Isabelle Emmenegger: „Die Nachfrage und das Interesse ist sehr gross“ (Teil 2)

Im zweiten Teil des Gespräches mit Isabelle Emmenegger, der Direktorin von Estavayer2016, geht es um sechs verschiedene Aspekte rund um ihre Aufgabe. Einerseits um die aktuellen Arbeiten, die bisher grössten Hürden sowie die operative Leitung. Andererseits erzählte mir Isabelle vom Beginn der heissen Phase(n) vor dem Eidgenössischen, die Grösse des Anlasses und in welchem Rahmen das Gesamt-Budget sein könnte.

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Isabelle Emmenegger, Direktorin von Estavayer2016
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

An was arbeiten du und dein Team momentan?
Momentan widme ich mich vor allem der Gesamtkoordination des Projekts. Die Herausforderung, die Gesamtübersicht über das Projekt und den Projektverlauf sicher zu stellen. Damit alle Abteilungen auf dem gleichen Stand sind, und Schnittstellen miteinander abgleichen. Daneben ist das Sponsoring eine weitere grosse Aufgabe. Nächstens haben wir einen grossen Auftritt beim „Comptoir Broyard“, einer sehr beliebten Messe in der Region. Weiter gehört auch das Finden von 4000 Freiwilligen dazu.
Wichtig sind auch das Herausgeben von Informationen, und die Kommunikation. Vertrauen zu schaffen, intern wie extern. Übrigens: Die Bevölkerungsinformationen beginnen demnächst.

Welches waren bisher die grössten Hürden, die du zu bewältigen hattest?
Das ist eine ganz gute Frage. Ich denke, eine war sicher, die richtigen Leute für die einzelnen Abteilungen zu finden, welche die verschiedenen Verantwortungen übernehmen. Denn diese Leute machen das ehrenamtlich, nebst ihrem Job.
Ich bin mich gewöhnt, in solchen Projekten zu arbeiten. Es gibt jeden Tag Sachen, die weniger gut laufen, aber auch solche die gut laufen. Ich interessiere mich halt ganz allgemein sehr für den Sport. Ich komme zwar nicht vom Schwinger-Fach, bin deswegen sehr viel mit Blaise Decrauzat (SWSV-Präsident) und Rolf Gasser (ESV-Geschäftsstellenleiter) in Kontakt.
Eine weitere Herausforderung ist die Tatsache, dass das Schwingfest auf dem Boden von zwei Kantonen stattfinden wird. Wir sind deshalb permanent mit Freiburg und Waadt im Gespräch. Die Abläufe und die Gesetze sind in beiden Kantonen anders. Eine weitere Geschichte ist das Vorhandensein der entsprechenden Dokumente und das Abgleichen der Sicherheitskonzepte mit beiden Kantonen.
Es sind sehr viele verschieden Sachen, die da zusammenkommen. Zum Beispiel auch der Punkt, dass der Deutschschweizer heute schon wissen möchte, auf welchem Platz er sitzen wird und wo er übernachten kann. Beim Westschweizer hingegen beginnt nun die Vorfreude, und er realisiert, dass das Eidgenössische bald vor der Tür stehen wird. Für die Deutschschweizer ist das Eidgenössische ein Riesenbegriff. Der Westschweizer hingegen hat noch das ESAF Nyon von 2001 im Kopf. Dies ist aber schon so lange her, dazwischen liegen nun Welten. Das ist von der Kommunikation her schon eine Herausforderung.

Ich habe beim Organigramm vom Organisations-Komitee gesehen, dass du dem OK-Präsidenten Albert Bachmann sowie seinen drei Vize-Präsidenten unterstehst. Du hast laut dieser Ansicht gewissermassen das Kern-OK unter dir. Ist dem so?
Ja, dem ist so. Ich habe die operative Leitung inne. Über mir stehen eigentlich nur der OK-Präsident und die Vize-Präsidenten, welche mich auch unterstützen. Damit es wie in einem Betrieb läuft, muss jedes Mosaik, jedes Puzzleteil zusammenstimmen. Es beruht auf Gegenseitigkeit, und muss auf beiden Ebenen funktionieren. Wir sind eine Equipe. Aber es ist schon klar: Bei so einem grossen Projekt muss man auch Strukturen reinbringen, und das Organigramm erklärt eigentlich schon viel. Dabei konnten wir uns auch auf die Erfahrung der Vorgängerfeste abstützen. Ich denke, in Zug wird es ähnlich ablaufen. Wir haben auch Kontakt mit ihnen und hatten schon Treffen. Die Geschäftsstelle in Zug hat nach den Sommerferien ihre Arbeit aufgenommen. Kommenden Januar treffen wir uns mit ihnen in Estavayer zu einem Erfahrungsaustausch. Dies machten die Leute von Burgdorf damals auch mit uns.

Luftaufnahme vom Festgelände Estavayer2016
Luftaufnahme vom Festgelände Estavayer2016
Bildquelle: Facebook

Wann beginnt für dich die „heisse“ Phase vor dem Eidgenössischen?
Eine erste emotionale Phase war sicher der Arbeitsbeginn auf dem Festgelände. Das Ansäen des Rasens und andere Arbeiten. Jetzt sieht man den genauen Standort der Arena. Heiss, respektive anspruchsvoll wird die Aufbauphase im nächsten Jahr.
Jetzt sind wir in einer Phase, wo man gewisse Sachen immer noch hinterfragen kann. Das gehört zum Prozess. Einige Sachen werden auch noch ändern, das ist auch gut so. Aber der momentane Projektstand braucht auch sehr viel Energie, um die Leute auf den gleichen Stand zu bringen. Ab dem Januar geht’s dann sozusagen richtig los. Wie gesagt: Es ist ein Projekt, und ein Projekt ist abhängig von den Leuten, die darin arbeiten.
Zusammenfassend kann man sagen: Es ist eigentlich immer heiss, einfach auf einer anderen Ebene oder in einer anderen Phase des Projektes. So quasi auf einer anderen Siedestufe.

Wird das Drumherum in Estavayer auch wieder so eine Riesenangelegenheit wie in Burgdorf? Wie viele Leute erwartest du am Eidgenössischen?
Die Anzahl Zuschauer in der Arena mit 52‘016 Personen sind vorgegeben. Das Rahmenprogramm wird in der Grössenordnung von Burgdorf sein. Wir haben auch die Herausforderung, die Westschweiz „gluschtig“ zu machen. Jetzt ist die Frage: Wie stark springt die Westschweiz auf den Anlass auf? Es ist einfach ganz schwierig, den Leuten zu erklären, dass es sehr schwierig ist ein Ticket für die Arena zu kriegen. Wir machen Werbung für den Gabentempel und für die privaten Gönnerschaften. So bekommt man eine Möglichkeit ein Arenaticket zu erhalten.
Die Nachfrage für das „Eidgenössische“ ist sehr gross. Die Arena reicht von der Kapazität her schon länger nicht mehr. Ich hätte dies deshalb etwas vom Schlimmsten gefunden, wenn man den Leuten hätte erklären müssen: Stopp, wir wollen nur noch 100‘000 Festbesucher. Das wäre aus meiner Sicht psychologisch und kommunikativ ganz schlecht gewesen. Gerade in einer Region, wo das Schwingen nach dem Eidgenössischen wieder einen Höhenflug bekommen sollte. Darum war bei uns eine Verkleinerung des Festes kein Diskussionspunkt. Diejenigen, die kommen wollen, sollen kommen. Die Westschweizer sollen das Fest geniessen und das Schwingen ihnen näher gebracht werden. Damit sie dem nachher auch mehr Beachtung schenken, und mehr verfolgen.

Ist das Gesamt-Budget ähnlich wie beim ESAF Burgdorf? Und: Darf man fragen, wie gross das Budget sein wird?
Das Budget haben wir noch nicht kommuniziert. Ich denke aber, es wird in einem ähnlichen Rahmen wie beim ESAF Burgdorf sein.

Laut Cash.ch hat sich das Budget innerhalb von sechs Jahren bei gleicher Zuschauerzahl auf 21 Millionen Franken für das Eidgenössische in Frauenfeld (2010) verdreifacht. Bei Wikipedia kann man nachlesen, dass das Budget in Burgdorf (2013) bei 25 Millionen Franken war.

Es erstaunt mich immer wieder, in welche Dimensionen das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest inzwischen gelangt ist. Laut Wikipedia war die Arena in Burgdorf für 52’013 Personen bisher die grösste temporäre Arena der Welt. In Estavayer werden noch drei Personen mehr, nämlich 52‘016, Platz finden. Rund 300‘000 Besucher waren 2013 im Emmental zu Gast. Ich bin überzeugt, spätestens seit dem Interview mit Isabelle Emmenegger, dass in der Westschweiz mindestens so viele Festbesucher anwesend sein werden. Die Direktorin und ihr Team unternehmen nämlich alles, damit das Eidgenössische in Estavayer ein ähnlicher Erfolg wird wie in Burgdorf.

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„Ich weiss gar nicht, wann ich von 100 Prozent auf 120 oder 130 Prozent erhöht habe“ – Interview mit Isabelle Emmenegger, Direktorin von Estavayer2016 (Teil 1)

Besser spät als nie: Der Oktober-Beitrag zum Eidgenössischen in Estavayer kommt gerade noch rechtzeitig vor Monatsende. So fuhr ich am letzten Samstag wieder einmal nach Murten FR und traf mich dort mit Isabelle Emmenegger, der Direktorin von Estavayer2016 zum Interview. Leicht konsterniert musste ich in der Woche vor dem Gesprächstermin zur Kenntnis nehmen, dass in der neusten Ausgabe von SCHWINGEN. DAS MAGAZIN. bereits ein Interview mit Frau Emmenegger enthalten ist. Ich liess mich aber nicht entmutigen und bereitete meinen Fragenkatalog dementsprechend mit anderen Fragen vor.

Isabelle Emmenegger, geboren und aufgewachsen im Entlebuch, genauer gesagt in Schüpfheim LU, wohnt heute in Kerzers FR. Weiter vorstellen wird sich die 38-jährige Frau gleich bei der ersten Frage. Apropos Fragestellung: In Schwingerkreisen ist es üblich, dass man untereinander „Duzis“ macht. So bot mir Frau Emmenegger vor dem Interview auch das Du an. Deshalb meine entsprechend persönliche Fragestellung.

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Isabelle Emmenegger, Direktorin von Estavayer2016
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Wie kamst du zu deinem Job? Was war die Motivation dazu?
Schon während meiner Primarlehrer-Ausbildung und später beim Jus-Studium in Freiburg war ich dem Sport immer sehr nahe. Ich machte selber aktiv viel Sport: Fussball, Skirennen und Volleyball. Mit Glück habe ich nach dem Studium beim Bundesamt für Sport in Magglingen BE eine Stelle bekommen. Ich war dort automatisch immer in Sportprojekten involviert, unter anderem auch bei der Fussball-Euro 2008 und anderen kleineren Projekten. Irgendwann verabschiedete ich mich in Magglingen, und war zwei Jahre weg vom Sport. Ich arbeitete in einem Projekt im Kanton Freiburg. Verschiedene Personen sprachen mich darauf an, ob ich nicht eine Bewerbung als Direktorin von Estavayer2016 einreichen möchte. Das wäre doch etwas für dich, und sie brauchen jemanden der zweisprachig ist, sich im Sport auskennt und schon Grossprojekte geführt hat. Es hat sich darauf das Eine zum Anderen ergeben.
Die Motivation ist grundsätzlich der Sport und die Herausforderung eines Grossprojektes. Das ist für mich eigentlich das schönste, welches es in Verbindung zueinander geben kann.

Wann hast du diese Tätigkeit angetreten?
Im Herbst 2012 begann ich meine Tätigkeit. Eigentlich relativ spät. Wenn man mit den Eidgenössischen von Burgdorf oder Zug vergleicht, etwa ein halbes Jahr später. Aber das macht gar nichts. Es braucht einfach die Zeit, welche einem zur Verfügung steht.

Gibt es ein Pflichtenheft für deine Aufgaben? Wurden deine Aufgaben zu Beginn definiert?
Ja, es gibt in dem Sinn schon ein Pflichtenheft. Wir nahmen das Pflichtenheft von Burgdorf als Basis und sagten uns, dass wir das Rad nicht neu erfinden müssen.
Es kann auch ein Nachteil sein, wenn das Pflichtenheft zu detailliert ist. Denn meine Aufgabe ist so breit, und es ist vorgängig fast nicht möglich alles zu sehen, was kommen wird. Es hängt zudem auch davon ab, welche Leute im Organisations-Komitee (OK) mitarbeiten. Bei den einen Stellen braucht es mehr Unterstützung, an anderen Orten praktisch keine. Das Grundsätzliche ist einfach die Gesamtkoordination und die Führung des Projektes. Weiter die repräsentativen Pflichten beim Steuerungsausschuss wahrnehmen, welche die strategischen Entscheide treffen. Wir sind eigentlich wie ein mittleres oder grösseres Unternehmen mit einem Verwaltungsrat organisiert.
Das Operative ist komplett bei mir, aber das heisst nicht, dass ich keine Unterstützung brauche. Es ist überdies sehr viel mit dem OK-Präsidenten und den Vizepräsidenten abgesprochen. Jetzt sind wir einfach in einer Projektphase, wo wir nicht immer alles miteinander besprechen können. Es geht so viel, und ich weiss manchmal auch nicht immer alles. Das ist dann auch eine Frage des Vertrauens. In Projekten muss man sowieso flexibel sein, sonst funktioniert das nicht.
Wir haben ein Organigramm und alle Abläufe stützen sich auf dieses ab. Dort kann man eigentlich die Prozesse und Strukturen ablesen. Wir haben zudem ein Kompetenzreglement und Statuten für unsere Verantwortung. Es ist alles gut geregelt, denn das ist auch juristisch wichtig. Es war uns zu Beginn der Arbeiten wichtig, eine gute Basis zu legen.
Am Anfang gab es den OK-Präsidenten, Albert Bachmann, und drei Vizepräsidenten. Die führten mit mir ein sehr interessantes und spannendes Gespräch. Sie stellten mir Fragen, wie ich das sehe, und was ich bisher machte.
Ich sass zu Beginn sehr viel mit dem Geschäftsführer von Burgdorf, Patrick Sommer, zusammen. Auch heute noch spreche ich viel mit ihm. Weiter habe ich als wichtige Stütze den Geschäftstellenleiter vom Eidgenössischen Schwingerverband, Rolf Gasser, zur Seite. Er hat ein grosses Wissen rund ums Schwingen und ihn löchere ich mit meinen Fragen. Ich weiss ganz genau, wo und bei wem ich nachfragen kann. Man muss auch nachfragen wollen.
Wir haben sogar Leute vom Burgdorfer Organisations-Komitee an leitender Stelle in unserem OK. Das gab bei uns Kontinuität, was ich wichtig finde. Denn: Wir haben zusätzlich andere spannende Herausforderungen. Wir sind im Kanton Waadt mit unserem Fest, sind zweisprachig, politisch ist es ein Freiburger Projekt und administrativ läuft es schlussendlich über den Kanton Waadt.
Das Festgelände wird zum grössten Teil auf Waadtländer Boden zu stehen kommen, vor allem auf der Gemeindefläche von Payerne. Es gibt ein paar Parkplätze, welche sich auf Freiburger Boden befinden werden.

Wer ist eigentlich ganz genau dein jetziger Arbeitgeber?
Der Verein „Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest Estavayer2016“ ist mein Arbeitgeber. Vorgängig wurde besagter Verein mit eigenen Statuten gegründet, bei welchem ich auch Vorstandsmitglied bin. Der Steuerungsausschuss bildet den Vorstand. Mein Vertrag wurde vom OK-Präsidenten und von einem Vize-Präsidenten unterschrieben.

Auf der Homepage von Estavayer2016 steht dazu folgendes: „Der Freiburger Schwingerverband sowie seine neun Schwingclubs haben nach dem Erhalt des Eidgenössischen die Durchführung an den Verein Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest Estavayer2016 delegiert. Das Organisationskomitee wird von Albert Bachmann präsidiert. Über dem OK steht der Freiburger Schwingerverband mit seinen Schwingclubs als Trägerverein, der von Emmanuel Crausaz geführt wird.“

Diese saubere Organisation wurde unter anderem auch wegen der Haftung vorgenommen. Wenn wir ein Defizit machen würden, würde so der Trägerverein, der Freiburger Kantonalverband, nicht in die Verantwortung genommen. Sollten wir Gewinn machen, haben wir das Splitting für den Kantonalverband und die Schwingklubs schon geregelt.

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Organigramm Estavayer2016
Bildquelle: estavayer2016.ch

Wie gross ist dein Team? Wie viele Personen arbeiten zurzeit in einem Voll- oder Teilzeitpensum in deinem Direktorium?
Ich arbeite in einem Vollpensum. Weiter habe ich eine Assistentin in einem 80 Prozent-Pensum, und Rolf Gasser arbeitet zudem in einem 30 Prozent-Pensum bei uns. Daneben arbeiten noch einige Agenturen für uns, welche explizit für das Sponsoring, die Kommunikation und die Eventumsetzung zuständig sind. Der Rest sind alles Freiwillige. Das ist aus meiner Sicht einerseits eine Herausforderung, andererseits auch unsere Stärke. Oder anders gesagt: Das ist das Einmalige und Spezielle an einem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest, welches so organisiert bleiben sollte. Im Gegensatz dazu beispielsweise eine Fussball-Europameisterschaft. So lange die UEFA diesen Anlass noch nicht vollkommen professionell durchgeführt hatte, war das noch ganz anders. Jetzt geht das gleiche Organisationsteam von der einen EM zur nächsten mit. Das ist zwar einerseits positiv für den Wissenstransfer, andererseits aber kommt die regionale Tradition und Mentalität so weniger zur Geltung.
Übrigens: Unsere Büros befinden sich bei der Autobahnraststätte in Estavayer-le-Lac. Das ist natürlich für die Fahrwege super!

Ich vermute, momentan ist dein Job noch eine eher ruhige Angelegenheit, oder?
Nein, nicht wirklich. Es wird nun konkret. Wir sind nämlich schon in der Umsetzungsphase, und jetzt geht es darum, die Leute auf den gleichen Wissensstand zu bringen. Das ist momentan etwas die Schwierigkeit, und macht es zugleich anspruchsvoll. Aus meiner Sicht war es vor zwei Jahren sogar anstrengender, weil wir in der Planungsphase steckten. Was damals anspruchsvoll war, ist die Tatsache, dass die Leute nicht verstehen konnten, dass wir schon etwas machen. Sie verstanden auch nicht, was wir machen, und konnten auch nicht verstehen, dass man noch nichts sieht. Das empfand ich damals sogar unangenehmer als heute, wo jeder etwas will. Aber jetzt kann man auch antworten. Wir haben jetzt auch wirklich Inhalt.

Wie viele Stunden pro Woche investierst du zurzeit in deine Tätigkeit?
Ich schreibe die Stunden für meine persönliche Kontrolle auf. Nicht, dass man sieht wie viel ich gemacht habe, sondern auch, dass ich sehe: Jetzt ist fertig. Es ist schon lange kein 100 Prozent-Job mehr. Ich weiss gar nicht, wann ich von 100 Prozent auf 120 oder 130 Prozent erhöht habe. Es sind so um die zehn- bis zwölf Stunden-Tage, manchmal sind es pro Tag auch 15 Stunden. Ich mache eigentlich schon länger nichts mehr anderes. Mein Privatleben gibt es nicht mehr gross. Hingegen lasse ich mir meine Joggingausflüge nicht nehmen. Zudem ist mein privates Umfeld auch wichtig, auch die haben das Recht mich manchmal zu sehen.
Jetzt gibt es zwar noch Tage, an welchen ich um 17 Uhr Feierabend machen kann, vor allem in Ferienzeiten, wenn viele abwesend sind. Das kann ich irgendwann nicht mehr. Es werden dann regelmässig noch mehr Stunden pro Tag sein. Aber es ist ja absehbar, und es steckt eine Freude dahinter. Es ist etwas Schönes, etwas Positives und es geht nicht um Leben und Tod. Es geht um ein wahnsinnig schönes Projekt!
Aber man muss sich auch abgrenzen können. Ich musste dies lernen. Ich lernte auch, das Handy auszuschalten, oder dass ich einfach mal für drei Stunden weg bin. Es ist egal was passiert, die Welt geht deswegen nicht unter. Ich sage auch nicht mehr zu allen Einladungen Ja. Ich habe auch gelernt Nein zu sagen. Am Anfang wollte ich überall dabei sein und hatte fast übersprühende Energie. Irgendwann spürt man, dass fast jeder etwas von dir möchte. Es ist wichtig, dass man sich zeigt. Aber wir sind mehrere Personen im OK, und es müssen auch nicht immer die gleichen unterwegs sein. Ich muss mich auch deshalb abgrenzen, damit ich leistungsfähig bleibe.

Am Ende von Teil 1 bleibt anzufügen, dass ich mit 20 Fragen im Gepäck nach Murten reiste. Isabelle beantwortete meine Fragen so interessant und ausführlich, dass ich mich entschloss, drei Teile aus meinem Gespräch mit der Direktorin vom nächsten Eidgenössischen zu machen. Teil 2 wird in Bälde folgen.

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FREMDFÖTZELIGE MUSIKANTEN – Eine filmische Widmung an das Schwyzerörgeli, seinen Protagonisten und Herstellern

Gestern Abend war ich zur Filmpremiere von FREMDFÖTZELIGE MUSIKANTEN eingeladen. Vorgängig entnahm ich ab der Homepage zum Film einige Infos. Denn ich fragte mich: Wieso der Titel FREMDFÖTZELIGE MUSIKANTEN? Roger Bürgler, der Macher und Produzent des Filmes schreibt dazu: „Die Schweizer Volksmusik wird seit 1885 vom Schwyzerörgeli geprägt. Die Schweizer Version der diatonischen Knopf- oder Handharmonika, die ihren Ursprung 1829 in Wien hat, wird landauf landab von tausenden von Musikerinnen und Musikern gespielt. Einige von ihnen haben in den letzten hundert Jahren mit ihrer Kreativität, ihrer Neugier und ihrem Können die Schweizer Volkmusik erneuert, verändert oder gar neu erfunden.
Wir nennen sie «Fremdfötzelige Musikanten». Diese brechen mit Konventionen, blicken über die Grenzen ihrer eigenen Tradition hinaus und definieren diese letztendlich neu. Das gefällt nicht allen und trotzdem sind ihre Einflüsse nach einer gewissen Zeit etabliert und akzeptiert. Solche Musikanten, ihre Geschichten und Instrumente stehen im Zentrum des Kino-Dokumentarfilms von Roger Bürgler.“

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Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Bisher noch nie an einer Filmpremiere
Kurz vor dem Filmbeginn nahm ich meinen Platz ganz zu hinderst ein. Der Sitznachnachbar zu meiner Linken stellte sich als René vor. Ich sagte zu ihm: „Ich war bisher noch nie an einer Filmpremiere.“ Er erwiderte: „Ich schon viele Male.“ Darauf musterte ich ihn, und dann dämmerte es mir, um wen es sich da handelte. Nämlich um keinen Geringeren als René Zingg vom Soundville Studio in Luzern, welcher für den Tonmix von FREMDFÖTZELIGE MUSIKANTEN verantwortlich war.

Der Film begann kurz darauf und ich fühlte mich sogleich wohl. Urchige Schwyzerörgeli-Töne wechselten sich mit schönen Bildern und interessanten Informationen ab. Für mich war der Film zu keiner Zeit langweilig oder langatmig. Bürgler schaffte es, seine Protagonisten, Musiker und Interviewten frei von der Leber weg erzählen oder spielen zu lassen. Ganz ohne Wertung, Kommentare oder sonst etwas. Genial!

Josias Clavadetscher schreibt heute im „Boten der Urschweiz“: „Jetzt hat das Schwyzerörgeli ein fantastisch klingendes Denkmal erhalten. Der Dokumentarfilm von Roger Bürgler ist eine Offenbarung, mit viel Emotion.“ Wie Recht er doch hat! Musik versprüht immer Emotion, und dies kam im Dokumentarfilm wunderbar rüber.

Roger Bürgler sagte am Ende des Filmes, dass er kein profunder Kenner der Volksmusikszene sei. Ich behaupte, er ist nach der Fertigstellung von FREMDFÖTZELIGE MUSIKANTEN mit Bestimmtheit ein grosser Kenner geworden. Mir ging es letztes Jahr bei meiner Schreibarbeit über die Muotathaler Volksmusik ähnlich. Vorher war ich eher ein geneigter Zuhörer. Ein halbes Jahr später, nach der Abgabe der Arbeit, war ich zwar noch kein profunder Kenner. Aber sicher eine Art Sachverständiger. Spürte ich doch einigem nach. Genau gleich wie Bürgler für seinen Film.

Vorstellung von verschiedenen Schwyzerörgeli


Video-Quelle: fremdfoetzeligemusikanten.ch

Die Freude an einem einzigartigen Stück Schweizer Volkskultur
Viele Informationen waren für mich gewissermassen eine Auffrischung meiner Kenntnisse. Einige Details hingegen habe ich bis dato noch nie gehört. Mir gefielen auch die alten Ton- und Bilddokumente (unter anderem vom Haus der Volksmusik, Staatsarchiv Kanton Schwyz, Verlag Gisler AG und Technische Universität Wien) einer längst vergangenen Epoche. Zeitzeugen, Szenenkenner, Örgelibauer und Restaurateure umrahmten die tollen Musikanten, welche wunderbare Töne aus ihren „Schwyzerörgelis“ entlockten.

Der Schreibende übte sich im jungen Erwachsenenalter auch mal am Schwyzerörgeli. Mein Vater zeigte mir, wie man darauf begleitete. Irgendwie schaffte ich es, in einem Skilager an einem Schmutzigen Donnerstag die Fasnächtler zusammen mit meinem Vater und einem weiteren Örgeler mit diesem schön klingenden Instrument zu unterhalten. Ich darf also auch auf einen Auftritt am Schwyzerörgeli zurückblicken. Gestern Abend, während dem Film, überlegte ich mir, ob ich es wieder versuchen soll. Mal schauen…

Die Freude an einem einzigartigen Stück Schweizer Volkskultur ist bei allen Mitwirkenden im Film zu erkennen: Markus Flückiger, Res Schmid, Werner Aeschbacher, Marcel Oetiker, Christine Lauterburg, Lukas Stammler, Sepp «Counousse» Mülhauser. Um nur einige zu nennen. Sie alle bringen ihren eigenen Background mit ein.

Seit 1885 begleitet uns nun dieses wunderbare Instrument. Zu seiner ersten Blütezeit verhalfen ihm die beiden Koriphäen Josef Stump und Balz Schmidig. Später der Örgelidoktor Martin Nauer, der unverwüstliche Rees Gwerder, der Bündner Josias Jenni oder die Schmid-Buebe aus dem Bernbiet. Selbst einer der grössten Schwyzerörgeli-Virtuosen in der heutigen Zeit, Markus Flückiger nannte im Film die genannten Herren als seine Vorbilder. Überhaupt: Markus Flückiger bildete für mich eine Art roter Faden im Film, und wusste zu diesem oder jenem Musiker interessante Dinge zu berichten.
Weiter findet die Geschichte des Schwyzerörgelis Erwähnung, und es wird in Erinnerung gerufen: Diesmal haben’s nicht die Eidgenossen erfunden. Das erste Akkordeon wurde in Österreichs Hauptstadt Wien um 1829 gebaut. Dieses neue Instrument fand kurze Zeit später seinen Weg auch in die Schweiz. Erst wurden sogenannte Langnauerli fabriziert, etwas später die bekannten Schwyzerörgeli. Der Rest ist Geschichte.

Was mich ebenfalls faszinierte, sind die in meinen Augen fast lückenlosen Informationen zum Instrument, zu Musikanten, zu Restaurateuren und Produzenten. Bürgler schaffte es, mit einem cleveren Drehbuch alles Wichtige zum Schwyzerörgeli unter einen Hut, respektive in einen Film zu bringen. Es war eine klare Linie feststellbar. Was FREMDFÖTZELIGE MUSIKANTEN auch so einzigartig macht sind die verschiedenen Schauplätze. Einmal wird in einem rauchigen Lokal zur urchigen Stubete aufgespielt, ein anderes Mal in einem Konzertsaal oder zuweilen auch bei einer Feier der Jenischen musiziert.

Der Humor kam im Film auch nicht zu kurz. So konnte man ab und zu herzhaft über irgendeinen träfen Spruch oder eine originelle Situation lachen.

Echo vom Schattenhalb


Video-Quelle: fremdfoetzeligemusikanten.ch

„Fremdfötzelige Musikanten“ heutzutags
Die im Film vorkommenden Musikformationen sind so bunt wie ein schön verziertes Schwyzerörgeli: Vom Echo vom Schattenhalb, über Flückiger’s AlpeNordsite, Seebi Schmidig mit Johann Buchli und Kari Schorno am Bass, Max Lässer und das Überlandorchester, Schwyzerörgeli-Duo Max Büchel & Lukas Stammler bis hin zum Marcel Oetiker Trio waren viele wichtigen Protagonisten vertreten. Apropos Marcel Oetiker: Den kannte ich bis gestern nicht. Was der aber auf seinem Instrument aufführt, ist nicht nur sehr speziell, sondern zielt auch in eine neue Dimension. Und: Das Instrument kann man, auch wegen seiner handlichen Grösse, nach New York mitnehmen und dort inmitten des pulsierenden Lebens spielen. Diese „Freiheit“ machen sich auch junge Musikstudenten zu Nutzen und integrieren ihr Örgeli in moderne Musik samt zugehöriger Technik, wie wenn es das Normalste der Welt sei. Eine neue Spielergeneration eben! Dazu gehört Markus Flückiger zwar nicht (mehr), denn er lernte noch von Leuten, welche mit dem urchigen Brauchtum aufgewachsen waren. Aber er ist mit Bestimmtheit der Wegbereiter für die neue Generation.

Zu den „fremdfötzligen Musikanten“ darf man heutzutage auch Christine Lauterburg zählen, welche singt, jodelt und sich dazu mit einem Langnauerli begleitet. Sie interpretiert Schweizer Volksmusik, Folk, Ethno, Worldmusic und Pop. Daneben komponiert sie, und zu ihrem Repertoire gehört auch vollständig neu arrangiertes, traditionelles Liedgut.
Mit dem Schwyzerörgeli lässt sich also nicht nur urchige Volksmusik spielen. Auch Weltmusik klingt hervorragend ab diesem Instrument!

Die geistige Landesverteidigung mit den „Musikpolizisten“
Erwähnt im Film wird auch die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, der Kalte Krieg, welche in unserem Land zu einer Art geistiger Landesverteidigung führte. Dazu gehörte auch das Bewahren von Traditionellem. Mit „Musikpolizisten“ wurde den Spielern auf die Finger geschaut, mutige Abweichler wie Flückiger wurden ernsthaft ermahnt. Heute gehört dies der Vergangenheit an, und die Freiheit der Interpretation ist wieder „erlaubt“. Aber: Nichts anderes schon machte Rees Gwerder. Wie Lukas Stammler, Basler und grosser Kenner der Muotathaler Volksmusik, erklärte, wurde Gwerder öfters des Etikettenschwindels bezichtigt. Wenn die Leute aber richtig hingehört hätten, hätten sie begriffen, dass Rees Gwerder statt „komponieren“ das Wort „kombinieren“ gebrauchte. Dieser nutzte nichts anderes als die angesprochene Freiheit der Interpretation und arrangierte die alt-überlieferten Tänzli nach seinem Gusto.

FREMDFÖTZELIGE MUSIKANTEN ist der dritte Streich
Roger Bürgler, welcher die Idee und das Drehbuch zum Film hatte sowie zudem Regie führte, ist wenige Meter von der Schwyzerörgelifabrik Eichhorn in Schwyz aufgewachsen. Wo dereinst die Manufaktur im Hinterdorf hinziehen wird, ist noch nicht klar. Die heutigen Betreiber, Inhaber Greuter & Sohn, wollen das Geschäft mit dem Schwyzerörgeli aber so lange wie möglich weiterführen.

Der Filmemacher Bürgler ist alleiniger Inhaber der kulturwerk.ch GmbH, welche den Film produzierte und vertreibt. 2010 erschien dort der Kino-Dokumentarfilm «Syra Marty – Dächli Leni goes to Hollywood» (Buch und Regie: Roger Bürgler). Mit «Tönis Brautfahrt – Mit Senntenbauern über den Gotthard» (Regisseurin: Claudia Steiner) erschien im Frühjahr 2014 die zweite Kino-Dokumentarfilmproduktion.
FREMDFÖTZELIGE MUSIKANTEN ist nun der dritte Streich aus Bürgler’s Firma. Der Schwyzer bewies mit dem Kameramann Stefan Prohinig ein feines Händchen. Dieser setzte die vielen bunten Standorte gekonnt in Szene. Benno Kälin fungierte zudem als angenehmer Sprecher und erzählte einiges von dem gesammelten Hintergrundwissen.

Das musikalisch sehr wertvolle Filmdokument läuft seit gestern Donnerstag im Kino. Zu sehen ist es in nächster Zeit in folgenden Kinos: Eventkino Theater Arth, Cineboxx Einsiedeln, Kino MythenForum Schwyz, Kino Seehof Zug, Kino Treff Herisau, Kino Leuzinger Altdorf, Kino Seefeld Sarnen, Kino Royal Aarberg und Kulturschuppen Klosters. Die Daten, Zeiten und Orte können ab der Film-Homepage entnommen werden.

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Roger Bürgler (Mitte) und seine Crew
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Zum Schluss meines kurzen Rückblickes kann ich Roger Bürgler und seiner Crew nur ein grosses Kompliment aussprechen! Auf Facebook würde ich „Gefällt mir!“ anklicken. Ihnen, liebe Leser, empfehle ich diesen Film wärmstens. Denn dem Schwyzerörgeli als solches wurde scheinbar noch nie ein Film gewidmet. Dieses Instrument gehört zu unserem Land wie die Berge und Seen: Einzigartig, tiefgründig und voller Leben!

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Hinterthaler Chilbi: Vorschau auf Chilbi 2015 (Teil 3)

Morgen beginnt sie nun also, die 47. Hinterthaler Chilbi. Im Teil 1 und 2 wurde vor allem im Archiv gewühlt. Dazu wurde Geschichtliches zum „Chappeli“ erwähnt, an die erste Chilbi sowie deren Gründer erinnert und auch auf einige Highlights in der Vergangenheit zurückgeschaut. Im 3. und letzten Teil wird Vorschau auf die diesjährige Kirchweih gehalten.

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Bildquelle: hinterthalerchilbi.ch

„A dr Hinterthaler Chilbi gad niämer verbii, äs hed für all öppis derbii“ stand irgendwann auf einem älteren Plakat. Auch an der diesjährigen Chilbi gibt es kein Vorbeikommen. Denn es wird für jedermanns Geschmack etwas dabei sein und wieder einiges geboten. An folgenden Plätzen wird für beste Unterhaltung gesorgt sein: Ambri-Festzelt, Schwinger-Bar, Sunnäbar (Töffclub Pragel), Ländlerzelt, Bastards Place, Restaurant Schlüssel, Altä Tällä (Rednecks) und im Restaurant Bödeli.

Anzapfen ist morgen Freitag um 18 Uhr im vom Ambri-Fanclub betriebenen grossen Festzelt, wo 700 Personen Platz finden werden. Diese Lokalität war in den letzten Jahren ein regelrechter „Renner“. Im Ambri-Festzelt ist es am Freitagabend möglich, zwischen 17 und 18 Uhr als Firma oder Gruppe einen Tisch für zehn Personen zu reservieren. Der Preis beträgt 100 Franken. Inbegriffen sind dabei der Eintritt, und pro Person ein Getränk sowie eine Wurst. Anmeldungen werden unter der Telefon-Nummer 079 / 423 06 29 entgegengenommen.
Wie schon letztes Jahr ist auch an der diesjährigen Chilbi das Motto „Oktoberfest“. Wer mit Dirndl oder Lederhosen erscheint, geniest am Freitag- und Samstagabend Gratiseintritt im Festzelt.
Als spezieller Gaumenschmaus wird von Freitag bis Sonntag „Hafächabis“ im Ländlerzelt angeboten.

In der Schwingerbar wird man wieder auf den einen oder anderen prominenten Schwinger treffen. In der Vergangenheit waren keine geringeren als beispielsweise die Eidgenossen Matthias Sempach, Christian Stucki, Adi und Philipp Laimbacher, Thomas Arnold, Mario Thürig oder die einheimischen Heinz Suter sowie Leo Betschart anwesend.

Am Sonntag wird um 10.30 Uhr beim Chappeli eine Jodlermesse mit dem Jodlerklub Muotathal gefeiert. Bei schlechtem Wetter wird die Messe im Festzelt abgehalten.
Zudem finden am Sonntag diverse Unterhaltungsmöglichkeiten im Freien statt. Dazugehören zum Beispiel Harassen stapeln mit dem Oldtimerclub, Spiel und Spass mit dem Müttertreff, Kinderschminken, Streichelzoo oder „Konditersstand“.

dj satzy und cassey doreen
DJ Satzy und Cassey Doreen
Bildquelle: facebook

Als Chilbi-Highlights werden am Freitagabend das Anzapfen und am Samstagabend DJ Satzy’s Auftritt, zusammen mit Cassey Doreen, gehandelt. Satzy, auch als Man oft he Alps bezeichnet, ist ein erfolgreicher DJ aus dem österreichischen Tirol. Cassey Doreen ist aus Deutschland und das weibliche Pendant zu Satzy, eine Djane. Sie ist ein regelrechtes Sternchen am Deejay-Himmel. Die beiden Entertainer werden die Stimmung im Festzelt garantiert zum Sieden bringen.

Weiter gibt’s am Freitagabend im „altä Tällä“ den Programmpunkt „Nackte Tatsachen“. Aus gut unterrichteten Kreisen konnte in Erfahrung gebracht werden, dass eine Stripperin für „diese“ Tatsachen sorgen soll…

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Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Bereits zum zweiten Mal wurden im Vorfeld „Werbe-Filmli“ für das Smartphone produziert. Aus Schwarzenegger-, James Bond- oder Monty Python-Filmen wurden Szenen adaptiert und mit kernigem Muotathaler Dialekt besprochen. Auf Facebook und via Whatsapp verbreiteten sich die Trailer in Windeseile und wurden zehntausendfach angeklickt und geteilt. Dies ist laut dem Vorstand des Hinterthaler Chilbi-Vereins nicht messbare Werbung. Diese Videos fanden sogar im „Bote der Urschweiz“ von vorgestern Mittwoch Erwähnung. Apropos Werbung: Das diesjährige Plakat samt zugehörigen Flyer wurde von Angela Schelbert (MuotaDesign) gestaltet.
Bereits in der Vergangenheit wurden schöne Plakate entworfen. So liess der langjährige Chilbi-Organisator Josef Inderbitzin auf den ersten Plakaten 1992 und 1993 folgendes Statement drucken: „Hinterthaler Chilbi – Sie kommt bestimmt.“ Dazu wurde ein bildlich grosser Fingerhinweis gemalt.

Der Aufbau der Chilbi begann gestern Mittwochabend, der Abbau wird am kommenden Montag erfolgen. Viele fleissige Hände sind für den Bau, die Herrichtung, den Betrieb und den Unterhalt besorgt. Ihnen gehört ein grosser Dank.
Der Hinterthaler Chilbi 2015 steht nichts mehr im Weg. Alles ist bereit und die Vorfreude gross. Lüpfige Unterhaltung, rockige Klänge, feine Chilbi-Spezialitäten und viel Gemütlichkeit werden im Angebot sein. Dieses herbstliche Vergnügen sollte man sich unbedingt zu Gemüte führen. Denn: Die attraktive Hinterthaler Chilbi ist allemal ein Besuch wert.

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Hinterthaler Chilbi: Von den Muchachos, dem Hinterthaler Chilbi Ländler und bisherigen Attraktionen (Teil 2)

Beim zweiten Teil der Vorschau auf die 47. Hinterthaler Chilbi wird Rückblick auf verschiedene Attraktionen gehalten und an eine nicht mehr existierende Muotathaler Band erinnert. Zudem findet der Hinterthaler Chilbi Länder, dessen Komponist und die Namensgebung Erwähnung.

muchachos (1968)
Die Unterhaltungsband Muchachos (1968)
Bildquelle: hinterthalerchilbi.ch

Muchachos spielten an erster Chilbi
Die ehemalige Muotathaler Unterhaltungsband Muchachos spielte 1968 an der ersten Chilbi. Wie Walter Imhof, der Schlagzeuger der nicht mehr existierenden Band, erklärte, trat die fünfköpfige Band am Chilbi-Samstagabend im alten „Tell“ auf. Dabei waren damals Walter Imhof (Schlagzeug), Brosi Betschart (Bass), Guschti Betschart (Gitarre), Ruedi Schelbert (Gitarre) und Armin Imhof (Farfisa-Orgel). Apropos Muchachos: Die Band hatte gleichen Jahres in der Fasnacht ihren ersten Auftritt. Da die Mitglieder dannzumal noch minderjährig waren, brauchten sie dafür eine Bewilligung. Die fünf Musiker wendeten sich deshalb an niemand geringeren als Anton Betschart, den damaligen Muotathaler Gemeindepräsident und Kantonsrat, welcher für sie eintrat.
An der diesjährigen Chilbi musizieren die beiden ehemaligen Muchachos-Mitglieder Brosi Betschart und Walter Imhof zusammen mit ihrer aktuellen Band, den Late Birds. Wie schon vor 47 Jahren treten sie ebenfalls am Samstagabend im alten „Tell“ auf.

Hinterhaler Chilibi-Ländler
Zum Jubiläum „30 Jahre Kapelle Hinterthal“ spielte Franz Schmidig senior („Lunnis“) 1997 an der von Pfarrer Nico Unterhuber feierlich gestalteten Chilbi-Messe den Hinterthaler Chilbi-Ländler. Diesen Tanz komponierte Franz Schmidig senior bereits im Jahr 1946. Angeblich nannte ihn der bekannte und inzwischen verstorbene Volksmusikant zuerst „Muotithaler Viehmarkt“. Es wurde ihm aber mitgeteilt, dass solche Titelbezeichnungen schon etliche vorhanden seien. Ob er nicht einen anderen Namen hätte, zum Beispiel einen Ortsnamen. Schmidig meinte dazu: „Wir haben noch ein Hinterthal. Dann machen wir daraus den Hinterhaler Chilbi-Ländler.“

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Langjähriger KTV-Stand im Bödeli während der Hinterthaler Chilbi
Bildquelle: hinterthalerchilbi.ch

Attraktionen
Josef Inderbitzin („dr Sunnäwirt“) schrieb manchmal auf frühere Chilbi-Plakate: „Dass es an der Chilbi auch dieses Jahr wieder „bodäfidel“ zugehen wird, bezweifle ich keinen Augenblick.“ Viel Ländlermusik sorgte an so mancher Kirchweih für eine urchige, oder eben „bodäfidele“ Stimmung. Ab 1984 „rüstete“ Inderbitzin die Chilbi zusätzlich auf. An den beiden Standorten „Bödeli“ und „Hintere Brücke“ hielt ein grösserer Chilbibetrieb Einzug. Das „Bödeli“ war fest in KTV-Händen (Wurfstand, Glücksrad, Pizzas, Grillwürste und Kafistube). Dazu betrieb die Jungmannschaft eine Schiessbude. Bei der „Hinteren Brücke“ wurde ein Lunapark für Kinder und Jugendliche hergerichtet. Zudem warben dort verschiedene Schausteller, eine weitere Schiessbude, ein Confiserie-Stand und das Ludothek-Team (Ballwerfstand und Wettfischen) um die Gunst der Chilbibesucher.

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Kamelreiten an Hinterthaler Chilbi 1999
Bildquelle: Hinterthaler Chilbi-Verein

Nennenswerte Attraktionen gab es in der Vergangenheit viele. So fand man 1990 eine „Country-Club Western-Bar“ an der Chilbi vor. 1993 wurde ein urchiger Muotathaler-Abend durchgeführt. 1994 trat Fakir Rodani mit seiner Feuer- und Fakirshow auf, und im Jahr 1999 waren gar Kamele an der Chilbi anzutreffen.
Nebst urchiger Musik vernahm man aber bereits schon 1984 andere Klänge mit der Dixieland-Band Louisiana Hot Seven. 1986 trat die Unterhaltungsband STARGOS aus Illgau SZ im Restaurant Sonne auf. 1995 und 1996 berockte die ehemalige Muotathaler „Natur Core“-Band VERWAINT an zwei Konzerten „z‘Tönis Säge“.

Wie bereits in den Anfangstagen ist auch heute noch die Musik der grosse Anziehungsmagnet. In den Restaurants Schlüssel, Sonne und Bödeli ist immer noch viel urchige Ländlermusik zu hören. Früher, vor der Schliessung, war auch in den Restaurants Rössli und Tell Chilbi-Betrieb. In den Jahren 1999 und 2000 gehörte sogar das Restaurant Sternen zum erweiterten Lokalitäten-Kreis. Bereits schon Mitte der 1980iger-Jahre kamen, wie oben beschrieben, zu den urchigen Klängen die rockigen Töne hinzu. Etwas später, ab 1993, wurden den jungen Muotathaler Rockmusikern in einem Festzelt beim Restaurant Sonne erste Auftrittsmöglichkeiten geboten. Heutzutage trifft man in friedlicher Eintracht auf Rock- und Country-Bands, DJ’s und Ländler-Formationen.

Ohne die Vereine gäbe es auch keine Chilbi. Unzählige Arbeitsstunden leisteten bisher Mitglieder des dorfeigenen KTV, des Handballclubs, des Ambri-Fanclubs, des Töff-Clubs, des Schwingklubs, des Country-Clubs, der Jungwacht, des Blaurings, des Müttervereines und des Jungmännerbundes. Zusätzlich zu den Restaurants werden jährlich diverse Zelte, Bars, Buden und Stände festlich hergerichtet. Nebst dem Ohrenschmaus gehören längst auch verschiedene köstliche Speisen zum Angebot. Oder wie Josef Inderbitzin 1998 in den Chibli-Unterlagen vermerkte: „Auch sonst brachte die Chilbi viel Vergnügen.“

Am Donnerstag erscheint mit Teil 3 die letzte Folge der Vorschau auf die diesjährige Hinterthaler Chilbi. Dabei kommen die Chilbi-Highlights 2015 zur Sprache, und wie vorgängig für den Muotathaler Grossanlass geworben wird.

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Hinterthaler Chilbi: Wie aus dem kleinen „Chappeli“ eine grosse Chilbi wurde (Teil 1)

In einer Woche, vom 16. bis 18. Oktober, findet zum 47. Mal die Hinterthaler Chilbi statt. Aus diesem Anlass wird in die Geschichte des „Chappelis“ geblickt, an die gross gewordene Chilbi erinnert, aber auch Vorschau gehalten. Im heutigen Teil 1 (von insgesamt drei Teilen) werden die Geschichte des „Chappeli“ und die erste Chilbi sowie deren weitere Organisation behandelt.

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„Chappeli“ bei der hinteren Brücke
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Geschichtliches zum „Chappeli“
In der Liegenschaftsgeschichte Muotathal – Illgau (Band 2) widmete der Autor Alois Gwerder der Kapelle bei der hinteren Brücke ein eigenes Kapitel. Gwerder schreibt, dass das alte „Chappeli“, am Anfang des „Hürlis Gässli“, 1967 abgebrochen und in getreuer Nachbildung ein Stück weiter zurückversetzt wieder aufgebaut wurde. Es wurde deshalb etwas zurückversetzt, um eine gefährliche Strassen-Enge zu entschärfen. „Das Jahr der Entstehung dieser Kapelle wird allgemein auf das Jahr 1780 veranschlagt, nach der massgeblichen Chronik des Schwyzer Pfarrers Thomas Fassbind“, so Alois Gwerder. Weiter ist in der Liegenschaftsgeschichte zu entnehmen, dass vor 1780 an selber Stelle bereits schon lange ein uraltes „Bildhäuslein“, eine Art „Bildstöckli“, gestanden habe. Aus alten Berichten sei zu entnehmen, dass die Gegend bei der hinteren Brücke eine gefährdete Stelle sei und die Brücke immer wieder weggerissen wurde. Laut Alois Gwerder’s Nachforschungen wäre es also denkbar, dass dieses alte „Bildhäuslein“ zum geistlichen Schutz dieser gefährdeten Stelle errichtet wurde.

Wie bereits erwähnt, wurde 1967 die alte Hinterthaler Kapelle in Fronarbeit wieder neu aufgebaut. Massgeblich dafür gesorgt hat Anton Betschart („Räsuls Toni“). Im Buch „Heimatkunde“ von Walter Imhof findet das „Chappeli“ ebenfalls Erwähnung. Imhof erklärt, dass der Boden im Altarraum der Kapelle mit Platten aus Hinterthaler Marmor ausgeschmückt ist. Der sogenannte Hinterthaler Marmor stammt aus dem mittlerweile stillgelegten Steinbruch beim „Buherrenwäldli“, welcher sich am Weg vom „Bastards Place“ (ehemals Restaurant Sonne) zur Husky-Lodge befindet.

1968 fand die erste Hinterthaler Chilbi statt
Am 22. Oktober 1967 wurde von H.H. Kanonikus Scheuber aus Chur im Beisein der gesamten Geistlichkeit des Tales und mit viel Volk die neu erstellte Kapelle feierlich eingeweiht. Ein Jahr nach der Einweihung des „Chappeli“ fand 1968 das erste Kirchweihfest, die Chilbi, statt. Übrigens: Die genaue Bezeichnung des im Muotathaler Volksmund genannten „Chappeli“ ist Rosenkranz-Kapelle Hinterthal. Die Kapelle steht im hinteren Teil von Muotathal, im Hinterthal, welches bis zum Jahr 1995 eine eigene Poststelle hatte. Als diese Poststelle aufgehoben wurde, entfiel auch der Name „Hinterthal“. Die Chilbi trägt aber weiterhin den von seinen Bewohnern geliebten Namen. Von alteingesessenen Hinterthalern wird oder wurde der beliebte Anlass manchmal auch „Bödlemer Chilbi“ genannt, da sich das Geschehen rund um den Ortsteil „Bödeli“ abspielt.

Die Chilbi-Gründerväter waren die drei Hinterthaler Wirte Josef Inderbitzin (Restaurant Sonne), Maurus Schelbert (Restaurant Bödeli) und Josef Imhof (Restaurant Tell). Dazu wurde unter dem Vorsitz von Josef Inderbitzin das Hinterthaler Chilbi-Komitee ins Leben gerufen. Später waren Othmar Imhof (Hotel Tell) und Josef Schelbert (Restaurant Bödeli) in diesem Dreiergremium. Während vielen Jahren fungierte Inderbitzin als OK-Präsident. Laut dem ehemaligen „Sonnen-Wirt“ war damals bei der ersten Chilbi Anton Betschart, der Hauptinitiant der neuen Kapelle, Gemeindepräsident sowie Kantonsrat und sorgte für die amtlichen Bewilligungen.

Aus einem kleinen Kapellweihfest wurde eine grosse Veranstaltung, welche nicht mehr aus dem Muotathaler Kalender wegzudenken ist. 1968 und noch Jahre später war erst „nur“ Musik und Tanz in den Restaurants. Ab 1984 kamen als Anfang eine Schifflischaukel, elektronische Auto-Scooter und ein Drehkarussell hinzu. Nach und nach gesellten sich verschiedene Muotathaler Vereine dazu, die beim Aufbau der Chilbi mithalfen und verschiedene Lokalitäten betrieben. Der Motor und Antrieb dabei war stets der umtriebige Josef Inderbitzin, welcher jährlich für eine gut organisierte Veranstaltung besorgt war. Heute sind die verschiedenen Chilbi-Attraktionen sowie Tanz und Musik von Freitag bis Montagmorgen ein richtiger Publikumsmagnet.

zeitungsausschnitt von 1998 mit josef inderbitzin und othmar imhof
OK-Präsident Josef Inderbitzin und Othmar Imhof
Bildquelle: Bote der Urschweiz

Nach 38 „Chilbis“ übergab im Jahr 2006 Inderbitzin seinen Vorsitz an den jetzigen Restaurant Bödeli-Wirt Hugo Betschart. Betschart versah sein Amt umsichtig bis 2012 und wurde dabei tatkräftig von Marco Suter sowie auch von Josef Inderbitzin und dessen Tochter Monika Inderbitzin unterstützt. Am 20. Februar 2013 erfolgte die Gründung des Hinterthaler Chilbi-Vereines, welcher von Carlo Gwerder präsidiert wird. Dieser Verein sorgt nun jährlich für die Organisation und Durchführung der Chilbi. Im Vorstand nehmen derzeit neun Männer Einsitz. Der Verein zählt heute total 14 Mitglieder, wobei an der letzten Generalversammlung die Frauenquote gleich von null auf vier gesteigert werden konnte. Es gilt auch anzumerken, dass seit Beginn der Chilbi-Organisation immer ein Wirt den Vorsitz hatte.

vorstand hinterthaler chilbi-verein
Aktueller Vorstand Hinterthaler Chilbi-Verein
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Teil 2 folgt am kommenden Montag. Darin wird an die Band „Muchachos“ bei der ersten Chilbi, den Hinterthaler Chilbi Ländler und verschiedene Attraktionen erinnert. So waren einmal Kamele an der Chilbi anzutreffen…

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