Vorschau auf das Zuger Kantonale: Gespräch mit TK-Chef Edwin Betschart und Änderungen im Teilnehmerfeld (Teil 2)

Text: feldwaldwiesenblogger

Die Vorfreude auf die Kranzfeste ist hüben und drüben zu spüren. Die Jagd auf die Kränze beginnt wieder, und zwar am kommenden Sonntag in Menzingen beim Zuger Kantonalen. Zur Einstimmung entschied ich mich für eine zweiteilige Vorschau. Im bereits veröffentlichten Teil 1 kam Siegerpreis «Muni Willi» zur Sprache und die Auswirkungen der neuen Beschickungsregel im ISV-Gebiet. Weiter die gemeldeten Spitzenschwinger. Diese erfuhren in der Zwischenzeit jedoch ein paar Änderungen. Mehr dazu am Schluss dieses Beitrages. Ich kündigte für den heutigen Teil 2 aber auch ein Gespräch mit Edwin Betschart, dem TK-Chef der Zuger Schwinger an.


Edwin Betschart, Technischer Leiter 1 des Zuger Kantonalen Schwingerverbandes
Bild: schwingen-zug.ch

Telefon-Gespräch mit dem Zuger TK-Chef Edwin Betschart

Wie sehen die Verletzungssorgen derzeit bei den Zuger Schwingern aus?
«Die sind gross. Pirmin Reichmuth macht die Patellasehne im operierten Knie Probleme und verhindert momentan ein Comeback. Weiter hat sich Rainer Betschart eine Verletzung zugezogen. Ich hoffe, dass er bis zum Innerschweizerischen wieder fit ist. Zudem verletzte sich leider Adrian Elsener an der Schulter.»

Apropos Pirmin Reichmuth: Wann gibt der Zuger sein Comeback?
«Bei Pirmin ist fraglich, ob er überhaupt Mitte dieser Saison sein Comeback geben kann. Er ist zwar seit anfangs März im Schwingtraining. Er beklagt aber leider wegen der erwähnten Patellasehne Schmerzen im Knie.»

Der letztjährige Zuger Sieger Marcel Bieri hat bei den Rangschwingfesten noch nicht voll und ganz überzeugt. Traust du ihm trotzdem den neuerlichen Sieg zu?
«Ja, wenn ihm am Sonntag alles aufgeht, traue ich ihm den Sieg wieder zu. Marcel hat gut trainiert und ist in einer guten Verfassung. Er konnte während dem Winter beschwerdefrei trainieren.»

Marco Reichmuth ist ebenfalls in einer tollen Verfassung. Traust du ihm bereits den ganz grossen Coup zu?
«Nein, das ist noch zu früh. Marco ist erst 20-jährig, topfit und hat gute Voraussetzungen für die Zukunft.»

Welchen Zuger Nachwuchsleuten traust du den ersten Kranz am Sonntag in Menzingen zu?
«Ich denke dabei an die vier Nachwuchsleute Thomas Bucher, Marcel Elsener, Lukas Baumann und Beat Suter, welche sich für den ersten Kranz aufdrängen.»

Betrachtet man die Zuger Kranzstatistik der letzten Jahre am eigenen Kantonalen (2017: 4 Kränze, 2016: 9 Kränze, 2015: 10 Kränze, 2014: 14 Kränze, 2013: 8 Kränze, 2012: 12 Kränze, 2011: 7 Kränze und 2010: 9 Kränze) stellt man fest, dass 2017 ein Einbruch erfolgte. Auf was führst du das zurück?
«In erster Linie auf die verletzungsbedingte Absenz von Pirmin Reichmuth sowie Remo und Rainer Betschart. Mit ihnen fehlten in Baar drei sichere Werte. Weiter schied Dominik Waser nach vier Gängen mit einer Verletzung aus. Ich rechnete zudem mit Thomas Bucher, welcher aber mit etwas Pech seinen ersten Kranz verpasste.»

Wie siehst du in diesem Zusammenhang das neue Beschickungsrecht in der Innerschweiz?
«Den erwähnten Kranzeinbruch erkläre ich primär mit unseren Verletzungssorgen. Dank dem neuen Beschickungsrecht haben wir sogar profitiert. Marcel Betschart verpasste 2017 leider den Zuger und den Schwyzer Kranz. Den Urner Kranz konnte er sich hingegen ergattern. Das wäre vorher gar nicht möglich gewesen.»

Wo stehen die Zuger Schwinger derzeit im Vergleich mit den anderen Kantonalverbänden in der Innerschweiz?
«Ich sehe die Luzerner an der Spitze, gefolgt von den Schwyzern. Uns sehe ich ähnlich stark wie die Nid- und Obwaldner sowie die Urner. Schön wäre, wenn wir mal auf die ganze Mannschaft zählen könnten.»

Macht das Eidgenössische in Zug eure Schwinger bereits nervös, oder beflügelt sie die Vorfreude?
«Sie sind wegen diesem Umstand leider noch nicht so beflügelt. Es wird meines Erachtens jetzt schon ein grosses drum herum gemacht und zu viel hochgejubelt. Ich wünsche mir aber, dass das ESAF die Schwinger zusätzlich motiviert.»

Was wünschst du dir für Sonntag?
«Dass der beste Schwinger auf dem Platz auch das Fest gewinnt. Ich wünsche mir würdige Neukranzer und hoffe auf sechs Zuger Kränze.»

Ich bedanke mich bei Edwin Betschart für das informative Gespräch und wünsche ihm und den Zuger Schwingern für Sonntag alles Gute!

Neue Beschickungsrecht hat sich bewährt
Das neue Beschickungsrecht habe ich beim Teil 1 bereits thematisiert. Als Ergänzung möchte ich hinzufügen, dass sich dem Vernehmen nach der neue Modus bewährt hat. Die letztes Jahr eingeführte Versuchsphase für das neue Beschickungsrecht im ISV-Gebiet hat sich gut eingespielt. Laut Aussage von Schwyzer TK-Chef Fidel Schorno im heutigen «Bote der Urschweiz» wurden inzwischen kleine Anpassungen vorgenommen: «Für diese Saison wurde die Quote für die auswärtigen Kantonalverbände auf je 50 Prozent Kranz- und Nichtkranzschwinger angepasst.» Letzte Saison durften maximal 45 Prozent Kranzschwinger der auswärtigen Kantonalverbände antreten.

Änderungen im Teilnehmerfeld: Und da sind’s noch fünf Eidgenossen…
Die Spitzenpaarungen sind gestern bekannt gegeben worden. Die Ausgangslage für den Tagessieg von übermorgen Sonntag präsentiert sich dabei offen. Aus Schwyzer Sicht darf man die Eidgenossen Mike Müllestein und Reto Nötzli erwähnen. Gespannt darf man aber auch auf das Abschneiden von Altmeister Martin Grab sein. Die Luzerner treten mit Eidgenosse Sven Schurtenberger an und die Obwaldner entsenden den bärenstarken Benji von Ah. Derweil die Gastgeber auf Titelverteidiger Marcel Bieri setzen. Zusammengezählt sind das noch fünf Eidgenossen.
Gestern Donnerstag kündigte der Gersauer Andi Ulrich seinen Verzicht auf Facebook an: «Da mein Fuss noch nicht ganz gut ist, verzichte ich auf die Teilnahme am Zugerkantonalen Schwingfest.» Von Edwin Betschart erfuhr ich, dass sich Philipp Gloggner am Innenband eines Knies verletzte, und auf eine Teilnahme verzichten muss. Verletzungsbedingt abgemeldet hat sich auch René Suppiger. Laut dem Zuger TK-Chef werden die Luzerner noch einen Spitzenschwinger nachmelden.
Für einen Spitzenplatz bereit sind aber auch die Zuger Remo Betschart, Marco Reichmuth, Dominik Waser und Pascal Nietlispach. Weiter traue ich den Luzernern Marco und Reto Fankhauser sowie Werner Suppiger einiges zu. Von den Schwyzern erwarte ich von Florian Hasler, Bruno Linggi, Andreas Höfliger und Guido Gwerder eine gute Klassierung. Die Urner sind mit Stefan Arnold prominent vertreten. Bei den Gästen von ausserhalb des Innerschweizerischen Teilverbandes darf man auf das Abschneiden der Baselbieter Andreas Henzer, Roger Erb und Christian Brand gespannt sein.

feldwaldwiesenblogger

Vorschau auf das Zuger Kantonale: Sieger-Muni Willi und gemeldete Spitzenschwinger (Teil 1)

Text: feldwaldwiesenblogger

Die Zeit des Ausprobierens und der Experimente ist für einen Teil der Innerschweizer Schwinger bereits wieder vorbei. Am Sonntag fällt mit dem Zuger Kantonalen in Menzingen der Startschuss zur diesjährigen Kranzfestsaison. Die Schwinger, aber auch die Zuschauer fiebern jeweils auf diesen freudigen Moment im Frühling. Trotz einigen Rangschwingfesten zur Vorbereitung: Zu Beginn der Saison darf man auch die eine oder andere faustdicke Überraschung erwarten. Des Weiteren stellen sich im Vorfeld des Zuger Kantonalen viele Fragen, zum Beispiel ob Marcel Bieri seinen Erfolg vom Vorjahr wiederholen kann, wann Pirmin Reichmuth sein Comeback gibt. Oder ob die magere Kranz-Ausbeute der Zuger Schwinger beim «Heim-Kantonalen 2017» auf das neue Beschickungsrecht zurückzuführen ist. Aber schön der Reihe nach.

Siegerpreis: Muni Willi
In der Schwingerzeitung vom 10. April konnte man lesen: «Muni Willi ist ein Schweizer Original Braunvieh und im Mai 2016 auf dem Hof von Alois Reichlin geboren. Als Spender für dieses stramme Tier konnte Gabenchef Bruno Rogenmoser die Firma Zürcher Holzbau aus Finstersee gewinnen. Nun ist Willi gespannt wer ihn am 22. (evtl. 29.) April 2018 in Menzingen gewinnen wird.» Bis «Willi» aber dem Sieger vom diesjährigen Zuger Kantonalen übergeben werden kann, muss dieser in sechs Gängen seine Bestleistung abrufen und bärenstarke Arbeit verrichten. Auf der Schulanlage Ochsenmatt in Menzingen bereitet derweil der Schwingklub Aegerital alles dafür vor, dass die Schwinger und die Zuschauer eine hervorragende Infrastruktur vorfinden.
Auf der Homepage zum diesjährigen Zuger Kantonalen stiess ich zudem auf folgende interessante Information: «Das Organisationskomitee hat entschieden, keinen Vorverkauf durchzuführen. Alle Tickets sind am Festtag ab 06.00 Uhr an der Tageskasse erhältlich.» In meinen Augen ein weiser Entscheid. Denn in letzter Zeit jagten sich die Vorverkäufe der einzelnen Kranzfeste regelmässig um die Wette. Wehe dem, der das verpasst hat. Die Zuger machen es einem so auch möglich, sich spontan für einen Besuch zu entscheiden, ohne dass man fast ein halbes Jahr im Voraus sein Ticket ergattern muss.


2017: Nach einer Durststrecke von 14 Jahren gewann mit Marcel Bieri endlich wieder ein Zuger das eigene Kantonale
Bild: zksf.ch

Gemeldete Spitzenschwinger
Der SCHLUSSGANG listet für den Zuger Ehrentag folgende Spitzenschwinger auf (Stand vom 18. April): Schurtenberger Sven, Ulrich Andreas, Bieri Marcel, von Ah Benji, Bieri Christian, Reichmuth Marco, Reichmuth Armin, Erb Roger, Waser Dominik, Nötzli Reto, Hasler Florian, Fankhauser Marco, Fankhauser Reto, Arnold Stefan, Suppiger René, Suppiger Werner, Müllestein Mike, Schuler Philipp, Linggi Bruno, Henzer Andreas, Gwerder Guido, Grab Martin, Gassmann Fabian, Gloggner Philipp, Brun Samuel und Brand Christian. Unter diesen Namen befinden sich nebst acht Eidgenossen mit Andreas Ulrich (2012), Marcel Bieri (2017) und Martin Grab (2001, 2005, 2008 und 2011) drei ehemalige Zuger Kantonalfestsieger. Mit Christian Schuler, welcher 2013, 2014, 2015 und 2016 gewann, fehlt ein Sieger der vergangenen Jahre.

Auswirkungen der neuen Beschickungsregel
Dank der neuen Beschickungsregel bei den Kantonalen Schwingfesten in der Innerschweiz kann jeder Schwinger nebst seinem eigenen Kantonalen maximal an zwei auswärtigen Kantonalen im ISV-Gebiet antreten. Die gegenseitige Verbindung der Zuger mit den Schwyzern ist somit hinfällig geworden. Dies hat auf das Teilnehmerfeld natürlich grosse Auswirkungen und führt zu mehr Duellen zwischen Zugern und den restlichen Innerschweizern. Die augenfällige Dominanz der Schwyzer Schwinger, welche die letzten Jahre (2008 bis 2016) ausnahmslos den Sieger stellten, wurde letztes Jahr mit dem Sieg des einheimischen Marcel Bieri durchbrochen. Ob das neue Beschickungsrecht aber auch ein Grund dafür ist, dass die Zuger letztes Jahr so wenige Kränze am eigenen Kantonalen machten wie schon lange nicht mehr, möchte ich von Edwin Betschart, dem TK-Chef der Zuger wissen. Natürlich kommt beim Gespräch auch ein mögliches Comeback von Pirmin Reichmuth oder das Eidgenössische 2019 in Zug zur Sprache. Das Gespräch folgt übermorgen Freitag als Teil 2 zur Vorschau auf das Zuger Kantonale.

feldwaldwiesenblogger

Vor dem Muotathaler Schwinget: Gespräch mit Ralf Schelbert, Dario Gwerder und René Schelbert

Text und Bilder: feldwaldwiesenblogger

Letzten Herbst stellte ich folgenden Beitrag online: «Wie geht es den Muotathaler Schwingern Ralf Schelbert und Dario Gwerder?» Dabei führte ich mit den jungen Muotathaler Schwingern Ralf Schelbert (22-jährig) und Dario Gwerder (20-jährig) ein längeres Gespräch. Sie erzählten mir ihre Verletzungsgeschichte, wie sie 2017 erlebten und den Trainingsplan für den Winter. Ich unterbreitete den beiden den Vorschlag, ihr Weg zurück auf die Schwingplätze in mehreren Blogbeiträgen zu begleiten. Im Verlaufe des Winters fasste ich aber den Entschluss, Ralf und Dario in Ruhe trainieren zu lassen und sie erst wieder im Frühling vor dem Muotathaler Schwinget zu kontaktieren. Darum traf ich die jungen Sennenschwinger kürzlich in der Schwinghalle Muotathal. Ich hielt mit ihnen Rückblick auf das Wintertraining, frage sie um ihre persönliche Einschätzung und hielt Vorschau auf die kommende Saison.


Dario Gwerder (links) und Ralf Schelbert geben Auskunft

Gesundheitszustand von Ralf und Dario
Beide sehen gesund und «zwäg» aus und fühlen sich nach eigenen Aussagen auch so. Ralf ergänzt: «Ich nahm mein Schwingtraining im Dezember auf. Zwischendurch spürte ich etwas, das ist aber inzwischen wieder gut. Ich fahre relativ viel Velo, und auch deshalb ist mit meinem Knie wieder alles in Ordnung.» Dario erklärt: «Mein Schwingtraining nahm ich um die Fasnacht im Februar wieder auf. Es ist soweit alles gut. Kürzlich gab es mir zwar ein kleines «Zwickli» beim operierten Knie. Deshalb lasse ich aus Sicherheitsgründen ein paar Schwingtrainings aus. Es ist aber nichts Ernsthaftes. Ansonsten geht es mir sehr gut, und ich bin auf einem guten Weg. Ein Schwingfest bestreite ich in nächster Zeit aber noch nicht.»

Wie sieht das Training der beiden derzeit aus?
Ralf: «Da ich nebenbei noch die Vorarbeiterschule besuche, liegen momentan wöchentlich «nur» vier Trainings drin. Es handelt sich dabei um zwei Schwingtrainings, ein Ausdauer- und ein Krafttraining. Insgesamt sind das etwa sechs Stunden. Ich brauche auch Zeit, um den Schulstoff zu vertiefen. Den Trainingsaufwand kann ich dann nächsten Winter, im Hinblick auf das Eidgenössische 2019, wieder etwas steigern. Die Rangschwingfeste, welche ich momentan bestreite, mache ich aus dem Training heraus. Diese bereite ich nicht speziell vor. Das Training vor den Kranzfesten wird dann entsprechend angepasst.»

Dario: «Ich trainiere momentan eigentlich genauso intensiv wie Ralf, und absolviere die gleichen vier Trainings. Zudem besuche ich am Dienstag manchmal das Training der Aktivriege vom KTV Muotathal. Diese Einheit sehe ich mehr als Ausgleich und Plausch und ist quasi das fünfte Training der Woche. Auch mein wöchentlicher Trainingsaufwand umfasst rund sechs Stunden. Im vergangenen Herbst begann ich mit intensivem Kraft- und Ausdauertraining. Dazu gehörten auch die Termine bei der Physiotherapie, welche bis in den Januar dauerten. Bis Ende März habe ich zuhause beim Stall-Bau mitgeholfen. Ab anfangs April arbeite ich wieder auf meinem erlernten Beruf als Netzelektriker bei der ebs Energie AG. Wie Ralf möchte ich den Trainingsaufwand im nächsten Winter auf das Eidgenössische 2019 etwas steigern.»

Die eigene Einschätzung und der momentane Formstand
Dario: «Wann ich wieder wettkampfmässig schwingen werde, weiss ich selber noch nicht so genau. Ich möchte beim Schwyzer Kantonalen (6. Mai) antreten, eventuell vorher noch bei einem Rangschwingfest. Das hängt davon ab, wie es mir geht. Beim Schwingtraining läuft es sehr gut. Mir fehlt einfach noch ein wenig die Kondition. Die Form ist aber im Kommen.»

Ralf: «Meine Grundlagen habe ich in den vergangenen Monaten erarbeitet, und ich bin mit meinem Formstand zufrieden. Bis zu den grossen Festen im Sommer arbeite ich noch an der Feinabstimmung. Die Spritzigkeit fehlt noch ein wenig, an dem arbeiten wir aber hinsichtlich der kommenden Kranzfeste. Mit den Schnellkraftübungen und den kürzeren aber intensiveren Gänge beginnen wir im April.»


Ralf Schelbert glückte ein starkes Comeback

Ralf’s Comeback in Oberarth (Rang 1b) und Ibach (Rang 3g) lief hervorragend. Ist das auf einen gezielten Aufbau im Winter zurückzuführen?
Ralf: «Das kann man schon sagen. Ich habe mich zum Beispiel in Oberarth so gut gefühlt wie eigentlich noch nie. Ich denke, mit dem Training für die Spritzigkeit und den Schnellkraftübungen wird es noch besser. Ich habe gespürt, dass ich «zwäg» und gut in Form bin. Ich habe wieder Vertrauen in mein linkes Knie, welches eine Verletzungsgeschichte hinter sich hat. Während dem Aufbau habe ich viel mit ihm gemacht und weiss nun, wie viel es leiden mag.»

Verlief Dario’s Heilungsprozess im Winter optimal?
Dario: «Der Heilungsprozess verlief gut und es fühlt sich auch gut an. Beim Schwingen spüre ich manchmal noch kleine «Zwicke». Das Vertrauen ins operierte Knie kommt langsam wieder zurück. Im Training kann ich praktisch schon wieder voll ziehen.»

Woran arbeiten Dario und Ralf momentan am intensivsten?
Dario: «Ich bin intensiv mit dem Schwingtraining beschäftigt und bin daran, dies nachzuholen, was verloren ging. Ich muss auf mein Knie achten und auch schonen, wenn es nötig ist. Das Knie lässt aber schon viel zu.»

Ralf: «Das Schwingtraining steht auch bei mir im Vordergrund. Es ist das wichtigste Training. Dazu kommen Kraft- und Ausdauereinheiten, und im April die Schnellkraftübungen. Damit man auf die Kantonalen hin auf einem guten Formstand ist. Dann fährt man wieder etwas runter, und vor den Berg- und Teilverbandsfesten versucht man die Formkurve wieder hoch zu drücken.»

Was rechnet sich Ralf fürs Muotathaler Schwinget aus?
Ralf: «Ich versuche das umzusetzen, was wir Woche für Woche im Schwingkeller trainieren. Die Rangschwingfeste sind quasi Trainings im Hinblick auf die Kranzschwingfeste. Es geht auch darum, auszuprobieren, was und wie viel es leiden mag.»


Dario Gwerder hofft, dass er beim Schwyzer Kantonalen antreten kann

Verfolgt Dario den Muotathaler Schwinget als Zuschauer, oder hat er einen Job?
Dario: «In erster Linie verfolge ich den Schwinget als Zuschauer. Einen Job habe ich dort keinen. Vermutlich betätige ich mich als «Sägemehl-Recheler».

Welches sind die nächsten Wettkämpfe von Ralf?
Ralf: «Nach den Frühjahrschwingfesten in Oberarth und Ibach starte ich nun bei unserem Schwinget. Eventuell trete ich beim Abendschwinget in Küssnacht an. Dann folgen im Mai das Schwyzer, Ob- und Nidwaldner und das Luzerner Kantonale. Dazwischen bestreite ich vielleicht noch ein weiteres Rangschwingfest.»

Welches sind die Erwartungen von Dario für die Saison 2018?
Dario: «Wieder gesund auf die Schwingplätze zurückkehren und schmerzfrei schwingen. Ziele stecke ich mir dabei eigentlich keine, das wichtigste ist die Gesundheit. Angemeldet habe ich mich fürs Schwyzer und Urner Kantonale.»

Sind die Muotathaler Schwinger bereit für die neue Saison? Wie viele werden am Sonntag antreten?
Ralf: «Es sind bis auf André Bürgler und Josef Heinzer alle fit. André hatte letztes Jahr einen heftigen Unfall und zog sich dabei eine schwere Knieverletzung zu.»

Dario: «Antreten werden rund zwölf Muotathaler Schwinger.»


Die Muotathaler Schwinger beim intensiven Schwingtraining

Gute Besetzung beim Muotathaler Schwinget
OK-Präsident des Muotathaler Schwingets ist René Schelbert, seines Zeichens auch Klubpräsident vom Schwingklub Muotathal. Laut René ist man bereit, er sagt im Vorfeld zu diesem Traditionsanlass: «Die Einladungen wurden an sämtliche Innerschweizer Schwingklubs verschickt, zudem sind zehn Schwinger vom Schwingklub Glarus-Mittelland als benachbarter Klub eingeladen. Weiter luden wir acht Schwinger vom Schwingklub Niedersimmental und zwölf Schwinger vom Schwingklub Sumiswald ein. Angemeldet sind unter anderem Christian Schuler, Alex Schuler, Damian Gehrig, Matthias Aeschbacher und Ruedi Roschi. Anmeldeschluss ist eine halbe Stunde vor Beginn des Schwingets.» Laut Bericht im heutigen «Bote der Urschweiz» ist auch Mike Müllestein mit von der Partie. Hinter die Teilnahme von Damian Gehrig darf ein Fragezeichen gesetzt werden. Denn der Turnerschwinger und TK-Chef vom Schwingklub Sumiswald gab beim Frühjahrsschwinget Zäziwil (Ostermontag) nach dem ersten Gang verletzungsbedingt auf.
Am Tag vor dem Muotathaler Rangschwinget steht zudem der Schwyzer Kantonale Nachwuchsschwingertag auf dem Programm, bei welchem der ehemalige Spitzenschwinger Heinz Suter als OK-Präsident die Fäden in der Hand hält.
Apropos Gaben: Am Nachwuchsschwingertag wird es eine grosse Stabelle für die jeweiligen Kategoriensieger und zwei kleinere Stabellen für die nächst rangierten geben. Am Sonntag erhält der Tagessieger 800 Franken an Bargeld. Für die nächstplatzierten liegen Holzpreise sowie Fleisch- und Käsepreise parat. «Für einen grösseren Gabentempel ist man beim nächsten Kantonalschwingfest in Muotathal wieder besorgt», ergänzt René Schelbert.

Idealer Zeitpunkt
Die Wetterprognosen sind günstig und die beiden Schwingfeste können bei frühlingshaften Bedingungen ausgetragen werden. Der Zeitpunkt des Rangschwingets ist sehr ideal, da er sich zwei Wochen vor dem ersten Kranzfest in der Innerschweiz, dem Zuger Kantonalen, befindet. René und sein Team hoffen, dass viele Schwinger im Muotatal nochmals ihre Form testen möchten. Es sind bisher rund 90 Schwinger angemeldet und etwa so viele werden wohl am Sonntag antreten. Ein Blick auf die bisher angemeldeten Schwinger zeigt, dass nebst den oben erwähnten Spitzenschwingern auch die Berg- und Teilverbandskranzer Carlo Gwerder (Unterägeri), Christian Gwerder (Oberarth), Guido Gwerder (Illgau), Stefan Heinzer (Muotathal), Thomas Hurschler (Grafenort) und Bruno Linggi (Goldau) sich angemeldet haben. Wie bereits erwähnt, ist auch Ralf beim eigenen Rangschwinget am Start.

Mit den besten Innerschweizer Schwingern wurde im Hinblick auf das Eidgenössische 2019 in Zug das Team «Zugpferde» gebildet. Dazu gehören auch Ralf und Dario. Ihnen beiden wünsche ich für die Saison 2018 alles Gute und beste Gesundheit. Ich bedanke mich bei Ihnen für ihre interessanten Aussagen und Informationen, ebenso beim umsichtigen Muotathaler Klubpräsidenten René Schelbert.

feldwaldwiesenblogger

Vorschau mit Armon Orlik auf das Rheintal Oberländische Schwingfest

Text: feldwaldwiesenblogger

An Ostermontag stehen fünf Schwingfeste der Aktiven auf dem Programm. Ich habe mir jenes ausgepickt, welches wohl mit der besten Besetzung aufwartet: Das Rheintal Oberländische Schwingfest in Thal SG. In der aktuellen Ausgabe der «Schwingerzeitung» konnte man dazu folgendes lesen: «Zu den Hauptanwärtern auf den Sieg zählen die neun gemeldeten Eidgenossen, angeführt vom Bündner Armon Orlik, der sich nach Wangs 2016 und Trübbach 2017 nur allzu gerne ein drittes Mal in die Siegerliste eintragen lassen würde. Orlik gewann zum Jahresanfang den traditionellen Berchtoldschwinget. Die Thurgauer delegieren ihre vier ganz «Bösen» Samuel Giger, Tobias Krähenbühl, Routinier Beni Notz und Domenic Schneider. Das Appenzeller Team wird angeführt vom Quartett der Eidgenossen Michael Bless, Martin Hersche, Marcel Kuster und Raphael Zwyssig.» Nebst den gemeldeten Eidgenossen werden weitere starke Teilverbands-, Berg- und Kantonalkranzer in Thal am Start sein. Der Freiluftauftakt in der Nordostschweiz verspricht von der Besetzung her ein hochkarätiger Anlass zu werden.


Trübbach 2017: Armon Orlik bezwingt im Schlussgang den Nidwaldner Lutz Scheuber
Bild: Werner Schärer

Nach 2005 ist Thal erneut Austragungsort
Thal ist eine politische Gemeinde im St. Galler Rheintal und liegt, wie der Name schon andeutet, in einem klimatisch geschützten Talkessel zwischen dem Buechberg im Norden und Lutzenberg im Süden und liegt am Bodensee. Als Organisatoren zeichnen sich der Schwingerverband Rheintal-Oberland und die Männerriege Thal verantwortlich. Der Schwingplatz befindet sich beim Festplatz Engelwies, angeschwungen wird am Ostermontag (2. April) am 10.30 Uhr. Mit dem etwa 900 Kilogramm schweren Muni «King KISON» wartet ein attraktiver Preis auf den Sieger und als zweiter Lebendpreis winkt das braune Hengst-Fohlen «Hiro von Kappensand». Zudem warten weitere wertvolle Gaben auf die Aktiven.
Nach 2005 findet das Rheintal-Oberländische Verbandsschwinget erneut in Thal statt. Wie 2018 hiess auch damals schon der OK-Präsident Xaver Martin.

Armon Orlik’s dritter Streich?
In Trübbach nahmen letztes Jahr 125 Schwinger teil. 3’800 Zuschauer sahen, wie Armon Orlik im Schlussgang nach gut sechs Minuten Lutz Scheuber mittels Kurz und Nachdrücken bezwingen konnte. Zu diesem Zeitpunkt war die Welt von Armon noch schwer in Ordnung. Denn der Bündner gewann absolut souverän alle sechs Gänge, darunter mit Michael Bless und Daniel Bösch zwei renommierte Eidgenossen. Wie wir alle wissen, verlief die Geschichte beim Aargauer Kantonalen für den Bündner tragisch und hätte böse enden können. Nach einer Pause und dem starken Comeback beim Nordostschweizerischen in Davos konnte Armon und die Schwinger-Schweiz aufatmen. Der Schlussgangteilnehmer von Estavayer war zurück, aber bis Ende Saison noch nicht ganz der «Alte».
Armon nahm die Saison 2018 gleich wieder mit einem Sieg in Angriff und gewann den Berchtold-Schwinget am 2. Januar in Zürich. Er liess dabei aufblitzen, dass dieses Jahr wieder mit ihm zu rechnen ist. Seither ist wieder einige Zeit vergangen und der bärenstarke Sennenschwinger hat keinen weiteren Ernstkampf bestritten. Ob Armon Orlik in Thal zum dritten Streich ansetzen wird und wie es ihm ganz allgemein geht, wollte ich heute vom Bündner am Telefon wissen.


Armon Orlik nach dem Co-Festsieg auf der Schwägalp 2016
Bild: armonorlik.ch

Telefon-Interview mit Armon Orlik

Was geht dir durch den Kopf, wenn du an den Sieg beim Rheintal-Oberländischen von letztem Jahr denkst?
«Ich erwischte dort einen Supertag und es lief von Anfang an gut. In Trübbach konnte ich jeden Gegner bezwingen. Das Rheintal-Oberländische ist jeweils der erste Freiluftanlass in der Nordostschweiz, und man weiss nicht so genau wie man selber und die Gegner drauf sind. Es ist ein abtasten und es ist auch gut, wenn noch nicht alles auf dem Spiel steht. So kann man doch einiges riskieren.»

Du gabst beim Unspunnen-Schwinget verletzungsbedingt nach dem fünften Gang auf. Was ist genau passiert?
«Ich zog mir eine Rippenquetschung zu. Es lohnte sich nicht, etwas zu erzwingen. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nämlich noch nicht, ob etwas gebrochen war.»

Ist diese Verletzung wieder vollständig ausgeheilt? Auch die Nackenverletzung?
«Ja, die Rippenquetschung ist vollständig ausgeheilt. Ich bin beschwerdefrei und kann voll schwingen und trainieren. Die Nackenverletzung war relativ schnell ausgeheilt. Es war mehr eine mentale Geschichte und es dauerte seine Zeit, bis alles wieder im Lot war. Denn die Unbeschwertheit war weg. Ich konnte mein Training für die neue Saison Ende Oktober starten.»

Was für ein persönliches Fazit ziehst du über die Saison 2017?
«Eher ein durchzogenes Fazit, es hätte besser sein können. Nach der Nackenverletzung habe ich nicht so schnell den Tritt gefunden. Diese Erfahrung hat es aber wohl gebraucht, um damit umgehen zu können. Ich habe dabei etwas gelernt und nehme das als positive Tatsache mit.
Die Resultate waren ebenfalls durchzogen. Der Schwägalp-Schwinget war für mich auch ein Lehrplatz. Denn ich verlor im vierten Gang blöd und unnötig gegen Thomas Sempach. Ich habe daraus meine Lehren gezogen und versuche wieder auf den Kampfstil von 2016 zurückzukommen. Das heisst, auf beiden Seiten agieren, unberechenbar und unbeschwert schwingen. Was mich 2016 stark gemacht hat.»

Bist du, Stand heute, trainings- und leistungsmässig gleich weit wie vor einem Jahr?
«Das ist schwierig abzuschätzen. Ich hoffe und denke es aber. Ich war erst kürzlich in einem Trainingslager und bin deswegen noch müde. Aber sonst bin ich sehr gut «zwäg». Ich konnte während dem Winter so trainieren wie ich mir das vorgestellt habe. Es ist möglich, dass ich bei den ersten Schwingfesten noch nicht ganz top bin. Ich habe aber keine Bedenken, dass ich wieder an meine Bestleistungen herankomme.»


Armon Orlik (hinten) zieht Philipp Laimbacher kräftig (Anschwingen Schwägalp-Schwinget 2016)
Bild: armonorlik.ch

Vor einiger Zeit habe ich gelesen, dass du trainingsmässig noch härter arbeitest als in vergangenen Jahren. Welche Veränderungen hast du in dein Training integriert?
«Vom Zeitaufwand her ist mein Training etwa gleich geblieben. Das Krafttraining versuche ich nun effizienter zu gestalten und habe dabei ein paar Sachen angepasst. Mein Athletiktrainier hat das so zusammengestellt, dass ich dank der Effizienz weniger Krafttraining brauche und mir dadurch mehr Erholungspausen zur Verfügung stehen. Wie bereits erwähnt, habe ich mich im Schwingtraining wieder an den Kampfstil von 2016 angepasst, und zwar auf beiden Seiten.»

Was meinst du, liegt der erneute Sieg beim Rheintal-Oberländischen Schwingfest drin?
«Ja, der liegt definitiv drin. Das Teilnehmerfeld ist ähnlich gut wie letztes Jahr, fast wie bei einem Nordostschweizer Schwingfest, einfach ohne Gäste. Für den Tagessieg braucht es sicher eine starke Leistung. Es mag, ähnlich wie beim Berchtold-Schwinget, bei welchem ich zum Auftakt stellte, sicher auch einen gestellten Gang leiden. Man darf in der Folge nicht aufgeben, denn es ist immer noch alles möglich. Weiter braucht es eine gute Tagesform, einen guten Lauf und man sollte sich gut fühlen.»

Wirst du 2018 praktisch wieder der „Alte“ sein, ähnlich wie 2016?
«Das ist schwierig zu sagen. Ich habe beim Schwingtraining vieles darangesetzt, dass ich wieder so bin wie 2016. Von der Schwingart und von der Bodenarbeit her habe ich viele Stärken gefördert, auf der rechten und linken Seite sowie am Boden. Zu Beginn der Saison sind die Kraft- und Ausdauerkomponenten schwierig zu analysieren. Ich fühle mich aber gut und sollte parat sein. Ich werde alles daransetzen, damit ich an den wichtigen Schwingfesten topfit bin. Ich denke dabei ans Nordostschweizerische und Nordwestschweizerische Teilverbandsfest, bei welchem ich Gast bin, und an die Bergkranzfeste.»

Welches Studium absolvierst du derzeit?
«Ich absolviere momentan ein Studium zum Bauingenieur an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Chur. Begonnen habe ich mein Studium in Rapperswil, die Situation hat dort aber nicht so gepasst. Ich wohne inzwischen wieder zuhause in Maienfeld und der Weg nach Chur ist nicht weit. Zudem kann ich das Training bei meinem Klub und Verband optimal durchziehen.»

Wie sieht momentan deine Trainingswoche aus?
«Ich habe an zwei bis drei Tagen in der Woche Schule. Es liegen dabei drei Schwingtrainings, zwei strenge und ein technisches, drin. Im Winter waren es vier Schwingtrainings. Weiter beinhaltet meine Trainingswoche ein Rumpftraining und entweder drei Kraft- oder drei Ausdauertrainings. Da ich mit meinem Athletiktrainer einen Trainingsplan zusammengestellt habe, sind diese drei Trainings wochenabhängig. Es folgt dazwischen auch wieder eine Woche, wo ich mich der Regeneration widme und nur die Schwingtrainings absolviere. Das Ganze ist abgestimmt auf die Schwingfeste und berücksichtigt, wann und wo ich fit sein sollte. Im Trainingsplan sind Kraft- und Ausdauereinheiten sowie Erholungsphasen vorgesehen.»

Für den Freiluftauftakt in der Nordostschweiz wünsche ich Armon alles Gute und viel Erfolg! Wohl die ganze Schwinger-Schweiz möchte es dem sympathischen Bündner gönnen, wenn er wieder an die grossen Erfolge von 2016 anknüpfen könnte.

feldwaldwiesenblogger

Vorschau Jahresschwinget Thun

Text: feldwaldwiesenblogger

Nachdem ich in diesem Jahr bereits zwei Schwingfeste in der Nordostschweiz und eines in der Innerschweiz besucht habe, steht morgen Sonntag eines auf Berner Boden auf dem Programm: Der Jahresschwinget Thun.


In der Lachenhalle Thun wird den Schwingern und den Zuschauern eine tolle Infrastruktur geboten
Bild: schwingklubthun.ch

Verschiedenen Informationen
Auf der Homepage des Schwingklubs Thun und Umgebung, dem Veranstalter, findet man zu diesem Anlass folgende Informationen:

Nächste Austragung
Sonntag, 25. März 2018, Anschwingen 09.30 Uhr, Lachenhalle Thun.

Vorbereitungsfest im Frühling
Der Schwingklub Thun hat vor einigen Jahren beschlossen, den Jahresschwinget Thun inskünftig in die Lachenhalle Thun zu verlegen und als Vorbereitungsfest im Frühling zu positionieren.

Tolle Infrastruktur
Die Lachenhalle Thun bietet sowohl für die Schwinger wie für die Zuschauer eine tolle Infrastruktur. Die helle, freundliche Lachenhalle verfügt über eine grosse Tribüne, von wo man eine sehr gute Übersicht über die Schwingplätze hat. Die Schwinger schätzen vor allem das angenehme Klima in der Halle und der speditive Ablauf.

Siegerliste der vergangenen Jahre
Mit Matthias Glarner (2015, 2014, 2013, 2009, 2008), Kilian Wenger (2012, 2011), Bernhard Kämpf (2017, 2016), Simon Anderegg (2010), Ueli Banz (2007) oder Willy Graber (2006) trugen sich in den letzten Jahren immer klingende Namen in die Siegerliste ein.

Tradition und Fortschritt
Der Schwingklub Thun pflegt am Jahresschwinget viele Traditionen. Zum Beispiel wäre ein Jahresschwinget ohne „Suppe und Spatz“ oder „Steak mit Kartoffelsalat“ für viele Schwingfestbesucher undenkbar. Andererseits verzichtet der Schwingklub Thun auf die Mittagsverpflegung der Schwinger, da diese ihre eigene individuelle Sportlernahrung mitbringen, und verlangt im Gegenzug kein Startgeld.

Sport und Kameradschaft
Schwingen ist heute zum Spitzensport geworden. Dennoch pflegen die Schwinger untereinander ein sehr kameradschaftliches Verhältnis. Nach dem Gang reicht man sich die Hand und der Sieger putzt dem Unterlegenen den Rücken ab. Am Abend nach dem Schlussgang trifft man sich zum geselligen Teil und lässt den Tag bei einem Glas Wein oder einem kühlen Bier ausklingen.


Der fünffache Sieger Matthias Glarner, einer der prominenten Abwesenden in Thun
Bild: schwingklubthun.ch

Prominente Abwesende
Der amtierende Schwingerkönig Matthias Glarner, welcher diesen Anlass bereits fünfmal gewinnen konnte, hat unlängst auf seiner Homepage angekündigt, dass er in Thun noch nicht starten werde: „Nach intensiven WK’s in Magglingen und einem harten Trainingslager im Süden von Gran Canaria bin ich nun wieder im „normalen“ Alltag angekommen. Mein Gesundheitszustand verbessert sich von Woche zu Woche und ich bin nach wie vor sehr optimistisch betreffend meiner sportlichen Zukunft. Aus schwingerischer Sicht kommt eine Teilnahme am Hallenschwinget in Thun aber zu früh und ich muss mich noch ein wenig in Geduld üben. Deswegen kann ich momentan keine Schwingfestagenda 2018 veröffentlichen. Ich werde zu gegebener Zeit an dieser Stelle informieren, wo und wann ich überall am Start stehen werde. Den Schwingfans unter euch wünsche ich einen spannenden Start in die neue Saison und wir sehen uns hoffentlich bald an einem Schwingfest.“
Ein weiterer prominenter Abwesender wird Bernhard Kämpf sein. Er konnte sich in den letzten beiden Jahren in die Siegerliste eintragen. Auf seiner Internetseite erklärt der Sigriswiler, dass die beiden Operationen (Hüftarthroskopie auf der rechten und linken Seite) planmässig und erfolgreich verlaufen sind. Und weiter: „Ab Mitte April steht der Aufbau der Hüftmuskulatur und die Bewegung auf dem Programm. (…) Wann ich das Schwingtraining wieder aufnehmen kann, werde ich dann laufend entscheiden. Einen fixen Termin und Kranzfeste habe ich daher in dieser Saison bewusst keine eingeplant. Für mich steht das Eidgenössische in Zug 2019 zuoberst auf der Liste. Darum werde ich mir genügend Zeit geben und keinen Start an einem Kranzfest in dieser Saison erzwingen.“


Curdin Orlik (mit Lebendpreis nach Unspunnen-Schwinget), einer der bisher gemeldeten Spitzenschwinger, gab Auskunft
Bild: curdinorlik.ch

Bisher gemeldete Spitzenschwinger
Laut SCHLUSSGANG-Homepage haben sich bisher folgende Spitzenschwinger für den Jahresschwinget Thun angemeldet: Kilian Wenger, Curdin Orlik, Patrick Schenk und Simon Anderegg. Wie ich aber in Erfahrung bringen konnte, startet Patrick Schenk nicht in Thun. Er fährt morgen Sonntag nach Sölden in ein Trainingslager, und hat dies bei der Anmeldung zu spät realisiert. Stattdessen hat er sich für einen Start beim Worblentaler Hallenschwinget in Bolligen entschieden. Ob er dort heute aber tatsächlich antritt, wusste der Emmentaler Eidgenosse gestern noch nicht: «Mich plagen momentan starke Rückenschmerzen und ich kann nicht garantieren, ob ich antreten werde.»
Curdin Orlik, einer aus dem verbleibenden Spitzen-Trio, gab mir am Freitagabend seine Sicht der Dinge vor dem Schwingfest in Thun ab. Der Bündner schwingt seit letztem Jahr für die Berner Oberländer, und zwar beim Schwingklub Frutigen. Der ältere Bruder von Armon blühte letztes Jahr im Bernbiet regelrecht auf und erschwang sich sechs Kränze. Das Sahnehäubchen bildete dabei die Schlussgang-Qualifikation beim Unspunnen-Schwinget. Nun steigt Curdin morgen Sonntag in die Saison 2018 ein.

Wie lief die Saisonvorbereitung?
«Sie lief gut und planmässig. Ich hatte zudem keine Beschwerden und keine Verletzungen. Ausser beim Berchtold-Schwinget (Magen-Darm-Geschichte) durfte ich während dem ganzen Winter gesund bleiben.»

Wie sah dein Training im Winter aus?
«Es war abwechslungsreich und beinhaltete Schwing- und Krafttrainings. Meine Vorbereitung sah dabei unterschiedlich aus und keine Woche war wie die andere. Durchschnittlich gesehen absolvierte ich zwei bis drei Schwing- und zwei bis drei Krafttrainings pro Woche.»

Mit welchen Erwartungen startest du in Thun?
«Ich starte mit nicht allzu grossen Erwartungen. Es ist mein erstes Schwingfest der Saison und ich sehe es als Standortbestimmung.»

Welches werden deine nächsten Schwingfeste sein?
«Das nächste Schwingfest wird der Ballenberg-Schwinget (15. April) sein. Dann folgen im Mai das Mittelländische (6. Mai), das Emmentalische (13. Mai), Oberaargauische (20. Mai) und das Oberländische Schwingfest (27. Mai). Alle weiteren Daten sind auf meiner neuen Homepage aufgeführt.»

Welche Schwingfeste bilden in der Saison 2018 die Höhepunkte?
«Meine beiden Höhepunkte bilden das Nordwestschweizerische Schwingfest in Basel (5. August) und das Berner Kantonale in Utzenstorf (12. August). Bis dahin will ich mich in Topform befinden. Mein Motto lautet aber: Ich will bei jedem Schwingfest in jedem Gang mein Bestes geben.»

Was meinst du, kannst du deine letztjährige Super-Saison sogar noch toppen?
«Das ist noch schwierig, weil es diese Saison kein Unspunnen-Schwinget gibt… Toppen kann man das zwar immer, aber ob ich das schaffe, sehen wir Ende Saison. Ich werde mein Bestes geben und schaue, wie weit das reichen wird. 2018 ist überdies eine Saison ohne ein grosses Fest mit eidgenössischem Charakter.»


Bernhard Kämpf, ein anderer prominenter Abwesender, gab zum Jahresschwinget Thun Auskunft
Bild: Rolf Eicher

Weitere sehr gute Kranzschwinger am Start in Thun
Kein geringerer als der oben erwähnte Bernhard Kämpf, welcher zurzeit rekonvaleszent ist, gab mir zum Jahresschwinget Thun weitere Auskünfte. Bernhard ist nicht nur Spitzenschwinger, er ist auch Technischer Leiter der Aktivschwinger vom Schwingklub Thun und Umgebung. Ich beschränkte mich dabei vor allem auf Fragen zum Schwingfest.

Welche Spitzenschwinger werden nebst den bisher bekannten antreten?
«Das sind Philipp Roth, Ruedi Roschi, Kilian von Weissenfluh, Alexander Kämpf und Dominik Roth.»

Welche Gastschwinger werden in Thun erwartet?
«Wir erwarten den Schwingklub Zürich.»

Deine Tipps für Sonntag: Wer gewinnt morgen? Und: Auf welche Schützlinge aus deinem Klub sollte man besonders achten?
«Ich war in letzter Zeit wenig im Schwingkeller und kann es daher nur bedingt beurteilen. Der Sieg wird sicher über Kilian Wenger und Simon Anderegg führen. Weiter traue ich dies auch Ruedi Roschi und Curdin Orlik zu. Weiter bin ich auf Kilian von Weissenfluh gespannt, auf ihn gilt es auch zu achten.
Beim Schwingklub Thun haben wir zurzeit leider etwas Verletzungspech. Marco Iseli wird daher nicht am Start sein. Meine beiden Brüder Alexander und Marcel können sicher auch etwas reissen. Lorenz Waber und Michael Leuenberger sind beide im Strumpf, ihnen traue ich eine Spitzenklassierung zu. Das Erreichen des Schlussganges für einen unserer Schwinger käme aber wohl einer Überraschung gleich.»

Wie viele Zuschauer werden erwartet?
«In den vergangenen Jahren fanden jeweils rund 1’000 bis 1’200 Zuschauer den Weg in die Lachenhalle.»

Gibt es Gaben für die Schwinger?
«Ja, es gibt jeweils Fleisch-Gaben und Früchtekörbe. Normalerweise ist der Siegerpreis eine Hamme, es steht dem Sieger aber zu, frei zu wählen.»

Seit wann gibt es den Jahresschwinget Thun?
«Die Siegerliste geht bis 1993 zurück. Früher war dies nur ein Klubschwinget, und 1968 wurde erstmals versuchsweise ein Hallenschwinget durchgeführt. In den letzten Jahren wurde der Anlass immer interessanter. Denn: Die Lachenhalle bietet eine gute Infrastruktur und so wurde das Schwingfest auch für Eidgenossen aus anderen Gauverbänden attraktiv. Morgen sind übrigens mit Kilian Wenger, Simon Anderegg und Marcel Kämpf drei ehemalige Sieger am Start.»

Zum Schluss: Wie geht es dir? Und: Wann trifft man dich wieder wettkampfmässig auf Schwingplätzen an?
«Mir geht es sehr gut. Die zweite Hüftoperation lief auch gut und bis Mitte April bin ich auf Krücken angewiesen. Bis ich wieder schwingen wird es Juli. Darum habe ich die Kranzfeste zurückgestellt und mich nirgends angemeldet. Ab Mitte August/anfangs September fasse ich einige Regionalfeste ins Visier. Ich werde mir aber genug Zeit geben, damit ich für den Aufbau im nächsten Winter und die nächste Saison topfit bin.»

feldwaldwiesenblogger

Keep the valley loud

Ein Jodelklub, vier Chöre, zehn Volksmusik-Formationen, zwei Country-, sieben Rock- und zwei Metal-Bands: Es wird viel Musik gemacht im Muotatal. Erstaunlich, denn im Muotatal leben nur 3500 Menschen auf einer Fläche fast so gross wie der Kanton Zug.

Text und Fotos: Christof Hirtler

Medien und Werbung zementieren das Image des Muotatals als abgeschiedenes, wildromantisches Bergtal, bewohnt von starrköpfigen und eigenbrötlerischen Hinterwäldlern. Wer aber die Klangwelten des Muotatals erkundet, findet zu den Wurzeln der Schweizer Volksmusik und begegnet vielen weltoffenen und innovativen Musikerinnen und Musikern verschiedenster Stilrichtungen.

Muotataler Groove
Die sperrige-urchige Tanzmusik und die archaischen Jüüzli des Muotatals sind schweizweit einzigartig. Das Muotatal ist eine riesige musikalische Schatztruhe: Die Stücke der Schwyzerörgeler Rees Gwerder, Anton Betschart, Georg-Anton Langenegger, des Akkordeonisten Franz Schmidig sen. oder des Geigers Josef Imhof (z‘ Predigers Joseb) sind von einem unwiderstehlichen Groove und inspirieren. Die Musik des Geigers Josef Imhof war ausschlaggebend für die Gründung von „Ambäck“, das Trio um die Schwyzerörgeli-Ikone Markus Flückiger. Ambäck heisst übrigens im Muotataler Dialekt Spaltklotz.

Um das musikalische Erbe des Muotatals kümmert sich seit 2009 der Verein Giigäbank. Mit seinen Sammlungen von Noten und Tonträgern spielt der Verein zusammen mit der Musikschule Muotatal-Illgau eine wichtige Rolle bei der Erhaltung und Förderung des volkstümlichen Kulturguts. Jährlich organisiert der Verein Giigäbank am letzten Sonntag des Jahres den Muotataler Ländlersunntig.


Natur pur am Muotathaler Ländlersunntig (Silvester 2017)

Muotathaler Ländlersunntig
31. Dezember 2017: Im Restaurant Alpenblick, Vereinslokal der örtlichen Feuerwehr, gibt es wie angekündigt, grünen Salat, Schweinssteak an Kräuterbutter, Pommes und Coupe Dänemark. Dann sind die Teller abgeräumt, es spielt das Handorgelduo Remo Gwerder-Franz Schmidig, das Publikum geniesst die Musik bei einem Glas Roten oder einem Kaffee Schnaps.

An einem der langen Tisch sitzt Koni Schelbert, feldwaldwiesenblogger und Musiker: „Die Toleranz unter den einzelnen Stilrichtungen ist recht gross, die Musiker respektieren sich gegenseitig. Es gibt neben den vielen Ländlermusikformationen auch eine lebendige Metal-Szene. Auch Thrash-Metaller besuchen ab und zu eine Ländler-Stubete. Andere, wie Bernhard Betschart von ‚Natur pur’ switchen zwischen Volksmusik, Country und Rock.“

Tanzen verboten
1886 begann Alois Eichhorn in Schwyz mit dem Bau der ersten Schwyzerörgeli. Alois Suter (Lisäbethler), Bauer auf der Unteren Meienen und Kirchensakristan, Melchior Anton Langenegger (Egg-Basch), Bauer, und Franz Betschart (Liänäler), Fuhrhalter, waren die ersten Schwyzerörgelispieler im abgeschiedenen Muotatal. Das Spielen haben sie sich selber beigebracht.
Die gesungenen oder mit dem Büchel vorgetragenen alten Melodien und Jüüzli wurden auf das neue Instrument adaptiert. Die Musik klang roh, mit Ecken und Kanten und abrupten Taktwechseln. Gespielt wurde aus dem Stehgreif, nach Gehör und ohne Noten.

Mit dem Schwyzerörgeli konnte ein einziger Musiker zum Tanz aufspielen, zudem war es klein und einfach zu abgelegenen Bauernhäuser zu transportieren. Dort fanden die „Schloffätänz“ statt. Heimlich wurde die ganze Nacht gespielt, getanzt und gefeiert, zum Missfallen der Kirche und der Behörden, die in ihrem Kampf gegen Unsittlichkeit und Alkoholismus die Tanzanlässe nur während der Fasnacht, der Chilbi und an den Viehmärkten zuliessen. Wer sich nicht daran hielt, machte sich vor dem Gesetz strafbar und musste bis in die 1950er-Jahre während der Sonntagsmesse im Mittelgang „uusächnüüä“.

Dr Eigäler
Rees Gwerder (Eigäler), 1911 im Heimet „Schweizi“, zuhinterst im Muotatal geboren und aufgewachsen, besass ein unglaubliches Musikgehör. Als Fünfjähriger nahm er das Schwyzerörgeli seines Vaters und übte heimlich die ersten Stücke. „Äs hed äim scho käinä niä öp-pis zäigt“, sagte Rees Gwerder an einem Fernsehinterview von 10vor10 zu seinem 80zigsten Geburtstag. Bereits als 15-jähriger verfügte der Bauernsohn über ein Repertoire von 100 Melodien, hauptsächlich kurze, zweiteilige Tänze, sogenannte „Stümpäli“. Sein Leben lang spielte Rees Gwerder auf seinem Eichhornörgeli ausschliesslich alte Tänze, die er zum Teil neu kombinierte oder wie er sagte „zwägg gchlüngelet het“. Über 200 Stücke konnte Rees Gwerder aus dem Stehgreif ohne Noten spielen. Dies soll ausgereicht haben, um an der Riemenstalder-Chilbi stundenlang lang zum Tanz aufzuspielen.

Rees Gwerder nahm zahlreiche Tonträger auf. Tänzli, wie er sie von seinen Vorfahren gehört hatte. Dieses Inventar zählt heute zum kulturellen Erbe der Schweizer Volksmusik. „Nüümodischs“ lehnte Rees Gwerder jedoch stets ab, der wortkarge Musiker mit der Chrummä im Mund blieb konsequent beim Alten. Durch den Film „UR-Musig“ (1993) des Luzerner Musikethnologen Cyrill Schläpfer gelangte Gwerder zu internationalem Ruhm. 2011 schrieb der Luzerner Musikjournalist Pirmin Bossart in der Luzerner Zeitung: „Rees Gwerder hatte dieses ungeschminkt Authentische und Knorrige, das man in den Wysel-Gyr-Jahren der medial aufbereiteten Ländlermusik so nie zu Gehör bekommen hatte“. Schläpfers Klangreise zu „den querstehenden und musikalischen Grinden aus dem Muotatal“ gab der damals oft belächelten Schweizer Volksmusik ihren Stellenwert zurück. Die Gruppe „Pareglish“ (bareglisch ist ein Muotataler Dialektwort für brünstig, geil) um Dani Häusler und Markus Flückiger, die zuvor in Finnland oder im Balkan Inspiration suchten, entdeckte die Wurzeln der Schweizer Volksmusik vor ihrer Haustüre, lüftete kräftig durch und brachte die Schweizer Volksmusik aus der „nichthinterfragenden Traditionspflege“ in die Gegenwart.


Echo vom Schattenhalb am Ländlersunntig (Silvester 2017)

Schrägers und Gräders
Auch Cornel Schelbert (ds Schmieds Cornel), Örgeler des „Echo vom Schattenhalb“ spielt mit Daniel Schmidig (ds Hebamms Dänl) seit 22 Jahren in der Tradition ihrer Vorfahren Rees Gwerder oder Georg Anton Langenegger (Egg Basch). Das Schwyzerörgelispiel lernten die beiden ab Tonbandkassettli, oft Eigenaufnahmen bekannter Muotataler Musiker.

Die schroffe Landschaft des Muotatals und die Arbeit als Bauern, prägt das Lebensgefühl und die Musik des „Echo vom Schattenhalb“. „Unsere Musik tönt manchmal fröhlich, aber oft traurig, wie das Leben“, sagt Cornel Schelbert. Schelbert und Schmidig spielen die Stücke auf Stöpselbass- und Halbwienerörgeli möglichst originalgetreu und mit ungewohnten Taktwechseln. „Will miär beed midänand gliich falsch spillid, tönts dä äbä gliich nüd lätz“. Schalk, Eigensinn und die Lust „anders zu tönen“ prägt die Musik der Schattenhälbler. Die alten Tänze kommen auch bei den Jungen gut an. Im „Bastards Place“, ehemals Restaurant Sonne, spielen neben Country-Rock- und Rock’n’Roll-Bands auch Ländlerformationen. „Ganz sicher gibt’s bei uns kein HipHop, Techno und solches Zeugs“, versichert Nik Betschart, der Betreiber des Lokals.

Natur pur
„Schrägers und Gräders“, so heisst die gemeinsame CD des Handörgeli-Duos „Echo vom Schattenhalb“ und der Juuzer-Gruppe „Natur pur“. „Das Juuzen ist eng mit dem Bärgbuurä-Läbä verbunden“, erklärt der Sänger, Gitarrist und Bassist Bernhard Betschart, aufgewachsen mit sechs Geschwistern auf dem stotzigen Heimet Zinglen im Muotatal. Nach der Schule half er den Eltern auf dem Betrieb, mit 25 Jahren absolvierte er eine Lehre als Strassenbauer.

Heute lebt Beny Betschart von der Musik. Er spielt mit „Black Creek“ Folk, Rock und Country, pflegt den Naturjuuz mit der Gruppe „Natur pur“ und gibt Jodel-Workshops. Er ist, wie viele Muotataler, ein Macher. „Das Juuzen tut uns Muotatalern gut. Beim Zusammentreiben der Rinder auf der Alp oder beim Locken des Viehs, da juuze ich gerne. Das ist unsere Form Gefühle auszudrücken – ohne Worte – das kommt von ganz tief.“ Die Jüüzli klingen darum nicht nur freudig, sondern oft auch melancholisch und „es gibt auch einige wilde, verdrehte“. Gejuzzt wird nach überlieferten, traditionelle Melodien. „Auffallend für das Ohr von Laien sind die ‚schräg’ klingenden Töne der Naturtonreihe. Dies ergibt beim mehrstimmigen Singen ungewohnte, für unsere Ohren dissonant klingende Intervalle.“

Der archaische Naturjodel des Muotatals ist in der Schweiz einzigartig. „Man weiss, dass die Natur den Juuz prägt, so tönt der Naturjodel im hügeligen Appenzell viel weicher, als im gebirgigen Toggenburg oder bei uns. Wir leben in einem engen Tal, mitten im Gebirge. So rau wie die Landschaft, so rau ist der Juuz, so rau ist auch die Intonation.“ Dies erforschte und belegte der Musiktethnologe Hugo Zemp mit seinen Feldforschungen, fünf Dokumentarfilmen und der Platte „Jüüzli – Jodel du Muotatal“ (1979). Die LP ist in der renommierten Serie „Le Chant Du Monde“ erschienen, die Musik aus aller Welt präsentierte.


Die Melodic-Trash-Metalband Infinitas live im Gaswerk (Seewen SZ), bei der Albumtaufe am 6. Mai 2017

Melodic-Thrash-Metal – Infinitas
Ein Stück Käse liegt am Boden einer Lawinengalerie. Beim Tunnelausgang steht ein Mann, ein braunes Badetuch über den Kopf geworfen. Ein zweiter Mann mit einem blauen Badtuch über dem Kopf nähert sich. Der mit dem braunen Tuch schreit ihn an: „Hesch du dr Chääs is Tunäll inätaa?“. „Näi, han i nüd“, antwortet der andere, mit Armen und Beinen um sich fuchtelnd. „Moll dä hesch.“ „Näi, han i nüd“ und so könnten sie sich unendlich um einen Chäs, resp. um Nichts streiten. Das absurd-schräge Youtube-Filmchen mit einer tüchtigen Prise Muotataler Humor geistert seit 2015 als Low-Budget-Trailer für das Muotataler Metal-Festival „Harvest“ im Netz.

Initiant und Organisator des Festivals war Pirmin (Piri) Betschart, Bandleader und Schlagzeuger der Muotataler Melodic-Thrash-Metal-Band „Infinitas“. In einem Stall hat er mit dem Gitarristen Selv Martone einen professionellen Proberaum samt Studio eingerichtet. „Einstiegsdroge zum Heavy Metal war AC/DC, wie im Muotatal allgemein üblich“, sagt Selv Martone verschmitzt. „Wir lieben das Erdige, das Echte, und feilen so lange an unseren Stücken, bis sie live so gut tönen, wie wir sie auf CD aufgenommen haben. Qualität ist uns wichtig – einfach flätt (völlig) ehrlich, ohne Tricks und Schumeleien.“ „Dazu braucht es eine typische Portion Muotataler Sturheit“, erklärt die Aargauer Sängerin Andrea Böll lachend. Sie muss es wissen, ist sie doch vor zwei Jahren wegen „Infinitas“ nach Goldau gezogen.

Das Intro auf der neuesten CD „CIVITAS INTERITUS“ ist im Muotataler Dialekt gesprochen, die Songtexte sind auf Englisch. Pirmin Betschart: „Wir wollten damit etwas von der Heimat einarbeiten, dä Wurzlä trüü bliibä, auch wenn es nicht alle verstehen.“ Jedes Jahr spielen Infinitas rund 10 Konzerte in Zürich, Basel oder Bern, wo die Metal-Szene sehr aktiv ist.

Metal wird im Tal weniger gehört als auch schon. Neben Rock und Country ist die Ländlermusik der Vorfahren bei den Jungen besonders beliebt. „Viil Musiker, wo urchägi Musig machid, hend üs gsäid, das was miär miächid, miächid miär huärä guät, aber äs gfiäl inä nüd. Das isch äs schöns Feedback“, freut sich Pirmin Betschart.

Keep the valley loud
Für viele Muotataler Männer ist der Klang der Glocken die schönste Musik. Jeweils am Abend des Dreikönigstags treffen sich die Triichler vor dem „Sternen“. Das neue Jahr wird eingeläutet und die Triichler machen mächtig Dampf: Zwei Stunden lang bewegt sich der Zug von mehr als 200 Männern im wiissä Hirthämmli durchs Dorf, im Takt ihre grossen Fahr- und Weid-Treicheln schwingend. Angeführt von fünf Geisslächlepfern mit Lorbeerkranz, dem Präsidenten mit einer Grotze und dem Vize mit einer hohen Holzbrennte, im Muotataler Dialekt heisst diese Tausä. Der Traditionsanlass ist nicht nur bei Bauern, Handwerkern und Angestellten beliebt, auch die Rocker sind dabei.

„Der Dreikönigstag ist die gefährlichste der zwölf Rauhnächte“, vermerkt das Handbuch des Deutschen Aberglaubens. „In den Lüften treiben Geister ihr Unwesen, die mit Peitschenknallen, Kettenrasseln und ähnlichem Getöse vertrieben wurden.“ Nachdem die Treichler vom Weiler Ried und von Muotathal sich regelmässig prügelten, treicheln die Riedter am Neujahrstag, die Muotathaler am Dreikönigstag. „Aber die Riedter kommen trotzdem jedes Jahr als Zuschauer ins Dorf“, bemerkt ein Muotathaler Treichler. Im Dorf ist Freinacht und das „Echo vom Schattenhalb“ spielt bis am frühen Morgen im „Sternen“-Saal.

feldwaldwiesenblogger

Besuch bei Stefan Arnold, dem besten Urner Schwinger 2017

Text: feldwaldwiesenblogger

Vor dem 45. Grossen Hallenschwinget Sarnen, dem eigentlichen Saisonstart der Innerschweizer, führte ich vor einer Woche ein Gespräch mit Stefan Arnold, dem besten Urner der vergangenen Saison. Stefan gewann dabei nicht weniger als sechs Kränze, darunter den Brünig- und Schwarzsee-Bergkranz sowie den Teilverbandskranz beim Innerschweizerischen in Alpnach OW. In der SCHLUSSGANG-Wertung, der offiziellen Jahrespunkteliste des Eidgenössischen Schwingerverbandes, belegte der Sennenschwinger den 30. Platz. Stefan war gemäss dieser Wertung der acht beste Innerschweizer und klassierte sich gar vor Eidgenossen wie Patrick Räbmatter, Philipp Reusser, Florian Gnägi oder René Suppiger. Andi Imhof, der zweitbeste Urner, folgte auf Platz 50.

Je vierfacher Berg- und Teilverbandskranzer
Der Urner erblickte am 22. Januar 1988 im Kantonsspital Altdorf UR das Licht der Welt, wuchs in Spiringen UR auf und wohnt heute in Attinghausen UR. Er erlernte nach der obligatorischen Schulzeit den Beruf eines Metallbauers und arbeitet heute in seinem angestammten Beruf bei der Firma Brand Metallbau in Schattdorf UR. Zu seinen Hobbys zählt Stefan nebst dem Schwingen Krafttraining, Biken und Bergläufe.
Der 30-Jährige bringt mit seiner Grösse (180 Zentimeter) und seinem Gewicht (97 Kilogramm) nicht ganz optimale Voraussetzungen für den Schwingsport mit. Stefan sagt dazu: «Das kann man so sagen, für optimale Verhältnisse fehlen ein paar Zentimeter und ein paar Kilogramm».
Der 23-fache Kranzschwinger ist Mitglied beim Schwingklub Attinghausen und gilt als Kopfgriff- und Hüfter-Spezialist. Als 11-Jähriger begann Stefan mit dem Schwingsport und gewann als Jungschwinger zwischen 40 und 50 Zweige. Der Sennenschwinger kehrte zehnmal als Sieger von einem Jungschwingertag nach Hause, unter anderem 2004 vom Innerschweizer Nachwuchsschwingertag. Als schwingerisches Vorbild benennt der Metallbauer den Schwingerkönig Jörg Aberhalden und Schwinger wie Andi Ulrich, welche ähnliche körperliche Voraussetzungen aufweisen. Stefan’s Palmarès beinhaltet 23 Kränze: 4 Bergkränze, 4 Teilverbandskränze und 15 Kantonalkränze. Den ersten Kranz gewann der Attinghauser 2008 mit 20 Jahren beim Zuger Kantonalen in Zug. Dazu kommen drei regionale Festsiege beim Urnerboden-Schwinget 2012 und 2014 sowie beim Urner Rangschwinget 2017.


Stefan Arnold beim Gespräch zuhause in Attinghausen
Bild: feldwaldwiesenblogger

Hast du eine Erklärung dafür, dass es dir letztes Jahr so gut lief (6 Kränze, Vorjahr 4 Kränze)?
«Ich konnte während dem Winter 2015/2016 gut durchtrainieren. Von 2012 bis 2015 hatte ich verschiedene Verletzungen am Knie, Rücken und an der Hand. Nach dem Kreuzbandriss anfangs 2015 konnte ich hinterher einen sehr guten Aufbau machen. Deshalb lief es mir bereits 2016 mit vier gewonnen Kränzen gut. Beim ESAF2016 in Estavayer erlitt ich beim ersten Gang eine Brustmuskelverletzung. Hinterher musste ich drei Monate pausieren und konnte dann einen optimalen Aufbau machen. Dadurch lief es mir in der Saison 2017 sehr gut. Denn ich durfte während der ganzen Saison gesund bleiben und konnte die vorgenommenen Schwingfeste bestreiten.»

Geht es 2018 in diesem Stil weiter? Liegen gar noch mehr Kränze drin?
«Den Aufbau für die neue Saison legte ich im vergangenen Winter und es lief bis vor etwa fünf Wochen gut. Wegen einer Sehnen-Entzündung im Ellbogen konnte ich rund einen Monat nicht schwingen. Mit dem Schwingtraining habe ich vor einigen Tagen wieder begonnen. Der Physiotherapeut gab mir das Okay und das Schwingtraining lief fast wieder schmerzfrei.
Mehr Kränze zu gewinnen ist sicher nicht einfach, und meine Gegner stellen sich ziemlich sicher auch anders auf mich ein. Ich möchte einfach ohne Druck schwingen und das Beste daraus machen. Wenn’s mal an einem Schwingfest nicht so läuft, gilt es, dran zu bleiben und weiter zu machen. Es gibt dann sicher auch eine Erklärung dafür, und daran kann man arbeiten.»

Letztes Jahr belegtest du beim Jubiläums-Urner Kantonalen Rang 3b, im Vorjahr gar Rang 2a. 2018 heisst der Sieger beim Urner Ehrentag Stefan Arnold?
«Es wäre sicher schön. Es werden aber auch starke Gäste antreten. Wie an jedem Schwingfest muss man in den Wettkampf und in einen Lauf kommen. Sich dabei auch nicht zu viel Druck machen. Ich werde sicher mein Bestes geben! Das Ziel ist der Kranz und alles andere wird sich weisen. Es wird sicher kein einfaches Unterfangen.»

Wie sah dein Trainingsaufwand im Winter aus? Hast du den gegenüber 2016 oder 2017 noch gesteigert?
«Einige Sachen habe ich umgestellt. Der Trainingsaufwand blieb aber in etwa derselbe. Im Oktober habe ich mit Ausdauer- und Konditionstraining begonnen, im November kam das Schwingtraining hinzu. Zwei Schwingtrainings pro Woche (Dienstag und Donnerstag) waren immer fix. Am Montag absolvierte ich jeweils ein Kraft- und Ausdauertraining, der Mittwoch stand im Zeichen eines lockeren Rumpftrainings. Am Freitagmorgen stand vor der Arbeit ein Turnhallentraining auf dem Programm. Am Freitagabend oder am Samstag widmete ich mich dann nochmals einem Kraft- oder Rumpftraining. Den Trainingsplan habe ich selber zusammengestellt. Der Ablauf sah so aus, dass drei 3 Wochen intensiv trainiert wurde, und danach eine Erholungswoche mit zweimal Schwingen und nur einem Kraft-/Konditionstraining folgte.
Ich notiere mir jeweils, was und wie ich trainiert habe. So kann ich auch auf das vergangene Jahr zurückschauen, und es hilft mir zu erkennen, wo ich stehe. Gegenüber der letzten Saisonvorbereitung habe ich nicht viel geändert. Für mich gilt, in jedem Training alles zu geben und die Zeit gut zu nutzen.»

Studiert man deine Kranzgewinne, kommt man zur Erkenntnis, dass du vor 2016 nie mehr als zwei oder drei Kränze pro Saison gewonnen hast. Wo siehst du die Gründe dafür?
«Das waren in erster Linie Verletzungsgründe. Im Februar 2012 verletzte ich mich am rechten Knie (Schleimbeutel und Patella-Sehne) und konnte bis zum Urner Kantonalen nicht trainieren. Bei unserem Kantonalen gewann ich dann trotzdem den Kranz. Nach dem Kantonalen kam ein Infekt dazu. Im gleichen Jahr trat ich nur noch beim Urnerboden-Schwinget an, welches ich gewinnen konnte. 2013 brach ich mir die linke Hand und konnte erst beim Innerschweizerischen antreten, bei welchem ich den Kranz holte. Zu meiner Überraschung durfte ich beim Brünig-Schwinget starten, von wo ich ebenfalls kranzgeschmückt heimkehren durfte. Beim Eidgenössischen in Burgdorf lief es mir gut. Im Jahr 2014 hatte ich während der ganzen Saison Bandscheibenprobleme und es reichte nur zu zwei Kränzen. Anfangs 2015 riss ich mir bei einem Training das Kreuzband im linken Knie. Die Saison war dann leider gelaufen.»

Wie siehst du derzeit das Stärkeverhältnis der Urner innerhalb der Innerschweizer Kantonalverbände?
«Wir haben viele fleissige und motivierte Junge, welche man noch nicht so kennt und teilweise erst einen Kranz aufweisen. Diesen Schwingern muss man nun einige Jahre Zeit geben. Dann werden sie sicher auch bei den Schwingfesten in der Innerschweiz und an den Bergfesten ihre Kränze gewinnen. Mit diesen Nachwuchshoffnungen werden wir sicher nicht abfallen. Aber: Vom Einzugsgebiet her sind wir halt nicht so gross und zählen auch weniger Schwinger als die Luzerner oder Schwyzer. Aber wir werden uns in den nächsten Jahren sicher gut schlagen.»


Der beste Urner 2017 machte auch beim Schwarzsee-Schwinget (6. Gang gegen Gustav Steffen) eine gute Figur
Bild: Stefan Arnold

Beim letztjährigen Innerschweizer schnitten die Urner Schwinger mit fünf Kränzen sehr gut ab. Ein eindeutiges Indiz, dass bei euch gute Arbeit verrichtet wird?
«Das ist sicher so. Der Technische Leiter Richi Imholz macht harte und intensive Trainings. Und diejenigen Schwinger, welche diese Trainings während dem Winter durchziehen, können jeder für sich einen Schritt nach vorn machen. Dabei ist der Trainingsfleiss von jedem einzelnen gefragt. Bei der Nachwuchsförderung wird auch gute Arbeit geleistet und es stehen die richtigen Leute dahinter, damit der Schwingsport im Kanton Uri vorwärtskommt.»

Wann fuhren die Urner das letzte Mal nach einem Innerschweizer mit so vielen Kränzen nach Hause?
«Das war 1993 in Sursee LU, bei welchem die Urner auch fünf Kränze gewannen. Kranzgeschmückt kehrten damals Adelbert Gisler, Raphael Arnold, Ambros Arnold, Stefan Bissig und Josef Herger nach Hause.»

Darf man für den Aufschwung im Urnerland auch die neue Schwinghalle Attinghausen, welche im März 2015 eröffnet wurde, als Ursache nennen?
«Das ist sicher auch ein Grund. Am letzten Dienstag trainierten beispielsweise alle Urner Schwingklubs in der Schwinghalle miteinander und wir zählten etwa 40 Schwinger beim Kantonaltraining. Das sind für den Kanton Uri wirklich viele Athleten! Es ist ein Vorteil, dass wir in einer grossen Halle miteinander trainieren können und die Schwinger nicht überall verteilt sind. Ab März trainieren nun auch am Donnerstag alle Urner Schwingklubs gemeinsam. Während dem Winter trainierten donnerstags noch einige Urner Schwingklubs in ihren eigenen Schwingkellern.
Zudem: Man lernt einander besser kennen und es entwickelt sich ein guter Teamgeist. Die neue Halle ist für uns viel wert und wird auch als Innerschweizer Schwing- und Trainingscenter genutzt. Dabei wird mit dem Trainingscenter Berghof in Wolhusen LU abgewechselt. Dass die Innerschweizer Trainings auch bei uns stattfinden können, ist für uns Urner ein Mehrwert. Dazu kommen die Trainings für die Jungschwinger. Die Schwinghalle wird so pro Woche meist bis zu fünfmal fürs Schwingtraining genutzt.»

Wie sieht dein Festkalender für 2018 aus?
«Nach dem Hallenschwinget Sarnen steht ein ISV-Trainingsweekend für das Team «Zugpferde» auf dem Programm. Sofern ich gesund bin, möchte ich beim Hallenschwinget Engelberg (23. März), Frühjahrsschwinget Ibach (2. April) und dem Urner Rangschwinget Flüelen (7. April) antreten. Eventuell bestreite ich vor dem Zuger Kantonalen (22. April) noch ein weiteres Rangschwingfest. Weiter darf ich beim Baselstädtischen Schwingfest (10. Mai) als Gast antreten. Dann steht das Luzerner (29. Mai) und das Urner Kantonale (3. Juni) an, gefolgt vom Stoos-Schwinget (10. Juni), Innerschweizerischen (1. Juli), Rigi-Schwinget (8. Juli) und dem Schwägalp-Schwinget (19. August). Dazwischen starte ich je nachdem noch an einzelnen Rangschwingfesten.»

Welches wird dein persönliches Highlight im Schwingerjahr 2018?
«Für mich ist es das Urner Kantonale, weil es in meiner Wohngemeinde Attinghausen stattfindet. Ich freue mich aber auch auf die Bergfeste. Der Rigi- und der Schwägalp-Schwinget werden sicher speziell. Aber für mich ist jedes Schwingfest wichtig.»

Zum Schluss: Was meinst du, bist du mit dem eingeschlagenen Weg in Zug gar auf Eidgenössischem Kranz-Kurs? Oder müsstest du dafür noch eine Schippe drauflegen?
«Mehr geht immer, und das Ziel ist, sich noch ein wenig zu steigern. Von meinem Körperbau her gesehen muss in Zug alles zusammenstimmen, damit es aufgeht. Sei es in Sachen Gegner oder der Tagesform. Aber dafür trainiert man, und man hofft gesund zu bleiben, dass man dies erreichen darf. Der Eidgenössische Kranz ist mein grosses Ziel, und dafür werde ich die nächsten anderthalb Jahre hart trainieren und daran glauben.»


Einer von Stefan Arnolds Highlights 2017: Der begehrte Brünig-Kranz
Bild: Stefan Arnold

45. Grosser Hallenschwinget Sarnen
Beim eingangs erwähnten Hallenschwinget Sarnen belegte Stefan in der Endabrechnung Rang 8a und erhielt dafür die Auszeichnung. Zu drei Siegen gesellten sich drei «Gestellte» hinzu. Zwei Tage vorher fragte ich ihn beim Gespräch, ob er jetzt schon für einen Spitzenplatz bereit sei. Der Attinghauser antwortete: «Ich sehe es für mich als eine Standortbestimmung und ich will schauen wie es nach der Entzündung im Ellbogen geht. Zudem brauche ich im Frühling immer drei bis vier Schwingfeste, um in die Saison zu kommen. Deshalb werde ich vor dem Zuger Kantonalen noch ein paar Rangschwingfeste bestreiten. Wenn man die Besetzung für Sarnen anschaut, hat es noch andere Schwinger darunter, welche mit mehr Ambitionen antreten werden. Ich werde aber sicher mein Bestes daraus machen.»
Diese Woche erklärte mir der Urner, dass er mit seinem Wettkampf zufrieden war und ein gutes Gefühl beim Ellbogen hatte. Einen Tag später kehrten aber die Schmerzen zurück. Stefan ergänzt: «Jetzt muss ich abklären, wo das Problem liegt. Ich bin aber optimistisch, dass es bald gut kommt.»

Ich bedanke mich bei Stefan für das Gastrecht bei ihm zuhause und das äusserst interessante Gespräch. Für die nun begonnene Saison wünsche ich dem Attinghauser viel Erfolg und vor allem beste Gesundheit! Hinsichtlich der Ellbogen-Geschichte wünsche ich dem Sennenschwinger rasche Genesung.

feldwaldwiesenblogger