Saison-Zwischenbilanz der Innerschweizer: Es verlief nicht alles rosig, aber ein Aufwärtstrend ist deutlich erkennbar

Text: Schwinger-Blog

Der Innerschweizer Schwingerverband (ISV) hat bereits 82 von 85 Schwingern fürs «Eidgenössische» in Pratteln fix selektioniert. Viel früher als sonst, und viel früher als die anderen Teilverbände. Aber eigentlich logisch: Denn bis auf den Brünig-Schwinget sowie das Bernisch-Kantonale und das Nordwestschweizer Schwingfest stehen für die Innerschweizer Schwinger keine Kranzfeste bis zum ESAF in Pratteln mehr an. Zeit also, eine objektive Zwischenbilanz zu ziehen. Denn: Eine subjektive haben wohl schon etliche Schwingerfreunde gezogen. Man muss kein grosser Sachverständiger sein, um festzustellen, dass nicht alles rosig verlief. Dennoch: Ein deutlicher Aufwärtstrend ist erkennbar. Statt den Stab über dem ISV-Team zu brechen und voreilige Schlüsse zu ziehen, sprach der Schwinger-Blog mit Thedy Waser. Der Technische Leiter der Innerschweizer nahm zu fünf Stichworten eingehend Stellung.  

Thedy Waser ist der Technische Leiter der Innerschweizer Schwinger

Bild: esv.ch

Saison-Zwischenbilanz

Was für eine Saison-Zwischenbilanz ziehst du insgesamt vom ISV-Team?

Thedy Waser: «Ich ziehe eine gute Saison-Zwischenbilanz und ich bin zufrieden mit dem bisherigen Verlauf. Namhafte Schwinger kamen von Verletzungen zurück und bereichern nun wieder unser Team. Bei den Kantonalfesten kam bis aufs «Urner» der Sieger aus unseren Reihen. Bei den Bergfesten lief es uns, abgesehen vom Stoos-Schwinget, gut.»

Was fiel dir besonders positiv auf?

Waser: «Wir haben viele talentierte Nachwuchsleute wie beispielsweise Marc Lustenberger. Sie drücken nach und haben etliche gute Wettkämpfe gezeigt. Das hat mir sehr gefallen, und das ist für die Zukunft sehr wichtig.»

Was stach dir besonders negativ ins Auge?

Waser: «Von den Schwingern kann ich nichts Negatives berichten. Was mir ins Auge stach sind gewisse Medien mitsamt ihrer Berichterstattung. Sie kennen den Hintergrund einfach zu wenig und berichten dadurch auch zu wenig sachlich. Wenn ein Schwinger seine Leistung nicht bringt, spricht man gleich von einer grossen Krise. Alle, die eine Ahnung von Sport haben, wissen, dass solche Situationen einfach dazu gehören.»

Zuletzt liess sich ein deutlicher Aufwärtstrend bei den Innerschweizern erkennen. Würdest du diese Aussage unterschreiben?

Waser: «Ja, das hat man wirklich gesehen. Auch dank den Schwingern, welche zu Beginn noch verletzt waren oder denen die Praxis noch ein wenig fehlte. Sie kehren nun wieder sukzessive auf die Erfolgsstrasse zurück.»

Was sagst du zu den Leistungen deiner Schützlinge an den Kantonalschwingfesten?

Waser: «Es wurde gut geschwungen. Die bereits erwähnten Jungen drücken nach. Sie haben trotz der Corona-Pandemie ihre Arbeit gemacht. Aber auch die Arrivierten zeigten, dass sie ihre Hausaufgaben gemacht haben.»

Wie fällt deine Bilanz für die bisherigen Bergkranzfeste aus?

Waser: «Auf dem Stoos sind wir mit einer arg dezimierten Mannschaft angetreten, diverse Kräfte fehlten verletzungsbedingt. Trotzdem hatten wir einen Schwinger im Schlussgang. So gesehen haben wir das Optimum herausgeholt. Beim Schwarzsee holten wir vier Kränze und die Jungen wussten zu gefallen. Auf der Rigi holten wir den Festsieg und wieder vier Kränze. Leider mussten Reto Nötzli und Mike Müllestein das Fest aufgeben. Ich denke, wir haben das beste aus der Situation gemacht.»

Wie beurteilst du die Leistung des ISV-Teams am ISAF?

Waser: «Am ISAF haben die Innerschweizer einen starken Wettkampf gezeigt. Wir erlebten etliche Überraschungen wie beispielsweise den Sieg von Nano Durrer gegen Benjamin Gapany, oder den Triumph von Urs Riebli über Michael Bless. Das sind eindrückliche Momente und sie zeigen uns, dass in Zukunft mit den Nachwuchskräften zu rechnen ist.»

82 von 85 Innerschweizer Schwingern wurden bereits definitiv fürs ESAF in Pratteln selektioniert

Bild: schlussgang.ch

Frühe Selektionierung fürs ESAF

Verfolgt man mit der frühen Selektionierung einen bestimmten Grund?

Waser: «Ja. Unter den 82 fix Selektionierten sind solche Schwinger darunter, welche noch nicht ganz fit sind. Ihnen wird so bewusst Druck genommen. Die 15 provisorisch selektionierten Schwinger stehen da schon mehr unter Druck. Sie haben noch die Möglichkeit, sich für eine definitive Selektion aufzudrängen. Für uns stehen noch verschiedene Entscheidungen um das Festsetzen der letzten Startplätze an.»

Unter den 82 selektionierten Schwingern sind 33 Luzerner, 16 Schwyzer, 14 Ob-/Nidwaldner, 11 Zuger und 8 Urner. Nebst der zahlenmässigen Überlegenheit der Luzerner sind sie auch derjenige Kantonalverband, welcher am besten unterwegs ist. Die Schwyzer haben nach fetten Jahren ganz offensichtlich eine Baisse. Wie beurteilst du die Situation der Kantonalverbände? 

Waser: «Die Schwyzer verzeichneten nach dem ESAF in Zug gewichtige Rücktritte, dann kam die Corona-Pandemie und die schwere Verletzung von Michael Gwerder. Die Zuger mussten lange auf Pirmin Reichmuth verzichten und nun fehlt ihnen wegen Krankheit Noe van Messel. Bei den Urnern sorgt neuerdings Lukas Bissig für viel Freude. Lange Zeit waren die Schwyzer die Leader in der Innerschweiz, zur Abwechslung sind es nun die Luzerner. Potential ist überall vorhanden, und diese Schwinger werden in den nächsten Jahren zeigen, dass auch sie zur Spitze gehören.»

Der Urner Lukas Bissig machte in dieser Saison bisher viel Freude und gewann fünf Kränze

Bild: Luzerner Zeitung

Die Verletzungssituation und die Situation bei den Nachwuchsleuten

Auch in dieser Saison hatten die Innerschweizer bisher viel Verletzungspech. Wie beurteilst du die aktuelle Verletzungssituation?

Waser: «Momentan sieht es nicht so schlimm aus wie auch schon. Die Rückkehr von Pirmin Reichmuth ist sehr erfreulich. Die derzeitigen Verletzten laborieren meist an leichten Blessuren, welche keine längere Pause nach sich ziehen. Bei Reto Nötzli ist es eine Muskelverspannung, keine grosse Sache. Christian Schuler wird vermutlich auf dem Brünig wieder dabei sein. Mike Müllestein sollte bis zum Nordwestschweizer Schwingfest wieder fit sein. Matthias Herger ist wieder im Schwingtraining, er plant einen Start am Sörenberg-Schwinget. Die Rückkehr von Michael Gwerder ist noch offen. Er praktiziert zwar schon seit einiger Zeit das Schulschwingen. Michael wird am ESAF aber nur antreten, wenn er für eine Topleistung bereit ist.»

Mit Marc Lustenberger, Lukas Bissig, Ueli Rohrer und Jonas Burch ernten junge Athleten die Früchte der Nachwuchsarbeit. Bist du zufrieden mit dem eingeschlagenen Weg, dem Nachwuchskonzept und den Nachwuchsleuten? Wo gäbe es in deinen Augen noch Verbesserungspotential?

Waser: «Das grösste Verbesserungspotential liegt darin, dass die Jungen zusammen trainieren und harte Trainings absolvieren. Der ISV bietet entsprechende Trainings für den Nachwuchs und die Aktiven an. Es wurden zudem Trainingsgruppen innerhalb des Verbandsgebietes gebildet. Gut ist, wenn die Schwinger diese Trainings regelmässig besuchen. Denn nur so werden sie stärker. Ich bin ansonsten mit dem eingeschlagenen Weg hinsichtlich des Nachwuchses zufrieden. Wir sahen dies letztes Jahr bei der erfolgreichen Teilnahme am ENST.»

Joel Wicki (links) und Pirmin Reichmuth sind rechtzeitig zum ESAF hin wieder bereit für grosse Taten

Bild: Luzerner Zeitung

ESAF in Pratteln

Welche Ziele definierst du als Technische Leiter für das ESAF in Pratteln?

Waser: «Ein Ziel sind neue Eidgenossen, ein weiteres Ziel ist, dass jeder Kantonalverband Kränze holt. Und schliesslich ist es unser Ziel, um den Königstitel zu schwingen.»

Mit Joel Wicki und glücklicherweise wieder mit Pirmin Reichmuth verfügt das ISV-Team über zwei Team-Leader, welche nach schwierigen Zeiten wieder bereit sind für grosse Taten. Die Erleichterung im Team muss gross sein. Traust du beiden den Königstitel zu?

Waser: «Ja, ich traue beiden den Titel zu. Beide haben das Potential und sie haben bereits in Zug bewiesen, dass sie um die Krönigskrone schwingen können. Aber: Schlussendlich braucht es das ganze Team, um den Titel holen zu können.»

Wie schwörst du dein Team aufs «Eidgenössische» ein?

Waser: «Das findet innerhalb des Betreuerteams statt. Unsere Schwinger sind ansonsten eingeschworen genug. Wir bieten ihnen Hand bei der Vorbereitung und geben ihnen die Unterstützung, welche sie benötigen

Wie sieht die Vorbereitung der Innerschweizer bis zum ESAF aus?

Waser: «Bis zum ESAF finden alle zwei Wochen Trainingszusammenzüge statt, der letzte ist am 18. August. Am 4. August steht ein Termin mit den Medien auf dem Programm und am 13. August besuche ich mit meinem Team den Festplatz in Pratteln. Ich bin zuversichtlich, und ich traue meinen Akteuren auch etwas zu.»