Nachgefragt bei Lario Kramer, einem der grössten Südwestschweizer Hoffnungsträger fürs «Eidgenössische»

Text: feldwaldwiesenblogger

Lario Kramer ist seit seinem Kranzfestsieg auf dem Stoos und den zehn Saisonkränzen im vergangenen Jahr eine etablierte Grösse in der Südwestschweiz. Zusammen mit Benjamin Gapany zählt er für viele Experten wie Schwingerfreunde zu potenziellen Südwestschweizer Kranzanwärtern am «Eidgenössischen» in Zug. Zwar blieb der Freiburger am Schwarzsee und als Gast am «Nordostschweizer» unter den Erwartungen und verpasste das begehrte Eichenlaub. Am eigenen Teilverbandsfest, dem Südwestschweizer Schwingfest in Leukerbad, zeigte der technisch versierte Schwinger aber eine tolle Leistung. Um die Schlussgang-Qualifikation besiegte Lario den Schwyzer Eidgenossen Mike Müllestein. Im Schlussgang lief’s dann weniger gut: Der Berner Matthias Aeschbacher konnte ihn im ersten Zug bezwingen.
Nichtsdestotrotz: Letztes Jahr stand der Kantonskollege Benjamin Gapany im Schlussgang des eigenen Teilverbandsfestes, dieses Jahr tat es ihm Lario gleich. Von ihm wollte ich am Montagabend am Telefon unter anderem wissen, wie er dieses Schwingfest erlebte, und wie die Stimmung derzeit im Südwestschweizer Team ist.


Lario Kramer (ganz links) als glücklicher Kranzgewinner in Leukerbad, zusammen mit Patrick Schenk (Mitte) und Joel Wicki
Bild: David Waser

Südwestschweizer Schwingfest in Leukerbad
Sieger in Leukerbad wurde der angesprochene Matthias Aeschbacher, welcher sich schon nach wenigen Sekunden gegen Lario durchsetzen konnte. Nach dem Sieg am Schwarzsee-Schwinget konnte der Emmentaler einen nächsten grossen Erfolg feiern, und avanciert so langsam aber sicher zu einem der Topfavoriten am «Eidgenössischen» in Zug. Auf dem Weg in den Schlussgang wurden dem 27-Jährigen Steve Duplan (Sieg), Samuel Giger (gestellt), Fredy Riedo (Sieg), Augustin Brodard (Sieg) und Stéphane Haenni (Sieg) vorgesetzt.
Am Teilverbandsfest der Südwestschweizer starteten 109 Schwinger, 4‘500 Zuschauer fanden den Weg in das Walliser Bäderdorf. Die acht angetretenen Gäste durften alle kranzgeschmückt heimkehren. Sechs Kränze gingen nach Freiburg und drei ins Waadtland.
Das stimmungsvolle Schwingfest wurde vom Schwingklub Leukerbad, unter der Leitung von OK-Präsident Kurt Roten, mit viel Herzblut organisiert. Dabei war den Organisatoren als Tüpfelchen auf dem „i“ schönstes Sommerwetter beschieden.

Lario stand zum ersten Mal im Schlussgang eines Teilverbandsfestes
Lario stand in Leukerbad mit vier gewonnenen und einem verlorenen Gang verdient zum ersten Mal in einem Schlussgang eines Teilverbandsfestes. Nach der Startniederlage gegen den Luzerner Joel Wicki bettete der Freiburger der Reihe nach Antoine Ducry, Carlo Buchs und Luc Gottofrey ins Sägemehl. Um den Schlussgang-Einzug bodigte Lario, wie bereits erwähnt, Mike Müllestein mit einer Kreugriff-Gammen-Abdrehen-Kombination. Im Schlussgang wurde er von Matthias Aeschbacher allerdings bereits nach acht Sekunden bezwungen. Der Berner Gast packte einmal mehr seine Wunderwaffe, den Inneren Haken, aus. In der Endabrechnung belegte der Freiburger Rang 5a.
Es scheint, dass Lario rechtzeitig seine tolle Form von letztem Jahr wiedergefunden hat. Denn: Nach zwei kranzlosen Resultaten am Schwarzsee (Rang 7d) und dem Nordostschweizer Schwingfest (Rang 9c) fand der letztjährige Stoos-Sieger am vorletzten Wochenende beim Walliser Kantonalen wieder auf die Erfolgsstrasse zurück. In Martigny gewann Lario nämlich sein zweites Kranzfest und in Leukerbad schaffte er es trotz sehr starken Gästen in den Schlussgang.

Mitglied beim Schwingklub Kerzers
Larios Geburtsdatum ist der 9. Juli 1998. Der 21-Jährige wohnt in Galmiz, ist ledig und weist mit seiner Grösse (186 Zentimeter) und seinem Gewicht (100 Kilogramm) athletische Masse für den Schwingsport auf. Der frisch gebackene Kantonalfestsieger machte eine Ausbildung zum Gemüsegärtner und arbeitet derzeit von Montag bis Freitag als Gemüsebauer auf dem elterlichen Betrieb. Am Samstag drückt er die Schulbank und absolviert eine Ausbildung zum Agro-Kaufmann. Nebst der Arbeit, der Ausbildung und dem Schwingsport bleibt nur noch wenig Zeit übrig, in welcher Lario Kollegen und Freunde trifft.
Der Sennenschwinger ist Mitglied beim Schwingklub Kerzers, welcher dem Freiburger Kantonalen Schwingerverband angehört. Mitglied von diesem Schwingklub ist unter anderem auch sein Bruder Dorian. Dorian erkämpfte sich diese Saison bereits zwei Kränze. Zum erweiterten Team rund um den Schwingklub Kerzers gehört auch Vincent Roch vom Schwingklub Estavayer-le-Lac. Roch eroberte diese Saison bereits vier Kränze und gewann das Waadtländer Kantonale.

Zwei Kranzfestsiege und 24 Kränze auf seinem Konto
Larios Palmarès umfassen zwei Kranzfestsiege und 24 Kränze. Der eine Kranzfestsieg ist derjenige auf dem Stoos, welcher für die Südwestschweizer richtiggehend Balsam auf ihre geschundene Schwingerseele bedeutete. Der andere Sieg erfolgte erst kürzlich am Walliser Kantonalen in Martigny. Die gewonnenen Kränze setzen sich aus 16 Kantonal-, drei Berg- und fünf Teilverbandskränzen zusammen. Den ersten Kranz gewann der gelernte Gemüsebauer 2015 am Freiburger Kantonalschwingfest. Ein weiterer schöner Erfolg ist die Auszeichnung zum Aufsteiger des Jahres 2018, welche Lario an der Abgeordnetenversammlung des Eidgenössischen Schwingerverbandes am 9. März verliehen wurde.
Die bevorzugten Schwünge sind Hüfter, Wyberhaken, Kreuzgriff, Kurz und Übersprung. Der Sennenschwinger schwingt seit 2006 und zählte in den Jugendjahren Matthias Sempach zu seinem Vorbild. Mittlerweile ist der Schwingerkönig von 2013 ein guter Kamerad von ihm.
Zum Schwingsport kam Lario durch seine Eltern, welche aber mit dem Schwingsport sonst nichts am Hut haben. Er erklärt: «Eines schönen Sonntags gingen wir mit der Familie gemeinsam Mittagessen. Der Zufall wollte es, dass wir beim Regionalschwingfest in Ried bei Kerzers landeten. Der Schwingsport faszinierte uns dabei sehr, und mich im Besonderen. Und so ging ich am darauf folgenden Mittwoch als Achtjähriger zum ersten Schwingtraining.»


Lario zieht energisch mit festem Kreuzgriff
Bild: David Sigg

Herzliche Gratulation zum Erreichen des Schlussganges! Was ging dir hinterher durch den Kopf?
«Ich war natürlich enttäuscht, auch weil ich so schnell verloren habe. Man kann aus einer schnellen Niederlage wenig mitnehmen. Ich hätte schon gerne länger mit Matthias geschwungen, welcher aufs Gut gleich gezogen hat. Nach dem Schlussgang gingen mir viele Gedanken durch den Kopf, und ich musste mich kurz sammeln. Ich konnte mich trotzdem am erfolgreichen Tag erfreuen. Es war schön, dass ich im Schlussgang stand.»

Würdest du heute mit einer anderen Taktik den Schlussgang in Angriff nehmen?
«Das ist schwierig zu beantworten. Ich bin schon eher der Angriffsschwinger, und nicht so der Taktierer. Klar, man hat 12 Minuten Zeit, und braucht nicht sofort Vollgas zu geben. Matthias griff sehr stark und ist mit seinem Inneren Haken jeweils brandgefährlich.»

Du hast die Endausmarchung souverän erreicht. Welcher Gang war für dich ein sogenannter «Schlüsselgang»?
«Ich denke, das war der fünfte Gang, wo ich Mike Müllestein besiegen konnte. Gegen ihn habe ich bereits letztes Jahr auf dem Stoos geschwungen. Dieses Jahr konnte ich mich besser gegen ihn behaupten. Auf dem Stoos musste ich ums Überleben kämpfen und konnte gegen ihn nur mit Glück gewinnen. In Leukerbad war es von Anfang an eine ausgeglichene Sache.»

Was für ein persönliches Fazit ziehst du vom Südwestschweizer Schwingfest?
«Es war ein sehr schönes Schwingfest, inmitten der herrlichen Bergkulisse. Ich war bereits am Samstag angereist, um mich optimal vorbereiten zu können. Ich liess den Abend mit Schwingerkollegen ausklingen und habe gut geschlafen. Da ich ein Schönwetterschwinger bin, war ich froh um den herrlichen Sommertag. Schön, hatte es so viele Zuschauer. Denn das ist an einem Südwestschweizer Schwingfest, je nach Austragungsort, nicht selbstverständlich. Das Wallis zählt viele Schwingerfreunde, und es herrschte eine gute Stimmung im Bäderdorf.»

Du hast deinen ersten Kranz 2015 gewonnen. Deine bisher stärkste Saison war die letztjährige?
«Ja, das ist so. Der Knopf ist mir 2018 regelrecht aufgegangen. Es sprach allerdings erst nicht viel dafür, da ich von Januar bis Mai in der Rekrutenschule war. In dieser Zeit konnte ich die meiste Zeit nur einmal pro Woche trainieren, und jeweils an den Wochenenden. In den letzten sechs RS-Wochen hatten wir einen anderen Kommandanten. Dieser brachte mehr Verständnis auf, und liess mich viermal pro Woche trainieren. Am Genfer Kantonalen gewann ich den ersten Saisonkranz, und anschliessend lief es von Fest zu Fest immer besser.»


Der Sieg am Walliser Kantonalen ist für Lario der erste Kranzfestsieg auf Südwestschweizer Boden
Bild: David Waser

Wie ist die Stimmung derzeit im Südwestschweizer Team?
«Wir haben es gut zusammen, und bei den Zusammenzügen läuft‘s gut.
Es ist leider schade, dass sich etliche Schwinger von unserem Verband verletzt haben. Dazu gehören Michel Dousse, Victor Cardinaux, Steven Moser oder Pascal Piemontesi. Das sind alles Schwinger, welche eine Chance hätten, am Eidgenössischen um den Kranz zu schwingen. Wir brauchen halt wirklich jeden.»

Mit welchem Rezept fandest du nach den verpassten Kränzen am Schwarzsee und am NOS beim Walliser Kantonalen wieder auf die Erfolgsstrasse zurück?
«Am Schwarzsee ist es dumm gelaufen, und letztendlich fehlte mir ein Vierteli. Den letzten Gang um den Kranz habe ich zwar gewonnen, leider ohne Maximalnote. Am Nordostschweizer Schwingfest bin ich gut gestartet. Dann fing es an zu harzen: Ich brachte gewisse Schwinger, die ich für den Kranz hätte bezwingen müssen, einfach nicht auf den Rücken. Ich bin bereits am Vortag nach Hallau gereist und war zum ersten Mal in dieser schönen Gegend.
Am Walliser Kantonalen hatte ich erst schwere Beine, und fühlte mich am Morgen nicht unbedingt gut. Ich konnte mich schliesslich auf meine Gegner einstellen. Zwar war es nicht das bestbesetzte Fest, trotzdem muss man die Gegner erst bezwingen. Grundsätzlich lief es in Martigny sehr gut und ich konnte zum ersten Mal ein Kranzfest in der Südwestschweiz gewinnen. Das war nämlich auch ein erklärtes Jahresziel von mir.»

Wie sieht dein gegenwärtiges Trainingsprogramm aus?
«Während der Wettkampfsaison trainiere ich drei bis viermal pro Woche. Mein Programm beinhaltet ein Krafttraining und zwei bis drei Schwingtrainings. Ich möchte im Training nicht meine Batterien leeren, und achte daher auf genügend Erholung. Im Winter wird mehr trainiert.»

An was wirst du bis zum ESAF in Zug noch verstärkt arbeiten?
«Ich fahre eigentlich mit meinem Trainingsplan so weiter. Nach einem Schwingfest wird analysiert und verlorene Gänge werden nochmals unter die Lupe genommen. Es geht allerdings nur um den Feinschliff. Die Schwünge und die Abläufe werden im Wintertraining näher angeschaut. Man versucht sich aber auch während der Saison stets zu verbessern.»

Welches sind deine nächsten Einsätze, und welche Ziele verfolgst du dabei?
«Meine nächsten Einsätze sind der Brünig- und der Schwägalp-Schwinget. Das Ziel ist der Kranz. Ich habe dieses Jahr noch kein auswärtiges Eichenlaub gewonnen, und auch noch keinen Bergkranz. Beide Kränze fehlen mir noch in der Sammlung. Es wäre schön, wenn ich mindestens einen der beiden Kränze holen könnte.»

feldwaldwiesenblogger

Nachgefragt bei Domenic Schneider, dem kräftigen Thurgauer

Text: feldwaldwiesenblogger / Bilder: Domenic Schneider

Domenic Schneider erreichte am vergangenen Sonntag im heissen Hallau den Schlussgang. Dort traf er auf Armon Orlik, welcher ihn nach mehr als vier Minuten bezwingen konnte. Dabei bewies «Dodo», wie er in der Ostschweiz auch genannt wird, dass er mit der absoluten (NOS)-Spitze mithalten kann.
Eine Woche nach der mageren Leistung am Schwarzsee konnten sich die Nordostschweizer an ihrem Teilverbandsfest problemlos durchsetzen. Von den acht Gästen holten gerade deren drei das begehrte Eichenlaub. Wobei man Remo Käsers Aufgabe wegen einer Nackenverletzung in Betracht ziehen muss.
Auffällig ist zudem die starke Gesamtleistung der Thurgauer Schwinger, welche im nördlichsten Schweizer Kanton neun Kränze gewannen. Zu diesem Team gehört auch Domenic Schneider. Von ihm wollte ich heute am Telefon wissen, wie er das Nordostschweizer Schwingfest erlebte, und ob die schwache Kranzausbeute der Nordostschweizer am Schwarzsee ein einmaliger Ausrutscher ist.


Domenic Schneider gewann in Hallau nebst dem NOS-Kranz das Rind Edelweiss

Nordostschweizer Schwingfest
Wie eingangs erwähnt, gewann Armon Orlik das Nordostschweizer Schwingfest in Hallau. Im Schlussgang triumphierte der Maienfelder gegen Domenic Schneider nach 4:42 Minuten mit Kurz und Nachdrücken am Boden. Dies in einem beidseits offensiv geführten Kampf, bei welchem Domenic den mittlerweile dreifachen NOS-Sieger einmal in eine äusserst brenzlige Situation brachte. Am Morgen startete Orlik mit einem «Gestellten» gegen Remo Käser. Anschliessend liess der Bündner Überschwinger nichts mehr anbrennen und bezwang der Reihe nach Lars Geisser, Lario Kramer, Roman Schnurrenberger und um die Schlussgangqualifikation den Thurgauer Oldie Stefan Burkhalter. In der Endabrechnung konnte sich Samir Leuppi auf dem Ehrenplatz einreihen. Im dritten Rang klassierte sich «Rückkehrer» Samuel Giger, dies nach einer achtwöchigen Verletzungspause.
Im schaffhausischen Hallau war man zu Gast in einer Weinregion. Aus diesem Grund wurde jede Tribüne mit dem Namen einer Traubensorte versehen. OK-Präsident René Regli und sein Team bereiteten mit zwei Trägervereinen (Männerriege Hallau und STV Hallau) sowie dem Schaffhauser Kantonalen Schwingerverband ein stimmungsvolles Ambiente in der «Chläggi-Arena». Die acht Gästeschwinger und die 150 Nordostschweizer Schwinger boten den 4‘200 Zuschauern offensiven und spannenden Schwingsport. Für beste folkloristische Unterhaltung wussten Lisa Stoll mit ihren Solo-Auftritten am Alphorn, die Rhyfall Jodler, der Jodelklub Randen und die Musikgesellschaft Hallau zu begeistern.

Domenic stand verdient im Schlussgang
Domenic stand in Hallau mit vier gewonnenen und einem gestellten Gang absolut verdient im Schlussgang. Unter die Verlierer reihte der Thurgauer Joel Strebel, Reto Koch, Nicola Wey und um den Schlussgang-Einzug Marcel Kuster. Einzig dem Innerschweizer Eidgenossen Erich Fankhauser musste er im zweiten Gang einen «Gestellten» zugestehen.
Im Schlussgang verhielt sich Orlik erst passiv, was Domenic auszunützen versuchte. Mit einem kräftigen Kurzzug und anschliessendem Nachdrücken am Boden brachte er den mittlerweile 17-fachen Kranzfestsieger an den Rand einer Niederlage. Dieser konnte sich aber dank seiner kräftigen Muskulatur befreien. Nach einem weiteren Kurz-Versuch von Domenic konterte Orlik ebenfalls mit Kurz und vervollständigte am Boden mit Nachdrücken zum Sieg.
Nachdem «Dodo» am Schwarzsee wie die meisten Nordostschweizer Kollegen eine bescheidene Leistung gezeigt hatte, drehte er am vergangenen Sonntag so richtig auf. Sein wuchtiger Kurz funktionierte wieder und bei den entscheidenden Gängen war er erfolgreich. Die Gesamtleistung brachte den Eidgenossen schliesslich auf den sehr guten dritten Schlussrang.

Mitglied beim Schwingklub Ottenberg
Domenics Geburtsdatum ist der 3. Juni 1994. Der 25-Jährige wohnt in Friltschen, ist ledig und hat mit seiner Lebenspartnerin Olivia eine gemeinsame Tochter (Leonie). Er weist mit seiner Grösse (179 Zentimeter) und seinem Gewicht (135 Kilogramm) kräftige Masse für den Schwingsport auf. Der Thurgauer machte eine Ausbildung zum Zimmermann und eine Zweitlehre als Landwirt. Derzeit arbeitet er auf dem elterlichen Bauernbetrieb in Friltschen. Nebst der Arbeit und dem Schwingsport bleibt noch etwas Zeit für den Turnverein Märwil und im Winter fürs Skifahren.
Domenic ist Mitglied beim Schwingklub Ottenberg, welcher dem Thurgauer Kantonalen Schwingerverband angehört. Bei diesem Schwingklub trifft er mit Samuel Giger, Stefan Burkhalter oder seinem Bruder Mario auf äusserst starke Sparringpartner.

Ein Kranzfestsieg und 42 Kränze auf seinem Konto
Domenic hat bisher 42 Kränze herausgeschwungen, darunter einmal Eidgenössisches Eichenlaub. Zudem feierte der gelernte Zimmermann 2015 am «Glarner-Bünder» in Näfels einen Kranzfestsieg. Weitere schöne Erfolge sind die drei Schwägalp-Kränze sowie die Bergkränze auf dem Brünig, der Rigi und dem Weissenstein.
Der bevorzugte Schwung ist der Kurz. Der Sennenschwinger schwingt seit 2003 und nahm sich im Jungschwinger-Alter Jörg Abderhalden zum Vorbild. Zum Schwingsport kam Domenic durch seinen älteren Bruder Mario und der Motivation der Eltern. Als Neunjähriger ging er zum ersten Schwingtraining. Dem mittlerweile fünffachen «Saisonkranzer» wurden keine Schwingergene in die Wiege gelegt. Sein Bruder und er sind die ersten Schwinger in der Familie.


Die starke Thurgauer Mannschaft, zu welcher auch Domenic gehört, gewann in Hallau neun Kränze

Herzliche Gratulation zum Erreichen des Schlussganges! Was ging dir hinterher durch den Kopf?
«Mein erster Gedanke war: Schade, dass ich verloren habe. Denn ich war dem Sieg sehr nahe.»

Würdest du heute mit einer anderen Taktik den Schlussgang in Angriff nehmen?
«Ich würde mit der gleichen Taktik vorgehen. Denn: Ich ging geladen in den Schlussgang und wollte gewinnen. Ein ‘Gestellter’ hätte mir nichts gebracht, darum war ich auf Angriff aus.»

Du hast die Endausmarchung souverän erreicht. Welcher Gang war für dich ein sogenannter «Schlüsselgang»?
«Einen Schlüsselgang gab es in dem Sinne nicht. Ich startete gut in den Wettkampf. Nach der Punkteteilung im zweiten Gang konnte ich wieder reüssieren und um den Schlussgang-Einzug konnte ich relativ schnell gewinnen. Ich wusste, wenn ich den fünften Gang gewinne, stehe ich im Schlussgang.»

Was für ein persönliches Fazit ziehst du vom Nordostschweizer Schwingfest?
«Ich ziehe ein sehr positives Fazit. Nach dem Schwarzsee-Schwinget kam ich ein wenig ins Grübeln. Am ‘NOS’ in Hallau hatte ich ein sehr gutes Gefühl und bin froh, dass wieder alles so gut funktioniert hat.»

Ist die schwache Kranzausbeute der Nordostschweizer am Schwarzsee ein einmaliger Ausrutscher?
«Ich hoffe doch sehr, dass es ein einmaliger Ausrutscher war. Einige unserer Spitzenleute fehlten am Schwarzsee. Trotzdem: Viele der anwesenden Spitzenleute zogen tatsächlich keinen guten Tag ein. Unter der Woche haben wir im Schwingklub darüber gesprochen. Uns ist bewusst, dass wir daran nichts mehr ändern können. Deshalb: Vorwärts schauen, und zeigen, was wir wirklich können.»


Domenic zieht mit Kurz, seinem Paradeschwung, den Zürcher Nicola Wey

Du hast deinen ersten Kranz 2011 gewonnen. Welches war deine bisher stärkste Saison?
«Die Saison 2017, als ich neun Kränze gewann. Das war für mich ein sehr spezielles Jahr. Der Berner-, der Brünig- und der Schwägalp-Kranz stellen für mich dabei Highlights dar.»

Bist du mit deiner am NOS gezeigten Leistung bereit für den zweiten Kranzfestsieg?
Domenic lacht. «Wenn es so läuft wie in Hallau, bin ich nicht mehr weit weg, erneut ein Kranzfest zu gewinnen. Ich denke, ich bin auf dem richtigen Weg. Zudem stimmt das Gefühl.»

Wie sieht dein gegenwärtiges Trainingsprogramm aus?
«Ich absolviere wöchentlich drei Schwingtrainings, nämlich am Montag, Mittwoch und Freitag. Dabei handelt es sich um ein Schwingklub- und zwei Thurgauer Kantonal-Trainings. Am Donnerstag bestreite ich zusätzlich ein Kraft- und Konditionstraining.»

Mit neun Kränzen in Hallau haben die Thurgauer eine starke Leistung gezeigt. Was macht euch so stark?
«Wir absolvieren gemeinsam am Montag und Freitag mit vielen starken Schwingern gute Trainings. Wir verfügen über einen guten Teamgeist und gönnen einander die Erfolge. Wir freuen uns miteinander und bauen uns gegenseitig auf, wenn’s mal nicht so gut gelaufen ist.»

Welches sind deine nächsten Einsätze, und was nimmst du dir dabei vor?
«Am kommenden Sonntag bestreite ich das Appenzeller Kantonalschwingfest in Stein, und eine Woche später trete ich auf der Rigi an. Mein Ziel ist es, an beiden Orten den Kranz zu gewinnen. Weiter bin ich am Nordwestschweizer Schwingfest anfangs August Gast. Ich möchte in Wittnau natürlich auch den Kranz gewinnen.»

feldwaldwiesenblogger

Das OK ist bereit und freut sich auf das Schwyzer Kantonale Schwingfest 2020 in Muotathal

Text und Foto: Pascal Betschart (Medienchef «Schwyzer Kantonales 2020») / Bearbeitung: feldwaldwiesenblogger

«Schwyzer Kantonales» zum 13. Mal in Muotathal
Das nächste Schwyzer Kantonale Schwing- und Älplerfest findet am 17. oder 21. Mai 2020 auf der Stumpenmatt in Muotathal statt.
Der Schwingklub Muotathal organisiert den Grossanlass bereits zum 13. Mal und ist voller Vorfreude. Das erfahrene Organisationskomitee unter der Leitung von Richard Föhn wird alles unternehmen, um den Schwingern und allen Festbesuchern ein schönes, bodenständiges und unvergessliches Schwingfest zu bieten.
Das OK bedankt sich bei allen Sponsoren, Gabenspendern sowie bei der Gemeinde Muotathal und allen fleissigen Helfern bereits jetzt schon für ihre grossartige Unterstützung.

Website bereits aufgeschaltet
Auf der Webseite www.schwyzer2020.ch werden laufend Informationen und Neuigkeiten über den kommenden Ehrentag der Schwyzer Schwinger preisgegeben.


Bild OK: Von links, Peter Betschart (Gabenchef), Markus Betschart (Finanzen), Wendelin Schelbert (Unterhaltung), Maurus Föhn (Protokoll/Homepage), Beat Suter (Steinstossen), Ady Föhn (Sponsoring), Pascal Betschart (Presse), Werner Betschart (Gabenchef-Stv.), Edgar Betschart (Sicherheit/Verkehr), Pius Suter (Dekoration), Christian Föhn (Festwirtschaft), Manfred Betschart (Festführer), Richard Föhn (OK-Präsident), Roland Gwerder (Speaker), René Schelbert (Vize-Präsident), Markus Rohrer (Baukomitee), Stefanie Betschart (Sekretärin) und Karl Heinzer (Empfang).
Es fehlen Philipp Schelbert (Rechnungsbüro) und Ernst Betschart (Schwingkomitee).

feldwaldwiesenblogger

Nachgefragt bei Simon Anderegg, dem grossen Berner Routinier

Text: feldwaldwiesenblogger

Simon Anderegg stand am vergangenen Sonntag verdient im Schlussgang des Schwarzsee-Schwingets. Das zweite Bergkranzfest der laufenden Saison gewann aber sein Teamkollege Matthias Aeschbacher. Der Emmentaler bezwang den Berner Oberländer buchstäblich in der letzten Minute. Auch wenn im ersten Gang die Vorzeichen noch etwas anders standen, wurde der Bergschwinget im Freiburgischen fast zu einer reinen Berner Angelegenheit. Zumindest an der Spitze: Gewannen die «Mutzen» doch 13 der 14 abgegebenen Kränze. Eine wahre Machtdemonstration!
Im nachfolgenden Beitrag möchte ich aber nicht (gross) auf die Stärke der Berner eingehen, sondern die Leistung des «Schlussgang-Verlierers» würdigen. Denn Simon erreichte diese mit fünf gewonnenen Gängen. Heute führte ich mit dem Cousin von Schwingerkönig Matthias Glarner ein spannendes Telefongespräch. Dabei wollte ich von ihm unter anderem wissen, wie er den Schwarzsee-Schwinget erlebte, und ob die Berner auch am «Eidgenössischen» so parat sein werden.


Simon Anderegg gewann letztes Jahr auf dem Brünig den 100. Kranz und wurde danach von seinen Team-Kollegen Kilian Wenger und Florian Gnägi geschultert
Bild: Jungfrau Zeitung

Schwarzsee-Schwinget
Matthias Aeschbacher triumphierte am Schwarzsee-Schwinget zum ersten Mal überhaupt an einem Bergkranzfest. Das Mitglied vom Schwingklub Sumiswald zog einen bärenstarken Tag ein und räumte auf dem Weg in den Schlussgang Benjamin Gapany, Augustin Brodard, David Dumelin und Niklaus Zenger weg. Einzig im zweiten Gang musste Matthias dem St. Galler Daniel Bösch einen «Gestellten» zugestehen. Laut offizieller Angabe gewinnt Matthias Aeschbacher nach 11 Minuten und 26 Sekunden mit seinem berühmt berüchtigten Inneren Haken einen taktisch geprägten Schlussgang.
Der Schwarzsee-Schwinget fand bei strahlendem Sonnenschein statt, und wurde von 4’100 Zuschauern besucht. Wie eingangs erwähnt standen die Berner den ganzen Tag an vorderster Front und diktierten das Geschehen auf den drei Sägemehlringen. Trotz verpasstem Kranz von Schwingerkönig Kilian Wenger und dem Fehlen von Matthias Glarner, oder dem immer noch rekonvaleszenten Christian Stucki: Die jungen «Mutzen» wie Fabian Staudenmann, Kilian von Weissenfluh, Michael Wiget oder Patrick Gobeli drängen nun definitiv an die Spitze. Der einzige Nicht-Berner Kranzgewinner ist Daniel Bösch, der Unspunnen-Sieger von 2011. Das sagt doch einiges zur Momentaufnahme am Schwarzsee.

Simon stand verdient im Schlussgang
Der grosse Berner Routinier stand beim Schwarzsee-Schwinget mit fünf gewonnenen Gängen verdient im Schlussgang. Übrigens: Simon gewann diesen Traditionsanlass 2011, als Co-Sieger zusammen mit Bruno Gisler und Thomas Zaugg. Im Schlussgang bodigte er damals den Nordwestschweizer Gast Bruno Gisler. Auf dem Weg in die diesjährige Endausmarchung bezwang der Berner Oberländer der Reihe nach Tobias Krähenbühl, Werner Schlegel, Thomas Koch, Stefan Gäumann und Remo Käser. Die Jungfrau Zeitung schreibt dazu: «Es hat nicht viel gefehlt und der Berner Oberländische Schwingerverband hätte einen Doppelsieg am Bergkranzfest Schwarzsee feiern können. Hätte Simon Anderegg den Schlussgang gegen Matthias Aeschbacher gestellt, er wäre gemeinsam mit Jonas Lengacher Festsieger geworden. Doch in der letzten Minute muss sich der Unterbächler Anderegg dem Emmentaler Aeschbacher geschlagen geben. «Er hat mich sauber erwischt. Am Ende hat mir der Schnauf gefehlt», sagt Anderegg.»

Am Schwarzsee den 105. Kranz (!) herausgeschwungen
Simons Geburtsdatum ist der 17. April 1986. Der 33-Jährige wohnt in Unterbach, ist ledig und weist mit seiner Grösse (181 Zentimeter) und seinem Gewicht (109 Kilogramm) gute Masse für den Schwingsport auf. Der Unterbächler machte eine Ausbildung zum Landwirt und zum Zimmermann. Derzeit arbeitet er bei einem Betrieb in Meringen als Zimmermann. Nebst der Arbeit und dem Schwingsport bleibt nicht mehr viel Zeit für andere Tätigkeiten. Im Winter besucht Simon gerne Hockey-Spiele vom SC Bern.
Der Berner ist Mitglied beim Schwingklub Meiringen, welcher dem Oberländischen Schwingerverband angehört. Er hat bisher 105 Kränze herausgeschwungen, darunter dreimal Eidgenössisches Eichenlaub.

Wichtige Stütze im Berner Team
Obwohl etwas im Schatten der ganz Grossen, ist Simon eine wichtige Stütze im Berner Team. Zu seinen grössten Erfolgen zählt der Sennenschwinger den Sieg am Schwarzsee-Schwinget (2011) sowie drei Gauverbands-Festsiege. Weiter die drei Eidgenössischen Kränze und der 100. Kranz letztes Jahr auf dem Brünig, welcher für ihn ein ganz spezieller Moment war.
Die bevorzugten Schwünge sind der Übersprung und der Kurz, diese kommen am häufigsten zur Anwendung. Simon schwingt seit 1994 und nahm sich im Jungschwinger-Alter Jörg Abderhalden und Thomas Wittwer als schwingerische Vorbilder. Zum Schwingsport kam der gelernte Zimmermann durch seinen Vater, einen ehemaligen Schwinger. Als Achtjähriger ging Simon gemeinsam mit seinem Cousin Matthias Glarner zum ersten Schwingtraining. Seit damals schwingen und trainieren die beiden zusammen. Dem Berner Oberländer wurden die Schwingergene in die Wiege gelegt. Denn sein Vater und Grossvater haben bereits geschwungen.


Nach dem Sieg gegen Tobias Krähenbühl im ersten Gang machte es bei Simon «Klick»
Bild: Simon Anderegg

Herzliche Gratulation zum Erreichen des Schlussganges! Was ging dir hinterher durch den Kopf?
«Ich nahm mir für den Schlussgang etwas anderes vor und ich war nicht so aktiv, wie ich wollte. Ich war enttäuscht und es folgte eine kurze Leere. Als ich aber dann auf den erfolgreichen Tag zurückblickte, war ich insgesamt sehr zufrieden.»

Würdest du heute mit einer anderen Taktik den Schlussgang in Angriff nehmen?
«Die Taktik war schon die richtige. Ein Zweikampf ist aber immer auch gegnerabhängig. Matthias griff stark und ich fühlte mich nicht so wohl dabei. Ich hätte mehr machen müssen, nur schon deswegen, damit ich bei einem Gestellten eine Neun geschrieben bekommen hätte. Das ist aber jeweils schwierig. Ich hätte versuchen müssen, vielseitiger zu schwingen.»

Du hast die Endausmarchung souverän erreicht. Welcher Gang war für dich ein sogenannter «Schlüsselgang»?
«Der erste Gang gegen Tobias Krähenbühl war einerseits wichtig. Tobias ist schwierig zu gewinnen und liegt mir nicht so. Ich konnte ihn aber beim zweiten Zusammengreifen bezwingen, und es machte bei mir Klick und brachte alles ins Rollen. Der fünfte Gang gegen Remo Käser war ebenfalls entscheidend. Der Sieg brachte mir die Schlussgang-Teilnahme ein. Bei diesem Gang habe ich sehr offen geschwungen.»

Was für ein persönliches Fazit ziehst du vom Schwarzsee-Schwinget?
«Ein sehr positives. Ich hatte bisher eine durchzogene Saison, die bisherigen Schwingfeste liefen noch nicht optimal und ich war nicht zufrieden mit der schwingerischen Leistung. Am Schwarzsee ging es gut und ich bin sehr froh, dass ich dort eine gute Leistung abliefern konnte. Ich bin insgesamt sehr zufrieden mit dem Schwarzsee-Schwinget.»

Werden die Berner nach der Machtdemonstration am Schwarzsee auch am «Eidgenössischen» in Zug so parat sein?
Simon lacht. «Vom Nordostschweizer Team haben die beiden Aushängeschilder und der eine oder andere Eidgenosse gefehlt. Unsere jungen Schwinger haben sehr grosse Fortschritte gemacht und sind nun fähig, wichtige Gänge zu gewinnen. Für uns Arrivierten ist das gut, dass wir solch aufstrebende Schwinger im Rücken haben. Die absoluten Topfavoriten sind wir in Zug zwar nicht, aber mit unserem Team ist zu rechnen.»


Im vierten Gang reihte Simon den Berner Kollegen Stefan Gäumann unter die Verlierer
Bild: Simon Anderegg

Du hast deinen ersten Kranz 2003 gewonnen. Welches war deine bisher stärkste Saison?
«Ich denke, das war jene im Jahr 2013, als das ESAF in Burgdorf war. Ich habe damals das Emmentalische gewonnen und erreichte noch weitere Schlussgänge. Die letztjährige Saison mit neun Kränzen war sicher auch stark. Das zu messen ist schwierig, aber ich schätze die 2013er-Saison als meine stärkste ein.»

Was meinst du, bist du mit deinen 33 Jahren reif für den zweiten Bergkranzfest-, respektive den ersten Teilverbandsfest-Sieg?
Simon grinst. «Reif wäre ich für das schon länger. Es wäre natürlich schön, wenn ich so einen wichtigen Sieg erreichen könnte. Als Hasler ist es sicher ein Traum, auf dem Brünig im Schlussgang zu stehen. Aber: Es muss an so einem Tag einfach alles stimmen, und es bleibt eine zähe Angelegenheit.»

Wie sieht dein gegenwärtiges Trainingsprogramm aus?
«Pro Woche absolviere ich zwei bis drei Schwing-Trainings und zwei bis drei Kraft-/Ausdauer-Einheiten. Je nachdem, ob am Wochenende ein Schwingfest ansteht, wird das Trainingsprogramm angepasst. Unter einem Training kann man natürlich einiges verstehen. In einer Schwingfestwoche ist eine Konditionseinheit mit dem Velo oder gutes Dehnen schon ein gutes Training. Dazu gehört auch Techniktraining im Schwingkeller. Zudem: Vor einem Schwingfest möchte man natürlich frisch, und nicht ausgebrannt sein.»

Wie oft trainierst du mit deinen Berner Oberländer Kollegen, und wie oft mit dem Berner Team fürs Eidgenössische in Zug?
«Mit meinen Oberländer Kollegen bestreite ich jeweils am Dienstag ein Schwingtraining. Mit dem Berner Team trafen wir uns im Winter bis in den Frühling hinein jede zweite Woche zum gemeinsamen Training. Momentan sind es wegen den Schwingfesten eher unregelmässige Trainingszusammenzüge, etwa einmal im Monat.»

Welches sind deine nächsten Einsätze, und was nimmst du dir dabei vor?
«Der nächste Kranzfest-Einsatz ist am Oberländischen Schwingfest in Interlaken (14. Juli). Eventuell bestreite ich vorher noch ein Regionalschwingfest. In Interlaken ist es mein Ziel, in den Schlussgang zu kommen. Dieses Jahr bin ich an keinem Teilverbandsfest Gast. Das nächste Kranzfest nach dem Oberländischen ist bereits der Brünig-Schwinget. Auf dem Brünig gewann ich bisher zehn Kränze, der elfte ist mein Ziel. Wie bereits angesprochen wäre es schön, dort in den Schlussgang vorzustossen. Möglich ist es, es muss aber alles stimmen und es braucht einen Top-Tag.»

feldwaldwiesenblogger

Nachgefragt bei Sandro Schlegel, dem starken Prättigauer

Text: feldwaldwiesenblogger / Bilder: Sandro Schlegel

Sandro Schlegel stand am vergangenen Sonntag im Schlussgang des Bündner-Glarner Kantonalen in Cazis. Dort traf er auf seinen Bündner Teamkollegen Armon Orlik, welcher auch ihn unter die Verlierer reihte. Dies ist aber beim aktuellen Formstand von Überschwinger Orlik absolut keine Schande. Vielmehr möchte ich im nachfolgenden Beitrag Sandro’s Leistung und den verdienten Schlussgang-Einzug würdigen.
Heute führte ich mit dem Prättigauer ein interessantes Telefongespräch. Dabei wollte ich von Sandro unter anderem wissen, wie er das Schwingfest in Cazis erlebte und ob der Eidgenössische Kranz in Zug drin liegt.


Verdient den «Bündner-Glarner» Kranz in Cazis gewonnen

Bündner-Glarner Kantonalschwingfest in Cazis
Sieger des «Bündner-Glarner» wurde mit sechs gewonnenen Gängen Armon Orlik. Medienchefin Rosmarie Nef schreibt zu diesem Schwingfest: «Der Maienfelder feierte vor 2’900 Zuschauern den vierten Festsieg in Serie beim eigenen Kantonalfest. Ebenso gewinnt Orlik bereits sein viertes Kranzfest der laufenden Saison. In Cazis gelingt dem 24-Jährigen der Sieg im Schlussgang gegen seinen Verbandskollegen Sandro Schlegel, welcher sich die Schlussgangteilnahme mit einem Sieg über den Eidgenossen Marcel Kuster verdiente. Von den acht angetretenen Eidgenossen kämpften nicht alle gleich glücklich. Der Appenzeller Michael Bless musste sogar ohne Kranz die Heimreise antreten.
Orlik liess schon beim Anschwingen erahnen, dass der Sieg in Cazis nur über ihn führt. Er bodigte den Zürcher Samir Leuppi bereits im ersten Zug. Nicht besser erging es den nächsten Gegnern, darunter der Glarner Roger Rychen und der Appenzeller Raphael Zwyssig, welche sich allesamt das Sägemehl vom Rücken putzen lassen mussten. Im Schlussgang gegen Schlegel war zu Beginn etwas Abtasten Trumpf, kennen sich doch die beiden derzeit besten Bündner Schwinger von vielen gemeinsamen Trainings sehr gut. In der zweiten Minute ergriff Orlik die Initiative und besiegte seinen Gegner mit Kurz. Der Fideriser Sandro Schlegel belegte schlussendlich den vierten Schlussrang. Auf dem Ehrenplatz klassierte sich, wie bereits am Pfingstmontag in Glarus, Roger Rychen, gefolgt von Tobias Riget aus Schänis. Gemeinsam mit Schlegel auf Rang vier folgen der Winterthurer Samir Leuppi sowie der Näfelser Reto Landolt.»

Sandro stand überraschend im Schlussgang
Sandro stand in Cazis etwas überraschend zum zweiten Mal in einem Kranzfest-Schlussgang. Diesen erreichte er mit einer starken Leistung, das Notenblatt zierten vier Siegkreuzchen und eine Niederlage. Der Prättigauer schreibt dazu auf seiner Facebook-Seite: «Am letzten Sonntag durfte ich ein erfolgreiches Schwingfest in Cazis geniessen. Mit dem ersten gewonnen Gang gegen David Dumelin startete ich gelungen in den Wettkampf. Im zweiten Gang gegen Roger Rychen musste ich die erste Niederlage hinnehmen. Danach folgten zwei Siege mit der Maximalnote Zehn über Marc Hänni und den jungen Toggenburger Werner Schlegel. Im fünften Gang wurde mir der Appenzeller Eidgenosse Marcel Kuster zugeteilt. Nach kurzer Gangdauer konnte ich ihn mit einem Kurz gewinnen und mich für den Schlussgang qualifizieren. Der Schlussganggegner lautete Armon Orlik, der seiner Favoritenrolle gerecht wurde und mich in der zweiten Minute mit Kurz bezwang. Ich bin mit meinen Leistungen sehr zufrieden und bedanke mich herzlich für eure Unterstützung.»

Bisher 20 Kränze herausgeschwungen
Sandros’s Geburtsdatum ist der 23. Mai 1990. Der 29-Jährige wohnt in Fideris, ist ledig und weist mit seiner Grösse (185 Zentimeter) und seinem Gewicht (108 Kilogramm) gute Masse für den Schwingsport auf. Der Fideriser erlernte den Zimmermann-Beruf und arbeitet heute als
Lieferschreiner bei der Möbel Pfister AG in Mels. Nebst dem Schwingsport unternimmt Sandro in der spärlichen Freizeit gerne etwas mit seinen Kollegen.
Der Bündner ist Mitglied beim Schwingklub Prättigau, welcher dem Bündner Kantonalen Schwingerverband angehört, und hat bisher 20 Kränze (19 Kantonal- und 1 Teilverbandskranz) herausgeschwungen. Zu seinen grössten Erfolgen zählt der Sennenschwinger die beiden ESAF- und die Unspunnen-Teilnahme, sowie die beiden Kranzfest-Schlussgänge (beide am «Bünder-Glarner»).
Die bevorzugten Schwünge sind der Kurz und der Fussstich. Sandro schwingt seit 2001 und benennt als schwingerisches Vorbild Jörg Abderhalden. Zum Schwingsport kam der gelernte Zimmermann durch seinen Vater. 2001 verfolgten sie gemeinsam am TV das ESAF in Nyon. Anschliessend fragte der Jungspund, welcher sich schon damals gerne mit Gleichaltrigen auf dem Pausenplatz mass, nach einer Trainingsmöglichkeit in der Umgebung. Diese wurde dann beim Schwingklub Prättigau gefunden. In den Adern des Bündners fliesst kein «Schwingerblut». Sandro ergänzt: «So viel ich weiss, bin ich der erste in der Familie, der schwingt.»


Der Sieg im ersten Gang gegen David Dumelin war die sogenannte Initialzündung

Herzliche Gratulation zum Erreichen des Schlussganges! Was ging dir hinterher durch den Kopf?
«Ich dacht mir: Schade, einmal mehr einen Schlussgang verloren. Inzwischen der sechste verlorene Schlussgang in meiner bisherigen Karriere.»

Würdest du heute mit einer anderen Taktik den Schlussgang in Angriff nehmen?
Sandro lacht. «Nein, ich würde es gleich machen und würde wieder versuchen, in die Offensive zu schreiten.»

Du hast die Endausmarchung souverän erreicht. Welcher Gang war für dich ein sogenannter «Schlüsselgang»?
«Das war der erste Gang gegen David Dumelin. Der Sieg über ihn war die sogenannte Initialzündung für mich an diesem Tag.»

Was für ein persönliches Fazit ziehst du vom «Bündner-Glarner»?
«Wenn es gut läuft, kann ich sogar einen Eidgenossen bezwingen. Die Form stimmt und ich konnte in Cazis Selbstvertrauen tanken. Ich denke, ich kann zuversichtlich so weiterfahren.»

Du hast deinen ersten Kranz 2007 gewonnen. Welches war deine bisher stärkste Saison?
«Das ist eine gute Frage. Aus meiner Sicht war es die Saison 2017, wo ich drei Kränze gewann und dreimal mir ein Viertelpunkt für weitere Kränze fehlten. Ich konnte mich damals für den Unspunnen-Schwinget qualifizieren.»


Mit dem Sieg über den Eidgenossen Marcel Kuster sicherte sich Sandro die Schlussgang-Teilnahme

Mit deiner Leistung in Cazis hast du bewiesen, dass der Eidgenössische Kranz auch für dich drin liegt. Wie siehst du das?
«Ich denke, ich muss das relativieren. In Cazis hatte ich einen guten Tag, beim ESAF braucht’s aber zwei gute Tage. Im Moment schwirren keine Gedanken wegen diesem Kranz herum. Denn: Am St. Galler Kantonalen fehlte mir das berüchtigte Vierteli für den Kranz. Hingegen zog ich am Glarner-Bündner und am Bündner-Glarner einen guten, respektive einen sehr guten Tag ein. Vom Eidgenössischen Kranz träumen darf man natürlich. Bevor man dieses Eichenlaub gewinnt, sollte man halt schon einen Bergkranz gewinnen. Um zu zeigen, dass man bereit ist.»

Was meinst du, bist du mit deinen 29 Jahren und bisher sechs Schlussgang-Einzügen nun reif für den ersten Schwingfestsieg?
«Ich denke, nach sechs Schlussgang-Niederlagen wäre es mal an der Zeit, dass ich ein Schwingfest gewinne. Denn das ist schon ein Teilziel meiner Karriere.»

Wie sieht dein gegenwärtiges Trainingsprogramm aus?
«Im Moment absolviere ich zwei Schwing-, zwei Kraft- und eine Ausdauereinheit pro Woche. Wenn ein Schwingfest ansteht, wird das Trainingsprogramm dementsprechend angepasst.»

Wie oft trainierst du mit Team-Kollege Armon Orlik? Und: Wie profitierst du von seiner Klasse?
«Ich trainiere pro Woche ein- bis zweimal mit ihm zusammen beim Schwingtraining. Dabei kann ich sehr von Armon profitieren. Es ist super, dass wir so einen Schwinger von seiner Klasse in unserem Verband haben. Schwingtechnisch kann man einiges von ihm lernen.»

Was nimmst du dir für deinen nächsten Einsatz, dem Nordostschweizer Schwingfest in Hallau, vor?
«Ich möchte den Schwung von Cazis nach Hallau mitnehmen. Es ist ein neues Fest, alles fängt wieder bei null an. Ich nehme mir vor, bereit zu sein. Mein Ziel ist, den Kranz zu gewinnen.»

feldwaldwiesenblogger

Noe van Messel – Das 17-jährige Zuger Riesentalent

Text: feldwaldwiesenblogger

Nebst Pirmin Reichmuth und Marcel Bieri sorgt noch ein anderer Zuger derzeit in der Innerschweiz für viel Furore: Das Riesentalent Noe van Messel vom Schwingklub Ägerital. Nach drei Kantonalkränzen legte er am vergangenen Pfingstmontag auf dem Stoos nach und sicherte sich sensationell seinen ersten Bergkranz. Und das mit erst 17 Jahren!
Wer aber ist dieser «Newcomer» Noe van Messel, dessen Namen eher auf einen holländischen Stürmerstar schliessen lässt?
Gestern Donnerstag führte ich mit dem Kanti-Schüler ein äusserst interessantes Telefongespräch. Im folgenden Beitrag versuche ich dem 17-jährigen Zuger etwas auf die Spur zu kommen.

Holländische Abstammung
Noe’s Grosseltern zogen vor etlichen Jahren von Holland in die Schweiz und liessen sich hier nieder. Er selber hat keinen holländischen Pass, und ergänzt: «Es bleiben der holländische Namen und die Wurzeln.» Noe stammt von Oberägeri, und wohnt dort. Das Geburtsdatum des Sennenschwingers ist der 25. Januar 2002.
Noe hat bereits vier Kränze auf seinem Konto, drei Kantonalkränze und seit Pfingstmontag den Stoos-Kranz. Die vier Kränze stammen alle aus dieser Saison. Der Zuger hat die Qualifikation fürs Eidgenössische also bereits im Sack.

2018 Kreuzbandriss erlitten
Der Übertritt von den Jungschwingern zu den Aktiven erfolgte letztes Jahr. Die Saison endete für den 17-Jährigen aber bereits am 24. März beim Hallenschwinget Engelberg, wo er sich das Kreuzband und den Innenminiskus am linken Knie riss. Da die Verletzungspause gut zehn Monate dauerte, war an eine Teilnahme beim ENST in Landquart nicht zu denken.
Als Jungschwinger gewann Noe an jedem angetretenen Schwingfest den Zweig. Genau weiss er es nicht mehr, aber es müssen um die 65 bis 70 Auszeichnungen sein. Weiter zieren 22 Festsiege an Jungschwingertagen den Palmarès des Oberägerers.

Das ESAF 2010 in Frauenfeld als Startschuss
Noe ist momentan Kanti-Schüler und hat bis zum Abschluss noch ein Jahr zu absolvieren. Nebst dem Schwingsport treibt der vierfache Kranzschwinger ganz allgemein viel Sport. Dazu gehören Rudern, Biken und Skifahren. Zudem verbringt der Teenager auch gerne Zeit mit seinen Kollegen.
Noe weist mit seinen 190 Zentimeter Grösse und einem Gewicht von 110 Kilogramm Traummasse für den Schwingsport auf. Ihm wurden keine Schwingergene in die Wiege gelegt. Praktisch alle aus seiner Familie frönen in erster Linie dem Skisport. Noe ist der erste, welcher sich dem Schwingsport verschrieben hat. Er sagt dazu: «Ich war schon immer der Zweikampf-Typ. Das ESAF 2010 in Frauenfeld verfolgte ich vor dem TV-Apparat und wusste damals, dass ich künftig auch schwingen möchte. Im Januar 2011 nahm ich als 9-Jähriger das Schwingtraining beim Schwingklub Ägerital auf, und blieb diesem Sport bis heute treu.»


Mit erst 17-Jahren den Stoos-Kranz gewonnen!
Bild: Noe van Messel

Die bisherige Saisonbilanz ist sensationell. Wie erklärst du das?
«Ich konnte im letzten Jahr trotz Verletzungspause sehr gut Kraft und Kondition trainieren. Körperlich bin ich deshalb sehr weit. Seit ich das Schwingtraining wieder aufnahm, habe ich grosse Fortschritte gemacht, auch bei der Bodenarbeit. Zusammen mit meinem Trainer Franz Föhn habe ich intensiv an den Grundlagen und an der Schwingtechnik gearbeitet.»
Das wettkampfmässige Schwingtraining nahm Noe Ende Januar wieder auf. Die Früchte der intensiven Arbeit sind die vier Saisonkränze. Der Teenager ist talentiert, weiss aber, dass ein gutes Training und die Unterstützung vom Umfeld das Wichtigste sind.

Der Stoos-Kranz ist das bisherige Sahne-Häubchen. Wie verlief dieser Bergschwinget für dich?
«Ich bin mit dem Ziel hoch, sechs Gänge schwingen zu können. Meinen Gegner im ersten Gang, Lars Voggensperger, kenne ich aus Jungschwingerzeiten. Der Sieg über ihn verlieh mir zusätzliche Motivation. Im zweiten Gang konnte ich David Anderegg bezwingen. Dies gab mir richtiggehend Auftrieb. Gegen Nick Alpiger verlor ich leider im ersten Zug, das ging zu schnell. Diese Niederlage habe ich aber relativ schnell abgehakt. In den wichtigen Momenten war ich extrem effizient. Im letzten Gang, als es um den Kranz ging, zog Patrick Schenk mit Kurz an, und ich konnte ihn abhüftern. Der Tag lief für mich perfekt.»

Wie sieht dein derzeitiger Trainingsaufwand aus?
«Pro Woche wende ich 13 bis 15 Stunden fürs Training auf. Das umfasst zwei bis drei Schwingtrainings und drei bis vier Krafttrainingseinheiten. Je nachdem, ob ein Schwingfest am Wochenende ansteht, wird das Programm dementsprechend angepasst.»

Welches sind deine bevorzugten Schwünge?
«Den Kurz mache ich viel und gern, er ist ein extrem guter Schwung. Je nach Gegner passe ich aber meine Schwingweise an. Ich lege sehr viel Wert auf Variantenreichtum, und dass ich beidseitig, also links und rechts schwingen kann.»


Noe (oben) legt Lars Voggensperger ins Sägemehl
Bild: Tobias Meyer

Du hast bereits vier Saisonkränze auf dem Konto. Welche Ziele hast du noch für 2019?
«Mein grösstes Ziel habe ich erreicht, nämlich dass ich gesund bin. Das Ziel ist es, weiterhin gesund zu bleiben. Ich möchte das Innerschweizerische und das Eidgenössische geniessen und dabei möglichst viele Gegner auf den Rücken legen. Ich will eine gute Show zeigen und versuche, an diesen Tagen meine Bestleistung abzurufen.»

Welche Saisonhighlights stehen neben dem Eidgenössischen noch auf deinem Programm?
«Ich freue mich sehr aufs Innerschweizerische in Flüelen. Ein grosses Highlight neben dem Stoos-Schwinget, für welchen ich nachträglich selektioniert wurde. Ich freue mich aber auch auf die kommenden Rangschwingfeste. Die grössten Highlights, die noch auf dem Programm stehen, sind das ISAF und das ESAF.»

Provokative Prognose: «Du gewinnst in Zug mit erst 17 Jahren den Eidgenössischen Kranz!»
«Das wäre natürlich der Hammer. Mein primäres Ziel ist aber, beide Tage schwingen zu können. Der Kranz wäre natürlich schön. In erster Linie geht es aber darum, Erfahrungen zu sammeln und die Atmosphäre geniessen zu können. Es ist für uns Zuger etwas Besonderes, am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest im eigenen Kanton teilnehmen zu können.»

Wie bereitest du dich jeweils auf einen Gang vor?
«In erster Linie gut aufwärmen, um gesund zu bleiben. Da ich die Schwinger noch nicht so gut kenne, konsultiere ich meine Kollegen über die Gegner. Dann geht es darum, sich mental vorzubereiten und auf den Gang zu fokussieren. Dabei hat das Aufwärmen für mich einen wirklich grossen Stellenwert.»


Noe (links) zieht Andreas Döbeli mit Kurz an
Bild: Tobias Meyer

Wie bestreitest du einen Gang, eher taktisch oder eher aus dem Bauch heraus?
«Es kommt darauf an, welchen Gegner ich zugeteilt bekomme. Ich gehe auf den Platz und gebe mein Bestes. Ich will immer gewinnen, das ist meine Devise. Dabei ist es möglich, dass ich zu viel riskiere und verliere. Man darf natürlich nicht kopflos in einen Gang gehen. Meine Einstellung ist aber, dass ich auf den Platz gehe und gewinnen will.»

Deine Schwingweise sieht einerseits locker, andererseits aber sehr zielorientiert aus. Wie kommt das, mit erst 17 Jahren?
«Es freut mich, dass es locker aussieht. Meine Schwingweise ist aber eher streng. Ich habe viel an der Technik meiner Schwünge gearbeitet. Da ich körperlich relativ weit bin, habe ich einen Vorteil gegenüber Gleichaltrigen.»

Was bedeutet dir der Schwingsport?
«Sehr viel! Ich stecke sehr viel in diesen Sport, und man lernt dabei sehr viele Leute kennen. Weiter schätze ich die Kameradschaft untereinander. Schwingen ist schön zuzuschauen, aber noch schöner, es selber zu tun. Der Schwingsport verkörpert zudem sehr schön die Werte der Schweiz.»

feldwaldwiesenblogger

Nachgefragt bei Michael Wiget, dem grossen Berner Talent

Text: feldwaldwiesenblogger / Bilder: Michael Wiget

Den Namen Michael Wiget haben vor dieser Saison wohl nur wenige Schwingerfreunde gekannt. Seit diesem Frühling weiss man, dass hier ein grosses Berner Talent heranreift. Der junge Sennenschwinger hatte vor dieser Saison erst einen Kranz auf seinem Konto, welcher aus dem Jahr 2015 datiert ist (Seeländisches Schwingfest in Vinelz).
Nach diversen Verletzungen und einem Unterbruch von drei Jahren zeigte Michael am Worblentaler Hallenschwinget eine sensationelle Vorstellung. Er gewann diesen souverän und bodigte dabei die beiden Eidgenossen Thomas Sempach und Willy Graber. Kurz darauf landete der Rückkehrer am Frühjahrschwinget Ibach auf dem zweiten Schlussrang und schon wieder standen zwei besiegte Eidgenossen auf dem Notenblatt: Christian Schuler und Philipp Gloggner. Stoppen konnte ihn dort nur der spätere Sieger Mike Müllestein.
Danach wurde es etwas ruhiger um Michael. Die Knieverletzung von letztem Jahr machte sich wieder bemerkbar, und zwang ihn zu einer Pause. Der 20-Jährige konnte glücklicherweise aber bereits beim Heimfest, dem Mittelländischen Schwingfest von vergangenem Sonntag, wieder mittun. Und wie er das tat! Zur Halbzeit führte Michael die Rangliste alleine an und wurde schliesslich erst im Schlussgang von Bernhard Kämpf, einem anderen Rückkehrer, auf den Rücken gelegt.
So lag es auf der Hand, dass ich erneut einen Schlussgang-Verlierer zu Wort kommen lasse. Beim Gespräch mit Michael wollte ich unter anderem wissen, wie er den Schlussgang in Neuenegg erlebte, und was die Gründe für die derart starke Rückkehr auf die Schwingplätze sein könnten.


Michael gewann mit einer starken Leistung beim Mittelländischen Schwingfest seinen zweiten Kranz

Mittelländisches Schwingfest in Neuenegg
Sieger des Mittelländischen Schwingfestes wurde Bernhard Kämpf. Reto Zbinden, Pressechef des Mittelländischen Schwingerverbandes, schreibt dazu: «Selten war die Ausgangslage vor einem Schwingfest so offen wie vor dem diesjährigen Mittelländischen Schwingfest in Neuenegg. Durch die vielen verletzungsbedingten Absagen gestaltete sich die Situation äusserst spannend. Bei sommerlich warmem Wetter zeigten die 176 angetretenen Schwinger den 5’000 Zuschauern attraktiven Schwingsport.»
Im Schlussgang griffen beide Kontrahenten an. Nach fünf Minuten gelang dem Berner Oberländer Eidgenossen Bernhard Kämpf durch Abfangen eines Übersprungs und Nachdrücken am Boden die Entscheidung.
Zbinden schreibt weiter: «Das Fest verlief wie erwartet spannend und wurde durch einige Überraschungen in den ersten Gängen sogar noch offener als erwartet. Am Mittag lag der einheimische Michael Wiget als einziger Schwinger mit drei gewonnen Gängen gegen Patrick Waldner, Jan Wittwer und Jonas Lengacher in Führung. Der äusserst attraktive Gestellte im vierten Gang gegen Patrick Gobeli warf ihn etwas zurück. Mit einem Sieg im fünften Gang gegen John Grossen konnte er sich trotzdem für den Schlussgang qualifizieren.»

Michael sicherte sich seinen zweiten Kranz
Michael stand in Neuenegg zum ersten Mal überhaupt in einem Kranzfest-Schlussgang. Diesen erreichte er mit einer starken Leistung, die verdiente Belohnung war der zweite Kranz. «Schlussgang-Luft» konnte der Berner aber bereits am Worblentaler Hallenschwinget schnuppern. Trotz Niederlage gewann er diesen Schwinget souverän.
Michael’s Geburtsdatum ist der 4. November 1998. Der 20-Jährige wohnt in Wünnewil, ist ledig und weist mit seiner Grösse (196 Zentimeter) und seinem Gewicht (110 Kilogramm) Gardemasse für den Schwingsport auf. Nach dem Abschluss des Gymnasiums arbeitet der Wünnewiler derzeit temporär auf dem Bau, möchte jedoch in naher Zukunft mit einem Studium beginnen. Zu seinen Hobbys zählt Michael nebst dem Schwingen den Sport allgemein, hält sich gerne in der Natur auf und ist nach eigenen Angaben ein Bewegungsmensch.

Wurzeln in der Innerschweiz
Michael ist Mitglied beim Schwingklub Laupen, welcher dem Mittelländischen Gauverband angehört. Zu seinen bisher grössten Erfolgen zählt der grossgewachsene Schwinger die beiden gewonnene Kränze, die Schlussgang-Teilnahme beim Mittelländischen und die beiden Siege am Bernisch Kantonalen Nachwuchsschwingertag. Die bevorzugten Schwünge sind der Kurz und der Übersprung.
Der Modelathlet schwingt seit dem Kindergarten (2006) und benennt als schwingerische Vorbilder Matthias Siegenthaler, Matthias Sempach und Kilian Wenger. Zum Schwingsport kam Michael durch seine Mutter. In seinem Umfeld spielten alle Fussball, der Jungspund entschied sich aber für den Schwingsport. Der kleine Bruder Adrian schwingt mittlerweile auch bei den Jungschwingern.
Der Name Wiget lässt auf einen Ursprung in der Innerschweiz schliessen. Der Heimatort von Michael ist denn auch Arth. Die Grosseltern väterlicherseits wohnen in Schindellegi. Der Vater zog als junger Mann von Schindellegi nach Wünnewil, die Mutter stammt aus Laupen.


Im Schlussgang vom «Mittelländischen» griff Michael (rechts) keck an

Herzliche Gratulation zum Erreichen des Schlussganges! Was ging dir hinterher durch den Kopf?
«Ich war im ersten Moment extrem enttäuscht. Man verliert natürlich nicht gerne einen Schlussgang. Erst recht nicht, wenn man so nahe von seinem Wohnort schwingt. Ich kenne Bernhard sehr gut von gemeinsamen Trainings, und rechnete mir durchaus auch Chancen aus. Ich gönne dem Berner Oberländer den Kranzfestsieg nach seiner Verletzungspause aber von Herzen.»

Würdest du heute mit einer anderen Taktik den Schlussgang in Angriff nehmen?
«Ja, ich würde das Risiko noch mehr suchen. Ich war den ganzen Tag über nicht so nervös wie vor dem Schlussgang. Denn: Ich realisierte, dass ich das erste Mal wieder an einem grossen Schwingfest teilnehmen konnte. Zudem kamen viele Leute vor dem Schlussgang zu mir, und es wurde mir ein bisschen zu viel.»

Du hast die Endausmarchung souverän erreicht. Welcher Gang war für dich ein sogenannter «Schlüsselgang»?
«Der Gang gegen Jonas Lengacher war so einer. Er schwang sehr defensiv gegen mich und die Freude war entsprechend gross, als ich ihn bezwingen konnte.»

Was für ein persönliches Fazit ziehst du vom Mittelländischen Schwingfest?
«Ich denke, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Und es hat mir klar aufgezeigt, dass es viel schöner ist, im Ring zu stehen, als zuzuschauen. Ich sage immer: Wenn man nicht schwingen kann, bekommt man keine Chance und hat in dem Sinne schon verloren.»

Du hast deinen ersten Kranz 2015 gewonnen. Danach wurde es bis diesen Frühling ruhig um dich. Was ist geschehen?
«2016 erlitt ich anfangs Jahr einen Ermüdungsbruch an der Schulter, anfangs der 2017er-Saison riss ich mir das Innenband im Ellbogen. 2018 zog ich mir eine Schleimbeutel-Entzündung am Knie zu, welche mir in der Folge das Leben schwer gemacht hat. Beim Bernisch Kantonalen nahm ich nach einer Woche Training einen Anlauf und ging an den Start. Ich musste aber nach fünf Gängen aufgeben. In der Vergangenheit wollte ich wohl einfach zu viel und habe zu wenig auf meinen Körper gehört. Nun habe ich daraus gelernt und schenke der Erholung viel mehr Beachtung.»


Völlig überraschend konnte sich Michael anfangs Saison als Sieger vom Worblentaler Hallenschwinget ausrufen lassen

Was sind die Gründe für die äusserst starke Rückkehr auf die Schwingplätze?
«Während den Verletzungen habe ich nie aufgegeben, denn das war keine Option. Im Training mit Willy Graber, Fabian Staudenmann, Severin Schwander, Lukas Renfer oder Lario Kramer sehe ich, wo ich stehe. Da ich trotz den Verletzungspausen immer wieder trainieren konnte, brach der Rhythmus nie ab. Dass es aber nun so gut läuft, hat mich auch überrascht. Ich habe natürlich viel mit meinen Berner Kollegen trainiert und konnte mich so weiterentwickeln. Ich denke, dass spätestens nach letztem Sonntag der Überraschungseffekt nicht mehr so gross sein wird.»

Wie konntest du dich trotz langer Abwesenheit für den Schwingsport motivieren?
«Ich habe ein sehr gutes Umfeld. Mein Physiotherapeut Michel Olivari, meine Familie und meine Kollegen haben mich stets unterstützt. Die verschiedenen Verletzungen sind gut ausgeheilt. Einzig das Knie bereitet mir manchmal Probleme. Darum stellte sich mir nie die Frage, aufhören oder nicht.»

Wie sieht dein gegenwärtiges Trainingsprogramm aus?
«Wegen meinem Knie, welches mir manchmal einen Strich durch die Rechnung macht, muss ich mein Training wochenweise anpassen und auf meinen Körper hören. Wenn ich beschwerdefrei bin, sind es zwei Schwingtrainings und zwei Kraft-/Ausdauer-Einheiten pro Woche.»

Wenn deine Entwicklung so weiterläuft, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis zu deinem ersten Kranzfestsieg?
Michael lacht. «Es wäre natürlich sehr schön und ist ein Traum. Der Fokus ist die Gesundheit, und dass ich beschwerdefrei durch die Saison komme. Dann werden wir sehen, wie es läuft. Die Ausgangslage beim Mittelländischen, wo viele Topcracks gefehlt haben, war sicher offener als sie es beim Oberaargauischen sein wird. Aber: Ein Kranzfestsieg ist sicher irgendwann mal ein Ziel.»

Welches sind deine nächsten Kranzfeste?
«Ich nehme morgen Pfingstsamstag am Oberaargauischen Schwingfest in Grafenried teil. Wenn mein Körper mitmacht, starte ich auch auf dem Stoos. Im Hinblick aufs Eidgenössische ist dies sicher ein guter Härtetest mit zwei Schwingfesten innerhalb von drei Tagen.»

feldwaldwiesenblogger