Estavayer2016: Abschluss der Vorschauen-Serie – Interview mit Michael Nydegger

Als Abschluss meiner mehrteiligen Vorschauen-Serie über das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest, mit Fokus auf den Südwestschweizerischen Schwingerverband, stattete ich vorletztes Wochenende dem Team Romandie einen Besuch beim Trainingslager in Leukerbad VS ab. Das Trainingslager fand vom Freitag, 12. August bis Sonntag, 14. August statt.

Die Südwestschweizer Schwinger, welche für das Eidgenössische selektioniert wurden, trafen sich am Freitag im wunderschön gelegenen Walliser Kurort. Auf dem Programm standen ein gemeinsamer Thermalbad-Besuch und ein Nachtessen. Des Weiteren wurde der Ablauf am Eidgenössischen besprochen und die Schwinger erhielten dazu letzte Informationen. Am Samstagvormittag erfolgte ein Schwingtraining, am Nachmittag ging’s auf den Gemmipass hoch. Als Teambildung absolvierten die Südwestschweizer Schwinger eine Wanderung. Als Abschluss des Trainingslagers besuchten die selektionierten Athleten am Sonntag das Regionalschwingfest Leukerbad. Das Teilnehmerfeld von 30 Schwingern wurde mit Berner Oberländern aus den Schwingklubs Reichenbach und Interlaken komplettiert. Der Brünisrieder Steven Moser gewann vor 500 Zuschauern den Rangschwinget. Auf dem Schwinger-Blog finden sich dazu einige Fotos und weitere Randnotizen.

Am Rande dieses Trainingslagers sprach ich mit Michael Nydegger, dem zurzeit einzigen noch aktiven Südwestschweizer Eidgenossen. Mit dem Freiburger habe ich im Juli 2015 meine Vorschauen-Serie gestartet, mit ihm werde ich sie nun auch beenden. Zur Erinnerung: Michael verpasste wegen zwei Verletzungen einen Teil der Saison 2014 und das ganze letzte Jahr.
Am 22. Mai gab der Sennenschwinger beim Neuenburger Kantonalen in Couvet nach gut zwei Jahren sein Kranzfest-Comeback. Er belegte dabei den hervorragenden zweiten Rang. Eine Woche später doppelte der Sportstudent in Eysins beim Waadtländer Kantonalen nach und ergatterte sich im Rang 5a den zweiten Saisonkranz. Dabei blieb es leider. Michael konnte in der Folge durch verschiedene kleine Blessuren meist nicht mehr teilnehmen oder musste aufgegeben. Einmal verpasste er den Kranz (Rigi-Schwinget).

Apropos Sportstudent: Michael läuft es beim Studium in Freiburg sehr gut. Das erste Jahr hat er erfolgreich über die Runden gebracht und alle Prüfungen bestanden. Mitte September beginnt für den sechsfachen Kranzfestsieger das zweite Studienjahr mit dem dritten Semester.

michael nydegger beim gespräch
Michael Nydegger, zuhause in Oberschrot FR
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Wie geht es dir? Sind deine während der Saison erlittenen Blessuren wieder verheilt?
Danke, mir geht’s tipptopp. Die angesprochenen Blessuren sind mittlerweile ausgeheilt. Nach zwei wettkampflosen Jahren musste sich mein Körper erst wieder an die Belastungen gewöhnen. Für Estavayer2016 bin ich zuversichtlich. Während den Tagen vor dem Anlass wird der letzte Schliff mit kurzen intensiven Belastungen verpasst, um die Explosivität hoch zu halten. Das Ziel ist zudem, erholt und frisch ans Eidgenössische zu fahren.

Du hast dir diese Saison beim Waadtländer und beim Neuenburger Kantonalen bisher zwei Kränze erkämpft. Bist du mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden?
Die Unterbrüche aufgrund der Verletzungen in den Jahren 2014 und 2015 musste ich akzeptieren. Mit dem Start meines Comebacks war ich sehr zufrieden. Anschliessend kamen leider kleinere Blessuren hinzu.

Hast du den Fokus dieser Saison vor allem auf das Eidgenössische ausgerichtet?
Der Höhepunkt ist ganz klar Ende Saison und die ganze Planung wurde darauf ausgerichtet. Der Fokus liegt aber immer auf dem nächst folgenden Schwingfest.

Du wirst im Oktober 31 Jahre jung, und erlebtest in deiner Schwingerkarriere bisher einige Höhen und Tiefen. Was oder wie motivierst du dich jeweils aufs Neue?
Ich weiss es selber nicht so genau. Es wird die Freude am Schwingen, am Trainieren und einen neuen Aufbau anpacken sein. Weiter natürlich die Freude an guten Resultaten bei einem Schwinget.
Irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo die Karriere zu Ende ist. Solange der Spass vorhanden ist, schwinge ich. Weitere Gedanken zum Karriere-Ende mache ich mir momentan nicht. Jetzt gilt der Fokus aufs Eidgenössische.

Ist der Kranzgewinn in Estavayer-le-Lac für dich ein realistisches Szenario?
Ja, ganz sicher. Wenn mir ein guter Start gelingt und ich in einen Lauf komme, ist vieles möglich. Zudem ist das ESAF bei uns in der Westschweiz. Ich setze alles daran, so gut wie möglich zu schwingen. Physisch bin ich parat.
Wenn ein Eidgenosse den Kranz nicht als realistisches Ziel sieht, hat er eigentlich schon verloren.

Wie gross ist das Potential des Team Romandie nach der langen Vorbereitung? Wie viele Kränze liegen in deinen Augen beim ESAF drin?
Das Potenzial dazu ist vorhanden. Ich weiss aber nicht genau, wie es um die anderen steht und will mich nicht auf die Äste hinauswagen. Um den Kranz zu gewinnen, braucht es auch Gesundheit und Glück. Weiter ist es von vielen Details abhängig und Nuancen können entscheiden. Von null bis zwei oder drei Kränze ist alles möglich. Wie gesagt, ich mache lieber keine Prognose.

team romandie
Das Team Romandie bestritt als Abschluss des Trainingslagers das Regionalschwingfest Leukerbad
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

In welchen Bereichen hat sich euer Team in den vergangenen drei Jahren nach dem ESAF Burgdorf massiv verbessert?
Es wurden junge Schwinger, wie beispielsweise Benjamin Gapany, gefördert. Er gehört anhand der Saisonresultate sicher zu den Kranzanwärtern.
Der Verband hat mit einem guten und kompetenten Betreuerteam grosse Arbeit geleistet, um die Jungen an die Spitze in der Romandie zu führen. Klar, schlussendlich liegt es an jedem einzelnen Schwinger, die Motivation aufzubringen, um an die absolute Spitze in der Schweiz zu gelangen.

In welchen Belangen liegt nach wie vor Verbesserungspotenzial drin?
Das ist schwierig zu sagen. In fast allen Belangen ist Verbesserungspotenzial vorhanden, am meisten nach wie vor im Schwingen selber. Dieses Manko kann mit Schulschwingen und dem Arbeiten an der Technik ausgemerzt werden.
Die Leistungsdichte ist bei uns zwischen guten und sehr guten Schwingern zu gering. Es ist daher auch schwierig, schwingerische Fortschritte zu erzielen.

Was meinst du rückblickend zu eurer Vorbereitung?
Die Vorbereitung ging nach dem ESAF2013 in Burgdorf los. Da ich in den letzten beiden Jahre wegen Verletzungen viele Trainings verpasst habe, kann ich nicht viel dazu sagen. Es ist natürlich schwierig, in drei Jahren von Null auf Hundert zu kommen. Das würde mehr Zeit in Anspruch nehmen. Ich hoffe, dass sie ihr bestmögliches probiert haben.

Was wünschst du dir am meisten für das Eidgenössische?
Dass die grosse Arbeit und die viele Zeit, welche der Verband und die Schwinger investierten, belohnt wird. Natürlich hoffe ich auch auf schönes Wetter, und dass es ein schönes Fest wird.

Wie siehst du die Zukunft für das Schwingen in der Romandie?
Wie bereits erwähnt, muss mehr Arbeit in den schwingerischen Bereich gesteckt werden. Ich persönlich sehe dort das grösste Manko.
Der Boom wird wohl erst nach Estavayer2016 ausbrechen. Obwohl jetzt schon viel in den Medien berichtet wird. Die Welle wird aber erst anrollen, wenn der neue Schwingerkönig bekannt ist. Dann muss man parat sein. Damit man die interessierten jungen Leute, die zweifellos ins Schwingtraining kommen werden, soweit motivieren kann, dass sie auch bleiben.

Wie siehst du deine eigene schwingerische Zukunft nach dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest?
Ich habe mir noch keine Gedanken gemacht und keine Energie dafür verschwendet. Jetzt gilt der Fokus dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest. Nachher werde ich sicher darüber nachdenken, wie vermutlich alle anderen Schwinger auch.

schwingfest leukerbad
Kann eine Kulisse an einem Schwingfest schöner als in Leukerbad sein?
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Der 44-fache Kranzgewinner unternimmt in meinen Augen wirklich alles, um in Estavayer-le-Lac so gut wie möglich zu schwingen. Ein Wunsch geht für Michael sicher in Erfüllung: Das Wetter wird sich von seiner besten Seite zeigen. Ob’s für den Kranzgewinn reicht, wird sich nach dem achten Gang zeigen. Ich möchte es ihm und den Südwestschweizer Schwingern von Herzen gönnen, dass auch dieser Wunsch in Erfüllung geht. So ein Erfolgserlebnis wäre für den kleinsten der fünf Teilverbände und den Schwingsport in der Romandie immens wichtig.

Ich durfte den Südwestschweizerischen Schwingerverband nun während mehr als einem Jahr begleiten. In vielen Gesprächen und Beobachtungen konnte ich mir ein Bild über die schwingerische Situation in der Romandie machen. Des Weiteren griff ich auch Themas rund um das Eidgenössische in Estavayer auf. Dabei fielen mir drei Dinge auf: Erstens, ich wurde überall sehr freundlich aufgenommen. Dafür möchte ich mich bei allen Gesprächspartnern herzlich bedanken. Als zweiten Punkt erwähne ich die lateinische Mentalität. Diese steckt an und lässt einem gewisse Dinge einfach etwas relaxter sehen. Der Schwingsport wird trotz „lockerer Einstellung“, und damit komme ich zu drittens: Ernsthaft und mit viel Enthusiasmus betrieben.

Ich darf nach meiner Vorschauen-Serie ehrlich gestehen: Ein Stück weit wird mein Innerschweizer Herz beim ESAF auch für die Romands schlagen. Wie Michael Nydegger bin ich Realist, aber auch Optimist. In den vergangenen Jahren wurde viel Herzblut in das Projekt „Estavayer2016“ investiert. Grosse Fortschritte wurden erzielt, Talente an die Spitze geführt und viele können nun mit Mittelschwingern aus der Deutschschweiz mithalten. Ob dies zum angestrebten eidgenössischen Eichenlaub führt, ist schwierig zu sagen. Ich glaube aber, wie die Verantwortlichen rund um den TK-Chef der Südwestschweizer, daran. Und schliesse mit den Worten von Ruedi Schläfli: „Wir werden Kränze in Estavayer-le-Lac machen“!

feldwaldwiesenblogger

Meine vier Schwingerkönigs-Tipps – Nr. 4: Christian Schuler

Praktisch alle kleineren und grösseren Medien tun es dieser Tage: Sie geben ihre Favoriten für den Schwingerkönig-Titel feil. Diesem Unterfangen möchte ich natürlich nicht fern bleiben. Anders als noch vor drei Jahren, damals führte ich ein Schwingerkönig-Barometer („Der Endstand meines Schwingerkönig-Barometers“), gebe ich für Estavayer2016 vier Tipps ab. Meine vier Favoriten kristallisierten sich gewissermassen diese Saison heraus. Eine sorgfältige Abschätzung mit Einbezug der Resultate, viel Gelesenem und Gesehenem gehörten dazu.
Nach dem Königs-Tipp Nummer 1 (Matthias Sempach), Tipp Nummer 2 mit Christian Stucki und Tipp Nummer 3 mit Armon Orlik stelle ich heute meinen Tipp Nummer 4 vor: Christian Schuler.

Christian Schuler – Schwingerkönig-Tipp-Nummer 4

Christian Schuler (christian-schuler.ch)
Christian Schuler, dreifacher Kranzfestsieger und siebenfacher Kranzgewinner in dieser Saison
Bildquelle: christian-schuler.ch

Christian Schuler belegt derzeit mit 31 Punkten Platz drei in der SCHLUSSGANG-Jahrespunkteliste, gleich hinter Schwingerkönig Matthias Sempach. Diese hervorragende Rangierung verdankt der Rothenthurmer seiner bisher stärksten Saison. Bei acht Kranzfesten resultierten drei Siege und sieben Kränze. Mit meiner vierteiligen Serie über Christian Schuler’s Weg nach Estavayer begleitete ich den kräftigen Sennenschwinger und kam kürzlich zum Abschluss.

Wie mir Christian kürzlich im Gespräch erzählte, hat er im vergangenen Winter sehr viel gearbeitet. Dabei Trainingsabläufe intensiviert und versucht zu verbessern, was in der Saison 2015 nicht so gut lief. Das Resultat ist bekannt: Der dreifache Eidgenosse avancierte diese Saison mit einer konstanten Spitzenleistung klar zum Leader der Innerschweizer. Beim Innerschweizerischen in Einsiedeln SZ gewann Christian souverän und verbuchte für sich das bisherige Saisonhighlight.
Nebst dem Triumph beim eigenen Teilverbandsfest reüssierte der 79-fache Kranzgewinner anfangs Saison beim Zuger Kantonalen und beim Start zu den Bergkranzfesten auf dem Stoos.

Wie Armon Orlik traf Christian diese Saison auch erst einmal auf die Berner Schwinger. Beim härtesten aller Bergfeste, dem Brünig-Schwinget. Dies nach einer kurzen Verletzungspause wegen einer Rippenprellung. Der Schwyzer kam auf der Wasserscheide zwischen der Innerschweiz und dem Bernbiet zu vier Siegkreuzen, einem Gestellten und verliess den Platz einmal als Verlierer. Daraus resultierte der gute Rang 4c und das begehrte Eichenlaub.
Beim Anschwingen traf Christian auf Schwingerkönig Matthias Sempach, und hielt bestens mit. Nach Angriffsversuchen von Sempach startete solche auch er. Letztendlich endete der Gang unentschieden. Beim Zweikampf mit einem anderen Berner Eidgenossen, Matthias Glarner, riskierte der sehr offensiv schwingende Marketingfachmann zu viel, und verlor prompt.

Anhand der Saisonresultate und eigenen Beobachtungen traue ich Christian beim Eidgenössischen sehr viel zu. Wie er selber sagte, hat er diese Saison ein oder zwei Kranzfeste selber aus der Hand gegeben. Dem stimme ich zu. Dabei konnte man feststellen, dass der brillante Techniker vielleicht einen Tick zu früh seine Defensive öffnete, angriff und dabei in einen Konter lief. Je länger die Saison lief, je souveräner und fokussierter verliefen die Zweikämpfe. Einzig beim angesprochenen Gang mit Glarner auf dem Brünig startete Christian zu früh einen Angriffsschwung und lief in einen Konter. Vielleicht kam diese Niederlage aber gerade rechtzeitig, und lässt ihn die Zweikämpfe beim Eidgenössischen noch abgeklärter angehen.

Christian Schuler gehört für mich auch zu den Anwärtern auf die Königskrone. Ich stufe ihn hinter Matthias Sempach, Christian Stucki und Armon Orlik als den vierten im Bunde ein. Warum? Nun, eine sorgfältige Abschätzung der Resultate und Verläufe der Kranzfeste liess mich zu diesem Ergebnis kommen. Sempach ist und bleibt das Mass aller Dinge, Stucki kann je nach Verfassung und Festverlauf alle bodigen und Orlik hatte bisher eine äusserst starke Saison. Wenn Christian an diesen drei Spitzenschwingern vorbeikommt, traue ich ihm den Titel in Estavayer zu.
Ich bin überzeugt, dass er alles für ihn mögliche unternommen hat. Und: Wenn der Kurz-Spezialist beim ESAF so einen Tag einzieht wie beim ISV-Teilverbandsfest, dann könnte es am nächsten Sonntag (endlich) den zweiten Schwingerkönig aus der Innerschweiz geben.

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Meine vier Schwingerkönigs-Tipps – Nr. 3: Armon Orlik

Praktisch alle kleineren und grösseren Medien tun es dieser Tage: Sie geben ihre Favoriten für den Schwingerkönig-Titel feil. Diesem Unterfangen möchte ich natürlich nicht fern bleiben. Anders als noch vor drei Jahren, damals führte ich ein Schwingerkönig-Barometer („Der Endstand meines Schwingerkönig-Barometers“), gebe ich für Estavayer2016 vier Tipps ab. Meine vier Favoriten kristallisierten sich gewissermassen diese Saison heraus. Eine sorgfältige Abschätzung mit Einbezug der Resultate, viel Gelesenem und Gesehenem gehörten dazu.
Nach dem Königs-Tipp Nummer 1 (Matthias Sempach) und Tipp Nummer 2 mit Christian Stucki kommen wir heute zum Tipp Nummer 3: Armon Orlik.

Armon Orlik – Schwingerkönig-Tipp-Nummer 3

Weissenstein, 16. Juli 2016, Schwingen - Weissenstein - Schwinget 2016. Festsieger, Armon Orlik (Maienfeld) (Rolf Eicher/EQ Images)
Armon Orlik gewann den Weissenstein-Schwinget mit fünf siegreichen Gängen
Bildquelle: srf.ch

Armon Orlik ist mit sechs Kranzfestsiegen der beste Schwinger der diesjährigen Saison. Zu Recht belegt er in der SCHLUSSGANG-Jahrespunkteliste mit 41 Punkten Rang eins. Der Maienfelder trat bisher bei acht Kranzfesten an. Sechsmal verliess Armon den Schwingplatz als Tagessieger und siebenmal kranzgeschmückt. Nebst drei Kantonalfestsiegen folgte der Sieg beim Nordostschweizerischen, einem Teilverbandsfest. Weiter gewann er auf dem Weissenstein und auf der Schwägalp bei zwei Bergkranzfesten. Sehr beeindruckende Zahlen.

Wie Blick-Online kürzlich meldete, könnte es beim Eidgenössischen beim Anschwingen zum Spitzengang zwischen Armon Orlik und Matthias Sempach kommen. Gut möglich, denn für den amtierenden Schwingerkönig Sempach wird ein würdiger Gegner gesucht. Der Berner liegt in der Jahreswertung sieben Punkte hinter Armon auf Platz zwei. Gemäss Traditionalisten müsste dem „Titelverteidiger“ ein Eidgenosse zugeteilt werden. Wer ist aber zurzeit auf dem Papier besser als der „Noch-Nichteidgenosse“ aus der Nordostschweiz?

Rein von den Resultaten her betrachtet, wäre Armon der logische Schwingerkönig. Sechs Kranzfestsiege in der laufenden Saison, doppelt so viele wie Matthias Sempach oder Christian Schuler, sprechen Bände. Dennoch gibt es einen kleinen Wehrmutstropen: Der um einen Viertelpunkt verpasste Kranz beim Schwarzsee-Schwinget. Nebst drei Siegen musste der Bauingenieur-Student dort dreimal stellen (Remo Käser, Thomas Sempach und Michael Moser). Auf dem Notenblatt figurierte denn auch nur ein Eidgenosse. Zum Vergleich: Sieger Matthias Sempach kann deren vier vorweisen.

Armon liess nach dem Sieg auf dem Weissenstein wissen, dass man ihn höchstens zu den Geheimfavoriten auf die Königskronze zählen dürfe. Ihm ist bewusst, dass er fünf von sechs Kranzfestsiegen auf eigenem Nordostschweizer-Terrain holte.
Der Bündner traf bisher nur beim erwähnten Schwarzsee-Schwinget auf Berner Athleten. Der sogenannte Härtetest erfolgt für ihn deshalb beim Eidgenössischen. Besteht er diesen, kann er beim ESAF sehr weit kommen. Die Prüfung gegen die anderen Teilverbände ist ihm bereits bestens geglückt.

Armon Orlik gehört für mich trotz kritischem Beäugen der Saisonresultate zu den vier Favoriten auf den Königstitel. Ich stufe ihn aber hinter Matthias Sempach und Christian Stucki als Tipp Nummer drei ein. Viel hängt beim Eidgenössischen vom Start ab, und bei diesem wird er es zweifellos mit einem oder mehreren Bernern zu tun bekommen. Kann er diese Duelle für sich entscheiden, steht dem Weg zum Königstitel nicht viel im Weg.
Was ich in dieser Saison vom 190 Zentimeter grossen und 105 Kilogramm schweren Modellathleten zu sehen bekam, überzeugte. Der technisch vielseitige Sennenschwinger kann in jeder Situation blitzschnell und mit viel Kraft einen Schwung erfolgreich ansetzen. Zudem ist Armon‘s Kurz nicht nur eine Augenweide, er führt vielfach auch zum Sieg.
Wer weiss, vielleicht läuft in Estavayer alles zu Gunsten vom Leader der Nordostschweizer und der neue Schwingerkönig heisst in einer Woche: Armon Orlik.

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Meine vier Schwingerkönigs-Tipps – Nummer 2: Christian Stucki

Praktisch alle kleineren und grösseren Medien tun es dieser Tage: Sie geben ihre Favoriten für den Schwingerkönig-Titel feil. Diesem Unterfangen möchte ich natürlich nicht fern bleiben. Anders als noch vor drei Jahren, damals führte ich ein Schwingerkönig-Barometer („Der Endstand meines Schwingerkönig-Barometers“), gebe ich für Estavayer2016 vier Tipps ab. Meine vier Favoriten kristallisierten sich gewissermassen diese Saison heraus. Eine sorgfältige Abschätzung mit Einbezug der Resultate, viel Gelesenem und Gesehenem gehörten dazu.
Nach dem Königs-Tipp Nummer 1 (Matthias Sempach) folgt heute mit Christian Stucki Tipp Nummer 2.

Christian Stucki – Schwingerkönig-Tipp-Nummer 2

Christian Stucki
Christian Stucki nach dem Kranzgewinn auf der Rigi
Bildquelle: bielertagblatt.ch

Christian Stucki ist der grosse Kontrahent von Schwingerkönig Matthias Sempach. Nach dem verlorenen Schlussgang beim Eidgenössischen in Burgdorf folgten meines Wissens vier gestellte Gänge (unter anderem der gestellte Schlussgang beim Schwarzsee-Schwinget). Beim diesjährigen Rigi-Schwinget bettete Sempach mit einem schönen Fussstich „Chrigu“ wieder mal siegreich ins Sägemehl.

Nachdem der Seeländer Hüne letztes Jahr mit vier Kranzfest-Siegen der beste Schwinger der Saison war, belegt er derzeit Platz 15 in der SCHLUSSGANG-Jahrespunkteliste. Diese für Christian doch mässige Platzierung ist aber auf Verletzungen zurückzuführen. So fehlte der mittlerweile 109-fache Kranzschwinger zu Beginn der Kranzfest-Saison wegen einer Schambeinentzündung und nach dem Rigi-Schwinget verletzte er sich beim Training am Oberschenkel. So bestritt Christian diese Saison erst vier Kranzfeste.

Das Comeback am Südwestschweizerischen (12. Juni) gestaltete Christian gleich mit dem Tagessieg. Wie bereits erwähnt: Beim Schwarzsee- und beim Rigi-Schwinget stand der 198 Zentimeter grosse Sennenschwinger jeweils gegen Sempach im Schlussgang. Das Seeländische Gauverbandsfest verliess der Berner auf Rang zwei, ebenfalls kranzgeschmückt. Bei jedem bestrittenen Kranzfest belegte er also einen Spitzenrang.
Ganz zu Beginn der Saison konnte Christian zudem zwei Rangschwingfeste gewinnen, mit je sechs siegreichen Gängen. Am vergangenen Samstag gelang ihm dies beim zweiten Comeback der Saison am Fraumattschwinget in Oberwil BL erneut, wieder in absolut souveräner Manier.

Nach Adam Riese, oder in sprachlicher Anlehnung an den Seeländer Hünen: Nach Christian Stucki’s Resultaten zu schliessen, wird er beim Eidgenössischen ein ganz gewichtiges Wörtchen mitreden. Tritt der 31-Jährige in Estavayer ohne körperliche Beschwerden und topfit an, ist mit ihm zu rechnen. In einigen Vorschauen wird Christian gar als Königsanwärter Nummer eins gehandelt.

Christian Stucki gehört für mich ganz klar auch zu den Favoriten auf den Königstitel. Ich habe ihn aber hinter Matthias Sempach als Schwingerkönig-Tipp Nummer 2 gesetzt. Dies deshalb, weil Stucki diese Saison bisher nur von Sempach gebodigt wurde. Aber auch, weil der amtierende Schwingerkönig halt doch ein Tick vor dem 140 Kilogramm-Brocken liegt. Christians grosse Stärke ist sein extremer Körperbau und seine immense Kraft. Stimmt beim Eidgenössischen alles zusammen und wächst er an den beiden Tagen über sich hinaus, liegt der Schwingerkönig-Titel durchaus drin.

feldwaldwiesenblogger

Christian Schuler’s Weg nach Estavayer: Rückblick auf die Kranzfestsaison und Vorschau auf das Eidgenössische (Teil 4)

Im vierten und letzten Teil der Serie „Christian Schuler’s Weg nach Estavayer“ hielt ich mit dem dreifachen Eidgenossen kürzlich Rückblick auf die Kranzfestsaison. Aber auch Vorschau auf das wichtigste Fest der Saison: Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Estavayer-le-Lac.

Christian gewann diese Saison drei Kranzfeste: Das Zuger Kantonale, den Stoos-Schwinget und das Innerschweizerische Schwing- und Älplerfest in Einsiedeln. Er brachte das Kunststück fertig, bei einem Kantonalen, einem Bergfest und einem Teilverbandsfest oben aus zu schwingen. Bei den anderen Kranzfesten belegte er fast ausnahmslos Spitzenplätze.
Der mittlerweile 13-fache Kranzfestsieger trat bei acht Kranzfesten an, und verliess den Platz sieben Mal kranzgeschmückt. Beim Bergschwinget auf dem Weissenstein gab der 79-fache Kranzschwinger nach zwei Gängen wegen einer Rippenverletzung, welche er sich im Schlussgang des Innerschweizerischen zuzog, auf. Christian setzte kurzfristig ein Fragezeichen hinter die Teilnahme beim traditionsreichen Brünig-Schwinget. Zwei Wochen später trat er aber auf dem Brünig an, erreichte Rang 4c und das begehrte Eichenlaub.
Nun steht für den dreifachen Eidgenossen noch ein Kranzfest an: Das Eidgenössische, das wichtigste Schwingfest der Saison.

Wir blicken nochmals kurz zurück. Am 26. Februar startete ich eine vierteilige Serie: Christian Schuler’s Weg nach Estavayer: Einblick ins Wintertraining (Teil 1). Dabei gewährte mir der kräftige Sennenschwinger Einblick in sein hartes Wintertraining.
Kurz vor Beginn der Kranzfeste kontaktierte ich den Rothenthurmer wieder. Im Teil 2 hielt ich mit Christian Rückblick auf die Frühjahrsfeste, aber auch Vorschau auf die Kranzfestsaison.
Am 4. Juni zog ich mit dem Marketing-Fachmann zusammen Zwischenbilanz: Christian Schuler’s Weg nach Estavayer: Zwischenbilanz der laufenden Kranzfestsaison (Teil 3). Bei diesem Telefoninterview ging es um das Zuger Kantonale, den Baselstädtischen Schwingertag, das Schwyzer Kantonale und das Luzerner Kantonale.

Einige Tage vor dem Brünig-Schwinget stand ein weiterer Besuch bei Christian in Rothenthurm SZ an. In entspannter Atmosphäre führte ich ein Interview mit dem Familienvater. Anwesend war auch sein quicklebendiger Sohn Dario, welcher zwischendurch für einige Aufheiterung sorgte.

christian und sohn dario
Christian Schuler und Sohn Dario
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Wie geht es dir? Spürst du deine Rippenverletzung noch?
Danke, es geht mir gut. Die Rippenverletzung war eigentlich eine Rippenprellung, welche eine Entzündung nach sich zog. Ich konnte aber relativ bald wieder trainieren. Die Verletzung ist mittlerweile verheilt.

Wo findest du so kurz vor dem Eidgenössischen Ruhe und kannst Kraft tanken?
Vor allem bei meiner Familie, und auf dem Sihlsee beim Fischen. Ich habe ein gutes familiäres und berufliches Umfeld, wo ich auch den Abstand zum Schwingen finde.

Die Saison lief bis dahin, abgesehen von der verletzungsbedingten Aufgabe auf dem Weissenstein, äusserst erfolgreich. Ist dies das Ergebnis einer noch gezielteren Vorbereitung oder ein Stück weit auch Zufall?
Nein, nicht Zufall. Ich habe über die letzten Jahre hinweg gut trainiert. Ich sage immer: Wer gut trainiert und auf etwas hinarbeitet, dem kommt es irgendwann auch zu Gute. Im vergangenen Winter habe ich sehr viel gearbeitet, denn ich war mit der letztjährigen Saison nicht voll und ganz zufrieden. Ich habe dabei gezielt gewisse Trainingsabläufe intensiviert, und geschaut, wo ich Fehler machte. Wenn irgendetwas nicht so gut läuft, probiert man das zu verbessern. Ich war eigentlich 2015 schon fit und parat. Diese Saison stimmt nun endlich vom physischen und psychischen her sehr viel zusammen, und ich konnte meine Leistungen relativ gut abrufen.

Welches waren deine bisherigen Saisonhighlights?
Das absolute Highlight war natürlich der Sieg beim Innerschweizerischen. Die Vorbereitung und das ganze Umfeld mit meinem Klub, dem Schwingklub Einsiedeln, waren schon speziell. Ich half auch beim Aufbau mit. Ich war beim Innerschweizer Teilverbandsfest schon einige Mal nahe an einem Sieg. Dass es nun in Einsiedeln das ersten Mal klappte, war fast wie ein Märchen: Für mich und mein Umfeld. Schön, dass ich zehn Jahre nach der ersten Schlussgangteilnahme an einem Innerschweizerischen es nun einmal gewinnen konnte.
Ich kann zudem bei jedem Schwinget auf gute Gänge zurückblicken und durfte immer um den Sieg mitschwingen. Dabei habe ich drei Kranzfeste gewonnen. Bei den anderen Festen, die ich nicht gewann, hat derjenige gewonnen, welcher mich besiegt hat. Zweimal verliess ich den Schlussgang als Verlierer und beim Luzerner verlor ich im fünften Gang gegen Sven Schurtenberger, den späteren Sieger. Ich habe so gesehen sicher ein oder zwei Feste selber aus der Hand gegeben. Aber sonst bin ich natürlich sehr zufrieden.

Mit dem bisherigen Saisonverlauf gehörst du zu den Topfavoriten am ESAF und wirst die Innerschweizer als klare Nummer eins anführen. Würde oder Bürde?
Wenn man so eine Saison haben darf, ist es natürlich eine Würde. Anhand der gewonnenen Resultate bin ich wohl die Nummer eins der Innerschweizer. Wir haben aber noch viele andere Top-Schwinger, welche auch zu sehr viel fähig sind. Das macht es für mich sicher auch einfacher.

Beim Innerschweizerischen in Einsiedeln, so quasi einem „Mini-Eidgenössischen“, hast du deine Extraklasse bewiesen. Der Schwingerkönig-Titel liegt für dich durchaus drin?
Ich denke, jeder Schwinger, welcher während der Saison ein Kranzfest gewinnen konnte, hat auch das Potenzial ein Eidgenössisches zu gewinnen. In Estavayer sind die besten Schwinger anwesend und es muss alles zusammenpassen. Das ESAF zu gewinnen ist ein nicht einfaches Unterfangen, aber möglich ist es.

christian schuler - isv-sieg
Christian Schuler, der glückliche Sieger des diesjährigen Innerschweizerischen in Einsiedeln
Bildquelle: luzernerzeitung.ch

Die Berner haben bisher beim Aufeinandertreffen mit den anderen Teilverbänden einen äusserst starken Eindruck hinterlassen. Wird es für einen Schwinger aus einem anderen Teilverband deshalb schwieriger, Schwingerkönig zu werden?
Die Berner hatten in den letzten Jahren unbestritten die breiteste Spitze. Einige der besten Schwinger kommen aus dem Bernbiet, das ist eine Tatsache. Man muss aber auch sehen, dass sie 2016 sowohl beim Schwarzsee-Schwinget wie auch auf der Rigi praktisch mit der kompletten Spitze angetreten sind. Von den anderen Teilverbänden haben dabei jeweils einige Topcracks gefehlt. Es ist deshalb relativ schwierig, ein Urteil über die Stärkeverhältnisse abzugeben.
Wer Schwingerkönig werden will, muss irgendwie an den Bernern vorbeikommen. Das ist sicher nicht einfach, aber auch nicht unmöglich. Man konnte bei den anderen Teilverbänden junge Schwinger beobachten, welche an die Spitze vordrangen. Weiter sind auch andere etablierte Athleten dabei. Es muss immer alles erst geschwungen werden!

Schwingen ist zwar eine Einzelsportart. Man spricht aber bei Grossanlässen immer wieder davon, wie wichtig ein starkes Team ist. Wieso eigentlich?
Je mehr gute Schwinger man in seinen eigenen Reihen hat, desto mehr können sie dir Gegner wegnehmen. Das hilft natürlich. Aber: Wenn einer total überlegen ist und jeden gewinnen kann, dann kann er auch ohne Mithilfe seines Teams Schwingerkönig werden. Wenn du zum Beispiel alleine gegen die Berner antrittst, musst du schon eine aussergewöhnliche Leistung bringen, um sie besiegen zu können.
Ich denke, die Innerschweiz hat ein starkes Team mit einigen guten Schwingern. Dies wird auch helfen, gegen die Masse der anderen bestehen zu können. Wenn man beim Anschwingen gut startet, kann dies ein Feuer ins Team reinbringen. Man unterstützt sich gegenseitig und feuert einander an. Zusammen ist man immer stärker.

Hast du deinen Körper während der ganzen Saison in Topform halten können? Liegt im Hinblick auf Estavayer gar noch eine Steigerung drin?
Ich schaute während der ganzen Saison, dass ich hinsichtlich der Feste fit und parat bin. Das härteste Fest, bei welchem ich mich am wenigsten gut fühlte, war das Schwyzer Kantonale. Denn das Basel Städtische drei Tage zuvor hat mir mehr abverlangt, als ich dachte. Beim Schwyzer Kantonalen in Schindellegi musste ich mich ziemlich pushen, damit ich meine Leistung abrufen konnte. Vielleicht fehlte mir dadurch im Schlussgang das letzte Quäntchen. Das soll aber keine Ausrede sein. Bei den anderen Festen habe ich mich sonst immer sehr gut gefühlt. Ich habe das gezielt geplant mit Erholungsphasen und intensiveren Phasen, und werde sicher alles daran setzen, dass ich beim Eidgenössischen in Topform antreten kann.
Übrigens: Man kann nicht die ganze Saison praktisch ausser Form sein, und beim Saisonhöhepunkt in Topform. Eine gute Form braucht man während der ganzen Saison und der Wettkampf-Modus ist für den Körper wichtig.
Schlussendlich ist es eine Kunst, dass man beim Tag X so gut wie möglich „zwäg“ ist. Ich versuche das ESAF so zu nehmen wie jedes andere Fest auch, und dabei bei jedem Gang mein Bestes zu geben. Ich kann nicht erwarten, dass ich in Estavayer viel besser bin als sonst. Das kann keiner erwarten. Wenn ich so gut bin wie bei meinem besten Tag in diesem Jahr, und das nötige Glück mir hold ist, dann ist vieles möglich.

Wie sieht dein „restlicher Fahrplan“ bis Estavayer aus? Was steht die nächsten paar Wochen noch auf dem Programm?
Gut trainieren, schwingen, gut vorbereiten und erholen. Am kommenden Sonntag, 14. August, bestreite ich noch den Chilbi-Schwinget in Einsiedeln.

Wie geht man eigentlich mit der Tatsache um, dass in Estavayer über 50‘000 Zuschauer direkt in der Arena sind und vermutlich die halbe Schweiz den Anlass auf eine Art und Weise verfolgen wird?
Ich habe dies mental in kleinerem Rahmen beim Innerschweizerischen trainiert. Dies war für mich ein ganz wichtiges Schwingfest und ich wollte dort auch gut schwingen. Ich wollte das Fest gewinnen, und wusste, dass es nicht einfach wird. Es waren viele Leute anwesend, und der Anlass wurde live im TV übertragen. Die Leute verfolgen ein Schwingfest wegen den Athleten, also machen wir ja etwas Gutes. Was ist das Schlimmste, das dabei passieren kann? Dass man nicht gewinnt. Wegen dem geht das Alltagsleben trotzdem weiter.
In Estavayer-le-Lac werden über 50‘000 Zuschauer in der Arena sein, und wir Athleten dürfen das geniessen. So einen Wettkampf mit so einer Kulisse erlebt man nicht oft in seiner Karriere. Wenn man das ausblenden und für sich positiv nutzen kann, und dabei mit Freude frei schwingt, hat man am meisten Vorteile. Extra gut machen am ESAF geht nicht. Man muss das machen, was man imstande ist zu leisten. Ob 500 oder 50‘000 Zuschauer: Schwingen funktioniert deswegen nicht anders.
Schlussendlich werden die gut schwingen und Kränze machen, welche mit diesen Umständen am besten umgehen und loslassen können.
Ich würde das Eidgenössische sehr gerne gewinnen und werde alles daran setzen. Ich weiss mittlerweile sehr gut, was ich dafür tun muss, dass es passieren kann. Ob es dann passiert, ist eine andere Frage.

Gehst du vorher in Estavayer auf Rekognoszierungs-Tour oder fährst du erst zum ESAF hin?
Ich habe meine Übernachtungsmöglichkeit bereits angeschaut. Weiter werde ich sicher früh genug anreisen. Damit ich rekognoszieren kann, wo sich alles befindet und dadurch kein Stress aufkommt.

schuler und grab
Christian Schuler stand mit seinem Trainingskollegen Martin Grab im Schlussgang beim diesjährigen Zuger Kantonalen
Bildquelle: Rolf Eicher

Ich bedanke mich bei Christian Schuler für die Möglichkeit, dass ich ihn auf seinem Weg nach Estavayer während dieser Saison in vier Beiträgen begleiten durfte. Für mich war es eine spannende und sehr interessante Gelegenheit, bei einem Spitzenschwinger ein wenig hinter die Kulissen blicken zu können.

Dass ich beim Rothenthurmer gleich die aktuelle Nummer eins der Innerschweizer Schwinger auswählte, freut mich umso mehr. Die tolle Saison kündigte sich bereits im Frühling an, als Christian den Frühjahrsschwinget Pfäffikon souverän gewann und mit dem Sieg beim Zuger Kantonalen den Kranzfestauftakt erfolgreich gestaltete.

Eine bisher äusserst erfolgreiche Saison liegt hinter dem 28-Jährigen. Die Rippenprellung ist ausverheilt und das „Comeback“ auf dem Brünig lief erfolgreich. Christian schwang sehr angriffig. Bereits beim Anschwingen gegen den amtierenden Schwingerkönig Matthias Sempach zeigte er, dass mit ihm zu rechnen ist.

Der Schwingerkönig-Titel liegt für den starken Sennenschwinger absolut drin. Wenn Christian zwei gute Tage erwischt, an welchen die Form stimmt und das nötige Wettkampfglück vorhanden ist, dann ist viel möglich. Ich möchte es dem symphatischen Schwyzer von Herzen gönnen und werde ihm vor Ort meine Daumen drücken.

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Meine vier Schwingerkönigs-Tipps – Nummer 1: Matthias Sempach

Praktisch alle kleineren und grösseren Medien tun es dieser Tage: Sie geben ihre Favoriten für den Schwingerkönig-Titel feil. Diesem Unterfangen möchte ich natürlich nicht fern bleiben. Anders als noch vor drei Jahren, damals führte ich ein Schwingerkönig-Barometer („Der Endstand meines Schwingerkönig-Barometers“), gebe ich für Estavayer2016 vier Tipps ab. Meine vier Favoriten kristallisierten sich gewissermassen diese Saison heraus. Eine sorgfältige Abschätzung mit Einbezug der Resultate, viel Gelesenem und Gesehenem gehörten dazu.

Matthias Sempach – Schwingerkönig-Tipp-Nummer 1

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Matthias Sempach mit dem 100. Kranz (Brünig-Schwinget 2016)
Bildquelle: neo1.ch

Der Schwingerkönig von 2013 und Sieger des Kilchberger Schwinget 2014 kehrte diesen Frühling nach einer fast einjährigen Verletzungspause beeindruckend auf die Schwingplätze zurück. Matthias gewann drei Kranzfeste (das Oberaargauische, den Schwarzsee- und den Rigi-Schwinget) und holte sich insgesamt sieben Kränze. Er belegt momentan Platz zwei auf der SCHLUSSGANG-Wertung, der offiziellen Jahrespunkteliste des Eidgenössischen Schwingerverbandes (ESV).

Was mich ein wenig stutzig machte, sind seine Wellenbewegungen dieses Jahr. Nach einem Top-Wettkampf folgte wieder ein eher mässiger. Zu den eher mässigen Schwingfesten gehören das Emmentalische (Niederlage gegen Matthias Aeschbacher) und das Berner Kantonale (Niederlage gegen Patrick Räbmatter).

Der Brünig-Schwinget von Ende Juli war für „Sempach-Verhältnisse“ ein guter, aber kein Top-Wettkampf. Zwei gestellte Gänge am Vormittag brachten ihn schon frühzeitig aus der Entscheidung um den Tagessieg. Dennoch holte er sich mit drei sicheren Siegen am Nachmittag den 100. Kranz. Herzliche Gratulation!

Die SCHLUSSGANG-Redaktion geht davon aus, dass der dreifache Eidgenosse zuletzt sogar pokerte… Um die Konkurrenz zu verunsichern. Ob das beim Schwingsport so einfach geht? Entweder ist der amtierende Schwingerkönig in einer absoluten Top-Verfassung, oder er hat mit seinen mittlerweile 30 Jahren seinen Zenit bereits überschritten.

Trotzdem: Für mich ist und bleibt Matthias Sempach der heisseste Tipp auf den Königstitel. Seine Schwingweise ist das Ergebnis aus einer genialen Mischung von brillanter Technik und einer super Athletik. An gewissen Schwingfesten ist Matthias einfach das Mass der Dinge und dadurch (fast) unbezwingbar. Zieht er in Estavayer-le-Lac zwei hervorragende Tage ein, wird er vermutlich wieder Schwingerkönig.

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Interview mit dem Schlussgangfilmer Jakob Niederberger

Diese Woche möchte ich einen für Schwingfestbesucher bestens bekannten Mann, den Schlussgangfilmer, ein wenig näher vorstellen. Der bärtige und bei schönem Wetter oft einen Strohhut tragende Mann heisst Jakob Niederberger und wohnt auf einem kleinen Hof in Kastanienbaum LU. Bis Ende dieses Jahres betreibt er dort eine Gemüsegärtnerei. Am Montag dieser Woche besuchte ich Kobi, wie er auf dem Schwingplatz gerufen wird, und führte mit ihm ein Interview.
Der Schlussgangfilmer ist 55-jährig, verheiratet und hat vier erwachsene Kinder. Seine Leidenschaft, das Filmen, entdeckte er irgendwann für den Schwingsport. Zu Beginn filmte Kobi noch von der Tribüne aus. Inzwischen ist er längst der Schlussgangfilmer und beliefert via seiner eigenen Homepage Montag für Montag die Schwingfans mit einem oder manchmal mehreren Schlussgängen vom vorherigen Sonntag. Während der Woche folgen zudem weitere interessante Gänge als Video.

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Schlussgangfilmer Jakob Niederberger
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Seit wann bist du „der Schlussgangfilmer“?
Offiziell seit 2009. Ich filmte zwar schon vorher, durfte aber noch nicht auf den Schwingplatz und filmte von der Tribüne aus. Der Ausschlag waren zwei entscheidende Begegnungen. Die erste Situation ergab sich nach einem gestellten Schlussgang zwischen Jürg Käser und Daniel Odermatt. Dabei wurde Käser ein 8.75 geschrieben und so der Sieg entrissen. Beim Gespräch hinterher sagte ich ihm, dass ich alles gefilmt und auf Band habe. Die zweite Begebenheit war bei einer „Schwinger-Metzgete“ in Schwarzenberg LU, wo auch Matthias Sempach, Kilian Wenger und Daniel Bösch anwesend waren. Ich sass dort mit den Verantwortlichen der Schwingerzeitung SCHLUSSGANG zusammen. Beim Gespräch sagte ich ihnen, dass auf ihrer Homepage der Schlussgang fehlt. So kam ich kurze Zeit später in die „Schlussgang-Filmerei“ rein.

Wie kamst du auf die Idee, an Schwingfesten Schlussgänge zu filmen?
Ich war schon immer ein Fan der Filmerei. Als unsere erste Tochter zur Welt kam, kaufte ich eine Videokamera. Später nahm ich die Kamera mit an die Schwingfeste, und begann von der Tribüne aus zu filmen. Dies fand guten Anklang bei meinen Kollegen. Zum ersten Mal filmte ich 2004 beim Eidgenössischen in Luzern.
Der erste, der sporadisch mal an Schwingfesten Schlussgänge filmte, war Alois Omlin. Omlin ist eigentlich Fotograf, konnte mit seiner Kamera aber auch filmen. Da das nicht regelmässig praktiziert wurde, fand ich, dass einfach etwas fehlt, und wollte das auch machen.
Am Anfang habe ich gefilmt und fotografiert. Als ich auf den Schwingplatz durfte, habe ich nur noch gefilmt. Zu Beginn machte ich die Filme für den SCHLUSSGANG. Später stellte ich sie dann auf meine eigene Homepage.
Übrigens: Der Schlussgangfilmer hat von der Namensgebung her nichts mit der Zeitung SCHLUSSGANG zu tun. Ein ehemaliger Fourier bei uns in der Feuerwehr erklärte mich zum „Schlussgangfilmer“: Der Mann, welcher den Schlussgang eines Schwingfestes filmt.

Hast du selber mal geschwungen? Wie sieht dein Bezug zum Schwingsport aus?
In jungen Jahren schwang ich als Jungschwinger während sechs Jahren beim Schwingklub Luzern und Umgebung. Fussball wurde mir von zuhause aus nicht gestattet, Schwingen hingegen durfte ich. Mit 16 Jahren verletzte ich mich aber schwer am rechten Knie (Kreuzbandriss und kaputter Meniskus). Dannzumal bedeutete dies das Karriereende. Der Unfall ereignete sich bei einem Training in Vevey VD, beim ortsansässigen Schwingklub. Ich machte dort die Lehre als Kellner.

Dein Beruf ist Gemüsegärtner. Lässt sich das gut mit deinem grossen Hobby, Filmen an Schwingfesten, verbinden?
Jein. Das war schon schwierig. Die Schwingfeste finden ja am Sonntag statt und am Montagmorgen nahm ich mir frei, um die Filme zu schneiden. Da ich bis vor kurzem Angestellte in meinem Betrieb hatte und meine Familie mir half, funktionierte das. Es wurde mir aber irgendwann zu viel. Nun steht eine berufliche Veränderung an. Auf den eigenen Stand am Markt in Luzern möchte ich nicht verzichten. Was ich in Zukunft machen werde, wird sich in nächster Zeit weisen.

Filmbeispiel 1: Der Schlussgang am ISAF 2016


Video-Quelle: schlussgangfilmer.com

Deine Akzeptanz bei Schwingern und Schwingfestorganisatoren ist sehr gut. Konntest du zu Beginn filmen, wie es dir gerade beliebte? Wie sieht das jetzt aus?
Ich war zu Beginn neben dem Schweizer Fernsehen der einzige. Eine Akkreditierung war schon zu Beginn meiner „Filmer-Karriere“ notwendig. Beim Eidgenössischen in Burgdorf durfte ich leider nicht auf dem Platz filmen. Das warf damals ziemlich hohe Wellen. Ich habe inzwischen vom Eidgenössischen Schwingerverband (ESV) die Erlaubnis, bei allen Schwingfesten zu filmen. Das ist für mich eine sehr grosse Anerkennung meiner bisherigen Arbeit, und ich schätze es sehr. So etwas ist nicht selbstverständlich. Ich habe eine einzige Auflage: Ich darf die Filme nach einem Schwingfest gleichen Tags nicht vor Mitternacht ins Internet stellen.

Am ESAF 2013 in Burgdorf durftest du meines Wissens wegen SRF auf dem Schwingplatz nur fotografieren. Wie sieht das beim Eidgenössischen in Estavayer aus, wo das SRF ja auch wieder überträgt?
Wie bei der vorherigen Frage erklärt, darf ich nun bei jedem Schwingfest auf dem Platz filmen. Auch beim Eidgenössischen in Estavayer-le-Lac.

Wieviel Zeit pro Woche investierst du für dein Hobby? Was gehört neben dem Filmen an Schwingfesten noch dazu?
Ich investiere während der Schwing-Saison dafür zwei ganze Tage. Einerseits den Sonntag, an welchem ich filme. Andererseits den Montag, wo ich die Filme schneide. Als Erstes fertige ich immer den Schlussgang an. Dann die sechs Gänge des Siegers, wenn sie denn alle auf Band sind. Manchmal fertige ich noch Videos von einzelnen speziellen Gängen an. Weiter gehört auch das Beschriften des Materials dazu.
Die weitere Bearbeitung des vielen vorhandenen Filmmaterials ist „Winterarbeit“, und möchte ich in Zukunft vermehrt in die Hand nehmen.

Seit wann bist du Gemüsegärtner und betreibst einen Hof?
Nach der Kellner-Lehre ging ich für anderthalb Jahre nach London, um dort zu arbeiten und Englisch zu lernen. Als ich zurückkam, wusste ich: Das ist nicht mein Ding. So meldete ich mich für die Hotelfachschule in Genf an, welche ich zwischen 1983 und 1984 während einem Jahr absolvierte. Anschliessend kam ich durch Beziehungen zu einem Job als Vizedirektor im Hotel Sport in Klosters GR, wo ich meine jetzige Frau Priska kennenlernte. Ich war dort für den Service und die Gästebetreuung zuständig. Etwas später ergab sich zuhause die Situation, die Gemüsegärtnerei zu übernehmen. Da mir klar war, dass ich auf Dauer nicht im Hotelgewerbe arbeiten möchte, machte ich 1987/1988 in Wädenswil die Ausbildung zum Gemüsegärtner. Ich arbeitete darauf im Betrieb meines Vaters und übernahm 1992 mit meiner Frau zusammen den Gärtnereibetrieb in Pacht. Wie bereits erwähnt, gebe ich den Betrieb bis Ende Jahr auf und strebe eine berufliche Umorientierung an.

Filmbeispiel 2: Alle sechs Gänge des NOS-Siegers Armon Orlik am NOS 2016


Video-Quelle: schlussgangfilmer.com

So wie ich das sehe, brauchst und liebst du die Natur. Bei deinem Beruf und deinem Hobby bist du meist draussen und der Witterung ausgesetzt. Zufall oder gewollt?
Ich kenne nichts anderes, ich bin so aufgewachsen. Denn ich half schon als Kind bei der Gemüsegärtnerei meiner Eltern mit. Zudem führte mein Vater damals noch einen gepachteten Bauernhof. So gab es für uns immer etwas zu tun. An schulfreien Tagen und in den Ferien mussten wir mitanpacken. Die Landwirtschaft und das Schwingen passen sowieso zusammen.

Machst du die Schwingerfilme nur für dich und deine Homepage „schlussgangfilmer.com“, oder arbeitest du auch für andere?
In erster Linie mache ich die Filme für meine Homepage. Zu Beginn, wie oben angesprochen, hatte ich eine Zusammenarbeit mit dem SCHLUSSGANG. Später kam eine Zusammenarbeit mit schwingenonline.ch zustande. Dies beruhte auf einer vertraglichen Vereinbarung, und ich musste vor allem bei Schwingfesten im Bernbiet filmen. Ich wollte nach einiger Zeit aber wieder selber auslesen, wo ich filmen möchte. So lösten wir diese Vereinbarung wieder auf.
Vor kurzem ging ich eine Zusammenarbeit mit Gody Waser vom sportalbum.ch ein. Diese Internet-Plattform ist in erster Linie ein Archiv. Darauf gibt es auch ein Online-Schwingeralbum für einzelne Schwinger, zu denen Videos von mir gestellt werden. Rolf Gasser, der Geschäftsstellen-Leiter des ESV, und der Innerschweizerische Schwingerverband stehen hinter diesem Projekt.
Waser bekam von Gasser alte Schwingerfilme, welche Christian Mutzner zu Zeiten von Karl Meli filmte. Gody digitalisierte diese und avancierte so mit sportalbum.ch ein Stück weit zum Film-Archiv des ESV.

Welches war bisher dein verrücktestes Erlebnis als „Schlussgangfilmer“?
Der Weissenstein-Schwinget von 2011, wo nach zwei Gängen abgebrochen werden musste. Die Witterung mit sehr kräftigem Wind und intensivem Regen liess eine Weiterführung nicht mehr zu. Ich packte mich auf dem Schwingplatz ein so gut ich konnte, um mich vor der Unbill des Wetters zu schützen. Es herrschte ein regelrechter Sturm. Dem OK und dem Einteilungskampfgericht blieb nichts mehr anderes übrig, als den Berg-Schwinget abzubrechen. Das war mein bisher verrücktestes Erlebnis als Schlussgangfilmer.

Bereitest du dich speziell aufs Eidgenössische vor? Eventuell mit zusätzlichen Helfern?
Zusätzliche Helfer werde ich keine haben. Ich möchte in Estavayer die Spitzengänge nicht filmen, denn die wird ja schon das Schweizer Fernsehen live übertragen. Den Schlussgang filme ich selbstverständlich.
Was mich beim ESAF in Burgdorf ein wenig störte, war die Tatsache, dass gewisse Schwinger Neu-Eidgenossen wurden und keine Bilder davon im Fernsehen zu sehen waren. Ich kenne die Schwinger relativ gut. Deshalb möchte ich solche filmen, die sonst kaum gezeigt werden. Ich weiss, das ist ein grosses Ziel.
Vor dem Grossanlass mache ich mir eine Liste mit allen Schwingern. Zu Beginn des Festes möchte ich nur Gänge von den ganz jungen Schwingern filmen, damit die sich auch mal an einem Eidgenössischen sehen.
Seit der BLICK bei den Schwingfesten Filme produziert, filme ich eher wieder die jungen Schwinger. Denn auf blick.ch sind vor allem die „Cracks“ zu sehen. Ein Beispiel ist der junge Kilian Wenger: Ich filmte ihn damals als 17-jährigen Schwinger von der Tribüne aus, als er 2007 auf dem Brünig Philipp Laimbacher bezwang. Ich möchte es wieder vermehrt so handhaben, wie zu Beginn meiner Filmerei an Schwingfesten. Die Jungen haben auch das Recht, gezeigt zu werden.

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Kobi, wie man ihn an Schwingfesten kennt und sieht
Bildquelle: schlussgangfilmer.com

Zum Schluss des Interviews erklärte mir Kobi: „Vor Schwingfesten bereite ich mich jeweils immer gut vor. Bei Kantonalen versuche ich beispielsweise möglichst junge einheimische Schwinger zu filmen.“ Wie jeder Schwingerfreund festellen konnte, filmen das Schweizer Fernsehen und der BLICK dieses Jahr regelmässig an Schwingfesten. Und wie der „Schlussgangfilmer“ mir im Gespräch sagte, halten die beiden grossen Medien vor allem die grossen „Cracks“ auf ihren bewegten Bildern fest. Statt sich gegenseitig zu kopieren, trat der gelernte Gemüsebauer die Flucht nach vorne an. Er filmt wieder vermehrt Gänge von jungen und hungrigen Schwinger, welche dereinst an der Spitze mitmischen werden. Ich finde das eine tolle Sache und erkenne mich ein Stück weit auch darin. Denn ich möchte auch nicht die Geschichten der grossen Medien nachbeten. Stattdessen versuche ich wie Kobi diejenigen zu entdecken, über welche kaum berichtet wird.
Ich bedanke mich bei Jakob Niederberger für das sehr interessante Gespräch. Dabei lernte ich einen schwingbegeisterten, humorvollen aber auch sensiblen Menschen kennen, welchen ich bei Schwingfesten meist nur von der Ferne mit der Kamera sehe.

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