Pirmin Reichmuth möchte nach dem neuerlichen Kreuzbandriss 2018 sein Comeback geben

Text: feldwaldwiesenblogger / Fotos: schwingklub-cham.ch und Einsiedler Anzeiger

Am 4. Dezember 2015 schaltete ich folgenden Beitrag online: Nachgefragt bei: Pirmin Reichmuth – Wie geht’s dem 20-jährigen Schwinger aus Cham? Damals befragte ich Pirmin nach einer längeren Verletzungspause, als er am 26. März desselben Jahres im Training seinen zweiten Kreuzbandriss erlitt.
Wir erinnern uns: Das grosse Zuger Talent stand am Innerschweizerischen 2014 in Cham ZG im Schlussgang. Der damals 19-Jährige verlor zwar gegen den Schwyzer Reto Nötzli. Der grossgewachsene Sennenschwinger liess aber dort schon seine grosse Klasse aufblitzen. Eine Woche später aber der Schock: Pirmin riss sich auf der Rigi das Kreuzband und den Meniskus im rechten Knie.

Letztes Jahr erfreute uns der für den Schwingklub Cham-Ennetsee schwingende Athlet mit einem starken Comeback. Anfangs April gewann Pirmin, in welchem auch Muotathaler Blut fliesst, souverän den Muotathaler Schwinget. Dem liess er sechs Saisonkränze folgen. Nebst dem Bergkranz auf der Schwägalp als Höhepunkt den Eidgenössischen Kranz in Estavayer.

Nun erreichte uns Schwingerfreunde diese Woche die Hiobs-Botschaft, dass sich der Chamer bereits zum dritten Mal das Kreuzband im rechten Knie gerissen hat: „Pirmin Reichmuth im Pech. Der Zuger Neueidgenosse riss sich erneut das Kreuzband und fällt damit wohl für den Rest der Saison 2017 aus“, schrieb der SCHLUSSGANG auf ihrer Facebook-Seite.
Ich kontaktierte den im Oktober 22 Jahre jung werdenden Schwinger am Mittwochabend. Er liess mich wissen, dass er an jenem Tag bereits operiert wurde und mir am Freitag für ein Interview zur Verfügung stehen würde.

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Pirmin Reichmuth, einer der Neueidgenossen von Estavayer

Was ist genau passiert?
Mein rechtes Knie war nach dem letztjährigen Michaelskreuz-Schwinget (ob Root LU) bereits vorgeschädigt. Wir hatten das damals nicht genauer abgeklärt, und konzentrierten uns auf das Eidgenössische. Im Herbst wurde dann ein Teil des Meniskus geflickt und im November startete ich ins Wintertraining. Beim Schwingen spürte ich, dass etwas nicht stimmte. Ende Februar verspürte ich beim Training einen gehörigen Zwick. Ich ging zum Arzt. Es lag der Verdacht vor, dass das Kreuzband angerissen ist. Wir entschieden uns, zu operieren. Bei der Operation wurde festgestellt, dass das Kreuzband komplett gerissen war.

Wie geht es dir momentan?
Jeder Tag ist anders. Heute bin ich zufrieden. Es geht nun jeden Tag ein wenig besser und morgen darf ich das Spital verlassen.

Wie sieht dein Fahrplan für die nächste Zeit aus?
Man wählte diesmal eine kompliziertere Variante, das Kreuzband zu operieren. Die nächsten sechs Wochen werde ich nun alles verheilen lassen. Wichtig ist, dass ich meinem Körper nun Erholung schenke.
Es ist vorgesehen, in gut drei Wochen mit der Physiotherapie zu starten. In vier Wochen beginnen wir im oberen Körperbereich mit dem Krafttraining.

Was geht in deinem Inneren nach dem neuerlichen Kreuzbandriss ab?
Ich muss ehrlich sagen, dass es für mich ein herber Schlag war! Denn ich dachte, dass ich unverletzt durchs Wintertraining komme und in die Saison starten kann. Der dritte Kreuzbandriss ist für mich der wohl schwierigste zum Verdauen.

Rücktritt ist kein Thema?
Nein. Denn ich habe mir auch schon überlegt, was ich tue, wenn ich das Kreuzband wieder reisse. Zwei Gründe sind ausschlaggebend fürs weitermachen: Erstens findet 2019 bei uns in Zug das ESAF statt. Zweitens ist es mit meinen 21 Jahren zu früh für einen Rücktritt. Ich bin guter Dinge, dass es wieder gut kommt.

Gibst du 2018 also dein Comeback?
Ich denke, das wird so sein. Deshalb wollte ich so schnell wie möglich operieren, damit ich genug Zeit habe. Wenn alles gut läuft, sollte ich 2018 normal in die Saison einsteigen können.

So wie ich dich einschätze, bist du ein sehr positiv denkender Mensch. Wo holst du dir die neuerliche Motivation, um dich zurück zu kämpfen?
Es ist die Liebe und die Leidenschaft zum Schwingsport. Aber auch, dass ich letzte Saison einigermassen unfallfrei schwingen konnte. Wenn ich fit bin, spüre ich, dass es gut läuft. Wenn ich jetzt aufhören müsste, würde mir sicher etwas fehlen. Die Motivation ist auch da, um auszureizen, wie weit es für mich im Schwingsport gehen könnte.

Gedenkst du, dein Training oder gar deine Schwingweise anzupassen?
Die Schwingweise eigentlich nicht, denn die habe ich nach dem zweiten Kreuzbandriss umgestellt.
Das Training muss ich aber schon anpassen. Ich muss dabei noch mehr auf die Tiefenmuskulatur setzen und noch besser auf mein Knie hören. Ich werde noch enger mit der Physio zusammenarbeiten. Wir sind aber nun daran, das aufzubauen.

Wenn du nun auf deine drei Kreuzbandrisse zurückschaust: Lief das jedes Mal anders ab?
Es lief jedes Mal anders ab. Beim ersten und zweiten Mal passierte es beim Schwingen, und wurde durch mich selber verursacht. Das zweite Mal habe ich vermutlich zu früh mit Schwingen angefangen.
Der dritte Kreuzbandriss war wie ein neuer Unfall. Das Knie war topfit. Es hätte genauso gut im linken Knie passieren können.

Sind gewisse Schwinger einfach anfälliger für Kreuzbandrisse?
Ich denke, das ist so. Andere haben vielleicht mit der Schulter Probleme, mein Schwachpunkt liegt scheinbar beim Knie. Bei mir ist es die Körpergrösse, die ausschlaggebend ist. Es ist auch nichts Aussergewöhnliches, dass nach einem ersten Kreuzbandriss ein zweiter folgt. Das haben schon etliche andere Sportler erlebt.

Wirst du dich beraten lassen, damit in Zukunft keine Kreuzbandrisse mehr passieren?
Ja, das werde ich sicher tun. Ich möchte zudem mit solchen Sportlern Kontakt aufzunehmen, die das auch erlebten.
Weiter werde ich darauf achten, dass Arzt und Physiotherapeut noch reibungsloser zusammenarbeiten und keine Missverständnisse vorhanden sind. Damit anschliessend bei der Physiotherapie auch nichts falsch gemacht wird.

Was meinst du, wirst du in Zukunft mit einer gehörigen Portion Vorsicht in den Sägemehlring steigen?
Ja, am Anfang sicher. Das war bisher jedes Mal so. Ich werde das Knie in Zukunft wohl noch besser aufwärmen müssen. Aber: Auf einem gewissen Niveau darf man im Sägemehlring nicht mehr daran denken. Man muss abschalten können.

Was machst du derzeit beruflich?
Bis jetzt habe ich auf meinem angestammten Beruf als Metzger gearbeitet. Ich bin mich aber beruflich am Umorientieren. So werde ich Ende August eine Ausbildung als Physiotherapeut in Landquart GR beginnen und werde die nächsten drei Jahre auch dort wohnen. Ich freue mich sehr darauf.

Wird man dich 2017 auch ab und zu an Schwingfesten antreffen?
Auf jeden Fall, denn ich ging früher schon gerne an Kranzschwingfeste. Ich habe noch zwei Brüder, welche auch schwingen: Marco und Roli. Ich freue mich auch auf diese Zeit, die beiden an Schwingfesten zu unterstützen.

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Pirmin Reichmuth, in welchem auch Muotathaler Blut fliesst, gewann 2016 den Muotathaler Schwinget

Ich bedanke mich bei Pirmin für seine sehr aufschlussreichen Ausführungen und wünsche ihm alles Gute und rasche sowie vollständige Genesung. Zudem viel Zuversicht und Ausdauer für die Zukunft, und auf dem Weg zurück in die Sägemehlringe.

feldwaldwiesenblogger