die Sichtweise und die Wahrnehmung des feldwaldwiesenbloggers.

*********************


Die Abgeordnetenversammlung fand 2017 in Marin-Epagnier NE statt

Um 07.50 Uhr erfreute der Jodlerclub „Echo du Val-de-Ruz“ die Anwesenden mit einem schönen Vortrag.

Begrüssung und Appell
Punkt acht Uhr erfolgte die Begrüssung der Ehrengäste und der am Sonntag zur AV gestossenen Ehrenmitglieder.
Die Anzahl Stimmberechtigte wurde festgestellt.
Regierungsrat Laurent Favre überbrachte die Grussworte der Neuenburger Kantonsregierung. Er sprach unter anderem von den Grundwerten des Schwingens und der Pflege der Traditionen. Auch davon, dass die Südwestschweizer Schwinger mit Neuenburg eine gute Kandidatur für den Austragungsort des Jubiläumschwingfestes 2020 einreichten.

Wahl Festort Jubiläumsschwingfest 125 Jahre ESV 2020
Der Zentralvorstand stellte mit Freude fest, dass Bewerbungen aus allen Teilverbänden eintrafen. Grenchen zog leider kurz vor der AV die Bewerbung zurück.
Die Bewerbungen wurden vom Zentralvorstand (ZV) eingehend geprüft.
Rolf Gasser, der Geschäftsführer des Eidgenössischen Schwingerverbandes, erläuterte die Abwicklung und die Koordination der Bewerbungen. Es wurde eine Expertengruppe gegründet, welche die Bewerbungen und die Örtlichkeiten prüfte. Geprüft wurde anhand einer Checkliste: Organisation, Finanzierung, Arena-Bau, Festablauf, Verkehr und Sicherheit.
Die Reihenfolge der Präsentationen wurde vom ZV ausgelost.

Erste Präsentation: Appenzell
„Sönd wöllkomm z’Appezöll“ – Rebekka Dörig aus Appenzell präsentierte sympathisch und stimmungsvoll die Kandidatur mit einer filmischen Reise in die Heimat Appenzell. Malerische Landschaft und viel Tradition, gepaart mit Innovation. Deshalb die Kandidatur. Schwingen passt zu Appenzell. Bei Grossanlässen können sie sich auf die Bevölkerung verlassen. Sie hoffen auf Freude und Ehre für das Vertrauen. Vorstellung des Verkehrskonzeptes und der schönen Gegend. Vorgesehen ist eine Naturarena für 15‘000 Zuschauer. Ein würdiger und feierlicher Anlass soll geboten werden. Schwingklub und Turnverein Appenzell wären zuständig für die Organisation. Eine einmalige Chance für Appenzell. Sie sind der Meinung, dass das Fest in einer Naturarena durchgeführt werden soll.
Sepp Breitenmoser, Präsident des Bewerbungs-Komitees, richtete auch persönliche Worte an die AV. Der Schwingklub Appenzell feiert übrigens 2017 den 70. Geburtstag. Zum Schluss ein musikalischer Beitrag eines Appenzellers Jodlerklubs, zusammen mit Sprecherin Rebekka Dörig.


Die Appenzeller schlossen ihre Präsentation mit einem musikalischen Vortrag ab

Luzerner Kandidatur:
Der Start erfolgte mit einer musikalischen Einlage von vier Eidgenossen: Reto Nötzli und Bärti Gisler am Akkordeon, Bruno Nötzli am Bass und Torsten Betschart am Klavier. Mascha Santschi präsentierte aus dem Herzen der Schweiz. Ein soll ein unvergessliches Fest werden. Noch nie in der Geschichte des ESV fand ein Jubiläums-Fest in der Innerschweiz statt. Das Schwingfest soll in der Swissporarena, dem Fussballstadion des FCL, mit Blick auf den Pilatus, stattfinden.
Traditionell, originell und professionell. Unterstützung von Stadt, Kanton Luzern und Militär.
Der designierte OK-Präsident Albert Vitali worb für den Standort und die Swissporarena, welche 15‘000 Zuschauern Platz bieten würde: Ein Naturrasen im Stadion und werbefrei. Die ganze Infrastruktur samt Technik sei vorhanden. Die Sicherheit kann auch gewährleistet werden. Die Stadt Luzern bietet Topvoraussetzungen. Ein jubiläumswürdiger Festakt samt würdigem Rahmen würde organisiert. Die vorhandenen Ressourcen sind dafür perfekte Voraussetzungen. Es muss fast nichts gebaut werden. Der Schwingsport soll im Vordergrund stehen, nicht die Sponsoren. Das Verkehrskonzept ist ausgezeichnet. Mit ÖV problemlos erreichbar und für die Autos stehen 3000 Parkplätze neben dem Festplatz bereit. Das Festgelände soll autofrei sein.
Der ISV-Präsident Peter Ackermann sprach unter anderem von der Gründung des Trägervereines, in welchem alle Innerschweizer Kantone vertreten sind. „Mir packits a! – Allons-y!“ Zum Abschluss ein weiterer Beitrag der vier musizierenden Eidgenossen.


Die Luzerner integrierten in ihre Präsentation die vier musizierenden Eidgenossen

Kandidatur Neuenburg:
Der abgetretene SWSV-Präsident Blaice Decrauzat präsentierte die Kandidatur. „Warum nicht bei uns?“, begann er. Vor einem Jahr wurde entschieden, eine Kandidatur einzureichen. Der Kanton Neuenburg als vorgeschlagener Standort war begeistert. Es fanden Treffen mit dem Stadtpräsidenten und den Sportverantwortlichen statt. Weiter folgten Abklärungen betreffs einer Durchführung im Fussballstadion des FC Neuenburg. Man entschied sich, eine Kandidatur einzureichen, und möchte eine neue Geschichte schreiben. Die Werte des Nationalsportes zeigen und Neuenburg präsentieren. Rund ums Schwingfest sollen regionale Produkte angeboten werden.
Dann folgte ein filmischer Beitrag: Stichworte wie „Talentvoll – Intensität – Emotionen – Kulturerbe – Sorgfältigkeit – Innovation – Entdeckung – Geschichte – Kunst – Tradition – Inspiration – Reizvoll – Geschmack – Sanftheit – Lebenskunst – Solidarisch – Leidenschaft“ wurden angesprochen. Sie sprachen von einer sinnvollen Kandidatur. Ein Jubiläum zwischen Bergen und Seen. Weiter geht es um „Einsatz – Knowhow – Begeisterung – Dauerhafte Entwicklung – Politische Unterstützung – Aufteilung – Spezialitäten“.
Sie sind zwar ein kleiner Verband, haben aber grossartige Möglichkeiten. Bisher waren es 99 Jahre mit Herzblut für den Schwingsport, welcher von Tradition und Engagement lebt.
Die Stadt Neuenburg ist verkehrstechnisch gut vernetzt, sowohl mit dem ÖV, aber auch mit den vorhandenen 4000 Parkplätzen. Es soll ein Kombi-Billett zu 125 Franken (ÖV und Eintritt) angeboten werden. Die Infrastruktur rund um das Fussballstadion sei optimal. 12‘500 Zuschauer würden im Fussball-Stadion Platz finden. Zudem ist alles vorhanden, auch genügend Räumlichkeiten. Ein Sicherheitskonzept mit der Stadt Neuenburg sei auch greifbar. Das Ziel ist, ein unvergessliches Jubiläums-Schwingfest zu organisieren.

Kandidatur Bern:
Der Redner sprach von einer ausserordentlichen Freude und Ehre, die Kandidatur zu präsentieren. Man will zurück zum Ursprung. In der Stadt Bern wurde nämlich schon vor weit mehr als hundert Jahren geschwungen, beispielsweise auf der Grossen Schanze. Die Gründung des ESV fand 1895 in Bern statt. Der Bewerbungspräsident übergab das Wort an den neuen Berner Stadtpräsidenten Alec von Graffenried, welcher sich via Video-Botschaft an die AV richtete. Er erwähnte auch, dass der ESV in der Stadt Bern gegründet wurde. Darum gehört das Fest in die Stadt, zurück zu den Wurzeln.
Bern ist zentral und das Herz der Schweiz, für alle gut erreichbar. Bern ist weiter auch die Hauptstadt des Sportes, nicht nur in der Schweiz, auch international. Zudem sei der Stadtberner Schwingkeller einer der ältesten der Schweiz, auch deshalb: zurück zum Ursprung.
Das Jubiläumsschwingfest würde für die Schwingerfamilie zu korrekten Preisen angeboten. Estavayer2016 ist Geschichte, nun steht Zug2019 vor der Tür. 2020 würde man dann nach Bern „zurückkehren“. Der Gewinn soll in den Schwingsport und insbesondere in die Regionalverbände fliessen.
Der Mittelländsiche Schwingerverband wird mit „Profis“ den Anlass organisieren. Der Berner Kantonale Schwingerverband unterstützt ebenfalls die Kandidatur.
In einem Videobeitrag hielt Francine Jordi vor dem Bundeshaus ein Plädoyer für das Jubiläums-Schwingfest. Ebenso Christian Stucki. Beide hatten einen Sack mit Sägmehl vor sich. Es wurde betont, dass das Schwingfest nicht vor dem Bundeshaus stattfinden kann, da es dort zu wenig Toiletten hat. Darum im Stade de Suisse. Das Berner Fussballstadion sei mit ÖV und Auto gut erreichbar, und bietet alle Voraussetzungen für die Verpflegung. Garantiert wird auch eine „Hektare für Wurst und Bier“, sowie 30‘000 Verpflegungsplätze. Kilian Wenger, Silvio Rüfenacht, Stephane Chapuisat und Christof Spycher traten gemeinsam im „Wankdorf“ auf. Auch sie riefen: „Zurück zum Ursprung.“
Silvio Rüfenacht schritt anschliessend mit einem Sack voll Sägemehl in die AV-Stätte. Er möchte, dass das Jubiläumsschwingfest in der Berner Fussball-Arena stattfindet. Er habe dort nämlich auch schon geschwungen.
Das Stadion soll für den Anlass halbiert werden. Statt 30‘000 sollen so 15‘000 Zuschauer Platz finden. Geschwungen wird auf vier Schwingplätzen.
Zum Schluss per Video-Botschaft: Matthias Glarner würde sich auch freuen, wenn das Fest in der Stadt Bern, am Gründungsort, stattfände.

Nach den vier Präsentationen wurde zügig zu den Wahlen geschritten. Am Vorabend wurde mittels Antrag der Südwestschweizer einstimmig ein neuer Wahlmodus angenommen. Gemäss dem soll die Wahl wie bei einer „Bundesrats-Wahl“ über die Bühne gehen.

Der erste Wahlgang
Es wurde betont, dass es eine geheime Abstimmung geben wird. Die Stimmzettel würden in einem Wahlbüro ausgewertet.
Während der Auswertung des ersten Wahlganges erfolgte das Grusswort von Abraham Krieger, dem Präsidenten des Eidgenössischen Nationalturnverbandes.

Ergebnis:
Abgegebene Stimmen: 220
Gültig: 220
Stimmen haben erhalten:
Neuenburg: 69
Appenzell: 62
Luzern: 56
Bern 33

Der zweite Wahlgang
Während der Auswertung des zweiten Wahlganges unterhielt uns wieder der Jodelclub „Echo du Val-de-Ruz“.

Ergebnis:
Abgegebene Stimmen: 221
Gültig: 221
Stimmen haben erhalten:
Appenzell: 74
Neuenburg: 67
Luzern: 58
Bern: 22

Der Kandidat Bern fiel somit gemäss Wahlmodus für den dritten Wahlgang aus dem Rennen.

Der dritte Wahlgang
Ergebnis:
Abgegebene Stimmen: 221
Gültig: 221
Stimmen haben erhalten:
Appenzell: 95
Neuenburg: 65
Luzern: 61

Der Kandidat Luzern schied somit für den vierten Wahlgang aus.

Der vierte Wahlgang
Ergebnis:
Abgegebene Stimmen: 221
Gültig: 218
Gewählt ist Appenzell mit 142 Stimmen!
Neuenburg: 76


Die glücklichen Appenzeller dürfen 2020 das Jubiläumsschwingfest austragen

Wahl/Information Festort Jubiläumsfeier 125 Jahre ESV 2020
Der Zentralvorstand hat sich entschieden, den Festort erneut auszuschreiben und an der AV 2018 zu vergeben.
Obmann Paul Vogel erläuterte nochmals die Situation mit den Anträgen. Und dass Grenchen, welches das Schwingfest und die Jubiläumsfeier austragen wollten, die Bewerbung kurz vor der AV zurückzog.
Der ESV schreibt das Fest nun neu aus. Es wird erwartet, dass aus jedem Teilverband Bewerbungen eingehen. Bis Ende Oktober 2017 kann eine solche eingegeben werden. Die Sichtung wird durch den ZV vorgenommen.

Zwischenbericht Unspunnen-Schwinget 2017
120 Schwinger treten zum zweiten Mal am neuen Ort in Interlaken BE an.
Ein stimmungsvoller Film wurde gezeigt. Darin erfolgte unter anderem ein Rückblick auf das letzte Unspunnen-Schwinget 2011. Zuvorderst klassierte sich Daniel Bösch, zu hinderst das verregnete Wetter. Weiter wurde die 206-jährige Geschichte dieses traditionsreichen Schwingfestes erwähnt.
OK-Präsident Hannes Rubin bekam das Wort. Alle 12 Jahre findet auch das Trachtenfest statt. 2017 steht nun beides auf dem Programm. Am 26. August soll es eine gemeinsame Eröffnungsfeier geben und am 28. August startet das Trachtenfest. Mit viel Herzblut ist das OK seit zwei Jahren an der Arbeit. Es fanden schon mehrere Sitzungen mit dem ZV statt.
Der Umzug 2011 von der Höhenmatte nach Interlaken war ein positiver Erfolg. Der Bereich Sicherheit muss für 2017 aus bekannten Gründen angepasst werden. Weiter wird ein grösseres Festzelt erstellt, wo auch die Rangverkündigung über die Bühne gehen wird. Das Schweizer Fernsehen wird acht Stunden live berichten.
Der Tribünenplatz soll 90 Franken kosten, der Rasensitzplatz 55 Franken (inklusive Parkgebühr und Shuttlebus). Das Konzept wird ähnlich sein wie 2011. Ausser für die Presse, wird es ansonsten keine gedeckten Sitzplätze geben. Die 120 Schwinger sollen neu auf vier Plätzen schwingen. Beim Schwingfest wird ein Festakt erfolgen. Eine Grossleinwand und eine Publikumszone werden errichtet.
Am Samstag steht die Eröffnungsfeier und ein Unterhaltungsabend auf dem Programm.
Das Sonntagsprogramm: 07.30 Uhr Einmarsch der Schwinger, anschliessend Nationalhymne. 08.00 Uhr Beginn mit Schwingen. 08.30 Uhr beginnt das Steinstossen. 13.00 Uhr wird mit Schwingen fortgefahren. 17.00 Uhr folgt der Schlussgang, anschliessend die Rangverkündigung.

Schlussbericht «Estavayer2016»
Es wurde geschwitzt beim ESAF, und es durfte viel getrunken werden. Man wurde mit attraktivem und offensivem Schwingsport verwöhnt. Mit Matthias Glarner wurde eine neuer Schwingerkönig gefeiert.
Albert Bachmann liess das Eidgenössische in einem kleinen Rückblick Revue passieren. Dazu wurde zuerst ein Film gezeigt. Man sah den Bau der Arena, die Vorbereitungsarbeiten und den Anlass mit den Schwingern und den vielen Zuschauern. Emotionale Bilder, schöne Gänge, Steinstösser und Ehrendamen, welche die Eidgenossen kränzten. Eindrückliche Bilder von der Umgebung, vom Festgelände und von den verschiedenen Festlichkeiten.
„Mit viel Leidenschaft und voller Emotionen“ fing es an, sagte Bachmann. Er bedankte sich (bei Petrus) für das schöne Wetter und den blauen Himmel. Der OK-Präsident gratulierte den Appenzellern für den Zuschlag des Jubiläums-Schwingfestes. Weiter bedankte er sich für den eigenen Zuschlag in Aigle VD vor fünf Jahren. In der Folge wurde die Arbeit sehr schnell aufgenommen, und es ging sehr schnell bis zum ESAF. Zwei Kantone, zwei Gemeinden, der Flugplatz und Sponsoren waren mit an Bord. Tradition, Sport und Kultur wurden zusammen eingebunden. Die Direktorin Isabelle Emmenegger leistete hervorragende Arbeit.
Der eigentliche Startschuss erfolgte am 12. August 2016, einem Traditionstag in der Romandie, mit einem Mittagessen und der Eröffnung des Gabentempels. Die letzten Vorbereitungen liefen und die Gaben-Beiz war jeden Tag offen.
Am ESAF-Wochenende stand am Freitag der Empfang der Eidgenössischen Fahne am Hafen von Estavayer auf dem Programm. Weiter der Umzug und die Eröffnungszeremonie in der Arena, welche das erste Mal so gemacht wurde. Am Samstag und Sonntag stand der Schwingsport im Mittelpunkt. Am Samstag war Punkt 07.30 Uhr der Einzug der Schwinger, 07.45 Uhr folgte die Nationalhymne. 08.00 Uhr begann das Schwingfest. Die Zuschauer waren bereits alle da.
Der grosse Platz war ideal und wurde auch gebraucht. Über 23‘000 Personen übernachteten auf dem Campingplatz. Irgendwann wurden 53 Grad Celsius 1,5 Meter ab Boden in der Schwinger-Gasse gemessen.
Weiter sprach Albert Bachmann davon, dass der richtige Schwinger Schwingerkönig wurde. Es gab glücklicherweise einen Sieger im Schlussgang. Das ESAF und der neue Schwingerkönig bedeuten eine Ausstrahlung für die Romandie.

Anschliessend berichtete Isabelle Emmenegger über eindrückliche Zahlen:
280‘000 Besucher.
30‘000 Besucher vor dem Fest.
30‘000 Besucher an der Eröffnungszeremonie.
240‘000 Liter Bier, mehr als 200‘000 Liter Mineral und 14’000 Liter Wein wurden konsumiert
Gegessen wurde wegen der grossen Wärme weniger, unter anderem 58‘000 Würste.
254 Tonnen Abfall.
Die Zufriedenheitsumfrage ergab: 41 Prozent der Besucher waren drei Tage auf dem Platz, 27 Prozent zwei Tage. 91 Prozent der Befragten fanden das ESAF sehr gut. 60 Prozent der Besucher waren Männer, 40 Prozent Frauen. 50 Prozent der ESAF-Besucher waren zwischen 31 und 50 Jahre alt, 65 Prozent kamen mit dem Auto. 77 Prozent der Besucher kamen nicht von einem Schwingklub.
Es können nun 10 Franken Stundenlohn jedem Helfer ausbezahlt werden.
80 Prozent der Helfer kamen aus der Region Broye. 72 Prozent der Aufträge wurden in die Kantone Freiburg und Waadt vergeben. Emmenegger wünschte zum Schluss ihrer Ausführungen Glück an das OK in Zug und alles Gute für die Schwinger.

Allen OK-Mitgliedern wurde als Dankeschön ein Präsent überreicht.


Die Direktorin Isabelle Emmenegger und der OK-Präsident Albert Bachmann wurden an der AV geehrt

Verschiedenes
Bei diesem Traktandum wünschte niemand das Wort. Am 3./4. März 2018 soll in Hochdorf LU die nächste AV stattfinden.

Patrick Blank, der OK-Präsident der diesjährigen AV, informierte über das weitere Programm für den Sonntag. Das Schlusswort hielt Jimmy Erard. Er rief schon bald zum Apéro und anschliessendem Mittagessen auf, und wünschte allen eine gute Heimreise.
Zum Abschluss der AV verwöhnte uns nochmals der Jodlerclub „Echo du Val-de-Ruz“ mit schönen Klängen.

*********************

Ich bedanke mich bei Jimmy Erard für die Einladung zu der AV in Marin-Epagnier! Dies bedeutete für mich eine grosse Ehre. Denn ich hätte als Nicht-Delegierter kaum eine Möglichkeit, an so einem bedeutenden Anlass des ESV beizuwohnen.

feldwaldwiesenblogger

Was darf man von den Südwestschweizer Schwingern 2017 erwarten? – Experten-Meinung vor Beginn der neuen Saison

Text und Foto: feldwaldwiesenblogger

Michael Nydegger, der zurzeit einzige aktive Südwestschweizer Eidgenosse, wurde 2007 beim ESAF in Aarau zum Eidgenossen gekürt. Er weiss noch nicht, ob er 2017 Schwingfeste bestreiten wird. Gemäss seinen Angaben macht der Freiburger derzeit einen Aufbau mit Kraft- und Konditionstraining. Im Schwingkeller war Michael aber immer noch nicht. „So möchte ich nicht abtreten, weiss aber momentan nicht, wie es schwingerisch weitergehen wird“, schliesst der sechsfache Kranzfestsieger dieses Thema ab.

Nichtsdestotrotz steht mir Michael als Südwestschweizer Schwingexperte zur Verfügung. Der Fragenkatalog ist derselbe wie beim Experten-Beitrag über die Nordostschweizer. Einzig die Frage „Werden die Neueidgenossen überzeugen?“ wurde aus bekanntem Grund weggelassen.

Die Südwestschweizer Schwinger haben es im Vergleich mit den anderen Teilverbänden aus der Deutschschweiz nicht einfach. An vielen Orten in der Romandie hat der Schwingsport keinen grossen Stellenwert. Dementsprechend schwierig ist es, eine schlagkräftige Truppe auf die Beine zu stellen. Nicht ganz überraschend haben deshalb die Südwestschweizer beim Heim-Eidgenössischen den so wichtigen Kranz verfehlt. Diese Tatsache ist leider auch eine Hypothek.

An der im Januar abgehaltenen Delegiertenversammlung wählte das Südwestschweizer Schwingerparlament mit Jimmy Erard einen neuen Präsidenten und mit Christian Schmutz einen neuen Technischen Leiter. Die beiden Vorgänger Blaise Decrauzat (Präsident) und Ruedi Schläfli (Technischer Leiter) haben gute Arbeit geleistet. Nun gilt es, die vorgespurte Arbeit weiterzuführen, und den Abstand zu den Deutschschweizern weiter zu verringern.

Am 21. Februar stellte mir Michael seine Sicht der Dinge vor dem Beginn der neuen Saison dar.


Michael Nydegger, Südwestschweizer Experte

Hast du mitbekommen, welche Schwinger bereits schon in einer ausgezeichneten Form sind?
Direkt mitbekommen habe ich es nicht, da ich nicht aktiv dabei bin. In meinem Schwingklub Sense wird gut trainiert. Stellvertretend erwähne ich Steven Moser und Rolf Kropf, welche während dem Winter gut gearbeitet haben. Von anderen Clubs sind es beispielsweise Marc Guisolan oder Benjamin Gapany, welche ein gutes Aufbautraining absolvierten und bereits gut in Form sind. Von mir aus gesehen sollte die ausgezeichnete Form aber erst auf die Saisonhöhepunkte hin angepeilt werden.
Ich hoffe, dass Estavayer2016 auch positive Spuren hinterlassen hat. Und die Motivation trotzdem vorhanden ist, Gas zu geben.

Welche Schwinger werden 2017 für Furore sorgen? Könnte es gar Überraschungen geben?
Ich denke, für Furore werden in erster Linie Benjamin Gapany und Steven Moser sorgen. Steven kämpfte beim Eidgenössischen bis zuletzt um den Kranz. Wichtig ist, dass er auch mit besser dotierten Schwingern trainieren kann. Gapany ist ein wenig schwerfällig, da er viel ins Krafttraining investiert hat. Benjamin sollte wieder mehr auf das Schwingtraining setzen, dann wird er wieder zu einem heissen Kandidaten.
Eine Überraschung könnte Vincent Roche sein, mein Favorit. Wenn er körperlich und schwingtechnisch weiter zulegt, könnte er einen Exploit landen. Er bringt ein gutes Gefühl fürs Schwingen mit. Michael Dousse, einer von unserem Club, ist ein grosses Talent. Leider hatte er schon einige Verletzungen zu beklagen. Michael absolviert derzeit die Eidgenössische Hochschule für Sport in Magglingen BE und trainiert in Aarberg BE. Der junge Schwinger könnte durchaus für eine Überraschung gut sein.

Welche Schwinger könnten den Sprung nach vorne schaffen?
Der bereits erwähnte Michael Dousse gehört sicher dazu. Wichtig ist, dass diese Schwinger sich zuerst in der Südwestschweiz behaupten können, und dort auch Schlussgänge erreichen. So können sie auch mit Schwingern von anderen Teilverbänden mithalten. Es gilt, sich mit kleinen Schritten vorwärts zu arbeiten, um die grossen Ziele zu erreichen.

Wie sieht es mit dem Nachwuchs aus?
Nach dem Eidgenössischen hat man versucht, die Euphorie mitzunehmen. Dazu wurden verschiedene Kurse angeboten. Wie das in Zahlen konkret aussieht, weiss ich nicht. Das ESAF hat aber sicher Spuren hinterlassen. Wichtig ist, dass die jungen Athleten die Übergangszeit von den Jungschwingern zu den Aktiven gut überstehen und nicht abspringen. Es sollte mehr dafür getan werden, damit sie bleiben. Man muss viel Zeit in die Jungschwinger investieren und ein gutes Team aufbauen. Die Begleitung dieser Athleten zu Kranzschwingern, und später bis hin zu Eidgenossen ist sehr wichtig.

Welche Arrivierten werden nach wie vor den Ton angeben?
Wenn es in Estavayer Neueidgenossen gegeben hätte, hätten diese den Ton angegeben. Ich denke, es wird so weiterlaufen wie die letzten beiden Jahre. Nebst Steven Moser und Benjamin Gapany werden Michael Matthey und Pascal Piemontesi ihre Resultate in der Südwestschweiz machen. Sie werden aber Schwierigkeiten haben, sich bei Schwingfesten in anderen Teilverbänden zu behaupten.
Ich hoffe, dass junge und unbekannte Schwinger nach vorne stossen und das ganze durchmischen.

Könnte die Unspunnen-Selektionierung für einige Schwinger zur „Nervenfalle“ werden?
Zuerst soll jetzt mal die Saison mit den Frühlingschwingfesten starten. Bei den Kranzschwingfesten sieht man dann, wo man steht. Jetzt ist noch nicht Zeit, an den Unspunnen-Schwinget zu denken. Wichtig ist ein solider Aufbau und gut in die Saison einzusteigen. Massgebend ist auch der Formschliff während der Saison.

Wo siehst du Negativpunkte oder gar Handlungsbedarf beim Verband?
Der bisherige Technische Leiter war leider der Schwachpunkt. Vom organisatorischen her betrachtet hat Ruedi Schläfli sehr gute Arbeit geleistet. Ebenso organisierte er wertvolle Trainingslager. Aber von den schwingerischen Kenntnissen her konnte er mit den Technischen Leitern aus den anderen Teilverbänden nicht mithalten. Christian Schmutz, der neue Technische Leiter, ist in dieser Hinsicht besser. Er kennt die Schwinger gut, kann sich durchsetzen und verfügt über einen starken Charakter. Gerade beim Schwarzsee-Schwinget ist es wichtig, dass sich ein Technischer Leiter durchsetzen kann. Weiter gilt zu bedenken, dass die Leistungsdichte in der Südwestschweiz nicht hervorragend ist. Fortschritte müssen erzielt werden. Christian muss nun das bestmögliche daraus machen, und die Jungen fördern. Sie sind die Hoffnungsträger für die nächsten Jahre.
Der Wechsel im Präsidium ist für die Schwinger vergleichsweise nicht so wichtig.

Gibt es bei den Kantonalverbänden und Schwingklubs sogenannte „Problemkinder“?
Der Kanton Freiburg hatte schon immer gute Schwinger, die mithalten konnten. Ich denke dabei an Ernest Schläfli (Unspunnen-Sieger 1976!), Gabriel Yerly, Hanspeter Pellet, Emmanuel Crausaz oder Stefan Zbinden. Sie waren alles exzellente Schwinger und eidgenössische Kranzschwinger, zu denen ich mich auch zählen darf. In Richtung Genf hat der Schwingsport nicht den gleichen Stellenwert wie bei uns in Freiburg, in der Innerschweiz oder im Bernbiet. „Problemkinder“ würde ich diese aber nicht nennen. Das Interesse ist dort halt viel geringer, und demzufolge schwierig, einen grossen Schwingklub aufzuziehen.
Im Wallis sieht es wieder besser aus. Man erinnere sich nur an das legendäre Walliser Schwinger- und Ringertrio Raphy, Etienne und Jimmy Martinetti. Sie waren Eidgenossen und haben zum Teil als olympische Ringer ein gutes Stück der Welt gesehen. Kürzlich wurde in Visp der Schwingklub Oberwallis gegründet, und ein Schwingkeller eingerichtet.

Wie siehst du für 2017 das Stärkeverhältnis der Südwestschweizer im Vergleich mit den anderen Teilverbänden?
Das ist schwierig zu sagen. In Estavayer gab es nicht wirklich einen Exploit. Es kommt nun darauf an, wie sich die Schwinger auf die neue Saison vorbereiten. Vier oder fünf Schwinger haben ein Riesenpotenzial. Wenn sie dieses abrufen können, könnte das Stärkeverhältnis auch ein wenig auf unsere Seite fallen. Diese Saison dürften sie vielleicht noch nicht ganz vorne mitschwingen. Aber in einem Jahr sieht das vielleicht ganz anders aus.
Und: Einige Schwinger sind gezwungen, im Kanton Bern zu trainieren, damit sie Fortschritte erzielen. Es ist noch nie ein Meister vom Himmel gefallen, das braucht einfach seine Zeit.

Michael, besten Dank für deine Einschätzung des Südwestschweizerischen Schwinggeschehens!

feldwaldwiesenblogger

Pirmin Reichmuth möchte nach dem neuerlichen Kreuzbandriss 2018 sein Comeback geben

Text: feldwaldwiesenblogger / Fotos: schwingklub-cham.ch und Einsiedler Anzeiger

Am 4. Dezember 2015 schaltete ich folgenden Beitrag online: Nachgefragt bei: Pirmin Reichmuth – Wie geht’s dem 20-jährigen Schwinger aus Cham? Damals befragte ich Pirmin nach einer längeren Verletzungspause, als er am 26. März desselben Jahres im Training seinen zweiten Kreuzbandriss erlitt.
Wir erinnern uns: Das grosse Zuger Talent stand am Innerschweizerischen 2014 in Cham ZG im Schlussgang. Der damals 19-Jährige verlor zwar gegen den Schwyzer Reto Nötzli. Der grossgewachsene Sennenschwinger liess aber dort schon seine grosse Klasse aufblitzen. Eine Woche später aber der Schock: Pirmin riss sich auf der Rigi das Kreuzband und den Meniskus im rechten Knie.

Letztes Jahr erfreute uns der für den Schwingklub Cham-Ennetsee schwingende Athlet mit einem starken Comeback. Anfangs April gewann Pirmin, in welchem auch Muotathaler Blut fliesst, souverän den Muotathaler Schwinget. Dem liess er sechs Saisonkränze folgen. Nebst dem Bergkranz auf der Schwägalp als Höhepunkt den Eidgenössischen Kranz in Estavayer.

Nun erreichte uns Schwingerfreunde diese Woche die Hiobs-Botschaft, dass sich der Chamer bereits zum dritten Mal das Kreuzband im rechten Knie gerissen hat: „Pirmin Reichmuth im Pech. Der Zuger Neueidgenosse riss sich erneut das Kreuzband und fällt damit wohl für den Rest der Saison 2017 aus“, schrieb der SCHLUSSGANG auf ihrer Facebook-Seite.
Ich kontaktierte den im Oktober 22 Jahre jung werdenden Schwinger am Mittwochabend. Er liess mich wissen, dass er an jenem Tag bereits operiert wurde und mir am Freitag für ein Interview zur Verfügung stehen würde.

neueidgenosse-pirmin-reichmuth_quelle_schwingklub-cham-ch
Pirmin Reichmuth, einer der Neueidgenossen von Estavayer

Was ist genau passiert?
Mein rechtes Knie war nach dem letztjährigen Michaelskreuz-Schwinget (ob Root LU) bereits vorgeschädigt. Wir hatten das damals nicht genauer abgeklärt, und konzentrierten uns auf das Eidgenössische. Im Herbst wurde dann ein Teil des Meniskus geflickt und im November startete ich ins Wintertraining. Beim Schwingen spürte ich, dass etwas nicht stimmte. Ende Februar verspürte ich beim Training einen gehörigen Zwick. Ich ging zum Arzt. Es lag der Verdacht vor, dass das Kreuzband angerissen ist. Wir entschieden uns, zu operieren. Bei der Operation wurde festgestellt, dass das Kreuzband komplett gerissen war.

Wie geht es dir momentan?
Jeder Tag ist anders. Heute bin ich zufrieden. Es geht nun jeden Tag ein wenig besser und morgen darf ich das Spital verlassen.

Wie sieht dein Fahrplan für die nächste Zeit aus?
Man wählte diesmal eine kompliziertere Variante, das Kreuzband zu operieren. Die nächsten sechs Wochen werde ich nun alles verheilen lassen. Wichtig ist, dass ich meinem Körper nun Erholung schenke.
Es ist vorgesehen, in gut drei Wochen mit der Physiotherapie zu starten. In vier Wochen beginnen wir im oberen Körperbereich mit dem Krafttraining.

Was geht in deinem Inneren nach dem neuerlichen Kreuzbandriss ab?
Ich muss ehrlich sagen, dass es für mich ein herber Schlag war! Denn ich dachte, dass ich unverletzt durchs Wintertraining komme und in die Saison starten kann. Der dritte Kreuzbandriss ist für mich der wohl schwierigste zum Verdauen.

Rücktritt ist kein Thema?
Nein. Denn ich habe mir auch schon überlegt, was ich tue, wenn ich das Kreuzband wieder reisse. Zwei Gründe sind ausschlaggebend fürs weitermachen: Erstens findet 2019 bei uns in Zug das ESAF statt. Zweitens ist es mit meinen 21 Jahren zu früh für einen Rücktritt. Ich bin guter Dinge, dass es wieder gut kommt.

Gibst du 2018 also dein Comeback?
Ich denke, das wird so sein. Deshalb wollte ich so schnell wie möglich operieren, damit ich genug Zeit habe. Wenn alles gut läuft, sollte ich 2018 normal in die Saison einsteigen können.

So wie ich dich einschätze, bist du ein sehr positiv denkender Mensch. Wo holst du dir die neuerliche Motivation, um dich zurück zu kämpfen?
Es ist die Liebe und die Leidenschaft zum Schwingsport. Aber auch, dass ich letzte Saison einigermassen unfallfrei schwingen konnte. Wenn ich fit bin, spüre ich, dass es gut läuft. Wenn ich jetzt aufhören müsste, würde mir sicher etwas fehlen. Die Motivation ist auch da, um auszureizen, wie weit es für mich im Schwingsport gehen könnte.

Gedenkst du, dein Training oder gar deine Schwingweise anzupassen?
Die Schwingweise eigentlich nicht, denn die habe ich nach dem zweiten Kreuzbandriss umgestellt.
Das Training muss ich aber schon anpassen. Ich muss dabei noch mehr auf die Tiefenmuskulatur setzen und noch besser auf mein Knie hören. Ich werde noch enger mit der Physio zusammenarbeiten. Wir sind aber nun daran, das aufzubauen.

Wenn du nun auf deine drei Kreuzbandrisse zurückschaust: Lief das jedes Mal anders ab?
Es lief jedes Mal anders ab. Beim ersten und zweiten Mal passierte es beim Schwingen, und wurde durch mich selber verursacht. Das zweite Mal habe ich vermutlich zu früh mit Schwingen angefangen.
Der dritte Kreuzbandriss war wie ein neuer Unfall. Das Knie war topfit. Es hätte genauso gut im linken Knie passieren können.

Sind gewisse Schwinger einfach anfälliger für Kreuzbandrisse?
Ich denke, das ist so. Andere haben vielleicht mit der Schulter Probleme, mein Schwachpunkt liegt scheinbar beim Knie. Bei mir ist es die Körpergrösse, die ausschlaggebend ist. Es ist auch nichts Aussergewöhnliches, dass nach einem ersten Kreuzbandriss ein zweiter folgt. Das haben schon etliche andere Sportler erlebt.

Wirst du dich beraten lassen, damit in Zukunft keine Kreuzbandrisse mehr passieren?
Ja, das werde ich sicher tun. Ich möchte zudem mit solchen Sportlern Kontakt aufzunehmen, die das auch erlebten.
Weiter werde ich darauf achten, dass Arzt und Physiotherapeut noch reibungsloser zusammenarbeiten und keine Missverständnisse vorhanden sind. Damit anschliessend bei der Physiotherapie auch nichts falsch gemacht wird.

Was meinst du, wirst du in Zukunft mit einer gehörigen Portion Vorsicht in den Sägemehlring steigen?
Ja, am Anfang sicher. Das war bisher jedes Mal so. Ich werde das Knie in Zukunft wohl noch besser aufwärmen müssen. Aber: Auf einem gewissen Niveau darf man im Sägemehlring nicht mehr daran denken. Man muss abschalten können.

Was machst du derzeit beruflich?
Bis jetzt habe ich auf meinem angestammten Beruf als Metzger gearbeitet. Ich bin mich aber beruflich am Umorientieren. So werde ich Ende August eine Ausbildung als Physiotherapeut in Landquart GR beginnen und werde die nächsten drei Jahre auch dort wohnen. Ich freue mich sehr darauf.

Wird man dich 2017 auch ab und zu an Schwingfesten antreffen?
Auf jeden Fall, denn ich ging früher schon gerne an Kranzschwingfeste. Ich habe noch zwei Brüder, welche auch schwingen: Marco und Roli. Ich freue mich auch auf diese Zeit, die beiden an Schwingfesten zu unterstützen.

pirmin-beim-comeback-2016_sieger-beim-muotathaler-schwinget_quelle_einsiedler-anzeiger
Pirmin Reichmuth, in welchem auch Muotathaler Blut fliesst, gewann 2016 den Muotathaler Schwinget

Ich bedanke mich bei Pirmin für seine sehr aufschlussreichen Ausführungen und wünsche ihm alles Gute und rasche sowie vollständige Genesung. Zudem viel Zuversicht und Ausdauer für die Zukunft, und auf dem Weg zurück in die Sägemehlringe.

feldwaldwiesenblogger