Samuel Giger und seine Nordostschweizer Kollegen nehmen nun auch das Sägemehl-Training auf

Text: feldwaldwiesenblogger

Am vergangenen Dienstag veröffentlichte der Eidgenössische Schwingerverband (ESV) unter dem Titel «Ausführungen des ZV ESV zur schrittweisen Öffnung im Schwingen» eine längere Mitteilung. In dieser erläutert der ESV seine bisher getroffenen Entscheide im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Zugleich möchten die Verbandsoberen damit eine breitere Akzeptanz erlangen. Bekanntlich führte einer der Entscheide, nämlich 120 Spitzenschwinger im Sägemehl trainieren zu lassen, teilweise zu harscher Kritik.

Samuel Giger bekam viel Lob für seinen Trainingsverzicht, nimmt ab Mitte April nun aber auch sein Sägemehl-Training auf

Bild: pinterest.ch

Verzicht aus Solidarität

In vier von fünf Teilverbänden haben die selektionierten Athleten mittlerweile ihr Schwingtraining aufgenommen. Aber: Bis auf drei Schwinger haben sich die Nordostschweizer Spitzenschwinger mit ihren Mittelschwingern solidarisiert und verzichten bis Mitte April aufs Sägemehl-Training. Samuel Giger nahm in einem «Sportpanorama»-Beitrag von «SRF Sport» Stellung und begründete seinen Verzicht einerseits wegen der angesprochenen Solidarität. Andererseits erwähnte der Thurgauer eine Umfrage, welche der Nordostschweizer Teilverband anfangs März vorgenommen hatte. Darin kommt zum Ausdruck, dass fast 72 Prozent aller Schwinger sich zu einem «Entweder alle oder keine» bekennen.

Die Nordostschweizer lenken ein, und unterstützen die Bestrebungen für eine weitere Öffnung

Eine weitere Passage in der ESV-Mitteilung liess aufhorchen: Nach einer intensiven Diskussion anlässlich einer ZV-Sitzung erklärt sich der Nordostschweizer Schwingerverband (NOSV) bereit, bis am 13. April die restlichen Ü20-Schwinger an Stefan Strebel, dem Technischen Leiter vom ESV, zu melden. Und: Der NOSV unterstützt damit die Bestrebungen des ESV mit Swiss Olympic/BASPO für eine weitere Öffnung. Die Nordostschweizer lenken demzufolge nun ein. Wir erinnern uns: Der NOSV publizierte am 20. März eine Mitteilung mit dem Titel «Starkes Zeichen der NOSV-Eidgenossen an ihre Trainingskollegen». Darin bekräftigten die Technische Kommission und die Eidgenössischen Kranzschwinger die Solidarität zu ihren Mittelschwingern. Es wurde damals beschlossen, den Trainingsverzicht bis Mitte April aufrecht zu halten. 

Den Öffnungsschritt zähneknirschend unterstützt

Gemäss einem Beitrag der Aargauer Zeitung von gestern Donnerstag («Die neue Gewinnzahl im Schwingen lautet 168 – die stufenweise Öffnung soll weiter gehen») unterstützen die Nordostschweizer den Öffnungsschritt nun zähneknirschend. Denn: Dieser ist Bedingung für nächste Verhandlungen zwischen Stefan Strebel und Swiss Olympic/BASPO. Strebel’s Ziel ist, dass bei einem weiteren Öffnungsschritt weitere 48 Schwinger ihr Training aufnehmen dürfen. Dann stünden nämlich alle Schwinger, welche an einem Eidgenössischen, an einem Teilverbands- oder an einem Bergfest einen Kranz gewannen, wieder im Sägemehl. Der Technische Leiter vom ESV möchte zudem, dass auf Aussenplätzen bis zu 15 Athleten schwingen dürfen. 

Samuel Giger und Co. steigen nun auch ins Sägemehl

Die Aargauer Zeitung schreibt weiter im erwähnten Beitrag: «Spannend wird sein, ob sich Spitzenschwinger wie Samuel Giger, der sich öffentlich gegen die Öffnung wehrte, aufstellen lassen.» Diese Frage kann mit Ja beantwortet werden. Auf Nachfrage bestätigte Samuel Giger, dass er und seine 22 Kollegen ab Mitte April nun auch ins Sägemehl steigen werden.

Schwingfeste für die besten 120 Schwinger?

Der Zuger Pirmin Reichmuth forderte kürzlich im «Blick», dass für die besten 120 Schwinger nicht nur Trainings erlaubt sein sollen, sondern auch Schwingfeste organisiert werden. Ein Konzept von Stefan Strebel für solche Wettkämpfe besteht zwar seit einiger Zeit. Dieses fand im Zentralvorstand jedoch bisher keinen Anklang. Der TK-Chef dazu in der Aargauer Zeitung: «Und ich gehe nicht davon aus, dass sich daran zeitnah etwas ändern wird. Darum sollten wir nun weitere Öffnungen im Trainingsbetrieb vorantreiben.»

Rolf Lussi, der Präsident der Nordostschweizer Schwinger, sagt: «Wir wollen das System für die weiteren Öffnungsschritte nicht blockieren»

Bild: esv.ch

Der Präsident der Nordostschweizer gibt Auskunft

Dem Vernehmen nach haben beim ZV-Beschluss der Nordostschweizer und der Innerschweizer Vertreter gegen das Verdikt der stufenweisen Öffnung für die 120 Spitzenschwinger gestimmt. Anders als die Nordostschweizer bekannten sich hinterher die Innerschweizer zum Mehrheitsbeschluss und deren Spitzenschwinger verzichteten nicht aufs Training. Rolf Lussi, der Präsident der Nordostschweizer Schwinger, beschreibt nachfolgend den Sinneswandel und erklärt diesen der ziemlich aufgebrachten Schwinger-Basis. Weiter gibt er Auskunft darüber, welche Reaktionen ihre Solidarität innerhalb der Schwingerwelt ausgelöst haben und wie die Nordostschweizer Pirmin Reichmuth’s Forderung sehen.

Die Nordostschweizer unterstützen nun die Bestrebungen für eine weitere Öffnung. Wie kam es zum Sinneswandel?

«Wir haben darüber im ZV intensiv diskutiert. Weitere Öffnungsschritte hängen davon ab, ob das Kontingent mit den 120 Schwingern ausgeschöpft wird oder nicht. Wir wollen dieses System nicht blockieren. Und: Wir hätten per Mitte April sowieso entschieden, wie es weitergehen soll. Zudem wollen wir unsere Schwinger nicht weiter warten lassen. Wir sind aber nach wie vor der Meinung, dass dies einer Ungleichbehandlung gleichkommt und einen Trainingsvorsprung gegenüber denen, welche nicht schwingen dürfen, bedeutet.»

War der Plan von Anfang an, nur bis Mitte April aufs Training zu verzichten? Oder brauchte es für den Sinneswandel die erwähnte Diskussion innerhalb des ZV?

«Wie bereits erwähnt, wollen wir das System für die weiteren Öffnungsschritte nicht blockieren. Aber: Wir haben in unserer Mitteilung vom 20. März kommuniziert, dass wir so oder so Mitte April das weitere Vorgehen entschieden hätten. Das war von vorneherein der Plan. Denn: Aufgrund der Rückmeldungen auf die Umfrage bei unserer Basis war für uns klar, wie wir vorzugehen hatten. Wir haben schlicht basisdemokratisch gehandelt und in der Technischen Kommission und im Vorstand des NOSV die Umfrageergebnisse ernst genommen. Den Sinneswandel vollziehen wir nun im Wissen, dass die Mehrheit auf der Strecke bleibt.»

Es rumort an der Schwinger-Basis. Sehr viele Schwingerfreunde fanden das solidarische Verhalten der Nordostschweizer vorbildlich, und es löste viele Emotionen aus. Wie sahen die Rückmeldungen aus? Und: Was überwog, die positiven oder die negativen Reaktionen?

«Ich bekam unzählige Rückmeldungen. Die Reaktionen hinsichtlich der Solidarität waren zu 100 Prozent positiv.»

Nun lenken die Nordostschweizer auch ein. Wie erklärst du das der aufgebrachten Schwinger-Basis?

«Das Ziel ist, dass alle schwingen können. Es nutzt niemandem etwas, wenn wir jetzt weitere Öffnungsschritte blockieren. Damit das geschehen kann, schöpfen wir nun unser Kontingent auch aus. Wichtig ist für mich zudem, dass Schwingfeste erst dann stattfinden werden, wenn alle Schwinger mindestens einen Monat trainieren konnten.»

Hat die Solidarität der Nordostschweizer die Schwingerschweiz auf die Probe gestellt? Bestand wegen diesem Sonderweg nicht die Gefahr einer Spaltung innerhalb der Schwingerwelt?

«Nein, wir haben es als unsere Pflicht gesehen, auf die Solidarität hinzuweisen. Unser Ziel ist es, alle gleich zu behandeln. Ich finde eher, dass wir jetzt eine Spaltung haben.»

Pirmin Reichmuth fordert Schwingfeste für die 120 Spitzenschwinger. Wie sehen die Nordostschweizer diese Forderung?

«Zum jetzigen Zeitpunkt ist dies undenkbar. Solange die Saison noch so jung ist, kann man nicht über diesen Punkt diskutierten

feldwaldwiesenblogger

Vorschau mit dem Schwyzer Talent Severin Steiner auf den kleinen Frühjahrsschwinget Ibach

Text: feldwaldwiesenblogger

An Ostermontag wird die Freiluftsaison der Schwinger eröffnet. In Ibach SZ steigt ein kleiner Frühjahrsschwinget. Die Organisatoren rund um den Schwingerverband am Mythen schreiben auf ihrer Homepage: «Der Anlass wird nach den Vorgaben des BAG und unter Einhaltung eines strengen Schutzkonzepts durchgeführt, um alle Anwesenden zu schützen. Daher werden wir auf und neben dem Gelände keine Zuschauer empfangen dürfen.» Am Start sind maximal 100 Schwinger, startberechtigt sind junge Aktive mit den Jahrgängen 2001 bis 2005. Erwartet werden Schwinger aus dem Innerschweizer Verbandsgebiet sowie von den befreundeten Schwingklubs Worblental und Gruyère. Zudem wird parallel dazu ein Klubschwinget für die Jungschwinger des Mythenverbandes (Jahrgänge 2006 bis 2013) durchgeführt.

Severin Steiner ist einer der Topfavoriten

Zu den Topfavoriten auf den Tagessieg darf man vier Schwinger zählen. Einerseits zwei Kranzschwinger, nämlich den Zuger Noe van Messel und den Berner Adrian Walther vom Schwingklub Worblental. Andererseits wird der Sieg auch über den Schwyzer Severin Steiner und den Luzerner Roman Wandeler führen. Beides zwar noch Nichtkranzer, aber dennoch ebenso grosse Talente wie die beiden Erstgenannten. Mit Severin Steiner, einem der Topfavoriten auf den Tagessieg, blicken wir heute auf den kleinen Frühjahrsschwinget in Ibach voraus. Der Schwyzer erzählt uns aber auch aus seinem Trainingsalltag. Weiter berichtet er von seinen Gedanken zur leider immer noch vorherrschenden Corona-Pandemie.

Starker dritter Rang am 1. Tessiner Rangschwinget

Severin wird am 18. Mai 20-jährig und wohnt in Ibach. Der 178 Zentimeter grosse und 90 Kilogramm schwere Sennenschwinger hat, wie bereits erwähnt, noch keine Kränze auf seinem Konto. Als Aktiver darf man ihm 2019 die Achtungserfolge am 1. Tessiner Rangschwinget in Vezia (3. Rang) und am Herbstschwingertag in Unteriberg (4. Rang) zugutehalten. Ebenfalls 2019 fehlten Severin am Urner und Schwyzer Kantonalen jeweils das berühmte «Vierteli» zum ersten Kranzgewinn. 

Beeindruckender Leistungsausweis als Jungschwinger

Als Jungschwinger gewann der junge Schwyzer 59 Zweige und holte sich 20 Festsiege. Darunter stehen vier Siege an Innerschweizerischen und vier Siege an Schwyzer Kantonalen Nachwuchsschwingertagen zu Buche. Am ENST 2019 in Landquart gewann der Ibächler den begehrten Doppelzweig. Ein solch beeindruckender Leistungsausweis als Jungschwinger gelang in der Innerschweiz zuletzt nur Talenten wie Joel Wicki oder seinem Trainingskameraden Michael Gwerder. Nebst dem Talent zeichnen Severin Ehrgeiz, Wille, Geduld und die mentale Einstellung aus. So ist der erste Kranzgewinn eine Frage der Zeit.

Durch eine Tante zum Schwingsport gefunden

Severin absolviert derzeit eine Lehre als Zimmermann bei einem Zimmerei-Betrieb in Ibach. Der Zimmermann-Lehrling im vierten Lehrjahr gehört dem Schwyzer Kantonalen Schwingerverband an und schwingt für den Schwingerverband am Mythen. Der «Mythenverbändler» entstammt aus keiner Schwinger-Dynastie, weder Vater noch Grossvater haben jemals geschwungen. Zum Schwingsport fand er durch seine Tante Astrid Steiner, welche den Knirps damals auf den Schnuppertag des Schwingerverbandes am Mythen aufmerksam machte. Severin gefiel das Schwingen auf Anhieb, welches für ihn inzwischen zu seiner grossen Leidenschaft geworden ist.

Severin Steiner steigt am Ostermontag als einer der Topfavoriten auf den Tagessieg in den Ring, und sagt: «Das wird ein hartes Schwingfest werden!»

Bild: Severin Steiner

An Ostermontag steht mit dem kleinen Frühjahrsschwinget Ibach ein erster Ernstkampf auf dem Programm. Was rechnest du dir dabei aus?

«Das wird ein hartes Schwingfest werden! Man hat seine Gegner über ein Jahr nicht mehr gesehen und mit ihnen geschwungen. Dementsprechend schwer sind die Chancen einzuschätzen. Das Ziel ist eine vordere Rangierung. Wenn alles zusammenstimmt, liegt der Tagessieg drin. Aber: Es warten harte und unangenehme Gegner auf mich.»

Haben dir die fünf Wochen Vorbereitungszeit bis zum ersten Schwingfest gereicht?

«Ja, das haben sie. Wir haben von Anfang an das Training mit Schulschwingen und frei schwingen kombiniert. Das Schwingtraining erfolgte unter der Leitung von Edi Kündig und Aktivschwingern aus unserem Schwingklub. Bei den ersten Trainings habe ich noch an der Kondition gearbeitet. Inzwischen feile ich an meiner Technik.»

Welches werden deine nächsten Schwingfest-Einsätze sein?

«Das kann ich momentan nicht sagen. Ich rechne aber damit, dass in nächster Zeit weitere kleine Schwingfeste organisiert werden.»

Wie fühlt sich das an, wieder im Sägemehl stehen zu dürfen?

«Es ist einfach schön! Am Anfang war es recht stressig, gleich von Null auf Hundert wieder zu schwingen. Ich habe hinterher meinen Körper schon gespürt. Inzwischen hat man sich an die Kräfte und die Schläge gewöhnt und das Schwingtraining ist wieder alltäglich geworden.»

Wie sieht dein Trainingsalltag nach den Lockerungen aus?

«Ich absolviere zweimal wöchentlich ein Schwingtraining bei unserem Schwingklub. Am Dienstags-Training kommen jeweils zusätzliche Schwinger von Schwyzer Klubs zu uns ins Training. Das Tourenski-Fahren ist so quasi mein momentanes Konditionstraining.»

30. Juni 2019 in Sachseln: Severin Steiner hat soeben zum vierten Mal an einem Innerschweizer Jungschwingertag den Tagessieg geholt

Bild: luzernerzeitung.ch

Hast du derzeit viele Trainingspartner im Kurzholz?

«Ja, es sind immer zwischen 10 und 20 Schwinger im Training. Es sind jeweils die gleichen Trainingspartner, was die Sache ausgeglichen macht. Was auffällt: Vom Jahrgang 2001 hat es auf dem ganzen Kantonsgebiet relativ wenig Schwinger. Und: Bis jetzt fanden noch keine Trainings mit Gleichaltrigen ausserhalb des Schwyzer Kantonsgebietes statt. Wann solche Trainings angesetzt werden, entzieht sich meiner Kenntnis.»

Auf was legst du den Fokus beim wieder gestarteten Schwingtraining? 

«Es ging darum, richtig ins Schwingen reinzukommen, und die verschiedenen Schwünge regelmässig und konsequent zu ziehen. Ich habe in den letzten fünf Wochen vor allem meine bestehenden Schwünge repetiert, aber kaum neue ausprobiert. Meine bevorzugten Schwünge sind vom Stand aus der Übersprung und am Boden das Päckli.»

Wie hast du in der Zeit trainiert, in welcher das Schwingen nicht erlaubt war?

«Eine Zeitlang habe ich relativ wenig trainiert. Später begann ich, meine Kondition mit Velofahren zu trainieren. Aber: Da ich immer arbeiten konnte, bekomme ich bei meiner täglichen Arbeit als Zimmermann eine bestimmte Grundfitness.»

Wie gehst du persönlich mit der Corona-Pandemie um?

«Man muss damit leben. Viele der Massnahmen sind übertrieben und man findet schon Wege, um trotzdem einiges machen zu können. Ich schenke dem Ganzen nicht mehr so grosse Beachtung wie zu Beginn der Pandemie.»

Für euch Junge ist das sicher eine besonders schwierige Zeit. Wie tauscht ihr euch momentan aus?

«Man trifft sich zwischendurch immer mal wieder. Im Winter gingen wir öfters zusammen Skifahren. Etwa einmal pro Woche machen wir ab, und treffen uns bei einem Kollegen zuhause. Und in der Berufsschule rede ich mit dem einen oder anderen Kollegen länger als sonst.»

feldwaldwiesenblogger

Das Nordwestschweizer Talent Adrian Odermatt erzählt aus seinem Corona-Alltag

Text: feldwaldwiesenblogger

Adrian Odermatt ist derzeit eines der grössten Nachwuchstalente der Nordwestschweizer Schwinger. Er gehört zu der Gruppe «Schwinger mit Jahrgang 2001 und jünger», welche seit dem 1. März wieder schwingen und an Wettkämpfen teilnehmen dürfen. Aber: Der junge Sennenschwinger kann momentan nicht im Sägemehl trainieren – mehr dazu später.

Adrian wurde am 24. Januar 20-jährig und wohnt in Liesberg BL. Der 192 Zentimeter grosse und 100 Kilogramm schwere Athlet hat drei Kantonalkränze auf seinem Konto. Er gehört dem Basellandschaftlichen Kantonal-Schwingerverband an und schwingt für den Schwingklub Binningen. Als Achtungserfolge stehen die Teilnahme am ESAF 2019 in Zug und die Schlussgangteilnahme am Steinegg-Schwinget in Himmelried (2019) zu Buche. Als Jungschwinger gewann Adrian 56 Zweige und holte sich um die 40 Festsiege. Am ENST 2018 in Landquart sicherte er sich den begehrten Doppelzweig.

Der Name Odermatt deutet es an: Die Wurzeln der Familie liegen in der Innerschweiz, genauer gesagt im Kanton Nidwalden. Adrian’s Vater Armin kommt aus Ennetmoos und zog vor 25 Jahren nach Liesberg ins Baselbiet. Dort bewirtschaftet er zusammen mit seiner Familie einen Landwirtschaftsbetrieb. Armin Odermatt versuchte sich in jungen Jahren ebenfalls als Schwinger. Er musste wegen einem Unfall aber die Schwinghosen bereits als Jungschwinger an den Nagel hängen. Ruedi Odermatt, ein Cousin von Armin, war ein erfolgreicher Schwinger und gehört zur Gilde der Eidgenossen.

Adrian schloss eine Lehre als Forstwart ab, und arbeitet nun in einem Gartenbau-Betrieb in Büsserach SO. Momentan absolviert der dreifache Kranzschwinger die Rekrutenschule in Isone TI. Der Rekrut berichtet uns heute aus seinem Corona-Alltag.

Adrian Odermatt ist mittlerweile dreifacher Kranzschwinger
Bild: Adrian Odermatt (Facebook)

Wie sieht dein Trainingsalltag derzeit aus?

«Ich bin seit Januar in der Rekrutenschule und habe darum keine Zeit und Möglichkeit für spezifisches Schwingtraining. Zum RS-Alltag gehört ein allgemeines Sporttraining. Wir trainieren dabei viel Kondition und die Rumpfkraft.»

Wann hast du das letzte Mal im Sägemehl trainiert? Welches war dein letztes Schwingfest?

«Seit letztem Herbst habe ich kein Schwingtraining mehr absolviert. Der letzte Ernstkampf datiert auf den 8. Februar 2020 beim Hallenschwinget Kirchberg. Ich belegte in der Endabrechnung Rang 5c und bekam es im vierten Gang mit dem späteren Sieger Matthias Aeschbacher zu tun.»

Wann startest du mit dem Schwingtraining? 

«So wie es aussieht Ende Juni, wenn die Rekrutenschule vorbei ist. Derzeit habe ich alle drei Wochen Urlaub. An den Wochenenden darf ich Corona-bedingt zuhause nicht schwingen. Sollten Schwingfeste anstehen, müsste man mit der RS-Leitung eine Lösung finden. Ansonsten ist für mich das Schwingtraining bis Ende Juni leider nicht möglich.»

Reichen dir vier Wochen Vorlaufzeit bis zum ersten Schwingfest?

«Das ist eine gute Frage und zugleich schwierig zu beantworten. Optimal ist das nicht, es muss aber wohl reichen. Ich werde mich beobachten, wie es im Training läuft. Um nichts zu riskieren, würde ich eher ein Schwingfest auslassen. Eine Schwingfestplanung für 2021 ist nicht möglich und habe ich demzufolge nicht gemacht.»

Wie sehen die Startmöglichkeiten an Schwingfesten für euch jungen Aktiven momentan aus?

«So wie ich mitbekommen habe, organisiert unser Kantonalverband ein Schwingfest für die Aktiven mit Jahrgang 2001 und jünger. Von weiteren Schwingfesten weiss ich noch nichts.»

Adrian Odermatt sagt: «Das ist eine unschöne Sache und es war nicht der Plan, dass ein Käfer unseren Sport lahmlegt.»
Bild: Lukas Gerster (Facebook)

Wie hast du in der Zeit trainiert, in welcher das Schwingen nicht erlaubt war?

«Zuhause richtete ich mir einen Kraftraum ein, und zusammen mit einem Trainingskamerad habe ich Kraft, Schnellkraft und Kondition trainiert. Das waren zwischen drei und sechs Trainingseinheiten pro Woche. Ich habe in dieser Zeit mehr Ausdauer trainiert als sonst, und habe im Krafttraining andere Sachen ausprobiert. Als draussen Trainings mit 15 Personen erlaubt waren, ging ich mit meinen Klubkollegen regelmässig in den Vitaparcours.»

Wie trainierst du für gewöhnlich in Normalzeiten?

«Die Schwinger vom Schwingklub Binningen und Oberwil trainieren zusammen im Sägemehl, um so eine grössere Gruppe bilden zu können. Freitags findet jeweils das Kantonaltraining statt und innerhalb des Teilverbandes sind je nach Phase der Saison ein bis zwei Trainingszusammenzüge monatlich geplant. Das Krafttraining ist individuell organisiert. Wir absolvieren es aber meist in Zweiergruppen, um uns gegenseitig pushen zu können.»

Wie gehst du persönlich mit der Corona-Pandemie um?

«Das ist eine unschöne Sache und es war nicht der Plan, dass ein Käfer unseren Sport lahmlegt. Aber: Es geht allen gleich, und es gilt, das Beste aus der Situation zu machen. Interessant zu beobachten war, wie sich ein Jahr ohne Schwingfeste anfühlt. Es wurde mir bewusst, wie sehr das Schwingen fehlt. Und: Es fühlte sich komisch an.»

Für euch Junge ist das sicher eine besonders schwierige Zeit. Wie tauscht ihr euch momentan aus?

«Man telefoniert ab und zu miteinander. Wenn es erlaubt ist, trainiert man zusammen. Der Kontakt untereinander fehlt einem schon. Denn: Im normalen Trainingsalltag sieht man seine Schwingkollegen mehr als seine Familie. Vieles ist nicht möglich, und das ist schade.»

Was vermisst du derzeit am meisten?

«Das Schwingen als solches, den Kampf Mann gegen Mann und die Kameradschaft, welche zurzeit nicht gelebt werden kann. Die Kameradschaft ist eine der wichtigsten Eigenschaften in unserem Schwingklub, auf welche wir viel Wert legen.»

feldwaldwiesenblogger

«Ds Füür brännt im Glarnerland» – Gespräch mit Jakob Kamm, dem OK-Präsident vom ESAF 2025

Text: feldwaldwiesenblogger

«Ds Füür brännt im Glarnerland», erst recht seit dem 6. März, als der Zuschlag fürs Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) für die Glarner erfolgte. Die 93 Prozent Ja-Stimmen der ESV-Delegierten gleichen einer Sensation. Einmal mehr setzte sich «David gegen Goliath» durch, wie Appenzell anno 2017 bei der Vergabe für das ESV-Jubiläumsschwingfest zum 125. Geburtstag. Die «Kleinen» scheinen bei den Abgeordneten einen mächtigen Stein im Brett zu haben. Man gönnt es dem sympathischen und kleinen Bergkanton Glarus von Herzen, welcher doch ansonsten ziemlich unter dem Radar der Wahrnehmung läuft.

Während der entscheidenden Kandidatur-Phase hielten sich die Glarner Organisatoren mit der Öffentlichkeitsarbeit zurück und konzentrierten sich mit einem kleinen Personenkreis voll und ganz auf die entsprechenden Dossiers. Die Strategie war goldrichtig und die Delegierten sind überzeugt, dass die Schwingerfreunde im Glarnerland inmitten der herrlichen Bergwelt ein stimmungsvolles und bestens organisiertes ESAF vorfinden werden.

Der Schreibende aus dem Nachbarkanton freut sich ebenfalls mit den Glarnern. Im Gespräch mit Jakob Kamm, dem Organisationkomitee-Präsident, möchte ich in Erfahrung bringen wie die Gefühlslage im Glarnerland ist, wann die eigentlichen Arbeiten beginnen und was für Dimensionen das ESAF einnehmen soll. Weiter wie die gut 300’000 erwartenden Besucher auf den Festplatz im Glarnerland gelangen sollen, und wo diese übernachten können.


«Ds Füür brännt im Glarnerland»
Bild: gl.ch

Jakob, beschreibe doch bitte die momentane Gefühlslage im Glarnerland!
«Wir haben uns sehr gefreut! Für diejenigen, welche intensiv in die Kandidatur involviert waren, ist es eine Genugtuung. Es ist aber auch eine Demut spürbar, für das was jetzt kommt. Denn es geht nun um die Umsetzung. Die Menschen im Glarnerland und in den umliegenden Regionen haben einfach eine wahnsinnige Freude. Es gilt zu erwähnen, dass wir das ohne überregionale Unterstützung nicht hingekriegt hätten.»

Wie erklärst du dir das sensationelle JA für eure Kandidatur?
«Das ist eine schwierige Frage, denn wir waren völlig perplex. Erklären kann man das nicht, keiner von uns hat nur im Traum daran gedacht. Erklären müssten das eigentlich die stimmberechtigten Delegierten. Wir haben bei unserer Kandidatur wahrscheinlich vieles richtig gemacht. Wir waren überzeugt, dass ‘weniger kann mehr sein’, verbunden mit den Schwingerwerten und grosser Demut gegenüber diesem Projekt, der richtige Weg zum Erfolg ist. Aber: Unsere Gedanken waren auch beim OK von St. Gallen, und wie es ihnen mit diesem Ergebnis geht.»

Wann starten die eigentlichen Arbeiten fürs ESAF?
«Die haben am Montag, 8. März um sieben Uhr gestartet. Im Moment gibt es drei Hauptaufgaben zu bewältigen. Der Trägerverein, wo alle Schwinger zusammengefasst sind, wird am 27. März gegründet. Weiter sind wir daran, den OK-Verein zu gründen. Und: Operativ geht es darum, die Strukturen zu verfeinern. Eine kleine Gruppe definiert nun, wie es weitergeht. Es werden Aufgaben verteilt und die einzelnen Ämter vergeben. Mit der operativen Führung mitsamt einem Geschäftsführer legen wir vermutlich Ende 2021 / Anfang 2022 los. Die Statuten sind vorhanden und wir können nun beginnen. Es liegt viel Arbeit vor uns.»

Wie viele Zuschauer soll die Arena dereinst fassen? Mit wie vielen Personen rechnet ihr für die drei ESAF-Tage?
«Wir gehen heute davon aus, dass die Arena 56’500 Zuschauer fassen soll. Für uns war klar, dass sie nicht grösser sein soll als in Zug. Die Grösse der Arena hängt vom Spannungsfeld Budget und einer optimalen Verkehrsbewältigung ab. Was wiederum mit dem Sponsoring zusammenhängt.
Wir erwarten um 300’000 ESAF-Besucher. Grundsätzlich liegt unser Festplatz mitten in der wunderschönen Glarner Bergwelt. Aufgrund dieser ‘Naturgrenzen’ gehen wir heute davon aus, dass neben der Arena (also am Fest selber) eher weniger Besucher begrüsst werden können als dies in Zug der Fall war.»

Was dabei sehr interessiert: Wie sollen die gut 300’000 Besucher auf den Festplatz in Mollis gelangen?
«Es gibt ein 70-seitiges Verkehrsdossier, welches wir nach dem Landsgemeinde-Beschluss 2017 erarbeitet haben. Dieses gibt Auskunft über Camping, Wohnmobile, SBB, Shuttle-Betrieb, Busse, Motorräder, Velos und Fussgänger. Der ESV stellte uns bei der Bewerbung die Frage, ob jeder der ein Ticket hat, am Samstagmorgen um 07.30 Uhr rechtzeitig auf seinem Platz sitzen kann. Dies haben wir im erwähnten Dossier mit Ja beantwortet. Das Dossier ist auch kritisch, und es ist eine gute Ausgangslage für die Organisation der Verkehrssituation, damit wir 2025 eine Toplösung – angepasst auf unsere Verhältnisse – bieten können. Dabei sind wir auf die Hilfe der umliegenden Regionen angewiesen. Wir sind derzeit am Erarbeiten von verschiedenen Planmodellen, auch mit unterschiedlichen Zuschauerzahlen.
Zudem: Wir haben beispielsweise festgestellt, dass es ein grosses Bedürfnis der Zuschauer ist, dass sie mit Bussen direkt ans ESAF-Gelände fahren können. Wir haben uns weiter überlegt, ob es möglich ist, dass am Donnerstag bereits möglichst viele Wohnmobile vor Ort sein könnten. Damit diese den Verkehr am Wochenende nicht belasten. Diese werden zusammen mit dem Zeltplatz vis-à-vis der Arena ihren Platz finden. Wir haben Modelle entwickelt, wo das alles funktionieren kann.
Dabei ist mir wichtig, dass wir das Rad nicht neu erfinden. Wir unterhalten beste Beziehungen mit den Leuten vom ESAF in Burgdorf, welches von der Lage absolut vergleichbar ist mit Mollis. Wir verstehen uns auch gut mit den Verantwortlichen von Estavayer, welches hinsichtlich Verkehrskonzept sehr ähnlich ist wie unseres. Auch mit den Zugern haben wir einen sehr guten Kontakt. Es laufen persönliche Gespräche mit den angesprochenen OK’s, und wir können dabei auf grosse Hilfe zählen. Natürlich müssen wir gewisse spezifische Punkte fürs Glarnerland ‘neu erfinden’. Im grossen Stil geht das aber nicht, da uns die Zeit fehlt. Denn: Ab September sind es noch genau vier Jahre. Das ist eine kurze Zeit.»


OK-Präsident Jakob Kamm reckt die Faust, er hat soeben den Zuschlag telefonisch erfahren
Bild: Jakob Heer

Wo findet man für diese grosse Anzahl Besucher genügend Schlafmöglichkeiten?
«Das ist für mich eine relativ einfache Frage. Ich gehe seit 1998 mit zehn Kollegen an jedes ESAF. Ich habe dabei festgestellt, dass ein Schwingerfreund immer irgendwo eine Übernachtungsmöglichkeit findet. Von der Hotellerie her planen wir die benachbarten Regionen mit ein. Vom Pflichtenheft vorgeschrieben sind zirka 1’000 Betten für die Bedürfnisse des ESV und des OK’s, welche wir bereits reserviert haben. Wir haben dabei sehr positiv zur Kenntnis genommen, dass wir die in der näheren Umgebung organisieren konnten. Beim Sportzentrum Kerenzerberg bei Filzbach stehen uns fast 400 Betten für die Schwinger, deren Betreuer und für den Zentralvorstand zur Verfügung. Weiter werden sich die verschiedenen Tourismusverbände in der Umgebung zusammenschliessen und für Übernachtungsmöglichkeiten sorgen.
Wir sind wie jedes bisher durchgeführte ESAF aufgestellt. Darum bin ich überzeugt, dass die Unterkunftsmöglichkeiten nicht das heisseste Dossier sein wird. Ein Vorteil ist unsere zentrale Lage, etliche werden zuhause übernachten und am nächsten Tag wiederkommen. Man muss in Betracht ziehen, dass die Agglomeration Zürich in 35 Minuten und diejenige von Chur in 40 Minuten erreichbar ist.»

Das Budget des ESAF in Zug lag bei über 36 Millionen Franken. Wird das bei euch in ähnlichen Dimensionen sein?
«Ja, das wird so sein. Unser Budget wird um die 35 Millionen Franken zu stehen kommen. Für mich ist wichtig, dass wir vorgängig keine falschen Signale aussenden. Der eine oder Franken werden wir in die Infrastruktur investieren müssen, wie das andere Austragungsorte auch schon gemacht haben.»

Soll die Festmeile ähnlich gross werden wie in Zug?
«Ja, das wird sie. Diesbezüglich haben wir mit dem OK von Zug zusammengearbeitet. Wir schickten einem Ingenieurbüro in Zug den Plan unseres Festgeländes, und die platzierten es ins Festgelände vom ESAF Glarnerland+. Das Resultat war: Unser Festgelände ist gross genug. Unsere Tribüne wird genau dort zu stehen kommen, wie wir es geplant haben. Das Drumherum muss aber im Detail noch festgelegt werden.»

Mit den 40’590 Einwohnern vom Kanton Glarus (Stand Dezember 2019) würde man nicht mal die ESAF-Arena füllen. Um diesen Grossanlass stemmen zu können, habt ihr euch Unterstützung von ausserhalb bereits an Bord geholt. Auf welche ausserkantonale Unterstützung dürft ihr konkret zählen?
«Das Sarganserland, das Walensee- und Linthgebiet sowie die March-Höfe sind mit an Bord. Die meisten sind seit acht Jahren dabei, March-Höfe seit zwei Jahren. Es ist ein Novum, dass mit March-Höfe ein Schwingklub mitmacht, welcher ausserhalb des organisierenden Teilverbandes beheimatet ist. Wenn wir den Märchlern bei einem möglichen ESAF 2034 helfen können, ist das schlicht genial. Eine klassische Win-win-Situation.»

Stichwort Nachhaltigkeit: Nimmt man sich diesbezüglich das ESAF 2019 in Zug als Vorbild? Oder beschreitet man einen eigenen Weg?
«Es gibt eine ökologische und eine ökonomische Nachhaltigkeit. Die ökologische Nachhaltigkeit muss eine Selbstverständlichkeit sein. Wir verfolgen wie die Zuger ein CO2-neutrales Fest. Wir haben dazu schon vor vier Jahren bei der Hochschule Wädenswil unter der Leitung von Professor Jürg Rohrer eine Nachhaltigkeitsstudie in Auftrag gegeben. Es ist für uns wichtig, eine grüne Meinung miteinzubeziehen und auch an Bord zu holen. Das OK ist verantwortlich für diese Form der Nachhaltigkeit.
Mit dem ‘ESAF-Füür’ im Glarnerland haben wir ein riesiges Tor in unserer Region geöffnet. Der Tourismus und das Gewerbe sollen sich nun zusammenschliessen, über die ökonomische Nachhaltigkeit nachdenken und mit entsprechenden Konzepten über das ESAF hinaus ein Mehrwert schaffen. Das ist aber nicht die Aufgabe des OK’s.
Unser grösstes Ziel ist, dass die Schwingfest-Besucher mit dem Gefühl eines tollen Festes mitsamt einer imposanten Kulisse heimkehren können und dabei auf einen problemlosen Verkehr treffen. Und die Besucher hinterher sagen: Ich komme wieder zurück. Alle im OK müssen dieses Ziel über alles andere stellen. Selbstverständlich sind die schwingerischen Belange ebenso wichtig.»

feldwaldwiesenblogger

Überraschung im Sägemehl: 120 Spitzenschwinger dürfen ab dem 17. März wieder schwingen

Text: feldwaldwiesenblogger

Heute überraschte der Eidgenössische Schwingerverband (ESV) mit der Medienmitteilung «Weitere Lockerung im Trainingsbetrieb». Darin steht wörtlich: «Die Parteien definierten zusammen eine Gruppe von 120 Schwinger (alle Eidgenossen und zusätzlich aufgefüllt mit Berg- und Teilverbandskranzer), welche ab dem 17. März nun ebenfalls das Training im Sägemehl aufnehmen können.» Mit den Parteien sind das Bundesamt für Sport (BASPO) und Swiss Olympic gemeint, mit welchen der ESV die Massnahmen beschliessen konnte. Nebst den jungen Aktiven dürfen ab kommendem Mittwoch also auch 120 Spitzenschwinger wieder ins Sägemehl.

Mitte Februar noch liess der ESV ein Bekenntnis zum Breitensport verlauten. Es hiess dannzumal: Entweder alle oder keine. Der Bundesrat kam dem Verband hernach gewissermassen in die Quere, und liess ab dem 1. März alle Schwinger mit Jahrgang 2001 und jünger trainieren. Etliche Spitzenschwinger übten anschliessend Druck auf den ESV aus und äusserten ihren Unmut. Die Verbandsoberen gingen nochmals über die Bücher, und brachten es diesmal fertig, genügend Befürworter ins Boot zu holen. Denn: Dem Vernehmen nach waren beim ersten Versuch einer schrittweisen Öffnung die Innerschweizer, die Nordostschweizer und die Berner noch dagegen.

Wie aber kam es in dieser relativ kurzen Zeit zum Stimmungsumschwung? Wie will man die grosse Mehrheit der Mittelschwinger, welche immer noch nicht im Sägemehl trainieren kann, bei Laune halten? Welche Schwinger profitieren nun von dieser Bevorzugung und wie werden diese trainieren? Mit diesen und weiteren Fragen konfrontierte ich den Urheber und Antreiber dieses Öffnungsschrittes: Stefan Strebel, den TK-Chef des Eidgenössischen Schwingerverbandes.


Der Schwingerkönig Christian Stucki und der Erstgekrönte Joel Wicki dürfen nun wieder im Sägemehl trainieren
Bild: neo1.ch

Wie kam es zu diesem Stimmungsumschwung?
«Der Zentralvorstand (ZV) hat über diese stufenweise Öffnung befunden. Bei der Abstimmung Mitte Februar wurde diese noch knapp abgelehnt. In den letzten zwei Wochen hat sich nun innerhalb des ZV eine Mehrheit gebildet. Hernach habe ich ein entsprechendes Schutzkonzept erarbeitet und dieses letzte Woche bei Swiss Olympic eingereicht. Heute Mittag wurde dieses Konzept nun bewilligt. Wir verfolgen die stufenweise Öffnung nun weiter, bis alle schwingen dürfen.»

Wie holte man die Innerschweizer, Nordostschweizer und Berner an Bord?
«Es war ein Mehrheitsentscheid innerhalb des ZV. Über Details zu dem Abstimmungsergebnis erteile ich keine Auskunft.»

Wie will man die grosse Mehrheit der Mittelschwinger nun bei Laune halten?
«Zufrieden bin ich mit diesem Ergebnis natürlich nicht. Mein oberstes Ziel ist, dass in den nächsten Wochen und Monaten alle Schwinger wieder im Sägemehl trainieren dürfen. Übrigens: Alle Sportarten sind nun daran, eine stufenweise Öffnung anzustreben. Dabei kann man auch beobachten, ob die nun erstellten Schutzkonzepte tatsächlich funktionieren.»

Welche Schwinger werden konkret von dieser Bevorzugung profitieren?
«Es handelt sich dabei um alle 58 Eidgenossen sowie die meisten Teilverbands- und Bergkranzer. Weiter pro Verband je ein U 23-Schwinger, welcher diese Auszeichnungen noch nicht hat. Der Verteiler sieht so aus, dass die Innerschweizer 38, die Berner 27, die Nordostschweizer 26, die Nordwestschweizer 16 und die Südwestschweizer 13 Schwinger selektionieren dürfen. Die Auswahl und Selektion treffen die einzelnen Teilverbände. Diese müssen mir die Namen der Schwinger bis Mittwochmorgen bekanntgeben.»

Wie werden diese Schwinger miteinander trainieren?
«Vier Schwinger und ein Trainer bilden eine Trainingsgruppe. Die Organisation dieser Vierergruppen und wo die Trainings stattfinden sollen, obliegt den Teilverbänden.»

Wie geht es nach dem ersten Öffnungsschritt weiter?
«Mein Ziel ist die komplette Öffnung für alle Schwinger. Das hängt aber vom weiteren Verlauf der Corona-Pandemie ab. Dieser jetzige Schritt ist erst ein Teilerfolg. Ich ruhe mich aber nicht aus, und es war von der ersten Minute an mein Bestreben, dass alle schwingen können.»

Wird der ESV bei den Schwingfesten das Zepter übernehmen, damit diese Saison tatsächlich Schwingfeste stattfinden werden?
«Ein entsprechendes Konzept steht, es ist momentan aber kein Thema. Das Ganze hängt natürlich davon ab, wie die stufenweise Öffnung nun vor sich geht. Schreitet die zügig voran, können die offiziellen Schwingfeste stattfinden. Wenn nicht, kämen wir vom ESV mit unserem Konzept zum Zug.»

feldwaldwiesenblogger

ENST-Sieger Adrian Walther darf wieder schwingen und an Wettkämpfen teilnehmen

Text: feldwaldwiesenblogger

Seit dem 1. März dürfen die Schwinger mit Jahrgang 2001 und jünger wieder im Sägemehl trainieren und an Wettkämpfen teilnehmen. Zu ihnen gehört auch Adrian Walther mit Jahrgang 2001. Der junge Berner gewann 2018 am Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag (ENST) in Landquart einen Kategoriensieg und konnte mittlerweile Fuss fassen bei den Aktiven. Auf dem Konto des 200 Zentimeter grossen und zirka 110 Kilogramm schweren Sennenschwingers sind bereits drei Kränze. Hinzu kommt ein Achtungserfolg am ESAF 2019 in Zug: Adrian dufte alle acht Gänge bestreiten. Er gewann als Jungschwinger etwa 30 bis 40 Zweige und holte sich sechs Festsiege.

Am 9. August wird der für den Mittelländischen Gauverband schwingende Sägemehlathlet 20-jährig. Adrian gehört dem Schwingklub Worblental an, und wohnt in Habstetten. Derzeit absolviert er eine Ausbildung zum Zeichner Fachrichtung Architektur und befindet sich im vierten Lehrjahr.

Die Corona-Pandemie ist für alle eine schwierige Zeit. Man darf aber sicher behaupten, dass es für die Jungen besonders schwer ist. Sie sind in einer Ausbildung, möchten sich mit Gleichaltrigen austauschen und die Welt entdecken. Vieles davon geht momentan nicht, oder nur beschränkt. Man mag es darum den jungen Schwingern von Herzen gönnen, wenn sie sich wenigstens im Sägemehl messen dürfen. Adrian erzählt uns heute aus seinem Alltag.


Adrian Walther durfte am ESAF 2019 in Zug die Berner Farben vertreten und absolvierte acht Gänge
Bild: esv.ch

Wie sieht dein Trainingsalltag nach den Lockerungen aus?
«Ich habe nun das Krafttraining zurückgefahren und bin wöchentlich nur noch ein bis zweimal im Kraftraum. Derzeit absolviere ich pro Woche drei bis vier Schwingtrainings. Ich spüre das Defizit im schwingerischen Bereich, und es wird nun eine Weile dauern, bis ich wieder auf dem Niveau bin, welches ich mal innehatte.»

Wie fühlt sich das an, wieder im Sägemehl stehen zu dürfen?
«Es ist unbestritten ein gutes Gefühl. Am Anfang fühlte es sich ein wenig ungewohnt an, die Kräfte und die Dynamik beim Schwingen wieder zu spüren. Das Schwingtraining kann man mit dem besten Krafttraining nicht wett machen. Gewisse Muskelgruppen werden nur beim Schwingen trainiert, dies kann durch nichts ersetzt werden.»

Hast du derzeit viele Trainingspartner im Kurzholz?
«In unserem Schwingklub sind etliche Schwinger mit Jahrgang 2001 und jünger. So sind bei jedem Training um acht bis zehn Athleten anwesend. Das ist gut für die Abwechslung. Zudem bin ich im Nachwuchskader der Berner Schwinger und nehme an deren Trainings teil. Das Feld an möglichen Trainingspartnern ist darum sehr gross und es besteht nicht die Gefahr, dass das Training eintönig werden könnte.»

Auf was legst du den Fokus beim wieder gestarteten Schwingtraining?
«Am Anfang geht es nicht gleich von Null auf Hundert, und es beschränkt sich vorderhand auf das Techniktraining. Es gilt, die bestehenden Schwünge aufzufrischen und gut durchzuziehen. Weiter die neuen Schwünge genug oft zu üben. Zudem trainieren wir momentan vermehrt das Bodenschwingen. Denn bei dieser Trainingsart ist das Verletzungsrisiko geringer. Angestrebt wird nun eine stetige Steigerung, um in drei bis vier Wochen behutsam ins wettkampfmässige Schwingen überzugehen, und nach und nach Vollgas im Schwingtraining geben zu können. Dabei muss man stets darauf achten, wie sich der Körper verhält und entwickelt.»

Reichen dir vier Wochen Vorlaufzeit bis zum ersten Schwingfest?
«Vier Wochen sind schon extrem knapp. Für einen jungen Schwinger geht es vermutlich relativ schnell, bis der Körper wieder auf Topniveau ist.
Ein älterer Schwinger macht viel mit der Routine, hat aber wahrscheinlich länger, bis er wieder auf der Höhe ist. Dabei spürt er die körperlichen Strapazen sicher mehr als ein jüngerer Sägemehlathlet. Und: Es hängt auch davon ab, ob vor dem Start in die Kranzfestsaison kleinere Schwingfeste stattfinden. So erfolgt auch da kein Start von Null auf Hundert und es kann ein gezielter Aufbau stattfinden.»


Adrian Walther als frischgebackener Kategoriensieger am ENST 2018 in Landquart
Bild: appenzell24.ch

Wie sehen die Startmöglichkeiten an Schwingfesten für euch jungen Aktiven momentan aus?
«Theoretisch sind für uns wieder Wettkämpfe möglich. So wie ich mitbekommen habe, werden erste Nachwuchsschwingertage bei uns im Bernbiet aufgegleist. Solche Anlässe können viel kurzfristiger geplant und organisiert werden als Kranzfeste. Es sollen auch Feste in Planung sein, wo wir jungen Aktiven starten können. Jeder wünscht sich, dass er bald wieder wettkampfmässig schwingen kann.»

Wie hast du in der Zeit trainiert, in welcher das Schwingen nicht erlaubt war?
«Wir haben den Fokus im Training auf Kraft, Kondition, Koordination und Schnellkraft gelegt. Dabei haben wir versucht, die Bewegungsabläufe vom Schwingen zu simulieren. Die Trainings erfolgten grösstenteils alleine oder zu zweit mit den nötigen Schutzmassnahmen. So wurde versucht, einen möglichst ähnlichen Aufbau wie vor einer normalen Saison zu legen. Man musste dabei anders planen.
Zudem: Wenn die Schwingtrainings hinzu kommen wird der Körper anders gefordert, denn das ist ein Ganzkörpertraining. Beim Krafttraining werden ganz gezielt einzelne Muskelgruppen trainiert. So verläuft die Regeneration mit oder ohne Schwingtraining ganz anders, da andere Muskelgruppen beansprucht werden. Wie die meisten Schwinger arbeite ich zu hundert Prozent und absolviere wöchentlich jeweils am Abend vier Trainingseinheiten.»

Wie gehst du persönlich mit der Corona-Pandemie um?
«Am Anfang wusste ich nicht genau, wie man damit umgehen soll. Ich hatte Respekt davor, und eine Abschätzung der Lage war schwierig. Von einem Tag auf den anderen fiel das komplette Training weg. Man musste sich erst arrangieren, um zu Trainingsmöglichkeiten zu kommen. In den ersten Wochen hielt ich mich mit joggen und Velo fahren fit. Etwas später kamen andere Trainingsmöglichkeiten hinzu, welche man mit Maske und in Zweiergruppen absolvieren konnte. Im Sommer/Herbst gab es dann eine Phase, in welcher das Schwingtraining erlaubt war. Ein Lichtblick, leider nicht von langer Dauer. Inzwischen verspürt man eine gewisse Gleichgültigkeit, und das Sozialleben ist deutlich eingeschränkt. Ich habe Verständnis für die Massnahmen und ich halte mich so gut wie möglich an die Vorgaben.»

Für euch Junge ist das sicher eine besonders schwierige Zeit. Wie tauscht ihr euch momentan aus?
«Treffen in grösseren Gruppen ist schon länger nicht mehr möglich. Ich stehe mit meinem engsten Kollegenkreis trotz allem im regen Austausch. Man soll aber die Kontakte möglichst klein halten. Mit meinen nächsten Kollegen unternehme ich zwischendurch wieder mal etwas. Es gilt, ein Zwischending zu finden zwischen den Massnahmen und dem Sozialleben, dass man aufrechterhalten möchte.»

Was vermisst du derzeit am meisten?
«Es ist eine gewisse Freiheit, die momentan fehlt. Es wäre schön, sich privat wieder in grösseren Gruppen treffen und austauschen zu dürfen. Aufs Schwingen bezogen ist es die Planungsunsicherheit, eine Saisonplanung ist nicht möglich. Je länger je mehr wird es schwierig, dass man die Ziele nicht aus den Augen verliert. Ich legte einen guten Aufbau auf die letzte Saison hin, die dann ins Wasser fiel. Dabei die Motivation aufrecht zu halten ist nicht immer einfach. Ich habe von Schwingern mitbekommen, dass ihnen diese abhandengekommen ist, und sie die ganze Situation belastet. Ich gehe aber nach wie vor topmotiviert ins Training.»

feldwaldwiesenblogger

Liebes BASPO, lasst bitte alle Schwinger ins Sägemehl!

Text und Bild: feldwaldwiesenblogger

Der BLICK brachte es heute im Beitrag «König Kilian platzt der Kragen – Wenger attackiert den Verbands-Vorstand» zwar überspitzt, aber doch auf den Punkt. In der Schwinger-Welt brodelt es erneut, die Schwinger möchten endlich wieder trainieren. Mit dem «Entweder alle oder keiner» sind längst nicht mehr alle einverstanden. Auch besonnene Stimmen wie Wenger fordern konkrete Lösungen von Seiten des Verbandes, welche sie mit dem Bundesamt für Sport (BASPO) respektive Swiss Olympic aushandeln sollen. Der Schreibende steht dem Ansinnen, bestimmten Spitzenschwingern das Prädikat «Spitzensportler» zu verleihen, damit sie wieder trainieren können, nach wie vor skeptisch gegenüber. Je länger nun aber die Corona-Pandemie und die damit verbundene Planungsunsicherheit besteht, je unzufriedener werden die Sägemehl-Athleten. Ich bin darum für eine Lösung, bei der alle Schwinger wieder ins Sägemehl zurückkehren dürfen. Ich habe mir deshalb erlaubt, meine Gedanken zu einem Vorschlag zusammenzufassen.


Wer weiss, vielleicht dürfen schon bald wieder alle ins Sägemehl zurückkehren? Auf dem Archivbild erkennt man die Schwinger vom Schwingklub Sumiswald

Testen, testen und nochmals testen
Die Impfungen kommen nur schleppend voran. Dies ist momentan keine hilfreiche Lösung für die breiten Bevölkerungsschichten. Hingegen das flächendeckende Testen ist eine Möglichkeit, um gewisse Lockerungen zu erreichen. Auch im Schwingsport. Wie wäre es, wenn der Eidgenössische Schwingerverband (ESV) dem BASPO nochmals einen Antrag stellen würde? Diesmal würde man aber beantragen, dass alle Schwinger wieder trainieren dürfen. Nebst den bestehenden Schutzkonzepten müssen sich alle Schwinger vor jedem Schwingtraining testen lassen. Mit einem negativen Testergebnis werden die Tore zu den Schwingkellern geöffnet. Der Bundesrat hat ja Ende letzter Woche angekündigt, dass jeder in diesem Land ab Mitte März fünf Selbsttests pro Monat gratis ausgehändigt bekommt. Das reicht schon ziemlich weit für die meisten Schwinger. Die restlichen Tests könnte beispielsweise der ESV berappen.

Schwingfeste ab Mitte Mai möglich
Gesetzt der Fall, der ESV beantragt das so, wie ich es vorgeschlagen habe und das BASPO bewilligt das Ganze, dann dürften die Schwinger am kommenden Montag, 15. März wieder in den Schwingkeller. Die vier Wochen Vorlaufzeit würde ich, um die Verletzungsgefahr zu verringern, auf zwei Monate setzen. So wären ab Mitte Mai wieder Schwingfeste möglich. Dies wohl vorderhand ohne Zuschauer. Es sei denn, man geht mit dem Testen so weit, und lässt nebst den Schwingern und den Funktionären auch gleich die Zuschauer vor dem Zutritt zum Schwingplatz testen…

Bitte jetzt vorwärts machen!
Der Bundesrat möchte dieses Test-Mandat einführen, und die Menschen in diesem Lande sollten mitmachen. Es tut ja nicht weh, würde Tür und Tor öffnen und ein Stück Freiheit zurückbringen. Ich bitte darum das BAG, vorwärts zu machen, und den Menschen in diesem Land so wieder eine Perspektive zu geben.
Die schlauen Bündner haben es vorgemacht, und die Fallzahlen mit dem flächendeckenden Testen im Kanton rapide gesenkt. Aber was tut der Bund? Er watscht sie ab und lässt sie ebenfalls die Terrassen in den Skigebieten schliessen. Solcherlei darf es nach dem Test-Start nicht mehr geben! Diejenigen, die sich testen lassen, sollen nicht noch bestraft werden.

Das BAG machte uns heute Mut
Das BAG hat uns heute in ihrer Pressekonferenz Mut gemacht, und meinte: Mit dem Testen bekommen wir die Pandemie in den Griff, mit der Impfung beenden wir sie. Laut BAG sollte so also auch wieder schwingen für alle möglich sein.
Ich weiss, das Szenario mit dem flächendeckenden Testen in der Schwingerwelt wird auf Skepsis stossen. Aber: Wie will man sonst aus dieser Endlosschlaufe kommen? Der Bundesrat und das BASPO lassen vorderhand ohne irgendwelche Massnahmen ganz sicher kein schweizweites Schwingen für alle zu. Zumal die Fallzahlen dieser Tage ja wieder leicht zu steigen beginnen. Bevor ich den kommenden Spätfrühling, den Sommer und den Herbst schwingtechnisch nochmals in den Hut schmieren muss, lasse ich mich lieber regelmässig testen. Es ist nämlich das kleinste Übel in dieser Pandemie.

feldwaldwiesenblogger

Michelle Brunner’s Bericht aus dem Corona-Alltag

Text: feldwaldwiesenblogger

Michelle Brunner wurde am 29. September 2019 in Menznau LU zur Schwingerkönigin gekrönt. Ihren Titel konnte sie letztes Jahr wegen der Corona-Pandemie leider nicht verteidigen, und so steigt sie als amtierende Königin in diese ungewisse Saison. Ob diese wie geplant am 1. Mai in Posieux FR beginnen kann, steht noch in den Sternen. Auf dem Programm stehen momentan neun Kranzschwingfeste. Das letzte davon ist das Eidgenössische Frauenschwingfest am 21. August in Uezwil AG.

Zum Schwingsport kam Michelle durch Franziska Schatt, eine frühere Schwingerkönigin. Die Hochschwung-Spezialistin entstammt zudem einer Schwingerfamilie, denn ihr Vater Ruedi und ihr Onkel Sepp haben früher auch geschwungen.

Michelle lieferte sich 2019 bis zum allerletzten Gang ein spannendes Duell mit Diana Fankhauser, der Schwingerkönigin von 2018. Den begehrten Titel holte sie sich mit einem Viertel-Punkt Vorsprung. Die Frauen erküren ihre Königin jeweils mittels der Jahreswertung, in welche die Resultate aller Kranzfeste einfliessen.
Den Schwingerinnen ergeht es gleich wie den Schwingern. So darf die Ostschweizerin noch nicht im Sägemehl trainieren und berichtet heute aus ihrem Corona-Alltag.

Michelle Brunner wird am 23. April 23-jährig. Sie hat insgesamt 15 Kränze und 30 Zweige auf ihrem Konto. Dazu kommen drei Kranzfestsiege und der in Menznau gewonnene Königstitel. Die 155 Zentimeter grosse und etwa 85 Kilogramm schwere Athletin ist Mitglied beim Frauenschwingclub Linth. Die Sennenschwingerin ist gelernte Zimmerin (Zimmermann), arbeitet derzeit auf diesem Beruf und wohnt in Benken.


Michelle Brunner strahlte am 29. September 2019 als frischgebackene Schwingerkönigin in Menznau LU um die Wette
Bild: Michelle Brunner

Wie geht es dir?
«Den Umständen entsprechend geht es mir gut. Ich bin gesund und fit.»

Wie sieht dein Trainingsalltag derzeit aus?
«Diese Woche durfte ich wieder in den Schwingkeller, um unsere Jungschwingerinnen zu betreuen. Diese dürfen nun wieder im Sägemehl trainieren. Ansonsten gehe ich momentan keinem spezifischen Training nach, da unser Schwingkeller bis anfangs Woche zu war. Die Arbeit als Zimmerin ist quasi mein Kraft- und Konditionstraining.»

Momentan wäre die wichtigste Phase des Trainingsaufbaus im Sägemehl. Das ist nun vorerst nicht möglich. Wie kann man unter diesen Umständen eigentlich eine Saison planen?
«Ich hake diese Saison eh schon ab. Ich denke, dass es kaum Schwingfeste geben wird. Ansonsten lasse ich es auf mich zukommen und nehme es wie es kommt.»

Kannst du deiner Arbeit wie gewohnt nachgehen?
«Im April letztes Jahr hatten wir mal Kurzarbeit. Seit damals ist wieder Normalbetrieb und wir haben mehr als genug Arbeit.»

Wie erlebst du persönlich die Corona-Pandemie?
«Für mich ist der Alltag gleich wie immer. Bis auf die Maske, welche man nun tragen muss. So langsam aber sicher kann man das Ganze nicht mehr richtig ernst nehmen.»


Michelle Brunner wartete gespannt auf dem Ricken, wo am 3. August 2019 das erste Frauen- und Meitlischwingfest über die Bühne ging
Bild: Michelle Brunner (Facebook)

Wegen den fehlenden Aktivitäten im Sägemehl hast du wahrscheinlich mehr Freizeit als dir lieb ist. Welchen Beschäftigungen gehst du nun vermehrt nach?
«Ich bin nun einiges mehr als sonst bei meinen Eltern auf ihrem Landwirtschaftsbetrieb und helfe mit. Letzten Sommer habe ich viel Zeit mit ihnen auf der Alp Wielesch (Gemeinde Rieden) verbracht und mitgearbeitet.»

Angenommen, ihr dürft gegen Ende März wieder ins Kurzholz: Wann würdest du dein erstes Schwingfest bestreiten?
«Ich setze mir zwei Monate Vorlaufzeit. Denn die braucht man sicher und das ist das mindeste. Wenn ich im besten Fall anfangs April wieder im Sägemehl trainieren dürfte, würde ich vermutlich im Juli mein erstes Schwingfest bestreiten.»

Wie ist die Stimmung unter deinen Trainingskameradinnen?
«Wir haben es im Frauenschwingklub Linth auch in dieser Zeit gut miteinander. Üblicherweise hätten wir am Freitagabend Training. Da dies nun wegfällt, stellt jeweils eine Kollegin ein Foto in unseren Whatsapp-Chat und demonstriert dabei eine Übung. Das machen wir, um einander zu motivieren und den gemeinsamen Kontakt aufrecht zu halten.»

Gibt es auch etwas Positives, was du aus dieser Pandemie mitnehmen kannst?
«Man hat gelernt, die kleinen Sachen zu schätzen, welche vorher wie selbstverständlich waren. Viel mehr Positives kann ich dieser Pandemie nicht abgewinnen.»

Ist eine Corona-Impfung für euch Schwingerinnen eine Option?
«Schlussendlich muss das jeder selber wissen. Für mich ist es aber keine Option. Ich denke zudem nicht, dass eine Impfung Pflicht wird, um an unseren Schwingfesten antreten zu können. Es ist kein Thema bei uns, da wir sowieso nicht so viele Schwingerinnen sind.»

feldwaldwiesenblogger

Oberländisches Schwingfest zieht auf den Brünigpass

Text und Bild: Simon Schmid (Medienchef BKSV) / Bearbeitung: feldwaldwiesenblogger

Die Schwingersektion Niedersimmental verschiebt das Oberländische Schwingfest um ein Jahr, und die Schwingersektion Hasliberg zieht die Durchführung des Oberländischen Schwingfestes vor. Diese organisieren in diesem Jahr den Oberländischen Nachwuchsschwingertag sowie das Oberländische Schwingfest am 10. und 11. Juli in der Brünigarena, und zwar ohne Zuschauer.


Das Oberländische Schwingfest findet dieses Jahr in der herrlichen Brünigarena statt

Die Durchführung eines «normalen» Schwingfestes ist 2021 kaum realistisch
Auch der Start der diesjährigen Schwingsaison ist geprägt von der Corona-Pandemie. Dies hat auch einen grossen Einfluss auf die Organisation des Oberländischen Schwingfestes. «Die Durchführung eines «normalen» Schwingfestes mit Zuschauern ist für uns in der kommenden Saison zurzeit kaum realistisch. Bereits seit fast drei Jahren arbeiten wir nun an der Organisation des Oberländischen Schwingfestes in Oey», so der OK-Präsident Bernhard Reusser. Hinzu kommt, dass die Schwingersektion Niedersimmental in diesem Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum feiert. «Nebst dem Schwingfest möchten wir auch die Jubiläumsfeier in einem würdigen Rahmen durchführen», ergänzt Reusser.

«Oberländisches» ohne Zuschauer in der Brünigarena
Im Austausch mit dem OK Oberländisches Schwingfest Hasliberg sowie dem Oberländischen Schwingerverband wurden verschiedene Varianten diskutiert. Die Schwingersektion Hasliberg hat sich bereit erklärt, in diesem Jahr ein Kranzfest ohne Zuschauer zu organisieren. Christian Schneider, OK Präsident des Oberländischen Schwingfestes Hasliberg, sagt dazu: «Wir sind mit den Arbeiten noch nicht gleich weit fortgeschritten wie das OK von Oey, und so haben wir ihnen das Angebot unterbreitet, die diesjährige Ausgabe zu übernehmen. Die bestehende Infrastruktur ist bestens dazu geeignet ein Schwingfest mit kurzer Vorlaufzeit zu organisieren.» Zwei Wochen vor dem traditionsreichen Brünigschwinget findet somit in der Arena, auf der Wasserscheide zwischen Bernbiet und Innerschweiz am Samstag der Oberländische Nachwuchsschwingertag und am Sonntag das Oberländische Schwingfest Brünig-Hasliberg statt.

Livestreams von den Gauverbandsfesten
Schwingfans müssen aber nicht gänzlich auf den Schwingsport verzichten. Der Bernisch Kantonale Schwingerverband (BKSV) arbeitet an einem Konzept, die Gauverbandsfeste im ganzen Verbandsgebiet via Livestream zu übertragen.

feldwaldwiesenblogger

Vier von fünf Kantonalschwingfeste in der Innerschweiz werden auf 2022 verschoben

Text: Guido Bucher (Medienchef ISV) / Bearbeitung: feldwaldwiesenblogger

Die Corona-Pandemie hat uns weiterhin fest im Griff. Vor einem Jahr wurden alle Kantonalschwingfeste in der Innerschweiz, und später auch die Verbandsfeste sowie Bergfeste auf 2021 verschoben. Ein Jahr später stehen nun die Verantwortlichen der Schwingfeste, nämlich die Organisationskomitees (OK’s), die Kantonalverbände und auch der Innerschweizerische Schwingerverband (ISV) praktisch vor der gleichen Situation wie vor Jahresfrist. Derzeit dürfen nur die Schwinger mit Jahrgang 2001 und jünger im Sägemehl trainieren und Wettkämpfe durchführen. Offen ist, ab wann alle Schwinger wieder zusammengreifen dürfen. Für Wettkämpfe, insbesondere für Kranzfeste, brauchen die Schwinger, aber auch die Organisatoren eine gewisse Vorlaufzeit, um sich darauf vorbereiten zu können.


Auf solche Bilder wie hier am Urner Kantonalschwingfest 2019 in Bürglen muss man vorderhand noch warten
Bild: Tobias Meyer

Die OK-Präsidenten, die Kantonalpräsidenten und der ISV-Vorstand sind sich einig
Die OK-Präsidenten der fünf Kantonalschwingfeste (Zug, Schwyz, Ob- und Nidwalden, Uri und Luzern) haben sich in den letzten Wochen und Monaten mehrmals physisch, meistens aber digital zum Austausch und zu Absprachen getroffen. Ziel war eine vernünftige Lösung für alle Kantonalkranzfeste im Innerschweizer Verbandsgebiet. Einbezogen in die Entscheidungsfindung waren auch die jeweiligen Kantonalpräsidenten und der ISV-Vorstand. Aufgrund der aktuellen Lage in Bezug auf Covid-19 und im Sinne einer guten Vorbereitung aller Feste haben die Verantwortlichen einstimmig beschlossen, vier von fünf Kantonalschwingfeste um ein weiteres Jahr zu verschieben. Ob- und Nidwalden mit Austragungsort Giswil möchte das Kantonale noch im Spätsommer 2021 durchführen, da dem nachfolgenden OK (Austragungsort Kerns) die Festanlage im Jahr 2023 voraussichtlich nicht zur Verfügung steht. Im Jahr 2022 kommt es an folgenden Daten zu Kantonalschwingfesten:

01. Mai: Zuger Kantonales in Baar
08. Mai: Ob- und Nidwaldner Kantonales in Kerns
15. evtl. 21. Mai: Schwyzer Kantonales in Muotathal
22. Mai: Urner Kantonales in Erstfeld
29. Mai: Luzerner Kantonales in Rothenburg

Die OK’s und die Festorte bleiben grösstenteils die gleichen wie 2020 respektive 2021. Diese Entscheidung gibt den bestehenden Organisationskomitees und auch den Nachfolge-OK’s eine bessere Planungssicherheit. Zudem können Sponsorenvereinbarungen eingehalten werden.

Schwingen sobald als möglich
Ob und in welcher Form in diesem Jahr geschwungen wird, hängt einzig und allein davon ab, wann alle Schwinger wieder zum Training ins Sägemehl steigen dürfen. Sollten Wettkämpfe im Spätsommer oder Herbst (August/September) wieder möglich sein, dann könnten die Kantonalverbände in dieser Zeit beispielsweise am Datum eines Rangschwingfestes ein Kantonalschwingfest mit Kranzabgabe und mit der gleichen Anzahl Schwinger und dem gleichen Verteiler wie bei einem normalen Kantonalen durchführen. Ziel dieser Alternative ist, den Schwingern Startgelegenheiten unter guten Wettkampfbedingungen bereitzustellen und vor allem den jungen, aufstrebenden Schwingern die Möglichkeit des Kranzgewinnes zu geben. Damit sie nicht zwei Jahre auf ihren ersten Kranzgewinn warten müssen.
Falls diese Schwingfeste ohne Zuschauer über die Bühne gehen würden, ist eine Livestream-Übertragung vorgesehen.

ISV-Verbandsfeste und Bergfeste
Für das Innerschweizer Schwing- und Älplerfest (ISAF) vom 4. Juli in Ibach SZ und den Innerschweizer Nachwuchsschwingertag (INST) vom 27. Juni in Zug ist der definitive Entscheid noch nicht gefallen, ob diese tatsächlich durchgeführt werden können. Das gleiche gilt auch für die Bergfeste Stoos (Austragungsort Ibach SZ), Rigi und Brünig. Hier wird zu einem späteren Zeitpunkt kommuniziert.

Grosse Herausforderungen
Die verschiedenen OK’s, die Verantwortlichen des ISV, alle Schwinger, die Helferinnen und Helfer, die Sponsoren, Gabenspender und die Schwingerfreunde sind vor grosse Herausforderungen gestellt. Diese verlangen von allen grosse Flexibilität und viel Verständnis. Es ist unser aller Ziel, dass der Schwingsport bald wieder ausgeführt werden kann und dass sich auch bald wieder Zuschauer an Zweikämpfen im Sägemehl erfreuen können.

feldwaldwiesenblogger