Roger Rychen’s Bericht aus dem Corona-Alltag

Text: feldwaldwiesenblogger

Roger Rychen’s letztes Schwingfest datiert auf den 16. Februar im letzten Jahr: Beim Hallenschwinget Niederurnen konnte sich der Glarner glatte 60 Punkte schreiben lassen und gewann das Fest überlegen. Die Frühform hätte gestimmt und der Einstieg ins Schwingerjahr war geglückt. Das Corona-Virus machte wie so vielem ein Strich durch die Rechnung, und so durfte Roger seinen Sieg nicht bestätigen. Immerhin hatte er seine Auftritte als Botschafter für den ESAF 2025-Kandidaten Glarnerland+. Den Bewerbungsfilm der Glarner, welcher ab dem 9. Februar auf deren Homepage zu sehen ist, präsentiert Roger zusammen mit der bestens bekannten Fernsehmoderatorin Fabienne Bamert.

Roger Rychen wird im kommenden November 30-jährig und ist zweifacher Eidgenosse. Roger hat insgesamt 50 Kränze auf seinem Konto, nebst den beiden Eidgenössischen Kränzen zieren sein Palmarès 33 Kantonal-, sieben Berg- und acht Teilverbandskränze. Dazu kommen 17 Siege an Rangschwingfesten. Der 190 Zentimeter grosse und 110 Kilogramm schwere Athlet ist Mitglied vom Schwingklub Niederurnen und Umgebung. Der Sennenschwinger ist gelernter Landwirt, arbeitet derzeit als Maschinist bei einem Lohnunternehmen und wohnt in Glarus.


Der Glarner Roger Rychen ist mittlerweile zweifacher Eidgenosse
Bild: Christian Fluri

Wie geht es dir?
«Mir geht es gut, Danke der Nachfrage. Ich bin gesund und fit.»

Wie sieht dein Trainingsalltag derzeit aus?
«Der Fokus liegt auf dem Athletiktraining. Ich absolviere vier Trainingseinheiten pro Woche und habe mir dafür selber etwas eingerichtet. Das Mentaltraining baue ich nun wieder sporadisch in meinen Trainingsalltag ein. Sobald die Schwingfeste beginnen, betreibe ich dieses regelmässig.»

Momentan wäre die wichtigste Phase des Trainingsaufbaus im Sägemehl. Das ist nun vorerst nicht möglich. Wie kann man unter diesen Umständen eigentlich eine Saison planen?
«Für den athletischen Bereich habe ich eine Grundplanung vorgenommen, mit der Annahme, dass die Kranzfeste im Mai starten. Die ganze Planung muss aber flexibel sein und jeweils der Situation angepasst werden können. Eine eigentliche Schwingfest-Planung habe ich noch nicht gemacht, möchte mich da noch nicht festlegen und es vorneweg nehmen. Es gilt, das Beste aus der Corona-Situation zu machen, welche nun bald ein Jahr andauert.»

Kannst du deiner Arbeit wie gewohnt nachgehen?
«Ja, zum Glück kann ich normal arbeiten. Was ich nicht kann, ist mal ein Znüni in einem Restaurant einnehmen. Ich arbeite als Maschinist bei einem Lohnunternehmer im Glarnerland. Zu meiner Arbeit gehört unter anderem die Schneeräumung. Weiter führen wir Transporte wie Heulieferungen für Bauern aus. Ich arbeite momentan in einem 100 Prozent Pensum, welches etwas reduziert wird, wenn die Schwingfeste wieder losgehen.»

Wie erlebst du persönlich die Corona-Pandemie?
«Es geht mir wie allen: Mittlerweile hat man es bald gehört und gesehen. Ich habe das Virus am eigenen Leib verspürt und wurde im vergangenen November positiv auf COVID-19 getestet. Es ging nicht spurlos an mir vorüber, und ich lag einen Tag regelrecht flach. Ich habe mich hernach aber gut erholt und trage glücklicherweise keine Langzeitfolgen davon.»


Am Gibelschwinget Bonstetten 2017 konnte sich Roger Rychen als Sieger feiern lassen
Bild: rogerrychen.ch

Wegen den fehlenden Aktivitäten im Sägemehl hast du wahrscheinlich mehr Freizeit als dir lieb ist. Welchen Beschäftigungen gehst du nun vermehrt nach?
«Im letzten Sommer habe ich vermehrt Bergtouren gemacht und bestieg beispielsweise den höchsten Gipfel der Glarner Alpen, den Tödi und war auch auf dem «Vrenelisgärtli». Derzeit verbringe ich die freie Zeit zusammen mit meiner Frau, welche im neunten Monat schwanger ist. Wir geniessen gemeinsam die Vorfreude auf das Kind.»

Angenommen, ihr dürft gegen Ende März wieder ins Kurzholz: Wann würdest du dein erstes Schwingfest bestreiten?
«Das entscheide ich spontan und achte darauf, wie ich mich fühle und wie es im Sägemehl läuft. Nach der Vorlaufzeit der besagten vier Wochen würde ich vermutlich ein Schwingfest absolvieren, und schauen wie der Einstieg funktioniert. Ich habe das Gefühl, dass ich mich relativ schnell wieder im Sägmehl akklimatisieren würde. Zudem bin ich der Meinung, dass man in den vier Wochen das Schwingtraining so gestalten kann, dass man anschliessend bereit ist.»

Wie ist die Stimmung unter deinen Trainingskameraden?
«Es sollten alle möglichst rasch wieder ins Sägemehl zurückkehren können. Im Glarner Schwinger-Chat haben wir eine «Corona-Challenge» gestartet, wo wir uns gegenseitig Übungen vormachen. Dies, um die Motivation auf das Training aufrecht zu halten. Ausserhalb des Glarnerlandes habe ich am meisten Kontakt mit Samir Leuppi.
Wir alle legen den Fokus derzeit auf die Athletik. Ein Vorteil ist, dass man momentan genug Zeit für die Regeneration hat, und so noch eine Leistungssteigerung erzielen kann. Mir ist aber sehr wohl bewusst, dass sich der Unterschied erst im Sägemehl zeigen wird.»

Gibt es auch etwas Positives, was du aus dieser Pandemie mitnehmen kannst?
«Es gibt immer wieder positive Aspekte. So entdeckte ich letzten Frühling andere Sportarten und war viel auf dem Velo unterwegs. Im Sommer konnte ich die freie Zeit für anderes nutzen und verbrachte auch viel Zeit mit der Familie.»

Ist eine Corona-Impfung für euch Schwinger eine Option?
«Für mich persönlich ist es momentan kein Thema. Wenn eine Impfpflicht für Kontaktsportarten kommen sollte, müsste man sich das nochmals überlegen.»

feldwaldwiesenblogger