Joel Wicki’s Bericht aus dem Corona-Alltag

Text: feldwaldwiesenblogger

Joel Wicki feierte 2019 am ESAF in Zug seinen bisher grössten Triumph. Der Luzerner begeisterte mit seiner explosiven und offensiven Schwingweise das Publikum, und wies am Schluss ein Hammer Notenblatt auf. Der Schlussgang gegen Christian Stucki ging leider verloren. Den Titel eines Erstgekrönten konnte der sympathische und naturnahe Sörenberger trotzdem absolut verdient entgegennehmen. Die tolle Saison krönte Joel mit dem Sieg in der SCHLUSSGANG-Wertung, der offiziellen Jahrespunkteliste des Eidgenössischen Schwingerverbandes, und konnte sich als Schwinger des Jahres feiern lassen. Im vergangenen Jahr konnte Joel wegen der Corona-Pandemie an keinem einzigen Schwingfest teilnehmen.

Der Erstgekrönte von Zug wird am 20. Februar 24-jährig. Joel hat insgesamt 44 Kränze auf seinem Konto, nebst dem Eidgenössischen Kranz zieren sein Palmarès 20 Kantonal/Gau-, 14 Berg- und 9 Teilverbandskränze. Dazu kommen 11 Kranzfestsiege. Der 183 Zentimeter grosse und 110 Kilogramm schwere Athlet ist Mitglied vom Entlebucher Schwingerverband. Der Sennenschwinger ist gelernter Baumaschinenmechaniker EFZ, absolviert zurzeit eine Zweitausbildung zum Landwirt und wohnt in Sörenberg.


Joel Wicki macht sich wegen der momentanen Situation Sorgen um den Schwingsport
Bild: joelwicki.ch

Wie geht es dir?
«Mir geht es gut. Aktuell bin ich gerade im Spitzensport-WK in Magglingen. Ansonsten arbeite ich in einer Firma als Baumaschinist und mache zurzeit eine Zweitausbildung zum Landwirt. Das ist ein guter Ausgleich zum Alltag. Die Stallarbeit und das Füttern der Tiere machen mir grosse Freude.»

Wie sieht dein Trainingsalltag derzeit aus?
«Mein Trainingsalltag ist derzeit sehr monoton. Seit September vergangenen Jahres war ich nicht mehr im Sägemehl. Krafttraining im Privatbereich ist momentan das Einzige, was erlaubt ist. Die Kameradschaft fehlt mir schon.»

Momentan wäre die wichtigste Phase des Trainingsaufbaus im Sägemehl. Das ist nun vorerst nicht möglich. Wie kann man unter diesen Umständen eigentlich eine Saison planen?
«Man kann keine Saison planen. Nach einem Jahr Pause kann man nicht einfach wieder in den Ring steigen. Das geht nicht einfach so. Wir brauchen sicherlich vier Wochen – Mann gegen Mann – im Schwingkeller. Wenn es wieder losgehen sollte, muss man den ganzen Grundaufbau wieder machen. Ich habe schon Sorge um den Schwingsport. Man fragt sich manchmal, weshalb man überhaupt trainiert.»

Kannst du deiner Arbeit wie gewohnt nachgehen?
«Meiner Arbeit als Baumaschinenmechaniker kann ich mehr oder weniger normal nachgehen. Schwingen ist in einer normalen Saison auch ein Teil meiner Tätigkeit. Das Schwingen fiel letztes Jahr ganz weg. Das ist natürlich nicht gut. Meine freie Zeit nutze ich für die Ausbildung zum Landwirt.»

Wie erlebst du persönlich die Corona-Pandemie?
«Als Schwinger fehlt mir natürlich die Kameradschaft im Schwingkeller. Ich mag mich nicht gross beklagen, aber es ist keine einfache Situation. Man wünscht sich, dass die Normalität bald wieder zurückkehrt und ich wieder schwingen kann.»


Joel Wicki konnte sich 2019 am ESAF in Zug als Erstgekrönten feiern lassen
Bild: Tobias Meyer

Wegen den fehlenden Aktivitäten im Sägemehl hast du wahrscheinlich mehr Freizeit als dir lieb ist. Welchen Beschäftigungen gehst du nun vermehrt nach?
«Ich stehe vermehrt im Stall. Weiter verbringe ich viel Zeit mit Krafttraining im privaten Bereich und mit Training in der Natur. Ich bin froh, dass ich den sogenannten «Schwinger-WK» besuchen darf.»

Angenommen, ihr dürft gegen Ende März wieder ins Kurzholz: Wann würdest du dein erstes Schwingfest bestreiten?
«Das lässt sich so nicht sagen. Das Training im Schwingkeller ist das eine, aber wann wieder Schwingfeste mit Zuschauern stattfinden dürfen, ist das andere. Momentan lassen sich keine Prognosen machen. Die Vorbereitungszeit im «Keller» dauert mindestens vier Wochen.»

Wie ist die Stimmung unter deinen Trainingskameraden?
«Die Stimmung ist verständlicherweise nicht besonders gut. Wir machen uns alle Sorgen um den Schwingsport. Die ganze letzte Saison ist ausgefallen. Das ist für uns Schwinger und den Sport ein grosser Verlust – sowohl sportlich als auch finanziell. Nun droht eine weitere Saison einfach so auszufallen. Als Sportler haben wir eine begrenzte Zeit, in der wir unseren Sport ausüben können. Zwei Jahre unserer kurzen Karriere drohen wegzufallen. Wer mag da noch trainieren, wenn keine Schwingfeste stattfinden. Auch um den Nachwuchs mache ich mir Sorgen. Es tut weh, wenn wir talentierte Junge an andere Sportarten verlieren.»

Gibt es auch etwas Positives, was du aus dieser Pandemie mitnehmen kannst?
«Meine Ausbildung zum Landwirt ist positiv für mich. Ich hoffe, dass ich vielleicht eines Tages einen Hof erwerben kann, so dass mein Herz ganz ausgefüllt ist.»

Ist eine Corona-Impfung für euch Schwinger eine Option?
«Dies muss jeder für sich selbst entscheiden. Momentan gibt es diese Option gar nicht, weil der Impfstoff knapp ist und nur den Risikogruppen zur Verfügung steht. Selbst wenn ich wollte, kann ich mich zurzeit nicht impfen lassen.»

feldwaldwiesenblogger