Schwingsport im Tessin: Der erste Tessiner Aktive an einem Innerschweizerischen (Teil 3)

Bei den losen Folgen zum Schwingsport im Tessin bin ich bereits beim dritten Teil angelangt. Beim Teil 2 erfuhren wir, dass sich die Deutschschweizer Medien mehr für die Schwinger aus der Sonnenstube interessieren als die einheimischen. Wer möchte es ihnen verübeln. Im selben Beitrag erklärte Edi aber auch, dass die Bevölkerung seit dem Eidgenössischen 2010 den Schwingsport vermehrt wahrnimmt. Nach der Verbands-Gründung 2012 tat sich einiges, und das kleine Schwinger-Pflänzchen beginnt nach und nach zu gedeihen. In erster Linie dank Edi Ritter, dem Präsidenten und Technischen Leiter Aktive sowie Jungschwinger in Personalunion.

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Edi Ritter und Lorenzo Mignola vor dem Trainingsplatz im Centro Sportivo
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Wie sehen die Zahlen bei den Jungschwingern und Aktiven aus?
Edi erklärt: „Zurzeit zählen wir bei den 8- bis 15-Jährigen fünf Jungschwinger. Wir stagnieren, und haben auch nach Veranstaltungen wie der Sportissima keinen grossen Zuwachs zu verzeichnen. Die Sportissima ist ein Tessiner Sportanlass, welcher einmal im Jahr auf sechs Sportanlagen durchgeführt wird. Dabei werden alle möglichen Sportarten angeboten. Man will, dass die Tessiner Bevölkerung verschiedene Sportarten ausprobieren kann. Am diesjährigen Anlass haben sich etwa 160 Buben beim Schwingen auf einem grossen Sägemehlring versucht. Meine Schwinger stammen aus der Sportissima 2011.
Der Bestand der Aktiven umfasst sieben Schwinger. Insgesamt zählt unser Verband momentan ein Dutzend Schwinger.“

Wo besuchten die Tessiner Schwinger dieses Jahr Schwingfeste?
„Von Frühling bis Herbst wurden Schwingfeste besucht“, erzählt der Präsident der Tessiner Schwinger. „Das waren Jungschwingertage, Nichtkranzerfeste und zwei Kantonalschwingfeste. Jedes Jahr sind wir beim Urner Kantonalen eingeladen, dort sind wir quasi Fixstarter. 2016 hätten wir das erste Mal statt mit vier sogar mit sechs Schwingern antreten können. Wir kamen dann mit fünf Schwingern, da der eine oder andere verletzt war. Mit den Aktiven traten wir zudem am Luzerner Kantonalen an. Es ist wirklich schön, denn wir werden innerhalb der Innerschweiz praktisch überallhin eingeladen. Aber wir können nicht an jedes Schwingfest gehen, nur schon wegen den Reisezeiten. Zudem will ich unsere Schwinger auch nicht an zu viele Anlässe schicken, um sie weiterhin „giggerig“ auf ein Fest zu halten. Es soll immer noch etwas Spezielles sein.
Mit den Jungschwingern waren wir beim Urner Kantonalen Nachwuchsschwingertag in Andermatt eingeladen. Bei den Jungschwingern dürfen wir jeweils nur bei den Urnern antreten. Denn die anderen Kantonalverbände haben selber genug Jungschwinger.
Insgesamt traten wir an mehr als 16 Schwingfesten an. Die Anlässe sind etwa fifty-fifty auf die Jungschwinger und Aktiven verteilt.“

Der erste Tessiner Aktive an einem Innerschweizerischen
Dieses Jahr konnte der Tessiner Kantonalverband mit Diego Pedrazzini zum ersten Mal einen Aktiven ans Innerschweizerische schicken. Das war für sie eine Riesenehre. Denn in der 123 jährigen ISV-Geschichte startete bisher noch nie ein Tessiner an einem Innerschweizerischen. Edi ergänzt: „Auch wenn Diego in Einsiedeln vier Mal der Rücken abgeputzt wurde, wobei jeweils nicht grad beim ersten Zug, bedeutet das für uns schon das Erreichen von einem gewissen Level. Natürlich hing die Teilnahme auch mit der Anzahl der versicherten Aktiven zusammen. Da streiten sich vielleicht auch die Geister der anderen Kollegen, welche sagen: Wir haben zu viele Nichtkranzer an einem Innerschweizerischen. Wenn man diese aber nicht mehr will, muss das Starterfeld auch nicht 220 Schwinger aufweisen. Aber: Wir müssen unsere Athleten auch langsam an solche Anlässe heranführen, damit sie sehen und erleben, wie das ist, wenn man in eine Arena mit knapp 9000 Zuschauern einläuft und schwingt.“

Gab es 2016 Zweiggewinne zu feiern?
Einen Kranzgewinn gab es bisher noch keinen zu feiern. Die Zweig-Ausbeute ist für 2016 nicht so ausgefallen wie in anderen Jahren. Der heute im Tessin wohnhaftete Schwingerfreund meint dazu: „Das ist auch nicht schlimm. Ich weiss nicht, ob es damit zu tun hat, dass die Jungs mittlerweile so bekannt sind und dementsprechend auch eingeteilt werden. Ich analysiere übrigens jedes Notenblatt von allen Schwingfesten. Im Herbst treffen wir uns zu einem gemeinsamen Nachtessen. Dabei schauen wir uns nebst Fotos auch die einzelnen Auswertungen an.“
Edi gibt nicht so viel auf einen Zweig-Gewinn und sagt: „Ein Zweig-Gewinn ist eine tolle Sache. Deswegen machen wir aber kein grosses Theater. Dieser Schwinger hat vielleicht das Glück, dass er körperlich gute Voraussetzungen mitbringt. Ein anderer ist vielleicht der bessere Techniker, ist aber ein Leichtgewicht und verliert deshalb ziemlich oft.“ Ihm geht es eigentlich mehr darum, um zu schauen mit welchen Griffen sie gewinnen oder verlieren. Dementsprechend wird das Training angepasst. Im Winter wird dann versucht, gewisse Details zu verbessern. Ziel ist es, während dem Wintertraining einen neuen Schwung hinzu zu lernen, und die anderen im Sortiment zu repetieren.

Das frühe Aufstehen der Tessiner Schwinger
Edi erläutert weiter: „Mein Jahresbericht beinhaltet keine Rangliste, wer der beste Jungschwinger oder Aktive ist. Für mich sind alle, die pflichtbewusst trainieren und an die Schwingfeste kommen, gut. Ich hatte in all den Jahren einen einzigen Fall, wo einer am Morgen nicht angetreten ist. Dieser Schwinger hat mich aber sogar vorgewarnt, dass er wegen einem Hilfseinsatz bei einem Dorffest am Morgen eventuell nicht da sein werde. Einige Schwinger fahren teilweise bis zu einer Stunde, bis sie hier im Centro Sportivo sind. Es sind immer alle pünktlich. Für den Herbstschwingertag Siebnen fuhren wir hier beispielsweise am Morgen um fünf Uhr los. Das hiess für gewisse Athleten, dass sie um vier Uhr morgens von zuhause fortfahren mussten.“

Edi Ritter will überdies keinen Bonus vom ISV oder ESV. Dazu erklärt er: „Ich will nicht, dass man zu hören bekommt: Die Tessiner dürfen einfach. Das finde ich nicht gut.“
Beim vierten Teil zum Schwingsport im Tessin werde ich mich unter anderem dem ersten Nichtkranzer-Schwingfest in der Sonnenstube, welches in Gudo über die Bühne ging, widmen.

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Am Samstag, 10. Dezember öffnet der „Earl Music Club“ seine Tore

Nachdem die Tore des Konzertlokals „Vorhöll“ im Stalden sich anfangs dieses Jahres schlossen, fehlte im Muotatal regelrecht eine derartige Lokalität, wo verschiedenste Konzerte oder kleine Theateraufführungen durchgeführt werden konnten. Am kommenden Samstag wird mit der offiziellen Eröffnung des „Earl Music Club“ an der Industriestrasse 6 in Ried-Muotathal SZ diese Lücke wieder geschlossen. Auf der clubeigenen Facebook-Seite findet man dazu folgende Informationen: „Der EARL MUSIC CLUB ist das Vereinslokal des Earl-Verein-Muotathal. Hier werden in loser Folge Konzerte und andere kulturelle Anlässe (zum Beispiel Filmabende) veranstaltet.“ Die Betreiber des kleinen, aber feinen Lokals werden Hugo „Hügi“ Schelbert („Bächelers“), Ralph „Hoss“ Gwerder („Schmalauelers“) und Markus „Märki“ Betschart („Gigärä Pitschä“) sein. Am 10. Dezember wird der Einstand mit einem Konzert der HOLY JUICE aus Steinen SZ gefeiert.

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Die drei Club-Betreiber: Märki, Hoss und Hügi (von links)
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Vorgeschichte
Hügi, Hoss und Märki redeten schon länger davon, irgendwann einen eigenen Music Club zu eröffnen. Sie schauten deswegen im Muotatal geeignete Räumlichkeiten an. Hölloch-Wirt Bruno Suter schlug ihnen vor einiger Zeit das geschlossene Restaurant Pragelpass vor. Da das Gebäude aber wegen Abbruch und Erstellung eines Neubaus nur etwa zwei Jahre zur Verfügung gestanden hätte, lehnten sie dieses Angebot ab. Ein leer stehender Raum in Hügi‘s Elternhaus war auch kurzzeitig ein Thema. Sie liessen die Idee aber wieder fallen, da es sich um ein Wohnhaus handelt und ringsherum Leute wohnen. Irgendwann sagte ihnen Daniel Inderbitzin, ein Bandkollege von Hügi, dass eine grössere Fläche bei der Inderbitzin AG im Ried schon seit mehr als einem Jahr zur Vermietung ausgeschrieben sei. Die Fläche erstreckt sich über vier Container mit dünnen Zwischenwänden. In diesen waren einst die alten Büros der Inderbitzin AG und provisorische Schulräume untergebracht. Hügi erklärt: „Als wir auf diese Räumlichkeit kamen, ergab sich Schritt um Schritt. Nachdem wir die Bareinrichtung der geschlossenen Vorhöll gekauft haben, begannen wir ernsthaft darüber nachzudenken, hier drin Konzerte zu veranstalten.“ Märki ergänzt: „Als wir wussten, dass wir das mieten werden, haben wir bewusst auf dieses Ziel hin gearbeitet.“ „Nachdem wir uns mit den Verantwortlichen der Inderbitzin AG einig waren, haben sie sogar die Zwischenwände rausgerissen und die Ausmasse des Raumes wurden ersichtlich“, fügt Hoss an.

Woher stammt der Name des Clubs?
„Earl“ ist der Name eines Buses, den Hügi, Hoss und Märki einst besassen. Es handelt sich dabei um einen VW LT, Baujahr 1978, und war ursprünglich als Wohnmobil im Einsatz. Nach dem Kauf 2003 entfernten sie den Küchenteil, damit fünf Personen im Bus schlafen konnten. Mit Earl waren die drei Freunde bis 2015 regelmässig unterwegs. Ein Nachfolger musste inzwischen wieder her, dieser hört auf den Namen Tumbler.
Hoss malte als Erinnerung anhand einer Vorlage das Bild von Earl an eine Wand im neuen Club. Earl heisst eigentlich ausgesprochen „Extravagantes aussergewöhnliches Raumlastfahrzeug“. Wobei zuerst die Kurzform war und der lange Zusatz später dazu gedichtet wurde. Hoss sinniert: „Wir sind mehr als zehn Jahre mit diesem Bus rumgefahren. Er ist uns schon ans Herz gewachsen“, und Hügi meint: „Earl entwickelte sich besonders bei den Jungen im Thal zu einem Begriff.“ Märki weiter: „Es hat halt auch mit Musik zu tun. Zuerst war Earl der Band-Bus unserer Trashmetal-Band Ambrossia.“
Die drei gründeten den Earl-Verein-Muotathal als Trägerschaft für das Konzertlokal. Für sie ist es eine Absicherung sowie Stütze, und vereinfacht vieles bei der Organisation rund um den Club. Der Verein besteht nebst ihnen aus dem Ehrenmitglied Rolf Gwerder. Rolf war ursprünglich der „vierte Mann“, musste aber aus beruflichen und familiären Gründen etwas kürzer treten. „Rolf hat uns so oft wie möglich bei den Einrichtungsarbeiten geholfen. Putzte dabei alle Lüfter, schweisste und montierte Halterungen und half bei der Herrichtung des Vorhanges mit“, erzählt Hügi. Märki ergänzt: „Er war von Anfang an unser Ehrenmitglied. Wir wollen für unseren Verein momentan aber keine weiteren Mitglieder.“

Die Planung und Einrichtung
Am 5. November 2015 standen die drei zwecks Besichtigung zum ersten Mal vor der Tür des heutigen Music Clubs. Die anschliessende Planung führten sie selber durch. Die Überlegungen liefen in die Richtung, wo sich die Bühne befinden soll und dass wegen den Nachbarn die Wände isoliert werden müssen. Die bereits erstandene Bar-Theke zogen sie mit in die Planung ein. Im Voraus wurde Bruno Föhn, der Feuerschauer der Gemeinde Muotathal, angefragt, was sicherheitstechnisch alles zu machen ist. So zum Beispiel, dass ein Raum ab 50 Personen zwei Notausgänge haben muss. Hügi ergänzt: „Für das Gebäude, in welchem sich die Music Bar befindet, wurde eine Umnutzung vorgenommen. Damit hier auch ein Gastgewerbe-Betrieb untergebracht werden kann. Dies nahm sogar Stefan Inderbitzin von der Inderbitzin AG in die Hand. Dafür sind wir ihm dankbar. Wir haben selbstverständlich eine Bewilligung für die Betreibung des Clubs.“ Märki fügt an: „Wenn wir schon etwas investieren, soll auch alles korrekt abgesichert sein.“
Die Einrichtungsarbeiten liefen von März bis Oktober. Die Hauptarbeit ist verrichtet, ein paar kleine Details sind noch zu machen. Hoss erzählt: „Wir nahmen es locker und liessen uns Zeit. Die Arbeiten schritten aber jeweils gut voran, und machten uns auch Spass. Nebst der Bar sind auch die Tischchen, Hocker und die Lampen oberhalb der Theke von der Einrichtung der Vorhöll. Der feuerfeste Vorhang hinter der Bar und der Bühne bekamen wir als Sponsoring-Beitrag vom Theater Muotathal.“ Die Inderbitzin AG unterstützte die drei tatkräftig und installierte ihnen unter anderem Deckenradiatoren zur Beheizung des Raumes. Wie bereits erwähnt, griff ihnen bei der Einrichtung Rolf Gwerder unter die Arme. Weiter half ihnen bei vielen Arbeiten auch Beat Immoos, ein Kollege von der Band Bad Sin. Märki ist Elektromonteur, Ralph Möbelschreiner und Hügi Automechaniker: Drei Handwerker mit Berufen, welche ideal für viele Arbeiten waren. So konnten sie vieles selber machen und dabei auch einiges an Geld einsparen.
Eine neue Lichtanlage wurde angeschafft. Die komplette Musikanlage wurde von Märki beigesteuert. Der Club verfügt über eine Bühne und ist mit Musikinstrumenten eingerichtet, eine sogenannte Back-Line. Auftretende Bands dürfen davon Gebrauch machen, und müssen so nur ihre persönlichen Instrumente wie beispielsweise Gitarren mitnehmen.

Wie sah die Finanzierung aus?
Hügi, Hoss und Märki finanzierten alles selber. Jeder investierte eine grössere Summe in das Unterfangen Earl Music Club. Die endgültige Abrechnung wurde noch nicht gemacht. Für laufende Rechnungen errichtete der Earl Verein ein eigenes Bankkonto. Wie Hügi erklärte, ist es deshalb ihre Absicht, einmal im Monat ein Konzert durchzuführen. Damit Geld reinkommt, um die Investitionen abzahlen zu können. Märki: „Schön wäre es, wenn die getätigten Investitionen irgendwann abbezahlt sind.“
Der Raum des Clubs ist etwa 79 Quadratmeter gross und erfüllt gerade noch die Grösse für einen Raucherraum. Die Betreiber rechnen damit, dass um die 100 Personen Platz im Club finden werden. Zudem sind genügend Parkplätze zwischen den beiden Firmen Imhof Carrosserie- und Spritzwerk sowie der Inderbitzin AG vorhanden. Dies in einem abgegrenzten Bereich, damit auf der Seite, wo sich Wohnhäuser befinden, keine Lärmemissionen entstehen können.

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„Earl“, der Namensgeber des Clubs
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Was wird im Earl Music Club alles angeboten?
Das Ziel ist, dass der Club einmal im Monat an einem Samstag geöffnet hat, und ein Anlass durchgeführt wird. Die Tore werden dann jeweils von 19 bis maximal 4 Uhr in der Früh offen sein. Dafür wird vorgängig eine Bewilligung für die Verlängerung eingeholt. Es werden nur kleine Snacks, aber keine warmen Speisen serviert. Bei den Getränken ist keine grosse Karte vorgesehen. Im Angebot werden Mineralwasser, Bier, Wein und ein paar Spirituosen sein. Die drei wollen nicht eine Bar in dem Sinne betreiben, sondern einen Konzertraum mit beschränktem Verpflegungs-Angebot.
Nebst Konzerten wollen sie auch Filmabende durchführen. Zu diesem Zweck haben die Betreiber eine Leinwand beim Bühnenbereich samt einem Beamer und einem entsprechenden Dolby Surround-System installiert. Hügi erklärt: „Möglich wäre auch das Aufführen von Kleintheatern mit etwa fünf Personen, wie sie auch schon in der Vorhöll stattgefunden haben. Wir sind für alles offen.“ Märki ergänzt: „Ganz allgemein gesagt, können hier verschiedene kulturelle Sachen gezeigt werden. Künstler von der Kleinkunst-Szene würden hier gewissermassen Platz finden. Es steht nächstes Jahr auch eine Techno-Party auf dem Programm. Einen Filmabend kann es aber durchaus auch spontan dazwischen geben.“
Die drei betonen, dass sie kein Aufnahmestudio seien, wie im Bote der Urschweiz geschrieben wurde. Aufnahmen für Bands könnten aber durchaus getätigt werden.

Welche Schwierigkeiten galt es seit der Idee bis zur Eröffnung des Clubs zu meistern?
Märki dazu: „Eigentlich überhaupt keine. Es lief alles relativ gut ab. Alle Bewilligungen und Genehmigungen wurden uns ohne Probleme und rasch erteilt. Da waren wir am Anfang im ungewissen und wussten nicht, wie das ablaufen würde.“ Hügi sieht es so: „Es gab schon manchmal Zeiten, wo es ein wenig stockte und nicht vorwärts ging. Dazu kamen auch kleine Verzögerungen. Zudem mussten wir auch manchmal zusammen sitzen und das weitere Vorgehen besprechen. Wir drei sind jedoch unkompliziert und konnten uns immer auf gute Lösungen einigen.“ Hoss weiter: „Ich habe nebst anderem auch die Ausschankbewilligung eingeholt. Was die Gemeindebehörde und den Gemeinderat von Muotathal betrifft kann man sagen, dass alles sehr unkompliziert ablief. Wir sprechen ihnen dafür unseren Dank aus. Das einzige, was uns ab jetzt in die Quere kommen könnte, könnten die Nachbarn sein. Wenn wir eventuell zu laut sein sollten.“
Die Nachbarn rings um den Music Club haben die drei vorgängig mit einem Flugblatt informiert und luden sie am 12. November zu einem Apéro ein. Ein paar von ihnen kamen, und konnten so die Clubbetreiber und das Lokal kennen lernen. An jenem Tag fand zudem ein „Soft-Opening“ mit ein paar geladenen Kollegen und Mitmusikern statt. Eingeladen waren auch die Verantwortlichen der Inderbitzin AG. Es waren um die 40 Personen anwesend. Die drei erzählten, dass es für sie zudem auch ein kleiner Test war, da sie bisher noch nie einen Club führten. Unisono erklärten die drei Freunde, dass es ein guter und gemütlicher Abend war.

Die Vorfreude zur bevorstehenden Club-Eröffnung ist gross
Der Club wird in erster Linie von den drei betrieben, bei Bedarf mit Unterstützung von Rolf und Alex Gwerder. Hoss erklärt: „Wenn uns Kollegen helfen wollen, können sie dies gerne tun. Einige haben uns bereits ihre Hilfe angeboten. Es wird sich dann zeigen, wie viele Leute es in Zukunft benötigt.“ Märki: „Wir waren schon an vielen Konzerten und sahen dabei viele Dinge, die man eigentlich besser machen könnte. Auch als Musiker bringen wir unsere gemachten Erfahrungen mit ein.“ Hügi ergänzt: „In den meisten kleinen Lokalen musst du jeweils alles selber mitnehmen und aufstellen. Das fällt hier weg. Fast nirgends triffst du auf eine komplette Musik- und Instrumenten-Einrichtung.“ Sie haben eine grosse Freude, dass es nun bald losgeht und erwarten coole Abende.
Das Echo zur bevorstehenden Eröffnung des Clubs sah bisher äusserst positiv aus. So erschien im Bote der Urschweiz am 30. November ein Bericht, und im Muotathaler Info-Blatt fanden sie ebenfalls Erwähnung. Weiter erhielten Hügi, Hoss und Märki auch positive Feedbacks via Facebook, wo sie vor kurzem eine eigene Seite eröffneten. Hügi dazu: „Viele Leute freuen sich, dass es ein kleiner Club wie im Stil von den nicht mehr geöffneten Vorhöll oder Kult-Turm geben wird. Für die Bands wird es von der Grösse her ein dankbarer Ort zum Auftreten sein.“ So haben schon etliche Bands um eine Auftrittsmöglichkeit nachgefragt. Bis und mit März ist schon jeder Monat ein Anlass geplant.

Die Philosophie des Earl Music Clubs
Die Clubbetreiber möchten kleine Konzerte für ein kleines Publikum durchführen und dabei Rockmusik in den verschiedensten Facetten anbieten. Die Stilrichtung soll dabei möglichst breit gefächert sein. Hügi ist folgendes wichtig: „Im Bastards Place werden auch Konzerte durchgeführt, und wir möchten sicher nicht deren Konkurrenz sein. Unser Club ist ein Konzertlokal und wir möchten in erster Linie eine Auftrittsmöglichkeit für kleine Künstler bieten. Das Bastards Place ist im Gegensatz zu uns ein Restaurant und kein Konzertlokal im üblichen Sinne. Ein Restaurant, wo auch Konzerte angeboten werden.“ Hoss erläutert weiter: „Nick Betschart vom Bastards Place organisiert zwar schon verschiedenste Bands. Schlussendlich fährt er aber eher die Rock-Schiene. Wir möchten aber auch Death Metal-Konzerte oder Techno-Partys anbieten. Wir sehen uns daher quasi als Ergänzung. Es schadet gar nicht, den Muotathalern auch andere Musikrichtungen nahe zu bringen. Es ist zudem unser Ziel, dass auch Leute von Schwyz und Umgebung in den Club kommen.“

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Der kleine aber feine Earl Music Club
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Hügi, Hoss und Märki erklärten zum Schluss, dass sie bei der Einrichtungsarbeit eine gute Zeit hatten. Sie sahen sich dadurch wieder viel mehr, wie in ganz jungen Jahren. Das schweisste sie wieder zusammen. Früher spielten die drei Musiker gemeinsam bei der Death Metal-Band Ambrossia. Als die Band aufgelöst wurde, sahen sie sich automatisch weniger. Man kann wirklich sagen: Drei Freunde verwirklichten sich mit dem Earl Music Club einen lang gehegten Traum.
Ich erhielt beim Gespräch einen hervorragenden Eindruck von dem Lokal: Ein gemütlicher und angenehm eingerichteter Konzertraum. Man fühlt sich dort sofort wohl.

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„Keep The Valley Loud“ – Ein CD-Projekt mit Muotathaler Rockbands wird am 28. Januar 2017 getauft

Am 28. Januar 2017 findet im Earl Music Club in Ried-Muotathal SZ eine vielversprechende CD-Taufe statt. Der Silberling, ein Sampler, hört auf den Namen „Keep The Valley Loud“. Ein Ausschnitt aus dem dazugehörigen Pressetext umschreibt in groben Zügen was uns bei dieser CD erwartet: „Im Muotathal ist nicht nur die Natur roh, sondern auch die Musik“ – Rockmusik made im Muotatal.

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Jonas Marty am Mischpult
Bildquelle: Jonas Marty

Der Vater des CD-Projektes ist Jonas Marty
Die Idee zu diesem CD-Projekt hatte Jonas Marty. Der 27-Jährige ist im Muotatal aufgewachsen, wohnt jetzt in Brunnen und ist von Beruf Elektroniker. Jonas spielt bei den beiden Bands Dreadful und Ping Machines Leadgitarre und steuert die Backing Vocals bei. Nebenbei spielt er noch bei Projekten wie den „Dear Misses“ mit, von welchen auch ein Song auf dem Tonträger verewigt wurde.
Vor drei Jahren bewarb sich der Muotathaler für das Tonmeister-Studium an der Zürcher Hochschule der Künste. Jonas reichte dazu ein Dossier mit einigen Aufnahmen ein. Darunter ein Song, welcher auch auf der CD zu hören sein wird. Da die Kriterien sehr streng sind, und für ein Tonmeister-Studium nur sehr wenige Plätze vergeben werden, schaffte es der leidenschaftliche Gitarrist leider nicht. Das CD-Projekt erlebte 2013 bei den Aufnahmen für das eingereichte Dossier quasi seine Geburtsstunde. Dies brachte Jonas auf die Idee, eine CD mit Aufnahmen von verschiedenen Muotathaler Rockbands auf die Beine zu stellen. Für den Sampler suchte er sich einen coolen Namen, wo das Muotatal miteinbezogen ist: „Keep The Valley Loud“ war geboren.

Wer ist alles auf „Keep The Valley Loud“ zu hören?
Auf dem Sampler sind 15 Formationen zu hören: Sobchak, The Sinalcos, Five And A Half Thumbs, Dreadful, Infinitas, dustyboots, Ping Machines, Polution, The Late Birds, Dear Misses, Krolok, Abe & the Lincolns, Boiaggätüüfel, Kerry & The Layzers und AC/DC 2. Dabei handelt es sich um Muotathaler Bands oder Bandprojekte. In einem einzigen Fall, den Ping Machines, um eine Schwyzer Band. Aber mit einem Muotathaler Gitarristen, nämlich niemand geringerem als dem Mastermind Jonas Marty. Die Bands The Sinalcos, Five And A Half Thumbs und Kerry & The Layzers gibt es inzwischen nicht mehr. Bei „Dear Misses“ und „AC/DC 2“ handelt es sich um Projekte. „Boiaggätüüfel“ ist ein einmaliges Solo-Projekt von Sanchez (Christian Betschart).
Auf die Frage, wo er die Bands alle aufgestöbert habe, meint Jonas: „Weil ich selber Musik mache, kenne ich all diese Bands, und fragte sie darum auch an. Ich versuchte ihnen, mein Projekt schmackhaft zu machen. Es sagten praktisch alle angefragten sofort zu. Die Idee wäre gewesen, nur eigene Songs aufzunehmen. Das war aber schwierig, da einige Bands nur Covers spielen. Insgesamt machten etwa 45 Musiker mit. Einige sind sogar zwei bis drei Mal zu hören. Das Alter der teilgenommenen Musikanten bewegt sich etwa zwischen 24 und 65 Jahren.“

Welche musikalischen Stilrichtungen werden auf der CD abgedeckt?
Auf der CD findet man acht Eigenkompositionen und sieben Coverversionen von nachgespielten Songs. Jonas beschreibt die eingespielte Musik im Pressetext so: „Dreckig muss sie sein. Böse. Manchmal auch lieblich. Aber immer laut.“ Die musikalische Stilrichtung ist Rock in seinen verschiedenen Facetten: Stoner-Rock, Rockabilly, Death Metal, Blues, Countryrock, Hardrock, Rock’n’Roll, Punkrock, Psychedelic Rock, Heavy Metal und Roadmusic. Eine bunte Mischung also.
Die meisten Songs wurden im Dreadful-Proberaum aufgenommen. Das Aufnahme-Equipment stammt von Jonas‘ Band Dreadful. Dabei handelt es sich unter anderem um einen PC mit einem entsprechenden Aufnahmeprogramm. Einige Sachen, wie beispielsweise spezielle Mikrofone, lieh er sich von Infinitas, einer Muotathaler Metalband aus. Diese sind ebenfalls auf dem Sampler zu hören. Selv Martone und Piri Betschart von besagter Band nahmen auch die eine oder andere Band auf. Zudem stellten Infinitas ihren Proberaum samt ihren Gerätschaften zum Abmischen der Songs zur Verfügung.
AC/DC 2 nahmen ihren Song selber auf, ebenso das Solo-Projekt „Boiaggätüüfel“. dustyboots gingen für die Aufnahme ihres Songs in ein Studio. Für zwei Bands, Polution und Ping Machines, nahm Jonas die Aufnahmeutensilien in ihren bandeigenen Proberaum mit. Das Mastering der meisten Songs, die sogenannte Endbearbeitung von Tonaufnahmen und der letzte Schritt der Musikproduktion, führte Deezl Imhof im Foolpark in Kriens LU durch.
Laut Jonas lief im Grossen und Ganzen alles reibungslos ab. Technische Schwierigkeiten gab es nur wenige zu meistern. Es handelte sich dabei nur um kleine Details, wie beispielsweise falsche Aufnahme-Einstellungen.

Wie sieht die Finanzierung dieses Projektes aus?
Das ganze CD-Projekt verursachte Kosten von etwa 2‘500 Franken. Jonas stellte deswegen bei der Kulturkommission Muotathal ein Gesuch und erhielt einen Unterstützungsbeitrag von 1‘000 Franken. Der Musiker hofft nun, dass er die restlichen Kosten bei der CD-Taufe und beim Verkauf der CD’s reinholen wird.
Für die Gestaltung des CD-Covers und dessen Layout war Jonas‘ Freundin Sandra Magnusson verantwortlich. Als Basis nahm die studierte Grafikdesignerin ein von Jonas selber gemachtes Foto vom „Grossen Band“ her übers Muotatal. Das Ergebnis des Artworks, der künstlerischen Bildgestaltung, sind Covers mit gelbem und blauem Bild.
Wie bereits erwähnt, erfolgte der Startschuss zu diesem Projekt 2013. Ende 2016 wird alles fertig sein. Die Aufnahmen fanden von 2013 bis 2016 während dreier Jahre statt. Ebenso das Abmischen der Songs. Jonas erläutert dazu: „Da der Earl Music Club am 10. Dezember eröffnet wird, fand ich es eine gute Idee, mit ihnen einen Termin für die CD-Taufe abzumachen. Das bedeutet für mich Ansporn aber auch Druck, die CD fertig zu stellen.“

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Gelbes CD-Cover zum Sampler „Keep The Valley Loud“
Bildquelle: Jonas Marty

Die CD-Taufe wird im Earl Music Club über die Bühne gehen
Die Leute in Jonas‘ Umfeld fragten in letzter Zeit immer wieder nach der CD-Veröffentlichung. Diese wird nun am 28. Januar 2017 im Earl Music Club getauft. Parat sein werden dann 500 CD’s mit blauem und 500 CD’s mit gelbem Cover. Wer nicht an der Taufe teilnehmen kann, hat die Möglichkeit, den Silberling anschliessend bei Jonas direkt zu kaufen. Bei cede.ch wird sie erhältlich sein, wahrscheinlich auch beim Guitar Store Manea und Urs Schelbert (Bächelers). Auf einer Plattform im Internet (bandcamp.com) wird man die Songs entweder online beziehen, oder aber eine CD-Bestellung direkt an Jonas auslösen können.
Zur eigentlichen CD-Taufe hat sich Jonas noch keine grossen Gedanken gemacht. Er sagt dazu: „Was genau laufen wird, ist noch geheim. Diejenigen Bands, welche spielen möchten, können sicher auftreten. Eventuell treten auch jene auf, welche sonst nie live zu sehen sind. Alle Bands werden sowieso nicht auftreten. Eine völlig durchdachte Sache wird das nicht geben. Es soll locker sein, und man soll sich überraschen lassen.“ Die Organisation führt er zusammen mit den Earl Music Club-Betreibern durch.

Ein musikalisches Zeitdokument
Keep The Valley Loud“ ist ein musikalisches Zeitdokument von Muotathaler Rockbands, welche es zurzeit im Muotatal gibt, oder zumindest während den Aufnahme-Sessions noch gab. Jonas findet, dass es auf der CD das und dieses zu entdecken gebe. Rückblickend erklärt er zu seinem Projekt: „Ich habe aufnahmetechnisch viel gelernt. Die Aufnahmen dauerten gewöhnlich von 9 Uhr morgens bis spät abends und wir hatten dabei meist ein richtiges Fest. Während dem Projekt kamen mir ab und zu schon Gedanken, dass es viel Arbeit ist, und ob ich das tatsächlich beenden soll. Aber ich wollte dies durchziehen. Auch schon deshalb, weil ich allen Beteiligten sagte, dass ich es zu Ende bringen werde.“
Ob er weitere solche Projekte plant, kann er heute noch nicht sagen: „Ich weiss aber, dass ich sicher nicht mehr alles selber machen werde. Entweder nehme ich auf, oder ich mische ab. Was ich mir vorstellen könnte, wäre ein Sampler mit Songs von Bands, welche mir ihre Songs zustellen.“
Jonas hat sich zuhause ein kleines Studio eingerichtet und möchte in Zukunft noch mehr aufnehmen. Vor allem seine eigenen Songs. Er möchte dies aber nicht zu seinem Beruf machen. Denn der Spass steht im Vordergrund und er macht am liebsten Sachen, die ihm auch gefallen.
Er hat auch schon für seine Band Ping Machines Songs aufgenommen und abgemischt. Er behauptet von sich, dass er mehr der Livemusiker ist als der Techniker. Das Aufnehmen und Abmischen sei zudem auch Mittel zum Zweck. Nebenbei mischt er auch ab und zu an Konzerten für andere Bands.

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Schwingsport im Tessin: Hat das Schwingen in der Sonnenstube eine Zukunft? (Teil 2)

In einer losen Serie berichte ich über den Schwingsport im Tessin. 2012 wurde der Kantonale Schwingerverband von zwei Elternteilen von Jungschwingern und Edi Ritter gegründet. Am 22. September traf ich mich mit Edi, dem Präsidenten und Technischen Leiter im Centro Sportivo in Tenero. Beim Gespräch war auch der junge Aktive Lorenzo Mignola anwesend.

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Edi Ritter und Lorenzo Mignola vor der kleinen aber feinen Trainingslokalität im Centro Sportivo
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Wird der Schwingsport in der Bevölkerung wahrgenommen?
Der Schwingsport ist im Tessin nicht verankert. Er wird aber seit dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest ESAF 2010 in Frauenfeld wahrgenommen. Edi erklärt: „Damals fragte mich das Tessiner Fernsehen, ob sie mich als Fachexperten für die TV-Übertragung engagieren können. Bis dahin zeigten sie jeweils nur den Schlussgang eines Eidgenössischen. Ich sagte zu. Vom ESAF in Frauenfeld wurde dann der ganze Samstag- und der ganze Sonntagnachmittag übertragen. Nach diesem Anlass erwachte im Tessin das Interesse am Schwingsport und man wusste nun, dass auch hier geschwungen wird. Das Ganze wurde aber mit einer gewissen Skepsis und Vorsicht registriert.“

Hat der Schwingsport im Tessin eine Zukunft?
Edi, das eidgenössische Ehrenmitglied, meint dazu: „Ja. Mit Leuten wie Lorenzo Mignola, Loris Di Pietro und den anderen hat er eine Zukunft. Weil wir eine kleine Gruppe sind, und ich darauf schaue, dass die Kleinen wie die Grossen einander kennen, zueinander stehen und einander helfen. Ich will auch, dass wir gemeinsam zu den Anlässen reisen, und sie die Gelegenheit haben, miteinander zu reden und weiter zu kommen. Wenn einer einmal wegen Unfall oder Verletzung einige Zeit das Training nicht besuchen kann, ist es immer ein freudiges Ereignis, wenn er wieder kommt. Sie schauen zu einander, was mir sehr wichtig ist. Ich will keine Einzelkämpfer und möchte, dass sie Freude am Sport haben. Es wird kein Leistungsdruck ausgeübt und sie müssen niemandem etwas beweisen. Momentan zählen bei mir Zweige und Kränze noch nicht. Wir sind froh und stolz, wenn ein Schwinger einen Zweig oder Doppelzweig macht. Aber ich führe keine Rangliste darüber. Bei uns darf jeder schwingen, ob er talentiert ist oder nicht.“

Bekommen die Tessiner Schwinger Unterstützung aus der Deutschschweiz?
„Wenn ich möchte, würden wir Unterstützung bekommen, vor allem finanziell“, beginnt Edi zu erzählen. Aber er will nicht, dass der Schwingsport im Tessin so quasi subventioniert wird. „Wir müssen uns das selber erarbeiten. Nur wenn wir das selber schaffen, können wir auch dahinter stehen und stolz darauf sein. Wenn wir alles annehmen würden, wäre die Wertschätzung nicht so, wie wenn wir es selber machen würden.
Technische Unterstützung benötigen wir keine, da ich diese selber reinbringe. Und wie man einen Verband zu führen hat, weiss ich mittlerweile auch.“

Wer half Edi Ritter 2009, den Tessinern den Schwingsport zu zeigen?
Der ehemalige Schwinger und Ringer erläutert: „Die nächsten sind für uns die Urner, respektive die Erstfelder. Der ehemalige Präsident vom Schwingklub Erstfeld, Robi Indergand, war zu der Zeit Urner Kantonalpräsident, als ich Präsident vom Basellandschaftlichen Kantonalverband war. Solche Kontakte bestehen gewöhnlich ein Leben lang. Als ich 2009 angefragt wurde den Tessinern den Schwingsport im Centro Sportivo zu zeigen, war mein erster Gedanke: Sägemehl und Schwinghosen müssen zuerst zur Verfügung stehen. Weiter nahm ich das Telefon zur Hand, und rief Robi Indergand an. Ich erklärte ihm die Situation und fragte, ob er nicht mit etwa sechs Schwingern kommen könnte. Die Erstfelder Kollegen kamen darauf 2009, 2010 und 2011 ins Centro Sportivo und halfen mit, das Schwingen im Südkanton zu demonstrieren. Sogar der Urner Eidgenosse Andi Imhof war dabei. Uns ging es am Anfang nicht darum, einen Verband oder Klub zu gründen. Wir wollten den Leuten im Tessin einfach den Schwingsport zeigen. Ich bin nämlich nicht mit der Absicht ins Tessin gezogen, um hier etwas aufzuziehen.“

Welche Schwierigkeiten und Probleme bereiten dem Tessiner Kantonalen Schwingerverband Sorgen?
„Ein Problem bereitet uns im Winter die Trainigslokalität“, beginnt Edi. Und weiter: „Uns steht auf dem Gelände des Centro Sportivo ein kleiner Raum zur Verfügung. Um meine Philosophie mit 12 bis 14 Schwingern weiter zu verfolgen, überkreuzen wir beim Wintertraining die Trainingsstunden. Wir beginnen um 18 Uhr und schwingen mit den Kleinen bis 19 Uhr. Die Grossen starten mit dem Training um 19 Uhr, welches um 21 Uhr endet. Die grösseren Schwinger kommen aber schon vorher und helfen den Kleinen. Ich will, dass sie sich auch im Winter sehen und Kontakt miteinander pflegen. Das funktioniert bestens. Bedingt durch die kleine Räumlichkeit haben wir das so gelöst. Hätte ich einen grösseren Trainingsraum zur Verfügung, würde ich mit den Kleinen von 18 bis etwa 20 Uhr voll durch trainieren. Im Sommer sieht das anders aus. Wir haben einen grossen Sägemehlplatz auf dem Gelände und trainieren auf diesem.
Da ich kürzlich ein scharfes Email geschrieben habe, wird man nun wohl einen Weg suchen, um uns entgegenzukommen. Die Verantwortlichen hier haben nämlich auch mitbekommen, dass wir vor einem Grossanlass wie dem Eidgenössischen von verschiedenen Radio- oder TV-Stationen mehr interviewt wurden als all die Fussballer. Die Burschen sind fast halbe Medienstars geworden. Von unserer Seite her fördern wir das aber nicht.“

In den Tessiner Printmedien werden ihre Schwinger aber immer noch relativ stiefmütterlich behandelt. Sie haben niemanden, der über sie schreibt. Das sieht bei den Print-Medien aus der Deutschschweiz anders aus: Der SCHLUSSGANG, Blick oder andere Zeitungen interessieren sich für sie und berichten darüber. Laut Edi wahrscheinlich auch deswegen, weil die Tessiner Schwinger in gewisser Weise Exoten sind. Vergleichbar mit den Jamaikanern im Bob-Sport.

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Wie geht es eigentlich Benji von Ah?

Benji von Ah war einer der grossen Abwesenden beim Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest (ESAF) in Estavayer. Aber nicht nur dort. Der bärenstarke Turnerschwinger verletzte sich beim Nordostschweizerischen Schwingfest (NOS) in Wattwil unglücklich am linken Ellbogen. Die Saison war nach dem 26. Juni für Benji leider vorbei. Seither ist es still um den bärtigen Obwaldner geworden. Zeit, bei Benji nachzufragen. Der SBB-Spezialmonteur stand mir anfangs Woche am Telefon zu sieben Fragen Rede und Antwort.

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Benji von Ah, einer der bärenstarken Obwaldner
Bildquelle: schaererphotographs.ch / schwingenonline.ch

Benji, wie geht es dir? Ist die am Nordostschweizerischen erlittene Verletzung am linken Ellbogen vollständig ausgeheilt? Wie verlief der Heilungsprozess?
Es geht mir prima und bis jetzt ist alles gut verlaufen. Der Heilungsprozess schritt ebenfalls gut voran. Ich wurde im Inselspital Bern operiert, nachdem ich beim NOS am Ellbogen eine Bänderzerrung und einen Muskelabriss erlitt. Anschliessend absolvierte ich Physiotherapie, welche ich immer noch bestreite. Stand heute ist am Ellbogen alles wieder gut, und ich kann ihn wieder voll belasten. Ich bin aber noch vorsichtig. Zudem fehlt noch die Kraft, welche aber bis im neuen Jahr aufgeholt sein sollte.

Laut Information auf deiner Homepage durftest du den Ellbogen während dreier Monate nicht belasten. Hast du im Herbst bereits wieder trainiert?
Ich trainiere seit dem Herbst wieder normal. Nach der Operation machte ich wie erwähnt Physiotherapie und begann bald wieder mit Krafttraining. Am Anfang trug ich noch eine Schiene und trainierte nur die Körperpartien vom Rumpf abwärts. Nachdem mir die Ärzte grünes Licht gaben, nahm ich auch das Training im oberen Bereich und an den Armen wieder auf.

Wie war eigentlich deine Gefühlslage, als dir klar wurde, dass du am Eidgenössischen nicht starten konntest?
Natürlich nicht grad super. Ich habe beim Nordostschweizerischen gleich vermutet, dass es in dieser Saison nicht mehr weitergehen wird. Es gab eine starke Blutung und der ganze Ellbogen lief blau an. Die Situation war extrem bitter für mich. Ich habe mich aber leider schon ein bisschen daran gewöhnt, eine Saison nicht beenden zu können. Das kam in anderen Jahren wegen Verletzungen leider auch schon vor.

Beim ESAF warst du zum Zuschauen gezwungen. Was meinst du: Wieso hat auch diesmal kein Innerschweizer den Königstitel geholt?
Das ist schwierig zu sagen. Das nötige Wettkampfglück fehlte den Innerschweizern sicher ein wenig. Zudem drehten in Estavayer die beiden Nordostschweizer Armon Orlik und Sämi Giger gehörig auf. Die Berner „schmuggelten“ immerhin einen der ihren in den Schlussgang. Christian Schuler war sicher sehr gut unterwegs, bis ihm Remo Käser den „Knebel“ reinhielt. Vielleicht klappte das mit dem Königstitel auch deswegen nicht, weil zwei starke Innerschweizer fehlten… (Benji schmunzelt, und spielt damit auf das verletzungsbedingte Fehlen von Joel Wicki und ihm an…).

Ich habe das Gefühl, dass du auch schon stärkere Jahre hattest. Wie beurteilst du rückblickend deine Saison 2016?
Für mich war der Saisonverlauf bis zum verletzungsbedingten Ende im grünen Bereich. Ich muss zu deiner Kritik aber sagen, dass ich mein Training auf die zweite Saisonhälfte hin ausgerichtet habe. In der Vorbereitung trainierte ich härter als sonst. Schwingerkönig Matthias Glarner hat das übrigens ähnlich gemacht. Ich habe das intensivierte Krafttraining bis zum Beginn der Kranzfestsaison gezogen und erst danach mit dem Training der Schnellkraft begonnen. Das ergab eine Verzögerung von zwei bis drei Wochen. Überdies war es mir bei den Frühlingsfesten noch nie wirklich gut gelaufen. Mein Ziel wäre schon aufgegangen. Nur konnte ich leider nicht mehr zeigen, was ich mir erarbeitet habe. Letztes Jahr habe ich gezielt auf den Saisonhöhepunkt Brünig-Schwinget hin trainiert.

Hast du mit dem Winter-Training bereits begonnen? Wie wird das aussehen?
Ja, das Winter-Training wurde gestartet. Vor zwei Wochen haben wir mit dem Schulschwingen begonnen. Dabei geht es mir darum, wieder Sicherheit zu bekommen, auch wegen dem nun genesenen Ellbogen. Zudem trainiere ich Kraft und Kondition. Die Woche ist ausgeplant, denn ich trainiere derzeit fünf bis sechs Mal wöchentlich. Das sind zwei Schwingtrainings, zwei bis drei Mal Kraft- und einmal Konditionstraining. Manchmal trainiere ich auch zweimal am Tag, zum Beispiel am Freitag. An diesem Tag habe ich sowieso früher Feierabend.

Wie sehen deine Ziele für 2017 aus? An welchen Schwingfesten wirst du starten?
Mein Ziel ist es, den Einstieg wieder gut zu finden. Dann möglichst viele Kränze zu gewinnen. Weiter die Qualifikation für den Unspunnen-Schwinget zu schaffen und dort eine gute Klassierung zu erreichen. Fix terminierte Schwingfeste sind das Ob-/Nidwaldner Kantonale, „unser“ Innerschweizerische in Beckenried NW und der Brünig-Schwinget. Diese drei Schwingfeste sind für mich jedes Jahr gegeben. Die anderen Festtermine weiss ich zurzeit noch nicht genau.

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Benji von Ah auf dem Weg zur Schwingerbar an der Hinterthaler Chilbi
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Mein Dank geht an Benji von Ah für seine interessanten Aussagen. Unlängst traf ich den Giswiler an der Hinterthaler Chilbi im Muotatal an. Ich war dort als Fotograf unterwegs und Benji auf dem Weg zur beinahe landesweit bekannten Schwingerbar. Diese vom Schwingklub Muotathal seit mehreren Jahren betriebene Chilbi-Lokalität zieht immer wieder den einen oder anderen prominenten Schwinger an. Was mich besonders freute: Der bald 30-Jährige wusste am Telefon sogleich, wer ich bin und erinnerte sich an unsere Begegnung.
Ich wünsche Benji, dass seine Ziele für 2017 in Erfüllung gehen und dass er die Saison gesund abschliessen kann. Wer weiss, vielleicht sogar als Unspunnen-Sieger?

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Schwingsport im Tessin: Gründung des Kantonalen Schwingerverbandes (Teil 1)

Wie das Engadin oder das Oberwallis zählt man auch das Tessin zu den Randregionen im Schwingsport. Nach dem Besuch im Engadin fuhr ich auch ins Tessin. Im Centro Sportivo in Tenero traf ich mich mit Edi Ritter. Der schwingbegeisterte Mann ist Präsident sowie Technischer Leiter Aktive und Jungschwinger des Tessiner Kantonal Schwingerverbandes. Edi ist im Baselbiet aufgewachsen, hat aber familiäre Wurzeln im Tessin. 2001 zog er in die Sonnenstube und liess sich dort nieder.

Kein Unbekannter in der Schwingerszene
Der bald 66-Jährige war selber Schwinger, Nationalturner und Ringer. In der Sportart Ringen kam er in jungen Jahren zu Kranz- und Medaillenehren. Nach seiner Aktivkarriere war Edi Jungschwinger-Leiter, Technischer Leiter und Vorstandsmitglied beim Schwing-Klub Pratteln. Später wurde er Kampfrichter, irgendwann sass der der gebürtige Berner-Seeländer im Kantonalvorstand und schaffte es bis zum Kantonalpräsidenten. Seit 1999 ist der schnauzbärtige Mann Doping-Kommissionspräsident des Eidgenössischen Schwingerverbandes (ESV). Dieses Amt hat er noch bis Ende Jahr inne. Edi ist sogar ESV-Ehrenmitglied und ist seit praktisch 50 Jahren dem Schwingsport verbunden.

In loser Folge berichte ich in nächster Zeit über den Schwingsport im Tessin und was ich beim Interview mit Edi Ritter erfuhr.

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Edi Ritter im Trainingslokal auf dem Campus des Centro Sportivo
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Seit wann gibt es den Kantonalen Schwingerverband Tessin? Wer hat ihn gegründet?
Edi erklärt: „Den Schwingerverband Tessin gibt es seit 2012. Gegründet wurde er von zwei Elternteilen von Jungschwingern, welche 2011 mit dem Schwingen begannen, und mir. Diese jungen Sportler sind übrig geblieben nach der Sportissima im Jahr 2011. Die Sportissima findet jedes Jahr am ersten Septembersonntag hier auf dem Gelände des Centro Sportivo statt. Dabei können bis zu 47 verschiedene Sportarten ausprobiert werden. 2009 bot ich an der Sportissima zum ersten Mal die Sportart Schwingen an. 2010 machte ich das wieder und nach der Sportissima 2011 sind vier junge Sportler geblieben, welche weiterschwingen wollten. Ich sagte zu ihnen: Wenn ihr am nächsten Mittwoch mindestens zu viert kommt, trainiere ich mit euch. Es kamen dann fünf Interessierte. Darauf haben wir während dem ganzen nächsten Winter geschwungen. Zwischen Weihnachten und Neujahr schrieben wir die Statuten. 2012 konnten wir auf Anfrage beim Innerschweizerischen Schwingerverband (ISV) bei einem Jungschwingertag teilnehmen. Ich habe in der Folge die fünf Jungschwinger versichert und wir gründeten den Tessiner Schwingerverband. Als Angehörige des ISV wurden wir probeweise bis 2018 aufgenommen, dies ohne Einschränkungen. Ganz im Gegenteil: Ich bin im ISV-Vorstand und in der Technischen Kommission der Jungschwinger. Ich habe wohl kein Stimmrecht, was aber nicht heisst, dass ich kein Rederecht habe. Wir dürfen auch an sämtlichen Anlässen teilnehmen.“

Wieso wurde gleich ein Kantonaler Schwingerverband gegründet, und nicht bloss ein Klub?
„Das ist ganz bewusst so. Als wir diesen gründeten, habe ich darauf gedrückt, dass wir ein Kantonalverband werden“, erläutert Edi. Und weiter: „Wenn du von Norden nach Süden fährst, hat es in Bellinzona drei Burgen: Uri, Schwyz und Unterwalden. Dort drin haben die Landvögte gewohnt. Diese haben über Jahrhunderte die Tessiner geknechtet. Den Tessinern hat das natürlich nicht gepasst, und sie konnten sich nicht befreien. Wir hätten uns als Klub auch den Urnern anschliessen können. Ich weiss, dass die Urner uns nicht „gevogtet“ hätten. Aber um das Selbstbewusstsein der Tessiner zu stärken, habe ich klar gesagt: Wir machen einen eigenen Verband, auch wenn er noch so klein ist. Schaffhausen, Genf und Basel-Stadt haben übrigens ebenfalls kleine Kantonalverbände. Die Basel-Städter haben sogar weniger Schwinger als wir. Zudem spielten auch zwei wichtige Überlegungen mit: Wenn wir mal dabei sind, haben wir unser Stimmrecht und bei Grossanlässen profitieren wir auch vom Ticket-Verteiler.“

Im Tessin wurde in der Vergangenheit auch schon geschwungen
Eine Schwingtradition gibt es im Tessin nicht. Es gab aber Deutschschweizer, welche einst in der Sonnenstube schwangen. Dies waren vorwiegend solche, welche bei der Bahn arbeiteten und 1922 den Schwingklub Airolo gegründet haben. Wie mir Edi erzählte, wurde um 1895 auch in Bellinzona dem Schwingsport gefrönt, und es soll dort auch mal einen Schwingklub gegeben haben. Diese Angaben finden sich übrigens in der Chronik zum 100-jährigen Bestehen des Innerschweizerischen Schwingerverbandes. Als die Bahnarbeiter in ihre angestammten Lande in der Deutschweiz zurückkehrten, war es mit der Schwingerei im Tessin vorbei. Denn: Sowohl in Airolo wie auch in Bellinzona schwangen scheinbar keine Einheimischen mit. In den alten Schriften kann man auch nachlesen, dass Edi nicht der Erste vom Tessin ist, welcher Einsitz im ISV-Vorstand nimmt. Ein Herr Motta soll nämlich dereinst dem Gremium angehört haben.
Wie wir nun wissen, war Edi Ritter massgeblich daran beteiligt, dass das Schwingen im Tessin wieder belebt wurde. 1937 und 1971 fanden zudem Propaganda-Schwingfeste im Tessin statt. Edi ergänzt: „Diese Feste waren nicht nachhaltig. Es muss aber jemand sein, der das weiterträgt. Denn ein Fest organisieren ist das eine. Die Zukunft des kleinen Schwingerverbandes sind unsere Schwinger. Wenn diese ebenfalls vom Schwing-Virus befallen werden wie ich, dann geht das weiter. Die jungen Tessiner wachsen nun langsam in den Schwingsport hinein.“

Ist Edi Ritter ein Einzelkämpfer im Tessin?
Im SCHLUSSGANG (Nummer 18 vom 17. November 2015) konnte man unter anderem lesen, dass Edi ein Einzelkämpfer ist, und vieles von ihm abhängt. Wie sieht er das? Würde ohne ihn nicht viel laufen? Edi erläutert: „Man müsste die Frage vielleicht so stellen: Sollte ich an einem Herzinfarkt sterben, würden die Jungs nächsten Mittwoch ins Schwingtraining gehen? Würde die festgelegte Generalversammlung vom kommenden Dezember durchgeführt? Ich meine ja. Wenn jemand unseren Sport kennt, dann weiss er, dass nicht nur Sägemehl, Schwinghosen, zwei Schwinger, drei Kampfrichter und ein Verpflegungsstand dazugehören. Das braucht viel mehr dazu. Wir haben zudem ganz klare Strukturen auf den verschiedenen Verbandsebenen. Von diesen Strukturen soll man, will man und kann man nicht abweichen, denn sie funktionieren. Das sind natürlich Dinge, welche die Jungen noch zu wenig sehen und kennen. Sie sind erst seit drei oder vier Jahren dabei. Aber: Man sieht am Beispiel von den beiden jungen Aktiven Lorenzo Mignola und Loris Di Pietro, dass der Schwingsport im Tessin weitergetragen wird. Ich habe sie nicht überreden müssen, einen einwöchigen J+S-Basiskurs zu besuchen, damit sie später Trainings leiten können. Das ist ein Schritt vorwärts. Das heisst, die beiden werden künftig immer mehr vom Technischen übernehmen. Lorenzo teilt mit mir bereits die Instruktor-Aufgaben hier im Centro Sportivo. Das ist die Zukunft, und sie haben bereits den Schwingsport-Virus.“

Der Tessiner Schwingerverband zählt mittlerweile 151 Mitglieder. Etwa 55 Prozent der Mitglieder sind Tessiner, 45 Prozent Deutschschweizer von ennet dem Gotthard. Unter den Deutschschweizer Mitgliedern befinden sich acht Eidgenössische Ehrenmitglieder, auch aus anderen Teilverbänden. „Das ist einfach eine tolle Sache, dass diese uns unterstützen“, schwärmt Edi. „Das Interesse an unserem Schwingerverband ist in der Deutschschweiz sehr gross.“

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Muss sich die Welt vor US-Präsident Donald Trump fürchten?

Ich reibe mir immer noch die Augen, und denke: Das kann doch gar nicht sein. Und doch ist Trump nun Wirklichkeit. Er wird mit seiner Gefolgschaft am 20. Januar 2017 ins Weisse Haus einziehen, wo er gestern bereits zu Besuch bei Obama war. Ob da auch Details zum Umzug besprochen wurden? Nein, Spass beiseite. Weltweit machen sich Menschen Gedanken, wie eine Präsidentschaft von Trump wohl werden wird. Den Menschen, welche sich sorgen, Ängste, Bedenken und gar Furcht haben, wird momentan am meisten Gehör geschenkt. Kein Wunder: Angefangen vom Papst bis hin zum französischen Präsidenten Hollande hört man nach der Wahl von Besorgnis, Mauerbau oder gar Brechreiz. All dies kann einem ganz schön Angst und Bange machen.

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Donald Trump, der 45. US-Präsident
Bildquelle: news.at

Morgenspaziergang rund ums verschneite Muotathal
Über Donald Trump, den 45. US-Präsidenten, und seine schier unglaubliche Wahl erfährt man dieser Tage extrem viele Fakten. Alle möglichen Experten krochen aus ihren Löchern und geben ihren Senf dazu ab. Ich habe mir beim morgendlichen Spaziergang rund ums verschneite Muotathal auch so meine Gedanken gemacht. Natürlich will ich keine Zusammenfassung über das Gelesene, Gesehene und Gehörte schreiben. Zu diesen Fakten habe ich mir aber sehr wohl eine Meinung gebildet. Ich gebe vorweg zu, dass ich als Abonnent am meisten in der Weltwoche gelesen habe. Aber: Zur Ergänzung zog ich mir natürlich auch andere Medien rein. So zum Beispiel NZZ Online oder die Tagesschau vom Schweizer Fernsehen.
Bei all diesen Betrachtungen drängt sich bei mir eine Frage am meisten auf: Muss sich die Welt vor US-Präsident Donald Trump fürchten? Ich meine Nein. Sicher ist aber nur das Amen in der Kirche.

Gräben tun sich nicht erst jetzt auf
Trump’s Wahl ist für die meisten Europäer nicht zu begreifen. Dennoch versuche ich zu verstehen, oder zumindest im Ansatz. Gräben tun sich nicht erst jetzt, nach Trumps Erfolg über Clinton, auf. Diese wurden schon länger aufgerissen. Und zwar von der unsäglichen politischen Kaste in Washington. Von diesem sogenannten Establishment haben aber so dermassen viele Leute die Schnauze voll, dass Trump gerade richtig kam. Dazu muss man leider auch die Medien zählen, welche Trump als „korrupt“ bezeichnete.
Man kann behaupten, dass die Nichtwahl von Clinton in erster Linie eine Absage ans Establishment bedeutet. Die vielen Menschen im Lande wollen vermutlich nicht unbedingt Trump, noch weniger aber wollen sie eine typische Vertreterin des Polit-Lügenpacks in Washington. Man hörte viele Gutmenschen, darunter auch etliche Prominente, wie sie die Stimme für Clinton ergriffen. Das aber war wohl ein entscheidender Fehler. Denn diese Leute stammen auch vom verhassten Klüngel, leben mit ihresgleichen in ihrer eigenen Welt, und haben keine Ahnung, wo dem „Volk“ der Schuh drückt. Den Milliardär Trump aber nun als einen Mann des Volkes zu bezeichnen wäre mehr als vermessen. Der Unternehmer wusste aber, wie er die Ängste, Sorgen und Nöte des kleinen Mannes bewirtschaften kann. Er machte sich für sie zum Sprachrohr und Ventil.

Die stille Revolution
Man darf getrost behaupten, dass Trump von der schweigenden Masse gewählt wurde. Die Menschen haben ihre Chance gepackt und im Stillen eine Revolution durchgeführt. Donald Trump zerschlug zwar während dem Wahlkampf so ziemlich alles Geschirr, dass ihm in den Weg gestellt wurde. Er beleidigte und verschmähte alle möglichen Gruppierungen. Frauen, Ausländer, angehörige von anderen Religionen: Sie allen bekamen ihr Fett ab. Von aussen betrachtet ist so ein Mensch schlicht nicht wählbar, geschweige denn in der Lage Verantwortung zu übernehmen.
Dennoch: Bei all dem Lärm rund um sein Tun und Wirken hat er sich nie gegen den kleinen Mann und das Volk gestellt. Diese blieben verschont von seinen Tiraden. So wie ich das beobachtete, schützte er diesen Kern auf seiner anderthalb jährigen Wahlkampf-Tour. Mehr noch: Seinen Siegeszug baute er auf sie, die schweigende Mehrheit. Denen kam das nämlich gerade recht, dass einer die da oben mal so richtig aufs Korn nimmt. Sie mit Schimpf und Schande eindeckt. Endlich getraute sich einer, dass zu sagen, was vermutlich Millionen von US-Bürgern auch mal gerne tun würden: Dass Amerika nämlich langsam aber sicher vor die Hunde geht.

Wie geht es nun weiter?
Kann Trump all seine Versprechen einhalten? Wird er den Polit-Betrieb in Washington so richtig aufmischen? Niemand weiss das, vermutlich nicht mal Trump genau. Der Wahlkampf aber ist vorbei und der Pulverdampf am Verrauchen. Die ersten Worte nach der Wahl und das Treffen gestern mit Obama lassen darauf schliessen, dass der Mann auch versöhnliche Töne kennt. Und ja, er hat ein Programm. Obwohl er einiges davon während dem fast nicht mehr enden wollenden Wahlkampf so ziemlich auf den Kopf gestellt hat. Seine Kernanliegen wie die Grenz-Mauer zu Mexiko, weniger Engagement im Ausland, tiefere Steuern, mehr Jobs für Amerika, Investitionen in die eigenen Strukturen, das Hinterfragen von internationalen Handels-Abkommen und das Sich gut-Stellen mit Putin wiederholte Trump aber Mantra-mässig. Wenn das nicht der Ansatz eines Programmes ist, dann ist dem neuen US-Präsidenten nicht zu helfen.
Wie man aus der heutigen Presse erfuhr, sind bereits einige Namen wie Rudy Giuliani oder Newt Gingrich im Umlauf. Sie sollen dereinst wichtige Posten bekleiden.

Die Ungewissheit bleibt
Zugegeben, die Ungewissheit bleibt. Aber wie eingangs gefragt und weiter oben ganz kurz mit „Ich meine Nein“ beantwortet, kocht auch Donald Trump nur mit Wasser. Um einen Krieg anzuzetteln, eine Atombombe zu zünden und die ganze Welt ins Chaos zu stürzen, braucht es sehr viel Zerstörungswut und einen absolut krankhaften Geist. Beides sehe ich eigentlich nicht. Zudem ist die USA immer noch eine funktionierende Demokratie. Wichtige Entscheide muss auch der eben gewählte US-Präsident weiterhin durchs Zweikammer-Parlament mit Repräsentantenhaus und Senat bringen. Mehr noch: Sie haben einige Kontrollfunktionen gegenüber dem Präsidenten.
Trump behauptet stets, dass er sein Land liebt. Das kann er nun unter Beweis stellen. Der mächtigste Mann der Welt soll dem Volk und seinen Wählern aber auch beweisen, dass er es ernst gemeint hat. Wie weit Trump das Washingtoner Establishment vom hohen Ross zu holen vermag, wird sich zeigen. Er jedenfalls darf sich mit seinem zukünftigen Stab nicht noch weiter von der Basis entfernen, ganz im Gegenteil. Gelingt ihm eine Annäherung ans Volk, kommt vieles gut. Denn einige seiner Anliegen wie die Job-Beschaffung, weniger Engagement im Ausland oder Investitionen in die eigene Infrastruktur klingen nicht so verkehrt.
Das Prinzip Hoffnung hat sich in mir breit gemacht.

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