Besuch beim vierfachen Eidgenossen Toni Steiner in Ingenbohl SZ – Teil 1

Text und Fotos: feldwaldwiesenblogger

Nun, da derzeit keine Schwingfeste stattfinden und der Schwingbetrieb ganz allgemein ruht, bleibt Zeit, sich auch ehemaligen Schwinggrössen zu widmen. So besuchte ich kürzlich den vierfachen Eidgenossen Toni Steiner. Ältere Leser können sich garantiert noch an den schalkhaften Sennenschwinger erinnern. Den Jüngeren, aber selbstverständlich auch den älteren Semestern, möchte ich Toni mit mehreren Schwerpunkten näher vorstellen. Diese Schwerpunkte verteile ich auf drei Blogbeiträge. Dazu kommen einige amüsante Anekdoten, welche zum Schmunzeln anregen.


Toni Steiner, 78-facher Kranzschwinger

Persönliche Angaben
Toni Steiner wurde am 23. Februar 1941 in Ingenbohl geboren, wo er aufwuchs und heute noch lebt. Nach der obligatorischen Schulzeit absolvierte der Ingenbohler eine Lehre als Maschinenschlosser. Später arbeitete er beim Kanton als Liegenschaften-Schätzer.
Toni ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und vier Grosskinder. Zu seinen Hobbys zählt der rüstige Rentner das Seniorenturnen in Brunnen, wo er zugleich als Präsident amtet. Unter den 64 Mitgliedern sind weitere ehemalige Schwinger wie Karl Steiner, Koni und Roman Aufdermaur. Weiter spielt Toni aktiv Faustball und bestreitet mit seinen Kameraden jährlich drei bis vier Turniere. Zudem besucht er immer noch regelmässig Schwingfeste.
Toni war mit seinen 178 Zentimetern keine Riese unter den Schwingern. Dennoch legte er mit seinen bevorzugten Schwüngen wie dem Kurz, Brienzer, Haken, Bur, Päckli und Bodenruggeli so manchen Gegner auf den Rücken.

Eine erfolgreiche Schwingerkarriere
Toni trat 1956 als 15-Jähriger beim Schwyzer Kantonalen in Einsiedeln an. Der Teenager war zwar noch ein Jahr zu jung. Da Toni für sein Alter ziemlich grossgewachsen war, meinte sein Klub-Präsident vom Schwingerverband am Mythen, dass sie ihn mitnehmen und anmelden. Beim letzten Gang schrieben sie ihm für einen Plattwurf ein „9.25“. Denn das Kampfgericht wollte nicht, dass Toni den Kranz gewann. Wohl um zu vermeiden, dass ein noch nicht im Aktiv-Alter schwingender Jüngling den Verantwortlichen Probleme verursacht. So begann die erfolgreiche Aktiv-Karriere des gelernten Maschinenschlossers.
Toni arbeitete nach seiner Berufslehre während einem Jahr in Zürich und trainierte dort mit dem Schwingklub Glatt- und Limmattal. Dabei traf er auf Schwinggrössen wie Karl Oberholzer und wurde dadurch noch stärker. Während seiner Zeit in Zürich hat der junge Sportsmann als Trainingsergänzung auch gerungen und gewann gar zwei Ringerkränze.
Mit 19 Jahren gewann Toni das Schwyzer Kantonale in Schindellegi. Einen weiteren Schwyzer Kantonalfestsieg errang der Mythenverbändler 1964 in Einsiedeln. 1967 schwang Toni beim Urner Kantonalen Jubiläumsschwingfest (50. Geburtstag des Urner Kantonalen Schwingerverbandes) in Bürglen obenaus. Ein Jahr später gewann der Familienvater das Zuger Kantonale in Menzingen und 1972 jenes in Rotkreuz. Im routinierten Alter von 33 Jahren gelang Toni 1974 der Sieg beim Rigi-Schwinget.

Eindrückliche Kranzbilanz
Toni erkämpfte sich insgesamt 78 Kränze, plus einen Amerikakranz, welcher aber bei der offiziellen Kranzstatistik nicht gezählt wird. Viermal konnte der Sennenschwinger Eidgenössisches Eichenlaub mit nach Hause nehmen. Nämlich 1964 von Aarau, 1966 von Frauenfeld, 1972 von La Chaux-de-Fonds und 1974 vom heimischen Schwyz. Beim Eidgenössischen am 24./25. August in Schwyz beendete Toni unweit von zuhause seine Karriere. Er war übrigens der einzige Schwyzer, welcher bei diesem ESAF den Kranz gewann. Die Innerschweizer mussten damals unten durch und gewannen nur sechs Kränze.
Nebst den vier Eidgenössischen Kränzen gewann Toni 17 Teilverbandskränze (13 Innerschweizerischer, 1 Berner, 1 NOS, 1 NWSV und 1 SWSV), 25 Bergfestkränze (12 Stoos, 7 Rigi, 5 Brünig und 1 Schwarzsee) sowie 32 Kantonalkränze. Toni ist Rekordkranzer auf dem Stoos und wie man unschwer feststellen kann, hat er jeden Teilverbandskranz und zu seiner Zeit möglichen Bergfestkranz mindestens einmal mit nach Hause genommen. Zu den erwähnten sechs Kranzfestsiegen kamen noch 15 Rangfestsiege hinzu.
Der vierfache Eidgenosse ergatterte sich zweimal sieben Kränze in einer Saison. Mehr Kränze hätte er zu seiner Zeit als Innerschweizer Schwinger gar nicht machen können. Das sind sehr eindrückliche Zahlen und ein Beleg für eine erfolgreiche Schwingerkarriere.


Toni’s gut gefüllter Kranzkasten

Episoden zum Schwarzsee-Kranz
Als Toni den Schwarzsee-Kranz gewann, wurde just zu diesem Zeitpunkt ein Jubiläum gefeiert. Beim Bergschwinget am Schwarzsee wären damals Ady und Sepp Zurfluh gemeldet gewesen. Ady wollte aber nicht antreten, weil am gleichen Sonntag der Rigi-Schwinget stattfand. Toni sprang ein, und gewann wie Sepp den begehrten Kranz. „Als wir an jenem Sonntagmorgen vor Ort eintrafen, hiess es, dass der Rigi-Schwinget wegen schlechtem Wetter verschoben wurde. Ich konnte dann am Sonntag darauf auch auf der Rigi starten. Ady hat dies ein wenig gefuchst“, ergänzt Toni.
Pius Betschart fuhr damals Toni und Sepp zum besagten Schwarzsee-Schwinget. Bevor die Reise losging, besuchte das Trio erst die Frühmesse im Kapuzinerkloster Schwyz. Sepp rechnete hinterher aus, dass Pius bei seiner rasanten Fahrt ins Freiburgische wohl einen Achtziger-Schnitt fuhr. Und dies wohl verstanden noch ohne Autobahn auf dieser Strecke. Toni erinnert sich: „Wir erreichten den Schwarzsee pünktlich. Aber: In der Garderobe war noch niemand anwesend. Wir waren die Ersten, und meinten gar, ob das Schwingfest eventuell auch nicht stattfindet. Denn das Wetter war zweifelhaft. Es wurde uns dann mitgeteilt, dass die anderen Athleten bald eintreffen werden.“

Wie Toni zu einem Appenzeller Kranz kam
In seiner Aktivzeit gewann Toni auch einen Appenzeller Kranz. Diesen sogenannt „unerlaubten“ Kranz gewann er aber nur durch eine List. Der schalkhafte Senior erklärt: „Der Appenzeller Josef Sutter, welcher kranzmässig auch zum Hunderter-Klub gehört, hatte in Siebnen einst eine Metzgerei. Ich trainierte eine Zeit lang viel mit ihm. Nach einem Training sagte er zu mir, dass er gerne mal auf dem Stoos antreten möchte. Ich entgegnete ihm, dass ich das organisieren kann, im Gegenzug aber ans Appenzeller Kantonale möchte. Das wurde so eingefädelt: Josef liess vermelden, dass ich bei der Brauerei Appenzell arbeite und ich gab an, dass Sepp Klosterknecht in Ingenbohl sei. Er machte dann den Kranz als „Sutter Josef, Brunnen“ und ich den Appenzeller als „Steiner Toni, Bühler“. Kurz vor dem Schwingfest bekam ein Funktionär Wind davon und telefonierte ins Appenzellerland, dass sie mich nicht starten lassen dürfen. Sie liessen mich aber dennoch gewähren. Bei diesem Schwingfest wurde ich zweimal (1. und 5. Gang) mit dem legendären Otto Brändle eingeteilt.
Peter Sutter, der Bruder von Sepp und Vater von Schwingerkönig Thomas Sutter, erzählte mir später, dass ich in einer Jubiläumsschrift des Appenzeller Schwingverbandes auch als Kranzgewinner Erwähnung fand. Die meisten wussten aber nicht, wer dieser „Steiner Anton, Bühler“ sei.“

Den Amerikakranz mit 48 Jahren gewonnen
Toni erzählt weiter: „Den Amerikakranz gewann ich bei einem Schwingfest in Squaw Valley, im Alter von 48 Jahren. Ich war damals schon längst zurückgetreten, trainierte aber immer noch. Am Vorabend des besagten Schwingfestes haben wir zusammen „plagiert“. Ich meinte in einer fröhlichen Rund: Ich habe halte kein Schwinger-Tenue dabei, sonst würde ich morgen grad schwingen. Alois Küttel entgegnete: Du kannst mein Tenue haben, das passt dir schon. So blieb mir nichts Anderes übrig und ich musste antreten. Am Schluss figurierten vier gewonnene Gänge auf meinem Notenblatt. Meine Frau war aber ob meinem kühnen Handeln gar nicht begeistert“.

Toni’s Schwingtraining
Toni absolvierte während seiner Aktivzeit pro Woche zwei Schwingtrainings und ging zudem jeden Montag zum Faustball-Training. Das Faustball-Training war damals sein Lockerungs-Training und half ihm gegen den Muskelkater nach den Schwingfesten. Die Trainingswoche sah im Winter wie im Sommer gleich aus. „Kantonaltrainings kannten wir damals in dem Sinne noch nicht. Aber vor dem Innerschweizerischen trafen wir Schwyzer Schwinger uns ein- oder zweimal zum gemeinsamen Training. Wir trainierten damals auf eigene Faust auch bei anderen Schwingklubs. So ging ich einige Male ins Muotatal zum Schwingtraining“, ergänzt der 76-Jährige.

Kader-Zusammenzüge vor Eidgenössischen Schwingfesten
Zu diesem Thema meint Toni: „Ja, das kannten wir auch schon. Wir trafen uns jeweils dreimal vor so einem Anlass, sowohl vor einem Eidgenössischen, wie auch vor dem Kilchberger Schwinget. Die selektionierten Innerschweizer Schwinger fanden sich damals in Luzern zum gemeinsamen Schwingtraining ein.“

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