20 Jahre POLUTION: Von der Jubiläumsfeier, Meilensteinen und Zukunftsplänen

Text: feldwaldwiesenblogger

Die Muotathaler Band POLUTION durfte dieses Jahr den 20. Geburtstag feiern. Dieses freudige Ereignis nahm ich zum Anlass, die Band im Proberaum zu besuchen. Nach der Bandgeschichte wurden beim Gespräch mit Marcel Betschart und Pascal Gwerder auch die grandiose Jubiläumsfeier, Meilensteine in der Bandgeschichte und die Zukunftspläne thematisiert.

Die Jubiläumsfeier
Das Jubiläum wurde mit einem grandiosen Konzert im „Sternen“-Saal in Muotathal gefeiert. Bei der Feier mit allen ehemaligen Musikern war der Saal mit 250 Konzertbesuchern prall gefüllt. POLUTION trat in chronologischer Reihenfolge auf. Erst mit den Gründungsmitgliedern und den alten Songs. Sie standen in jeder Besetzung, die es je gegeben hat, auf der Bühne und spielten die entsprechenden Stücke. Schlussendlich wurden etwa 30 Songs gezählt. Dabei wurden relativ viele Covers gespielt, da POLUTION mit Songs aus dem riesigen Hardrock-Fundus ihre Karriere begann. Pascal Gwerder war als Einziger die ganze Zeit auf der Bühne, er ist von Anfang dabei. Heinz Imhof amtete zwischen den Songs als „Tafelmajor“ und erläuterte die passenden Geschehnisse und Veränderungen rund um die Bandgeschichte.
Am Festtag wurde um 15 Uhr mit Ländlermusik im Restaurant gestartet. Es folgte ein kleiner Apéro für die geladenen Gäste wie Sponsoren, Gönner, befreundete Bands, Familienangehörige und Kollegen. Am Abend trat als erstes Dryhouse, die Band von Bassist Christian Epp, auf. Später folgten die Muotathaler Dreadful, dann POLUTION’s Jubiläumspart und zum Abschluss die Muotathaler Bad Sin.


Marcel Betschart (links) und Pascal Gwerder mit einem Erinnerungsstück von der Jubiläumsfeier
Foto: feldwaldwiesenbloger

Die Vorbereitungen auf die Jubiläumsfeier
Die Band war schon länger der Ansicht, das Jubiläum würdig zu feiern. Die Feier sollte in der Heimat Muotathal stattfinden, und zwar im „Sternen“-Saal, in welchen 250 Personen reinpassen. Bei der Anfrage der ehemaligen Bandmitglieder in einem eigens dafür eingerichteten Chat willigten alle innerhalb von fünf Minuten ein. Die eigentliche Vorbereitungszeit mit allen organisatorischen Details dauerte gut ein halbes Jahr. Man einigte sich gemeinsam mit allen Musikern auf eine Set-Liste, und in der Folge wurde im Proberaum „im Stützli“ fleissig geprobt. Die aktuellen Bandmitglieder staunten dabei nicht schlecht, wie schnell und gekonnt die „Ehemaligen“ wieder im Element waren. René Heinzer beispielsweise legte den Bass nach seinem letzten Konzert zur Seite und spielte rund 15 Jahre nicht mehr auf dem Viersaiter. Aber auch er beherrschte die Stücke innert kürzester Zeit wieder.
Die Band erhielt nach dem Konzert im Restaurant Sternen ein gutes Echo. Einige Fans erzählten, dass sie sich bei der Jubiläumsfeier in ihre Jugend zurückversetzt fühlten.

Meilensteine in der Bandgeschichte

Die grössten Erfolgsmomente
Es waren viele gute Momente, zu denen mit Bestimmtheit die CD-Aufnahmen oder der Auftritt im Z7 gehören. Für die Bandmitglieder sticht aber die Tournee mit SHAKRA hervor. Weiter erwähnen sie die Konzerte mit KROKUS oder SODOM, bei welchen sie als Vorband eröffnen durften. Der Ausflug nach Tschechien bleibt ebenfalls unvergessen.

Die bewegendsten Erinnerungen
Dazu gehört sicher die Taufe der ersten CD. Weiter die Studioaufenthalte bei den Aufnahmen der beiden CD’s oder die Nachricht, im Z7 auftreten zu dürfen. Der Trip nach Schweden in diesem Jahr gehört zweifellos zu den bewegendsten Erinnerungen. Die Reise war sehr speziell, erfolgte sie doch just einen Tag nach dem Terroranschlag in Stockholm (7. April). POLUTION trat dort an einem internationalen Metal-Festival etwas oberhalb von Stockholm auf. „Leider kamen wegen dem Terroranschlag nicht so viele Leute wie ursprünglich erwartet ans Festival“, ergänzt Marcel.

Das beste Konzert
Das ist eindeutig jenes vom 26. Februar 2010 im ausverkauften Z7, zusammen mit SHAKRA. Pascal erinnert sich: „Das Konzert hat gefetzt. Und die Fans sangen Happy Birthday für mich, ich hatte nämlich an jenem Tag Geburtstag.“ Viele Band-Artikel wurden verkauft und der Auftritt auf der Z7-Bühne war ein Riesenerlebnis.

Der beste Tonträger
POLUTION veröffentlichte bisher zwei CD’s. Die erste CD erschien 2008, die zweite 2012. Des Weiteren sind sie auf verschiedenen Samplern zu hören. Für die Band ist der zweite Silbering „Beyond Control“ qualitativ und von den Songs her der beste Tonträger. Sie halten ihn für massgebender und reifer.

Der beste Song
„Forever and a day“ von der zweiten CD ist genial gemacht und wird immer wieder gerne gehört. Inhaltlich geht es um den Verlust eines Menschen, der gestorben ist. Ein melancholischer Track und ein Hardrocksong in mittlerem Tempo. Der Aufbau des Songs ist etwas vom professionellsten, was POLUTION bisher geschafft hat.

Das beste Jahr in der Bandgeschichte
2009: Die Europa-Tournee mit SHAKRA und der Open Air-Auftritt in Tschechien standen auf dem Programm. In jenem Jahr spielte POLUTION am meisten Konzerte in der bisherigen Bandgeschichte.


Bei der Jubiläumsfeier im „Sternen“ standen aktuelle und ehemalige Bandmitglieder auf der Bühne
Foto: POLUTION

Die beiden bisher veröffentlichten CD’s
„Wir machen engergiegeladenen Hardrock“, erklärt Marcel. „Dabei greifen wir gesellschaftskritische Aspekte auf und verarbeiten sie in den Songs. Dies war vor allem auf der zweiten Scheibe der Fall. Die erste CD beinhaltet Texte, welche sich vor allem um’s Muotatal drehen: Wie schön es dort ist, wie wir leben und dass uns die Leute besuchen sollen.“ Auf dem zweiten Tonträger nahmen sie sich dem schlechten auf der Welt an. Was nicht gut läuft, und was sie bewegt. In den Augen der Band sind die Texte auf „Beyond Control“ reifer ausgefallen.
Das Feedback auf die erste CD „Overheated“ war sehr gut. Der Tonträger wurde bei Tommy Vetterli aufgenommen, und diese Tatsache hat bei den Musikmagazinen ziemlich gezogen. POLUTION kam bei einem kleinen englischen Label, Escape Music Ltd., unter Vertrag. Beide CD’s wurden von ihnen weltweit veröffentlicht. Für den zweiten Tonträger „Beyond Control“, bei welchem die Bandmitglieder das Gefühl hatten, er sei professioneller ausgefallen, bekamen sie nicht unbedingt gute Kritiken. Sie wurden dabei öfters auf eine Schweizer Band reduziert und ungewöhnlich hart angefasst. Tatsache war aber auch, dass das Label bei dieser CD keine gute Werbekampagne fuhr. Der Vertrag mit Escape Music Ltd. lief von 2008 bis 2014.
Dem Schweizer Vertrieb „Nonstopmusic“ gefällt die Musik von POLUTION. Nonstopmusic war denn auch dafür verantwortlich, dass die zweite Scheibe in allen Exlibris- sowie Media Markt-Filialen in der Schweiz erhältlich war. Die Band schätzt, dass sie bisher 4’000 bis 4’500 Tonträger verkauft haben. POLUTION schloss zudem mit einer Schweizer Firma einen Vertrag ab, damit ihre beiden CD’s nun bei Musikstreaming-Diensten wie iTunes oder Spotify aufgerufen werden können.

Ein neuer Tonträger könnte wieder zum Thema werden
POLUTION steckte bisher wohl um 150’000 Franken in die Band. Die Kosten für Verstärkeranlagen und Instrumente betrugen um 30’000 bis 40’000 Franken. Dazu verschlang jede CD-Produktion zwischen 50’000 und 60’000 Franken und die Kosten der Deutschland-Tournee musste mit etwa 10’000 Franken berappt werden.
Marcel und Pascal erklären, dass heute anders Musik konsumiert wird. Sehr viel wird vom Internet runtergeladen und CD’s werden einiges weniger gekauft. Trotzdem, POLUTION möchte gerne wieder etwas Handfestes veröffentlichen. Aus dem einfachen Grund: Sie halten gerne einen realen Tonträger samt Umschlag in Händen. Neue fertige Songs sind momentan keine vorhanden. Es existieren viele Ideen, aufgenommene Sequenzen und halbfertige Sachen. Der Aufwand für eine Produktion mit 12 bis 15 Songs ist mit extremem Aufwand und Riesenkosten verbunden. Die Hoffnungen und Erwartungen von so einem Tonträger sind bei POLUTION mittlerweile vorbei. Deshalb findet Marcel Ralph Zünd’s Idee mit „straight 2 tape“ sehr interessant und könnte sich dies für POLUTION vorstellen. Dabei geht man in Ralph’s Studio, wo bereits alles perfekt voreingestellt ist. Man nimmt ein Fan-Publikum mit und spielt im Studio eine Live-Session von vier bis sechs perfekt sitzenden Songs, welche aufgenommen wird. Kleine Fehler werden hinterher allenfalls ausgemerzt und das Ganze zu einem Tonträger produziert. Man kann die Live-Session seinen Fans als Event verkaufen, und so einen grossen Teil der Produktionskosten decken, welche sich bei 5’000 bis 8’000 Franken bewegen dürften. Weiter würde so ein Tonträger noch etwa 15 Franken kosten, was eher gekauft würde als eine 25-fränkige CD mit 12 Songs. POLUTION hat noch nie einen Video-Clip gedreht und träumt schon länger davon. Bei den Aufnahme-Sessions in Goldau bestünde die Möglichkeit, dies mit einem Video-Dreh zu verbinden.

Die Zukunftspläne
Konkrete Zukunftspläne existieren derzeit nicht. Die neue Bassistin Renja Schmidig soll ab 2018 frischen Wind in die 20-jährige Hardrockband bringen. Marcel sagt dazu: „Wir sind ein wenig bequem geworden. Zudem hat sich auch das Leben bei jedem Bandmitglied verändert. Es läuft einiges nebenher und so wird es manchmal auch schwierig, genügend Zeit für die Band zu investieren. Früher probten wir zwei bis dreimal pro Woche. Renja ist eifrig und will Musik machen, wie wir früher. Sie wird neuen Wind in die Band bringen. Vielleicht werden auch neue eigene Songs ein Thema. Und natürlich frische Covers. Denn einige sind praktisch seit den Anfangstagen im Repertoire. Wir hoffen, dass wir nach verschiedenen privaten Veränderungen alle wieder mehr Zeit für die Band finden.“
Da die neue Bassistin momentan einen USA-Aufenthalt absolviert, blieb nicht viel Zeit, über die Zukunft zu besprechen. Sie lassen es auf sich zukommen und hoffen, dass sie im Frühling oder Sommer 2018 wieder live auf der Bühne stehen werden. Die Band möchte dabei Renja genügend Zeit lassen und sie nicht ins kalte Wasser werfen.


Die neue Bassistin Renja Schmidig
Foto: POLUTION

Jedes Bandmitglied geht zu 100 Prozent einer Arbeit nach. Dies wurde auch in der Vergangenheit immer so gehandhabt. Marcel meint: „Wenn mehr gelaufen wäre, hätte man es sich überlegt, mehr Zeit in die Musik zu investieren. Und dafür sein Arbeitspensum zu reduzieren.“ Sie sehen POLUTION aber nach wie vor als Hobby. Ihnen ist auch bewusst, dass es heutzutage schwieriger ist, als Hardrockband zu bestehen. Vor 20 Jahren waren die Zeiten für eine Band wie sie um einiges besser. Die Clubszene hat sich inzwischen verändert und das Interesse an solchen Bands ist viel geringer geworden. Es sind überwiegend DJ’s angesagt und diese lassen für die Clubbesitzer die Kasse klingeln.
Trotz Familien, eigenen Unternehmen, Hobbies und anderen Beschäftigungen gibt die Band auch nach 20 Jahren nicht auf und macht weiter. Vielleicht nochmals 20 Jahre?

feldwaldwiesenblogger

20 Jahre POLUTION: Die Bandgeschichte

Text: feldwaldwiesenblogger und POLUTION

Die Muotathaler Hardrockband POLUTION wurde im Mai 1997 gegründet.
Die Besetzung um Pascal Gwerder (Gesang), Marcel Betschart (Gitarre), Matthias Betschart (Gitarre), Christian Epp (Bass) und Armin Betschart (Schlagzeug) feierte zusammen mit allen ehemaligen Mitgliedern am 11. November den 20. Band-Geburtstag. Im heimischen Muotathal, im Saal des Restaurant Sternen, wurde mit einem grandiosen Jubiläumskonzert tüchtig gefestet.
Dieses Jubiläum nahm ich zum Anlass, die Bandgeschichte genauer unter die Lupe zu nehmen und mit der Band ein Gespräch zu führen.


Marcel Betschart (links) und Pascal Gwerder beim Gespräch an der Bar im Proberaum
Foto: feldwaldwiesenblogger

Was bedeutet eigentlich der Name POLUTION?
Das Wort „POLUTION“ klang für die Gründer cool. Wird „POLLUTION“ mit zwei „LL“ geschrieben, meint man die Umweltverschmutzung. Die Band erklärt es denn auch in diesem Zusammenhang. Damit das Dreckige und das entsprechende Drumherum hervorgehoben wird, wie es irgendwie auch zum Rock’n’Roll passt. Pikantes Detail: POLUTION mit einem „L“ ist ein italienischer Ausdruck und bedeutet „der erste nächtliche Samenerguss“. Die Band hat es aber nie auf diese Erklärung bezogen und meinte stets die Umweltverschmutzung. Übrigens: Da der Ausdruck „Pollution“ weltweit von Umweltorganisationen in Blogbeiträgen Erwähnung findet, wird die Homepage der Muotathaler Band öfters dazu verlinkt.

Die Band-Gründung
Im Mai 1997 trafen sich Pascal Gwerder, Daniel Heinzer, René Heinzer und Roger Rickenbacher im Valley-Pub in Muotathal. Die vier Kollegen hatten die Bieridee, eine Rockband zu gründen. Kurze Zeit später beschafften sie sich aus Brockenhäusern und Musikgeschäften die passenden Musikinstrumente. Das erste Probelokal war ein alter Baucontainer im Ried und schon bald stand der erste Auftritt im „Wärchhof“ Schwyz an. Der erste Gig war ein voller Erfolg. Während den ersten drei Jahren spielte man einige Konzerte im inneren Kantonsteil. Unter anderem im Valley-Pub, in der Linde Schwyz oder an der Schwyzer Chilbi.


Die vier Gründungsmitglieder im Jahr 1997: Daniel Heinzer, Pascal Gwerder, Roger Rickenbacher und René Heinzer (von links nach rechts)
Foto: POLUTION

Der Einstieg von Marcel Betschart
Einen Tag nach dem „Musigfäscht“ der Musikgesellschaft Muotathal im Herbst/Winter 1999 wurde Marcel Betschart angefragt, ob er in Zukunft den Gitarrenpart von Pascal übernehmen möchte. Marcel, welcher sowieso an jedem POLUTION-Konzert dabei war, sagte nach reiflicher Überlegung zu. Von da an waren POLUTION zu fünft unterwegs, und Pascal konnte sich nun ausschliesslich des Gesanges widmen.
Von AC/DC über Böhse Onkelz, Status Quo bis Metallica und Motörhead wurde alles rauf und runter nachgespielt. In diesem Zeitraum entstanden aber auch die ersten Eigenkompositionen.

Wechsel hinter dem Schlagzeug, am Bass und an der Gitarre
2003 gab Schlagzeuger Roger Rickenbacher aus zeitlichen Gründen seinen Rücktritt aus der Band bekannt. Rasch meldete sich der damalige Sound-Mischer Armin Betschart, dass er sich vorstellen könnte die Drums zu bedienen. Es war eine sehr gute Entscheidung. Der Job am Mischpult übernahm Andy Betschart, der jüngere Bruder von Armin. Was sich im Jahr darauf, als Bassist René Heinzer die Band verliess, auch als Glücksgriff erwies. Andy zupfte nämlich fortan den Viersaiter.
Kaum ein Jahr darauf verkündete auch Daniel Heinzer, dass er POLUTION verlassen möchte. Denn er war mit seiner Zweitband, „Den Geheimen Sportsocken“, dermassen ausgelastet, dass ihm die Zeit einfach fehlte. Ab diesem Moment stand die Band etwa ein halbes Jahr ohne zweiten Gitarristen da. Bis Matthias Betschart, damals noch aktiver Rock’n’Roller bei „Loose Contact“, schlussendlich die Chance packte und sich für POLUTION entschied.

Die erste CD und die Europa-Tour mit SHAKRA
Eigene Songs komponieren war nun angesagt. Etwas später stand die Teilnahme am Emergenza-Bandcontest, einem der grössten internationalen Wettbewerbe für junge Musiker, an. Dank der Unterstützung der Fans belegte POLUTION Platz zwei in der Schweiz.
Nur knapp zwei Jahre nach dem Beitritt von Matthias standen POLUTION im Tonstudio von Tommy Vetterli in Pfäffikon SZ. Das erste Album „Overheated“ wurde aufgenommen und 2008 durch das englische Label Escape Music Ltd. weltweit veröffentlicht.
Dank der Kontakte und Mithilfe von Vetterli entstanden die ersten Gespräche mit dem Musikmanager Oliver Macchi. Macchi verschaffte POLUTION den Kontakt mit dem englischen Label, zu einem TV-Auftritt bei Dani Beck und zu einer Europa-Tour im April 2009 mit SHAKRA. Innert zwei Wochen absolvierte die Muotathaler Hardrockband zwölf Gigs in Holland, Deutschland, Belgien und Italien.
Keine zwei Monate später wurden sie als Headliner an einem Open Air im Südosten von Tschechien gebucht. 2009 war für die Band ein sehr ereignisreiches Jahr mit vielen schönen, lehrreichen und unvergesslichen Momenten.

Der zweite Tonträger „Beyond Control“
Im Frühjahr 2011 wurde das zweite Album „Beyond Control“ in Ralph Zünd’s „2inch-records – Studio“ aufgenommen. 2012 wurde die CD wieder durch das Label Escape Music Ltd. weltweit veröffentlicht. Mit „Beyond Control“ wurde ein Meilenstein gesetzt. Weiter sind POLUTION auch auf diversen internationalen Samplern vertreten.

Christian Epp übernahm für Andy Betschart
Als 2013 Andy Betschart mit seinen anderen Musikformationen auch Erfolge feiern konnte und die Zeit für ihn immer rarer wurde, entschied er sich, POLUTION zu verlassen. Die Band fragte Christian Epp, den Bassisten und Sänger von „Dryhouse“, ob er Zeit und Lust hätte einzusteigen. Sein Entscheid war schnell gefällt und Christian übernahm von 2013 bis 2017 den Bass. In diesen vier Jahren spielten POLUTION weitere coole Gigs. Unter anderem in München oder dieses Jahr an einem Festival in Stockholm.
Auch die Schweiz kam konzertmässig nicht zu kurz. Die „Schüür“ in Luzern, das Z7 in Pratteln und fast jeder Kanton wurde mal „gerockt“. Entweder als Hauptact oder als Vorband von John Coghlan, Krokus, Sodom, Jeff Scott Soto und weiteren Musikgrössen.


POLUTION live in der „Schüür“: Marcel Betschart, Pascal Gwerder, Armin Betschart, Christian Epp und Matthias Betschart (von links nach rechts)
Foto: POLUTION

Mit Renja Schmidig erstmals eine Frau in der Band
Die Jubiläumsfeier im „Sternen“ war zugleich Christian Epp’s letzter Auftritt mit POLUTION. Ab 2018 übernimmt Renja Schmidig, welche derzeit einen USA-Aufenthalt geniesst, den Bass. Es ist für POLUTION eine Premiere, erstmals eine Frau in der Band zu haben. Sie sind überzeugt, dass das junge Talent Renja sie an der Bassgitarre tatkräftig unterstützen wird. Zudem hoffen die Bandmitglieder, bald mit ihr live unterwegs zu sein.

Über 200 Konzerte wurde in den letzten 20 Jahren gespielt. Es wurden sieben Länder bereist. POLUTION waren mit einem Nightliner und vier Flugzeugen unterwegs und übernachteten in etlichen Hotelzimmern. Die Band bereut keinen Moment. Denn es entstanden viele interessante Kontakte, Freundschaften und Begegnungen.

feldwaldwiesenblogger

Wysel Gwerder’s Erinnerungen an Polo Hofer

Text: feldwaldwiesenblogger

„Tschou zämä, es isch schön gsy!“ – So lautete die selber verfasste Todesanzeige von Polo Hofer. Als der Berner Oberländer am 22. Juli starb, war mir sofort klar, dass ich ihn und sein Lebenswerk auch in meinem Blog thematisieren möchte.

Polo Hofer, mit bürgerlichem Namen Urs Alfred Hofer, wurde am 16. März 1945 in Interlaken geboren. Polo war sein Pfadfindername und begleitete ihn ein Leben lang. Nach der obligatorischen Schulzeit erlernte er den Beruf eines Handlitographen. „New Orleans Function“ von Louis Armstrong war die erste Platte in jungen Jahren und Harry Belafonte im Kursaal Interlaken (1955) das erste Konzert.
Stationen von Polo als Trommler und Sänger: The Jetmen (1962 – 1967), Polo’s Pop Tales (1968/69), Rumpelstilz (1971 – 1978), Polo’s SchmetterDing (1978 – 1982), Polo Hofer und die SchmetterBand (1984 – 2002). Ab 2002 folgten The Alpinistos, Polo und Band sowie weitere musikalische Projekte.
Hofer war nicht nur Musiker. Seine Tätigkeiten wie Dichter, Schauspieler, Kolumnist, Maler, Moderator, Produzent, Referent und Lifestyle Consultant lesen sich äusserst vielseitig.

Mir ist bewusst, dass ich Polo und seinem Erbe nicht gerecht werde, wenn ich nur Fakten aus dem Internet zusammentrage und daraus einen Beitrag schustere. Denn zu diesem Zweck empfehle ich Lektüre von Samuel Mumenthaler, einem Berner Jurist, Autor und Musiker. Er gilt als Chronist der Schweizer Musikszene der Gegenwart und kennt Polo bestens. „Polo: eine Oral History“ oder „50 Jahre Berner Rock“ (mit Vorwort von Polo Hofer) sind beispielsweise zwei Veröffentlichungen von Mumenthaler.

Mein Ansinnen ging dahin, dass ich mit einem grossen Polo Hofer-Fan ein Gespräch über seine Erinnerungen an den Mundartrock-Sänger führen wollte. Und: Ich musste nicht lange suchen. Denn in meiner Umgebung kenne ich keinen grösseren Fan und Kenner als Wysel Gwerder. Ich fragte den 51-jährigen Muotathaler an, und dieser willigte sofort ein. Ein Gespräch über seine Erinnerungen an Polo Hofer fand kürzlich bei Wysel zuhause statt, inmitten seiner Erinnerungsstücke.


Wysel Gwerder mit Erinnerungsstücken und Musik von Polo Hofer
Foto: feldwaldwiesenblogger

Welches ist deine erste Erinnerung an Polo Hofer?
Wysel Gwerder: Das war Mitte der 1970iger Jahre. Ich erinnere mich an einen Bericht über Rumpelstilz in der Jugendzeitschrift Pop/Rocky. 1976 habe ich Rumpelstilz anlässlich der FERA im Schweizer Fernsehen gesehen. Sie spielten den Song „Kiosk“. Später habe ich sie immer wieder im Radio DRS gehört.


Rumpelstilz mit „Kiosk“ an der FERA 1976
Quelle: YouTube

Welches war dein erstes Konzert von Polo, welches dein letztes? Wie viele waren es?
Wysel: Das erste Konzert war Mitte der 1980iger Jahre im Stadtkeller in Luzern, und zwar Polo mit der SchmetterBand. Das letzte Konzert war im Sommer 2015 in der Mühle Hunziken in Rubigen.
Ich besuchte insgesamt etwa 60 Konzerte von Hofer. Von Polo’s SchmetterDing habe ich ein Konzert miterlebt. Polo mit der SchmetterBand habe ich etwa 30 Mal live gesehen, mit Rumpelstilz und mit The Alpinistos je fünfmal. Zudem war ich an etwa 20 Konzerten von Polo und Band, welches seine letzte Besetzung war. Ein paar Mal sah ich Polo live bei anderweitigen Projekten.

Erzähle über deine Konzerterinnerungen an Polo!
Wysel: Da sind viele Erinnerungen vorhanden. Meistens war ich mit Kollegen aus dem Muotathal feuchtfröhlich unterwegs. Nicht selten hat uns Polo erblickt und die Delegation aus dem Muotatal speziell begrüsst. Am meisten habe ich Hofer im Stadtkeller live erlebt, nämlich etwa 20 Mal. Man stelle sich vor, der Entertainer spielte dort sage und schreibe 178 Konzerte.
1987 feierte das Mythencenter in Schwyz das 15 Jahr-Jubiläum. Es wurde ein Zelt aufgestellt und Polo trat dort auf. 1988 spielte der Berner Mundartrocker im Casino Schwyz. Bei diesem Konzert herrschte ein dichtes Gedränge und es wurde gehopst und getanzt. Irgendwann gaben zirka zehn Quadratmeter Boden vor der Bühne nach, und wir standen einen halben Meter tiefer… Das hätte schlimm enden können! Nach einem kurzen Unterbruch wurde das Konzert weitergeführt. Dies war unter anderem ein Grund für den Bau des Mythenforums.


Beim Konzert im Casino Schwyz 1988


Wysel (ganz rechts) traf nach dem Konzert im Casino Schwyz Polo
Fotos: Wysel Gwerder

Einmal fuhr ich an ein Konzert nach Biel an die EXPO 02. Ich hatte fünf Tickets und fragte sicher 15 Personen. Aber niemand hatte Zeit mitzukommen. So ging’s halt alleine an die Arteplage nach Biel und ich sah Polo live mit den Rumpelstilz, welche extra für die EXPO 02 ein einmaliges Reunion-Konzert spielten. Das Vorprogramm bestritten übrigens Patent Ochsner, welche live auch immer toll sind. Übrigens: Vor Ort gingen meine vier restlichen Tickets weg wie warme „Weggli“.


Rumpelstilz an der EXPO 02 (Konzertplakat)
Foto: feldwaldwiesenblogger

Für welches Polo Hofer-Konzert bist du am weitesten gereist?
Wysel: Das waren zwei Mittelmeer-Kreuzfahren mit der Rock & Blues-Cruise (2013 und 2016), wo Polo auftrat und zugleich als Musical Director amtete. 2013 waren auch die dustyboots mit von der Partie. Die Roadmusic-Band aus dem Muotatal wurde von Polo eingeladen.


Polo Hofer und Alex Gwerder von dustyboots (Rock & Blues-Cruise 2013)
Foto: Wysel Gwerder

Da Polo Mundartrock spielte, trat er natürlich meist nur in der Deutschschweiz auf. Einmal gingen wir zu Dritt nach Mürren zum Allmendhubel an ein Openair-Konzert von Rumpelstilz. Dies war in den 1990iger-Jahren. Als wir zu später Stunde nach Konzertende mit der Mürren-Stechelberg-Bahn hinunterwollten, war leider bereits Betriebsschluss. So mussten wir zu Fuss durch den Waldweg bis nach Lauterbrunnen. Der Fussmarsch dauerte gut zweieinhalb Stunden und danach fuhren wir noch ins heimische Muotathal zurück.


Openair-Konzert auf dem Allmendhubel in Mürren (in den 1990iger-Jahren)
Foto: Wysel Gwerder fotografierte das Konzertfoto im Restaurant Allmendhubel

Hat Polo auch mal im Muotatal gespielt?
Wysel: Ja, hat er. Er spielte anno 1988 auf der Muotathaler Alp Ober Gschwänd (Bödmeren-Gebiet). Ich habe dieses Konzert leider verpasst, da ich zu jener Zeit auf einer USA-Reise war. Auf Ober Gschwänd feierten einige Männer von der Familie Schuler aus Küssnacht zusammen mit ein paar Kollegen ihren 25. Geburtstag. An diesem Anlass entstand die legendäre „Geissbock-Story“, welche Polo anschliessend an etlichen Konzerten erzählte. Bei dieser Geschichte wurde dem Berner Rocker am frühen Morgen ein Geissbock in sein Zelt geschoben. Aber hört selber, wie Polo bei einem Konzert in der Mühle Hunziken (März 2015) die Begebenheit in allen Details erzählt:


Teil 1 der Geissbock-Story


Teil 2 der Geissbock-Story
Videos: Wysel Gwerder

Deine Lieblings-Alben und Lieblings-Songs von Polo?
Wysel: Einerseits ist das die LP von Rumpelstilz „Live im Atlantis, Basel“ (veröffentlicht 1977), welche inzwischen vergriffen ist. Dazu kann ich nur sagen: Eine Kultband in Höchstform. Andererseits erwähne ich die CD „Polo Hofer singt Bob Dylan 1981 – 2011“ (veröffentlicht 2011). Aus Rohdiamanten (was Dylan-Songs meistens sind) schuf Polo mit der Schweizer Musikelite Perlen.
Am stärksten fand ich Polo sowieso immer, wenn er die feinen Töne anschlug. In den Balladen „Rosemarie und i“, „Im letsche Tram“, „Di gfallene Ängel“, „Stilli Wasser“ und „Wen mys letsche Stündli schlat“ spüren wir das Herz und die Seele dieses Mannes.


Polo Hofer mit „Stilli Wasser“ (30.10.2015)
Quelle: YouTube

Was ist für dich der Reiz oder das Spezielle an Polo’s Musik?
Wysel: Er gab seinen Songs ein Lebensgefühl und vermittelte eine Sprache, die man verstand. Seine Musik begleitete mich durch die Jugend. Die Texte sind stets mit Deutungen und Fingerzeigen, und sagen mit wenigen Worten viel aus.


Quelle: songtexte.com


Quelle: songtexte.com

Polo ist der Begründer und der Vater des Berner Rock, seine Songs sind heute teilweise Volksgut. Alle, die nach ihm gekommen sind, hat er nachhaltig geprägt. Hofer hat wie kein anderer vor ihm die Mundart und die Rockmusik zusammengeführt. Polo hat Generationen in allen Sprachregionen der Schweiz gezeigt, wie viel Kraft und Poesie in der Berner Mundart steckt.

Bist du Polo auch persönlich begegnet?
Wysel: Da gab es einige Begegnungen und hie und da einen Schwatz. Polo hatte ein grosses Allgemeinwissen über fremde Länder und Kulturen. Als die Schweizer Fussballnationalmannschaft einmal in Irland spielte, traf ich ihn in Dublin in der Hotelbar an. Er war auch am Spiel, und wir unterhielten uns darüber. Meistens diskutierten wir aber über Musik, wo er über ein unglaubliches Wissen verfügte. Speziell über die amerikanische Südstaaten-Szene.


Wysel mit Polo bei der Rock & Blues-Cruise 2013
Foto: Wysel Gwerder

Wer war Polo?
Wysel: Polo war der geborene Entertainer, auf der Bühne war er zuhause. Auf dieser übte er gerne eine Hofnarren-Funktion aus. Der Berner war ein Geschichten- und Anekdotenerzähler, war schlagfertig und ein philosophischer Sprücheklopfer. Nachfolgend drei wunderbare Beispiele:

„Als ich klein war, sagte man mir, jeder könne Politiker werden.
Jetzt fange ich an, es zu glauben.“

„Lieber eine freie Marktwirtschaft als eine geschlossene Beiz.“

„Ich trinke erst wieder Milch, wenn die Kühe Trauben fressen.“

Privates gab er nur den Wenigsten preis. Polo war ein Nachtmensch, die besten Ideen kamen ihm stets um Mitternacht bei einem Glas Wein und einem Joint.

Was bleibt von Polo?
Wysel: Das sind in erster Linie sicher seine Musik mit mehr als dreissig veröffentlichten Alben, sowie seine fast dreitausend Live-Konzerte. Weiter fünfzig Jahre Chilbi und Party, welche halt nicht spurlos an ihm vorbeigingen. In Erinnerung werden auch seine Bilder bleiben, welche teilweise öffentlich sind. Zum Beispiel das Cover des ersten KROKUS-Albums. Der Berner bleibt einer breiten Bevölkerung als „Polo National“ in Erinnerung, da er öfters zu verschiedenen aktuellen Themen seine Meinung kundtat.


Polo enthüllte im Mai 2017 eine lebensgrosse Holzstatue seiner Person
Foto: blick.ch

Ich bedanke mich bei Wysel für die wirklich sehr interessanten Informationen, Ausführungen, Anekdoten, Bilder und Videos. Polo’s Erinnerungen bleiben uns dank Fans wie dem Muotathaler erhalten, und in seinem Erbe, der Musik lebt er sowieso weiter. Als Anlehnung an Polo’s Todesanzeige sagte Wysel am Ende des längeren Gespräches: „Tschou Polo, äs isch schön gsi!“

feldwaldwiesenblogger

flätt hüntsch sauft – Das digitale Muotathaler Wörterbuch

Text: Peter Betschart und feldwaldwiesenblogger

Kaplan Alois Gwerder’s Bestseller
Wie der Bote der Urschweiz am 25. Oktober berichtete, wurde der Bestseller „flätt – hüntsch – sauft“ von Kaplan Alois Gwerder in eine digitale Form aufbereitet. Der Muotathaler Volkskundler gab 2001 nach jahrzehntelanger Recherche ein Sammelwerk der Muotathaler Dialektwörter heraus.
Heutzutage eröffnen nebst der Buchform die digitale Technik längst andere Möglichkeiten, Wörter oder Ausdrücke im Internet nachzuschauen. So entschied sich die Kulturkommission der Gemeinde Muotathal zu diesem Schritt und setzte ihr Vorhaben in aufwendiger Kleinarbeit um.

flätt hüntsch sauft“ ist nun seit einigen Tagen online abrufbar. Das digitale Muotathaler Wörterbuch umfasst 11’833 Begriffe und ist bequem am PC, Tablett oder auf dem Handy abrufbar.
Um Jung und Alt auf dieses schöne und gelungene Werk aufmerksam zu machen, wurde nebst Hinweisen in schriftlicher Form auch eine Animation in einem Video erstellt.


Video-Animation: Michael Schelbert

tüütsch und tüütli!
Mundart ist in! Oder heisst das jetzt hip oder cool? Halt! Geht das auch auf Deutsch? Also, zweiter Versuch: Mundart isch diänig, aagseid, modä. Mit meiner Mundart gebe ich bekannt, woher ich komme. Am nüüd aa isch-es mäni ä Muätitaaler! hört man dann und wann. Schwyzer sagen nid, Illgauer niid und Zürcher nöd. Es braucht manchmal wenig, um zu zeigen woher man ist – oder eben nicht. Vielleicht will ich ja gar nicht als Muotathaler erkannt werden oder nicht eister. Zu meiner Jugendzeit vor 40 Jahren konnte es schon passieren, dass man in Schwyz verlachät oder gföppäläd wurde wegen dem Muätitaler-Tüütsch. Das Umgekehrte aber war häufiger der Fall. Mundarten sind auch ein Markenzeichen und viele Personen schätzen sie sehr.

Natürlich wandelt sich die Sprache dauernd. Ich weiss nicht genau, wie sich die heutige Jugend begrüsst. Salü? Guättag? Tschau? Hoi? Zu meiner Zeit war es nicht üblich, sich dabei abzuklatschen oder zu beküssen. Ein einfaches so oder ho genügte im Freundeskreis zur Begrüssung. Zum Abschied vor dem Gehen war es dann ein esä. Jede Zeit hat so ihre Mundart, denke ich manchmal.

Heutzutage fällt mir auf, dass das Wörtchen scho ganz anders gebraucht wird. Früher meinte man damit bereits wie z.B. I bi scho daa. I ha scho ggässä. Heute benutzt man es als Rückfrage, Quittung im Sinne von: Ja was? Sicher? Im Beispiel kann man es besser zeigen: Geschter hani änu ä chlii Glück gha! Der Zuhörer sagt: Scho? Aber vielleicht ist das auch schon out oder durä. Zum Schluss noch eine kurze Geschichte, die mich beeindruckt, aber auch nachdenklich gemacht hat.

Vor nicht langer Zeit war eine Muotathalerin als Lehrtochter im Spital Schwyz tätig. Von ihrer Vorgesetzten wurde ihr bald einmal empfohlen, beim Umgang mit den Patienten nicht so z’muätitaalärä. Die Begründung ist mir nicht bekannt. Witzig finde ich, dass die Lehrtochter aus dem Muotatal fremdsprachig war, also ausländische Eltern hatte. Offenbar war sie stolz darauf zu zeigen, woher sie kommt.
Wie erlebst du den Umgang mit Mundart?

Hinweis: Wenn du Mundartwörter hörst, die dir unbekannt sind, dann ist das digitale Wörterbuch sicher das richtige für dich.

feldwaldwiesenblogger

Hinterthaler Chilbi mit DJ Satzy und dem beliebten Bullriding

Text und Foto: feldwaldwiesenblogger


DJ Satzy und Cassey Doreen werden am Chilbi-Samstag so richtig einheizen

MUOTATHAL: Zum 49. Mal findet vom 13. bis 15. Oktober die Hinterthaler Chilbi statt.
„Statt is Näscht, gömmer a d’Hinterthaler Chilbi!“: Ländlerzelt, Altä Tällä, grosses Festzelt, Schwinger-Bar, TC Pragel-Bar, Qüöllfrisch-Bar, Restaurant Schlüssel, Restaurant Bödeli, Bastards Place und Grill. Lüpfige Unterhaltung, rockige Klänge und feine Chilbi-Spezialitäten sorgen für viel Gemütlichkeit. Am Freitag ist um 17.00 Uhr im Altä Tällä Chilbi-Eröffnung. Möglich ist eine Tischreservation für Firmen und Gruppen. Dafür gibt’s für 5 Franken Bier und „Arbeiterwürst“.
Als Highlight werden am Samstagabend DJ Satzy und Cassey Doreen gehandelt. Weitere DJ’s, Ländlerkapellen und Rockbands werden die Stimmung weit über den Siedepunkt bringen. Als spezieller Gaumenschmaus wird von Freitag bis Sonntag „Hafächabis“ im Ländlerzelt angeboten. Der Chilbi-Verein organisiert zudem grosse Mengen „Zuckerwattä“. Gerüchten zufolge wird die im Vorfeld für viel Aufsehen sorgende Chilbi-Hymne live präsentiert.

Kuhl Kids führen wieder das grosse Festzelt
Das grosse Festzelt auf dem „Sunnäplatz“ wird zum zweiten Mal von den „Kuhl Kids“, einer Muotathaler Jungmänner-Gäng, geführt. Ebenfalls zum zweiten Mal öffnet die Qüöllfrisch-Bar bei „ds Bätschäts-Huus“ ihre Türen. In der Schwingerbar trifft man nebst Schwingern auf originelle DJ‘s.
Am Sonntag wird um 10.15 Uhr beim Chappeli eine Jodlermesse mit dem Jodlerklub Muotathal gefeiert. Bei schlechtem Wetter wird die Messe im grossen Festzelt abgehalten. Anschliessend wird im Festzelt zu Ländlermusik und Jodelgesang das Mittagessen serviert. Diverse Unterhaltungsmöglichkeiten der etwas anderen Art wie Bullriding oder ein Clown (um 14 Uhr), sowie weitere lustige Attraktionen runden den Sonntag ab. Im Bastards Place erfolgt am Sonntagabend der Ausklang der Chilbi.
Die attraktive Hinterthaler Chilbi ist für Jung und Alt ein Besuch wert!

feldwaldwiesenblogger

Bad Sin – Die ultimative Rock’n’Roll-Band aus dem Muotatal

Am 19. Januar, einem Donnerstagabend, stattete ich der Muotathaler Rock’n’Roll-Band Bad Sin einen Besuch ab. In ihrem gemütlichen „Rümli“, wie sie ihren Proberaum fast liebevoll nennen, setzten wir uns auf die gemütliche Couch. Bei einem Bierchen erzählten mir die vier Jungs von ihrer Band, ihre Vorgeschichten und was alles rund um ihre „Böse Sünde“ abläuft.

Bad Sin wurde 2015 gegründet. Drei der vier Mitglieder proben aber schon seit 2002 gemeinsam im „Rümli“, vorher als Asskick und The Sinalcos. Wer aber spielt alles bei Bad Sin?

Sandro „Blundi“ Ablondi: Der 36-Jährige Muotathaler ist Leadsänger und Gitarrist von Bad Sin. Blundi erlernte den Beruf eines Maurers und arbeitet mittlerweile bei der Inderbitzin AG. Er sagt von sich, dass er nicht geschieden und nicht verheiratet sei. Blundis musikalische Laufbahn begann bei den Lumber Jack, zusammen mit Urs Imhof, Sandro Imhof und Marco Suter. Blundi dazu: „An einer Hinterthaler Chilbi spielten wir mal ein Konzert.“ Später kam die Band Morsachum hinzu, und irgendwann No Class, wo er heute noch spielt. Dann wurde aus Morsachum die Band Asskick. Nachdem Asskick Geschichte war, folgte The Sinalcos, die Vorgängerband von Bad Sin.

Beat Immoos: Der aus Morschach stammende Lead-Gitarrist ist 38-jährig und absolvierte eine Lehre als Elektromonteur. Beat arbeitet schon seit gut 16 Jahren bei der Firma Späni Zentralstaubsauger. Seine musikalischen Aktivitäten startete er um das Jahr 1995 bei Morsachum. Nach Morsachum kam Asskick. Später spielte Beat auch bei Beny Beny and the Loosers, Dirty Beats, Krolok, Five and half Thumbs und The Sinalcos. Zwischendurch betätigte er bei Five and half Thumbs auch den Bass. Inzwischen ist der Elektromonteur wieder an der Gitarre: „Back to the roots“, wie er dazu meint. Übrigens: Mit Blundi macht Beat schon seit etwa 20 Jahren gemeinsam Musik.

Sandro Köchli: Der Drummer ist der jüngste der Band, Muotathaler, 30-jährig und ausgedienter Zivilschützler. Köchli ist verheiratet und wird im kommenden April bereits zum dritten Mal Vater. Der gelernte Maurer arbeitet heute in einer Zimmerei. Den musikalischen Start erlebte Köchli im zarten Alter von 12 Jahren mit Entrails, bei welchen er mit Marcel Betschart, Carlo Gwerder und Jörg Gwerder musizierte. Im April 2000 kam der Schlagzeuger als 13-Jähriger zu Asskick. Beat: „Mit Sandro kam der Schnitt und wir machten aus Morsachum Asskick“. Mit Beat und Blundi macht Köchli bereits um die 17 Jahre Musik.

Heiner „Ozzy“ Suter: Der 33-jährige Illgauer zupft den Bass und ist für die Backing Vocals zuständig. Ozzy ist geschieden, hat zwei Kinder und ist von Beruf Treuhänder. Er begann seine musikalische Laufbahn bei der Illgauer Rockband Craft, welche sich inzwischen in Greatdane umbenannt hat. Nebst Greatdane spielt Ozzy auch noch bei Easy Daisy, bei welchen auch Köchli und Blundi dabei sind. Köchli ergänzt: „Unser aller erster gemeinsamer Auftritt spielten Ozzy und ich bereits in ganz jungen Jahren. Und zwar bei einem Konzert der Musikschule Muotathal-Illgau.“

Die Mitglieder von Bad Sin erklärten, dass sie einmal pro Woche jeweils an einem Dienstagabend proben. Letztes Jahr spielten sie neun Auftritte, insgesamt waren es bisher um die 20 Auftritte.

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Bad Sin auf dem Sofa: Blundi, Köchli, Beat und Ozzy (von links nach rechts)
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Wie kam es zur Gründung von Bad Sin?
Blundi: Mit The Sinalcos machten Beat, Köchli und ich zu dritt Musik. Ich sagte zu Beat schon lange, dass er wieder an die Lead-Gitarre soll. Eigentlich ist das wie Perle vor die Säue geworfen, wenn er Bass spielt. Uns war dann klar, dass wir einen Bassisten brauchen. Ich hatte schon von Anfang an einen im Kopf, und das war Ozzy. Der perfekte Mann für uns.
Beat: Nebenher lief sowieso das Projekt Easy Daisy. Deshalb kannten Köchli und Blundi Ozzy bereits. The Sinalcos gibt es nun nicht mehr. Aus dieser Formation entstand zusammen mit dem Illgauer Bad Sin.
Köchli: Als wir Ozzy anfragten, sagte er eigentlich sofort zu. Dann kam das Ganze ins Rollen, und wir starteten im Frühling 2015 mit den Proben. Das „Sahli Rock“ 2015 war unser erstes Konzert als Bad Sin.
Blundi: Als wir zu proben begannen, hatten wir es sehr lustig miteinander.
Beat: Es ist zwar schön, im Trio zu musizieren. Man ist aber auch eingeschränkt bei den Songs, die man spielen kann. Zudem klingen die Songs im Quartett einfach voller. Mit Ozzy haben wir eine weitere Möglichkeit, welche wir bisher nicht hatten: Background-Gesang.

Wo seht ihr eure Einflüsse?
Köchli: Zu diesen gehören AC/DC, Rose Tattoo, Status Quo, Chuck Berry, CCR, Johnny Winter oder Motörhead.
Beat: Rock aus den 1970iger-Jahren beeinflusste uns sehr. Weiter auch viele gute Klassiker der Rockgeschichte, wie von den Black Sabbath oder Led Zeppelin.

Von welchen Bands spielt ihr „Covers“?
Beat: Wir versuchen tolle Covers von nicht unbedingt bekannten Songs im Programm zu haben. Übrigens: Mit Bad Sin spielen wir nicht die gleichen Songs wie bei The Sinalcos. Ins Repertoire wurden neue Songs aufgenommen.
Ozzy: Es handelt sich dabei um Covers von Rose Tattoo, AC/DC, Status Quo, Rolling Stones, CCR, The Faces oder Aerosmith.
Blundi: In unserem Programm sind natürlich Songs von Bands, von welchen wir beeinflusst wurden. Bei uns kann jeder Songvorschläge bringen. Wir spielen im Proberaum die Songs an, und wenn sie allen gefallen, nehmen wir sie ins Repertoire auf.
Beat: Viele Bands, welche uns beeinflussten, und von welchen wir Covers nachspielen, sind zugleich unsere Lieblingsbands.

Wie sieht es mit Eigenkompositionen aus?
Köchli: Im jetzigen Repertoire befinden sich bereits drei Eigenkompositionen, welche wir mittlerweile regelmässig live spielen.
Blundi: Der Stil ist wie gehabt Rock’n’Roll, so wie ihn heutzutage nicht mehr viele bringen. Wie der Rock’n’Roll früher war, ohne grossen Schnickschnack. Zudem sind wir an weiteren eigenen Songs dran.
Beat: Blundi kommt mit den Ideen. Wir beide sitzen zusammen und arrangieren diese. Er schreibt auch die Texte, welche in Englisch verfasst sind.
Blundi: Es ist schon viel wert, wenn die Gitarristen wissen, was sie spielen sollen. Und: Bisher war es bei jeder neuen Song-Idee so, dass der Bassist und der Drummer so spielten, wie ich es mir vorgestellt habe.
Ozzy: Lange darüber diskutiert haben wir bisher noch nie. Wir spielten diese Songs einfach.

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Bad Sin an ihren Instrumenten
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Was für Ambitionen hegt ihr, oder anders gefragt: Verfolgt ihr gesteckte Ziele?
Beat: Nein, nicht mehr. Früher hätte man vielleicht mehr Ambitionen gehabt.
Blundi: Wir tun es aus Spass. Darum fühlt es sich auch so gut an, weil wir nichts müssen. Ziel ist es, gute Shows zu spielen.
Köchli: Wir wollen nichts erzwingen. Schön ist es, wenn es bei den Auftritten etwas zu essen gibt. Das ist gewöhnlich die erste Frage von Ozzy.
Ozzy: Ich möchte einfach den Plausch haben. Wir proben auch nicht stur, manchmal ist es mehr ein „jammen“.

Ist gar eine CD im Gespräch?
Ozzy: Ich sehe es als Fernziel.
Blundi: Ich denke, wenn wir einige Eigenkompositionen beisammenhaben, möchten wir sie sicher aufnehmen. So eine CD würde nur eigene Songs beinhalten. Wir sind nämlich nicht KROKUS!
Beat: KROKUS haben Coverversionen auf ihrem neusten Tonträger verewigt, die man gar nicht besser als das Original spielen kann. Wenn wir Covers ins Programm aufnehmen, schauen wir oft darauf, dass diese eher die „B-Seiten“ von bekannten Singles waren.

Im Raum Schwyz habt ihr einen exzellenten Ruf als Rock’n’Roll-Band. Wie weit kennt man euch inzwischen?
Ozzy: Wie weit geht der Raum Schwyz?
Köchli: Wir spielten bisher im Raum Schwyz, Einsiedeln und in Ausserschwyz auf.
Beat: Für dieses Jahr erhielten wir auch Anfragen für Sennwald SG oder Bubendorf BL. Hinter der Anfrage von Bubendort steckt Cello Hertner, der Tastenmann von dustyboots. Aber wir müssen natürlich darauf schauen, ob die Termine allen passen.
Blundi: Letztes Jahr spielte ich insgesamt 42 Konzerte, sehr viele mit No Class. Aber die Termine liessen sich immer gut vereinbaren, auch mit Bad Sin. Diesen Umstand verdanke ich meiner übersichtlichen „Analog-Agenda“.

Wo sieht man euch dieses Jahr live?
Köchli: Den ersten Auftritt des Jahres spielten wir bereits am 14. Januar im Bastards Place. Der nächste Termin ist das Handballfest vom KTV Muotathal am 25. März.
Beat: Beim Grümpi in Muotathal sind wir gebucht, weiter bei den Einsiedler Musiktagen. Offen ist die bereits angesprochene Anfrage betreffs Sennwald und eine für November im Zürich-Oberland.
Blundi: Wenn ich mit den No Class unterwegs bin, rühre ich für Bad Sin stets auch die Werbetrommel.
Ozzy: Die Anfragen kommen meistens über unsere Facebook-Seite rein. Diese Seite hat Beat in Betrieb genommen, und unterhält sie auch.
Beat: Eine Facebook-Seite ist sehr praktisch, und sie kann einfach auf dem neusten Stand gehalten werden. Eine Homepage zu betreiben ist so eigentlich gar nicht nötig. Auf Facebook sehen nämlich relativ viele Leute, was läuft.

Wie bereitet ihr euch jeweils auf ein Konzert vor?
Beat: Mental, jeder auf seine Weise. Einige sind schon ein wenig nervös vor einem Gig.
Blundi: Vor einem Konzert spielen wir in einer Probe nochmals alles durch. Kurz vor dem Auftritt trinken wir zusammen ein Bier, und erzählen uns schmutzige Witze.

Lebt ihr eigentlich ein Rock’n’Roller-Leben, gemäss dem Motto „Sex, Drugs and Rock’n’Roll“?
Alle lachen.
Blundi: Ja!
Köchli: Das kann man schon sagen!
Ozzy: Der Sex dürfte noch mehr sein!
Beat: Heutzutage heisst das „Kuschelsex, Laktoseintoleranz und Helene Fischer“!

Was denkt ihr über das aktuelle Musikgeschehen hier im Raum Schwyz?
Köchli: Es hat einige gute Bands, schon immer gehabt. Kanton Schwyz rockt – der Rock’n’Roll boomt hier einfach! Wir erlebten das im vergangenen Dezember beim Konzert im Gaswerk.
Ozzy: Muotathal, Illgau – da geht einiges an Musik ab. Auch mit jungen Bands. Wenn es nur überall so wie bei uns wäre.
Beat: Auch in Gersau oder Einsiedeln hat es eine lebendige Musikszene.

Wie sieht das in der übrigen Schweiz aus?
Blundi: Ich durfte schon einige Auftritte erleben, auch mit No Class. Aber die Stimmung ist nirgends so wie bei uns im Muotatal, wo das noch richtig zelebriert wird. Keinem ist es hier in den Kopf gestiegen und man kann sich praktisch mit allen unterhalten. Auswärtige Bands spielen einfach anders, moderner. Wenn du hier Rock’n’Roll spielst, wissen die Leute, wie es klingen muss. Das ist auswärts einfach anders.
Köchli: Es ist das Muotatal selber, es ist nicht mal Schwyz. Hier ist es einfach speziell, mit dem rauen Sound.
Ozzy: Eine so tolle Stimmung an Konzerten wie im Bastards Place oder früher in der Vorhöll triffst du fast nirgends an.
Beat: Wir traten vor einigen Jahren mit The Sinalcos als Vorband von den Backstreet Girls in der Vorhöll auf. Das war schon spitze!

Was wünscht ihr Euch für dieses Jahr?
Blundi: Ein neues Velo! (Alle lachen)
Köchli: Das Ziel wäre, den Proberaum ein wenig zu renovieren. Ein neuer Boden samt neuem Teppich wäre schön. Wenn dieser Boden sprechen könnte, wüsste er einiges zu erzählen…

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Bad Sin live im Gaswerk in Seewen SZ (17. Dezember 2016)
Bildquelle: schulerfotos.ch

Auf der bandeigenen Facebook-Seite beschreibt sich Bad Sin so: „Rock’n’Roll ehrlich und laut, mal lustig mal versaut, und durstig wenn’s haut!“ Beim Interview sprachen die vier lustigen und durstigen Rock’n’Roller oft ihren Proberaum an. Hier haben sie gewissermassen ihr zweites Zuhause. Nebst den Proben gehört auch das Gesellige dazu. Zudem hatten sie schon etliche Male Besuch. So fand 2007 im „Rümli“ eine legendäre Jamsession mit einem Rose Tattoo-Gitarristen statt. Die australischen Rocker spielten damals in der Konzerthütte hinter dem Restaurant Alpenrösli. Die musikalische Party ging dann im Proberaum weiter, bis ihnen die Vermieterin den Strom abdrehte. Blundi dazu: „Aber ansonsten haben wir es sehr gut mit unserer Hausmeisterin. Mit ihr haben wir ein gutes Los gezogen! Sie hatte es sicher nicht immer einfach mit uns. Wir haben uns aber etwas gebessert.“
Nebst der erwähnten Jamsession waren auch schon die Backstreet Girls, eine Rockband aus Oslo, im Proberaum. Die Norweger spielten tags darauf in der Vorhöll.
Beat ergänzt: „Es wurden schon einige Feste hier unten gefeiert. Einst waren unsere Proben wie kleine Konzerte, und es befanden sich fast jedes Mal um die zehn Zuschauer oder gar mehr im Rümli.“ Köchli lud gar dereinst zum Polterabend. Der Proberaum wüsste also einige Geschichten zu erzählen.
„Mit Krolok spielten wir hier unser letztes Konzert. Damals wurden 43 Personen hier drin gezählt“, rundet Köchli dieses Thema ab.

Ich bedanke mich bei Bad Sin für das Gespräch, bei welchem sehr viel gelacht wurde, und wünsche ihnen für ihren weiteren Weg alles Gute. Zum Schluss des Interviews meinte Blundi: „Jetzt trinken wir noch ein Bier!“ In dem Sinne: Prost zusammen!

feldwaldwiesenblogger

Warum „Fliegender Ring“ erscheinen soll – Ein Gespräch mit Aldo Betschart (Teil 2)

Am 23. Dezember besuchte ich Aldo Betschart (Gigers Aldo) in Zürich. Da ich dem Schriftsteller und Musiker zu verschiedenen Aspekten 20 Fragen stellte, fiel das Gespräch dementsprechend lange aus. So hatte ich hinterher Stoff für zwei Blogbeiträge.

Zur Erinnerung: Im Teil 1 erwähnte ich Aldos Erklärungen zum „Bettelbrief“, was er mit diesem beabsichtigt und wie das Echo darauf bislang ausfiel. Während des Verfassens des ersten Beitrages erreichte mich die Nachricht von Aldo, dass inzwischen rund 700 Franken zusammengekommen seien.

Nebst dem Bettelbrief war auch der Inhalt des Romans „Fliegender Ring“ beim ersten Teil ein Thema, notabene das bisher vierte Buch von Aldo. Des Weiteren befragte ich den 45-Jährigen wie er sich seinen Lebensunterhalt verdient, was ihm Familie bedeutet oder was für Dinge des Weltgeschehens ihn beschäftigen.

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Aldo, der Denker
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Die künstlerische Tätigkeit von Aldo:

An was für Projekten arbeitest du momentan?
Ich habe soeben das Layout zum Roman „Fliegender Ring“ fertig gestellt. Es wäre eigentlich parat zum Drucken. Daniel Frick, ein Freund von mir, wird für mich den Umschlag des Buches gestalten.
Weiter bin ich wieder an einem neuen Buchprojekt. Erst mache ich mir jeweils Notizen, und lasse diese über Monate „gären“. Mache mir dann wieder Gedanken, ergänze die Notizen und streiche auch Sachen raus. So lange der Roman „Fliegender Ring“ aber nicht vorliegt, kann ich dies nicht richtig in Angriff nehmen. Für mich ist nämlich enorm wichtig, erst das eine zu beenden.
Bei meiner Band „Despu Palliton“ habe ich soeben die Gesangsparts eingesungen. Unser finnischer Freund Janne Wrigstedt nahm mit uns sechs Songs auf. Das wird wirklich toll! Wir wollen im Frühling etwas veröffentlichen, sind uns aber noch nicht ganz im Klaren, in welcher Form. Es wird vermutlich eine Demo- oder Promo-CD sein.

Was ist eigentlich die Quelle deiner Inspiration?
Ich habe einen inneren Drang, mit meinen künstlerischen Ausdrucksweisen etwas zu machen. Es treibt mich eine gewisse latente Ruhelosigkeit, die ich so kanalisiere und gibt mir eine gewisse Ruhe und Ausgeglichenheit. Wenn ich ein wenig am Rumstänkern bin, sagt meine Frau Dana manchmal: „Geh doch in den Proberaum, es tut dir gut.“ Sie weiss, dass mich das zufrieden macht, und ich wieder ausgeglichener heimkomme.

Wie kamst du seinerzeit zum Schreiben?
Als Kind habe ich gar nicht so viel gelesen. Mein erstes Buch war „Der rote Seidenschal“ von Federica de Cesco, welches mir mein Grossvater schenkte. So richtig gepackt hat es mich erst in der Pubertät. Ich las damals so Sachen wie Hesse oder Hemingway. In Mathematik war ich nie gut, Zahlen haben mich nicht interessiert. Ich las aber gerne und schrieb gerne Aufsätze. Während der Schulzeit sagte mir mal ein Lehrer: Ich soll doch mehr schreiben. Denn er hatte immer Spass, wenn ich eine Geschichte schrieb. Vor allem dann, wenn er mich ins Lehrerzimmer schickte, und ich als Strafaufgabe eine Geschichte verfassen musste. Ich kam jeweils innert kürzester Zeit mit mehreren Seiten retour. Der Lehrer meinte, dass ich das gerne machen würde. Ich entgegnete ihm, dass ich das lieber mache, als im Klassenzimmer zu sitzen. Kurze Zeit später nahm ich mir vor, eine erste Kurzgeschichte zu schreiben, und sass an eine Schreibmaschine. Diese Geschichte zeigte ich aber niemandem.
Das Schreiben kam wie automatisch. Ich bin richtiggehend reingewachsen. Anfangs der 1990iger Jahre schrieb ich bewusst die ersten Geschichten. Mit der damaligen Band Verwaint war es mir nie schwer gefallen, Songtexte zu verfassen. Das grösste Problem war höchstens die Übersetzung mit meinem schlechten Englisch.

Gesetzt der Fall, ein interessanter Verlag würde an dich herantreten und dir absolute künstlerische Freiheit bieten, würdest du einen Vertrag mit ihnen eingehen?
Ja. Wenn das gewährleistet ist, sofort. Wenn ein Verlag mir die Freiheit gäbe, dabei alles seriös ablaufen würde, und das Buch dann wirklich im Buchladen ausgelegt ist. Für mich wäre das kein Thema, wenn ich dadurch viele Leute erreichen könnte, und mir keine Gedanken mehr machen müsste, wie der nächste Lohn reinkommt. Das ist manchmal schon ein gewisser Druck, der auf mir lastet.

Wäre so eine Absicherung, wie bei der vorherigen Frage angesprochen, nicht auch ein Traum von dir, dass du gar davon leben könntest?
Ein Traum ist es sicher. Wie früher, als wir mit unserer Musik begannen, und damit die Welt erobern wollten. Und natürlich wäre es auch ein Wunsch. Ich müsste lügen, wenn ich Nein sagen würde: Denn so könnte ich wirklich das machen, was ich am liebsten machen würde.

Wie läuft es mit deiner Band Despu Palliton?
In kommerzieller Hinsicht miserabel. Aber hinsichtlich der Kreativität der Band läuft es super. Wir sind als Band einfach an einem toten Punkt angelangt, was die Konzerte anbelangt. Wir mögen uns hier nicht mehr anbiedern, und ich mag nicht mehr immer an den gleichen Orten auftreten. Denn geschätzt wird es überhaupt nicht. Wir konzentrieren uns nun voll auf Deutschland und Österreich. Zusammen mit unserem Freund Janne Wrigstedt, welcher uns produziert und unterstützt. Wir sind nun aktiv an der Konzertplanung für 2017.
Das Schweizer Publikum ist mit der Schwemme Bands komplett überfordert. In Deutschland und Österreich besteht ein anderes Interesse. Deshalb konzentrieren wir uns nun mehr nach aussen. Mit der Absicht, dass wir dort jeweils gleich drei oder vier Tage unterwegs sind. Das ist unser grosses Ziel! Deshalb lebt unsere Band noch, und alle sind leidenschaftlich dabei. Wir sind noch lange nicht fertig. Ich habe das Gefühl, das für uns noch viel passieren kann. Wir wollen schliesslich nur spielen, und nicht weltberühmt werden.

Was gibt dir das kulturelle Schaffen?
Es ist ein Teil von mir und macht mich zufrieden. Wenn ich manchmal Dampf im Kessel verspüre, hilft die Musik und das Schreiben, so gegensätzlich diese beiden Formen sind, und bringen mich in eine innere Ausgeglichenheit. Ich brauche die Szene nicht um mich herum, geniesse das kulturelle Schaffen einfach für mich.

Thema Muotathal:

Wieso zogst du eigentlich vom Muotatal weg und wohnst nun in Zürich?
Das ist eine gute Frage. Ich zog 1999 vom Muotatal weg und ging nach Amerika. Kurz vorher musste ich mich einer schweren, mehrstündigen Operation unterziehen. Nach der Operation habe ich ein altes Leben hinter mich gelassen. Ab dann begann für mich wie ein zweites Leben. Für mich gibt es die Zeit im Muotatal, wo ich bis im Alter von 27 Jahren lebte, und die Zeit danach.
Ich spielte schon vorher mit dem Gedanken, dass ich in meinem Leben etwas grundsätzlich verändern muss. Es hat nichts mit dem Muotatal an sich zu tun, ich habe es heute noch gerne. Ich habe aber gespürt: Wenn ich nicht gehe, kommt es nicht gut. Es war für mich wie ein Befreiungsakt.
Ich kam auf Umwegen nach Zürich. Wegen einer Lungenentzündung kehrte ich von Amerika heim. Anfangs 2001 hockte ich wieder im Muotatal, und es schneite richtige Haufen. Das war mir alles einfach zu viel, nach der intensiven Zeit in den USA. Mein Weg führte mich nach Zürich und ich kam bei einem guten Freund in dessen Mansarde im Niederdorf unter. Für mich war klar: Wenn ich wieder richtig gesund bin, suche ich in dieser Stadt einen Job. Ich habe die Anonymität und den Neustart richtiggehend gebraucht. In Zürich bin ich auch näher am Puls.

Ist dir als künstlerisch arbeitende Person das ländlich-urchige Muotatal, im Vergleich mit dem urban-lärmigen Zürich, zu engstirnig (geworden)?
Nein, überhaupt nicht. Man kann die beiden Orte nicht miteinander vergleichen. Es gab damals, als ich fortging, im Muotatal auch immer mehr Bands. Ich wollte für mich ein neues Umfeld. Und es war vor allem in meinem Kopf drin. Ich habe dieses Tal immer gerne gehabt, so wie es ist: Mit seinem Brauchtum, den Traditionen und der volkstümlichen Musik. Dies habe ich auch immer respektiert. Ich war lange genug dort zuhause und muss ehrlich gestehen, dass ich mich schon nach mehr Puls gesehnt habe.

Inwiefern prägte dich die Zeit mit der Muotathaler Naturcore-Band Verwaint?
Für mich war dies das Beste, was ich je in meinem Leben begonnen habe. Mit Menschen Musik machen, in einer Band spielen. Mein Leben wäre grundlegend anders verlaufen, wenn ich mit dem nie angefangen hätte. Ich verdanke so viel diesem Schritt, dass wir im Muotatal eine Band gegründet haben. Wir lernten sehr viele Leute kennen. Einige davon sind nun meine besten Freunde, welche ich sonst nie getroffen hätte.
Da den einen nicht gefiel was wir machten, gehörte auch ein gewisser Mut zur Sache dazu. Wir haben es trotzdem gemacht. Ich habe Freude daran und ich denke gerne an die Band zurück.

Wie gross ist deine Verbindung noch zum Muotatal?
Ich habe einen guten Bezug zum Tal. Auch wegen meinen Eltern oder dem Götti von Philon, die dort leben. Wenn ich im Muotatal zu Besuch bin und dort auf einer Eckbank mit einer Schar Leute zusammensitze, wird mir jedes Mal klar, dass ihnen der „Schnabel“ gleich gewachsen ist wie mir. Es ist einfach ein anderer Menschenschlag, welchen ich in Zürich ab und zu vermisse. So eine Ehrlichkeit und so ein natürlicher ungezwungener Humor sind für mich schon ganz speziell.
Ich reise zwar nicht viel ins Muotatal. Für mich ist aber ein Besuch dort fast wie Therapie, wenn ich mit meiner Familie bei Bruno Suter im Restaurant Hölloch übernachten kann.

Wer Aldo eine Spende für seinen neuen Roman zukommen lassen will, kann ihn über seine Homepage kontaktieren. Auf dieser findet sich auch eine Leseprobe von „Fliegender Ring“.
Ich für meinen Teil habe es genossen, mit diesem leidenschaftlichen Schriftsteller und Musiker ein äusserst interessantes Gespräch zu führen und hinterher zwei Textteile zu verfassen. Der 45-Jährige ist für mich eine faszinierende Persönlichkeit. Einerseits ist er ein bodenständiger Muotathaler geblieben, andererseits spürt man schon, dass er mit dem Puls von Zürich lebt.
Ich wünsche Aldo und seiner Familie für 2017 nur das Beste und dass seine Träume ein Stück weit in Erfüllung gehen!

feldwaldwiesenblogger